Alle Farben des Schnees

Es ist wieder die Schweiz – literarisch ein ganz klein wenig meine Schweiz, da ich durch viele Bücher der Autorin Margrit Schriber ein Empfinden dafür habe, wie die Menschen auch heute noch in einzelnen Regionen dieses angeblich so verträumten Ländchens der drei Sprachen leben und denken. Weit ab von allen Klischees liegt dieses Empfinden.

Mehr als gespannt war ich deshalb auf das lange angekündigte „Ich bin dann mal weg – Buch“ der bekannten deutschen Autorin Angelika Overath.

Zuletzt konnte sie mich mit ihrem Roman „Flughafenfische“ mehr als begeistern und nun bin ich froh, in „Alle Farben des Schnees“ tief einge-sunken zu sein!

„Warum nicht dort leben, wo man sonst seinen Urlaub verbringt?“ Diese Frage beschäftigte sie und ihr Verleger antwortete nur kurz: „Warum nicht darüber schreiben, wie es ist, dort zu leben, wo man sonst seinen Urlaub verbringt?“

Dem Traum der Autorin und Reporterin, mit „Kind und Kegel“ aus der flüchtigen Heimat eines Urlaubsortes eine neue Heimat zu machen, ihr alltägliches Leben in Deutschland konsequent zurückzulassen und dem verlegerischen Interesse verdanken wir ein Buch, das ganz harmlos als Erlebnisbericht daherkommt. Sehr harmlos sogar.

In kurzen tagebuchartigen Einträgen finden sich zu Beginn die einfachen Überlegungen und Gedanken der Schriftstellerin zu diesem bedeutenden Schritt, von den einfachsten Banalitäten bis hin zu den allzu praktischen Überlegungen „wo wohnen, welches Haus, welche Schule für den jungen Sohn, was mit der studierenden Tochter, wie umziehen… usw.?“ Und es finden sich die Bilder des malerischen Sent im Schweizer Unterengadin. Des neuen Lebensmittelpunktes, umrahmt von prächtigen Bergen und bewohnt von Menschen, deren rätoromanische Sprache mehr als eine Grenze darstellen kann.

Angelika Overath wäre jedoch nicht Angelika Overath, wenn „Alle Farben des Schnees“ eine sprachlich einfache, unverblümte Auseinandersetzung mit dem gar nicht so Alltäglichen bliebe.

Der Sprung ins kalte Wasser – das große Wagnis, in der Abgelegenheit der Schweizer Berge ein ganz neues Leben zu beginnen – der große Schritt, Freunde und gewohnte Umgebung hinter sich zu lassen und Teil einer verschworenen dörflichen Gemeinschaft werden zu wollen öffnet ihr die Augen. Verliert die flüchtige Schönheit ihren Glanz, wenn man bleibt?

Dieser Sprung öffnet alle Sinne – die Wahrnehmung des Schnees wird täglich präziser. Alle Nuancen der Farbe, das Lichterspiel des einfachen Weiß im Verlauf der Sonnenstrahlen werden zu einem roten Faden, der ihr neues Leben begleitet. Alles ändert sich. Das Hören vernimmt eine Sprache – nicht mehr nur lustig, solange man dort im Urlaub verweilt. Nein – eine Sprache die es zu beherrschen gilt, die man in sich aufzunehmen hat um sich dauerhaft verständlich zu machen. Das Fühlen der menschlichen Atmosphäre in ihrem neuen Umfeld, das spürbare Knistern in der Distanz gegenüber den NEUEN im Dorf ist eine Erfahrung für sich.

Angelika Overaths Geschichte wird zu einem bedeutenden Erfahrungsbericht über Integration, Identität und Heimat. Kann man das Eine erreichen ohne das Andere zu verlieren? Passt man sich an oder verliebt man sich in sein neues Leben und kämpft darum, Teil zu sein – aufgesaugt zu werden und den neuen, scharfen und unverbrauchten Blick in Richtung Literatur zu lenken und zu schreiben.

„Alle Farben des Schnees“ haben Angelika Overath zu einer neuen Perspektive verholfen – ohne Illusion, ohne Klischee, ohne sich selbst zu verlieren. Ich denke, sie hat sich gewonnen und wir werden diese Erfahrungen und Gefühle in ihrem weiteren Schaffen sehen können. Ihre Worte strahlen in neuen Farben – in allen Farben.

Patrick Ness – Autor der New World Trilogie – im Gespräch mit Lovelybooks

Nach der Veröffentlichung meines letzten Artikels zum Thema “Freud` und Leid mit Mehrteilern – Teil 2″ tauchte die Frage auf, ob auch ich an einer Artikeltrilogie arbeite. Ich hätte nicht gedacht, so schnell eine Fortsetzung schreiben zu können. Aber ich habe Anlass dazu.

Nachdem ich im Rahmen dieses Berichtes auch die Trilogie “New World” von Patrick Ness vorgestellt habe und sie aus meiner Sicht als absolut lesenswert und ohne Schwächen bezeichnet habe, erhielt ich eine mehr als freundliche Rückkopplung des in England lebenden Autors. Aus der ein oder anderen gewechselten Mail entstand ein Interview für den Blog.Lovelybooks, in dem Patrick Ness über die Entstehung der Trilogie und die Bedeutung seiner deutschen Leserschaft Auskunft gibt.

