Lenas Tagebuch… 1941/42 – Leben im belagerten Leningrad

Lenas Tagebuch - Lena Muchina im belagerten Leningrad

Lenas Tagebuch – Lena Muchina im belagerten Leningrad

22. April 1942

„Ich bin ja systematisch unterernährt, es ist jeden Tag zu wenig, was für eine Quälerei. Herrgott…

Mein lieber unschätzbarer Freund, mein Tagebuch. Niemanden habe ich außer dir, du bist mein einziger Ratgeber. Dir vertraue ich alle meine Leiden, Sorgen und Nöte an. Und von dir erbitte ich nur eines:

Bewahre meine traurige Geschichte auf deinen Seiten gut auf, und später erzähl alles, wenn nötig meinen Verwandten, damit sie alles erfahren, natürlich nur, wenn sie dies wünschen.

Ich brauche Hilfe, um bis zum 1. Mai zu überleben. Aber dabei wird mir niemand helfen.“

Lena Muchina (17) im belagerten Leningrad…

Lenas Tagebuch - Erinnerungen, die nicht verblassen dürfen...

Lenas Tagebuch – Erinnerungen, die nicht verblassen dürfen…

Am 8. September 1941 hatte die Wehrmacht des Dritten Reichs eines der wichtigsten Kriegsziele erreicht. Deutsche Truppen hatten einen tödlichen Belagerungsring um die von drei Millionen Menschen bewohnte russische Stadt Leningrad gezogen und die Metropole von der Außenwelt abgeschlossen.

Es war eine Belagerung, wie sie die Weltgeschichte noch nie erlebt hatte. Nicht die Kapitulation Leningrads, nicht die Übernahme der Stadt durch die Wehrmacht waren das Ziel dieser Blockade. Das wollte die Armeeführung auf keinen Fall, denn für die Versorgung von mehreren Millionen Gefangenen hatte man keinerlei Ressourcen eingeplant. Der Blitzkrieg der Nazis bedeutete, dass sich die Armee aus dem eroberten Land selbst ernähren mussten. Nachschubwege waren durch die große Geschwindigkeit der vorrückenden Verbände nicht aufrecht zu halten.

Was also tun mit der Zivilbevölkerung einer Großstadt? Das perfide strategische Vorgehen kannte nur einen Begriff: Aushungern. Verhungern lassen – dies war das einzige Ziel dieser Belagerung. Hunger als Waffe – Hunger als Mittel zum Völkermord. Noch niemals zuvor hatte es dies in der Geschichte gegeben. Eine Kapitulation Leningrads hätte die Armeeführung nicht angenommen… russische „Untermenschen“ galt es zu vernichten. Die NAZI-Ideologie bediente sich eines grausamen Verbündeten: HUNGER…

Lenas Tagebuch - Völkermord

Lenas Tagebuch – Völkermord durch Hunger

872 Tage lang hielt die Wehrmacht den Hunger-Ring um Leningrad aufrecht und mehr als eine Million Bewohner starben an den Folgen von Unterernährung. Leningrad war nicht vorbereitet. In Leningrad hatte man keinerlei Vorsorge getroffen. Leningrad wurde vom Vorstoß der Deutschen ebenso überrascht, wie ganz Russland. Die Menschen in Leningrad wurden überrascht und von einem Tag auf den anderen waren sie das Ziel einer gnadenlosen Mordstrategie.

Die Schülerin Lena Muchina war 17 Jahre alt, als die Wehrmacht ihre Heimatstadt einkesselte. Lena Muchina, ein lebenslustiges Mädchen voller Energie und Tatendrang, das ihre Geheimnisse und Hoffnungen ihrem allerbesten Freund anvertraute: einem Tagebuch. Sie schreibt uneitel und frei heraus – sie schreibt über Freundschaften und das Leben in ihrer Schule – sie schreibt von Hoffnungen und Erwartungen und sie vertraut ihrem Tagebuch alle Gefühlslagen wie Sehnsucht nach Jungs und Träume für die Zukunft an. Ein normales Leben in einer normalen Stadt… bis zum September 1941.

