Mozarts letzte Arie – mehr als ein Kriminalroman

mozarts letzte arie spacerAm 5. Dezember 1791 endet eine der bedeutendsten Epochen der europäischen Kulturgeschichte. Wolfgang Amadeus Mozart, das einstige Wunderkind und absolute Jahrhundertalent, stirbt in Wien. „Hitziges Frieselfieber“ lautet die offiziell beurkundete Todesursache. Der größte Komponist seiner Zeit wird beigesetzt, die Akte Mozart schließt sich mit einem Schlussakkord in Moll. Seine Musik lebt weiter..

Doch kann es wirklich sein, dass eine kleine Infektion für den Tod Mozarts verantwortlich war? Warum hat er seiner Frau kurz vor seinem Tod im Geheimen anvertraut, er habe den Verdacht, vergiftet worden zu sein? Hatte Mozart inmitten der kulturellen Metropole Wien Feinde? Wer profitierte von seinem frühen Tod mit nicht ganz 36 Jahren?

Niemand scheint sich für die Wahrhheit zu interessieren. Einzig seine Schwester Nannerl reist aus der Provinz nach Wien, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Drei Jahre lang hatte sie keinen Kontakt zu ihrem Bruder. Erbstreitereien haben sie einander entfremdet und eine Distanz aufgebaut, die es in ihrer gemeinsamen Jugend nie gegeben hatte.

Mozarts letzte Arie – Seine Schwester auf der Suche nach dem Mörder

Gemeinsam bereisten sie Europa, gaben begeisternde Konzerte und galten als gleichermaßen hochbegabt. Jedoch nutzte nur Wolfgang Amadeus diese Begabung, um Karriere zu machen, während seine Schwester Opfer des traditionellen Frauenbildes wurde. Sie hatte zu heiraten, Kinder zu gebähren und fortan in Vergessenheit zu leben.

Mit dieser gemeinsamen Geschichte im Gepäck besucht sie Mozarts Ehefrau in Wien und bemerkt sofort, dass sie mit ihren gezielten Fragen schier in das Wespennest der europäischen Geschichte sticht. Nannerl versucht das Unmögliche: Sie will beweisen, dass ihr Bruder Opfer eines perfiden Mordplans wurde und den Täter entlarven.

Dabei begibt sie sich selbst in Lebensgefahr. Einflussreiche Politiker, Freimaurer und eine Frau mit zerschnittenem Gesicht kreuzen ihren einsamen Weg. Das hohe Risiko geht sie ein, um sich auch über den Tod hinaus mit ihrem verstorbenen Bruder zu versöhnen. Geschwisterliebe vermag ein stärkeres Band zu sein, als alle Bündnisse in einer unruhigen Epoche der Geschichte.

Vierzig Jahre nach diesen Geschehnissen übergibt sie ihrem Neffen ein Tagebuch…

Wird Franz Xaver Wolgang Mozart aus den Zeilen seiner Tante die Wahrheit über den Tod seines Vaters erfahren? Wird dieses Tagebuch die Biografie der musikalischen Legende neu schreiben? Was geschah damals im Dezember 1791 in Wien?

Mozarts letzte Arie – Das Grab birgt ein Geheimnis

Matt Beynon Rees ist mit Mozarts letzte Arie weit mehr gelungen als die Untertitelung auf dem Buchcover „Ein Kriminalroman“ vermuten lässt. Er blättert versiert in der Biografie Mozarts, ordnet sein Lebenswerk spielerisch locker in den zeitgeschichtlichen Hintergrund ein und bewegt sich selbst bei den gewagtesten Spekulationen auf historisch dokumentiertem Parkett.

Mozarts Musik an der Höfen der Mächtigen muss in jener Zeit, unmittelbar nachdem der französische Adel 1789 im Zuge der Revolution den „Kopf verloren“ hatte, eine brisante Wirkung gehabt haben. Allein sein letztes großes Werk „Die Zauberflöte“ ist ein komponiertes Manifest für Gleichheit und Brüderlichkeit. Dass Wolfgang Amadeus Mozart selbst seinen „Brüdern“ unter den Freimaurern dabei oft einen Schritt zu weit gegangen ist, belegen die Texte seiner Arien und es ist durchaus möglich, dass er sich in seinem naiven Streben nach freier Entfaltung des menschlichen Geistes in die Nesseln der widerstreitenden Machtströme begeben hat.

