Spiegelkind von Alina Bronsky

Fantastische Dystopien kommen meist in einem stereotypen Kleid daher und leben durch ihre Abwandlungen in Bezug auf Charaktere oder den situativen Kontext der Geschichte. Man könnte meinen, es reicht aus, sich ein paar Distrikte, Wohngebiete, Areas oder ähnliches auszudenken; eine intrigante Regierung zu platzieren; Rechtsformen zu erdenken, die das Leben einzelner Menschen erschweren und dann eine kleine und unbedeutende Person durch dieses Szenario zu treiben und sie an den Rahmenbedingungen wachsen zu lassen.

Die Offensichtlichkeit des dystopischen Settings verursacht bei uns immer wieder einen Hauch fehlender Plausibilität, da selbst unterprivilegierten Protagonisten in ärmsten Verhältnissen ein scharfer Blick auf die komplexen Strukturen des Plots gewährt wird und sie klarsichtig von Cliffhanger zu Cliffhanger spazieren. Und dies oft über mehrere Fortsetzungen eines Mehrteilers hin.

Alina Bronsky - Scherbenpark und Spiegelkind

Alina Bronsky – Scherbenpark und Spiegelkind

Bei „Spiegelkind“ handelt es sich zweifellos um einen dystopischen Jugendroman. Spiegelkind könnte man jederzeit unterstellen, nach dem bekannten Strickmuster geschrieben und konstruiert zu sein. Und doch hebt sich das neueste Buch der deutschen Autorin Alina Bronsky (bekannt durch Scherbenparkund hier rezensiert von Bianca) umso deutlicher von vergleichbaren Geschichten ab. Das Leben im Symptom charakterisiert die Perspektive der Protagonistin. Sie nimmt ihre Umwelt passiv wahr, fast wie ein Patient in der Diagnosephase während einer schweren Erkrankung.

Die Symptome verheißen nichts Gutes, sie häufen sich und langsam entsteht ein Bild von einem komplexen Krankheitsbild. Am Scheideweg des eigenen Lebens heißt es dann, dem Schicksal eine Richtung zu geben oder zu kapitulieren. Doch Juli Rettemi gehört definitiv nicht zu den Menschen, die ihre Flinte ins Korn werfen – Juli drischt auf das Korn ein, um besser zielen zu können!

Stell` dir vor du bist fünfzehn Jahre alt und führst ein relativ normales und behütetes Leben. Es könnte schöner sein – wohl war. Deine Eltern haben sich getrennt und teilen sich das Sorgerecht, aber immerhin kannst du wechselweise mit Vater oder Mutter im gemeinsamen Haus der Familie leben. Es gibt Schlimmeres. Wohl wahr. Finanziell geht es euch gut, deine Geschwister und du besuchen beste Schulen und alles ist recht normal.

So normal, wie deine Schuluniform. So normal, wie die Ordnung und Sauberkeit in deinem Stadtviertel. So normal, wie die Verhaltensnormen und Regeln der Gesellschaft und natürlich so normal wie die Maßregelungen, wenn man gegen diese verstößt. Stinknormal eben. Nicht so wie bei den Freaks in anderen Stadtvierteln – absolut nicht so!

Stell` dir vor, du wirst morgens wach und findest im gemeinsamen Wohnzimmer eine Unordnung vor, die auf einen Einbruch schließen lässt. Stell` dir vor, man teilt dir unvermittelt mit, deine Mutter sei verschwunden und stell` dir vor, wie dein Blutdruck langsam steigt und die Angst dein Adrenalin in die Höhe schießen lässt.

Und nun stell` dir vor, dass in deinen Hilfeschrei hinein jeder dir zu erklären versucht, dass alles ganz normal sei. Man sagt dir, es habe niemals einen Einbruch gegeben und die Polizisten räumen fleißig die Wohnung auf und selbst dein Vater meint, Mutter sei wohl mal eben nur so aus dem Haus gegangen.

„Mamas kommen, Mamas gehen“ – dieser Satz eines Polizisten verankert sich wie eine Schockwelle in Juliane Rettemis Nervensystem.

Das Einzige was bleibt sind ihre Bilder. Julis Mutter war eine begeisterte Malerin und in jedem Zimmer des Hauses finden sich ihre Werke. Auch in Julis Zimmer steht eines dieser besonderen Gemälde. Es zeigt ein Haus in einem Wald – malerisch, verträumt und beruhigend. Jeder Blick auf das Bild ist eine Flucht aus dem Alltag und regt die Fantasie zum Träumen an. Manchmal scheint sich ein Detail auf dem Bild zu verändern und man könnte denken, den Wind oder Stimmen zu hören. Einbildung – aber eben eine schöne Einbildung für das junge Mädchen.

Und diese Bilder werden nun im ganzen Haus durch Spiegel ersetzt. Das ganz normale Leben wird zu einem immer kleiner werdenden Gefängnis. Das normale Spiegelbild ersetzt die Fantasie….

An diesem Tag beginnt die Veränderung von Juli Rettemi. An diesem Tag wird aus einem Mädchen eine junge Frau und als sie in der Schule mit Ksü konfrontiert wird gerät alles ins Wanken. Ksü ist nicht normal, weder im Benehmen, noch in ihrem Äußeren. Als Freak müsste man sie bezeichnen – sie trägt keine Schuluniform, ist auffällig tätowiert und genießt an der strengen Schule fast Narrenfreiheit.