Voller Vertrauen auf die Propaganda der eigenen Regierung sind zu Beginn der Belagerung ihre Sorgen um das eigene Leben und ihre Stadt relativ gering. Aber dieses Vertrauen bröckelt von Tag zu Tag, von Bombe zu Bombe und von Schuss zu Schuss. Von Zeile zu Zeile sehen wir, wie dramatisch sich das Leben in Leningrad verändert. Stundenlange Aufenthalte in Luftschutzkellern beginnen die Menschen zu zermürben und die ständige Angst vor dem Beschuss durch die deutschen Truppen hinterlässt deutliche Spuren in der Psyche der Bevölkerung.

Lenas Tagebuch - Rationen - Der Hunger wird zur Waffe

Lenas Tagebuch – Rationen – Der Hunger wird zur Waffe

Als dann klar wird, wie es um die Versorgungslage innerhalb der Stadt steht, beginnt ein unaufhörlicher Kampf um das tägliche Brot. Lena lebt nach dem Tod ihrer leiblichen Mutter mit ihrer Tante und Aka, einer Freundin der Familie, in einer kleinen Wohnung. Ihre Tante hat schon lange die Rolle der Mutter eingenommen und wird von Lena nur liebevoll „Mama Lena“ genannt. Die drei Frauen nehmen den harten Kampf um die Verteilung der Brotrationen gemeinsam auf. Es ist ein brutaler Kampf, bei dem man nie weiß, wie der morgige Tag aussehen wird.

150 Gramm Brot am Tag… ein wenig Tee… eine leere Suppe in der Schule… mehr sehen die täglichen Rationen nicht vor. Nicht mehr als 600 Kalorien pro Tag – und auch die nur, wenn man stark genug ist, sie irgendwo zu ergattern. Überlebenskampf gegen den Hunger. Lenas Zeilen lassen den Leser das Grauen nachempfinden. Schlaflose Hungernächte; hoffnungsloses Anstehen in endlos scheinenden Schlangen; Kampf gegen den inneren Schweinehund, wenn etwas Essbares aufgespart werden sollte und die zunehmende Lähmung, die von den Menschen Besitz ergreift.

Der Tod wird zum ständigen Begleiter und auch Lena Muchina ist bald alleine und nur noch auf sich gestellt. Ein 17jähriges Mädchen in einer Umgebung, die nichts anderes als ihren Tod zu planen scheint. Völlig entkräftet und schon fast am Rande der Verzweiflung öffnet sich für Lena die Tür zur Hoffnung. Nach dem ersten unvorstellbar kalten Blockadewinter, in dem alleine von Januar bis zum April 1942 mehr als 300000 Menschen starben (135 pro Stunde), winkt die Chance auf EvakuierungSie muss es nur schaffen, bis zum Mai… oder zum Juni… nur überleben muss sie – und das ist wohl das Schwerste überhaupt. Ganz alleine.

Lenas Tagebuch - Hungerfolgen

Lenas Tagebuch – Hungerfolgen in einer hungernden Stadt

Lenas Tagebuch(2013 erschienen im Graf Verlag, 384 Seiten, 18 Euro) ist eines der bedeutendsten Zeitdokumente, die uns noch heute dabei helfen können, eine Wiederholung der Geschichte mehr als aktiv zu verhindern. Es steht hiermit auf einer Stufe mit dem „Tagebuch der Anne Frank“ und der Vergleich ist historisch legitim, da auch Lena Muchina aufgrund ihrer Herkunft einem gezielten Völkermord unterzogen werden sollte. Der Blick in diese Tagebücher bringt uns die Opfer nah und aus ihrer Perspektive gilt es die Geschichte zu betrachten. Und zu lernen.

Ich habe Hunger empfunden beim Lesen jeder Zeile. Ich habe vom Wert einer Scheibe Brot gelesen und bin mitten in der Nacht aufgestanden, um nach Essbarem zu suchen. Ich habe ihre Hoffnungslosigkeit gespürt und auch ihre langsam wachsende Zuversicht, als die Evakuierung wie ein Lichtstreif am Horizont auftauchte. Ich habe gelernt sie zu verstehen, wenn sie in den Tiefen der psychischen Abgründe versank und Mitmenschen um ihr Brot beneidete und begann, heimlich zu essen.

All das habe ich verstanden und tief verinnerlicht.

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Ich habe parallel gelesen – in Walter Kempowskis Collage Echolot – Unternehmen Barbarossa. Dort finden sich Tagebucheinträge deutscher Soldaten, die Leningrad belagerten… Dort finden die Wehrmachtsbefehle und auch weitere bedrückende Zeilen aus dem Inneren der Stadt. Ich habe mich mit dem Tagebuch von Tanya Sawitschewa auseinandergesetzt. Sie starb in Leningrad. Ihre Zeilen sind unvergessen.

