Der Frauenjäger von Petra Hammesfahr

Du hast keine Ahnung wo du dich befindest. Komplette Dunkelheit um dich herum. Keine Erinnerungen – jedenfalls fast keine. Du wirst wach – Dunkelheit umgibt dich – Erde und Steine schürfen deine Hände und Knie auf.

Du kriechst desorientiert über den Boden und beginnst zu hoffen. Du stirbst fast vor Durst und langsam setzen die Erinnerungen an die Tage vor deinem Blackout ein.

Du warst zufrieden mit deinem Leben – hast einen liebevollen Ehemann und gute Freunde, bist zuhause und kümmerst dich um alles und dann – plötzlich – verändern ein Buch und eine Lesung alles. Dein Filmriss gibt Sequenzen preis, die du gar nicht sehen möchtest. Dein Mann – blutverschmiert an deinem Bett…

Du hattest einen Verdacht. Warst schon ein wenig auf der Spur. Tote Frauen…. Du weißt es genau: Ein Serienmörder geht um und du – ja du – passt absolut in das Muster des Frauenkillers.

Es ist so dunkel und du hörst Musik – ein einziges Lied – wie aus weiter Ferne – sich endlos wiederholend – eigentlich ein Lied, das dir gefällt – aber unter diesen Umständen klingt es bedrohlich, weil es einfach nicht enden mag.

ANGST beherrscht dich – bist du in der Gewalt des Frauenjägers? Du fühlst seine Nähe….

Und das Lied will einfach nicht enden… Ebenso wie die Dunkelheit…

Wo bist du, fragst du dich immer wieder. Deine Knie bluten, du versuchst dich in der Dunkelheit zu orientieren. Langsam, ganz langsam versuchst du dein Umfeld zu ertasten. Dein Gewicht lagert auf Knien und Händen, das Vorankrabbeln wird schmerzhaft. Dein Mund ist trocken. Du wünschst dir einen Schluck Wasser herbei. Nichts. Nichts außer Dunkelheit umgibt dich und auch deine Handtasche, in der sich vielleicht etwas hilfreiches finden ließe, ist nicht bei dir.

Es ist dunkel, dunkel, dunkel und nirgends scheint es Licht zu geben. Du wirst schwächer und schwächer und das Lied läuft ohne Pause. Immer wieder fängt Marianne Faithfull erneut an. Ballad of Lucy Jordan, du liebst dieses Lied, du liebst es eigentlich. Doch es hört nicht auf, deine Ohren beginnen zu dröhnen, Marianne Faithfull kennt kein Ende. Genau wie die Dunkelheit kein Ende zu haben scheint. Auswegslos.

Das Video wird schwarz angezeigt? Richtig so, denn so geht es der Protagonistin Marlene – Dunkelheit und das Lied – Ballad of Lucy Jordan -, welches nicht aufhört zu spielen.

Raily ist ein Fraugenjäger, er jagt, ich bin ein Frauenjäger, ich jage.

Gejagt durch das Buch, jagend im Buch. Gejagt, gejagt, gejagt. Im Buch geht es nicht nur um den Frauenjäger der jagt, es ist auch eine Jagd durch die Seiten, getrieben von den Worten der Autorin Petra Hammesfahr. Sie treibt als Jägerin vor sich her, lässt über ihre Wörter jagen. Jagdzeit. Jagdfieber. An ein zur Ruhe kommen ist nicht absehbar, das Aufhören der Jagd scheint nur am Ende des Buches möglich zu sein, so war es für uns. Das Buch jagt, es treibt, es lockt und die Spannung steigt ins Unermessliche.

Es gibt viele Bücher, die locken und jagen und voller Spannung sind, aber sucht man nicht auf jeder Seite nach Hinweisen, giert nach Anzeichen, welche Person sich nun hinter dem Frauenjäger versteckt? Auf der einen Seite schon, man denkt, doch man denkt nicht so wie in anderen Thrillern oder Krimis. Petra Hammesfahr scheint den Roman so konstruiert zu haben, dass sie den Leser nicht sofort fündig werden und nicht spekulieren lassen will.

Eins zu eins schlüpft man in ihre Protagonistin Marlene, die Knie beginnen zu bluten, der Schweiß steht auf der Stirn, der Durst wird größer, die Dunkelheit ist allmächtig und Marianne Faithfull will nicht von der Seite weichen.

Und wo lauert er? Wo lauert der Frauenjäger? Wann schlägt er zu? Wird es gleich passieren oder später? Wie wird er vorgehen? Wird es noch einmal hell werden?

Und dann passiert es, zu Marianne Faithfull`s Stimme gesellt sich das Rauschen dazu…

Der Frauenjäger von P. Hammesfahr – eine Hammerempfehlung von Literatwo

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