Aus Juli und Ksü werden Gefährtinnen und beide helfen einander, Licht ins Dunkel der großen Geheimnisse zu werfen, denn auch Ksüs Leben ist so verworren, wie das von Juli. Verbunden sind die Wege der Mädchen durch die Gemälde von Julis Mutter und es verdichten sich die Gerüchte, dass Laura alles andere als normal gewesen sei. Das Wort „Phee“ macht die Runde und jeder, der es hört zuckt erschrocken zurück.

Kann es sein, dass ihre Mutter eine jener geheimnisvollen und verrufenen Gestalten ist? Kann es sein, dass sie über Fähigkeiten verfügte, die in der normalen Welt nur Angst und Schrecken hervorriefen? Kann es sein, dass die Bilder von Laura nicht nur magisch wirken, sondern vielleicht…? Kann es sein, dass Juliane selbst…. Wenn ihre Mutter eine ist… vielleicht eine Phee… undenkbar! Und kann es sein, dass der eigene Vater seine Frau verraten hat?

Als ein ganz normales Sonderkommando die letzten Bilder ihrer Mutter abholt, um sie als verbotene Kunst zu vernichten, beginnt Juli zu kämpfen. Für ihre Mutter – für sich selbst und gegen jede Normalität. Und sie ist nicht allein – Ksü steht ihr bei und deren Bruder Ivan weiß mehr über Pheen, als jeder vermutet.

Eine magische Reise in die eigene Befreiung beginnt. Gefahrvoll, furios und temporeich. Die Bilder sind nicht nur Bilder – sie weisen Juli den Weg in eine ganz besondere Richtung. Sie muss sich nur trauen. Und sie traut sich… Sie ist wie ihre Mutter…

Alina Bronsky legt mit Spiegelkind den ersten von drei Teilen einer dystopischen Jugendreihe vor und erzählt eine große Geschichte vom Erwachsenwerden, vom Anderssein, von der engen Bindung zur eigenen Mutter und vom mutigen Kampf eines jungen Mädchens. Auch ohne dystopische Struktur, auch ohne „Pheen“ ist dieser Plot tragfähig. Ein Mensch auf dem Weg in sein eigenes Leben muss so empfinden, wie Alina Bronsky es schreibt. Ein Mensch, dessen Fantasie durch Spiegel begrenzt wird muss ausbrechen….

Wenn auch ihr Juliane Rettemi begleiten möchtet, dann könnt ihr natürlich den Roman lesen – aber so ganz nebenbei besteht die Möglichkeit, einen eigenen Beitrag zur Rettung der „Pheen-Kulur“ zu leisten… Schaut mal hier

Wir freuen uns auf die Fortsetzung des Bronsky-Universums. „Spiegelriss“ erscheint schon bald und wir vertrauen der Autorin, dass sie uns über den finalen Cliffhanger des ersten Teils hinaus auch durch den berstenden Spiegel in ein neues Leben der Juliane Rettemi führen wird.

Es gibt einen ganz persönlichen Grund, warum uns dieses Buch mit seinen Gemälden so sehr in seinen Bann gezogen hat. Wir kennen eine Malerin, deren Bilder ebenfalls mehr sind, als bloße Pinselstriche. Auch sie sind in der Lage, Türen in eine andere Welt zu öffnen. In anderen Zeiten wären ihre Werke ebenso verboten gewesen, wie die Bilder aus dem Hause Rettemi.

Damit möchten wir auf keinen Fall behaupten, dass es sich bei der politischen Malerin Peggy Steike ebenfalls um eine „Phee“ handelt. Wir sind jedoch mehr als gespannt darauf, was „Spiegelkind“ bei ihr auslöst – als Malerin und Mutter einer Tochter. Wir mussten beim Lesen oft an sie denken und das Buch befindet sich bereits in ihrem Atelier. Bleibt gespannt, in welchen Farben wir uns die Zeit bis zum Erscheinen von „Spiegelriss“ ausmalen werden.

Mit einem Klick zu einer magischen Beggnung

Mit einem Klick zu einer magischen Begegnung

Und sofort nach Veröffentlichung des zweiten Teils „Spiegelriss“ erschien auch schon unsere Buchvorstellung:

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Die perfekte Rezension – aus rein urheberrechtlicher Sicht natürlich…

Die perfekte Rezension aus urheberrechtlicher Sicht...

Die perfekte Rezension aus urheberrechtlicher Sicht…

In Zeiten ausufernder Beschwerden und Abmahnungen von Rechte-Inhabern jedweder Art scheint es für Literatur-Blogger immer riskanter zu werden, ein aktuell erschienenes Buch der geneigten Leserschaft vorzustellen oder zu empfehlen. Urheberrechtliche Fragen verwirren sich oftmals zu undurchschaubaren und multiplen Geschäftskonstruktionen, die es fast unmöglich machen, sich gefahrlos und sprachlich gewandt durch dieses Minenfeld der unsicheren Rechtslage zu lavieren.

Wir von Literatwo haben damit überhaupt keine Probleme und möchten im Folgenden nach insgesamt dreijährigem Rechtsstreit, mehreren Eilanträgen vor dem Europäischen Gerichtshof und einigen von unserem Hausanwalt abgeschmetterten einstweiligen Verfügungen unsere absolut aktuellste Rezension vorstellen.

Gegebenenfalls vorgenommene kleine „Neutralisierungen“ sind dem Urheberrecht geschuldet, aber wir denken, dass es an der Zeit ist, eines unserer ganz besonderen Herzensbücher so schnell wie irgend möglich vorzustellen.

