Die „Sinnlosigkeit“ – Futility

Futility – Der Roman der den Untergang der Titanic vorhersagte…

Was würde man wohl heute davon halten, wenn ein Autor bereits im Jahr im Jahr 1990 einen Thriller geschrieben hätte, in dem arabische Terroristen sich mit entführten Passagierflugzeugen in das World Trade Center stürzten, um die Weltmacht USA an den Rand eines Krieges zu zwingen?

Ich denke, die Frage ist leicht zu beantworten… Bis zu den fatalen Anschlägen hätte man den Schriftsteller wohl als fabulierenden Spinner bezeichnet und unmittelbar danach wäre das Buch als „Die große terroristische Prophezeiung“ in die Bestsellerlisten katapultiert worden. Und heute würde der Autor in einem Atemzug mit Nostradamus genannt und durch die Talkshows dieses Medienplaneten gejagt werden.

Was hat man im Jahr 1912 davon gehalten, dass ein Autor namens Morgan Robertson im Jahr 1898 einen Roman namens „Futility“ (Sinnlosigkeit) veröffentlichte, in dem das größte Passagierschiff der Welt – getauft auf den Namen TITAN – in einer kalten April-Nacht einen Eisberg rammt und sinkt, obwohl es für unsinkbar gehalten wurde. Was haben die Menschen gedacht, als sie davon lasen, dass es zu wenige Rettungsboote gab, dass die TITAN die Strecke Liverpool – New York befuhr, dass ungefähr 3000 Passagiere an Bord waren und das größte Schiff der Welt innerhalb kürzster Zeit über den Bug in den Tiefen des Atlantiks versank? Beiläufig sei vermerkt, dass die Titan natürlich unter britischer Flagge die Weltmeere befuhr und den Eisberg mit der Steuerbordseite rammte – ungefähr 900 Seemeilen von New York entfernt… eben nur beiläufig erwähnt…

Bis zum Vorabend der Titanic-Katastrophe war dieser Roman das, was er augenscheinlich auch heute noch ist. Ein mühsam zu lesendes, teilweise offensichtlich langatmiges Buch, dem einzig eine gute Grundidee zugrunde zu liegen scheint. Es gab sogar Leser, die das Buch schon damals als eine der größten Katastrophen der Literaturgeschichte bezeichneten, schlimmer als jeder Schiffsuntergang! Sprachlich kommt der Roman wie der Erlebnisbericht eines gelangweilten Journalisten daher, der alle Tugenden des Schreibens mit den letzten Rettungsringen über Bord geworfen hatte. Ein wirklich nicht sonderlich bewegendes Werk…

Über Nacht zur Legende – Futility…

Am Abend nach dem Untergang der Titanic jedoch geschah das Unfassbare. „Futility“ wurde der Status einer unglaublichen Prophezeiung verliehen und der Verlag kam mit dem Druck entsprechender Neuauflagen nicht nach. An einen Zufall wollte plötzlich niemand mehr glauben. Wie konnte es sonst auch zu einer so großen Namensähnlichkeit zwischen der „Titan“ und der „Titanic“ gekommen sein? Esoteriker aller Länder machten aus dem Buch innerhalb von Tagen eine Legende. Die Presse trug natürlich nicht unwesentlich zu diesem „Hype“ bei.

Morgan Robertson schrieb anschließend noch weitere Romane – mit leidlichem Erfolg. „Futility“ machte ihn jedoch über Nacht populär und legendär. Und diese Legende hat die Zeit überdauert. Wie bei den modernen Verschwörungstheorien zum Terrorismus wabern auch in der heutigen Zeit Vergleiche zwischen der „Titan“ und der „Titanic“ durch das Internet und der Schriftsteller steht immer noch auf dem hoch erhobenen Schild eines visionären Schreibers.

Er selbst konnte diese Fähigkeiten nicht bestätigen. Keines seiner folgenden Werke hatte sich erneut bewahrheitet und so könnte „Futility“ eine Randnotiz der maritimen Geschichtsschreibung sein. Ist es aber nicht – gerade bei Unglücken und Dramen, die man sich mit menschlicher Vorstellungskraft nicht zu erklären vermag, greift man auf das Übersinnliche und Mystische zurück. Gerade an einem Punkt, der den Totalverlust des Vertrauens in die technischen Entwicklungen der Neuzeit bedeutete, greift man gerne auf schicksalhafte Begriffe wie Bestimmung und „Vorhersehbarkeit“ zurück.