Für mich war es am Ende der Trilogie “New World” vollkommen klar, dass Patrick Ness schon beim Schreiben der ersten Zeilen gewusst haben musste, wie die Story ausgeht.

Es war nicht nur ein Gefühl. Ich war mir da sehr sicher.

Die Konstruktion war so plausibel und ohne Widersprüche, dass es mir leicht gefallen ist, dem Autor über die drei Bände hinweg zu vertrauen und seinen Protagonisten durch die neue Welt zu folgen. Beim Schließen des letzten Bandes war ich am Ziel einer mehrjährigen Reise angekommen – an einem Punkt, der es mir ermöglichte, mich von der Geschichte zu trennen und sie in Gedanken doch ein wenig weiterzuspinnen. Ganz für mich alleine. Der Schluss der Trilogie gehört für mich zu den Highlights der bisher von mir gelesenen Mehrteiler.

Darüber hinaus fühlte ich mich beim Lesen von New World sprachlich und in bestimmten erzeugten Bildern an David Foster Wallace erinnert. Schmerzlich einerseits, weil er fehlt, freudig andererseits, weil ich diesen beschreibenden und malerischen Stil persönlich sehr schätze.

Ich hatte also viele Fragen an Patrick Ness und die “Interview-Cloud” füllte sich rasend schnell:

DAS INTERVIEW:

Patrick,ich muss die Frage einfach stellen. Gehe ich recht in der Annahme, dass du das Ende der Trilogie bereits kanntest, als du den ersten Satz des Buches geschrieben hast?

Dein Gefühl ist absolut richtig. Ich hatte tatsächlich die letzten Sätze aller drei Bücher vor Augen, bevor ich mit dem Schreiben des ersten Bandes “Die Flucht” begonnen habe.

Einerseits mag ich Geschichten, die ein “sauberes” Ende vorweisen können und andererseits gaben mir diese Sätze die Richtung vor, auf die ich mich als Autor zubewegen konnte. Ich wusste nicht genau, wie ich dort ankommen sollte, aber genau zu wissen, wie ich den Leser am jeweiligen Ende eines Bandes und schließlich am Ende der Trilogie zurücklassen würde, war sehr wichtig für mich.

Kennst / magst du den “Unendlichen Spaß” von David Foster Wallace? Ist es vorstellbar, dass dieses Buch dich in irgendeiner Art und Weise beeinflusst hat. Deine Fantasie oder Deinen Stil zu schreiben? Oder bin ich da Gefangener meiner eigenen Vorstellungskraft?

Es ist GROSSARTIG, dass du diese Frage stellst. Ich bin ein riesiger Fan von David Foster Wallace und seinem Roman “Unendlicher Spaß”. Es ist ein fantastisches Buch – grandios.

Ich bin mir nicht sicher, ob sein Stil mich beeinflusst hat, weil er so fokussiert und nach Innen gerichtet ist und ich meinen eigenen Stil, bezogen auf New World, absichtlich einfacher und offener gewählt habe (ich beschreibe eher die Gedankenwelt eines Teenagers der lernt und erwachsen wird).

Aber alleine Wallaces schierer Ehrgeiz und seine große Gabe, eine Welt zu erfinden die alleine auf der Grundlage einer unmissverständlichen Beschreibung einen perfekten Sinn ergibt, sind unglaublich. Ich denke ich habe ein wenig von diesem Gefühl verinnerlicht.

New World ist eine Dystopie. Sie spielt in einer fiktiven Gesellschaft, die auf dem Weg ist, sich zum Negativen zu entwickeln und zeigt die Rahmenbedingungen des Lebens in dieser Utopie. Spielt deine Geschichte in der Zukunft oder sind wir schon Teil davon?

Ach ich denke, die Welt ist bereits heute schon sehr “laut”. Es gibt eine Fülle an Informationen (Handy, Internet, Facebook, Twitter usw., usw., usw.) und so ist ein Teil des Buches mit unserem aktuellen Leben vergleichbar.

Aber ich denke, es besteht Hoffnung.

Gerade wenn alles schwierig scheint, ist das Wunder, wie zwei Menschen einander zu vertrauen lernen ein großer Hoffnungsschimmer. Wenn wir das auf einem entsprechend hohen Level realisieren können, dann sind wir auch fähig uns selbst zu retten. Wer weiß? Ich bleibe dennoch hoffnungsvoll. Die Menschheit ist zu den schrecklichsten Dingen in der Lage, aber Menschen stehen auch für Schönheit und Liebe, was am Ende mehr zählen könnte.

Dein Roman handelt ebenfalls vom Verlust der Privatsphäre und von der totalen Informationskontrolle. Jeder Mann in New World kann die Gedanken der anderen Männer hören. Nur Präsident Prentiss kann dies kontrollieren und nutzt diese Fähigkeit als Machtbasis. Allerdings ist kein Mann in der Lage, die Gedanken der Frauen zu vernehmen.