So sieht das Buch zwar nicht aus, aber eben besser als kein Cover...

So sieht das Buch zwar nicht aus, aber eben besser als kein Cover…

„Harald Töpfer und ein recht wertvoller Stein“ müssen wir das Buch nennen, da sowohl die Namensrechte an Buchtitel und Protagonisten inzwischen dem Medienriesen Warner Bros. gehören und es uns nicht gelungen ist, die Genehmigung zur Veröffentlichung der Namen zu erhalten. Sei`s drum. Einer unserer Nachbarn hat mit eidesstattlicher Erklärung versichert, dass wir seinen Namen gerne in dieser Besprechung verwenden dürfen, da er der wörtlichen Übersetzung des englischen Originals näherungsweise entspricht.

Harald Töpfer, also, wächst in beängstigenden Verhältnissen auf. Unter einer Treppe fristet er sein trostloses Dasein, bis ihm an seinem elften Geburtstag von einer Eule (Name geschützt) mitgeteilt wird, dass er eine besondere Begabung hat. Aus rechtlichen Gründen dürfen wir das Wort dafür nicht verwenden, da der Deutsche Verband der Kleinkünstler bisher behauptet, alleiniger Rechteinhaber für den Begriff zu sein. Harald Töpfer nun also – er kann Dinge tun, die andere Menschen nicht tun können. Die Menschen heißen deshalb im Roman auch, naja… Dingens halt (Name geschützt).

Harald wird eingeladen sich an einer Schule für Nichtmenschen, die ganz besondere Dingens tun können, einzufinden um noch viel mehr zu lernen. In Dingens (Name geschützt) trifft er dann auf den Schulleiter Dingens (Name geschützt) und lernt eine ganze Menge Freunde kennen. Dingens (Name geschützt), zum Beispiel, die es faustdick hinter den Ohren hat oder Dingens (Name geschützt), der mit seinem Latein noch ganz am Anfang ist. Erst beim gemeinsamen Dingens-Spiel, einer waghalsigen Ballsportart, kommen sie sich näher.

Das Böse in Dingens hat ein Gesicht - Oskar Paschulke

Das Böse in Dingens hat ein Gesicht – Oskar Paschulke

Jeder spürt allerdings die unsichtbare Bedrohung, die über der ganzen Schule, wenn nicht sogar der Menschheit schwebt. Oskar Paschulke, ein dunkler Nichtmensch, der komische Dinge tun kann und in Harald Töpfer eine große Gefahr erkennt, schwebt wie ein dunkler Schatten über Dingens. Natürlich heißt die Figur im Roman nicht Paschulke, aber der Name ist wenigstens nicht geschützt (Grundsatzurteil nach Eilantrag Literatwo vom 21.11.2010) und so konnten wir nach langem Rechtsstreit darauf zurückgreifen.

Wird es Töpfer gelingen, sich den Fängen Paschulkes zu entziehen oder erkennt er schon im ersten Jahr in Dingens (Name immer noch geschützt), dass seine Kraft noch nicht ausreicht für einen solchen Schurken?

J. K. Dingens (Name vom Verlag geschützt – Verlagsname von mehreren Kanzleien geschützt) aus England (Name darf mit freundlicher Genehmigung seiner Majestät Königin Elisabeth von Ebenjenem verwendet werden, wenn es dem Land nicht schadet) ist ein Überraschungserfolg gelungen. In einem kleinen Café hat die mittellose Schriftstellerin so vor sich hin geschrieben, bis ihr die genialen Namen Dingens, Dingens und Dingens eingefallen sind. Auf Paschulke wäre sie wohl kaum gekommen. (Anmerkung ohne Werturteil).

Das ist zwar nicht die Autorin, aber es ist besser als kein Autorenbild

Das ist zwar nicht die Autorin, aber es ist besser als kein Autorenbild

Da alle Autorenfotos unterschiedlichen Rechtskonstruktionen unterliegen, ist es uns leider nicht möglich Dingens (Name geschützt) im Artikel zu zeigen. Da aber Hildegard Wannekamp ihr so ähnlich sieht und nichts gegen die Veröffentlichung der Bilder hat, haben wir uns in Ermangelung von Alternativen entschlossen, Hildegard beim Schreiben zu zeigen. Sie müssen sich nur vorstellen, es sei Dingens, die gerade Dingens schreibt. Das kommt dann schon irgendwie hin.

Das Buch selbst ist eine Augenweide. Der Dingens-Verlag hat weder Kosten noch Mühen gescheut, das Cover so interessant zu gestalten, dass es wirklich jedem Leser ins Auge fallen muss. Natürlich ist auch das Cover urheberrechtlich vielfach geschützt. Die Schriftart gehört einem Grafik-Design-Studio in Zermatt. Die Illustrationen einem Künstler aus Bangladesh und da wir den Weg vor das UN-Tribunal nicht wagen wollten, verzichten wir auch eine Darstellung des Covers von Dingens der englischen Autorin Dingens in diesem Artikel.

Stattdessen, und lediglich aus optischen Aspekten, zeigen wir auf dem Artikelbild ein Foto der Bibel, die mit freundlicher Genehmigung des Vatikans vom 20.05.2012 in diesem Bericht gezeigt werden darf. Lob sei dem Herrn… das sollten wir so schreiben….

