„Weil wir zusammen gedacht haben…“ – Ein Abschied in Briefen

Helmuth James und Freya von Moltke - Brief um Brief dem Tode näher

Helmuth James und Freya von Moltke – Brief um Brief dem Tode näher

„Außer dem Leben können sie dir ja nichts nehmen…“ – wie kein zweiter Satz kennzeichnen diese Worte die besondere Beziehung zweier Menschen, die tief im christlichen Glauben verhaftet, aufrecht und standhaft gegen die Ungerechtigkeit des NAZI-Regimes in Deutschland ankämpften.

Helmuth James Graf von Moltke, deutscher Jurist und Mitbegründer der Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“ und seine Ehefrau, die Schriftstellerin und Juristin Freya von Moltke stehen heute noch wie kaum ein anderes Paar für den gemeinsamen Widerstand im „Dritten Reich“. Sich der Folgen ihrer regimefeindlichen Aktivitäten stets bewusst, wagten sie gemeinsam mit Freunden aus vielen Bereichen der Gesellschaft darüber zu diskutieren, wie ein Deutschland nach dem verlorenen Krieg neu organisiert werden könnte.

Diese Aktivitäten blieben der Geheimen Staatspolizei nicht verborgen und die GeStaPo schlug erbarmungslos zu. In einer gezielten Verhaftungswelle wurden die Männer des „Kreisauer Kreises“ im Januar 1944 inhaftiert. Konzentrationslager und Gefängnisse stellten die Etappen der Verschwörer dar, bis sie letztendlich in der Berliner Haftanstalt Tegel auf den Prozess vor dem Volksgerichtshof vorbereitet wurden.

Ein Abschied in Briefen - Sterben für den Widerstand

Ein Abschied in Briefen – Sterben für den Widerstand

Freya von Moltke folgt ihrem Ehemann nach Berlin und kommt dort bei dem Seelsorger unter, der Helmuth James von Moltke in Tegel betreut. Und ebenjener unerschrockene Pfarrer Harald Poelchau ermöglicht es den Eheleuten Moltke einen fast täglichen Briefwechsel zu führen. Beide betrachten diese Form der Kommunikation als Privileg und genießen die gemeinsame Zeit, die ihnen schreibend bleibt. Und sie nutzen diese Zeit.

In dem Buch Abschiedsbriefe – Gefängnis Tegel – September 1944 bis Januar 1945 (C.H. Beck) werden diese bewegenden Briefe erstmals vollständig veröffentlich. Ein Briefwechsel, den es niemals hätte geben dürfen – ein Zeitzeugnis aus einer der dunkelsten Perioden der deutschen Geschichte und ein deutliches Zeichen für die instrumentalisierte Justiz des Dritten Reichs.

Das Warten auf den Prozess vor dem berüchtigten Volksgerichtshof – das Warten auf den schlimmsten Schergen der Justizgeschichte Roland Freisler – die Ungewissheit über den Verhandlungstermin und die schiere nackte Angst vor qualvollen Verhören und dem täglich drohenden Tod kennzeichnen die Rahmenbedingungen der Haft von Helmuth James von Moltke.

Mut im Angesicht des Todes

Mut im Angesicht des Todes – Moltke weht sich…

Man muss als Leser stabil sein, wenn man sich diesen Briefen nähert. Man muss sich darauf gefasst machen mitgerissen zu werden, wenn zwei sich unendlich tief liebende Menschen mit jedem geschrieben Wort ein wenig mehr voneinander Abschied nehmen und man muss sich seiner eigenen Gefühle sicher sein, wenn man das Wagnis der Empathie eingeht. Ansonsten geht man unter.

Freya nennt ihren Helmuth nur zärtlich „Mein Jäm“ und er nennt sie bei ihrem männlichen Spitznamen „Mein lieber Pim“. Ein näckisches Wortspiel, das sich durch alle Briefe zieht wie der rote Faden eines gemeinsamen Lebens. Jeder einzelne Brief zeugt von Hoffnung, Verzweiflung, Aufrichtigkeit, Vertrauen, Angst und allen in dieser Situation erdenklichen Gefühlslagen, die zwei Menschen miteinander teilen können. Das starke Band ihrer Liebe und die Sorge um die gemeinsamen Kinder und die Zukunft von Freya, die wohl alleine zurückbleiben würde, waren die Determinanten im Denken Helmuth James von Moltkes.

Und Freya wollte ihrem „Jäm“ den Weg erleichtern. Sie versorgt ihn mit Informationen, hilft die Verteidigung vorzubereiten und bemüht Hölle, Tod und Teufel um die Chancen für Gnadengesuche auszuloten. Chancenlos, wie die Geschichte zu berichten weiß. Das Todesurteil und die Hinrichtung Moltkes am 23. Januar 1945 waren vor diesem Gericht unabwendbar. Freilser hörte der Verteidigung nicht zu und diffamierte den Angeklagten, so wie er es mit jedem „Verräter“ zu tun pflegte.

Doch zu aller Überraschung traf Freisler auf einen ungebrochenen und kampfbereiten Grafen von Moltke! Am Urteil änderte dies nichts. Nicht zu dieser Zeit und nicht vor diesem Gericht. Aber der Ausruf Moltkes “ Macht eine Legende aus uns“ hat die Zeit und Freisler überdauert. Moltke behielt Recht.

Helmuth James von Moltke - Das Urteil stand schon fest...

Helmuth James von Moltke – Das Urteil stand schon fest…

Diese Briefe sind so wunderschön grausam – so hoffnungsvoll traurig – so zärtlich sachlich, dass man sich ihrer Magie nicht zu entziehen vermag. Sie sind einerseits tiefe Liebeserklärung an- und wehmütiger Abschied voneinander, andererseits aber auch das aufrichtige Vermächtnis eines Widerstandskämpfers an die folgenden Generationen. Und sie stellen eine Richtlinie für Freya dar, wie sie ihr Leben alleine weiterführen kann, wie die Vermögensverhältnisse zu ordnen sind und welche gemeinsame Leitlinie bei der Erziehung der Kinder zu verfolgen ist.

Freya und Helmuth James haben in diesen Briefen ihr Leben bis zum letzten Tag gemeinsam vorgelebt und geplant, strukturiert und ein Zeugnis der Stärke hinterlassen, das Hoffnung macht. Der tiefe Glaube hat sie bestärkt, dass sie sich in einem Leben nach dem Tode wiedersehen werden. Die Kraft, die beide aus diesen Briefen schöpften ließ sie den größten nur vorstellbaren Schrecken überleben.

Und so lebte auch „Jäm“ nach der Hinrichtung für Freya weiter, wie man der mehr als beeindruckenden Biografie Freya von Moltke – Ein Jahrhundertleben (C.H. Beck) entnehmen kann. Beider Liebe hat den Tod überwunden – beider Liebe hat überdauert und kann uns heute Vorbild sein.