Und hier sind wir doch nicht mehr im Land der Fantasie. Frauen sagen doch andauernd, dass wir Männer nicht in der Lage sind ihre Gedanken und Wünsche zu lesen ,-)

Ach ja – es gab schon ein paar spaßige Anmerkungen zu diesem Thema. Ich wollte es wirklich nicht so mysteriös anlegen, obwohl Männer oft darüber scherzen, nie zu wissen was Frauen wirklich denken.

Ich wollte einen Unterschied darstellen und ihn so extrem wie möglich gestalten. Ich denke, das schlimmste Wesensmerkmal unserer Spezies ist die Unfähigkeit, einen Unterschied einfach nur als Unterschied zu akzeptieren. Entweder erheben wir ihn auf die Stufe “besser als wir selbst” und müssen ihn niederreißen, oder wir erniedrigen ihn andererseits zum “schlechter als wir” um ihn dann auszubeuten.

Wir würden so vieles besser machen, wenn wir nur akzeptieren könnten, dass Unterschiede einfach nur Unterschiede sind und kein BESSER oder SCHLECHTER.

Ich dachte, ich gestalte den Unterschied zwischen Männern und Frauen so extrem und beobachte, wie meine Figuren damit umgehen. In manchen Bereichen waren die Konsequenzen grausam, in anderen jedoch haben die Menschen hart dafür gekämpft, die Gesellschaft zusammen zu halten. Das war es, was mich interessiert hat.

Woher kam die Idee zu New World?

Ich dachte über neue Grenzen nach – wie Amerika oder Australien – und wo die nächste wohl verlaufen könnte. Offenbar würde sie „irgendwo da Draußen“ liegen und ich begann mich zu fragen, ob wir immer und immer wieder die gleichen Fehler begehen würden. Unsere regionalen Probleme im Gepäck, die Ureinwohner in gewohnter Weise unterdrücken usw., usw. Diese Gedanken waren es – ja.

Was empfindest du für deine Protagonisten? Du hast Todd und Viola von einem Desaster ins nächste geschrieben und dir oft recht viel Zeit gelassen, ihnen einen kleinen Fluchtweg freizuschreiben. Kein schlechtes Gewissen?

Ich liebe Todd und Viola. Ich weiß, dass ich ihnen viele Schwierigkeiten bereitet habe, aber ich war eben immer daran interessiert, zu sehen wie sie reagieren. Das Thema des Romans dreht sich um den Punkt, die eigene Menschlichkeit in unterschiedlichsten Situationen zu bewahren. Ich denke, beide haben ihre Fehler gemacht – das ist es, was Menschen eben tun – aber sie haben ebenso ultimativ gelernt, einander zu vertrauen um menschlich zu bleiben. Ich empfinde sie beide als berührend – und wünsche ihnen Gutes.

Im Gegensatz zu seinem Alter von 13/14 Jahren ist Todd eine ausgeprägt starke Persönlichkeit. Er ist mutig, selbstsicher und zielbewusst. Gibt es ein reales Vorbild für ihn – finden wir gar der jugendlichen Patrick Ness in dieser Figur wieder? Und wer ist Viola? Nur eine Erfindung?

Ich befürchte, es gibt kein reales Vorbild für Todd. Ich selbst war nicht annähernd so selbstbewusst wie er, aber es kann sein, dass ich in weiten Teilen so dachte. Im Wesentlichen sind beide, Todd und Viola, erfunden. Ich hatte eine Vorstellung von ihnen und setzte sie dann bestimmten Situationen aus um zu sehen, wie sie damit umgingen und wuchsen.

Vielleicht haben sie so begonnen, ein eigenes Leben zu führen.

Todd musste ohne seine Eltern aufwachsen, hatte jedoch in Ben und Cillian zwei exzellente Ziehväter. Beide sind verantwortlich für seine Stabilität auf dem schwierigen Weg, den er zu meistern hat. Welche Bedeutung hat Erziehung für dich?

Die Liebenswürdigkeit ist wichtig, teilweise erkennt man genau daran, dass Todd nicht wirklich gut mit seinem Ziehvater Cillian auskommt. Am Ende jedoch begreifen wir, dass Cillian ihn liebt und nur sein Bestes will. Ich denke, Liebenswürdigkeit ist wirklich das Schlüsselwort.

Wir gehen so lieblos mit uns selbst um, dass es auf unsere Kinder ausstrahlt. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass wir Kindern immer alles geben sollten, was sie gerade begehren! Aber immer zu wissen, dass man geliebt wird ist meiner Meinung nach das Beste was man jemals für sein Kind tun kann.

Du bist gebürtiger Amerikaner, hast einige Jahre in Hawaii, Washington und Los Angeles verbracht, bevor du nach London gezogen bist. Ist es das tropische Klima der englischen Hauptstadt oder gibt es einen anderen Grund, dort zu leben?