Wir haben viel über dieses Buch diskutiert und sind am Ende überzeugt, in einer unaufdringlichen und spannenden Art und Weise mehr über Mozart erfahren zu haben. Dies ist mehr als ein kleiner historischer Roman – es ist allerdings auch mehr als eine trockene Biografie. Fast ein kleines eigenes Genre, in dem ohne schlechtes Gewissen fundiert spekuliert werden darf.

Mozart – Eine besondere Zeit – Weitere Artikel werden folgen

„Mozarts letzte Arie“ hat eine kleine Bücherkette ausgelöst und Werke in den Vordergrund gebracht, die wir bereits gelesen haben, oder die noch in unserem SUB schlummern. Assoziationen entstehen durch Begeisterung und Vertiefung… und genau dies ist uns auch hier wieder passiert. (Kurze Leseprobe gefällig? Hier klicken…)

Deshalb werden wir diesem Mozart-Artikel noch weitere Berichte folgen lassen. Stolz sind wir darauf, wieder einem Zufall erlegen zu sein, hat uns doch unsere Freundin Clara Luisa Demar genau in dieser Zeit eine ganz eigene Betrachtung zu Wolfgang Amadeus Mozart geschickt. Es ist ein besonderes Privileg, auch diesen Text mit Illustrationen veröffenlichen zu dürfen.

Die Musik Mozarts lebt weiter… und wir schließen die Akte Mozart keinen Moment zu früh… bleibt gespannt.

PATH – Peter Helbig – Projektfotograf

PATH – Peter Helbig – Projektfotograf – Ein Portrait

Im Portrait: PATH – Peter Helbig – Distanz schafft Nähe und Nähe lässt Distanzen verschwinden – Ein Projektfotograf

Ein Blog lebt nicht vom Wort allein und Literatwo ist dafür bekannt, alle Artikel mit bildgewordenen Impressionen eines Leseweges zu untermalen. Es ist immer ein besonderer Moment, wenn das Kopfkino des Buches zu einem richtigen Bild oder einer Collage wird und die Gedankensamen des Autors auf einen Blick zum Erblühen bringt.

Besondere Projekte erfordern jedoch oftmals mehr, als wir selbst fotografisch zu leisten vermögen. Mehr als stolz sind wir darauf, bei solchen ausgewählten Anlässen einen richtigen Profi an unserer Seite zu haben und von „unserem“ Teamfotografen Peter Helbig begleitet zu werden. PATH – der Weg zum individuellen Bild – nichts trifft es besser, nichts erklärt präziser, was er mit seinen Fotografien erzeugen kann und unsere bisherigen gemeinsamen Projekte leben in einer perfekten Symbiose aus Wort und Bild.

Es wird Zeit, euch diesen Künstler mit Kamera ein wenig intensiver vorzustellen, damit auch ihr euch ein Bild von ihm machen könnt und erkennt, wo die wahren Unterschiede zwischen Profi und dem Rest der fotografischen Welt liegen.

Peter Helbig – eine Philosophie

Respekt – Distanz – Sympathie – PATH

Momente zu unvergesslichen Erinnerungen werden zu lassen – Motive mit blühendem Leben zu erfüllen – Projekten ein einzigartiges Gesicht zu geben – ein Bild niemals als perfekt zu betrachten, sondern selbst aus dem besten Ergebnis noch lernen zu wollen – dem Menschen in jeder Situation gerecht zu werden, ohne Weglassung, Beschönigung oder Retusche… einfach die Wahrheit der Aufnahme zu zelebrieren… Diese wenigen Sätze können das Mantra von Peter Helbig kurz, aber in aller Deutlichkeit skizzieren.

Wir wissen, wovon wir reden, da wir ihn in verschiedenen Situationen bei seinem kreativen Schaffen erleben durften:

PATH – Eventfotografie

PATH und seine Intuition… Distanz gewähren… Nähe gewinnen…

Peter Helbig und der rote Teppich wurden während der Corine Preisverleihung 2010 keine guten Freunde. Sich gegenseitig um die besten Plätze beneidende, sich mit Ellenbogen beharkende, laut schreiende und um Aufmerksamkeit heischende Szenefotografen schienen eine deutlich abschreckende Wirkung auf unseren Begleiter bei dieser VIP-Veranstaltung zu erzeugen. Wie von einem inneren Instinkt geleitet, suchte er sich einen Platz weit ab vom Geschiebe und Gedränge – weit ab von der Künstlichkeit der prominenten Posen – weit weg von aufgesetztem Kameralachen und weit ab von jener hochglanzkultivierten Blitzentblößung bekannter Persönlichkeiten.

