Die hässlichste Frau der Welt – Margrit Schriber

Aufgepasst….

Hereinspaziert.

Hochverehrtes Publikum!

Meine Damen und Herren – treten Sie näher.
Das ist nichts für schwache Nerven! Schwangere und kleine Kinder sollten fernbleiben – seien Sie vernünftig. Drängeln Sie nicht…..

Ich präsentiere Ihnen eine der größten Attraktionen aus der verstecktesten und unzugänglichsten Ecke unseres Planeten – eine der aufregendsten Abnormitäten, die Sie jemals in ihrem Leben zu sehen bekommen werden. Halten Sie sich fest und betrachten Sie die absolut einmalige JULIA PASTRANA.

DIE HÄSSLICHSTE FRAU DER WELT…..

Für einen Zuschauer mag dies als Information reichen, um neugierig zu werden, das Eintrittsgeld zu bezahlen und sich an den Äußerlichkeiten zu ergötzen, sich zu amüsieren und abzulenken. Für einen Leser ist dies nicht genug – er öffnet das Buch, erliegt der Faszination der Charaktere in all ihrer Tiefe, taucht ein in die Welt der bizarren Ablenkungen in der Mitte des 19. Jahrhunderts und blickt hinter die Kulissen der größten Freakshow Europas.

Impresario Theodor Fairchild Lent ist im Besitz der einzigen Bartfrau des Kontinents – und das ist so gemeint, wie es geschrieben steht. Julia Pastrana ist sein Ticket zur Welt der Reichen und Wichtigen – er schlachtet sie aus, führt sie vor, gibt sie der Lächerlichkeit preis und stellt sie der forschenden Medizin in aller erforderlicher Brutalität zur Verfügung. Um Julias Hässlichkeit noch zu steigern benutzt er die kleine Schweizerin Rosie in all ihrer Schönheit als Kontrastprogramm.

Genau diese Rosie, ein Waisenkind aus den Bergen, gestrandet auf dem Weg nach Amerika, abgeschoben und vergessen, wird die Lebensfreundin Julia Pastranas. Sie stehen sich nahe, sind fühlende Individuen, suchen Geborgenheit und Wärme und sehnen sich nach dem wertvollsten Gut, der Normalität. Darüber hinaus verbindet beide Frauen die abgöttische Liebe zu ihrem Besitzer.

Am Ende des Weges, als alle Vorstellungen gegeben sind kehrt die Greisin Rosie als die ehemalige Bourlesquetänzerin Rosie La Belle in die Heimat der Berge zurück. Nur noch im Besitz einer kleinen Blechdose mit ihren wichtigsten Erinnerungen. Hier resümiert sie ihr Leben und ihre tiefe Beziehung zu Julia Pastrana.

Wird es ihr in der Einsamkeit der Berge gelingen, Julia in ihrem Andenken zu dem werden zu lassen, was sie immer so gerne sein wollte: einfach ein Mensch mit Würde?

“Die Jagd nach den Mumien ist vorüber. Die Metropolen sind abgegrast….. Will nur noch eins: dem Wind einen großen Kranz übergeben. Denn Tote ohne Grab verwahrt der Wind. Er pflückt Blumen und letzte Worte aus der Luft und trägt sie den Toten zu. Nichts geht verloren.”

Hereinspaziert – lesen Sie hinter die Kulissen… Sie werden einen wertvollen Menschen entdecken. Julia.
Diese Lovelybooks-Rezension hat auf der Homepage der Autorin einen schönen kleinen Platz gefunden:

http://www.margrit-schriber.ch/affenfrau.htm und
http://www.margrit-schriber.ch/pdf-dateien/a-frau-21.pdf

In einem handgeschrieben Brief vom 1.11.09 grüßt Frau Schriber ihre Leser in unserer Community mit folgenden Worten:

©Arndt Stroscher