Nur mal EBEN lesen…

Vor wenigen Stunden erst haben wir in unserem Artikel Die Liga der Bücher einen gewagten Vergleich angestellt und die literarische Leidenschaft auf die Fußballplätze dieser Welt gespiegelt. Über Auf- und Absteiger haben wir berichtet, vom drohenden Lizenzentzug wegen sportlicher Wertlosigkeit und vom Meistertitel 2011.

Unser wahres Anliegen war es jedoch, darauf aufmerksam zu machen, wer in dieser Bücherwelt zu den Meistern unserer Herzen zählt.

Robert Eben gehört zweifellos in diese literatwoische Ehrenliga. Lange haben wir über seinen Roman gesprochen, haben gezweifelt, gelacht und auch geweint. Wir waren kritisch und offen… wir haben uns fallenlassen und wurden aufgefangen. Ein Roman ohne doppelten Boden und mit einem Autor, der Aufmerksamkeit verdient. Biancas Worte treffen den Kern unserer Lesereise und ich kann sie nur mit dem guten Füller unterschreiben.

Heute betritt er unser Spielfeld. Der Ball liegt zum Anstoß bereit und wir sitzen bequem im VIP-Bereich unseres eigenen Stadions. Es wäre schön, wenn heute ausverkauft wäre – es wäre schön, mit euch gemeinsam jeden gelungenen Pass zu feiern und mitfiebern zu können. Kommt einfach herein und fliegt mit. Die Vögel am Horizont breiten ihre sanften Schwingen aus…

Nur mal EBEN lesen wollten wir Literatwos und öffneten gemeinsam Robert Ebens Roman „Die Vögel am Horizont“.

Nur eben mal, doch dann fanden wir uns in Prag wieder. Clemens allerdings, hätte sich auch nicht träumen lassen, dass er auf seiner Recherchereise bis in die tschechische Hauptstadt kommt und das in Begleitung einer Frau. Er arbeitet freiberuflich und befand sich vorerst in einem Dorf nahe der deutschen Grenze, im Böhmerwald. Als Reporter sollte er sich die Gegend anschauen um über den Zustand des Waldes und über die dort lebenden Menschen berichten. 20 Jahre war es her, als sich der politsche Systemwechsel, samtene Revolution genannt, vollzog. Clemens war nicht sonderlich begeistert von dieser Aufgabe, dennoch froh über jedes Angebot, versuchte er sich in die Materie zu begeben. Er musste dies auch, der Jahrestag rückte näher und es blieb ihm nichts anderes übrig, als endlich mit der Dokumentation zu beginnen. Der Auftrag kam ihm trotz des Themas sehr gelegen, da er es liebt, sich in der Tschechischen Republik aufzuhalten, er die Sprache gern spricht und einige ruhige Tage verleben kann um zu entspannen.

In Deutschland wartet seine Freundin Johanna auf ihn, doch eine Sehnsucht verspürte er nicht, fühlte sich ihre Beziehung doch eher wie eine Freundschaft an. Er vermisste sie nicht, er fühlte sich frei und gönnte sich sogar einige Bordellbesuche. Als er in der Pension den Abend ausklingen ließ, trat Kristyna in die Wirtsstube. Eine wunderschöne Frau, die seinen Blick auf sich zog. Am nächsten Morgen sah er sie wieder und er begann ein Gespräch mit ihr. Kristyna war auf dem Weg zurück nach Prag, wo sie als Kindergärtnerin arbeitet und ihre freien Tagen waren leider nun vorbei. Allerdings war das Gespräch zwischen ihnen in vollem Gange und spontan fragte Kristyna ihn, ob er sie nach Hause fahren möchte.

Clemens liebt Prag und seine Arbeitswut hielt sich immer noch in Grenzen, ein paar Tage mehr konnte und wollte er verschmerzen. Diese wunderschöne und lebenslustige Frau musste er näher kennenlernen, schien sie doch genau das Gegenteil von seiner jetztigen Freundin zu sein. Er hatte ein gutes Bauchgefühl, ein kleiner Anflug von Schmetterlingen breitete sich bei ihm aus, als er sich mit ihr für den nächsten Tag verabredete. Beide genossen es, ihre Zeit miteinander zu verbringen. Kristyna schien sich in sein Herz zu schleichen, wie er sich in ihres. Er genoss es einfach sie glücklich zu machen, ihre strahlendes Gesicht zu sehen und einfach den Moment zu leben, egal was er kostete.

Ausleben, lieben, genießen, den Tag mit Sonne im Gesicht und dieser Frau zu verbringen. Clemens Dokumentation und auch seine Freudin Johanna rückten immer mehr in den Hintergrund, er befand sich auf einer Welle des Glücks die sich immer mehr aufzutürmen schien, ohne das ein Zusammenbruch in Sichtweite war. Kristyna stellte ihm ihre Freunde vor, er begann bei ihr zu übernachten und beide konnten sich nicht vorstellen wieder voneinander getrennt zu sein.

Doch Kristyna hat Clemens bisher etwas mehr als wichtiges verschwiegen, das Auswirkungen auf ihr komplettes Leben und ihre Liebesbeziehung hat. 