Das Übersinnliche hilf uns oft, die Sinnlosigkeit zu begreifen oder zu verarbeiten.

Futility war und ist ein Meilenstein im Prozess der Mystifizierung des Untergangs der Titanic. Futility bietet über all die vergangenen Jahre hinweg einen hervorragenden Diskussionsstoff und die offensichtlichen Unterschiede zur realen Tragödie verschwinden schneller aus dem Blickfeld, als jene magisch anmutenden Übereinstimmungen des Orakels Robertson.

Futility – auch nach mehr als 100 Jahren viel diskutiert…

Ihr zweifelt?

Das englische E-Book „Futility“ kann derzeit bei Amazon kostenlos heruntergeladen werden. Das Buch ist schlicht und einfach geschrieben – ich hatte meinen Spaß und konnte beim Lesen schon nachvollziehen, was den Menschen nach dem 15. April 1912 durch den Kopf gegangen sein muss, wenn sie in diesen Kapiteln versanken… so wie Stunden zuvor die Titanic in den Tiefen des Atlantiks versank.

Und wenn ich Spaß sage, dann meine ich Spaß… es ist mehr als grotesk und fabelhaft, wenn sich der Protagonist von „Futility“ mit einem beherzten Sprung auf den Eisberg rettet, um dann schließlich einem waschechten Eisbären gegenüber zu stehen und in einen weiteren Kampf auf Leben und Tod verwickelt zu werden. Was habe ich gelacht, als ich mir den Blick des treibenden Eisbären vorgestellt habe, der erst ein riesiges Schiff erblickt, gerammt wird und dann auch noch einen Menschen erlebt, der plötzlich auf „seinen“ Eisberg springt…. ich sagte ja: Grotesk…

Titanic – der Mythos lebt noch heute – Futility ist daran mit Sicherheit nicht unbeteiligt… aber urteilt doch einfach selbst… Der Untergang der Titanic hat den Titel des Romans jedenfalls ad absurdum geführt… „Futility“ – Sinnlosigkeit…

Zwei Nachrichten noch zum guten Schluss:

1. Eine Stadt bekennt sich zu seinem Ozeanriesen:

Belfast – eine Stadt bekennt sich zu ihrem Schiff – ein Museum

Nach nunmehr fast genau 100 Jahren schließt sich ein Kreis, da die nordirische Stadt Belfast eine große Lücke in der Bewältigung der großen Schiffskatastrophe von 1912 geschlossen hat. Wollte man über viele Jahrzehnte nicht direkt mit dem Unglück in Verbindung gebracht werden, so bricht nun der Stolz einer Großstadt heraus und unter der Überschrift Besuchen sie die Geburtsstätte der Titanic ist ein monumentales und modernes Museum entstanden. Wir wollen einfach einmal dorthin und haben Belfast fest in unsere Reiseagenda aufgenommen.

Tausende Werftarbeiter aus aller Herren Länder, darunter besonders viele Iren, haben damals an der Titanic gearbeitet und auch ihnen widerfährt so endlich Gerechtigkeit, da sie mit dem Unglück nichts zu tun hatten. Die Betroffenheit in Belfast war jedoch fast erdrückend, da sehr viele Angehörige der Titanic-Crew aus dieser Stadt stammten und ihre Familien einer ungewissen Zukunft überließen.

2. Neue Passagiere an Bord der MS Literatwo:

Die Passagierliste für die MS Literatwo wächst beharrlich…

Nachdem wir Leipzig wieder verlassen haben, stellen wir mit Freude fest, dass an unserem Check-In-Counter nach wie vor Hochbetrieb herrscht und wir dürfen heute mit Freude bekanntgeben, dass einige neue Passagiere den Weg an Bord finden werden. Mit ihren individuellen Karten ausgestattet, warten sie nur darauf, endlich über unsere Gangway den Weg in die Erste Klasse antreten zu dürfen.

Wir begrüßen Jeannette Hagen (die Autorin der Slopinsky-Geschichten), Elisabeth Büchle (die Autorin des Titanic-Romans  „Der Klang des Pianos), Claudia Marina Jadownicki (in Begleitung von Bastian Bär) und natürlich Sabrina Cremer an Bord!

Und es liegen weitere Anmeldungen vor. Wir berichten natürlich darüber und ihr könnt noch einchecken. Einfach dem Link zum Artikel folgen!

Mit einem Klick an unsere Rezeption…

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