Fragt einfach nach Dingens von Dingens... Es ist so genial...

Fragt einfach nach Dingens von Dingens… Es ist so genial…

Dingens schlägt ein, wie eine Bombe auf den Dingens-Bestsellerlisten und in der überregionalen Buchhandelskette Dingens verkauft sich der Roman wie geschnitten Brot. Den Begriff Brot verwenden wir mit freundlicher Genehmigung der Großbäckerei Dingens (Name geschützt).

Der bekannte Literaturkritiker Dingens vergleicht das Jugendbuch bereits mit Dingens von Dingens aus dem Jahr 1876. Und das will schon was heißen.

Uns hat es die Sprache verschlagen beim Lesen von Dingens. Wer Dingens geliebt hat – wem Dingens im Kino gefallen hat und wer ein großer Fan von Dingens ist, dem sei Dingens ans Herz gelegt. Dafür legen wir unsere Hand ins Dingens (Rechtslage des Begriffes derzeit ungeklärt).

Wir danken Oskar Paschulke und Hildegard Wannekamp für die Genehmigung, ihre Fotos zu verwenden, weisen darauf hin, dass jede Weitergabe dieses Artikels unter Androhung von Abmahnungen untersagt ist und wir uns das Recht vorbehalten, missbräuchliche und gewerbliche Zuwiderhandlungen anzuzeigen.

Persiflage spacer

Viel Spaß beim Lesen wünschen Dingens und Mr. Dingens von Literatwo (wenigstens der Name ist für uns verfügbar, weil rechtlich geschützt). Und wenn ihr nun Blut geleckt habt, dann geht doch zum Buchhändler eures Vertrauens und fragt nach Dingens aus dem Hause Dingens-Verlag – oder bestellt einfach im Online-Portal Dingens… einfach Dingens eingeben und kaufen.

Es würde uns freuen, wenn wir euch wie immer ein wenig im Bücherdschungel helfen konnten. Und morgen stellen wir euch ein weiteres spannendes Buch vor, das auch brandneu ist. Genau wie Dingens aus dem Jahr 1997.

Die Buchvorstellung entspricht den gängigen Vorschriften zur Wahrung des Urheberrechts und hilft unseren Lesern ungemein weiter. Dingens….

Das Urheberrecht als Chance und Gefahr gleichermaßen...

Das Urheberrecht als Chance und Gefahr gleichermaßen…

Editorische Notiz:  

Literatwo unterstützt urheberrechtliche Ansprüche und hat hohen Respekt vor der künstlerischen Leistung der Rechteinhaber. Ein Verstoß gegen dieses Recht aus rein gewerblichen Gründen ist nicht hinnehmbar und bedeutet auf lange Sicht, dass Kulturschaffenden jegliche finanzielle Basis und damit auch die Unabhängigkeit eines Künstlers  entzogen wird.

Wir und andere Blogger schreiben allerdings ausschließlich ohne jeden gewerblichen Hintergrund aus tiefer Liebe zum Buch und voller Hochachtung gegenüber Autoren und Verlagen, Fotografen und Illustratoren. Wir wollen Menschen dazu bewegen, die Bücher zu lesen, die uns ans Herz gewachsen sind. In der Qualität der Artikel und in der visuellen Aufbereitung erkennt man den wahren Geist des Bloggers. Wer dies unterbindet erweist seiner eigentlichen kulturellen Berufung einen gewaltigen Bärendienst.

Auf diesem Wege danken wir „unseren“ Verlagen und Autoren für die Möglichkeiten, unseren Literatur-Blog in dieser Art und Weise mit großer Unterstützung von allen Seiten rechtlich gesichert betreiben zu können.

Margrit Schriber erzählt ein Leben: „Syra – Die Stripperin“

Syra - Die Stripperin - Ein bewegendes Buch von Margrit Schriber

Syra – Die Stripperin – Ein bewegendes Buch von Margrit Schriber

„Einige Minuten waren wir tief ergriffen von dem wunderbaren Anblick und für alles andere tot. Die große, klare Sonnenscheibe stand jetzt dicht über einer unendlichen Anzahl weißer Zipfelmützen – bildlich gesprochen. Es war ein wogendes Chaos riesiger Bergmassen, die Spitzen geschmückt mit unvergänglichem Schnee und umflutet von der goldenen Pracht des zitternden Lichtes, während die glänzenden Sonnenstrahlen durch die Risse einer der Sonne vorgelagerten schwarzen Wolkenmasse, gleich Schwertern und Lanzen aufschossen zum Zenith.“

Mark Twain „Eine Rigi-Besteigung“

Margrit Schribers Leseperlen - Eine bedeutende Kollektion

Margrit Schribers Leseperlen – Eine bedeutende Kollektion

Wir sind nicht zum ersten Mal in der Schweiz und keinesfalls sind wir alleine unterwegs. Mit Mark Twain bestiegen wir einst bedeutende Gipfel und nun ist erneut eine unserer absoluten Lieblings-Autorinnen mit uns unterwegs. Seit ihrem Buch Die hässlichste Frau der Welt gingen wir sehr oft mit Margrit Schriber durch ihre Schweiz. Sie erklärte uns in ihren historischen Romanen auf eine ganz eigene Art und Weise die Menschen und ihre Hoffnungen, die Landschaft und die Faszination des Lebens in dieser Region.