Berührt, ruhig, nachdenklich, sprachlos und doch innerlich entspannt bin ich – kaum zu beschreiben. Tief in Gedanken zwischen Liebe und Tod, lass ich Tränen kullern, einfach so. Robert Eben schreibt gefühlvoll und in einer Art, die Entspannung beim Leser hervorruft. Der rote Faden im Buch ist zu Anfang dünn und blass. Der Leser soll sich mit der Umgebung des Protagonisten und vielen Details seiner Gedankenwelt vertraut machen. Ganz langsam soll er sich an den Worten entlang hangeln und spüren wie der rote Faden immer dicker und stärker wird, wie die Beziehung von Clemens und Kristyna.

„Die Vögel am Horizont“ fliegen sehr emotionale Schleifen, setzen zum Sturzflug an und gleiten stellenweise im Tiefgang dahin. Ihre Flügel schlagen zart und langsam, dann wieder wild und schnell, die Flügelspitzen berühren dabei unterschiedliche Himmelsschichten. Liebe, Trauer, Schmerz, Freiheit, Kummer, Sorge, Lebenslust und auch Diskriminierung. Ein breites Spektrum entfaltet Robert Eben.

Ein Nachtrag zur Technik….

Uns hat etwas gefehlt in „Die Vögel am Horizont“. Uns war es an manchen Stellen zu einfach gestrickt, zu geradlinig. Der zweite Handlungsstrang um den Protagonisten Clemens hätte noch mehr geöffnet werden können, tiefere Einblicke geben können. Es hat uns was gefehlt…

DACHTEN WIR…! Bis uns in einem Telefonat zum Buch die Erkenntnis traf….

Genauso musste es sein… Es gab keine Alternative… Der zweite rote Faden entspricht der Moldau. Ereignislos fließt sie durch Prag. Jeder Blick auf den Strom zeigt augenscheinlich nur dahinfließendes Wasser. Nicht mehr. Ebenso treibt Clemens durch sein eigenes Leben. So lange, bis er an einem unbekannten Ufer anlandet und feststellt, dass ihm sein Lebenswasser schon bis zum Hals steht.

Robert Eben ist es mit diesem Kunstgriff gelungen, das Leben an der Seite von Kristyna zu einer solchen Besonderheit zu machen. Nur so können wir verstehen, dass die Liebe Hürden und Grenzen zu überwinden vermag und aus dem ruhigen Strom des eigenen Lebens eine wahre Wildwasserfahrt macht. Rafting mit Eben, eben….

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Lachen machen…

Es war der letzte Mittwoch vor Heiligabend. Einer der wenigen magischen Tage in den letzten Wochen, an denen er ansatzweise das Gefühl hatte, irgendwie nützlich zu sein. Ein ganz klein wenig zumindest. Mit widerspenstig gegen ihn ankämpfendem Schirm betrat er den windgeschützten Eingangsbereich der Klinik, nickte der Dame am Empfangsschalter flüchtig zu und dachte ganz kurz, ein leichtes Kopfschütteln wahrgenommen zu haben… kurz…

In seinem Arztzimmer angekommen, lehnte er den triefnassen Schirm an die Wand und begann damit, sich langsam umzuziehen. Aus den Augenwinkeln heraus betrachtete er wehmütig die Zertifikate, die ihn scheinbar definierten. Approbationsurkunde, hippokratischer Eid, notfallmedizinische Kurse und Kongressbescheinigungen zeichneten das klar konturierte Bild eines Meisters seines Faches. Letztlich jedoch war es nur gerahmtes Papier. Der Notfall war jetzt er…

Er öffnete seinen Spind und entledigte sich seiner Alltagskleidung, zog die viel zu große Hose an, griff zu den beiden unterschiedlichen Schuhen, schlüpfte in den karierten Kittel und begann damit, sich zu schminken. Viel Weiß trug er auf, zog einen blutroten Rand um den Mund und malte ein wenig Rosa auf die Wangen. Er blickte in den Spiegel und war zufrieden mit sich. Keine Spur mehr von Falten oder Sorgen, kein Hauch mehr eines Zweifels – ein Clown, dem jetzt nur noch die Plastikglatze fehlte, um die Illusion vollständig zu machen.

Er versuchte ein Lächeln, erst zaghaft, dann etwas gewagter, aber mehr als das traurige Zerrbild eines Komikers konnte er nicht wahrnehmen. Egal – es würde sich einstellen. Das Lachen und die Leichtigkeit würden automatisch auftauchen – das war immer so, wenn er zweimal im Monat als Klinikclown unterwegs war und jonglierend durch die endlosen Flure stolperte. Lachen machen – das hatte er vor. So schwer es ihm auch selbst fiel. Das Lachen.