Mein Partner ist Engländer – so einfach ist das. Das Wetter ist vergleichbar mit dem in Seattle, wo ich einen Großteil meiner Jugend verbrachte, und insofern stellt es für mich kein Problem dar. Mir gefällt es sehr hier und ich fühle mich wohl.

Welche Bedeutung hat es für dich, zu wissen, dass deine Bücher weltweit, ganz besonders natürlich in Deutschland, gelesen werden? Stehst du in Kontakt zu deutschen Lesern und wie sieht das Feedback aus?

Ich hatte viele Kommentare von deutschen Fans auf meiner Webseite und einige sehr schöne Rückmeldungen. Ich bin mehr als erfreut darüber, Leser in Deutschland zu haben. Ich spreche ein ganz klein wenig, ein klitzeklein wenig, ein winzig wenig Deutsch (“bisschen”) und deshalb ist es immer großartig, von euch zu hören.

(Zitat aus der englischen Originalfassung des Interviews: I speak a teeny, tiny, wee little bit of German (ein bisschen), so it’s always great to hear from you.)

Auf welche Frage, die man dir noch nie gestellt hat, würdest du gerne antworten?

“Darf ich dir einen Drink ausgeben?” – Meine Antwort: Ja.

Gibt es neue Projekte? Dürfen wir uns auf eine neue Trilogie oder einen neuen Roman freuen oder fällt das in die Kategorie “Top Secret”?

Im Mai erscheint mein neuer Roman “A Monster Calls” in England. Dazu wird es bestimmt bald auch in Deutschland interessante Neuigkeiten geben, aber das ist wirklich noch streng geheim.

Patrick – danke für dieses Interview!

You’re very welcome. Chusst! (nach einer Rückfrage bei Patrick erschließt sich mir das englisch – umgangssprachlich – verdeutschte Chusst als “Tschüss” )

Sönke Brandschwert im „Schattenraum“-Interview

“Es war dunkel im Zimmer. Die Tastatur wurde lediglich durch das schwache Licht des Monitors angestrahlt. Im grünen Schimmer sah Sybilles halbleere Kaffeetasse gespenstisch aus.

Doch das bemerkte die Frau gar nicht, denn sie nahm die Augen nicht vom Bildschirm. Jede Zeile, die neu angezeigt wurde, fixierte sie in gespannter Erwartung, fast so, als wollte sie die gewünschten Worte heraufbeschwören. Zwischendurch nahm sie immer wieder einen Schluck Kaffee, der sie noch nervöser machte.

Sie war zu Hause. Sowohl räumlich als auch virtuell. Seit über drei Jahren war dieser Chat ihre Heimat. Vieles in ihrem realen Leben hatte sie an das virtuelle Dasein im Cyberspace angepasst.

Selbst in ihren sprachlichen Wortschatz waren Begriffe wie lol oder mombi eingeflossen.“

Es sind oft die reinen Zufälle im Leben, die dem geneigten Leser ein Buch in die Hand spülen. Man steht am Ufer des unüberschaubaren Literatur-Ozeans und mit der Flut landet ein Roman an, dessen Inhaltsangabe sofort Interesse weckt. Vom Autor hat man bisher noch nie gehört, was in meinem Fall allerdings nichts zu bedeuten hat, wusste ich doch bis zur Nobelpreisverleihung nichts von der Existenz Herta Müllers. Also frisch ans Lesen und keine Scheu vor der Überraschung, die mit sanftem Zwang zupackt.

Und groß ist sie – die Überraschung! Ich stelle fest, dass ich die Figuren aus dem Schattenraum mag, in die Handlung eintauche und in den unendlichen Weiten einer virtuellen Chat-Charade versinke. Nichts ist wie es scheint – niemand ist, wer er ist und mittendrin ein Computerspezialist, der in seiner Freizeit versucht, seiner Freundin zu helfen. Gina ist Polizistin und bittet Sven um Hilfe. Überlastung, fehlende Sachkompetenz und andere Schwerpunkte machen die Kripo rat- und hilflos im Versuch zwei Frauenmorde aufzuklären, die eine große Gemeinsamkeit aufweisen. Beide Opfer waren in den Wirren eines Erotik-Chats verstrickt und nun können vielleicht nur noch die Chatter selbst Auskunft darüber geben, auf wen sie sich eingelassen haben.

Sven registriert sich im Chat und es beginnt ein Verwirrspiel um groteske Lügen, verschleierte Identitäten und er gerät in den Strudel einer aberwitzigen Mordserie. Aber Sven wäre nicht Sven, wenn er nicht sogar in diesem Strudel denken würde, das Ruder in der Hand zu haben. Er denkt es zumindest, bis er auf die Chatterin “Löffelchen” stößt.

Der Krimi selbst, die Protagonisten und die Art, wie ich gepackt wurde haben mich veranlasst zu recherchieren. Ergebnis: hervorragende Rezensionen in unterschiedlichen Foren, mehrere Bücher und vieldiskutierte Geschichten. Grund genug, mich Sönke Brandschwert an die Fersen zu heften und das folgende Interview über Gott und die Welt für Lovelybooks zu führen!

