Smoky Barrett folgt der „Blutlinie“ und trifft ins Schwarze

Ein typischer Samstag Morgen im buchigen Wunderland. Die Rail`schen Erzählkugeln (pallottole narratore) zeigen ihren mehr als magischen Inhalt, während am Firmament die Sonne ihre ersten Strahlen auf die zartorange Himmelsleinwand wirft.

Wozu soll ich mich nur entscheiden? Romantik? Spannung oder doch eher jugendlich Lustiges? Alles ist im Angebot – jede einzelne Kugel strahlt hell und preist ihren literarischen Inhalt als einzigartiges Lesevergnügen an. Die Kugeln sind still und begleiten mich als Wegweiser durch die Bibliothek meines Lebens.

Sie schweigen… bis auf….

DIE BLUTLINIE! Diese Kugel pulsiert, das Buch scheint Kontakt aufnehmen zu wollen, es zittert leise und lässt mir keine Wahl. Ich lasse mich darauf ein, das Vakuum zu öffnen und Cody McFadyen Zutritt in mein Leseleben zu gewähren. Zum ersten Mal….

Die Sinne sind geschärft – ich bin gerüstet zur Spurensuche und möchte gerne die Tatorte und Indizien auf mich wirken lassen, um einem Serienmörder auf die Schliche zu kommen.

Spurensicherungsleser – japp – in die Rolle schlüpfe ich – hab` ich ja schon oft gemacht – mit Erfolg….

Doch…. HALT… VOLLBREMSUNG…

Irgendetwas ist hier anders, so ganz anders als in all den anderen Krimis meines Lebens… Die Erzählkugel fliegt mir schier um die Ohren. Das Vakuum wird freigesetzt, die übrigen Erzählkugeln zerbersten und mit vollem Tempo nimmt eine Geschichte Besitz von mir. Aber nicht so, wie ich es erwartet hatte. Ganz und gar nicht…

Ich werde nicht mit einem Fall konfrontiert, Cody McFadyen stellt mir keine stereotypen Protagonisten vor, führt mich nicht in die Welt eines schrulligen Ermittlers ein, sondern bringt Smoky Barrett in mein Leben. Ich vergesse schnell, dass ich eigentlich einen Serienmörder jagen wollte, ich vergesse vieles, da ich gefesselt bin von dieser Agentin am Scheideweg der eigenen Existenz. Ich begegne ihr auf dem gefährlich schmalen Grat zwischen Selbstmord und Leben – ungesichert – allein und als Opfer.

Vernarbt – von Verlusten gezeichnet – von Albträumen geplagt und nicht mehr im Vollbesitz ihrer Fähigkeiten und Gefühle. Smoky Barrett ist in diesem Moment weit davon entfernt, irgendeinen Kriminalfall zu lösen…. sie ist vom Leben weit entfernt…

Smoky Barrett erwacht aus der psychischen Isolation, als ihrer besten Freundin Annie das passiert, was sie selbst aus der Bahn katapultierte. Ein Killer hat Annie  zuhause besucht, sie in ihre Gewalt gebracht und in einer endlosen Orgie der Gewalt bestialisch gefoltert – all dies in Gegenart ihrer 1ojährigen Tochter. Mit einem Unterschied – Annie hat nicht überlebt – sie war nicht in der Lage, sich zu wehren und man findet sie tot in ihrer Wohnung – das kleine Mädchen lebendig an den Körper der toten Mutter gefesselt.

Smoky hat damals alles verloren. Mann und Tochter. Sich selbst. Aber sie hat sich in letzter Anstrengung  aufgebäumt und ihren Peiniger erschossen. Was blieb war die Leere. Was blieb, war ein seelisches Wrack. Als sie nun erfährt, dass der Mörder von Annie nicht nur nach dem gleichen Muster vorgegangen ist, wie ihr eigener Peiniger, sondern auch noch eine Nachricht an Smoky am Tatort hinterlassen hat, beginnt sie zu erwachen…

Langsam, zitternd, zweifelnd – aber sie erwacht. Und mit ihr erwachen alle Instinkte einer Frau, die besiegt schien.

Es war eine mehr als überraschende Leseerfahrung, einen solch tiefgründigen Krimi zu lesen, der sich deutlich von anderen Büchern dieses Genres unterscheidet. Packende und vollkommen neue Schilderungen psychologisch basierter Verhörtechniken, Fahndungsmethoden  und Verfahren der modernen Spurensicherung haben diesen Krimi zu einem Ereignis werden lassen.

Smoky Barrett jedoch hat mich tief berührt. Ihre Motivation, ihre Zerrissenheit und der Wille das eigene Schicksal zu besiegen machen sie zu der interessantesten und menschlichsten Krimi-Romanfigur, die mir jemals die Hand reichte, um ihr durch die Wirrnisse ihres eigenen Lebens zu folgen.

Ich habe mir vorgenommen ihr auf der Spur zu bleiben – ihr weiter als Leser treu zu bleiben und mich mit ihr gemeinsam in neue Fälle zu stürzen. Sie hat zwar ein herausragendes Team an Spezialisten um sich geschart – aber vielleicht ist immer wieder ein Platz für mich frei. Ich folge ihr, wohin sie auch geht… versprochen…

Es warten noch viele prall gefüllte Erzählkugeln von Cody McFadyen auf mich…

(Pictures by Mr. Rail)

Robert Louis Stevenson – „St. Ives“ – eine furiose Abenteuer-Romanze

„Habe ich das Vergnügen, mit Monsieur le Vicomte Anne de Kéroual de Saint-Yves zu sprechen?“ fragte er.

Ja – geneigter Leser, dieses Vergnügen wird uns vergönnt, wenn wir Robert Louis Stevensons letzten und unvollendeten Roman „St. Ives“ in seiner deutschen Erstausgabe von 2011 auf uns wirken lassen.