Lenas Tagebuch bildet in einer Menschenkette längst verstorbener Zeitzeugen eines der wichtigsten Glieder im Verständnis für die Folgen der Ideologie des Dritten Reichs. Jedes einzelne Glied dieser Kette macht die Verfasser unsterblich und trägt ihre Botschaften bis in unsere heutige Zeit. Eine unüberhörbare Botschaft über schreiende Ungerechtigkeit!

Wir sollten uns einreihen und diesen Opfern die Hand reichen – und niemals wieder loslassen! Gegen das Vergessen… Hier zu meiner Artikelsammlung.

Lenas Tagebuch im Dialog mit Kempowskis Echolot

Lenas Tagebuch im Dialog mit Kempowskis Echolot

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Für Akkie…

Für Akkie - Jacques Vriens - Ein bewegendes Jugendbuch

Für Akkie – Jacques Vriens – Ein bewegendes Jugendbuch (Fotos li. DFW)

Jacques Vriens hat lange gebraucht, um diese Geschichte zu Papier zu bringen. Sehr lange sogar. Sie ist Teil seines Lebens – sie ist eng mit seiner Vergangenheit als Grundschullehrer verbunden – er hat sie selbst erlebt und so war die zu große Nähe oftmals Grund genug, sich immer weiter vom Erzählen zu entfernen.

Für Akkie“… – Kein normaler Buchtitel, vielmehr eine Widmung. Liebevoll zugeeignet, könnte und müsste man sagen. Jacques Vriens hat über ein besonderes Mädchen geschrieben, das seine Schülerin war, er hat FÜR dieses Mädchen geschrieben – auf beeindruckende Art und Weise! Er fand einen Zugang zum Selbsterlebten… er veränderte Namen und kleine Details und begab sich in die Rolle eines Betrachters… und erst diese Distanz machte es möglich, „Für Akkie“ zu schreiben.

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Akkie ist ein lebenslustiges 12jähriges Mädchen. Sie fiebert mit ihren Klassenkameraden zusammen dem großen Schulausflug entgegen, spielt leidenschaftlich gerne Fußball und ist immer genau da zu finden, wo etwas los ist. Ein echter Wirbelwind. Von den Jungs ihrer Klasse wird sie zwar ein wenig bewundert, andererseits aber auch argwöhnisch beobachtet, da sie Fußball für einen reinen Männersport halten und es kaum verkraften können, dass ausgerechnet Akkie ihnen ebenbürtig ist.

Klassenlehrerin Ina ist in ihrer Rolle als Streitschlichterin mehr als gefordert. Das Jahresabschlussfest gilt es vorzubereiten, ein Fußballturnier gegen andere Schulen steht auf dem Programm und danach warten alle gespannt auf den großen Schritt aus der Grundschule heraus in weiterführende Schulen. Die Trennung der Klasse ist absehbar… aufregende Zeiten.

Was aber dann passiert, war nicht vorherzusehen. Ausgerechnet die quietschfidele Akkie klappt bei einem Fußballspiel zusammen. Ihr ist schwindlig und das nicht zum ersten Mal. Eine harmlose Untersuchung beim Arzt bringt eine erschreckende Wahrheit ans Licht. Leukämie und nicht nur für Akkie ändert diese Diagnose alles. Ihr normaler Alltag wird ersetzt durch die Fachbegriffe Onkologie und Chemotherapie, an regelmäßige Schulbesuche ist nicht zu denken und Fußball… undenkbar.

Für Akkie - Jacques Vriens - Leukämie

Für Akkie – Jacques Vriens – Leukämie (Fotos DFW)

Nicht nur Akkies Eltern taumeln im Strudel der Krankheit immer tiefer in den Abgrund der eigenen Hilflosigkeit, auch für Akkies sechste Klasse brechen Welten zusammen. Gedanken über den möglichen Tod machen die Runde und Klassenlehrerin Ina hat alle Hände voll zu tun, die Emotionen in vernünftige Bahnen zu lenken.

