Peggy Steike – Malerin gegen das Vergessen

Eine weites Feld – Das Spektrum der politischen Malerin Peggy Steike

Gegen das Vergessen lesen und schreiben – Ich habe mich diesem Ziel verschrieben. Den Opfern von Verfolgung, Genozid und Holocaust gedenken und Hintergründe beleuchten, dies wollen wir mit unseren Artikeln über die Literatur zu diesem Thema bewirken. Gegen das Vergessen zu schreiben ist auch in der heutigen Zeit das mutige Ziel vieler Schriftsteller. Schade, dass viele Menschen nicht lesen wollen, oder nicht bereit sind, sich mit den Lehren aus der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Im weiten Feld der Kultur ist die Konfrontation mit den dunklen Stunden der Weltgeschichte nicht nur auf die Literatur begrenzt. Die Malerei ist eines der wohl eindrucksvollsten Felder, Gedankenketten auszulösen und Bildersamen in die Herzen der Menschen zu pflanzen.

Mit nur einem vorsichtigen Klick gelangt ihr ins Atelier von Peggy Steike

Wir begegnen Peggy Steike, die man wohl mit Fug und Recht als politische Malerin bezeichnen kann. Die Künstlerin setzt sich intensiv und erfolgreich mit den Epochen auseinander, die man unter der Überschrift „Verfolgung“ zusammenfassen kann.

Ihre Bilder sind Schreie, die jede Zeit überdauern – Schreie der Einzelnen, die einst im Kollektiv der hilflosen Masse in den sicheren Tod gehen mussten – Kindliche Schreie der Einsamkeit nach der gewaltsamen Trennung von Vater und Mutter – Schreie des atemlosen Schweigens im Angesicht der menschenverachtenden Macht. Jedes ihrer Bilder verknüpft sich mit einem unserer Bücher, einem Artikel oder der Vision des Schreckens. Eindrücke, denen wir ruhelos folgen um aufzurütteln.

Peggy Steike rüttelt an uns… sie greift mit ihren Bildern auf unsere tiefsten Gefühle zu und wir möchten mit ihr gemeinsam zeigen, was geschieht, wenn wir zusammenführen, was zusammengehört. Wort und Bild… Text und Impression…

Die Mehrdimensionalität des Erinnerns!

Wort trifft Bild – Eine Symbiose gegen das Vergessen

DAS AUSCHWITZ-ALBUM

Holocaust – Lili Jacob – Ein unbeschreibliches Schicksal

Es geschah im Mai 1944. Ein Zug fährt ein – Viehwaggons im Schlepptau – jeder einzelne von ihnen sinnlos überfüllt mit hungernden Menschen jüdischen Glaubens. Dieser Transport war nur einer von unzähligen Deportationszügen, die an der Todesrampe ankamen.Von der ganzen Welt scheinbar unbemerkt und hinter einem Schleier des Schweigens verborgen erreichte Lili Jacob (18) das Todeslager Auschwitz in Polen.

An diesem Tag jedoch geschah etwas unfassbares…

Mit den Photos, die im „Auschwitz Album“ veröffentlicht wurden, haben SS – Offiziere ungewollt das Schweigen gebrochen – sie haben zwar mit keinem Wort etwas ausgesagt, und doch mehr veröffentlicht als sie jemals zu beabsichtigen glaubten. Sie griffen an einem Tag im Mai 1944 in Auschwitz zu einem Photoapparat und dokumentierten den Ablauf der industrialisierten Massentötung am Beispiel eines Transportes ungarischer Juden. (weiter…)

Porträt des befreiten Häftlingskindes Janek Szlajtsztajn (Haft-Nr. 116543 – Lager Buchenwald – von Peggy Steike

Peggy Steike – Buchenwald 1945

Peggy Steike zu ihrem Bild: 

Ich hatte von diesem Ort schon als Kind gehört. In der Schulzeit waren wir dort zur „Besichtigung“. Ich kann nicht beschreiben was in mir vor ging – schon als Kind habe ich gespürt das dieser Ort über die Jahre nichts von seiner Grausamkeit eingebüßt hat. Auch die schöne Gegend konnte nicht darüber hinwegtäuschen, ich erinnere mich, wie unwirklich mir das vorkam.

Ich bin älter geworden, habe selbst ein Kind, bin belesen und habe mich mit dem Thema Shoa auseinandergesetzt. Doch die Unfassbarkeit von damals ist geblieben. Angesichts der heutigen Gesellschaft ist es mir mehr als nur ein Anliegen aufzurütteln und zu erinnern. Denn das wozu der Mensch damals fähig war, darf sich nicht wiederholen. Und leider gibt es auch heute noch jene, die diese Form der Intoleranz fortsetzen…

GEDANKENKETTEN

Bücher lösen Gedankenketten aus – Die Vergangenheit immer im Sinn

Das große Eingangstor mit der Aufschrift “Jedem das Seine” machte mir damals Angst. Es zu durchschreiten, war als ob ich in eine anderen Welt ging, in die ich nie gehen wollte, die es für mich am Liebsten nie gegeben haben sollte. Eva Mozes Kor musste das Tor mit der Aufschrift “Arbeit macht frei” damals in Auschwitz kennen lernen, ein Tor das auch sie ganz sicher nie durchschreiten wollte.