Unvollendet war das Manuskript – es reichte weit, trug jedoch nicht bis zum Ende. Gespräche mit Stevenson und eine Vielzahl seiner Skizzen zum Buch ermöglichten es dem befreundeten Schriftsteller Quiller-Couch, diesen fulminanten Roman zu vollenden.

Ein Meisterwerk! Warum, wird der geneigte Leser fragen – warum?

Ganz einfach. Stevenson platziert die Handlung des Buches in eine der aufregendsten Perioden der französisch-britischen Geschichte. Napoleons Herrschaft liegt in den letzten Zügen – der französische Adel hatte längst kollektiv den Kopf verloren (im wahrsten Sinne des Wortes) und die Gegner des „kleinen Korsen“ sammeln sich unter britscher Flagge zu Schlussakkord von Waterloo.

In diesem Vexierspiegel internationaler Macht-Verstrickungen sucht der elternlose Sprössling einer französischen Adelsfamilie seinen eigenen Weg. Das Gefängnis in Paris darf er erst verlassen, als er Napoleon die Treue schwört und in die „große Armee“ eintritt. Endlich frei, gerät er in einem seiner ersten Gefechte in britische Kriegsgefangenschaft und wird auf die uneinnehmbare Festung im schottischen Edinburgh verbracht. Dort führt man ihn vor – der Bevölkerung wird er als Karikatur eines französischen Gardisten präsentiert und fristet ein mehr als tristes Dasein. Bis er Flora sieht – zum ersten Mal ein menschliches Wesen, das ihm Zuneigung und Trost entgegen bringt. Und noch dazu ein engelsgleiches Geschöpf.

Edinburgh im Jahre 1814 – hier beginnt die rasante Flucht…

St. Yves beschließt zu fliehen – mittellos, fern der Heimat und verliebt bis über beide Ohren. Und fortan nennen wir ihn eher britisch St. Ives.

Die Geschichte der beiden Länder holt ihn schnell ein – schneller, als ihm lieb sein kann, denn Geschichte ist immer schneller, als ein Flüchtling ohne Heimat.

Ein Großonkel von St. Ives ist, gar nicht kopflos, der Hinrichtung in Paris entgangen, nach England geflüchtet und verbringt dort seine letzten Lebenstage in großem Reichtum. St. Ives Cousin steht als Alleinerbe fest. Alles ist geregelt. Die Abneigung des Großonkels gegen St. Ives ist gewaltig, steht er doch in Diensten des Emporkömmlings, der das neue Frankreich repräsentiert. Ein adelsloses Land. Ein Spross der Familie in den Farben Bonapartes – undenkbar. Als aber die Zweifel an der Loyalität des eigentlichen Erben laut werden, verhilft man St. Ives zur Flucht und erklärt ihn zum Rechtsnachfolger seines Großonkels.

Die Sache hat nur einen Haken. Er ist nun ein flüchtiger Kriegsgefangener und wird im ganzen Land gesucht. St. Ives bleibt keine Wahl – reich, jedoch ohne Land wagt er die Flucht durch halb England. Er begegnet den wunder-samsten Weggefährten, bedient sich der absonderlichsten Verkleidungen und Identitäten und ist doch fest entschlossen, zu seiner Geliebten zurück zu kehren. Ins Herz des Feindes – nach Edinburgh.

Wäre da nicht sein Cousin, der alles verloren glaubt, aber nicht gibt.

Die abenteuerliche Flucht gipfelt furios an einem der ersten Wasserstoffballons, die jemals englischen Boden verlassen haben. Für blinde Passagiere waren diese Pioniere der Lüfte jedoch nicht konstruiert….

Robert Louis Stevenson schreibt unvergleichbar „schwerelos“ – „St. Ives“

Robert Louis Stevenson lässt seinen Leser atemlos an dieser wilden Jagd teilhaben und erdichtet dabei einen Menschen, der durch das Erdichten seines Lebens Meter um Meter Land und Höhe auf seiner Fucht gewinnt. Das zentrale Thema des Romans, „Liebe in Zeiten des Krieges“ wird in Perfektion zu einem Teppich gewoben, auf dem der Leser stundenlang liegen und genießen kann. Und wenn es allzu brenzlig wird, dann beginnt dieser Teppich auch noch zu fliegen.

Einfach grandios erzählt und in den entscheidenden Kapiteln über das Leben von St. Ives schlichtweg unvergesslich. Seine Nächte als Waise im Pariser Gefängnis – die Bemühungen der zum Tode verurteilten Frauen großer Adelshäuser um ihn und die Nähe, die sie nur noch einmal zu einem Kind suchen – auch nur für eine Nacht – hunderte Abschiede des jungen Anne de St. Yves von hunderten „Müttern“ für eine Nacht – diese und andere Episoden sind so gewaltig, dass sie die Zeit überdauern und sich im Herzen des Lesers verankern.

Unvollendet ist der Roman und doch – er wird von Quiller-Couch in brillanter Manier zum furiosen Ende gebracht. Ganz im Sinne Stevensons. Ganz in seinem Sinne. Wenn man dies nicht wüsste, man würde den Übergang vom letzten Wort Stevensons zum ersten Wort Quiller-Couchs nicht finden. Der Hanser Verlag hat diese Stelle allerdings gekennzeichnet. Dies hilft beim Abschiednehmen von einem großen Schriftsteller.

Robert Louis Stevenson schrieb in seinen beiden letzten Lebensjahren an diesem Buch. Er schrieb im selbstgewählten Exil einer Südseeinsel. Er schrieb sich selbst zurück in seine Heimat Schottland – und welche Rolle hätte ihm da besser zu Gesicht gestanden, als die eines Gefangenen? Die Lebenssehnsucht nach seiner Heimat spürt man auf jeder Seite – sie ist die Triebfeder, die St. Ives auf seiner Flucht begleitet und letztlich fliegen lässt

Ein großer Abenteueroman über Heimat, ihren Verlust und die Liebe. Zeitlos und in jeder Faser des Wortes ein Klassiker. Vielleicht das größte Buch Stevensons… Für mich ist es das!

