Die Gauklerin von Kaltenberg – ein besonderes Gespräch steht an…

Eben noch herrschte heilloser Trubel und brausendes Stimmengewirr auf dem großen Marktplatz der wichtigsten Stadt in Hessen. Die Zunft der Schreiber hatte geladen, um ihre Geschichten feilzubieten und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, die des Lesens mächtig waren. Feinste Buchkunst und in wertvolles Leder gebundene Werke erfüllten das weite Rund und die Geschäfte gingen gut in diesen Tagen. Wochenlang hatten die Schreiber des Landes daran gearbeitet, die Handschriften so oft zu kopieren, dass sogar noch einige heiß begehrte Exemplare zum Verkauf angeboten werden konnten. In Lesebuden über den Platz verteilt lasen die Erzähler aus ihren Werken und das einfach Volk vergnügte sich köstlich. Essend und trinkend verfolgte man das bunte Treiben und so mancher dachte daran, dass dieser Markt der Schreiber wohl eine große Zukunft haben könnte.

Doch schon wehte der Rauch des Unheils über die Bänke, Tröge und Brunnen der Stadt – wild im Wind wehende Banner und Flaggen waren Vorboten drohenden Unheils. Nicht alle Geschichtenerzähler waren so harmlos, wie man es sich wünschte, einige gehörten sogar mehreren Zünften an und waren geschult im Kampf mit dem Beidhänder oder konnten zur gleichen Zeit Lesen, fechten und die grausamen Schlachtgesänge längst vergangener Fehden über die Köpfe der erstaunten Menge schmettern. Und wollte man sich einem solch geheimnisumwitterten Erzähler nähern, dann musste man mit dem Schlimmsten rechnen. Einige der Ritter, die ausgezogen waren, um über gute Geschichten zu berichten waren nie zurückgekehrt und selbst zur Geschichte geworden. Ein trauriges Schicksal.

Lange hatte sich das Gerücht gehalten, dass eine der großen Stimmen des Königreichs die Stadt betreten würde, um ihre neueste Legende über die „Gauklerin von Kaltenberg“ zu erzählen. Und nur ein Mann war mutig genug, ihr entgegenzutreten, um zu erfragen, was es mit ihrer Erzählung auf sich hatte. Ritteratwo, eigentlich ein harmloser Geselle, warf sich in Harnisch, Handschuh und Helm, denn der großen Stimme Julia Freidank eilte genau besagter Ruf voraus, Schwert, Feder und Gesang zu gleichen Teilen meisterlich zu beherrschen. Eine einsame Schenke im Land der Bayern sollte Schauplatz dieser Begegnung sein. Ermattet von seinen Erlebnissen auf dem Markt der Schreiber und nach der beschwerlichen Reise war zu befürchten, dass Ritteratwo der Erzählerin die falschen Fragen stellen könnte. Dies würde sein Schicksal besiegeln.

Der heutige Tag könnte über seine Zukunft entscheiden. So nehmt also Platz und wartet auf die Geschichte eines nicht ganz ungefährlichen Gespräches und wenn es Euch gefällt, dann spendet mächtiges Handgeklapper;-))

Jedoch nur, wenn der rezensierende Geselle den Abend wirklich überleben sollte.

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