Stefan Albus: „Santiago liegt gleich um die Ecke“

Ein Weg begleitet mich seit mehreren Jahren. Beharrlich – mal in Träumen – mal real – mal in Gesprächen – mal in der Literatur.

Der Jakobsweg.

In meinen Träumen bin ich bereits oft nach Santiago de Compostela gepilgert. In Büchern habe ich viele Etappen erlesen und Gedanken verinnerlicht, die man sich in der einsamen Entschleunigung so machen kann. In Gesprächen habe ich den Glanz in den Augen ehemaliger Pilger gesehen, die durch die Fülle der Erlebnisse gar nicht wie Ehemalige aussahen! Und real, wenn ich Teile des Weges unmittelbar vor meiner Haustür oder an anderen Orten, wie zum Beispiel in Hof oder Prüm entdecken durfte.

Literatwo kann davon ein ganz eigenes Lied singen. Der Weg verfolgt uns beharrlich, wie Ihr der eigenen BlogKategorie „Unser Jakobsweg“ entnehmen könnt.😉

Jedoch – gegangen sind wir nicht. Bisher nicht.

In letzter Zeit ärgere ich mich über die eine oder andere Publikation über den Jakobsweg. Das kontemplativ Einzigartige, das ungeteilte Erleben und die Beschäftigung mit dem eigenen Ich treten oftmals in den Hintergrund und man wird lediglich Teilhaber am Stress der Unterkunftssuche und des enttäuschten Anspruchsdenkens der Menschen, die eigentlich genau diese Heraus-forderungen gesucht haben. Spanien wird zum Fremdkörper und der Weg wird als reine Touristenillusion beschrieben.

Ausnahmebücher... Ausnahmeerscheinungen... ausnehmend gut...

Es gibt Ausnahmen – ja – gewiss… aber man kann sie an wenigen Fingern einer Hand abzählen. Unvergessen die Erlebnisse von Carmen Rohrbach und Tim Moore, die ihren Weg um die Dimension „Esel“ erweitert haben und so zu allumfassenden individuellen Sichtweisen gelangten. Unvergessen: Sven Nieder, der mit einer Camera Obscura Bilder des Weges entstehen ließ, die seiner Philosophie des Pilgerns so sehr entsprachen. Keine Momentaufnahmen! Ewigkeitsaufnahmen aus dem Moment heraus. Unvergessen. Unerreicht: Peter Lindenthal, der den gesamten Weg erneut absolvierte um seinem verstorbenen Pilgergefährten Ajiz zu gedenken. Ein Weg für einen Hund – ein Hund für einen Weg – unvergessen. Und nicht zuletzt Brigitte Riebe, die all ihre literarische Liebe als Urmutter des Deutschen Jakobsweges in ihre Romane hat einfließen lassen.

All dies spielte sich in meinem Kopf in Spanien ab – ausschließlich. Nur Santiago als Ziel konnte in meiner Vorstellung das freisetzen, was im Leben fehlte. So dachte ich. Und die Teile des Sternenweges, die man in Deutschland so findet, hatten immer nur den Hauch eines „Vorgeschmacks“ – einer „Ouvertüre“ – niemals jedoch den Charakter eines „Hauptganges“.

Und dann das!

Mehr als eine Autorenseite - Homepage - Heimatseite...

Stefan Albus, eigentlich besser Dr. Stefan Albus (aber Titel scheinen ihm nicht wichtig – er selbst nimmt sich nicht zu wichtig – ist gelöst und offen ohne sich erst eine Maske vom Gesicht reißen zu müssen) – also dieser Stefan Albus packt seinen Rucksack und geht einfach los. Mitten in Deutschland – und nicht mit Spanien als Ziel. Sein Santiago heißt Trier und er wagt den Versuch die 400 Kilometer von Dortmund bis an die Mosel zu seinem Jakobsweg zu machen. Er folgt den offiziellen Pilgerpfaden in Deutschland und begibt sich ohne Vorbehalte auf die Pfade, die seit Menschengedenken mit kontemplativem Wandern in Verbindung gebracht werden.

Hier geht`s zur Leseprobe...

Der Jakobsweg in Deutschland, ein immer weiter mäanderndes Netz aus historischen Wegen, wird für ihn zum Maßstab. Sein Ziel definiert er selbst und er lässt sich in seiner Erlebniswelt treiben.

Das Ergebnis? Mehr als beeindruckend! Stefan Albus erklärt seine Leser zu Weggefährten, lässt sie teilhaben an Gedanken, Entbehrung, Spaß und tiefer Erkenntnis. Nichts wirkt aufgesetzt, gekünstelt – die Tiefe seiner Worte erschließt sich und an vielen Stellen fühlt man mit. Der Autor lässt dies zu, ohne den Anspruch zu erheben, dass sein Erleben sich auch anderen Menschen erschließen muss.

Geh...Danken... Stefan Albus in einfachen Worten...

Sätze wie:

„Berge kommen einem entgegen, wenn man auf sie zugeht.“

„Mein Leben bestand bislang viel zu oft aus Rollen, die ich mir von mittelmäßigen Regisseuren habe aufdrängen lassen.“

„Ich muss ja nicht an das glauben, was die Leute anbeten, aber ich kann sie achten.“

„Wer pilgert, zeigt sich und anderen, dass er auf dem Weg nach Innen ist.“

… brennen sich trotzdem fest und regen an. Mobilisieren selbst die trägste Hirnwindung und bleiben kleben!

Die letzte und entscheidende Erkenntnis trifft ihn fast ohne Vorbereitung – an einem Ort, den er eigentlich nicht zu besuchen beabsichtigte. Es sind immer die Zufälle im Leben, die gar nicht zufällig sind und sich doch als Wendepunkte erweisen. Diese Erkenntnis sollte man sich im Buch selbst erlesen – sie trifft und bleibt – sie ist Fügung und tiefe Wahrheit zugleich. Eine kleine Kapelle in Trier und eigentlich ein gar nicht so besonderes Geheimnis zeigen ihre wahre Dimension. Allein dafür hat sich der Weg – allein dafür hat sich das Buch gelohnt.

Gem...Einsamkeiten.... Orte verbinden - ein Weg verbindet...

Ich war an Orten, die Stefan Albus ein Jahr zuvor erpilgert hat – ich stand an Plätzen, die er kurz zuvor schwer bepackt durchwanderte und beim Lesen gab er mir die Möglichkeit, ihm zu folgen. Der Leser dankt ganz einfach und fühlt sich inspiriert!

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Wenn es Euch interessiert, was Stefan Albus gedacht und empfunden hat, ob er wirklich Heino in der Eifel getroffen hat und warum er seinen Rucksack nach einem schwergewichtigen Fußballmanager benannte, dann am Freitag den 22.04. einfach auf zum FrageFreitag bei Lovelybooks. Stefan Albus wartet auf Eure Fragen… 

Hier geht`s zum FrageFreitag. Einfach Frage stellen, Autorenname STEFAN ALBUS anhängen und warten was passiert! Viel Vergnügen...

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