St. Ives – eine Abenteuer-Romanze die schnell an Höhe gewinnt…

Nach dem Artikel zu Stevensons „Das Licht der Flüsse“ ist dies mein persönlicher Abschluss einer ganz besonderen Lesereise. Aber es war sicher nicht mein letzter Klassiker – versprochen…! Siehe das klassische AstroLibrium

„Der Mann, der ins KZ einbrach“ – Plädoyer für ein umstrittenes Buch…

Wir haben sie alle schon in der Hand gehalten. Bücher, über die man nicht nur spricht, weil sie so einzigartig schön sind, sondern weil sie polarisieren, inhaltlich bedenklich oder schlichtweg erstunken und erlogen sind. Wir haben uns alle schon an Diskussionen zu Pro und Contra solcher Bücher beteiligt und selbst Stellung bezogen. Einige Beispiele?

Den Roman „Axolotl Roadkill“ der 17jährigen Autorin Juliane Hegemann sieht man heute fast nur noch im Zusammenhang mit Plagiatsvorwürfen.

Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ war wochenlang Thema Nummer 1, weil er inhaltlich polarisierte, provozierte und sich schließlich dem medialen Druck beugen musste und einige Passagen seines Buches änderte.

Auch Tina Uebel kann ein Lied von solcher Kritik singen. Die Veröffentlichung ihres Roman „Last Exit Volksdorf“ war für Herbst 2010 vorgesehen. Das Buch war bereits ausgeliefert. Eine Klage wegen mutmaßlicher Verletzung von Persönlichkeitsrechten führte dazu, dass der Roman in einer neuen Fassung erst jetzt erscheint.

Ich werde sie fragen, wie sich dies auf ihr Leben als Autorin ausgewirkt hat. Sie stellt sich dem Forum Lovelybooks im Rahmen der Aktion Fragefreitag am 15.07.2011 – eine interessante Aktion! Eure Fragen an die Autorin sind immer willkommen!

(Die Antwort von Tina Uebel liegt bereits vor. Danke dafür.)

Ich habe mir vor Kurzem das Buch „Der Mann, der ins KZ einbrach“ von Denis Avey gekauft. Der Titel hat mich neugierig gemacht und passte inhaltlich in meine umfangreiche Bibliothek zum Thema Verbrechen im Dritten Reich und Holocaust. Ich war sehr gefesselt von diesen Lebenserinnerungen eines 92jährigen Briten und umso erstaunter, als ich bei weiteren Recherchen immer mehr Vorwürfe gegen die Plausibilität des Inhalts entdeckte.

Ich möchte Stellung beziehen – für dieses Buch!

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KZ Buna/Monowitz. Ein zum Stammlager Auschwitz gehörendes Arbeitslager für jüdische Häftlinge. Eine Nacht in der Mitte des Jahres 1944. Der mörderische Zählappell ist beendet, die ausgemergelten Körper schleppen sich mit letzter Kraft in die menschenunwürdigen Baracken, um dort am Ende eines der Vernichtung jüdischen Lebens angedachten Arbeitstages nur eine dünne Suppe vorzufinden. Keine Hoffnung – nur Hilflosigkeit und Zermürbung kennzeichnet die Menschen, die sich eng aneinander kauern und frierend und hungernd einschlafen oder einfach sterben.

In dieser Nacht jedoch ist nichts so wie es scheint. Ein Fremder liegt in ihrer Mitte, teilt für wenige Stunden ihr Schicksal, um mit eigenen Augen zu sehen, was er schon lange ahnte – um am eigenen Leib zu fühlen und der Welt davon zu erzählen. Um den Schleier des Grauens zu lüften und den Genozid an den Juden zu bezeugen. Um Zeugnis abzulegen.

Denis Avey heißt der Eindringling, der sich in dieser Nacht Zutritt  zu einem Ort verschafft hat, den ansonsten nur Opfer und Täter gesehen haben. Niemals zuvor jedoch ein Zeuge, der dies überleben sollte. Niemals zuvor.

Avey, britischer Kriegsgefangener im unmittelbar angrenzenden Lager 715, kommt auf der Buna-Baustelle der IG-Farben in Kontakt mit den jüdischen KZ-Insassen und realisiert schrittweise, dass deren Zwangsarbeit einen anderen Zweck verfolgt.

Täglich sieht er neue Gesichter, immer wieder häuften sich die Aussagen über entkräftete Tote, zahllose willkürliche Morde und Avey erfährt, dass die nicht arbeitsfähigen Verwandten der jüdischen Häftlinge im Stammlager Auschwitz “durch den Schornstein” gegangen sind.

Immer offensichtlicher wird der wahre Zweck dieses Teils einer umfassenden Vernichtungsmaschine.

“…was dort geschah, war bestialisch.
Liebe und Hass besaßen keine Bedeutung;
Gleichgültigkeit war das bestimmende Element.
Ich fühlte mich bei jedem Mord,
gegen den ich nichts unternehmen konnte,
persönlich herabgesetzt und
lebte in einem Zustand ständiger Unmoral.”

Denis Avey fasst einen einsamen Entschluss, findet in Hans einen jüdischen Häftling, der ihm rein von der Statur her ähnelt und in Ernst einen Freund auf der anderen Seite des Zauns.

Von Ernst wird später noch die Rede sein!

Denis und Hans tauschen ihre Kleidung – Häftlingsdrillich gegen britische Uniform – und ein einzigartiger Rollentausch beginnt.

Warum nur hat Denis Avey nach dem Krieg und nach der Befreiung der Gefangenenlager durch die Alliierten bis heute geschwiegen? Er wollte doch der Welt die Augen öffnen? Hat er seinen damaligen Mut mit diesem Schweigen nicht gewissermaßen “ad absurdum” geführt?