Er wahrt Distanz und gewährt den portraitierten Menschen die Freiheit, sich seinen Blicken zu nähern und mit seiner Kamera zu flirten. Ein Bild reicht ihm aus – ein freundliches Nicken als Dank und die gesenkte Kamera als Zeichen des „Loslassens“ – selten habe ich erlebt, wie Schauspieler und Autoren es so genossen haben, fotografiert zu werden.

Der Szenefotograf und ein Idol: Herlinde Koelbl und Peter Helbig

Dieser Respekt inmitten dieses fotografischen Dauerbeschusses wirkte auf Prominente wie eine wohltuende Oase, in der sie SEIN durften. Das Ergebnis… sehenswert. So ließ sich die weltberühmte Fotografin Herlinde Koelbl mehr als gerne mit Peter Helbig ablichten! Wohl der einzige Fotograf des Abends auf einem Bild mit ihr! Distanz schafft Nähe… PATH

PATH – Projektfotograf

PATH und das Zoobuch – Eine Projektstudie der besonderen Art

Das Spiel mit der Unschärfe – die Liebe zum Detail – die Fähigkeit, Szenen ins Bild zu setzen und nicht zu gestalten – die Begabung mit der Kamera zu verschwinden, um schier unbemerkt die Natürlichkeit des Moments zu bewahren… all dies waren die Charakteristika seines Wirkens bei unserem legendären Flamingoprojekt. Die Entstehung eines Buches in Form einer modernen Werkstudie war unser Ziel. Ein lebendiges Projekt voller Erinnerungen lebt durch seine Bilder in allen Beteiligten weiter.

Die Atmosphäre vom ersten bis zum letzten Tag des Projektes lässt sich in Worte allein nicht fassen. Ohne seine Bilder hätten die Flamingos den Boden niemals verlassen.

Julia Strauss – Autorin des Zoobuches – Ein PATHbild…

Fußnote: Die Buchmesse in Frankfurt konfrontierte die Autorin des Zoo-Buches mit einem eher typischen Pressefotografen. Sie schleppte Flamingos von A nach B, posierte geduldig mit Buch und platzierte sich überall dort, wo der Fotograf der Meinung war, ein Klasse-Bild machen zu können.

Das Ergebnis war ein Pressebild – nicht mehr. Die entspannte, stolze, in sich ruhende Autorin Julia Strauß in der Blüte ihrer Kreativität – die zeigt nur Peter Helbig…. PATH

PATH – Illustrator großer Worte

Tolstoi und PATH – Große Worte – Große Fotografie

Leo Tolstois 100. Todestag war Anlass für uns, eine große Retrospektive über das Schaffen dieser Legende entstehen zu lassen. Eine der Ideen dieses Projektes war es, bekannte Zitate des russischen Autors mit aktuellen Fotografien zu untermalen, sodass die Worte durch die Aussage des Bildes vertieft, aktualisiert und noch greifbarer werden.

Bilder als Symbole… mehr ist über das Ergebnis nicht zu sagen. Jedes Wort wäre genau das eine zuviel. PATH

PATH – journalistischer Interviewpartner

PATH im Interview mit Anja Bohnhof zu „Die Stadt der Bücher“

Anerkannte und prominente Fotografen durch Interviewfragen hinter der Kamera hervorzulocken – ihnen praxistaugliche Aussagen zu traditioneller und moderner Fotografie zu entlocken und auch im Interview eine Atmosphäre der respektvollen Augenhöhe entstehen zu lassen… auch dies eine der wichtigen Seiten eines Fotografen, der sich selbst kritischer betrachtet als jeder Kritiker. Aus der Arbeit von Kollegen zu lernen, ihnen Bewunderung zu zollen und sich selbst Schritt für Schritt weiterzuentwickeln – auch das steht für PATH wie das Interview mit Anja Bohnhof zum Buch Die Stadt der Bücher deutlich zeigt.