Literatwo schreibt gegen das Vergessen - mit einem Klick zur Serie

Literatwo schreibt gegen das Vergessen – mit einem Klick zur Serie

Erinnern bedeutet nicht zu vergessen. Nicht zu vergessen bedeutet Halt zu haben. Gehalten zu werden lässt den Menschen in den dunkelsten Stunden das Licht der Hoffnung erblicken. Danke „Jäm“ und „Pim“ für dieses ewig gültige Zeichen gegenseitiger Liebe und unendlichen Vertrauens in Zeiten ohne jegliches Licht.

Ein Blick zurück voller Liebe und Respekt... Freya von Moltke

Ein Blick zurück voller Liebe und Respekt… Freya von Moltke

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – In memoriam Else Lasker-Schüler

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts - Else Lasker-Schüler

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Else Lasker-Schüler

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts von Florian Illies schwingt deutlich nach in unseren Herzen. Viele Ansichtskarten haben wir euch von unserer Reise in dieses mehr als faszinierende Jahr geschickt. Und von unseren Erinnerungen zehren wir noch jetzt. Besonders heute.

Eine dieser Karten machte uns zu Blauen Reitern auf Blauen Pferden. Sie war an Else Lasker-Schüler adressiert und stammte von ihrem guten Freund Franz Marc. Else selbst war 1913 fast mittellos und auf die Unterstützung der Menschen angewiesen, die ihr am nächsten standen. Allesamt Künstler – allesamt später weltbekannt. Marc, Kandinsky, Kokoschka, Kirchner und ganz besonders Gottfried Benn.

1913 trafen wir auf eine Frau, die als die bedeutendste Expressionistin ihrer Zeit galt und mehrere große Künstler durch ihre Gedichte inspirierte. Die Kunst des 21. Jahrhunderts wäre ohne sie nicht dort, wo sie heute steht. Franz Marcs Pyramide der blauen Pferde, die er auf die Karte an sie malte, ist das einzige originale Zeugnis für das später verschollene legendäre Gemälde.

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts - Eine Reise in die Zeit

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Eine Reise in die Zeit

Florian Illies vertraute uns in seinem Buch (inzwischen auf Platz 1 der Sachbuch-Bestsellerlisten) ein großes Geheimnis zum Leben von Else Lasker-Schüler an. Wir werden es hier nicht verraten – nur soviel: Wenn wir wirklich durch die Zeit reisen könnten, dann würden wir versuchen, am 17. Februar 1913 im Münchner „Neuen Kunstsalon“ anwesend zu sein. Freunde der großen Dichterin versteigerten an diesem Tag zu ihren Gunsten einige gestiftete Ölgemälde. Wenn man jetzt aber weiß, wer zu ihren Freunden zählte, dann kann man ermessen, dass der Erlös von 1600 Reichsmark schon damals einen kläglichen Betrag darstellte. Die versteigerten Werke würden heute einen Wert von 200 Millionen Euro erzielen…. Aber auch das ist Geschichte… Vergangenheit… Nur noch Gedanken…

1913 spacer u

Heute vor 68 Jahren, am 22. Januar 1945 starb Else Lasker-Schüler in Jerusalem. Als deutsch-jüdische Schriftstellerin für staaten- und schriftenlos erklärt, emigriert – exiliert. Ruhe fand sie nie, da ihr Grab im Zuge des Sechstagekrieges zerstört und verlegt wurde. Ihr Grabstein befindet sich heute wieder dort, wo sie einst die letzte Ruhe finden wollte – auf dem Ölberg zu Jerusalem.

Ihr großer Wunsch erfüllte sich jedoch nie:

„Ich suche allerlanden eine Stadt, 
Die einen Engel vor der Pforte hat. 
Ich trage seinen großen Flügel 
Gebrochen schwer am Schulterblatt 
Und in der Stirne seinen Stern als Siegel!“ 

Literatwo verneigt sich…

Reiseandenken aus dem Sommer des Jahrhunderts - 1913 - Florian Illies

Mit einem Klick zu den verwunschenen Bildern aus dem Jahr 1913

Franz Marc hat uns zu „Blauen Reitern“ gemacht und Florian Illies war hierbei mehr als ein Steigbügelhalter. Uns haben diese Gedanken nachhaltig beschäftigt und der Höhepunkt in der Auseinandersetzung mit diesem grandiosen Buch war unser Besuch im Münchner Lenbachhaus. Wir begegneten dem „Blauen Pferd“ und hatten ein Buch dabei… Welches wohl… 😉

Ein Klick genügt... mit Literatwo zum Blauen Pferd

Ein Klick genügt… mit Literatwo zum Blauen Pferd

Und zum Abschluss dieses besonderen Zyklus` ein letzter Besuch bei Franz Marc:

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc... Ein Klick reicht...

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc… Ein Klick reicht…

Das Echo der Geschichte. Das Echolot (Walter Kempowski)

Das Echolot von Walter Kempowski sendet Signale

Das Echolot von Walter Kempowski sendet Signale

„Wenn die Welt noch Augen hat, zu sehen, wird sie, um es in einem Wort zu sagen, in ‚Echolot‘ eine der größten Leistungen der Literatur unseres Jahrhunderts erblicken.“ (Frank Schirrmacher)

Ein Echolot sendet konstante Schallwellen aus, um am entstehenden Echo Wassertiefen zu bestimmen. Gemessen wird hierbei die Zeit, die zwischen der Aussendung des Impulses und der Ankunft der vom Gewässerboden reflektierten Schallwellen verstreicht. Walter Kempowski gab seinem epochalen Projekt eines kollektiven Tagebuches bezeichnenderweise den gleichen Namen. Die Jahre 1941 bis 1945 wollte er für die künftigen Generationen in einer gigantischen Kollektion von Tagebucheinträgen, Briefen und offiziellen Dokumenten von Zeitzeugen aller Länder und sozialen Schichten zum Klingen bringen.

Kempowski wollte ein Echo erzeugen, auch wenn die Zeit zwischen ausgehendem Signal und reflektierter Welle immer länger zu werden scheint. Auch wenn der Impuls immer undeutlicher zu uns zurückgeworfen wird. Kempowski ist mit seiner Kollektion ein einzigartiges Meisterwerk gelungen. Tageweise lesen wir uns durch das dunkelste Kapitel der Weltgeschichte und erleben unkommentiert die Tagebuchaufzeichnungen von Künstlern, Soldaten beider Seiten, sich sorgenden Müttern, verzweifelten Vätern, abgestumpften Politikern und verzweifelten Insassen von Konzentrationslagern.

Das Echolot von Walter Kempowski erzeugt ein zeitloses Echo

Das Echolot von Walter Kempowski erzeugt ein zeitloses Echo

Kempowskis Mosaik erstreckt sich über die entscheidenden Jahre des Zweiten Weltkrieges und ist allein schon in seiner Dimension eines der reichhaltigsten Archive der damaligen Zeit.

Das Echolot. Januar und Februar 1943. 4 Bände
Das Echolot. Fuga furiosa. Winter 1945. 4 Bände
Das Echolot. Barbarossa ’41.
Das Echolot. Abgesang ’45.