Die Antwort liegt auf der Hand. Eindeutig. 1945 wollte niemand etwas davon wissen, was genau in den Konzentrationslagern geschah. Unsd später dann (1947) wollte man ihm einfach nicht glauben. Überlebende auf allen Seiten haben traumatisiert über viele Jahre lang ihre Erlebnisse Nacht für Nacht und Tag für Tag erneut durchlebt und fanden nie die Distanz zum Geschehen, um überhaupt darüber berichten zu können. Dämonen der Vergangenheit nehmen diese Menschen auch im Nachhinein gefangen. Lebenslang

Erst als der BBC-Journalist Rob Broomby dann Denis Avey wegen dessen Bemühungen, für seine Zwangsarbeit bei der I.G. Farben eine Entschädigung zu erhalten, interviewte löste sich die Blockade. Avey erzählte ihm von der Zeit im KZ, und Broomby machte sich auf die Suche nach Beweisen.

Dieses Buch ist die Geschichte dieser Spurensuche. Es ist die Geschichte eines Kreises, der sich für die Beteiligten erst nach so vielen Jahren schließen sollte. Es ist die Geschichte von einer im Inneren des Kerns verborgenen weiteren Geschichte.

Vielleicht der viel wichtigeren Geschichte, aus meiner Sicht.

Für den Rollentausch fanden sich keine Zeugen – für den Weg ins Konzentrationslager gibt es keine Belege – auf keiner Seite. Sowohl jüdische Überlebende als auch englische Mithäftlinge von Denis bezweifeln diesen Teil der Geschichte. Und der damalige “Tauschpartner” Hans hatte das KZ nicht überlebt. “Zweifel” und “umstritten”! Worte, die seither Hand in Hand mit diesem Buch durch das Feuilleton geistern.

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat bisher niemanden finden können, der Aveys Erzählung bestätigen könnte.

Piotr Setkiewicz, Chef-Historiker in Auschwitz, hält die Geschichte nicht nur für unglaubwürdig, sondern sogar für gefährlich und in gewisser Weise verharmlosend.

Der World Jewish Congress hat inzwischen Aveys Verlag Hodder & Stoughton aufgefordert, die Aussagen des Autoren zu überprüfen. Bisher ohne Ergebnis.

Erfunden? Eine Legende? Mein Gefühl und mein Gespür sagen ganz deutlich: “Nein”. Denis Avey hat diese Geschichte nicht frei heraus erzählt, nicht an ein englisches Massenblatt verkauft, sondern sie nur indirekt auf Befragen eines renommierten Journalisten preisgegeben. Aus der Tiefe seiner Seele wurde sie befreit. Denis Avey hat nicht nur diese Geschichte erzählt – er erzählte auch von seinem jüdischen Freund Ernst.

Von dem hier noch die Rede sein wird.

Wenn alles erfunden ist, dann auch diese Freundschaft – dann gibt es auch keinen indirekten Beleg für den Wahrheitsgehalt dieser Lebenserinnerungen. Keine Belege für den Wagemut und die Handlungen eines Denis Avey im Angesicht ständiger Lebensgefahr.

ALLES ERFUNDEN? WEIT GEFEHLT!

Hier liegt die eigentliche journalistische Meisterleistung von Rob Broomby.

Es sollte noch von jenem Ernst die Rede sein. Jenem Freund im KZ Buna/Monowitz. Rob Broomby machte sich auch hier auf die Suche – unermüdlich und nicht nur zur Freude seines Arbeitgebers. Er reduzierte seine Arbeitszeit und recherchierte in seiner Freizeit weiter. 65 Jahre nach jenen Ereignissen im Konzentrationslager. Von Denis Avey wusste er nur Folgendes:

Ernst Lobethal, ein Jude aus Breslau, hatte Denis auf der Baustelle des KZ Buna/Monowitz von seiner Schwester Susanne erzählt, die nach England geflohen war und in Birmingham lebte. Ein Brief von Denis Avey an seine Mutter in England – eine Kontaktaufnahme zwischen ihr und Susanne und eine Stange des wertvollsten Zahlungsmittels jener Zeit – Zigaretten – machte sich auf den Weg ins Kriegsgefangenenlager zu Denis. Päckchenweise übergab er sie an Ernst – ob er ihm damit helfen konnte, ob Ernst überlebt hatte – all das entzog sich seiner Kenntnis.

Der journalistischen Beharrlichkeit eines gewieften BBC-Reporters, einigen Zufällen und der von Steven Spielberg gegründeten SHOA-Foundation kann man verdanken, was im Weiteren geschah.

Ernst Lobethal hatte das KZ überlebt und kurz vor seinem Tod ebenjener SHOA-Stiftung ein Interview gegeben, in dem er von einem Engländer namens “Ginger” erzählte, der ihm im KZ 200 Zigaretten von seiner Schwester zugesteckt hatte. Aveys Spitzname lautete “Ginger”.

“Das war so, als hätte mir jemand das Rockefeller Center geschenkt”,  so Ernst Lobethal in dieser Aufzeichnung.

Die Zigaretten hatten Ernst das Leben gerettet, da er sich vor den anstehenden “Todesmärschen” das überlebensnotwendigste Gut leisten konnte, ohne das man zum Sterben verdammt war. Schuhe!

Broomby machte sogar dessen Schwester Susanne ausfindig. Sie lebte noch in England. Mehr muss nicht erzählt werden. Alles kann im Buch gelesen werden – alles erschließt sich in und zwischen diesen Zeilen. Manches jedoch muss man gesehen haben, um es zu glauben.

Die Begegnung zwischen Denis und Susanne und der gemeinsame Blick auf die Viedeonachricht eines längst Verstorbenen ist für mich ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument.

Es gibt dem Leben und dem Handeln einen Sinn – und dies, entstanden in einer Zeit der absoluten Sinnlosigkeit. Es vollendet den Lebensweg einiger Menschen und strahlt auf andere Menschen aus.