Ihre Sprache ist geradezu hingebungsvoll schlicht. Sie verkünstelt nicht und verfällt nicht in endlosen, romantisierenden Deskriptionsschleifen. Margrit schreibt auf den Punkt. Sie schreibt ohne Umwege ins Herz und in die Seele und bleibt dabei in ihrer Erzählweise so authentisch, als würde man sich dem beschriebenen Menschen selbst bis auf Augenhöhe nähern. So ist es uns zuletzt auch bei der Begegnung mit Leny Bider ergangen. Für Literatwo war dieser Roman viel mehr als Das zweitbeste Glück

Wenn wir im Leben einen Wunsch frei hätten, dann müsste Margrit unsere Geschichte schreiben. Nur sie könnte dies und nur von ihr kennen wir dieses unerschütterliche Maß an Zuneigung gegenüber ihren Protagonisten. Sie stellt nicht bloß, sie brüskiert nicht – nein, Margrit Schribers Werke sind eine Hommage an die Menschen, deren Geschichte sie zu Papier bringt.

Dies macht sie zu einer der ganz großen Erzählerinnen unserer Zeit.

Syra - Die Stripperin - Von der Schweiz auf die Bühnen der Welt

Syra – Die Stripperin – Von der Schweiz auf die Bühnen der Welt

Mit der Lebensgeschichte der Josefina Magdalena Marty verhält es sich ebenso. Unter dem Namen „Syra Marty“ ging sie in den 1950er und 1960er Jahren als das wohl erste „Glamour-Girl“ in die unbefleckte Geschichte der Schweiz ein und wurde zu einer der berühmtesten Stripperinnen auf den weltweiten Burlesque-Bühnen.

Die unbescholtene „Dächli-Leni“ verließ ihre Familie und das Rigi-Gebirge am Vierwaldstätter See, um sich einen Namen zu machen. Diesen Entschluss fasst sie genau auf dem Gipfel, den Jahre zuvor ein gewisser Mark Twain bestieg, um das Alpenpanorama zu genießen. Ihr einziger Trumpf: Ihre Schönheit:

„Ich war die schönste Frau, die ich je gesehen habe.“

Der erste Schritt aus dem sicheren Alpen-Nest führte sie in die Fänge eines Vergewaltigers und verletzt an Leib und Seele wählte sie den Weg nach vorne. Kämpferisch, trotzig und beharrlich. So kennen wir die Schweizer Frauen, über die Margrit schon so oft geschrieben hat.

Syra - Die nStripperin - Angekommen auf den Bühnen der Welt

Syra – Die nStripperin – Angekommen auf den Bühnen der Welt

Glückliche Fügungen und ein mehr als gewiefter Manager an ihrer Seite katapultierten sie als „Syra – Die Stripperin“ zuerst auf die europäischen Bühnen und ließen sie schnell zu einem Magneten des Nachtlebens werden. Ihr Weg nach Hollywood war vorgezeichnet, doch er verlief nicht geradlinig und ohne Probleme.

Im Glitzerlicht der Scheinwerfer blieb das Gefühl auf der Strecke und aus Syra wurde eine Marke. Ein Automat, der von Auftritt zu Auftritt hetzte. Filmgrößen wie Gregory Peck und Cary Grant kreuzten ihren Weg und zum Zeitpunkt des Attentats auf John F. Kennedy hatte sie ein Engagement im Club eines gewissen Jack Ruby. Als dieser Club-Besitzer den mutmaßlichen Mörder Kennedys erschoss, weitete sich der Skandal auch bis zu Syra aus.

Schlagzeilen bestimmten ihr Leben. Covergirl, PinUp-Girl, all dies wollte sie sein und all diese Bilder füllte sie mit Leben aus. Nur in der Heimat reagierte die Familie am Rigi oftmals verstört über die Nachrichten vom kleinen „Dächli-Leni“. Und trotzdem wurde die kleine Gaststätte der Eltern am Rigi-Kulm zur Pilgerstätte der begeisterten Syra-Fans.

Syra - Die Stripperin - Erinnerungen an ein Leben

Syra – Die Stripperin – Erinnerungen an ein Leben

Margrit Schriber hat eine einzigartige Perspektive eingenommen, um sich Syra zu nähern. Wir begegnen ihr im Alter von über 90 Jahren in einem kleinen Haus in Florida. Umgeben von den Abziehbildern und der Staffage ihres Lebens wartet sie immer noch auf die unerfüllte Liebe. Eine Betreuerin versucht sie davon zu überzeugen, sich von ihren Erinnerungen zu trennen und in ein Seniorenheim umzusiedeln. Doch dies wäre gleichsam der Abschied von einem ganzen Leben.

Syra beginnt zu kämpfen – um ihre Erinnerungen, um ihre Vergangenheit und letztlich auch um etwas, das ihr selten entgegengebracht wurde: Würde und Achtung. Margrit Schriber erreicht vieles mit diesem biografischen Roman. Sie hat in ihren Büchern immer das Maximale für ihre Protagonisten getan. Für uns lüftet sie die Schleier einer Striptease-Tänzerin und lässt sie nackt vor unseren Augen tanzen – dann geht sie einen Schritt weiter und entkleidet die Seele dieser „öffentlichen“ Frau. Dabei umhüllt sie die nackte Tänzerin allerdings mit dem wärmenden Mantel der Zuneigung und Empathie. Schribers Charaktere erfrieren nie!