PATH – unser Partner auch in der Zukunft

Wieder Leben einhauchen… PATH und der Nachlass von Oda Schaefer im Dialog

Oda Schaefers Nachlass exklusiv für uns und auch für die Öffentlichkeit ins Bild zu setzen – niemandem hätten wir diese Aufgabe anvertraut und ohne ihn hätten wir nie den Schritt gewagt, uns den Schätzen Odas überhaupt anzunähern. Auch hier wird seine Kunst Bestand haben, zeitlos sein und Gegenstände der Vergangenheit mit neuem Leben füllen.

Seine Intuition kann Gegenstände zum Leben erwecken und festhalten, was längst verloren schien. Keine Überraschung also, dass wir gemeinsam weitermachen und uns alle erdenkliche Mühe geben, seinen Bildern den Text zur Seite zu stellen, den sie sich verdienen.

PATH – Ein Bild von einem Fotografen – das menschliche Auge mit analoger Philosophie und digitaler Präzision. Distanz schafft Nähe und genau diese Nähe lässt Distanzen verschwinden.

Gemeinsam in die Zukunft – Literatwo & PATH

Oda Schaefer – Eine Tür öffnet sich

Oda Schaefer – Ein Blick in die Vergangenheit

Niemals hätten wir uns träumen lassen, dass ein Artikel über den Film Poll und unsere Idee, der vergessenen deutschen Lyrikerin Oda Schaefer einen Weg aus dem Vergessen zu ebnen, so weite Kreise ziehen würden. Viele Zufälle waren treue Wegbegleiter des gesamten Projektes und oftmals konnten wir kaum glauben, welche Glücksfälle fast gleichzeitig dieses Vorhaben mit neuem Leben füllten.

Und nun stehen wir an einem Punkt, der für uns Literatwos nur als absolut unfassbar zu bezeichnen ist. Bücher von Oda Schaefer werden neu publiziert. Unser Poesie-Projekt in Zusammenarbeit mit dem Piepmatz-Verlag überrascht uns täglich aufs Neue. Berührende Gedichte erreichen uns und in jedem einzelnen Werk fühlt man die intensive Beschäftigung des Verfassers mit dem Leben „unserer“ Oda.

Oda Schaefer – Gegenstände aus dem Nachlass werden lebendig

Clara Luisa Demar, die Verfasserin der Ode für Oda hier auf unserem Blog, plant eine große Retrospektive über jene große Dichterin, die sie selbst noch kennenlernen durfte. Sie fasst nicht nur ihre Gedanken über die gemeinsame Zeit mit Oda zusammen, sondern versucht auch zu zeigen, wie wichtig sich die poetische Lebensbeziehung zwischen Oda und ihrem Ehemann Horst Lange auf beide ausgewirkt hat.

Eine solche Retrospektive lebt natürlich nicht vom Wort allein und uns erreichte die Bitte, uns doch auf die Suche nach Dokumenten oder Bildern zu begeben, die das Leben von Oda Schaefer in die heutige Zeit transportieren könnten. Genau an dieser Stelle wurde der Erbe und Nachlassverwalter von Oda auf unsere Artikel aufmerksam und wir spürten schon beim ersten Telefonat, wie sehr er von unserem Projekt begeistert war.

Das geschulte Auge unseres Fotografen PATH wird alles dokumentieren

Der größte aller Zufälle jedoch ist, dass sich Gegenstände aus Odas Nachlass auch heute noch im Herzen Münchens befinden.

Durchaus kein Zufall ist es, dass Literatwo über einen erfahrenen Projekt-Fotografen verfügt, hat uns doch Peter Helbig (besser bekannt als PATH) schon durch das Flamingoprojekt, die Berichterstattung von der Corine 2010, unsere Tolstoi-Reportage und ein Interview zur Stadt der Bücher begleitet.

Glaubt an dieser Stelle und in Anbetracht der Dynamik dieser Ereignisse noch jemand an Zufall?

So führen alle Wege zusammen: Ein groß angelegtes literatwoisches Projekt; ein Poesiewettbewerb mit einem „ewig währenden“ Hauptgewinn; eine Schweizer Künstlerin auf dem Weg zu einer großen Rückschau auf Oda Schaefer; ein fotografierender Projektbegleiter und nicht zuletzt ein Erbe, der uns die Tür zu Oda Schaefers Nachlass öffnet.