Ihr war kalt, mir war an diesem Tag kalt und doch war ich nur zur Besichtigung dort, sie musste um ihr Überleben kämpfen. Bedrückend, ungeheuerlich, eine Vorstellung die schmerzt. (weiter…)

Jedem das Seine (Eingangstor KZ Buchenwald) – von Peggy Steike

Peggy Steike – Buchenwald

Peggy Steike zu ihrem Bild:

Im Konzentrationslager Buchenwald stand die zynische Inschrift, nach innen gerichtet, auf dem Haupttor. Der inhaftierte Bauhauskünstler Franz Ehrlich gestaltete diese. Was müssen sich die Menschen gedacht haben, die dieses Tor zum sicheren Tod durchschritten haben?

Wir waren damals Kinder, Schüler einer 6. Klasse und wir alle verstummten schlagartig als wir durch das Tor gingen. Jeder von uns musste seine Gedanken und Gefühle für sich ordnen. Keiner war zu einer Äußerung fähig. Erst auf der Heimfahrt wurde langsam und flüsternd über das Gesehene gesprochen… 

DIE KUNST DES VERGEBENS

Eva Mozes Kor – Eine Überlebende verzeiht den Tätern

Eva und Miriam Mozes verloren alles, was ein Kinderleben in der heutigen Zeit ausmacht. Ihre Identitäten, ihr wohlbehütetes Elternhaus, ihre Menschenrechte und ihre Würde. Als Laborkinder wurden sie über Monate vom „Todesengel“ von Auschwitz, Dr. Josef Mengele für pseudomedizinische Versuche missbraucht.

Krankheitserreger wurden der einen Schwester injiziert– unbekannte Substanzen der anderen. Vergleichen wollte Mengele. Vergleichsgut waren Zwillinge. Nach dem Tod des Einen wollte er dann über die gesunden Organe des Anderen verfügen. Pervers – menschenverachtend. (weiter…)

Zdenka Hlavica (ermordet in Auschwitz) – von Peggy Steike

Peggy Steike – Zdenka Hlavica – ermordet in Auschwitz

Peggy Steike zu ihrem Bild:

Zdenka Hlavica – Ein Portrait nach einem Lichtbild (Erfassungsfoto aus dem KZ Auschwitz, 1942) aus der Häftlingskartei des KZ Auschwitz. Die 1900 geborene Jüdin Zdenka Hlavica starb zwei Monate nach ihrer Deportation nach Auschwitz.

Es gibt Bilder, die mich zum Malen zwingen. Dieses Portrait ist eines davon. Die junge Frau ist auf dem Foto etwa so alt wie ich. Hatte sie Kinder? Einen Mann? Wer war sie? Sie sieht freundlich aus, wie die Frau von nebenan. Sie könnte eine Freundin sein…. Fragen die ich mir unweigerlich stellte und Gedanken die mir im Kopf kreisten als ich das Foto vor mir hatte und in diese warmen, angstgefüllten Augen sah.

Aber wie kann ich all diese Gefühle zu Papier bringen die ich in Ihren Augen lesen kann? Niemals! Und doch musste ich es wenigstens versuchen..

DRESDEN BRENNT

Dresden brennt – Die Bombennacht des 13.02.1945

Dresden, 13. Februar 1945.

Es ist eine kalte Dienstagnacht – man hört ein sonores Geräusch am Himmel und die „Volksempfänger“ warnen vor feindlichen Bomberverbänden. Sirenen heulen, Lichtkegel erhellen die Nacht. Sekunden später versinkt eine Stadt im Flammenmeer. Für tausende und abertausende Menschen bedeutet dieses barbarische Flächenbombardement den sicheren Tod. (weiter…)

Dresden 2005 von Peggy Steike

Peggy Steike – Dresden

Peggy Steike zu ihrem Bild:

Dieses Bild entstand kurz nach einem Bild welches Dresden 1945 zeigt. Es ist der Abschluss einer Serie oder Werkgruppe in der die Deutsche Normalisierung im Vordergrund steht und die Personen die dies ermöglicht haben.

Meine Großmutter ist in Dresden geboren und aufgewachsen. Mein Großvater hat an der Semperoper mitgebaut, er war Maurer. Mein Bezug zu dieser wunderschönen Stadt kommt also nicht von ungefähr. Zum Zeitpunkt der Angriffe zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 lebten beide ca. 60 Kilometer entfernt.

Mein Großvater sagte einmal zu mir: „Wir waren so weit weg. Aber wir haben bis hierher den Himmel brennen sehen…“ Diese Worte habe ich nie vergessen. Es war für mich damals unfassbar, wie man denn das sehen konnte, es war doch so weit entfernt. Ja, der Krieg ist unfassbar. Er ist unfassbar grausam. Er bringt unfassbares Leid mit sich.

Die Frauenkirche war für mich ein Mahnmal dessen und ich muss gestehen das ich erst unbegeistert war, als es hieß sie wird wieder aufgebaut. Heute sehe ich es als Abschluss. Nicht als Abschluss bei dem man vergisst, sondern als Abschluss bei dem man bewältigt…

In der Vorbereitung zu diesem Artikel schrieb uns ein Facebook-User, dessen Profilbild ihn als leidenschaftlichen Motorrad-Fan zeigt: Lass uns nicht vergessen in die Zukunft zu schauen…“. Wir möchten diesen Artikel gerne mit der Antwort auf diesen Hinweis beenden und versprechen schon jetzt, dass wir Peggy Steike in einem exklusiven Interview für Literatwo wieder begegnen werden. Und ihre Bilder werden wir mit nach Dresden nehmen.. Das ist Ehrensache… Da müssen sie einfach mal hin!

Doch nun meine Antwort zum Blick nach vorne: „Der Blick in den Rückspiegel ist die Lebensversicherung, auch für Motorradfahrer. Mit der Geschichte ist es ähnlich… Gute Fahrt 😉

Advertisements