Und doch erkennt sie, welch außergewöhnliche Gemeinschaft da heranreift – nach innen oftmals aus kleinem Anlass völlig zerstritten, nun aber gegenüber dem neuen gemeinsamen Feind Leukämie reagiert die Klasse geschlossen wie eine eingespielte Einheit. Die Klassenfahrt und das Fußballturnier werden nicht abgehakt – kein Plan wird ohne Akkie gemacht und Solidarität und Sympathie bahnen sich eigene Wege. Aus kindlichen Gefühlen werden große Emotionen und aus anfänglicher Hilflosigkeit wird ein wahres Kraftwerk für Akkie…. Und in diesem Kampf entsteht das erste Gefühl einer Jugendliebe… zart und schüchtern… ganz pur!

Akkie hieß im wahren Leben Anke. Sie war drei Jahre lang Schülerin von Jacques Vriens – bevor sie an Leukämie starb. „Für Akkie“ ist gleichsam Ankes Geschichte, eine tiefe Erinnerung an sie, ein kleines Denkmal und der gelungene Versuch die dramatischen Vorgänge von damals in aller Emotionalität und Ernsthaftigkeit zu erzählen ohne das wichtigste zu unterschlagen: Die Lebenslust und die Fröhlichkeit eines jungen Mädchens, das sein Leben nicht leben durfte und doch so viel erlebte.

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„Für Akkie“ ist ein Buch ohne jeglichen Firlefanz – es erzählt von Tod und Verlust. Es zeigt, dass man Kinder und Jugendliche mit einem solchen Thema konfrontieren kann, solange man ihre Gefühle ernst nimmt. Und dies ist die große Leistung von Jacques Vriens. Er beschreibt Akkie in allen Gefühlslagen – lachend – weinend – zickig – schimpfend – fluchend und liebend. Er beschreibt die Krankheit in aller Härte und lässt dabei doch nicht zu, dass die Geschichte in eine rein sentimentale Ecke driftet.

Ich habe gelacht beim Lesen – ich habe über die lebendige Sprache, die Streiche und Gedanken der Kinder gelacht. Ich habe geweint beim Lesen – ich habe geweint, als Akkie in die Unausweichlichkeit abtauchte – ich habe aber auch vor Rührung geweint, wenn aus verbissenen Gegnern auf dem Fußballplatz nun wahre tiefe Freunde werden. Das Lachenweinen hat sich die Waage gehalten. Das Lachen war herzhaft – das Weinen hemmungslos…. Absolut…

Am Ende steht, dass Akkie / Anke nicht vergessen wird – unabhängig von Ansichten, Glauben und Religion, kann dieses Buch auch jungen Menschen verdeutlichen, wie man für sich selbst mit der Angst vor Verlust und Tod leben kann, welche Bilder und Vorstellungen helfen und woran man wirklich kaputtgehen kann. Dies ist kein Eltern- oder Kinderratgeber. Dies ist einfach nur eine Geschichte. Sie ist emotional und traurig – aber in ihr schwingen Lebensmut und –freude so sehr mit, dass man sich der Zuneigung gegenüber diesem Buch nicht entziehen kann.

Für Akkie - Jacques Vriens - Ein schwerer Weg

Für Akkie – Jacques Vriens – Ein schwerer Weg (Fotos DFW)

„Für Akkie“ wurde mit dem Preis der niederländischen Kinderjury ausgezeichnet, ist inzwischen verfilmt und findet immer mehr Leser. Sehr viele an Leukämie erkrankte Kinder können inzwischen geheilt werden – immer erfolgreicher werden die Therapieansätze und immer normaler wird auch der Umgang mit Patienten. Auf diesem Weg jedoch bleiben einige Opfer zurück… jenseits jeder Statistik einzelne Schicksale – Menschen mit eigenen Leben voller Lachen, Freude und Tränen.

„Ankes Eltern sind immer noch sehr glücklich über dieses Buch, und sie erkennen ihre Tochter nur allzu gut in der Geschichte wieder. Sie denken, dass es ein Denkmal für Anke und all die Kinder geworden ist, die den Kampf gegen die Leukämie verloren haben.“  Jacques Vriens

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Die besondere Ausstrahlung und Nachhaltigkeit dieses Jugendbuches haben wir Literatwos ein wenig zeitversetzt voneinander und dann eben doch gemeinsam erfahren dürfen. „Für Akki“ hat unseren Lebens-Leseplan ziemlich durcheinander gebracht und so ergab es sich, dass diese Rezension bereits verfasst war, als Bianca gerade in die Handlung einsteigen konnte.