Freud` und Leid mit Mehrteilern…. Trilogien und mehr…

Während begeisterte Leser SMARAGDGRÜNEN Trilogien ihren ewigen TRIBUT zollen, mag man sich fragen, ob solche auf mehrere Teile angelegte Werke dem Zeitgeist entspringen, eine literarische Modeerscheinung darstellen oder schlichtweg in den Konzeptionsküchen großer Verlage erdacht werden, um den Erfolg eines einzelnen Buches zu strecken, und aus einem Frühjahrsbuch ein ganzjähriges und in Verbindung mit seinen ungezählten Fortsetzungen sogar ein ewig währendes  wirtschaftliches Konstrukt werden zu lassen.

Ich habe mir als begeisterter Leser von Tad Williams (siehe Teil 1 des “Freud` und Leid Artikels”) angewöhnt, mich bezogen auf Trilogien in Geduld zu üben. Oftmals zu warten, bis alle Bände erschienen sind und mich dann in einem Rutsch durch die üppigen Handlungsfelder zu nagen. Bei einigen Büchern konnte ich jedoch nicht widerstehen. Sie zu lesen basierte auf dem “Rail`schen Phänomen” des ungezielten Lustkaufs.

Karten und Illustrationen zu Joshua Mowll`s Gilden Chronik

Es sind Bücher die mich im Sprung erobert haben und bei denen ich erst von Seite zu Seite realisierte, dass die Auflösung der komplexen Handlungen definitiv nicht im letzten Kapitel zu erwarten ist. Manchmal habe ich mich sogar ganz bewusst auf solche Bücher eingelassen – getragen von der Hoffnung, nicht enttäuscht zu werden.

Woran merken wir Leser, ob eine Geschichte trägt, ob sie schon von Anbeginn des Denkens auf mehrere Teile angelegt war, oder ob genau das Gegenteil der Fall ist und wir uns von Band zu Band nur noch durch eine aufgeblähte Handlung quälen, um endlich erfahren zu dürfen, wie eine Geschichte endet, der man sich Jahre zuvor lesend anvertraut hat?

Woran nur…?

“New World” von Patrick Ness

Die Ausgangssituation:

Wir befinden uns in Prentisstown, einer von Menschen geschaffenen Kolonie auf dem Planeten New World. Die Bewohner stehen am Ende des gewonnenen Krieges gegen die Ureinwohner vor zwei unlösbaren Problemen. Einerseits gibt es keine Frauen mehr, was man den besiegten „Spackles“ anlastet und andererseits leiden die überlebenden Männer der Kolonie unter dem Phänomen, dass sie Gedanken nicht mehr voreinander verbergen können.

Bürgermeister Prentiss versucht den überall vorherrschenden Lärm zur Untermauerung seiner Macht zu nutzen und träumt von einem Planeten unter seinem Regiment. Nichts ist geheim – kein Gedanke bleibt ihm verborgen.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der 13jährige Todd, das letzte Kind der Kolonie. Bei seinen Streifzügen stößt er auf das Unfassbare. Ein Mädchen namens Viola. Sie ist die einzige Überlebende eines abgestürzten Erkundungsschiffes, das die Ankunft weiterer 5000 Siedler vorbereiten sollte. Die größte Überraschung ist jedoch, dass Todd die Gedanken des Mädchens nicht wahrnimmt, während sie jedoch ungestört in seinem „Lärm“ lesen kann, wie in einem offenen Buch.

Diese Entdeckung macht Todd zur Gefahr für das Machtstreben des Bürgermeisters und er begibt sich gemeinsam mit Viola auf eine tollkühne Flucht quer über den Planeten.

Es entwickelt sich ein spannungsgeladener Konflikt zwischen den Männern und Frauen der Kolonie, flankiert vom neu erwachten Widerstandswillen der „Spackles“ und überschattet von der drohenden Ankunft weiterer Siedler. Wer wird herrschen, wenn die Schiffe landen? Dies ist die zentrale Frage.

Im Zentrum des Sturms befinden sich Todd und Viola, die, verbunden durch den gemeinsamen Wunsch eine Kolonie des Friedens zu gestalten, eine Vielzahl von Prüfungen zu überstehen haben, bevor sich ihr Schicksal erfüllt.

Mein Gefühl:

Patrick Ness hat eine Welt geschaffen in der nichts gekünstelt ist – der Leser taucht sofort ein und wird vom atemberaubenden Tempo gepackt. Der Lärm der Gedanken ist in den Zeilen greifbar und wird unerträglich. Man schafft es nicht mehr das Buch aus der Hand zu legen, da man untrennbar mit der Geschichte von Todd und Viola verwoben wird. Diese Trilogie beweist, dass die jeweiligen Fortsetzungen bereits früh angelegt waren und in jeder Beziehung den Faden aufnehmen, um den Leser an der Stelle abzuholen, an der er rat- und rastlos zurückblieb…

Ich habe selten zuvor eine dermaßen geschlossene Geschichte gelesen, die in Qualität und Struktur diese drei Teile bedingt, ohne sich auch nur an einer einzigen Stelle zu verzetteln.