Aus einer schamlosen Burlesque-Tänzerin wird ein Mensch mit Gefühl und Geschichte. Syra ist immer das „Dächli-Leni“ geblieben… und bei Gott sie hatte Stil! Ein großer Schweizer Roman einer großen Schweizer Autorin über eine große Schweizer Frau. Dieser Linie bleibt Margrit so treu, wie wir ihren Büchern treu bleiben.

Vorhang auf für „Syra – Die Stripperin“ – kein Skandalbuch… Ein großes Lebenspanorama voller Erotik, Gefühl und Zeitgeschichte… und mittendrin ein Mädchen vom Land.

Autoren wie diese....

Autoren wie diese….

Zwei unter einem Dach…

Eine Studie in Scharlachrot - Das perfekte Geschenk

Eine Studie in Scharlachrot – Das perfekte Geschenk

Wer kennt das nicht aus eigener Erfahrung? Man sucht händeringend ein passendes Weihnachtsgeschenk für einen bibliophil veranlagten Menschen, der einfach alles hat, was es auf dem Buchmarkt so gibt. Einen Gutschein schenken? Nein – besser nicht, das wirkt so, als habe man sich noch nicht einmal richtig bemüht. Hier naht Hilfe in der Not. Ein literarisches Gesamtkunstwerk von Zwiebook aus dem Hause Dresdner Buchverlag. Hier finden in der sogenannten „Classic Library“ wichtige Autoren der Weltliteratur einen besonders gediegenen Platz um nicht in Vergessenheit zu geraten.

Die Zwiebook-Ausgabe des Romans „Eine Studie in Scharlachrot“ von Arthur Conan Doyle vereint alles, was ein perfektes Geschenk benötigt:

Es ist streng limitiert.
Es ist ein Buchkunst-Produkt der Extraklasse.
Es ist handgebunden von einer Dresdner Handbuchbinderin.
Es ist ein absoluter Hingucker.
Es ist die Mutter aller Bücher aus dem Sherlock Holmes Zyklus.
Es ist ein zweisprachiges „Wendebuch“.
Es ist höchst individuell.
Ein echter Goldschmied hat das Buch veredelt.
Es verfügt über ein Lesebändchen mit zwei Stirling-Silber-Elementen.

Eine Studie in Scharlachrot - Details

Eine Studie in Scharlachrot – Details

Und es ist ein Jahrhundertbuch – inhaltlich eine absolute Besonderheit auf dem Büchermarkt, da es der erste Roman von Sir Arthur Conan Doyle über Sherlock Holmes ist. Richtig gelesen: Über Sherlock Holmes und nicht nur ein Kriminalfall, in dem der legendäre Detektiv ermittelt. „Eine Studie in Scharlachrot“ erzählt aus der Sicht von Dr. Watson die erste Begegnung mit Sherlock und ist somit die Mutter aller Geschichten, die uns so sehr ans Herz gewachsen sind.

Natürlich spielt auch ein vielschichtiger Mordfall eine bedeutende Rolle, aber ohne diesen ersten Roman über das weltbekannte Ermittler-Duo kann man eigentlich nicht in die Tiefe der folgenden Geschichten eintauchen.

Arthur Conan Doyle suchte im Jahr 1886 händeringend einen Verlag für dieses Buch und verkaufte die Rechte schließlich für lächerliche 25 Pfund, nur um dann zu erleben, dass die Geschichte dann in einer Zeitung veröffentlicht wurde. Beeton’s Christmas Annual brachte sie zumindest als Titel-Story und siehe da – das Magazin war binnen weniger Tage ausverkauft.

sherlock spacer

Dies ist besonders amüsant vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Arthur Conan Doyle 1983 mehrere Versuche startete, sich von Sherlock zu befreien. Er wollte sich historischen Romanen widmen, stellte immer höhere Honorarforderungen und bemerkte überrascht, dass diese bereitwillig erfüllt wurden.

Letztlich ließ er ihn in einem finalen Zweikampf mit seinem Erzfeind Moriarty in eine Schlucht stürzen und verschwinden. Der Aufschrei war riesig, 20000 Leser kündigten ihre Zeitungsabonnements und unzählige Menschen in England trugen Trauerflor. Es sollte also vorerst so enden, wie es einst begonnen hatte. In einer Zeitung!

Eine Studie in Scharlachrot - Ein Zwiebook der Extraklasse

Eine Studie in Scharlachrot – Ein Zwiebook der Extraklasse

Sherlock hatte also 1886 erstmals laufen gelernt und setzte dann seinen Weg in Buchform an der Seite von Dr. Watson durch die Weltliteratur fort. Und natürlich starb er nicht in jener Schlucht, sondern wurde von Conan Doyle nach dem Welterfolg „Der Hund der Baskervilles“ reanimiert, um seinen Erfolgszug bis zum Jahr 1927 fortzusetzen.

Der Dresdner Buchverlag erweist sowohl Conan Doyle, als auch seiner legendären Figur Sherlock Holmes eine doppelte Ehre und veröffentlicht die erste Geschichte „Eine Studie in Scharlachrot“ sowohl in der Originalfassung, als auch in der neuen modernisierten Übersetzung. Und dies in einem Buch! Man muss es nur wenden und kann die Geschichte mit „A Study in Scarlet“ fortsetzen oder Textstellen auf ihre originale Qualität im Vergleich zur Neuübersetzung begutachten! Spannend.