WIR dürfen uns ein Bild machen. Kempowski selbst enthält sich jeglicher subjektiven Wertung – er beschränkt sich auf die Auswahl der Textstellen und erzeugt dadurch mehrere Handlungslinien innerhalb seiner Kollektion. Das hierdurch gezeichnete Bild zeigt uns erstmals, wie der deutsche Soldat vor Leningrad dachte und was die belagerte russische Hausfrau am gleichen Tag zitternd vor Kälte und Hunger auf der Gegenseite notierte. Ursache und Wirkung vereinen sich zu einem Mosaik des Grauens und lassen uns umso spürbarer den Schrecken des Krieges empfinden.

Diese Signale reichen durch die Zeit und Kempowski ist mehr als nur ein kollektives Tagebuch gelungen. Er hat ein Echolot geschaffen, das die Jahrhunderte überdauern wird und in seiner Einzigartigkeit Täter und Opfer gleichermaßen zu Wort kommen lässt. Wir müssen nur lauschen – wir müssen uns nur ein wenig zurücklehnen und warten – die Signale von einst erreichen uns und wir stehen in der Verantwortung, sie nicht ungehört verhallen zu lassen.

Das Lesen dieser Tagebucheinträge macht nachdenklich und die Wirkung bleibt nicht aus. Das darf sich nicht wiederholen – dieser Satz steht über allem. Und dieses Echo habe ich für mich persönlich aufgenommen und einzelne Textstellen gesammelt, weiter recherchiert und meine Gedanken und Bilder in ein kleines ledergebundenes Notizbuch eingetragen.

Die Lehren von einst und Hoffnungen von heute

Die Lehren von einst und Hoffnungen von heute

Die Lehren aus der Vergangenheit haben Bestand und der Vergleich mit unserem Leben sorgt dafür, dass sich bestimmte Botschaften und Rufe für immer verfestigen.

Ich wollte mir diese Unterschiede bewusst machen. Ich wollte bewusste Vergleiche ziehen, um mir selbst zu verdeutlichen, dass wir täglich ein Signal mehr verstanden haben, ohne zu vergessen, wer für die Reflektion verantwortlich war.

Ein Beispiel mag das verdeutlichen. Diese Tagebucheinträge befinden sich im kleinen braunen Notizbuch:

Das Tagebuch der Tanya Sawitschewa

Das Tagebuch der Tanya Sawitschewa

Tanya Sawitschewa war 11 Jahre alt, als sie begann im von der deutschen Wehrmacht belagerten Leningrad Tagebuch zu führen. 11 Jahre alt. Neun Seiten hat sie geschrieben – neun Seiten, die uns nichts anderes vermitteln als unsägliches Mitleid mit diesem Kind.

Shenja starb am 28.12. um 12 Uhr vormittags 1941.
Großmutter starb am 25. Januar, 3 Uhr nachmittags 1942.
Leka starb am 17.3. um 5 Uhr vormittags 1942.
Onkel Wasja starb am 13.4. um 2 Uhr nach Mitternacht 1942.
Onkel Ljosha am 10.5. um 4 Uhr nachmittags 1942.
Mama am 13.5. um 7.30 vormittags 1942.
Alle sind gestorben.
Nur Tanya ist übrig geblieben.

Tanya starb am 1.7.1944 in Krasni Bor an Erschöpfung. Ihr Tagebuch ist ein in Stein gemeißeltes Mahnmal und ein ewig schallender Ruf in unsere Zeit, Kindern ein anderes Leben zu ermöglichen.

Tanya nicht vergessen und bewusst anders leben

Tanya nicht vergessen und bewusst anders leben – Lena

In dem kleinen Buch für meine Tochter Lena ist eine ihrer eigenen Tagebuchseiten aus dem Jahr 2008 eingeklebt.  Einerseits, um niemals zu vergessen was jener kleinen Tanya damals passierte und andererseits um uns stets vor Augen zu halten, was das Leben heute bedeutet. Heute – keine 70 Jahre danach. Ich möchte lernen und nicht vergessen. Und dieses Wissen möchte ich weitergeben.

Jugendbücher von heute tragen diesen Ruf ebenfalls in die Welt. Romane mit realem Hintergrund wie Moya Simons „Ein Flüstern in der Nacht“ oder Jürgen Seidels „Blumen für den Führer“ oder auch andere Bücher, die uns in aller Tiefe erreicht haben. Lienekes Hefte oder der Überlebensbericht von Eva Mozes Kor. Über all diese Bücher schreiben wir beharrlich. Die Wurzel allen Schreibens reicht bei mir zurück bis zu jenem großen deutschen Autor Walter Kempowski, dessen Echo noch heute zu hören ist. Deutlich und klar. Man muss nur hören wollen.

Das sind wir unseren Kindern schuldig! Gegen das Vergessen – Eine Sammlung.

Bücher im Dialog - Echolot und Lenas Tagebuch... hier zum Artikel

Bücher im Dialog – Echolot und Lenas Tagebuch… hier gehts zum Artikel

Spiegelkind trifft Peggy Steike

Wort trifft Bild und wird zum Sinnbild für Spiegelkind

Eine Malerin – Ein Buch – Eine Autorin – Eine magische Begegnung

Kaum haben wir das Jahr 1913 und damit den magischen Sommer des Jahrhunderts verlassen so werden wir auch schon von einer Dimension des Buches eingeholt. Florian Illies hatte uns die Tür zu bedeutenden Malern des beginnenden 20. Jahrhunderts geöffnet und vieles über ihre Beweggründe und Ziel erzählt. Vielen dieser Malern – besonders jedoch den Vertretern der abstrakten Form dieser bildenden Kunst standen wir bis zu diesem Buch sehr skeptisch gegenüber. Dieses Bild hat sich gewandelt. Wir haben begonnen, zu verstehen.

Nun ist dies nicht unser erster Kontakt zur Malerei. Bei unserem Schreiben Gegen das Vergessen von Holocaust und Genozid sind wir der „Politischen Malerin“ Peggy Steike begegnet, die mit ihren unvergleichlichen Bildern das gleiche Ziel verfolgt. Ein gemeinsamer Artikel in Wort und Bild entstand auf diesem Wege:

Peggy Steike - Malerin gegen das Vergessen

Peggy Steike – Malerin gegen das Vergessen

Peggy Steike – Malerin gegen das Vergessen

„Ihre Bilder sind Schreie, die jede Zeit überdauern – Schreie der Einzelnen, die einst im Kollektiv der hilflosen Masse in den sicheren Tod gehen mussten – Kindliche Schreie der Einsamkeit nach der gewaltsamen Trennung von Vater und Mutter – Schreie des Schweigens im Angesicht der menschenverachtenden Macht… 

„Peggy Steike rüttelt an uns… sie greift mit ihren Bildern auf unsere tiefsten Gefühle zu…“ 

Bei einem Besuch in ihrem Atelier wurde aber schnell klar, dass dies nur eine Dimension ihres Schaffens ist. Neben den Bildern verfolgter und gedemütigter Menschen erschafft sie Portraits ihrer Tochter, Gemälde von Tieren und Landschaften und viele weitere bildliche Impressionen – sie weisen den Weg zu einer Künstlerin, die ihr Herz in vielschichtiger Form in die Hand zu nehmen vermag, um Emotionen auszudrücken oder sich einfach selbst ein Bild vom Leben zu machen.