FAZIT: absolut lesenswert – Trilogie ohne Schwächen

“Die Gilden Chronik” Drei Operationen von Joshua Mowll

Die Ausgangssituation:

Als Joshua Mowll, der Autor dieser Romanvorlage, den Nachlass seiner verstorbenen Tante Rebecca erbt, kommt er einem unglaublichen Geheimnis auf die Spur: einer uralten Geheimgesellschaft, deren Wissen der Menschheit einen epochalen Fortschritt bescheren oder sie zerstören kann. Rebecca und ihr Bruder Douglas gerieten in den 1920er Jahren mitten in eine Verschwörung, die sie beinahe das Leben gekostet hätte. An Bord eines Forschungsschiffes mit geheimer Mission beginnt ihre geheimnisvolle Odyssee auf der Suche nach ihren Eltern und der Ursache für das Verschwinden ihrer Eltern. Die Reise führt mit abenteuerlichen Fahrzeugen zu den aufregendsten Plätzen der Erde. Von China zu geheimen und befestigten Inseln bis zur sagenhaften Stadt des Todes Hsinkiang, wo sich ihre Bestimmung erfüllen sollte.

Mein Gefühl:

Der Autor Joshua Mowll spannt den Handlungsbogen der Geschichte über die Teile der Trilogie, indem er sich quasi als Protagonist in den Plot einfügt und er vorgibt, diee Originaldokumente von seiner Großtante – einer gewissen Rebecca MacKenzie – geerbt zu haben. Diese direkte Beziehung zu den Kindern von einst lässt die Grenzen der Zeit verschwimmen und man folgt ihnen auf ihrer Suche, wohl wissend, dass auch die Geheimnisse um Joshua selbst ans Licht des Tages streben.

Ich habe selten eine hochwertigere Buchausgabe in gediegener Notizbuchform in Händen gehalten. Unzählige Illustrationen, Bilder und Klappkarten veranschaulichen die Beschreibungen aus dem Roman. Ein absolutes Erlebnis in Wort und Bild, das gerade Jugendliche anregt, weiter zu recherchieren. Die Handlung selbst verflacht ein wenig bis hin zum Finale, was aber durch den hohen Erlebniswert der Bücher kompensiert wird.

FAZIT: lesens- und absolut sehenswert,

“Leviathan” von Scott Westerfeld

Ausgangssituation:

Europa am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Und doch ganz anders, als wir es kennen.

Prinz Aleksandar, der Sohn des in Sarajevo ermordeten Erzherzogs Franz Ferdinand, ist auf der Flucht. Seine eigenen Leute jagen ihn gnadenlos und plötzlich steht er zwischen allen Parteien. Alles, was ihm bleibt, ist ein »Stormwalker«, eine der perfekten neuartigen Lauf- und Kriegs-Maschinen seines Landes.

Doch auch in den Schweizer Alpen ist Alek nicht sicher, als dort das britische Luftschiff »Leviathan« landet – eine nie dagewesene Mischung aus Tier und Maschine und das Meisterstück der britischen Armee. Die »Leviathan« befindet sich auf geheimer Mission ins Osmanische Reich. Mit an Bord: die als Junge getarnte Deryn, der nichts so wichtig ist wie das Fliegen …Alek rettet sich an Bord der »Leviathan« und muss mit Deryn gemeinsame Sache machen.

“Betankst Du Deine Kriegsmaschine oder fütterst Du sie?” Das ist hier die Frage…

Mein Gefühl:

Mein erster Gehversuch im Genre “Steam Punk”. Der erste Teil besticht alleine schon durch seine Aufmachung und die präzise Gestaltung der Rahmenbedingungen der gesamten Handlung. Englands Darwinisten haben es geschafft, Lebensketten zu verbinden und auf diese Art und Weise lebendige Kriegswesen zu erschaffen, die sich nun im Konflikt mit den Kriegsmaschinen der Mechanisten messen müssen.

Die Illustrationen von Keith Thompson sind von derart atmosphärischer Qualität, dass sie die Handlung mehr als untermalen.

Der erste Teil der Trilogie (Behemoth) hat sowohl im Plot, in der Charakterzeichnung der Protagonisten als auch in der einzigartigen Rahmenhandlung absolut das Zeug zur Ausnahmeerscheinung im Buchjahr 2011.

FAZIT: Tendenz absolut lesenswert – absolut sehenswert

“Die Tribute von Panem” von Suzanne Collins

Ausgangssituation:

Alle Kriege sind geführt, viele Naturkatastrophen haben ihre Narben hinterlassen und dort, wo einst Nordamerika war, hat sich Panem aus dem Staub der Geschichte erhoben.

Regiert vom machtbesessenen Kapitol existieren zwölf strikt voneinander getrennte Distrikte, deren Aufgabe es ist, die herrschende Klasse mit Waren zu versorgen. Dabei ist jeder einzelne Distrikt für je eine Produktionsaufgabe zuständig, von Luxusgütern (Distrikt 1) bis hin zur Kohlegewinnung (Distrikt 12). Dies erklärt auch das Bedeutungs- und Armutsgefälle zwischen diesen Bereichen, wobei die Menschen im Kohlebergbau die Ärmsten und am schlechtesten ernährten Sklaven des ganzen Landes sind. Denn Leibeigene sind sie alle – nachdem der verzweifelte Aufstand gegen das Kapitol blutig niedergeschlagen und mit der vollständigen Vernichtung des 13. Distriktes bestraft wurde.