Damit man immer genau weiß, an welcher Stelle im Buch man ist, hat der Verlag ein einzigartiges Lesebändchen erfunden. Es ist in den Bucheinband integriert, kann aber frei nach oben oder unten gezogen werden. So hat man, egal ob man gerade im englischen oder im deutschen Teil des Buches verweilt, ein eigenes Leseband für das entsprechende Kapitel. Damit dieses Leseband immer Teil des Romans bleibt, ist es am jeweiligen Ende durch Stirling-Silber-Lesebandstopper abgeschlossen. Aufwendige Prägungen und die eingestanzte Seriennummer innerhalb der Limitierung machen dieses Leseband gleichsam zum handwerklichen Unikat als auch zum Meilenstein der Buchbindekunst.

Eine Studie in Scharlachrot - Limitiert, aber unbegrenztes Vergnügen

Eine Studie in Scharlachrot – Limitiert, aber unbegrenztes Vergnügen

Eine Studie in Scharlachrot ist auf 999 Exemplare limitiert. Ein Lesebandstopper trägt die per Hand geprägte Nummer des jeweiligen Exemplars. Die ersten Bücher sind bereits im Handel und wer dieses buchige Kleinod sogar noch persönlicher gestalten möchte, der kann sich beim Verlag eine Lieblings- oder Glückszahl aussuchen. Wo gibt es das schon?

Dieses Buch hat der geneigte bibliophile Freund, den es zu beschenken gilt, mit Sicherheit nicht im Bücherregal. Es macht Spaß, in diesem Buch zu lesen. Die Handlung selbst ist ein Meilenstein der Kriminal-Literatur und die Art und Weise, wie sich das Buch präsentiert ist einfach nur als genial zu bezeichnen.

Mit diesem literatwoischen Tipp liegt man zu Weihnachten definitiv nicht falsch, sollte man sich überhaupt von dem Buch trennen können…. Und genau das ist sehr schwer. „Eine Studie in Scharlachrot“ ist inhaltlich, haptisch und optisch eine absolute Zierde für jede Lebensbibliothek und es werden lediglich 999 Exemplare exisiteren…. Also sputet euch!

Ein Gesamtkunstwerk des Buchdruckes mit Goldschmiedearbeiten

Ein Gesamtkunstwerk des Buchdruckes mit Goldschmiedearbeiten

Editorial: All Pictures by PATH (Peter Helbig)

Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt

Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt - Eine Frage verändert einen Menschen

Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt – Eine Frage verändert einen Menschen

Ein Roman ist eine Wundertüte. Man weiß eigentlich nie genau, auf welchen Inhalt man stößt, da sowohl Klappentext als auch Covergestaltung manchmal zu gewissen Trugschlüssen verleiten. Wer beim Titel Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt an eine rührselige Schmonzette denkt, an einen seichten Liebesroman oder gar eine ins Weihnachtsgeschäft platzierte Tannenbaumstory, der sieht sich schnell getäuscht.

Hinter dem Cover mit dem kleinen Jungen, der durch den Schnee in Richtung einer einsamen Blockhütte stapft verbirgt sich eine Geschichte für wahre Liebhaber exzellenter Plots, klar gezeichneter Charaktere und überraschender Wendungen. Und darüber hinaus ist es einer der wenigen wahren Eishockey-Romane, der bleibende Spuren hinterlässt. Er bahnt sich wie eine frisch geschliffene Schlittschuhkufe seinen Weg ins ewige Eis des Leserherzens.

Eine Weihnachtsgeschichte auch – oder vielleicht besonders – für Männer, denn es geht um richtige Männer. Liebe, Gefühl und Verantwortung sind das Mantra dieses flüssig erzählten Romans. Keine übertriebene Botschaft, kein vorhersehbares Ende und keinerlei Gefühlsduselei stören den Genuss. Eine typische Lagerfeuergeschichte, die man so schnell nicht vergessen wird!

Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt - Der Ladouce-Skandal

Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt – Der Ladouce-Skandal

Er ist wieder da. Mit einem spöttischen Lächeln kehrt Martin Ladouceur in die Stadt zurück, die ihn noch sieben Jahre zuvor mit Schimpf und Schande nach Winnipeg vertrieben hatte. Und dabei war er der Beste – mit Abstand.

Martin Ladouceur – von allen kurz Ladouce genannt – war der erfolgreichste NHL Profi im legendären Eishockey-Team der Montreal Canadians. Heldenstatus genoss er in seiner aktiven Zeit bei den „Habs“. Aber dann setzten mit seinem sportlichen Niedergang auch die Eskapaden des eigenwilligen Stürmers ein. Schlagzeilen machte er nur noch in der Klatschpresse und nach einer turbulenten Party in einem Hotel, sexuellen Ausschweifungen und Alkohol ohne Ende hatte man ihn in einer Nacht- und Nebelaktion verkauft.

Ladouce verlor so ziemlich alles, was er sich mühsam aufgebaut hatte: Seinen Ruf als genialer Eishockeyspieler, die Zuneigung seiner Fans und nicht zuletzt die Unterstützung seiner Eltern. Mit seinem Vater hatte er seitdem keinen Kontakt mehr. Es war einfach zuviel, was er sich erlaubt hatte.

Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt - I´m back...

Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt – I´m back…

Doch nun ist er wieder da! Arrogant und von seinen Fähigkeiten mehr denn je überzeugt hat man ihn wieder verpflichtet, um Montreal aus der sportlichen Krise zu befreien. Die Presse begrüßt ihn mit der Schlagzeile: „Warum ausgerechnet ER?“ Am Heiligabend hat er erstmals wieder den Boden „seiner“ Hometown unter den Füßen. Doch mehr als eine Hotelunterkunft bleibt ihm nicht. Ausgerechnet jenes Hotel, in dem er sieben Jahre zuvor seine Verbannung aktiv eingeleitet hatte.