Als wir dann in aller Tiefe Alina Bronskys Jugendbuch Spiegelkind lasen, mussten wir an vielen Stellen an Peggy Steike denken, da die Botschaft dieses Romans eine tragfähige Brücke aus dem Bereich der Fantasy in unser reales Leben schlägt. Was passiert, wenn man einer Tochter sagt, dass ihre Mutter verbotenes getan hat? Was passiert, wenn die Mutter unversehens von der Bildfläche verschwindet und was passiert, wenn man der Tochter die letzten Lebensbeweise der Mutter nimmt? Würde nicht jedes Mädchen zur Furie werden und die Fackel des Protests durch ihr Leben tragen?

So ist es im Roman Spiegelkind. Julis Mutter verschwindet plötzlich, doch nur Juli selbst nimmt Anstoß daran. Die einzige Erinnerung sind ihre Bilder. Julis Mutter war eine begeisterte Malerin und in jedem Zimmer des Hauses finden sich ihre Werke. Auch in Julis Zimmer steht eines dieser besonderen Bilder. Es zeigt ein Haus in einem Wald – malerisch, verträumt und beruhigend. Jeder Blick auf das Bild ist eine Flucht aus dem Alltag und regt die Fantasie zum Träumen an. Manchmal scheint sich ein Detail auf dem Bild zu verändern und man könnte denken, den Wind oder Stimmen zu hören. Einbildung – aber eben eine schöne Einbildung für das junge Mädchen.

Und diese Bilder werden nun im ganzen Haus durch Spiegel ersetzt. Das ganz normale Leben wird zu einem immer kleiner werdenden Gefängnis. Das normale Spiegelbild ersetzt die Fantasie…. Und Juli begreift immer mehr: Die Werke ihrer Mutter gelten als „verbotene Kunst“. Sie sind zu vernichten und ihre Mutter wird als gefährlich eingestuft. Nur weil sie anders ist – nur weil sie eine „Phee“ ist. Juli beginnt für ihre Mutter und letztlich auch für sich zu kämpfen.

Ein Bild verbindet Bücher

Ein Bild verbindet Bücher

Sieht man die Gemeinsamkeiten nicht auf einen Blick? Fallen dem Leser da nicht alle Schuppen aus den geneigten Augen? Auch Peggy Steike ist Mutter (und welch Zufall – ihre Tochter trägt den gleichen Vornamen, wie die Autorin von Spiegelkind) und in den meisten Zeitfenstern des vergangenen Jahrhunderts wären ihre Bilder definitiv verboten gewesen – entartet – politisch gefährlich – und damit wäre auch sie selbst vom herrschenden  System beiseite gefegt worden.

Und heute? Ist nicht das Malen gegen „RECHTS“ gefährlich? Ist nicht jedes Ausstellen ihrer Kunstwerke riskant und gleichsam mutig? Und was würde Alina tun, wenn man ihr erklärte, dass die Werke der Mutter vernichtet werden müssten? Was wohl?

Stellung beziehen ist immer mit Mut verbunden

Stellung beziehen ist immer mit Mut verbunden

Spiegelkind ist ein absolut großes Jugendbuch mit einer unfassbar intensiven Botschaft. Uns haben die Bilder bewegt – uns hat der Vergleich bewegt und wir konnten keinen anderen Weg gehen, als Peggy Steike und Spiegelkind zusammenzubringen.

Nicht zum ersten Mal haben wir Kreise geschlossen, die es vorher gar nicht gab. Nicht zum ersten Mal beobachten wir nun Dinge, auf die wir in gewisser Weise mehr als stolz sind. Peggy Steike und Alina Bronsky stehen miteinander in Kontakt und nicht nur das. Peggy Steike würde wohl kein Buch rezensieren – sie würde wohl keinen Artikel schreiben (obwohl sie dies natürlich könnte) – aber sie hat eine andere Art auszudrücken, wie sehr ihr „Spiegelkind“ gefallen hat und was der Roman in ihr ausgelöst hat.

Die Hütte im Wald - Peggy Steike - Inspiriert durch Alina Bronsky - Spiegelkind

Die Hütte im Wald von Peggy Steike – Inspiriert durch Alina Bronsky

Sie hat die Hütte auf dem Bild in Julis Zimmer gemalt. Und zwar in einer solchen Art und Weise, dass jedem Leser Hören und Sehen vergehen muss vor lauter Freude. Es ist die Hütte – mit dem Geschirrtuch und dem Futternapf für die Katze – die Hütte, die sich immer ein wenig verändert, wenn man sich die Mühe macht, genau hinzuschauen…..

Könnt ihr es sehen? Alina Bronsky schrieb auf Facebook zu diesem Bild: „Peggy Steike hat mir in den Kopf geschaut“. Alina hat diesen Blick durch ihr großes Buch zugelassen und Peggy Steike hat wohl die emotionalste Rezension des Jahres gemalt.

Gemeinsam gehen wir den Weg auch in die Fortsetzung und freuen uns auf „Spiegelriss“. Und was ist mit dem Bild, werdet ihr fragen. Es ist auf dem Weg zur Autorin. Peggy hat es sorgsam verpackt und die blühende Pflanze dorthin geschickt, wo der Samen des ersten Gedankens gesät wurde. Zu Alina Bronsky. Diese Geschichte musste erzählt werden… Wahrhaftig…

Ein Bild geht auf Reisen

Ein Bild geht auf Reisen

Was kann ein Jugendbuch mehr bewirken in unserer Zeit, als eine Botschaft so laut durch den Blätterwald zu rufen? Was bitte kann Malerei mehr bewirken, als einen solchen Ruf der Zeit zu reflektieren? Wort und Bild im Schulterschluss. Wir danken fürs Lesen….

Und sofort nach Veröffentlichung des zweiten Teils „Spiegelriss“ erschien auch schon unsere Buchvorstellung:

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Die Reise in ein besonderes Jahr

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts - Reiseandenken

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Reiseandenken

„Wenn Jemand eine Reise thut,
So kann er was verzählen;
Drum nahm ich meinen Stock und Hut
Und thät das Reisen wählen.“

(Matthias Claudius)

1913 spacer u

Auch Literatwo hat sich dem Reisen verschrieben – zumindest einer ganz besonderen Form der gedanklichen Fernreise. Hand in Hand mit Schriftstellern aller Genres reisen wir in und durch die Zeit, erkunden Epochen der Weltgeschichte, Gegenwart oder Zukunft und versuchen unsere Gedanken bei diesen Ausflügen mit Impressionen und Bildern anzureichern. Von jeder dieser Reisen kehren wir ein wenig verändert zurück. Jedes Mal mit Gedanken im Gepäck, die wir zu Beginn der Reise gar nicht eingepackt hatten. Bereichert.