Sunny war mit ihren vierzehn Jahren wohl eine der jüngsten Dauerpatientinnen auf der 31. Ausgemergelt, magersüchtig, instabil war zu lesen… Worte. Ihre Gefühle konnte man nicht lesen. Essen unter Beobachtung, Rauswürgen wenn sie alleine war. Leben in einer Welt in die sie nicht passte – kleiner wollte sie werden, nicht auffallen bis zum Verschwinden. Spurlos wollte sie leben. „Das kriegen wir wieder hin“, so der Tenor der Ärzte, Therapeuten und ihrer Stiefeltern. Hinkriegen… Worte.

Ihre eigenen Worte schenkte sie nur ihrem Tagebuch. „Klinik, Tag 241. Am Ende… ich… keine Kraft mehr und die Zukunft? Was will die von mir? Nichts, denke ich. Das ist nicht meine Welt. Ist da draußen irgendjemand der zu mir hält?“ Worte… ihre eigenen. Sie schloss ihr Tagebuch – hart.

Genau in diesem Moment betrat er ihr Zimmer. Bewaffnet mit einer überdimensional großen Patientenakte, aus der ihm eine wohl zwei Meter lange Fieberkurve schlangengleich zu folgen schien, näherte er sich stolpernd ihrem Bett und lispelte „Daff kriegen wir wieder hin… efft kein Thema“ und blätterte wie wild in seinen Unterlagen, aus denen es jetzt Konfetti zu regnen begann. Sunny wollte nicht lachen – das wollte sie nie, aber jetzt bahnte sich wieder ein Gefühl seinen Weg nach draußen, das sie oft so sehr vermisst hatte. Sie kniff die Lippen fest zusammen und doch musste sie ein wenig prusten… nur ein ganz klein wenig… ein zartes erstes Lachen seit Tagen. Da war es. „Daff ifft lufftig… ffie lachen ja, Ffräulien Ffunny…“ meinte er feixend.

So erging es den meisten Patienten. Dr. Fuffel war unwiderstehlich. Ob Tagespatient mit gebrochenem Arm, Kurzzeitkranker auf Station oder Dauerpatient… jeder erlag seinem Humor und jeder freute sich auf die wenigen unbeschwerten Minuten mit dem „Facharzt für leicht erkennbare Krankheiten“, der seinen eigenen Namen nur unter einer Vielzahl gelispelter „Effs“ herausbekam. Luftballons säumten seinen Weg und Jonglierbälle, die der Schwerkraft zum Opfer fielen kullerten vor seinen ungeschickten Füßen über die Gänge der Klinik. Nur seine Plastiksonnenblume schien halbwegs normal zu sein, da sie sich ohne erkennbaren Sprachfehler mit ihm zu unterhalten schien. „Herr Doktor…sie haben in der Fieberkurve wieder zu schnell beschleunigt… tststs…“

Lachen machen… das konnte er wie kein Zweiter. Und Lachen konnte Sorgen vertreiben – zumindest für wenige Minuten, jedoch oft nachhaltiger, als manche Therapie oder eine Vielzahl von Medikamenten. Dabei war er ein ganz normaler Kassenclown… Humor ohne Rezept und doppelten Boden. Immer richtig dosiert – immer genau hinein in den Schmerz. Nur nicht in den Eigenen! Den traf er nicht. Und nach dem Lachen kam das Gespräch – und auch hier traf er den Schmerz. Nur nicht den Eigenen. Das Lachen war seine Tür zu den Menschen. Den Eingang zu sich selbst jedoch hatte er scheinbar zugemauert.

Schwer war es jetzt, kurz vor Weihnachten. Genau zu wissen, wo man die Feiertage zu verbringen hatte, war hart. Keine Entlassung. Therapie und Klinikalltag. Sunny war es egal. Ob hier oder woanders – egal. Es wartete niemand auf sie – sie war ein Problem und das hatten lieber alle vom Hals…. War eben so…

„Und? Hat`s gut getan?“, fragte Schwester Gabriela ein wenig neugierig, während sie Sunny beim Essen beaufsichtigte. „Was?“ „Na Fuffel! Du hast heute gelacht. Das sieht man nicht so oft… oder?“ „OK! Es war gut. Mehr als das. Wenn die Ärzte so wären wie dieser Spaßvogel, dann… Naja.. er ist – eben anders, halt. Und lustig!“

Beim Verlassen des Zimmers drehte sich Gabriela kurz um, dachte einen Moment darüber nach, ob sie sagen sollte, was ihr auf den Lippen brannte, zögerte und meinte dann: „Er ist Arzt. Hat es aber vermasselt. Irgendwie. Ein Kind hat er nicht durchgebracht – seitdem ist er wohl suspendiert und versteckt sich hier hinter dem Clown. Die haben ihn alle fallenlassen, wie eine heiße Kartoffel. Irgendwie passt er nicht mehr ins System, aber anders kann er wohl nicht!“ Sie schloss die Tür.

Er passt nicht in diese Welt. Fallenlassen? Er will sich verstecken. Gedankenflut. Sunny schlug ihr Tagebuch auf und las ihre letzten Zeilen. Wenn er nicht passte, warum war er noch da? Warum kämpfte er einen einsamen Kampf? Warum lag er nicht am Boden? Wie sah es in seinem Inneren aus – hinter der Kulisse…? Oh Gott… sie konnte es sich vorstellen….

Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen – Gruppentherapie stand heute auf dem Programm und sie musste sich anziehen. Mühselig alles – weil nutzlos. „Hallo, ich bin die Sunny und kotze mein Leben weg.“ Ach sie war es so leid. Und auch noch in der Innenstadt. Ein kurzer Weg durch den Park und dann in die Trambahn einsteigen… wenigstens frische Luft. Für andere eine willkommene Abwechslung, für Sunny jedoch ein Schaufensterbummel der Illusion. Menschen, die zusammengehören und einkaufen gehen, normale Familien, lachend und Leute mit Jobs, Studenten und ach… eine Welt halt – aber nicht ihre. Definitiv nicht.

Am späten Nachmittag verließ sie die Klinik. Wie immer unter Aufsicht. Der festlich strahlende Tannenbaum auf dem Vorplatz erinnerte sie nur umso schmerzlicher an alles, was sie nicht hatte. Nur ein Mahnmal – keine schönen Gefühle.

Auch Fuffel verließ das Gebäude. Ein trauriger Clown auf dem Weg zum Kinderhaus. Aber wenigstens dort erwartete man ihn sehnsüchtig. Seine Ziehharmonika vor dem Bauch und die Plastiksonnenblume in der Hand schlenderte er gedankenverloren durch die Gartenanlagen der weiträumig angelegten Klinik. Kalt war ihm, aber umziehen würde sich nicht lohnen und Kälte machte aufmerksam und wach… das wusste er noch von Früher. Vom Rettungswagen. Was für eine Zeit….

Wie aus dem Nichts hörte er plötzlich quietschende Reifen, erahnte einen viel zu kurzen Bremsweg und hörte den markerschütternden Schrei einer Frau, dem das Geräusch eines dumpfen Aufpralls folgte. „Timmieeeeeee“ – diesen Ruf konnte man durch den ganzen Park hören. Alle Instinkte erwachten in Fuffel, er sprintete los, erreichte in Windeseile den Zebrastreifen und erfasste mit einem geschulten Blick das gesamte Ausmaß des vollendeten Dramas.

Ein überfahrenes Kleinkind, eine zusammenbrechende Mutter und Horden von gaffenden Schaulustigen, die sich am Schicksal eines Einzelnen zu ergötzen schienen.

Er schob sich durch die Menschen, kniete neben dem Jungen nieder und begann seine mehr als automatisierte Checkliste abzuspulen: Vitalfunktionen, Verletzungsmuster, Ansprechbarkeit… bis er es hörte. Das Murren und Raunen der Unbeteiligten. „Holt doch den Clown weg von dem Kind!“ „Fass den Jungen nicht an… das hier ist keine Manege…!“ „Unfassbar was der sich traut…!“ Irgendjemand zog ihn an seinen allzu bunten Rockschößen und die Mutter fauchte ihn nur an „Finger weg von Timmie“!

Bis ein energischer Ruf dem chaotischen Treiben Einhalt gebot! Wie ein Donnergrollen übertönte er die lärmende Menge: „Lasst den Mann arbeiten – er ist MEIN Arzt – MEIN Arzt – habt ihr das alle verstanden! Vertraut ihm … Lasst ihn….“

Fuffel blickte sich nur den Bruchteil einer Sekunde um und erkannte Sunny. Größer als sonst, sich selbst bewusst überstrahlte sie die ganze traumatische Szenerie und man wich zurück, murmelte Entschuldigungen und ließ sie zu ihm durch.

„Ich brauch` dich jetzt, Sunny… ich sag` dir was du tun kannst…“ Und dann schickte er ihre „Aufseherin“ zur Klinik – es waren nur knapp fünfzig Meter und sie sollte den Notarzt rufen. Von diesem Moment an funktionierte er – mit Sunny an seiner Seite. Und er hatte einen Kloß im Hals. Was hatte sie da gerufen? „Mein Arzt!“

Sie saßen noch lange im Wartehäuschen der Trambahnhaltestelle. Der Clown und das dünne Mädchen. Schweigend und nachdenklich. Sie hatte die Sonnenblume auf dem Schoß und er schüttelte nachdenklich seinen Kopf. Bis er ihn hörte. Professor Kallners Stimme war unverkennbar. Er war an den Unfallort geeilt und hatte Fuffel machen lassen – hatte sich nicht eingemischt, bis Timmie transportfähig war. „Das war ganz groß, Dr. Fufffel! Meinen Respekt!“

„Nein – bedanken sie sich bei Sunny. Danken sie dieser jungen Frau… Die ist groß. Sie hat den Orkan hier beruhigt und aus einem Clown wieder einen Arzt gemacht. Das haben andere genau andersrum betrieben.“

„Das kriegen wir wieder hin, Kollege“. Mit diesem Satz verschwand Kallner wieder in den Park. Zurück in sein medizinisches Reich. Er hatte das Gefühl, gerade sehr viel gelernt zu haben. Mehr als das.