Mut machen und Hoffnunng geben – nichts könnte dies besser, als dieser kleine Film in Verbindung mit diesem großen Buch.

Die Geschichte von Denis Avey und Ernst Lobethal ist journalistisch gesichert.

Damit lässt sich eine juristisch haltbare Indizienkette ableiten, die in der Beurteilung der Plausibilität der gesamten Geschichte unanfechtbar ist.

  • Denis Avey war zum besagten Zeitpunkt am angegebenen Ort;
  • Er stand nachweislich in direktem Kontakt zu jüdischen Häftlingen des KZ Buna/Monowitz;
  • Denis Avey hat gegen bestehende Verbote verstoßen, um einem Juden zu helfen;
  • Er hat keine der ihm zugeschickten Zigaretten  für sich selbst zurückgehalten;
  • Denis Avey handelte edelmütig, ohne eine Gegenleistung zu erwarten;
  • Ihm war jederzeit bewusst, welches persönliche Risiko er einging;
  • Denis Avey hat auch von dieser Geschichte nach dem Krieg niemals etwas erzählt…

Mir persönlich ist es allerdings egal, ob Denis jemals die andere Seite des Zauns betreten hat. Jemandem, der selbstlos den unschätzbaren Wert von 200 Zigaretten an einen jüdischen Gefangenen weitergibt und damit selbst Leib und Leben riskiert, ist alles zuzutrauen.

Ich traue Denis Avey. Von ganzem Herzen!

Die Qual der Wahl brachte uns „Die Auswahl“

Eigentlich ist und sollte es nicht schwer sein, den richtigen Lesestoff in unserem großen Bücherkosmos zu finden. Nur manchmal ist der besagte Kosmos so groß, dass man vor Bücherwald die einzelnen Bücher nicht mehr sieht oder besser zu viele Bücher sieht. Das Leben bestimmt, mit welchem Buch die eigene Lesezeit beginnt und mit welchem sie enden wird. Aber was ist mit der Leselebensmitte? In dieser haben wir die Qual der Wahl und unsere Lesefreunde haben auf diese oftmals großen Einfluss. Man kann sagen, wir kamen über die Qual der Wahl, die eigentlich keine ist, zur Auswahl. Humanist und Claudia-Marina haben uns keine Wahl gelassen, uns täglich von „Der Auswahl“ von Ally Condie erzählt und den finalen Stoß gab uns Die Buchkolumnistin, in dem sie uns die Bücher mehr oder weniger in die Hand drückte. Für uns beide Literatwo´s hieß es also: keine Wahl, keine Qual, sondern die Auswahl 😉

Zu Anfang sei gesagt, dies war genau der richtige Schritt, die richtige Beeinflussung und wir beiden haben die Zeit genossen, auch in dem Wissen – es geht weiter… Band zwei und Band drei werden folgen. Danke an unsere Bücherfreunde – ihr habt uns im Griff und daher gibt es für alle unsere „Auswahl“. Cassia ist die Protagonistin, das Mädchen um die sich bisher der erste Band der Trilogie dreht. Sie ist der Mittelpunkt, hat wenig „Wahl“, viel „Qual“ und dies ist die Zusammensetzung der „Auswahl“. Rechts und links von ihr stehen an dieser Stelle wir beide, als leidenschaftliche – begeisterte – emotionale Leser und Rezensenten.

„Geh nicht gelassen“

Mich zieht es, mich zieht es sehr. Mich zieht es in die ruhige „Leseblase“, in der ich innerlich verbunden bin und in der ich eine ganze Weile bleiben möchte, manchmal länger, als es Bücher hergeben. Ich lese nicht mit zwei Augen, ich lese mit vier Augen und genau das macht das Magische in der Leseblase aus. Dieser Leseblase. Der Leseblase der zwei Leben.

Und dann treffe ich Cassia. Sie hatte nie eine Wahl. Nie. Aber sie hatte Glück, dachte sie jedenfalls eine lange Zeit. Mit 17 Jahren ist es dann soweit. Die Paarung steht an. Die Funktionäre und das System haben für sie ihren idealen Lebenspartner ausgewählt. Gemeinsam mit Xander, ihrem Freund, mit dem sie aufgewachsen ist, sowie ihrer und seiner Familie fahren sie zum Paarungsbankett, um dort zu erfahren, mit welchem Partner sie an ihrer Seite das Leben verbringen werden. Beide sind nervös und haben ihre ganz eigenen Wünsche und Hoffnungsgedanken, wen sie mit 21 Jahren heiraten werden. Und dann flackert auf dem dunklen Bildschirm endlich der Kandidat auf, der für Cassia bestimmt wurde.

Alle halten die Luft an, denn es ist Xander. Eigentlich ist es fast unmöglich, dass der Lebenspartner aus der näheren Umgebung stammt und auch noch ausgerechnet derjenige ist, mit dem Cassia fast jeden Tag zusammen ist. Ihr Herz springt, Xanders Herz springt, besser hätte es nicht kommen können. Beide haben, ohne es sich zu vorher zu gestehen, Liebe füreinander entwickelt und empfunden und nun können sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Wie es üblich ist, bekommen beide einen Mikrochip mit, auf denen die Daten ihrer Partner sind, damit sie sich vor dem ersten beaufsichtigten Treffen ein Bild voneinander machen können und erfahren, welcher Charakter hinter ihrem zukünftigen Lebenspartner steht. Beide benötigen diesen nicht wirklich und Cassia legt den Chip erst mal beiseite. Doch dann beschließt sie sich, obwohl sie Xander kennt, doch sein Foto anzusehen. Sie erstarrt, denn auf dem Bild ist nicht er, sondern Ky zu sehen, ein Außenseiter, aber ein auch nicht wirklich Unbekannter für sie. Dann sieht Cassia nichts mehr und ist verwirrt. Ihre Gefühle fahren Achterbahn, sie ist verwirrt und hat viele Fragen, die ihr nur ein Funktionär beantworten könnte. Gibt es im sonst so geordneten Lebenssystem doch Fehler? Scheint ein anderer Mann für ihr Leben bestimmt zu sein? Cassia muss es herausfinden, wobei dies nicht einfach werden wird und keine Fehler erlaubt sind und erst recht keine Rebellion.