Das war auch unser Ziel, als wir uns entschlossen, genau 100 Jahre zurück in die Vergangenheit zu reisen. Florian Illies hatte uns verheißungsvoll in das Jahr „1913“ und damit in seinen „Sommer des Jahrhunderts“ eingeladen. Was er damit meinte, war uns schon klar, als wir unsere Vorbereitungen trafen – es war wohl das letzte jungfräuliche Jahr des 20. Jahrhunderts.

Ein Jahr an der Schwelle zum Ersten Weltkrieg und damit wohl der letzte wärmende Sonnenstrahl auf dem Leben der Menschen, die dieses Zeitalter erleben durften… oder mussten…

Der Sommer des Jahrhunderts - Literatwo ist tief im Jahr 1912+1

Der Sommer des Jahrhunderts – tief im Jahr 1912+1

Wir wollten dabei sein – wir wollten das Gefühl aufsaugen und die Stimmung atmen. Wir wollten Teil der Aufbruchsstimmung werden, die am Ende dieses magischen Jahres 1913 mit einem kollektiven Bremsmanöver an die Wand der Weltgeschichte gefahren wurde. Unsere Truhe war sehr schnell gepackt. Zeitgenössische Bekleidung und ausreichend viele Schreibutensilien sollten uns begleiten. Wie sollten wir auch sonst von dieser besonderen Zeitreise Zeugnis ablegen?

Wir wollten schreiben – Postkarten an unsere Leser sollten ein Jahrhundert überbrücken und später auch uns dabei helfen, die vielen Erinnerungen chronologisch zu archivieren.

Wir sind noch unterwegs und verweilen nur kurz in unserem kleinen Arbeitszimmer und bestaunen die Ansichtskarten, die auf unserem Sekretär liegen. Nicht nur sie haben ihren Weg zu uns gefunden. Auch Fotos, Karten und Kunstdrucke aus dieser längst vergangenen Zeit zeugen von unseren Erlebnissen. Wir träumen schon jetzt davon, eines Tages ganz gemütlich vor dem Kamin zu sitzen und uns darüber zu unterhalten, wen wir wo und wann kennenlernen durften.

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts - Blaue Pferde, blaue Reiter

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Blaue Pferde, blaue Reiter

Florian Illies hat uns nicht zu viel versprochen. Er ist ein genialer Reiseleiter, weiß von jeder prominenten Persönlichkeit Faktisches und Anekdotisches zu berichten – und von Menschen, die erst in späteren Jahren zur Prominenz gelangen weiß er manchmal Dinge, die sich uns bis zum heutigen Tage gänzlich entzogen haben. Wir werden von Kapitel zu Kapitel reicher – von Monat zu Monat hellsichtiger und am Ende jenes Jahres werden wir wohl vieles verstanden haben, was sich uns bisher niemals so gezeigt hat, wie auf dieser Reise.

Wir begegnen Menschen, die uns viel bedeuten. Gustav Klimt, Ernst Jünger und Thomas Mann laden uns freundlich ein und wir erfahren von ihren Ängsten, Neigungen und Leidenschaften. Deshalb haben wir es auch nicht gewagt, uns von Klimt porträtieren zu lassen (das alte Ferkel)! Wir liegen unversehens auf der Couch von Siegmund Freud und ahnen langsam, wer von uns den größeren Knall hat. Wir werden Zeuge von der Abreise Albert Schweitzers nach Afrika und hören das magische Wort Lambarene die Runde machen.

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts - Begegnung mit Gustav Klimt

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Begegnung mit Gustav Klimt

Wir beginnen zu verstehen, warum es schon damals mehr als schwierig war, mit Franz Kafka zurechtzukommen und machen uns täglich Sorgen um den Gemüts- und Gesundheitszustand von Rainer Maria Rilke. Und wir sehen in der Ferne des Horizonts aus Serbien eine Kriegsgefahr auftauchen, die wohl niemand so richtig ernst nehmen möchte.

Und schließlich treten wir in einen Kreis von Menschen ein, die uns bisher nicht viel gesagt haben. Teils durch Unverständnis, teils durch Ignoranz und teils durch Vorurteile hatten wir diese Tür bisher beharrlich verschlossen. Die Maler der Moderne hatten unsere Sinne niemals so richtig erreicht. Florian Illies gelingt als Reiseleiter, was noch niemandem gelungen ist. Picasso, Kandinsky, Duchamps und Franz Marc lassen uns ein und beginnen ihre Sicht der Welt zu erklären. Sie zeigen uns ihre Werke und gewähren einen tiefen Blick hinter die Staffelei eines Lebens in der wohl bewegtesten Zeit für einen bildenden Künstler.

Sie zähmen ihre blauen Pferde für uns, machen uns zu ihren blauen Reitern und lassen uns verstehen, warum sie die Welt einerseits erschüttern wollten und warum es an der Zeit war, dies zu tun. Und letztlich macht Illies uns zu Zeugen der kleinsten Banalitäten des Jahres 1913. Der erste Looping eines Piloten; verwunschene Fotografien eines britischen Colonels, der seine Tochter in zeitlos schönen Bildern am Strand für die Ewigkeit festhielt und schließlich werden wir gar Zeuge des wirtschaftlichen Aufschwungs eines kleinen Hutladens – er gehört einer gewissen Coco Chanel.

Nur das Bild anklicken und die verwunschenen Bilder öffnen sich...

Nur das Bild anklicken und die verwunschenen Bilder öffnen sich…

Wir sind noch auf Reisen. Wir sind eigentlich noch tief im Buch gefangen, aber diese ersten Aufzeichnungen aus unserem kleinen Reise-Tagebuch mussten zu Papier gebracht werden. Zu facettenreich sind unsere Erlebnisse und zu groß die zu verarbeitenden Eindrücke, die hinter uns liegen und uns wohl auch noch erwarten. Wir schreiben Ansichtskarten… ihr wisst schon, warum!

Kommt ihr nach? „1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“ – Florian Illies (Fischer Verlag)

Mit nur einem kleinen Klick zu weiteren Ansichtskarten...

Mit nur einem kleinen Klick zu Else Lasker Schüler…

Franz Marc hat uns zu „Blauen Reitern“ gemacht und Florian Illies war hierbei mehr als ein Steigbügelhalter. Uns haben diese Gedanken nachhaltig beschäftigt und der Höhepunkt in der Auseinandersetzung mit diesem grandiosen Buch war unser Besuch im Münchner Lenbachhaus. Wir begegneten dem „Blauen Pferd“ und hatten ein Buch dabei… Welches wohl… 😉

Ein Klick genügt... mit Literatwo zum Blauen Pferd

Ein Klick genügt… mit Literatwo zum Blauen Pferd

Und abschließend zu einer bewegenden letzten Begegnung mit Franz Marc:

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc... Ein Klick reicht...

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc… Ein Klick reicht…

Er ist wieder da – Eine Chaplinesque von Timur Vermes

Er ist wieder da - Timur Vermes auf Chaplins Spuren

Er ist wieder da – Timur Vermes auf Chaplins Spuren

Wie weit darf Satire gehen in unseren Tagen? Wie weit darf man sich schreibend aus dem Fenster lehnen, ohne dabei im Blick zurück die Balance zu verlieren? Darf man sich über Menschen lustig machen, deren Lebensweg der größten Todesspur aller Zeiten gleicht und macht man sich damit nicht auch der Veralberung aller Opfer schuldig? Darf man über Adolf Hitler lachen? Ist das moralisch vertretbar?