Daff kriegen wir wieder hin… efft kein Thema“… Fluffel konnte einfach nicht anders und er spürte, wie sich Sunny neben ihm vor Lachen schüttelte. Sie hielt ihm die Blüte der Sonnenblume ins Gesicht und sah ihn verschmitzt an bevor sie das eine Wort aussprach, das auf einen Schlag zwei Leben veränderte:

„Versprochen?“

Gewidmet allen Klinikclowns, die täglich kranke Kinder „Lachen machen“ und
meiner tapferen Lena, die auch dann lacht, wenn es am Schwersten ist.

Arndt Stroscher

Bücher schenken zu Weihnachten? Eine Empfehlung

Zum Artikel… einfach scrollen – zum 9. Türchen hier klicken…

Es ist soweit. Die Zeit eilt in Riesenschritten in Richtung Weihnachtsfest und unser literatwoisches Adventstürchen Nummer 9 wurde heute Morgen geöffnet. So langsam wird es Ernst und die Weihnachtsgeschenke müssen eingekauft werden! Mit umfangreichen Wunschzetteln bewaffnet hasten wir durch die weihnachtlich geschmückten Geschäfte und suchen die großen und kleinen Präsente für den Gabentisch.

Das Spektrum ist gigantisch, vom Hightech-Herzenswunsch bis zum Verlegenheitsgeschenk. Alles ist dabei.

Man kann und wird allerdings auch BÜCHER schenken. Damit diese literarischen „Christkindchen“ nicht in die Kategorie „Der hat schon alles – da hol ich halt das Buch zur Krawatte“ fällt, möchten wir euch Bücher empfehlen, die es einfach verdient haben, unter dem Tannenbäumchen zu liegen. Phantasievoll und weihnachtlich geht es zu in diesen Schätzen – nur das letzte kleine Wunderwerk hat so gar nichts mit den festlichen Tagen zu tun, gilt aber als zeitloser Geheimtipp für alle Menschen, die ihr Herz in Büchern verloren haben!

Es gibt Bücher, die man gerne selbst geschrieben hätte und es gibt Bücher, die aufzeigen, was man in den letzten Jahren hätte tun können, wenn man so kreativ und phantasievoll wie ihr Autor gewesen wäre. Tolkiens „Briefe vom Weihnachtsmann“ gehört zweifelsohne in beide Kategorien. Der Schöpfer von Mittelerde hat nicht nur uns mit einer ganz eigenen Welt beschenkt und damit die Grundlagen zur modernen Fantasy gelegt, auch seinen eigenen Kindern hat er etwas ganz Besonderes gewidmet: Den Traum vom Weihnachtsmann – eine niemals enden wollende Reise in das Reich des Nordpols, der Heimstatt des großen Wunscherfüllers.

Jahr für Jahr schrieb Tolkien seinen Kindern liebevoll illustrierte Briefe vom Weihnachtsmann. In krakeliger Schrift (es ist ja schweinekalt im Polargebiet) und mit liebevollsten Worten meldet er sich jährlich zu Wort und erzählt ihnen Geschichten und Persönliches – spricht von den großen und kleinen Problemen des pünktlichen Schenkens, entschuldigt sich für große und kleine Verspätungen und umschmeichelt die kleine Familie Tolkien mit einer dauerhaft spürbaren Wärme.

Im Buch sind viele dieser Briefe und Zeichnungen abgedruckt. Es ist ein wertvolles Buch – inhaltlich und in seiner Gestaltung. Es regt an, es Tolkien gleich zu tun und den eigenen Kindern den Glauben an den Weihnachtsmann so lange es eben geht zu erhalten. Es regt zu einer Reise in die Phantasie an und ist somit nicht nur für Tolkienliebhaber ein unverzichtbares Geschenk.

Eine Traumreise der Nachhaltigkeit – eine Reise in eine Welt an die wir den Glauben vielleicht schon zu lange verloren haben.

„Briefe vom Weihnachtsmann“
Gebunden, 112 Seiten
18,85 Euro
Klett-Cotta

Ein perfekter Gegenentwurf zur Tolkienschen Betrachtung ist das „Lichterkettenmassaker“ von Stefan Albus. Ein Buchtitel wie ein Paukenschlag, versehen mit dem Bild eines kopfüber an einer funkelnden Weihnachtsbaumbeleuchtung baumelnden und zappelnden Nikolauses. Stefan Albus – ebenjener Autor der mit seinem kontemplativ informativen Werk „Santiago liegt gleich um die Ecke“ für Furore sorgte, ebenjener Autor, der sich während seiner Pilgerreise so intensiv mit der Motivation einer Glaubensreise auseinandersetzte – ebenjener Stefan Albus zeigt sich hier von seiner ganz anderen Seite.

Was haben wir gelacht. Weihnachten von seiner lustigen, tragikomischen, satirisch sarkastischen und doch sympathisch verschrobenen Seite. Albus lässt nichts aus.