Und genau in diesem Hotel, dessen einziger Gast er in dieser besonderen Nacht ist, trifft er auf einen siebenjährigen Jungen. Der Sohn eines Zimmermädchens lungert in den Fluren herum, während seine Mutter ihrem Job nachgeht. Plötzlich kommt Schwung ins Leben von Martin Ladouceur. Allerdings ein Schwung, der nichts – aber auch gar nichts – mit seinem Element zu tun hat. Der kleine Junge führt in aufs Glatteis seiner Gefühle.

Je mehr er ihn kennen lernt, desto mehr reift ein Verdacht…. Es könnte doch sein… Es ist genau sieben Jahre her… Es gab immer Gerüchte… Eine Frau soll sich nach jener Nacht an den Verein gewandt haben… Die Spatzen pfiffen es von den Dächern… Konnte er wirklich der Vater dieses Jungen sein? War das möglich?

Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt - Könnte es wirklich sein?

Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt – Könnte es wirklich sein?

Der knallharte Profi beginnt weich zu werden um dem Geheimnis des Jungen auf die Spur zu kommen. Er kümmert sich um ihn, spielt mit ihm und schließlich begibt er sich an diesem Abend mit dem kleinen Martin (was für ein Zufall – auch der Vorname passt) ins Allerheiligste der Canadians. Sie betreten das legendäre Eishockeystadion und gehen gemeinsam aufs Eis – und binnen weniger Minuten zeigt der Junge, was er kann. Unfassbar….

Kann es wirklich sein? Was bewirkt dieses Kind im Inneren des Raubeins? Findet Martin Ladouce durch einen kleinen Jungen am Heiligabend in die Spur zurück, obwohl ihn seine Kufen weit aus der Bahn geworfen haben? Und was passiert, als er realisiert, dass alles ganz anders ist, als er sich so schön vorgestellt hatte?

ladouceur spacer

Eingebettet in das sportliche Szenario funktioniert diese Geschichte wie kaum eine zweite. Harte Schale, weicher Kern – in diesem Roman kein Klischee. Der mühsame Weg vom Talent zum NHL-Profi, die Opferbereitschaft der Eltern, die vorprogrammierten Zerwürfnisse und charakterlichen Veränderung als Sportler auf seinem Weg – all dies thematisiert der Roman und lässt keine Frage offen.

Martin Ladouceur muss man hassen und lieben, man fühlt in ihn hinein, als sich sein Leben wieder einmal komplett wendet. Und man begleitet ihn gerne dabei. Dies ist kein Sport-Roman, aber eine Erzählung, in der ebenjener Sport, den Protagonisten greifbar macht.

Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt- Warmherzig, spritzig und einfach gut...

Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt- Warmherzig, spritzig und einfach gut…

„Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt“ ist ein warmherziges Buch mit Tempo und eleganter Konstruktion. Es lebt von der Tiefe der Charaktere und von der Dynamik des Geschehens. Es ist zum Brüllen komisch und zum Weinen schön. Es ist ein Page Turner der allerersten Kategorie.

Wir haben uns gerne zum literatwoischen Paarlauf aufs Eis führen lassen und standen am Ende des Romans in einem kleinen Zimmer und haben uns mit Martin Ladouceur gemeinsam die Bilder eines nie gelebten Lebens angeschaut. Obwohl es warm war in diesem Raum, konnten wir uns der Gänsehaut nicht erwehren, die von uns Besitz ergriff und wir warfen in unseren Träumen ein Blick voraus in die Zukunft von  Ladouce. Diesen Blick gönnen wir jedem begeisterten Leser.

Ein großes kleines Buch über Väter und Söhne – über Leidenschaft und Lebenswege – über gute Freunde und Zufallsbekanntschaften im Leben. Und ein Fingerzeig, wie man sich benehmen sollte, wenn man – egal wo – den Durchbruch geschafft hat. Ich ziehe jetzt meine Schlittschuhe an und gehe aufs Eis – das muss jetzt sein. Schöne Träume euch 😉

Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt - Ein tolles Buch

Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt – Ein tolles Buch

Editorische Notiz: Seit nunmehr 13 Jahren bin ich dem Eishockey mehr als verbunden. Fast täglich stehe ich an der Bande irgendeines Eisstadions in Bayern und sehe kleine Menschen auf dem Eis, das die Welt bedeutet, groß werden. Dieses Buch spricht meine Sprache. Es ist authentisch. Eishockey ist hier nicht nur Vehikel für die Story oder Grundlage für Klischeebilder – der Lebensweg und die damit verbundenen Träume sind authentisch. Und es ist so gut beschrieben, dass Leser, die diesen Sport nicht kennen dies in genau der gleichen Art und Weise nachempfinden können.

Dank: Um das Buch mit dem Trikot der Canadians fotografieren zu können, wäre eigentlich ein Flug nach Montreal erforderlich gewesen. Aber nur eigentlich. Andi Trautner hat uns seinen Eishockey-Store TOP-POINT als Set für ein besonderes Fotoshooting zur Verfügung gestellt. Es war ein riesiges Vergnügen für uns und die Bilder des Artikels leben die Atmosphäre dieses Tages.  Danke, Andi!