Diese Fragen lassen mir keine Ruhe, seit ich den Roman „Er ist wieder da“ von Timur Vermes gelesen habe. In seiner satirischen Utopie taucht der echte Adolf Hitler unversehens in vollem Führer-Ornat im Berlin unserer Tage auf und wird angesichts seiner enormen Ähnlichkeit mit jenem Scheusal von einst zum wahren Medienereignis. Timur Vermes packt uns Deutsche genau dort, wo wir definitiv keinen Spaß verstehen: beim Humor!

Darf man unbefangen lachen – darf man sich von „Er ist wieder da“ unterhalten lassen und vor Lachen brüllend zusammenbrechen? Ich hatte große Probleme damit, mir all diese Fragen zu beantworten, bis ich vor wenigen Tagen wieder einmal zufällig auf Charles Chaplins ersten Tonfilm „Der große Diktator“ stieß.

Parallelen: Chaplins Filmplakate - Er ist wieder da Buchcover

Parallelen: Chaplins Filmplakate und „Er ist wieder da“ – Buchcover

Noch kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges beantwortete der legendäre Schauspieler und Komiker all meine Fragen mit einem deutlichen JA! Chaplin spielte Hitler in diesem Film an die Wand, er riss ihm alle Masken vom Gesicht – ja – es gelang ihm sogar, den „Führer“ lächerlich zu machen. Die absolut perfekte Persiflage des Diktators, die Thematisierung der gnadenlosen Judenverfolgung, die Darstellung des Lebens in einem Ghetto sollten Chaplins Methode sein, der Welt die Augen zu öffnen.

Und dies trotz erheblicher Widerstände. Die USA unterschätzten Adolf Hitler während die Idee zum Film in Chaplin unaufhaltsam wuchs. Man wollte es sich mit Deutschland nicht verscherzen und versagte dem großen Mimen jegliche finanzielle Unterstützung. Auf eigene Kosten begann Chaplin 1938 mit den Dreharbeiten und es entstand eine Vision dessen, was wenige Monate später blutige Realität werden sollte. Chaplin selbst wurde zur Zielscheibe des nationalsozialistischen Propaganda-Feldzugs und im unsäglichen Film Der ewige Jude wurde der Schauspieler diffamiert. Aus Solidarität mit den Opfern des NAZI-Regimes hat er diesen Anfeindungen aus Deutschland niemals widersprochen! Aber er kämpfte einen filmischen Kampf!

Charlie Chaplin spielt nicht nur mit den Symbolen der Diktatur, er spielt mit der Menschenverachtung eines solchen Systems und entlarvt die einfachen Mechanismen der Propaganda auf satirisch höchstem Niveau. Hitler der Lächerlichkeit preisgeben – das ist das einzige Ziel dieses Films und es gelingt in jeder Einstellung. Als das fertige Werk 1940 in die Kinos kommt ist die Welt der Alliierten bereit für diesen cineastischen Hammer. Hitler hat inzwischen selbst alle Masken fallen lassen und die Welt in einen monumentalen Krieg gestürzt – und zeitgleich vernichtet er Millionen von Juden. Und nicht nur diese.

Ein Meisterwerk - Der große Diktator von Charles Chaplin

Ein Meisterwerk – Der große Diktator von Charles Chaplin

Nach dem Krieg sagte Chaplin: „Wenn ich um die realen Zustände gewusst hätte, es wäre mir nicht möglich gewesen, mich in dieser Form darüber lustig zu machen!“ Aber er hat bewiesen, welchen Effekt ein solcher Film haben kann. Mehr als den besten Lacher hat ein totalitäres System nicht verdient… und in der Demaskierung liegt die Kunst eines solchen Werkes! Und Chaplin hat bewiesen, dass diese Satire eine scharfe Waffe ist!

Und nun ist er wieder da…. Im wahrsten Sinne des Wortes – im Berlin unserer Tage erwacht Adolf Hitler in einer kleinen Pfütze der Weltgeschichte, klagt über brummende Kopfschmerzen und bemängelt, dass sein Führer-Outfit nach Waschbenzin stinkt. Kein Selbstmord – keine Verbrennung – Er ist wieder da….

Aber warum nur? Welche Intention verbirgt sich hinter dem Debüt-Roman von Timur Vermes? Ist er der lang erwartete kongeniale literarische Neo-Chaplin der Gegenwart? Werfen wir einen genauen Blick in das Buch:

Timur Vermes - Er ist wieder da - Nur warum?

Timur Vermes – Er ist wieder da – Nur warum?

Da steht er also nun mitten in Berlin, kann sich an kaum etwas erinnern und wundert sich über die Aussicht, die sich ihm bietet. Berlin – unversehrt! Wie kann das nur sein? Hatte er nicht in seinen letzten Anweisungen unmissverständlich angeordnet, dass diese Stadt (vom ohnehin nicht mehr lebenswürdigen deutschen Volk) dem Erdboden gleich zu machen ist? Er hatte sich da klar ausgedrückt. Aber irgendwas musste schief gegangen sein.

Und Berlin scheint sich verändert zu haben – ebenso wie die Menschen der Stadt. Ein paar „Hitlerjungen“ in seiner Nähe verhalten sich seltsam respektlos. Nur gut, dass sie inzwischen wohl dazu übergegangen waren, ihre Namen auf die Hemden zu drucken – so wie jener Hitlerjunge Ronaldo, mit dem sich der Führer kurz unterhält. Alles hatte sich verändert. Im Zeitungskiosk liegen mehr türkische als nationale Tageszeitungen – war die viel beschworene Achse Ankara Berlin doch noch erfolgreich gewesen und hatte sich das Blatt gewendet?

Erst der genaue Blick auf das Erscheinungsjahr der Ausgaben lässt das Führerhirn das Ausmaß der Katastrophe ermessen. 2012. Er ist in der Zukunft angekommen und dieses Berlin hatte nichts mehr mit seinem Berlin gemeinsam. Aber Adolf Hitler wäre nicht der ehemalige große Führer, wenn er nicht in der Lage wäre, mit diesen Widrigkeiten zurechtzukommen. Vorsehung – es musste wieder einmal die Vorsehung sein, die ihn herausforderte – und er würde diese Aufgabe der Fügung wie gewohnt selbstlos und konsequent annehmen.

Timur Vermes schreibt und Adolf wundert sich...

Timur Vermes schreibt und Adolf wundert sich…

Es dauert nicht lange und die Menschen der Stadt werden auf den seltsamen Mann aufmerksam. Er sieht aus wie… er spricht wie… und er sagt genau das, was er schon vor Jahren gesagt hat…! Unmöglich! Schnell mutiert der „gebeamte“ Führer zur Medienikone und schwimmt auf der Unterhaltungswelle. Man könnte herrlich über ihn lachen, wenn er nicht so unheimlich authentisch wäre.