Kein Auge bleibt trocken und in jeder der kleinen Geschichten finden wir uns schmunzelnd wieder. Wir alle wundern uns, wenn die Weihnachtsware wieder einmal schon im September die Sonnenmilch aus den Auslagen der Supermärkte verdrängt; wenn Rettungssanitäter verzweifeln, da sie pausenlos alarmiert werden um scheinbar strangulierte Menschen von Dächern und Balkonen zu retten, die sich dann als Weihnachtsdeko-Nikoläuse herausstellen; über den verschwindend geringen Alkoholgehalt der ständig überteuerten Glühweinportionen an Glühpilzbeheizten Weihnachtsmarktständen; über den Kampf der natürlichen gegen die künstlichen Plastikweihnachtsbaumlebensphilosophien; über die FernsehLEIDENschaften des mehrteilerverwöhnten Publikums, dem nur noch werbeunterbrochene Einteiler präsentiert werden (* siehe Outtake am Ende des Artikels), und nicht zuletzt über die Essgewohnheiten unserer Freunde, die zu Weihnachten Tiere in den Ofen schieben, die sie nichtmal im Biologiebuch ihrer Kinder wiedererkennen würden

Liebevoll unterzieht Stefan Albus das Weihnachtsfest einer pointiert zeitgemäßen Analyse und lässt uns entspannt Vergleiche zu unseren eigenen Ritualen ziehen. Er hat ja so Recht, der Herr Albus und wir lachen immer noch herzhaft, haben aber auch einiges aus diesem Buch gelernt. Zum Beispiel, warum die Nordmanntanne ihren Namen trägt und eigens für Weicheier gezüchtet wird;-)

Lachenswert… öhm lesenswert!

„Das Lichterkettenmassaker“
Paperback, 176 Seiten
9,99 Euro
Gütersloher Verlagshaus

Zuletzt ein perfektes Geschenk für Groß und klein, das niemals ein Weihnachtsbuch war und auch keines sein wird. Und trotzdem passt es einfach so schön auf jeden festlich geschmückten Gabentisch. Wir haben über das Buch berichtet und stellen seither fest, dass dieser Artikel in unserem Blog über den Suchbegriff „Die große Wörterfabrik“ speziell vor Weihnachten immer wieder gesucht und gefunden wird. Nicht ohne Grund.

Die zeitlos schöne Geschichte, die Aussagekraft und die Einmaligkeit der Illustrationen lässt die ruhigen Tage der Weihnachtszeit in einem anderen Licht erstrahlen. Tausendfach verschenken wir gute Wünsche, sagen wie sehr wir jemanden mögen und dass wir an ihn denken. Was jedoch, wenn wir uns diese Worte nicht mehr leisten könnten? Was jedoch, wenn Worte Luxus wären? Was jedoch, wenn wir feststellen würden, dass die Worte von denjenigen, die sie bezahlen können sinnlos verschwendet werden?

Der Wert unserer Sprache wird hier zum Spiegelbild unseres Lebens – und dies in einer der liebevollsten Geschichten über Zuneigung und das zarte Flämmchen der Liebe, die jemals geschrieben wurde. Ein Buch für Jung und alt – ein Vorlese- und Selbstlesebuch.

Ein Buch zum Vorlesen und Selbstleben. Ein Lebensbuch!

Die große Wörterfabrik
Gebunden, 40 Seiten
13,90 Euro
Mixtvision Verlag

Ihr habt die Wahl – oder ihr kauft euch gleich alle drei Bücher zum Fest. Das wäre eine lachenswert nachhaltige Traumreise in einem Lebensbuch… Und was kann man mehr verlangen…? Wir wünschen eine gesegnete Vorweihnachtszeit und auch weiterhin viel Spaß mit der literatwoischen Adventsrätselaktion…

Wir sehen uns… 

Postscriptum

Outtake“ zu Stefan Albus und dem Lichterkettenmassaker:

Just an jenem Tag, als ich das Fernsehmärchenmehrteilerkapitel im Lichterkettenmassaker gelesen hatte, in dem der Autor darauf hinweist, dass einzig das legendäre Fernsehmärchen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ mit mindestens 14 Ausstrahlungsterminen zum Weihnachtsfest als Relikt unserer guten alten Mehrteiler übriggeblieben ist und ich darob lachend den Kopf schütteln musste geschah das Folgende:

Einer meiner Mitarbeiter erschien laut jubelnd im Dienst und präsentierte allen Kollegen voller Stolz die frisch erstandene Luxusedition ebenjenes Märchens mit ca. 5 DVDs und dem Aschenbrödel-Original-Schmuck. Ich legte still und heimlich meinen „Albus“ mit Lesezeichen daneben und verschwand schmunzelnd…

Der Rest ist Firmengeschichte 😉

Der Beweis – ein märchenhaftes Lichterkettenmassaker…

Charles Dickens – eine Annäherung…

„Unser“ Blog.Lovelybooks bietet nicht nur ein Forum für die literarischen Neuerscheinungen oder den aktuellen Querschnitt der Bestsellerlisten, sondern ist seit seinem Bestehen auch Heimat für diejenigen Schriftsteller, die vor langer Zeit die Basis für unsere Leseleidenschaft gelegt haben. Über Mark Twain und Robert Louis Stevenson habe ich bereits berichtet und heute möchte ich meine Aufmerksamkeit einem weiteren Klassiker widmen:

CHARLES DICKENS

„Unser Vater Charles Dickens“, gerade beim Aufbau Verlag erschienen, beinhaltet die erstmals übersetzten Lebenserinnerungen der Kinder an ihren berühmten Vater und zeigen ihn von einer unbekannten Seite. Der große Erzähler wird als intensiver Familienmensch geschildert, der sich am Wohlsten fühlt, wenn er von seiner Kinderschar umgeben ist und in seinem trauten Heim an seinen Werken arbeiten kann. Dabei begleiten ihn seine erfunden Figuren auf eine ganz besondere Art und Weise durch sein ereignisreiches Leben.