In vielen gemeinsamen Gesprächen haben wir den Weg mit Akkie erneut zurückgelegt, haben gemeinsam gelacht und bitterlich geweint. In seiner Wirkung hat Jacques Vriens uns auf der gleichen emotionalen Ebene gepackt und gefesselt. Diese Erkenntnis war nicht überraschend für uns, aber sie ist umso nachhaltiger, da unsere Gefühle gegenüber „Akkie“ einen gemeinsamen Ton zum Klingen brachten, der sich zu einer immerwährenden Melodie entwickelte.

„Für Akkie“ – eine Gefühls- und Gedankensymphonie, die wirklich alle Wellen des Geistes zum Schwingen bringt. Eine traurige Melodie mit einem Schlussakkord in Moll… aber eben eine Melodie, die nur deshalb traurig sein kann, weil sie so intensiv von Lebenslust erzählt.

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Mein eigenes Erleben als Vater einer Tochter, die selbst keinen leichten Weg zu gehen hat, möchte ich nicht in die Waagschale dieser Rezension werfen. Dieses Buch habe ich versucht so zu lesen, wie es geschrieben wurde: FÜR AKKIE…. Und ich bin dankbar für jede Zeile… Ich werde auf den Wegen zwischen Krankenhaus und Fußballplatz oder Eisstadion oft an Akkie denken und mir bewusst machen, wie gut es uns geht!

Quellenangabe Fotos: Wie man am Trailer unschwer erkennen kann, ist „Für Akkie“ in Holland bereits in einer sehr einfühlsamen Adaption verfilmt worden.  Unter dem Titel „Achtste Groepers huilen niet“  (Achtklässler weinen nicht) hat auch der Film bisher für einiges Aufsehen gesorgt. Die im Artikel verwendeten Szenenfotos stammen aus der Dutch Film Works– Produktion (DFW).

Auf der Heyne Buchseite zu „Für Akkie“ findet sich ein Buchtrailer mit Szenen aus dem Film (mit deutschen Untertiteln).

Das Mädchen am Rande der Stadt – Im Reich der Mitte

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Auf der Buchmesse in Leipzig ist uns dieser buchige Schatz über den Weg gelaufen. Wir lesen nicht nur Bestseller, nicht nur Mainstream, wie ihr wisst, sondern sind immer auf der Suche nach echten Schätzen in den Weiten des Buchuniversums. Für euch und natürlich auch für uns.

Anna Xiulan Zeeck, die in China aufgewachsene Autorin des mehr als bewegenden Jugendbuchs Das Mädchen am Rande der Stadt, aus dem Hause Desina Verlag, konnten wir persönlich auf der Messe treffen. Das Cover mit dem chinesischen Mädchen stach uns immer wieder in die Augen und letztendlich haben wir danach greifen müssen. Es ist ein Blickfang, ein echter Hingucker und Anna Xiulan Zeeck erzählte uns kurz, was uns erwarten würde. Ein Stück aus ihrem Leben in China, ein Stück Erfahrung.

Wir freuten uns auf die Reise ins Reich der Mitte und trafen in einem kleinen Dorf, weit außerhalb der Stadt Peking, die 12 jährige Song Hanli. Das Mädchen, das 7 Jahre lang von ihren Großeltern betreut wurde, möchte nun endlich nach Peking zu ihren Eltern reisen. Diese sind Wanderarbeiter und Hanli konnte sie des Geldes wegen nicht oft treffen.

Gemeinsam mit ihrem Freund Wen Dong erreichte sie Peking, doch ihre Vorstellungen von der großen funkelnden Stadt  musste sie korrigieren. Ihre Eltern wohnen nicht in der Stadt Peking, sondern eher in einem Dorf in der funkelnden Stadt. Die Gegend ist von Armut gezeichnet und ihren Traum, ein städtisches Mädchen zu werden und eine gute Schule zu besuchen, scheint nicht in Erfüllung zu gehen.

Hanli erlebt den harten Arbeitsalltag ihrer Eltern und besucht derweil eine Schule in der nur Kinder von Wanderarbeitern unterrichtet werden. In dieser wird sie allerdings liebevoll aufgenommen und der Nachbarsjunge Tang Ming steht hinter ihr und passt auf sie auf. Für die richtige städtische gehobene Schule fehlt Hanli die Erlaubnisbescheinigung und selbst wenn sie diese Schule besuchen könnte, müsste sie nach der 9. Jahrgangsstufe in ihre Heimat zurück.