Deutschland scheint „reif“ für dieses Führer-Revival – zumindest medial – und zumindest erstmal als erfrischender Verschnitt von Switch Reloaded oder Stromberg. Aber dann wird es ernst, denn Adolf beginnt das Spiel mit den Medien auf die Spitze zu treiben.

Timur Vermes schafft es, wie einst Charles Chaplin, die wohl makaberste Figur der deutschen Geschichte auch in der Jetztzeit der Lächerlichkeit preiszugeben – jedes Wort des Führers ist in Gift getaucht und verätzt die propagandistischen Aussagen des Monsters. Vermes` Ziel wird, so könnte man auf den ersten Blick meinen, in Perfektion erreicht.

Timur Vermes - Worte wie Giftspritzen ins Herz eines Diktators

Timur Vermes – Worte wie Giftspritzen ins Herz eines Diktators

Aber sind nicht WIR sein eigentliches Ziel? Ertappen wir uns nicht selbst dabei, wie wir beim herzhaften Lachen über die Situationskomik plötzlich einem Mann zustimmen, den wir eben noch verachtet haben. Blicken wir nicht in den Spiegel einer Gesellschaft, die immer noch anfällig für demagogische Aussagen ist und die allzu gerne und weiterhin auf der Suche nach Sündenböcken durchs eigene Land streift?

Vermes gelingt Großes. Die Tiefenanalyse des deutschen Humors zum Beispiel ist geradezu legendär. Und doch begibt er sich auf eine grenzenlose Gratwanderung, wenn er seinem Protagonisten Sätze in den Mund legt, die an purer Abscheulichkeit nicht zu überbieten sind.

Ich wäre dankbar, es würde dieses Buch nicht geben. Dann hätte es sein originales Vorbild nicht gegeben und es würde auch kein Grund dazu bestehen, uns satirisch aufzuwecken. Das Ende bleibt offen – zumindest im Buch und es ist zu befürchten, dass Vermes noch einen Köcher voller Giftpfeile hat, die er uns um die Ohren schießen möchte. Wir haben es nicht anders verdient – so scheint es zumindest.

Und wehe dem deutschen Lachmuskel, wenn der Führer erst Hand an den Berliner Flughafen legt… 😉

Mit dieser Rede adelte sich Charles Chaplin selbst...

Mit dieser Rede adelte sich Charles Chaplin selbst…

Gewähren wir doch am Ende dieses Artikels dem großen Schauspieler Sir Charles Chaplin das Schlusswort. Im Angesicht des Kriegsbeginns 1939 schrieb er das Ende seines Meisterwerks um. Er entschied sich dazu, selbst zu den Menschen zu sprechen – sich nicht mehr hinter einer Rolle zu verstecken. Demaskiert und pur…! Dieser emotionale Aufruf zur Menschlichkeit gehört zu den Meilensteinen der Filmgeschichte:

Update vom 25. Oktober 2015

Kaum ein Buch hat in den letzten Jahren so sehr polarisiert. „Er ist wieder da“ von Timur Vermes – Eichborn Verlag – utopisierte die Rückkehr Adolf Hitlers in unsere Zeit, und beschrieb seinen Aufstieg in einem Biotop aus latentem Patriotismus und tiefer Sehnsucht nach dem starken Mann in unserer Gesellschaft.

Es wurde viel darüber diskutiert, ob die Zeit reif ist, über Hitler zu lachen und ich habe in diesem Artikel „Eine Chaplinesque“ dazu Stellung genommen. Mein Vergleich Vermes – Chaplin ist für mich auch heute noch tragfähig:

Nun wurde der Roman verfilmt und natürlich wurden auch die Dreharbeiten von den gleichen Fragen begleitet? Geht das? Wie kommt das an? Ist der Stoff zeitgemäß? Darf man das?

Was dann geschah ist Realsatire pur. Man entschloss sich, den Film um Szenen zu erweitern, die nie geplant waren. Man ließ den Schauspieler im Hitler-Outfit ins reale Leben eintauchen und konfrontierte die Menschen auf der Straße mit dieser skurilen Figur.

Aus dieser Sitcom wurde der wahre Augenöffner, der dem Roman eine neue und tragische Daseinsberechtigung verleiht. Die Reaktionen, die man mit versteckter Kamera aufnahm waren so dramatisch, dass man nicht mehr von latentem Nazitum reden kann. Der Hitlergruß war noch das geringste Übel, das hier zu beobachten war. Die Reaktionen „normaler“ Bürger waren mehr als erschreckend „rechts“…

Hier greift der Film. Hier spiegelt sich unsere Gesellschaft. Hier finden sich Tendenzen, die dafür sorgen, dass im Kino nicht mehr gelacht, sondern gedacht wird. Das ganz große Schweigen…

Die erweiterte Studienausgabe - Er ist wieder da

Die erweiterte Studienausgabe – Er ist wieder da

DieErweiterte Studienausgabe – Er ist wieder da, auch bei Eichborn erschienen, beinhaltet den Roman und Hintergründe zur Verfilmung, Fotos zum Film und interessante Beiträge, wie „Zwischen Sitcom und Erschütterung“, „Warum <Er ist wieder da> in Israel erscheint und weitere Adaptionen des Romanstoffs, über die wild diskutiert wird.

Lesenswert – nachdenkenswert – erzählenswert… Das Buch erscheint wohl nicht zufällig in trauerndem Schwarz…

Vielleicht weil der Film das Negativ unserer Gesellschaft ins Licht zerrt…

„Die Pestmagd“ von Brigitte Riebe – Der Schwarze Tod

Brigitte Reibe - Multitlent - History und Fantasy

Brigitte Reibe – Multitlent – History und Fantasy

Gute Historische Romane öffnen Fenster in die Vergangenheit. Sie ermöglichen auf der Grundlage gesicherter geschichtlicher Fakten den Blick auf Epochen, deren Verständnis für unsere Gegenwart von größter Bedeutung ist. Über die bildungsorientierte Geschichtsschreibung hinaus vermittelt ein solcher Roman eine emotionale Ebene, die den Leser dazu verführt, sich mehr als intensiv in eine bestimmte Zeit fallen zu lassen.

Wir lehnen uns sehr gerne weit aus einem solchen historischen Zeitfenster hinaus, beobachten dabei Menschen, die unsere Vorfahren hätten sein können und versuchen zu verstehen, in welchen Lebensumständen sie den unfassbaren Herausforderungen ihrer Zeit zu trotzen versuchten.