Ein eigenes zeitgenössisches Dickens - Lesezimmer haben wir schon lange....

Die Annäherung an Charles Dickens wird leicht und fulminant, wenn man den Gedanken zulässt, dass Bücher miteinander reden und aufeinander hinweisen. Wenn man genau liest und sich für diese buchigen Dialoge öffnet, dann erlebt man diese gedruckte Kontaktaufnahme eigentlich fast bei jedem Buch.

Auch mit Charles Dickens ist mir dies vor ein paar Tagen passiert. Wurde doch ausgerechnet eines seiner Bücher in dem litauischen Deportationsdrama „Und in mir der unbesiegbare Sommer“ aus der Not heraus „geraucht“, da es kein Zigarettenpapier gab. Der Roman von Ruta Sepetys hat mich tief getroffen, Emotionen ausgelöst und auch Neugier geweckt, warum ausgerechnet ein britischer Autor im fernen Litauen so sehr geschätzt wurde. Binea hat diesen unbesiegbaren buchigen Dominoeffekt durch ihre Empfehlung ausgelöst und seitdem sind wir gemeinsam Charles Dickens auf der Spur!

Wie begründet sich die Magie des “Vaters” von Oliver Twist? Was für ein Mensch war Charles Dickens? Die Antwort auf diese und viele andere Fragen findet ihr im kompletten Artikel auf dem Blog.Lovelybooks…. Es lohnt sich!

Hier klicken. Herr Scrooge bringt euch persönlich zum Artikel auf dem Blog.LB

Und hier gelangt ihr zum Special anlässlich des 200. Geburtstages von Charles Dickens am 07. Februar 2012. Große Erwartungen? Sie werden erfüllt 😉

Mit nur einem Mausklick zu den Großen Erwartungen...

Roald Amundsen… eine eiskalte Lesung

Roald Amundsen - Forscher, Entdecker und Pionier

Vor wenigen Stunden erst haben wir das Zweite Türchen an unserem literatwoischen Adventskalender geöffnet und schon widmen wir uns wieder den Dingen, die uns am Leben halten und uns rastlos durch die Welt der Bücher rasen lassen: Gute Geschichten und gute Geschichte!

Amundsen. Allein schon der Name ruft viele Assoziationen hervor – es klingelt sofort in der Erinnerung. Scott, Peary, Nobile und schon bevor man zu lesen beginnt, denkt man eigentlich, vieles über das Leben des legendären norwegischen Polarforschers zu wissen.

Amundsen – ein Wort wie Donnerhall. Synonym für Überlebenswillen, Forscherdrang, Pioniergeist, Beharrlichkeit und Dominanz. In einem Atemzug genannt mit der Niederlage und dem Tod des wissenschaftlichen Rivalen Scott am Südpol. All dies haftet im Gedächtnis. Aber das war es dann auch schon mit dem reproduzierbaren Wissen und in dieser Situation können höchstens die fleißigen Helferlein bei Google weiterhelfen, oder eine anerkannte Kapazität auf dem Gebiet der Polarforschung. Ich vertraue hierbei auf Frau Dr. habil. Cornelia Lüdecke, Leiterin der Sektion Geschichte der Polarforschung bei der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung.

Ein biografisches Portrait hat sie verfasst. Portraits sollten von Spezialisten angefertigt werden – nicht nur die Schokoladenseite, nein alle Facetten einer Persönlichkeit sollten erkennbar sein, um die Persönlichkeit scharf konturiert abzubilden.

Der Südpol als Nagelprobe... Eine Expedition scheitert tragisch...

Cornelia Lüdecke ist ein hervorragendes Portrait gelungen. Und dies obwohl ihr Gegenüber nicht eine Sekunde stillgehalten hat. Umtriebig und unter schlechtesten Lichtverhältnissen hat er zeitlebens versucht, nur seine wissenschaftlich leuchtende Seite zu zeigen, diejenige hinter dem Polarlicht allerdings vor der Öffentlichkeit zu verbergen.

Die Momente, in denen sie gezielt auf ihren biografischen Auslöser gedrückt hat sind von bestechender Tiefe geprägt. Amundsen blickt den Leser an und in den Zeilen der Autorin öffnet sich eine facettenreiche und teilweise zerrissene Persönlichkeit, die man so nicht erwartet hätte. Dabei schreibt Cornelia Lüdecke nicht im biografisch trockenen Datensammlungsstil. Nein – sie begleitet Amundsen durch sein Leben, findet die tiefe innere Motivation für seine Polarfaszination und drückt immer dann auf den Auslöser, wenn Roald Amundsen an einer Wendemarke seines Lebens angelangt ist.

