Der letzte Engel von Zoran Drvenkar

Der letzte Engel...

Der letzte Engel…

Stell` dir einfach einmal vor, du bist ein ganz normaler Junge, dessen Leben bis zum heutigen Tag nicht sonderlich unproblematisch verlaufen ist. Du bist sechzehn, deine Mutter hat dich bereits vor sieben Jahren einfach sitzen lassen und du lebst mit deinem Vater in einem eigentlich ganz angenehmen Haus.

Stell` dir einfach vor, dein Name wäre Motte – das ist natürlich nur ein Spitzname, aber du hast dich inzwischen daran gewöhnt. Markus sagt fast niemand mehr zu dir. Und dann stell` dir vor, du möchtest gerade ins Bett gehen, schleppst deinen müden Körper noch zum Computer und checkst die verpassten Mails des Tages. So weit so gut… Bis du den Inhalt der folgenden Nachricht langsam zu realisieren beginnst:

sorry für die schlechte nachricht
aber wenn du aufwachst wirst du tot sein

wir wollten nur, dass du das weißt,
du bist nicht allein
sei mutig und stark

Was für ein genialer Spaß, den man sich da mit dir erlaubt. Oder? Oder?… Oder?

Was aber dann, wenn du im Badezimmer vor dem Spiegel stehst und dem Anblick nicht trauen kannst, der sich dir bietet. Du siehst den Grund für das unerklärliche Ziehen in der Schulter und die Schmerzen im Rücken, die bis zum Steißbein ausstrahlen.

Flügel. Es sind riesengroße Engelsflügel, die dir gewachsen sind und als würde das nicht reichen, fühlst du deinen Puls nicht mehr und es gelingt dir nicht, den Spiegel anzuhauchen. Stell` dir einfach vor, du bist tot. Stell` dir vor, du bist ein Engel (und Engel sind geschlechtslos, wie du beim entsetzten Blick unter deine Boxershorts schnell bemerkst).

Reicht das, um in deiner Vorstellung in Panik zu verfallen, oder bist du bereit für die letzte, alles entscheidende Nachricht? Eine Information, die den Lauf der Welt verändern kann?

DU BIST DER LETZTE ENGEL AUF ERDEN und eine alte Prophezeiung weiß, was geschieht, wenn dieser Engel fällt!

Du bist nicht allein – sei mutig und stark. Genau an dieser Stelle der ultimativen Erkenntnis beginnt die Achterbahnfahrt des Romans Der letzte Engel mit furioser Geschwindigkeit. Motte findet sich im Zentrum eines ewig währenden Kampfes um die Vorherrschaft der Engel auf Erden wieder.

Alles beginnt 1815 mit der Entdeckung zweier Skelette im ewigen Eis. Keine normalen sterblichen Überreste… Es sind zwei Skelette und vier Flügel auf ewig gefroren und doch miteinander verschmolzen. ENGEL… zumindest einer…

Ein abstruser Kampf um die Erforschung ihrer Herkunft beginnt im aufgeklärten Europa. Und inmitten des ausbrechenden Streits um die gefundenen Gebeine, steht die Vision vom ewig währenden Leben. Zwei verfeindete Fraktionen kristallisieren sich heraus und ihr Kampf ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Die „Familie“ versucht aus der DNA der gefrorenen Engel neue Wesen zu züchten und die „Bruderschaft“ ist bestrebt, das unendliche Leid der vielen menschlichen Versuchskaninchen zu beenden, die im Dienste der egozentrischen Wissenschaft geopfert werden.

Am Ende dieses Krieges führen alle Wege zu Motte. Er ist wahrlich nicht allein und obwohl er nicht mehr lebt, ist seine Existenz mehr denn je bedroht. Er steht als letztes Glied einer verheißungsvollen Prophezeiung im Brennpunkt der Ereignisse. Wird es der „Bruderschaft“ gelingen, alle Engel für immer zu vernichten oder wird die „Familie“ der Chronik der Engel ein neues Kapitel hinzufügen und sie zu neuem Leben erwecken?

Oder sind beide Fraktionen nur die Werkzeuge einer uralten, viel mächtigeren Macht, die ihr Gesicht geschickt verbirgt?

Im Roman fließen alle Informationen in der „Quelle“ zusammen. Der Mann, der alles verbindet betrachtet auf tausend Monitoren die Geschehnisse auf der Welt und fügt zusammen, was zusammengehört. Zoran Drvenkar sitzt als Autor in der gleichen Position. Mit ständig wechselnden Regieperspektiven blendet er seinem Leser die Geschehnisse ein, die für einen bestimmten Moment von besonderer Relevanz sind.

Verschlungen wie die DNA der Engel sind die Handlungsfäden des Romans. Verschiedene Zeitebenen und unterschiedliche Sichtweisen aus den Blickwinkeln der Protagonisten machen das Lesen mehr als spannend und abwechslungsreich, aber eben nicht einfach.

Der letzte Engel“ will aktiv gelesen werden, er eignet sich nicht zur oberflächlichen Berieselung. Drvenkar fordert seine Leser und erzeugt durch seine sprachgewaltigen Wortbilder ein Kopfkino, das seinesgleichen sucht. Und eben diese Bilder erzeugen in uns ein einziges Gefühl.

„Auch Mona blieb stehen. Sie hätte einfach weiterlaufen sollen. Der Pfeil kam mit solch einer Wucht und durchschlug Jasmins Nacken, dass die Spitze unter ihrem Kehlkopf wieder hervortrat… Ein feiner Nebel aus Blut bedeckte das Gesicht der Gouvernante, dann schloss Jasmin die Augen…“

Solche Szenen in einem Film im Maßstab 1 : 1 umzusetzen, hätte zur Folge, dass man ihn frühestens (wenn überhaupt) mit 16 Jahren zu sehen bekäme. Wir sind uns einig – dies ist KEIN Jugendbuch und Literatwo meldet sich freiwillig, wenn es darum geht, den „Letzten Engel“ aus den Jugendbuchabteilungen in den Erwachsenenbereich zu verlagern. Wir glauben nicht, dass man dem Plot bereits im Alter von 14 Jahren folgen kann oder ihm gewachsen ist! Wir werden weiterlesen – wir sind und bleiben gespannt. Wir lieben aktives Lesen und sind auch alt genug dafür.

Wir werden Zoran Drvenkar auf der Frankfurter Buchmesse zu einem Interview treffen. Wie man deutlich sieht, haben wir viele Fragen an ihn. Literatwo wird exklusiv berichten!

Zoran Drvenkar – Hier geht es bald zum Buchmesse-Interview

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