Richtig greifbar wird ein historischer Roman, wenn wir fühlen, dass wir dem Schöpfer eines solchen Werkes in jeglicher Hinsicht vertrauen können. Historische Fakten gepaart mit fundierter Fiktion – in dieser Mischung liegt für uns die Faszination dieses Genres verborgen. Wir lassen uns gerne an die Hand nehmen, durch das Stadttor einer spätmittelalterlichen Stadt führen um uns dann unvermittelt inmitten einer faszinierenden Geschichte wiederzufinden.

die pestmagd brigitte riebe spacer

Brigitte Riebe vertrauen wir blind – und dies aus gutem Grund. Nicht zum ersten Mal folgen wir der fabulierenden Historikerin aus München in einen ihrer Romane. Unwiderstehlich sind die Weltenbilder, die sie mit ihren Worten gestaltet und einzigartig tief angelegt sind die Protagonisten, denen wir atemlos folgen dürfen. Und wenn Brigitte diesmal verführerisch mit den Schlüsseln des Stadttores von Köln winkt und uns das Wort Pestmagd zuruft, dann müssen wir einfach los. Auch wenn es gefährlich wird… diese Reise ins 16. Jahrhundert ist ein Muss!

Das Köln des Jahres 1540 gleicht einem Schmelztiegel des Spät-Mittelalters. Aufstrebender Handel, Religionswandel, Aberglaube und der nackte Kampf ums tägliche Überleben kennzeichnen die Lebensbedingungen der einfachen Bürger. Für eine von ihnen braut dieser Schmelztiegel jedoch einen tödlichen Sud aus den unterschiedlichsten Bestandteilen ihres bisherigen Lebens zusammen.

Johanna Arnheim steht apokalyptischen Reitern gegenüber, die allesamt ihren Namen zu tragen scheinen. Ein Schicksalsschlag allein scheint nicht auszureichen in diesen Tagen. Kurz nach dem Tod ihres Mannes sieht sie sich mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, denn es tauchen Menschen in der Stadt auf, die sie niemals wiedersehen wollte. Eine Wunderheilerin, die sie mit ihrem bisherigen Leben erpresst; die einstige große Liebe ihres Lebens – jener aufstrebende Medicus, der sie damals so schmählich sitzen ließ und zu allem Überfluss ein junger Mann, der ihr nach dem Leben trachtet – sie alle sind in der Stadt. Und dies genau jetzt – im falschesten Moment der nur denkbar wäre.

Denn nun versucht auch noch der Bruder ihres verstorbenen Mannes ihr den Hof zu machen. Er hat ein begehrliches Auge auf das stattliche Haus der Witwe geworfen und kann die Abfuhr kaum verkraften, die er von Johanna erhält. Für ihn gibt es nur eine Möglichkeit, an das begehrte Anwesen zu kommen. Er muss Johanna anschwärzen und ihr unterstellen, eine Mörderin zu sein. Habgier öffnet Tür und Tor für diesen aberwitzigen Vorwurf und in Zeiten wie diesen ist es für eine Frau schwierig, solche Anfeindungen zu entkräften.

Johanna wird des Gattenmordes angeklagt und findet sich unversehens in den Folterkammern des Erzbischofs von Köln wieder. Man wartet eigentlich stündlich auf ihr Geständnis – es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Ihre Welt ist dem Untergang geweiht. Doch während man Johanna immer mehr in die Enge treibt, sieht sich die Stadt Köln selbst am Rande einer Katastrophe stehen. Erste verdächtige Todesfälle in der Stadt konnten vom Klerus noch vertuscht werden, aber nun macht das Wort „Pest“ die Runde.

Die Todesfälle häufen sich rasant und jeder ist sich selbst der Nächste. Aberglaube, Scharlatanerie und Gotteszweifel brechen sich ihre Bahn. Nur der neue Leibarzt des Erzbischofs bewahrt einen kühlen Kopf. Vincent de Vries hat dies alles schon einmal erlebt. Er hat zwar kein Mittel gegen die heimtückische Pest, aber er weiß aus seiner Erfahrung als Medicus, wie er ihr begegnen kann. Er handelt schnell und umsichtig. Und er handelt überraschend.

Kann er das Schicksal einer ganzen Stadt retten und findet er ein Mittel, sogar die Frau zu retten, die er vor langer Zeit verloren hat? Johanna Arnheim und er waren einst ein glückliches Paar, bis Missverständnisse und die tödliche Pest ihre Wege für immer trennte. Nur er kennt ihr Geheimnis und wirft alles in die Waagschale, um sie aus dem Kerker zu befreien.

Er schlägt dem Erzbischof ein Gottesurteil für die mutmaßliche Gattenmörderin vor. Als Pestmagd solle sie im Pesthaus arbeiten und so ihre Unschuld beweisen. Einst hatte Johanna alles an diese Seuche verloren und nun spült das Schicksal ihr vergangenes Leben mit einem Schlag zurück zu ihr. Wird sie diesmal der Pest das Glück ihres Lebens abringen können?

Brigitte Riebe brilliert in ihrem neuesten Historischen Roman Die Pestmagd. Ihre erzählerische Begabung fußt auf dem Fundament einer promovierten Historikerin. Die Art und Weise, wie sie über Menschen und Zusammenhänge schreibt, basiert auf ihrer unerschöpflichen Kreativität, scharfen Beobachtungsgabe und der tiefen Liebe zum Leben.

Wenn sie von Pest, Prostitution, Folter, Medizin, Hinrichtungen, Klerus, Adel und spätmittelalterlicher Gesellschaft schreibt, dann blättert man in einem lebendigen Folianten. Nicht zu widerlegen und stichhaltig in der Argumentation kann man sich dieser facettenreichen Handlungslinie nicht entziehen. Lebendige Geschichte ohne einen Hauch von Staub.

Wenn sie von Liebe, Leidenschaft, Hass, Neid, Habgier, Leid und Großmut schreibt, dann folgt man ihr in die tiefsten Tiefen menschlicher Charaktere, kann sich mit ihren Romanfiguren identifizieren. Kann mit ihnen leiden, lachen, weinen, brüllen und hassen. Brigitte Riebe macht ihre Erzählungen fühlbar und selbst der abgebrühteste Leser wird sich dabei ertappen, während des Lesens der „Pestmagd“ nach verdächtigen Symptomen der Seuche Ausschau zu halten.

Weitere bedeutende Themen finden sich in ihrem Roman wieder: Altersdemenz, aufziehender Protestantismus in Deutschland und Juden, die stets als Sündenböcke für mittelalterliche Seuchen herhalten mussten. Und über allem steht das fragile Frauenbild der damaligen Zeit. (Und natürlich findet auch eine legendäre kleine Katze ihren heimeligen Platz im Roman). Brigitte Riebe reflektiert das 21. Jahrhundert durch die geschickte Webart ihres historischen Wandteppichs. Sie erzählt mehr, als man auf Anhieb sieht!

„Die Pestmagd“ ist für uns ganz persönlich ihr bedeutendster und bester Historischer Roman – vergleichbar nur mit dem „Medicus“ von Noah Gordon. Wir hätten noch tagelang weiterlesen können. Wir wären Johanna Arnheim gerne weiter gefolgt. Aber wir wissen, dass wir Brigitte Riebe weiter folgen können. Auf historischen und auch fantastischen Wegen. Was diese erzählende Historikerin im Bereich Fantastik zu bieten hat, darüber schrieben wir anlässlich der Buchvorstellung von Feuer und Glas – Der Pakt.

Brigitte Reibe - Multitlent - History und Fantasy

Brigitte Riebe – Das Multitalent – History und Fantasy