Und genau diese Tür wird sich morgen Abend öffnen. Der Termin wurde gerade bestätigt und Literatwo wird mit viel Gänsehaut und Ehrfurcht den originalen Manuskripten, Gebrauchsgegenständen und Besitztümern Oda Schaefers gegenüberstehen. Ein Blick auf ihren Schreibtisch, das zarte Berühren ihrer Schreibmaschine und das Erahnen, was ihr die Gegenstände bedeutet haben mögen, wird uns beim Durchschreiten dieser Tür begleiten.

PATH wird es gelingen, den Objekten neues Leben einzuhauchen und dem Vorstellungsvermögen unserer Leser und aller lyrikbegeisterten Menschen wird es gelingen, die Worte Odas mit diesen Gegenständen zu verknüpfen und eine neue Geschichte entstehen zu lassen. Ein neues Licht geht auf und wir werden berichten. Doch zunächst gilt es, mit angehaltenem Atem zu versuchen die Stimmung zu erfassen, die morgen von uns Besitz ergreifen wird.

Oda Schaefer – Mit einem Klick zum Poesie-Projekt von Literatwo

Bis in den September hinein habt ihr die Möglichkeit, ein Gedicht für Oda zu schreiben und als Hauptgewinn einen Platz in der Lyrik-Anthologie des Piepmatz Verlages zu gewinnen. Ein Preis für die Ewigkeit.

Die Ausschreibung für dieses Projekt findet ihr hier!

Erste Verlage beginnen mit der Neuauflage von Odas Büchern und auch das literarische Erbe ihres Ehemanns Horst Lange ist untrennbar mit dieser Entwicklung verbunden. Ein Blick auf die neuen Bücher haben wir in unserem Artikel Eine Ode auf den Juli geworfen. Lest und schreibt, verfolgt unsere Artikel und lasst euch überraschen, wohin dieser Weg führen wird.

Das Ziel steht fest. Es wird eine große Überraschung werden und alle Projekte werden an einem Ort zusammengeführt. Auf diesen großen Tag freuen nicht nur wir Literatwos uns ganz besonders. Wir danken allen Wegbegleitern aufs Herzlichste – ohne euch wären wir nicht da, wo Oda heute wieder steht!

SCHREIBT

„Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren!“

Mit einem Klick durch die offene Tür zu Oda Schaefer

Der Nachtzirkus – Was beim Lesen geschah

Alles begann, wie es eigentlich immer beginnt: Mit einem Lustkauf. Ein Kurzbesuch beim Buchhändler meines Vertrauens, ein kurzer Blickkontakt mit einem Cover, die stille Vereinbarung sich später wieder zu sehen und ein kleiner Rundgang durch die heiligen Hallen.

Es war, als würde mich das Titelbild im Blick behalten und schweigend an unsere Übereinkunft erinnern wollen. Immer wieder schaute ich mich um und fand, was ich suchte. Ein schwarz-weißes Zirkuszelt, ein ansonsten gänzlich glänzend dunkles Äußeres und der magisch anmutende Titel

Der Nachtzirkus

von Erin Morgenstern (Ullstein Verlag) verfolgten mich durch die Weite des bibliophilen Raums. Ich wusste auch sofort, woran dies lag, war diese Begegnung doch nicht unsere erste! Bereits vor Wochen stand ich mit Bianca im Thalia Dresden vor ebenjenem Buch und wir spürten die besondere Anziehungskraft, hatten jedoch kurz vor dem Literaturfest Meißen gerade wenig Zeit für ein neues Leseabenteuer.

Der Nachtzirkus hat dies nicht vergessen – so scheint es… und man sieht sich immer zweimal im Leben!

Ein Blick in den Klappentext war ausreichend:

„Er kommt ohne Ankündigung und hat nur bei Nacht geöffnet: der Cirque des Rêves – Zirkus der Träume“.

Eine schwarz-weiße Zirkus-Zeltstadt hinter deren Kulissen sich der tödliche Wettstreit zweier verfeindeter Magier abspielt. Nicht sie selbst bekämpfen einander – zwei Kinder werden aufeinander losgelassen und es passiert das, was nie hätte passieren dürfen: sie verlieben sich ineinander und riskieren im Kampf um ihre Gefühle die Existenz der traumhaften Welt, in der sie und ihre Freunde leben.