Um weitere Rebellionen zu unterbinden, hält die Regierung die Bewohner Panems in dem qualvollen Bedrohungszenario der “Hungerspiele” gefangen. Jährlich zwingt das Kapitol in einem Losverfahren jeweils zwei Jugendliche jedes Distriktes, gleichsam als Tribut und Menschenopfer, bei diesen Spielen gegeneinander in einem Kampf auf Leben und Tod anzutreten, bei dem es nur einen Sieger geben darf. Als Preis winkt dem siegreichen Gladiator ein sorgenfreies Leben und dessen Distrikt ein Jahr lang die Vergünstigung, etwas weniger an Hunger und Entbehrung leiden zu müssen.

Die sechzenjährige Katniss muss an der Seite ihres Weggefährten Peeta mehr als einmal die Arena betreten, bevor in ihr der Wille zum Widerstand erwacht. Jedoch ist Peeta nur Gefährte – die große Liebe des jungen Mädchens trägt einen anderen Namen…

Mein Gefühl:

Suzanne Collins entwirft eine näherungsweise perfekte sozialkritische und ökologische Gesellschaftsutopie und es gelingt ihr hervorragend, die Dimensionen der heutigen Unterhaltungsindustrie in diese Situation zu projizieren. Ein tödlicher Mix aus Big Brother und modernen Gladiatorenwettkämpfen. Dabei schickt sie mit Katniss eine der packendsten und greifbarsten Protagonistinnen, die ich in den letzten Jahren lesend begleiten durfte, in die Arena. Der Leser wird von der Handlung eingeatmet und durchlebt schlaflose Nächte an ihrer Seite, jagend, hoffend, wartend, zweifelnd und in Bäumen festgeschnallt schlafend.

Die ersten beiden Teile verlieren zu keinem Zeitpunkt an Fahrt und die Handlungsfäden verweben die Bücher zu einem einzigartigen Ganzen. Der Abschlussband Flammender Zorn wird mich als ganz gezielter Lustkauf in den nächsten Tagen begleiten. Ich zweifle nicht an seiner Qualität.

FAZIT: Das Beste vom Besten…

Tja, nun bleiben noch all die Ungenannten. All die unerwähnten Trilogien oder Mehrteiler, wie DAS TAL, SHADOWMARCH, DER GOLDENE KOMPAS und all die Gelesenen, wie der DRACHENBEINTHRON, DIE KINDER DES GRAL von Peter Berling oder DIE ERBEN KAINS von John Jakes.

Trilogien pflastern meinen Weg und ich empfinde es persönlich als Zeichen lebendigsten Lebens, wenn es mir wieder einmal gelingt das Ende eines Mehrteilers zu erlesen. Es ist die Schlimmste aller Vorstellungen, irgendwann einmal den letzten Teil nicht mehr lesen zu können, weil…

Aber das ist eine andere Geschichte. Ich danke fürs Lesen…

Stadtführung auf den Spuren eines Frauenmörders?

Ein Buch entfacht eine lebhafte Diskussion...

Nachdem ich im Blog.Lovelybooks bereits über das Buch „Heinrich Pommerenke, Frauenmörder – ein verschüttetes Leben“ berichtet habe und sich der Autor Thomas Alexander Staisch in einem Kommentar selbst zum Artikel geäußert hat, schärft sich unser Blick für die laufende Diskussion über das Buch und die damit verbundene Aufarbeitung des Lebens eines Serienmörders.

Zwei Aspekte der aktuellen Berichterstattung möchten wir gerne nachreichen:

Die Frage der Schuldfähigkeit aus heutiger Sicht!

Badische Neueste Nachrichten vom 25. November 2010

Teile des Gutachtens liegen Literatwo vor und der oben veröffentlichte Artikel basiert dementsprechend keinesfalls auf Vermutungen, sondern auf der fundierten Berücksichtigung der Arbeit von Professor Lempp.

Der aktuelle Umgang mit dem Täter:

Reutlinger Generalanzeiger vom 04.01.2011

Von Susanne Kupke, dpa

Eine Stadtführung über einen Frauenmörder – darf man so was? In Karlsruhe befürchten manche die Verherrlichung einer »Bestie«. Für andere gehört der Fall Pommerenke zur Stadtgeschichte. Die Pläne sorgen für Diskussionen.

Vier Frauen hat Heinrich Pommerenke im Südwesten auf bestialische Weise ermordet. Dazu kommen Dutzende Mordversuche, Vergewaltigungen, Raubüberfälle und Erpressungen. Vor mehr als 50 Jahren wurde er durch einen Zufall gefasst. Jetzt wird wieder heftig über ihn diskutiert.
FOTO: dpaKarlsruhe (dpa)

Im Frühsommer 1959 wird eine junge Studentin bei Tempo 120 aus einem Zug zwischen Heidelberg und Basel geworfen. Der Täter zieht die Notbremse, eilt zum schwer verletzten Opfer, tötet es und vergeht sich an der Leiche. Das war nur eine der grausamen Taten des vor zwei Jahren im Gefängnis gestorbenen Frauenmörders Heinrich Pommerenke.