„Denn mit jeder Minute, die man mit jemanden anderem verbringt, schenkt man ihm einen Teil des eigenen Lebens und nimmt dafür einen Teil von seinem.“

Ally Condie hat eine Welt erschaffen, in der alles vorprogrammiert ist. Der Tag, an dem man sterben wird, ist bekannt, das Essen wird zugeteilt, je nachdem wie viele Kalorien für ein gesundes Leben benötigt werden, es gibt drei verschiedene Notfalltabletten, die Kleidung ist vorgeschrieben und der Tag wird für jeden individuell gestaltet und geplant. Krankheiten gibt es nicht mehr, keine Arbeitslosigkeit, kein Fehlen von irgendwas, jeder Bewohner soll sich wohl fühlen und ein Leben, in dem es ihm gut geht, führen. Eine Welt, die sich komplett von unserer unterscheidet und ganz besonders macht. Ein Jugendbuch, ein Buch für Erwachsene, ein Buch für Menschen mit Gefühl, tiefen Gefühlen. Wer hier hinter dem aufwendig gestalteten Buchdeckel eine abgedroschene Geschichte erwartet mit Charakteren, die er überall findet, und vielleicht noch mit einer vorhersehbaren Liebesgeschichte ohne Besonderheiten rechnet, ist hier auf dem Holzweg. Auch wer denkt, Ally Condie kann nicht mit Spannung oder zu wenig Handlung überzeugen, wird eines besseren belehrt. Sie schaffte es mich absolut zu überzeugen, vor allem hat sie in ihrem Roman neben dem vorhandenen Spannungsbogen die Gefühle und Emotionen nicht zu kurz kommen lassen. Die Gefühle, die in mir ausgelöst wurden, waren übermächtig, nicht vergleichbar mit meinen Gefühlen, die ich gegenüber anderen Romanen aus dem Genre Dystopie hatte.

„Zwei Leben.“

Für mich ein Buch, das bei mir im Herzen und nicht nur bei mir, wie ich es beim Lesen ganz persönlich fühlen konnte, einen Ehrenplatz bekommen wird. Ein Buch, das mit vier Augen gelesen wurde, ein Buch, das Emotionen auslöst und immer wieder meine Augen zum Tränen brachte. Ein Buch, das für mich über den Buchdeckel hinausgeht, weil viele Charakterzüge, Worte, Denkweisen und Gefühle auch in der Realität vorhanden sind. So geht es sicher auch Ally Condie und ich möchte wissen, was sie noch alles zu erzählen hat. Xander, Cassia und vor allem auch Ky möchte ich bald wieder treffen, ihre Geschichte bis zum Schluss kennen.

Diese Zeilen gehören für mich persönlich zur „Auswahl“ dazu. „Schau in den blauen Himmel, siehst du den Schmetterling? Er fliegt deinen Namen, genau wie die Schmetterlinge in meinem Bauch.“

DIE AUSWAHL von Allie Condie – exklusiv auf Literatwo…

Idyllisch kommt es daher. Das perfekte Gesellschaftssystem der nahen Zukunft. Mehr als vorteilhaft für die Menschen, die sich ihm unterwerfen. Sicherheit, Gesundheit und Wohlstand sind die Garantien von denen man profitiert, wenn man zu dem ein oder anderen kleinen Zugeständnis in der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit bereit ist.

Kleine Zugeständnisse wie gesagt – nichts Besonderes, wirklich nicht. Die Gesundheit der Bevölkerung ist das wichtigste Gut der Gesellschaft. Zentral angeliefertes Essen, überwachte sportliche Betätigungen und ein wenig Offenheit in privaten Belangen – naja – es könnte schlimmer sein.

Der programmierte Tod mit 80 – dafür jedoch die Garantie, bis zu diesem Tag nicht zum Pflegefall zu werden – echt – kein großes Thema, kann man sich doch gediegen von seinen Freunden und Verwandten verabschieden. Wirklich unproblematisch.

Die zentral arrangierte Partnerschaft mit irgendjemandem aus dem Land, der aufgrund intensiver wissenschaftlicher Analysen am Besten zu einem selbst passt. Na, da wird das Erbmaterial wenigstens nicht zufällig verschleudert, sondern zum Wohle des Systems und der Zukunft einer gesunden Menschheit eingesetzt. Und Liebe? Na – die ist eher sekundär, wird sich aber ganz bestimmt einstellen, da die „Auswahl“ einfach perfekt ist. Nichts ist dem Zufall überlassen und an den Partnerschaften im eigenen Umfeld sieht man ja, wie gut das alles funktioniert. Das System macht ja keine Fehler.

Mehr oder weniger jedenfalls.

Die Zeremonie der Paarung hat große Tradition im Land und Mädchen und Jungen im paarungsfähigen Alter können es kaum erwarten, ihren Lebenspartner präsentiert zu bekommen. Inklusive eines kleinen Computer-chips mit den wissenswerten Informationen über den baldigen Lebensgefährten.

Kassia ist aufgeregt. Auch ihr großer Tag ist gekommen. Nervosität vor dem Unbekannten, dem Wagnis und all den Risiken, jedoch fasziniert vom Gedanken einen Partner zu finden, sitzt sie mit ihren Eltern und ihrem besten Freund in der Zeremoniehalle und wartet auf ihr Urteil. Ach wie romantisch…

Doch dann beginnt das Rad des Systems zu schlingern. Eine kaum spürbare Unwucht bringt den traditionellen Ablauf aus dem Gleichgewicht. Kassias Partner ist kein Unbekannter. Ausgerechnet mit ihrem besten Freund Xander soll sie ihr Leben teilen. Ein Traum – blindes Verständnis und keine Unbekannte in der Gleichung. Was will man mehr? Kein Umzug und kein verordnetes Kennenlernen – nichts! Außer der Tatsache, dass so etwas noch nie zuvor passiert ist, kommen die zukünftigen Gefährten doch ausschließlich aus anderen Orten. Vorheriges Kennen ausgeschlossen.