Dann kommt der Tag, der alles ändert. Bagger walzen die Schule der Wanderarbeiter-Kinder platt und zerstört den größten Wunsch der Kinder – etwas zu lernen, um die Armut zu überwinden. Und letztlich macht sich Hoffnungslosigkeit breit. Wäre da nicht Hanlis Vater, der alles für seine geliebte Tochter tun möchte. Wirklich alles…

Er schafft es tatsächlich, dass Hanli die normale Schule besuchen darf, doch seine Tochter ist unglücklich und fühlt sich von den reichen Kindern abgegrenzt. Sie kommt aus einem Dorf, lebt in einem Dorf und dieser aufgedrückte Stempel ist nicht leicht zu entfernen. Doch Hanli hält an ihren Träumen fest!

Wir haben uns auf die Reise nach Peking gefreut und haben Hanli gern auf ihrem Weg durch einen schwierigen Abschnitt ihres Lebens begleitet. Die Autorin schreibt mehr als behutsam, regelrecht liebevoll und mit viel Fingerspitzengefühl. Wir sind sofort angekommen und haben uns an Hanlis Seite gestellt.

Die Geschichte des kleinen Mädchens hat uns bewegt. Ihre innere Größe, ihr Mut und das unerschütterliche Festhalten an ihren Träumen haben uns gerührt. Durch das Mädchen auf dem Cover hatten wir Hanli die ganze Zeit vor Augen und sind stellenweise in diesen tief versunken.

Mit Hanli führt die Autorin ganz langsam und sachte ihre Leser an die Geschichte der Volksrepublik China heran und lässt bewusste Blicke in die Kulturrevolution zu. Hanli erfährt am eigenen Leib was es bedeutet, vom Land in die Stadt zu kommen und erlebt die Ausgrenzung von Volksgruppen mit. Und doch lässt sie sich nicht in den Sog aus Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ziehen, sondern lebt ihren Traum.

Hanli erkennt den Wert der Bildung und sieht hierin die einzige Chance, dem vorprogrammierten Schicksal der politischen Ausgrenzung der Kinder vom Land zu entfliehen. Da wo andere liegen bleiben, steht sie auf – da wo andere aufgeben, sieht sie neue Chancen. Ihr zerkratzter blauer Stuhl und der alte gelbe Tisch in der Schule für Wanderarbeiter ziehen sie nicht in ein Loch. Sie weisen ihr einen ganz eigenen Weg. Dieser Weg ist kein egoistischer, sondern ein Weg für uns alle und ganz besonders ein Zeichen für benachteiligte Menschen in totalitär regierten Ländern.

Wir schreiben oft gegen das Vergessen und im Hinterkopf sahen wir immer wieder leichte Parallelen, speziell zur Verfolgung und Stigmatisierung der jüdischen Bevölkerung, die speziell in der Zeit des Nationalsozialismus abgegrenzt, interniert und systematisch vernichtet wurde.  Diese Gedanken blieben einfach nicht aus.

„Das Mädchen am Rande der Stadt“ ist eine hoffnungsvolle Geschichte einer Jugend inmitten eines ideologisch geprägten Landes. Hanli überwindet Grenzen und wie ein kleines Manifest für die Gleichberechtigung aller Menschen steht sie in ihrer Schule zu ihrer Meinung. „Wanderarbeiter“ – immer noch ausgegrenzt und vertrieben, weitgehend entrechtet und wie Sklaven gehalten – ihnen setzt dieses Buch ein kleines Denkmal. Kein in Stein gemeißeltes – nein – eins mit den tiefsten und ehrlichsten Augen, in die wir bisher blicken durften. Wir danken der Autorin für diesen AUGENblick.

HANLI…

Hyddenworld – Das Erwachen – Die Saga geht weiter

Hyddenworld - Das Erwachen - Der Sommer der Schildmaid

Hyddenworld – Das Erwachen – Der Sommer der Schildmaid

Mein Name ist Judith. Ich bin kein normales Mädchen… Ich bin ganz und gar nicht normal. Mich unterscheidet so viel von meinen Eltern und all den Kindern von denen ich bisher gehört habe. Dabei werde ich geliebt wie keine Zweite – alle haben so unendlich lange auf mich gewartet – ich sollte eigentlich froh sein… Aber es tut so weh.