In Karlsruhe wird jetzt über eine Stadtführung auf den Spuren des Serienmörders nachgedacht – schließlich gebe es zum Beispiel in London auch Führungen zum Serienkiller Jack the Ripper. Noch ist nichts entschieden. Doch schon die Pläne sorgen für heftige Diskussionen.

Vier Frauen hat Pommerenke im Südwesten auf bestialische Weise ermordet. Dazu kommen Dutzende weitere Verbrechen wie Mordversuche, Vergewaltigungen, Raubüberfälle und Erpressungen. Vor mehr als 50 Jahren wurde er durch einen Zufall gefasst. Seitdem saß er hinter Gittern. Er starb im Dezember 2008 im Alter von 71 Jahren im Gefängniskrankenhaus Hohenasperg bei Ludwigsburg – nach fast 50 Jahren Haft.

Der Karlsruher Journalist Thomas Staisch hat die Geschichte des Mörders lange recherchiert und jüngst dazu ein Buch veröffentlicht (»Heinrich Pommerenke, Frauenmörder. Ein verschüttetes Leben«). Sein Wissen will er weitergeben. Mit Mitarbeitern des Karlsruher Tourismusbüros unternahm er kurz vor Weihnachten eine erste Probe- Tour auf den Spuren des Mörders. Pommerenke hatte 1959 auch in Karlsruhe eine Frau getötet und weitere Verbrechen verübt. Kurzzeitig fand er hier sogar – unweit einer Polizeiwache – Unterschlupf.

»Es geht mir nicht darum, mit der Stadtführung Pommerenke ein Denkmal zu setzen, sondern um aufzuklären«, sagt Staisch. »Es ist ein sehr berühmter Kriminalfall, der zu Karlsruhe gehört.« Schließlich gebe es zu allen möglichen Themen Stadtführungen. »Man muss auch zu den dunklen Kapiteln der Stadtgeschichte stehen«, meint er. Das sahen Mitarbeiterinnen des Tourismusbüros laut Berichten der »Badischen Zeitung« und der örtlichen »Badischen Neuesten Nachrichten« (BNN) offensichtlich nicht viel anders.

Nachdem bei den »BNN« aber Proteste vor allem älterer Leute gegen das »geschmacklose« Vorhaben eingingen, zeigt man sich beim Tourismus-Büro zugeknöpft. »Es gibt noch keine abschließende Entscheidung«, sagt die Chefin Monika Storck. »Wir müssen uns noch Gedanken darüber machen, ob das ganze gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen vertretbar ist.« Es dürfe jedenfalls keineswegs nur die Täterseite gezeigt werden.

Zugleich verweist Storck auf das breite Spektrum von Angeboten bei Führungen in der sogenannten Residenz des Rechts, der Stadt als Sitz der höchsten deutschen Gerichte und der Bundesanwaltschaft. Und Autor Staisch nennt das Beispiel anderer Städte: »Vor Jahren bin ich in London als Tourist auf den Spuren des Serienkillers Jack the Ripper gewesen. Ich finde eine solche Stadtführung legitim. Und für Karlsruhe wäre aus meiner Sicht eine über Pommerenke genauso legitim.«

Ein heute 71-jähriger, pensionierter Bahnbeamter, der 1959 beim Nachtdienst von Pommerenke überfallen wurde, sieht das nicht ganz so: »Würdig ist das aus meiner Sicht nicht.« Der Karlsruher war das letzte Opfer Pommerenkes, bevor jener kurz darauf festgenommen wurde. Zwar ist auch er dafür, dass das dunkle Kapitel aufgearbeitet wird und bei Führungen erwähnt wird.

»Von einer separaten Stadtführung würde ich aber abraten«, sagt der 71-Jährige, der seinen Namen nicht nennen mag. Zum einen wird nach seiner Meinung damit dem Täter ein zu großer Stellenwert eingeräumt. »Und für die Opfer und ihre Angehörigen ist es ein zu trauriges Kapitel.« Pommerenke hatte über sich selbst gesagt: »Vor Ihnen sitzt kein Mensch, sondern der Teufel.«

Eine Aktuelle Meldung auf ka-news.de zum Thema Stadtführung!

Keine Mördertour für Karlsruhe geplant!

PS: Ein Interview mit Thomas Alexander Staisch wird es geben – wir haben viele Fragen. Wenn Ihr gerne Fragen beisteuern wollt – einfach diesen Artikel kommentieren. Wir werden Eure Beiträge in das Gespräch mit dem Autor einfließen lassen.

PPS: Literatwo auch im Fokus von Paperblog! Beide Artikel zum Pommerenke Buch auf der Empfehlungsliste im Ressort Literatur!

Doppelempfehlung!