Oda Schaefer – was Vergessen wirklich bedeutet…

Eigentlich schrieb ich einen Artikel über den Film „POLL“ des bekannten Regisseurs Chris Kraus. Eigentlich schrieb ich über die Leistung dieses Films, die Erinnerung an eine inzwischen vergessene deutsche Lyrikerin wiederbelebt  zu haben. Eigentlich schrieb ich über die Suche nach einem Buch von Oda Schaefer und meine Freude, endlich

„Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren“

in Händen zu halten. Und eigentlich schrieb ich über meine Gefühle, in ihren Zeilen ein ganzes Leben wiederenteckt zu haben.

Über all dies schrieb ich eigentlich….

Und eigentlich hatte sich damit für mich ein bewegendes literarisches Kapitel einerseits lesend geöffnet und andererseits schreibend geschlossen.

Eigentlich…

Bis ein sehr freundlicher Leser einen Kommentar auf Literatwo verfasste, der mich wieder aufrüttelte und mich zum Nachdenken brachte.

Eigentlich wäre ihr literarisches Schaffen ein Zeichen des Dankes wert. Eigentlich.

Es folgten private Mails mit dem Verfasser des Kommentars und ich lernte in und zwischen den Zeilen einen Menschen kennen, mit dem ich gerne gemeinsam das Grab von Oda Schaefer besucht hätte, um ebendieses Zeichen des Dankes zu hinterlassen. Ich erhielt einen genauen Lageplan der einzelnen Gräber und eine präzise Wegeskizze zur letzten Ruhestätte der deutschen Dichterin. Und eigentlich wäre ich bereits gerne schon dort gewesen.

Nur… alleine wollte ich nicht gehen… Vielleicht schaffen wir es doch noch gemeinsam. Dafür brauchen wir einen guten Tag – einen ganz besonders guten Tag, wie Herr Seidl mir versicherte. Auf diesen Tag hoffe ich…

Zu Ostern schickte er mir ein Photo der Ruhestätte und ich wollte kaum glauben, was ich auf dem Grabstein lesen musste. Nicht nur der Zustand des Grabes, auch die Tatsache, dass kein Hinweis auf die Berufung und das Schaffen von Oda Schaefer Erwähnung findet, ließen mich sehr nachdenklich werden.

Kann Vergessen so umfassend sein? Kann Vergessen so endgültig sein? Helfen Filme, Bücher und Artikel, die Erinnerung nachhaltig am Leben zu halten?

Ich kann es nur hoffen und das Grab besuchen – an einem besonders guten Tag… nicht allein…

Oda Schaefer – eine Lyrikerin im Grab eines Dichters…

„Launisch bewahrt die Erinnerung Eindrücke und Bilder auf, fragwürdige Daten, die an sich nichts bedeuten. Auf dem Meeresboden der Vergangenheit ruhen sie, wie eingesargt in den Schatullen dunkler Schiffe.

Man muss sie heben, um die Einheit des Lebens herzustellen, dem großen Bogen zu folgen von Anfang an, wenn er sich zum Alter hin bereits zu senken beginnt.

Schmerz und Sehnsucht, Lust und Glück vermag solch ein winziger Ausschnitt wiederzubringen…“

Aus Oda Schaefer: „Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren“

Hier geht es zur vollständigen Literatwo-Artikelserie zu Oda Schaefer..

Editorische Notiz: Im April 2011 konnten wir nicht ahnen, wer uns auf dem gemeinsamen Weg mit Oda Schaefer noch alles begegnen sollte. Eine künstlerische Freundin und ihr „Enkel“ gesellten sich zu uns und ermöglichten uns nicht nur tiefe Innenansichten sondern viel mehr. Wir konnten sogar ihren Nachlass besichtigen und darüber schreiben.

Wenn heute nach Werken von Oda Schaefer gesucht wird, dann hat man wieder Erfolg. Auch dank unserer Artikelserie sind ihre Bücher – und ganz speziell die literarische Vorlage für den Film „Poll“ – in neuer Auflage erschienen. Wir können sie nur ans Herz legen. Wir können Oda Schaefer nur ans Herz legen – unsere Herzen hat sie im Sturm erobert.

Advertisements