Meine Fantasie kam augenblicklich in Schwung und der wohlmeinende Blick meines Lieblingsbuchhändlers reichte aus, um mit meinem neuen Schatz zur Kasse zu stürzen. Ich hätte nie gedacht, was dann passierte.

Das Bild der schwarz-weißen Zirkuszelte beschäftigte mich sofort und schon während des Lesens suchte ich in den Weiten des Internets nach Bildern für einen Artikel.

Es entwickelte sich ein sukzessives Lesen – Blättern, lesen, schauen und basteln. Als dann auch noch Tarot-Karten ins Zentrum der Handlung rückten und immer wichtiger wurden, war ich plötzlich vom Wunsch beseelt, ähnliche Karten zu besitzen, um greifbar zu machen, was ich las.

Das goldene Klimt-Tarot war der Folge-Lustkauf und ich begann sogleich die Kartenkonstellationen aus dem Roman vor mir auszubreiten. Der Magier, die Liebenden, der Gehängte und viele Bilder mehr entstanden so nicht nur vor meinem geistigen Auge. Erste Foto-Impressionen entstanden und wurden in Facebook gepostet. Zu meiner Überraschung mit großer Resonanz.

Hatte ich doch über das Buch hinaus einen Weg zum Tarot und zu Gustav Klimt gefunden. Mein Leseplatz schimmerte nur noch in den goldenen Tönen der Karten und Ausdrucke von Zirkuszelten rundeten mein Lesegefühl vollends ab.

Der Fantasievirus übertrug sich schnell auf Bianca und auch in Dresden schossen Bilder in den Himmel, da es wirklich kaum möglich ist, sich dem Kopfkino des Romans auszusetzen, ohne einzelne Impressionen bildlich festzuhalten. Es geht nicht.

Eine fantastische Reise inner- und außerhalb des Buches begann.

Dresden und München sind Stationen des Nachtzirkus – wie sollte es auch anders sein… einfach magisch. Ein zweites Tarot-Spiel mit Motiven von Da Vinci fand den Weg zu mir und fügte sich in das schwarz-weiße Ambiente der Traumzirkuswelt ein. Die Zukunft wurde zunehmend greifbar und der Umgang mit den Karten machte mich zum guten Freund der kleinen Isobel… einer Wahrsagerin, die mit ihren Karten nicht nur die Zukunft deuten kann… eine Karte kann sehr viel mehr.

Bindungen zu Romanfiguren entstanden – Zitate waberten durch unsere Köpfe und Bilder zum Festhalten lagen vor uns. Auch wenn die Geschichte sich langsam dem Ende nähert… sie geht scheinbar weiter. Der Nachtzirkus – Tarot – Klimt und die Liebenden. Verwoben durch ein magisches Band.

Google überraschte uns morgens mit einem ganz besonderen doodle. Klimts 150. Geburtstag und das Gemälde „Die Liebenden“ waren plötzlich in aller Munde. Bei uns lag das Bild schon seit Tagen metaphorisch für die streitenden Magier Celia und Marco auf dem Tisch. Und nun schlossen sich die Kreise. Das Buch brachte den Zirkus auf verschiedenen Zeitachsen an einen Punkt, an dem alle Fäden zusammenliefen, kollidierten, sich überschnitten, verwickelten und auflösten.

Der Höhepunkt der magischen Ausstrahlung ist kaum erklärbar. Gestern im neu dekorierten Schaufenster meiner Buchhandlung blicke ich auf das Cover eines neu erschienen Buches und wage kaum, es anzufassen. Klimt – „Die Liebenden“ ziert das Äußere – Goldschrift spricht von Liebe und den großen Geschichten für die Ewigkeit….. Als mir dann auch noch zwei literatwoische Kladden in passendem Design in die Hand fallen steht endgültig fest:

Bücher finden Menschen – Menschen finden Bücher – Bücher finden andere Bücher – Menschen finden Menschen.

Bücher und Menschen sind ebenso aneinander gebunden, wie die beiden Magier, deren Wettstreit den Nachtzirkus aus den Angeln zu heben scheint….

Und kein Bild könnte besser beschreiben, was Celia und Marco miteinander verbindet, als „Die Liebenden“ von Gustav Klimt.