Der Autorin ist es zu verdanken, dass ich einsame Lesenächte bei gefühlten minus 54 Grad verbracht habe, gekleidet in Robbenfell einen Hundeschlitten führen durfte, auf Eisschollen treibend versucht habe ein Flugzeug zu starten und schließlich mit dem Luftschiff  „Norge“ die Schönheit der Arktis erleben durfte.

Eine wissenschaftliche Sinneswanderung im warmen Erste-Klasse-Abteil eines Buches.

Technischer Fortschritt als Evolutionsparameter für Roald Amundsen

Sofort hatte ich das Bild der Evolution des Menschen vor meinem geistigen Auge und konnte Amundsens Weg anhand dieser Skizze für mich festhalten. Die technische Entwicklung verhalf ihm zu seinen größten Erfolgen. Alleine auf Skiern wäre er nicht der Entdecker geworden, der er heute ist. Mit Schlittenhunden hatte er seine größten Ziele erreicht – und doch waren es Schiffe die ihn an den Ausgangspunkt seiner Expeditionen bringen konnten und später dann Flugzeuge, die gar eine Landung in der Arktis ermöglichten – und unwesentlich danach war die Reise über den Pol in einem Luftschiff möglich. Hier musste Amundsen erkennen, dass sein Weg als Forscher endete. Die Technik hatte ihn überholt und es zeichnete sich ab, dass die wenigen „weißen Stellen“ auf den Landkarten unseres Planeten nicht mehr allein durch Zähigkeit und Mut zu entdecken waren.

Ich musste dieser Portraitkünstlerin begegnen und war froh, zu ihrer „Eiskalten Lesung“ im gemütlich gediegenen Ambiente der August Dreesbach`schen Verlagsbuchhandlung zu München eingeladen zu sein. Also schnell den warmen Robbenfellmatel überwerfen, die dicken Fäustlinge anziehen und unter Todesverachtung der Autorin auf Amundsens Spuren folgend die Schlittenhunde vorspannen. Ich war gespannt.

Ich habe mich warm angezogen für den eiskalten Lesungsbericht...

Cornelia Lüdecke beginnt lesend, öffnet behutsam die Tür zur Geschichte der Polarforschung und macht Roald Amundsen zum Ehrengast ihrer „Eiskalten Lesung“. Ganz anonym ist er ja nicht, jetzt jedoch muss er tiefe Einblicke in sein Leben zulassen – und dies in aller Öffentlichkeit. Seine Motivation und sein Charakter stehen im Vordergrund der Betrachtung und wenn er dies wirklich erlebt hätte, denke ich, dass er trotzdem mehr als stolz gewesen wäre.

Stolz auf die liebevolle Vorbereitung der Veranstaltung durch das „Dreesbach-Team“, stolz auf die Qualität der wertfrei vorgetragenen Informationen, stolz auf die Wiederbelebung seiner einzigartigen Leistungen und wohl auch stolz auf die Bewunderung, die im Raum spürbar wird. Er hätte sich wiedergefunden in der Beschreibung von Cornelia Lüdecke, die ihre Lesung gekonnt mit einer Präsentation ihrer Rechercheunterlagen untermalt.

Expeditionsrouten, Photos und Skizzen vermitteln das Gefühl, einem Briefing zur Vorbereitung der Polarreise beizuwohnen.

Wissen schaffen... das ist lebendige Wissenschaft...

Lebendiger kann man Geschichte nicht vermitteln, lebendiger kann man sich Amundsen nicht nähern und lebendiger kann man ein Lebenswerk nicht mit Leben füllen. Lüdeckes Stärke liegt in der Fähigkeit zur Auslassung. Sie vermag es, ihren umfassenden Wissensschatz auf die wichtigsten Details zu komprimieren. Zu jeder Seite ihres Buches hätte sie weitere 100 füllen können. Sie hat dies nicht getan und genau hier liegt der Zauber des biografischen Portraits. Es ist spannend, packend und greifbar… es ufert nicht aus und beinhaltet für uns „Polarlaien“ eine angenehme Fülle an Eindrücken.

Am 14. Dezember 2011 jährt sich der Tag, an dem Amundsen als erster Mensch am Südpol stand zum einhundertsten Mal. Sein Todestag ist ungeklärt, sein Grab ist die Arktis… verschollen auf einer Rettungsexpedition für den abgestürzten Luftschiffkapitän Nobile. Das ewige Eis – hier schloss sich der Kreis im Leben des wohl bedeutendsten Polarforschers der jemals seine Spuren an Nord- und Südpol hinterlassen hat.

Die Widmung der Autorin im Literatwo-Exemplar bedeutet uns viel. Dieser Satz bleibt haften – so wie die Lesung, die Biografie und die Stimmung des Abends.

Eine Widmung, die berührt....