Was soll’s! Der Spatz in der Hand wird reichen für das Leben und die Liebe zur bestehenden Freundschaft hinzuzufügen, scheint unproblematisch. Kassia erhält den Chip mit den wichtigen Informationen zu einem Menschen den sie besser kennt als das System – und nur aus reiner Neugier wirft sie einen Blick auf die Informationen.

Doch sie sieht einen anderen Jungen. Für den Bruchteil einer Sekunde nur, sieht sie ein anderes ebenso bekanntes Gesicht. Was, wenn das System sich geirrt hat? Was wenn ihr Freund doch nicht ihr idealer Partner ist? Was, wenn das System tatsächlich Fehler macht?

In Kassia erwachen längst unterdrückte Instinkte. Hoffnung, Sehnsucht, Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein bahnen sich ihren Weg und sie begibt sich auf die Suche nach dem Jungen, der mehr sein muss als ein Irrtum.

Ky… magische Anziehungskraft besitzt der Name, das Bild und der Mensch. Kassia kann nicht anders und sitzt unversehens zwischen allen Stühlen. Ihr Konflikt: Sicherheit im System gegen inneren Aufruhr und die offene Herausforderung einer dunklen Seite, die sie in ihrer Gesellschaft noch nie am eigenen Leib erfahren hat. Sie ahnt nur, dass es sie gibt – wie in jedem System.

Emotion pur…. Gesellschaftsutopie pur…. Dystopie pur… Unter-haltung pur… und es geht weiter….

Ein kleiner Schuss dieser Gefühlswelten zwischen Menschen hätte den „Tributen von Panem“ sehr gut getan. Ein kleiner Schuss dieser nachvollziehbaren inneren Konflikte nur hätte Wunder gewirkt. In der „Auswahl“ wirkt diese Emotion wie ein Wunder.

„Mein Herz wird immer deinen Namen fliegen. Ich werde einen Weg finden, um mich in die Lüfte zu erheben,… und ich werde dich finden.“

Unsere „Auswahl“ in Form unserer Rezensionen sind euch nun bekannt, diese findet ihr auch unter unseren Lovelybooks Profilen – Mr. Rail – und – Binea -. Wie würdet ihr euch fühlen, was löst dieses Buch in euch aus, welche Auswahl würdet ihr treffen, wenn ihr könntet und zu welchem Partner passt ihr am Besten? Eine Auswahl an Fragen, die uns während und nach dem Lesen auch selbst beschäftigten. Ein grandioses Buch hat oft über die Grenzen des Buchdeckels noch eine „Zusatzwelt“. Diese gibt es in der amerikanischen, wie auch in der deutschen Form in Gestalt einer Website. Ein Eintauchen in die Onlinewelt der „Auswahl“ hält die Spannung bis zum nächsten Band aufrecht. Das Buch, die Autorin, die Bewegung, die Artefakte – hier ist die Auswahl groß. Vor allem ist es hier möglich, seinen optimalen Partner (via Facebookfreunde) bestimmen zu lassen.

Die Auswahl ist groß, die Entscheidung wird fallen – das System entscheidet!

„Das System sagt wen du lieben sollst – aber was sagt dein Herz?“

Es wird bunt im Haus – der Zyphius ist los…

Über dem Meer kreisen friedlich die Möwen…

So harmlos und ruhig kommt die „Geschichte vom Zyphius“ von Robert Göschl daher. Leicht schmiegt sich die geschwungene Schrift in das großformatige Buch und ein paar lustige Möwen fliegen, spielen und fischen vor sich hin. Welch eine kleine Idylle…

Doch dann, schon beim ersten Blättern wird schnell klar, dass sich unter der Oberflächeso wie unter allen Oberflächen – etwas mehr als  Geheimnis-volles verbergen muss.

„Doch in endlosen Tiefen lauern schreckliche Löwen…“

Die Zeichnungen – allesamt sehr modern, sehr plakativ und sich ständig verändernd – verraten, dass etwas nach uns greift und uns nach unten ziehen möchte. Angst jedoch kommt beim Lesenachwuchs keine auf, weiß doch schon das kleinste Kind, dass es eher in Nachbars Garten Löwen gibt, als unter der Meeresoberfläche…. Die erste Pause während des Lesens, die erste kleine Unterbrechung ist durch leises Prusten und Kichern vorprogrammiert.

Und schon stoßen Lena und ich gemeinsam zum ersten Geheimnis des Buches vor. Es ist nicht zum schnellen Stöbern gedacht, es ist nicht zum flotten Lesen und Vorlesen geschrieben und gemalt. Nein – es ist viel mehr. Und diese Zeit sollte man sich nehmen…

Die Geschichte vom Zyphius – lesen, schauen und basteln…

Je dunkler es wird, je bedrohlicher die Hinweise auf das unterseeische Wesen – den Zyphius – werden, umso mehr sträubt sich die kindliche Phantasie, all das zu glauben, was man diesem Monster so zuschreibt und als Erwachsener muss man schon recht überzeugend und oft „Dohoch – echt wahar“ einwerfen, um das begeisterte Kopfschütteln des Gegenübers in den Griff zu bekommen. Die Legenden um den Zyphius wachsen von Seite zu Seite. Das Lesen und Betrachten werden in einen Strudel der Bilder und Schriften gezogen,, bis man immer wieder kurz verweilt um zu staunen.