Ein Traum…. Wir haben die Bilder zum Roman gefunden und überlassen es unseren Lesern ihren eigenen Leseweg durch ein großartiges Buch zu finden. Auch ihr werdet Tarot-Karten suchen und gerne nachts lesen… dann erstrahlt der Zirkus in seinen schönsten Farben…

Der Schlüssel zum Nachtzirkus – Es muss dunkel sein…

David Foster Wallace – Eine Kreuzfahrt, die ist lustig (oder?)

David Foster Wallace – Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich

David Foster Wallace und Auftragsarbeiten sind ein Kapitel für sich. Spätestens seit dem Buch Am Beispiel des Hummers sollte man nun wirklich wissen, was passiert, wenn man das „Wunderkind“ der US-amerikanischen Literatur dazu bewegt, seine Eindrücke für ein Magazin zu Papier zu bringen. So wurde aus der eigentlich beabsichtigten Gourmet-Empfehlung „FÜR“ den Hummer ein quicklebendiges Manifest gegen das Lebendkochen dieser anscheinend schmerzunempfindlichen Tiere.

Ihn im März 1995 auf ein Kreuzfahrtschiff zu entsenden, ihn zu einem Writer in Residence auf einem der modernsten Vergnügungsdampfer seiner Zeit zu machen und ihn dabei über das umfangreiche Verwöhnambiente an Bord schreiben zu lassen – nun – das war der ehrenwerte Ansatz des „Harpers Magazine“. Was daraus wurde: Die Mutter aller Kreuzfahrtbücher! Xenos

David Foster Wallace – Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich – Auf See

Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich. Wiederum ein Manifest, allerdings diesmal eines gegen die programmatische Entmündigung der Passagiere eines solchen Rundum-Sorglos-Erlebnisses unter dem Motto:

„Your Pleasure is our Business“. Frei übersetzt: „Sie haben nicht den Hauch einer Ahnung, was gut für sie ist – es ist unser Job, ihnen das beizubringen – also halten sie endlich die Schnauze und lassen uns Profis nur machen!“

Wer jemals ein Buch von David Foster Wallace gelesen hat, für den ist es keine Überraschung, dass der gekonnte Perspektivwechsel eines seiner wesentlichen Stilmittel darstellt. Unsere kleine Werkschau der Bücher dieses, schon zu Lebzeiten legendären, Schriftstellers dokumentiert dies eindringlich. Spätestens seit seiner bahnbrechenden Abschlussrede vor Studenten des Kenyon Colleges mit dem Titel Das hier ist Wasser – Eine Anstiftung zum Denken hat er bewiesen, wie sehr der andere Blickwinkel die Wahrnehmung verändern kann – wie sehr der Perspektivwechsel Menschen verändern kann. Wohl seine größte Lebensleistung an diesem Tag im Innenhof einer Eliteschule!

Mit einem Klick zur Werkschau David Foster Wallace auf Literatwo

Doch folgen wir ihm doch einfach an Bord und überzeugen uns selbst davon, dass er diesmal gar keinen anderen Blickwinkel benötigt. Er muss nur aufmerksam beobachten und sich dabei stets vor Augen halten, wer er selbst ist:

Ein agoraphobisch veranlagter Mensch, der die unkalkulierbare Weite unbekannter Orte verabscheut und sich eigentlich nur in seinen vier Wänden wohl fühlt; ein mündiger Erwachsener, der in der Selbstbestimmung seiner Wunsch- und Traumwelten die wahrte Entfaltung des Geistes erkennt und letztlich ein Einzelgänger, der jeglichem Herdentrieb der menschlichen Rasse standhaft entsagen konnte. Bisher….

David Foster Wallace – Schrecklich amüsant – Kabinenidylle

An Bord der Zenith wird aus David Foster Wallace zuerst einmal eine Gebindenummer. Ein Eincheckbündel – zu einem Paket geschnürt mit artgleichen Passagieren. Plötzlich von allen Verpflichtungen entbunden wird er in die Passivität des reinen Genießens gedrängt. Gepäck darf nicht mehr selbst getragen werden, den Anweisungen des Personals ist Folge zu leisten und für Ruhe bleibt keine Zeit, da unmittelbar mit dem Betreten der Kabine die Unterhaltungswelle und das übliche Seenotrettungsprogramm ihre volle Wirkung entfalten.

Und es funktioniert. David Foster Wallace beobachtet fortan die Herde der Mitreisenden: Ehemalige Individualtouristen, die sich das alles wirklich mal verdient haben – nun Teil einer amorphen Masse, in uniformen Bewegungen, Freizeitaktivitäten, Bekleidungsvarianten und gleichförmig am Fotoapparat hängend, um diese unvergesslichen Erlebnisse dauerhaft festzuhalten.

Seine Schilderung des maritimen Bordalltags gleicht einer Überdosis sozialkritischer Realsatire. Seine Beobachtungen erreichen an Bord der Zenith ihren Höhepunkt, wenn er das Verhalten seiner Mitreisenden und des gezwungen lächelnden Servicepersonals in aller Klarheit aufs Korn nimmt. Touristenfragen wie: „Schläft die Crew auch an Bord?“ oder „Wird man beim Schnorcheln nass?“ bilden nur den Rahmen für den eigentlichen Wallace´schen Showdown.

David Foster Wallace – Luxuriöser Showdown an Bord der Zenith

Er selbst bei einem abendlichen Galadinner – bekleidet mit einem T-Shirt auf dem ein Smoking aufgedruckt ist. Er ist Fehl am Platz und beginnt, die Menschen zu bewundern, die genau dies nicht empfinden. Wallace deckt die Mechanismen der Unterhaltungsmaschine an Bord schonungslos auf, wirft einen ungeschönten Blick auf die dunklen Seite einer solchen Reise: Personal unter schonungslosem Servicedruck und fremde Städte, in denen die Kreuzfahrt beim Landgang  zum Kreuzzug mutiert.

Wallace schreibt einzigartig locker und unterhaltend – zielsicher und pointiert, wobei er seinen Lesern die wichtigste aller Fragen im Hirn verankert: Kann man nur im Zustand vollkommener Entmündigung entspannen und genießen? Und dies alles ohne schlechtes Gewissen gegenüber all jenen, die sich hierfür den Allerwertesten aufreißen?

Ich habe mich köstlich amüsiert und konnte mir gut vorstellen, in welche Fettnäpfe mein Lieblingsschriftsteller fast systematisch hineinplumpste. Ein Traumbuch für jeden, der Kreuzfahrten liebt und für diejenigen, die niemals einen Luxusliner betreten würden. Man muss eines mitbringen – man sollte nicht nur über andere, sondern auch über sich selbst herzhaft lachen können.

David Foster Wallace – Schrecklich amüsant – Die Simpsons

Kommen wir am Ende des Artikels noch einmal zum Dress-Code zurück. Wir erinnern uns an David Foster Wallace und sein T-Shirt und vielleicht erinnern wir uns an die häufig gestellte Frage, was einen Menschen unabhängig von seinem Talent erst richtig populär macht.

Die Simpsons haben diesem Buch eine eigene Episode gewidmet und wenn man ganz genau hinschaut, dann sieht man ebenjenen völlig falsch gekleideten Schriftsteller im Salon des Kreuzfahrtschiffs. Man sagt nicht umsonst: Wenn du es bis zu Bart Simpson schaffst, dann bist du in den USA echt berühmt. Ich denke, das hätte David sehr gefallen….

Kreuzfahrtbücher – Auf den Spuren des Altmeisters David Foster Wallace

Eine kleine Welle von Kreuzfahrtbüchern ist pünktlich zur Reisezeit erschienen und blickt man alleine auf den Titel des Buches von Andreas Lukoschik: Schläft das Personal auch an Bord?, dann realisiert man schnell, dass David Foster Wallace schon vor mehr als 15 Jahren die Maßstäbe für dieses kleine Genre gesetzt hat.

Michael Meißners Logbook – Geheimnisse einer Kreuzfahrt aus dem Piepmatz Verlag kreuzt sehr erfolgreich auf den Spuren des Altmeisters und es ist mehr als erfreulich zu beobachten, dass aktuelle Autoren das tiefe Fahrwasser von David Foster Wallace nicht scheuen. In diesem Fall wird die Perspektive der Crew mit viel Humor eingenommen.

Es ist mehr als eine Randbemerkung wert, dass erst heute eine Postkarte von Sandra Vogel ins Haus piepmatzte, die mit folgenden Worten auf das Logbook neugierig macht:

Wir wünschen gute Fahrt und sind auch in Zukunft wieder dabei. Auch wenn David nicht mehr schreiben kann, es gibt noch viel zu entdecken… Leinen los…

David Foster Wallace und die Zenith… Längst Geschichte…