All diese Legenden finden sich großzügig und poppig illustriert – selbst die Warzen auf dem Kopf des Zyphius, allerdings „in Form von Palmen, die obendrein auch noch fürchterlich qualmen.“ (Lach…).

Lena ist über das Erstlesealter deutlich hinaus und hat sich trotzdem im Mai auf das Experiment eingelassen – ich selbst bin ebenfalls aus dieser Phase entwachsen, habe mich aber auch dem Zyphius gestellt. Wir haben es beide bis heute nicht bereut.

Den Höhepunkt erreicht die Geschichte im Magen des Monsters, das bis zu dieser Stelle bedrohliche Ausmaße und Farben angenommen hat. Der Zyphius hat uns in seinen Bann gezogen. Im Magen jedoch wird es kunterbunter als zuvor. Von Müll, über ausgewachsene Wale bis hin zu Seepferdchen auf Fahrrädern und einem U-Boot – alles ist dort zu finden – alles hat er vertilgt und verdaut – alles liegt ihm schwer im Magen und sucht nach einem Ausgang.

Unser ZYPHIUS – selbst gefüllt – sozusagen…

Unter seiner Oberfläche sieht es – wie unter jeder Oberfläche – ganz anders aus, als von Außen betrachtet. Und jetzt beginnt es, ein richtig greifbares Abenteuer zu werden. Dem Buch liegen ein Poster des Monsters und zwei Stickerbögen bei, die es uns nun ermöglichen, unserern ganz eigenen Zyphius mit Leben zu füllen. Zu jedem Gegenstand, den wir in seinen Magen kleben wissen wir zu erzählen, wo er ihn gefressen und verschlungen haben könnte und nach viel Gelächter ist er fertig – der „selbstgefüllte“ Monsterfisch.

Wir nähern uns dem Ende der Geschichte – welches schnell erzählt ist, aber die Geschichte selbst ist nicht schnell beendet. Was die Kinder schon viel früher wussten und wofür sie während des Lesens die Hand ins Feuer legen würden: auch unter der Oberfläche dieser Geschichte sieht es – wie unter jeder Oberfläche – ganz anders aus. Der Zyphius ist nicht der, für den man ihn hält!

Ein klares Fazit…

Lena und ich haben gleich nochmal von Vorne begonnen und im Wissen um das Ende herzhaft gelacht. Das Poster hängt in ihrem Zimmer. Nicht nur als Andenken an die lesens- und sehenswerte Geschichte, sondern auch als Momentaufnahme einer schönen gemeinsamen Lese- und Bastelzeit.

Genau diese wird uns von diesem Buch geschenkt – zeitlos, alterslos und doch mit einer Botschaft, die jeder versteht.

Unter jeder Oberfläche ist manches anders und manchmal stößt man auf Legenden, die bei Licht betrachtet….. nein – das müsst ihr selbst ergründen.

Wir jedenfalls fürchten uns nicht vor dem Zyphius – nein – tun wir nicht… ätsch!

Eine Rail`sche Wortwolke. Alles nur Legenden? Wer weiß, wer weiß…

Ernest Hemingway – zum 50. Todestag

Idaho, die Kleinstadt Ketchum am 2. Juli 1961 – eigentlich ein ruhiger Sonntag. Bis ein Schuss die Stille zerreißt und nicht nur die amerikanische Idylle zerstört, sondern die Weltliteratur in Aufruhr versetzt.

Ernest Hemingway (61), Literaturnobelpreisträger und zu dieser Zeit der wohl populärste Schriftsteller seines Landes, hatte seinem Leben ein Ende gesetzt. An einem Punkt angekommen, der keinen Ausweg mehr offen ließ, an dem der Alkohol und die Depression die grenzenlose Fantasie eines Genies endgültig besiegten, sah er nur diesen einen Weg – diese eine Schrotflinte.

Ein einziger Schuss – ein Volltreffer ins Herz von unzähligen Lesern und Fans. Nicht jedoch das Ende einer Legende. Hemingway lebt in seinen Büchern weiter. In seinen großen Erfolgen, seinen Kurzgeschichten und den posthum erschienenen Romanen wie “Die Wahrheit im Morgenlicht”.

“Der alte Mann und das Meer” erhob ihn in den Olymp der Weltliteratur. Unzählige Auszeichnungen und Ehrungen waren seitdem getreue Wegbegleiter des Autors und doch wurde seine Seele von unzähligen Zweifeln geplagt. Versagensängste, Verzweiflung und melancholische Rückblicke auf gescheiterte Beziehungen und ein extrem wildes Leben kennzeichneten die letzten Jahre von Ernest Hemingway.

Meine kleine Hemingway – Sammlung

Der Blick zurück ist ein Blick in das Zentrum eines literarischen Orkans, die absolut ungeschminkte Betrachtung einer Zeit der Anonymität und des Strebens nach Erfolg. Eine Zeit an der Seite seiner ersten Ehefrau Hadley Richardson – eine Zeit, die ihn prägen sollte, die er jedoch nie wieder mit Leben füllen konnte. Er hatte sie damals abgelegt. Die Anonymität mit Ruhm getauscht, die erste Frau durch eine wohl besser zu einem großen Schriftsteller passende ersetzt und sich selbst hatte er dabei völlig neu erfunden.

Der Anfang vom Ende – und dies schon im Jahr 1927. In Paris….

Legendäre Orte in Paris…. Shakespeare & Company…

Es gibt viele Wege, sich dieser Zeit lesend anzunähern. Viele Sichtweisen sind möglich. Binea und ich haben uns gemeinsam für einen Weg entschieden, den wir auch im Nachhinein als Königsweg bezeichnen können.

Mehr über den Weg zum Roman „Madame Hemingway„, dem Original-Hemingway „Paris – Ein Fest fürs Leben“ und das „Rowohlt Hemingway-Digitalbuch“ als App erfahrt Ihr im Artikel auf dem Blog.Lovelybooks!

Mit einem Klick zum Artikel auf dem Blog.Lovelybooks…