Seit meiner Geburt spüre ich diese Schmerzen – seit dem ersten hellen Tageslicht, das ich erblicken durfte überrollen mich die rasenden Fluten meines Schicksals und mein erster eigener Gedanke machte mir klar, dass ich nicht nur anders bin. Ich bin Teil einer Prophezeiung – ich bin auserwählt – ich bin kein normales Mädchen – ich bin die Schildmaid. Das Kind der alten Legenden, nur geboren um zu finden, was verloren schien.

Aber es tut so unendlich weh. Nur ein Jahr bleibt mir. Ein einziges Jahr, in dem ich erwachsen werden muss – ein Jahr, in dem ich verstehen lernen soll – ein Jahr in der Zeitrechnung von Menschen und Hydden und doch werde ich meine Aufgabe erfüllen. Ich bin die Schildmaid – Tochter beider Völker – Wesen aus einer Zwischenwelt – Hoffnung der gesamten Erde. Der Sommer ist meine Zeit des Erwachens. Und ich bin nicht allein.

Hyddenworld - Das Erwachen - Schmerzhaftes Erwachen

Hyddenworld – Das Erwachen – Schmerzhaftes Erwachen

Aber es tut so wahnsinnig weh… Und alles begann vor langer Zeit. Alles begann in jenem Frühling mit der Suche nach den magischen Steinen, die das Gleichgewicht der Erde garantierten. Alles begann mit der Prophezeiung, dass nur eine Schildmaid in der Lage sei, sie zusammenzuführen – alles begann mit der rastlosen Odyssee der Hydden, die den Untergang der Erde heraufziehen sahen. Alles begann damit, dass meine Eltern ihren Weg zueinander fanden. Alle Hoffnungen wurden in sie gesetzt. Aus gutem Grund.

Mein Vater ist auch nicht normal – er gehört zum Volk der kleinen Leute. Er ist ein Hydden – nur eben größer… ein Riesengeborener, so sagt man.Viel mehr weiß man nicht über ihn. Nur die Hydden, jene kleinen Leute, die im Verborgenen unter den Menschen leben, schienen seit langer Zeit auf einen wie ihn zu warten. Ein Bindeglied zu den Menschen soll er sein… Den Weg zu den Hydden kann er finden… so sagt man.

Meine Mutter lernte ihn nur zufällig kennen. Sie ist kein Bindeglied – sie ist ein ganz normaler Mensch und doch vermutete man in ihr geheime Fähigkeiten. Man hielt sie für die verheißene Schildmaid, die an der Seite eines Riesengeborenen die verlorenen Steine zusammenfügen sollte. Der Frühling brachte die Wahrheit ans Licht – MICH. Das gemeinsame Kind der Suchenden – ICH bin die Schildmaid… ich bin die letzte Hoffnung der Erde….

Und es tut so weh. Der Sommer ist die Zeit meines Erwachens – ich bin noch nicht bei Kräften und ich brauche die Hilfe der Hydden und der Menschen. Ich brauche Hilfe bei der Suche nach den Steinen – ich selbst bin noch nicht so weit – ich bin noch bereit. Der Stein des Frühlings ist gefunden… Aber die Suche nach den fehlenden drei Jahreszeiten geht weiter.

Und so begibt sich mein Vater mit den mutigsten und gelehrtesten Hydden in die weite Welt. Sie verlassen das geliebte Englalond und reisen ins Zentrum der Hyddenmacht. Dort wo sie sich in den Wirren eines großen Krieges verstecken konnten. Unterirdisch – geschützt vor den Bomben der Menschen. In den tiefen Stollen unter dem Ruhrgebiet, so erzählt man, soll der alte Kaiser der Hydden durch den Stein des Sommers Unsterblichkeit erlangt haben.

Aber nicht ein Einzelner darf von der Kraft der verlorenen Steine profitieren. Die Erde braucht Hilfe. Ich wachse rasend schnell, während mein Vater mit seinen Getreuen auf die Suche geht. Ich wachse an meiner Aufgabe – ich bereite mich vor – ich reife heran – rasend schnell. Der Sommer jedoch lässt mich vorerst nur erwachen. Im Herbst vielleicht… wenn ich die Steine habe… vielleicht… dann erfülle ich die Prophezeiung.

Und dabei habe ich solche Schmerzen. Nicht diejenigen des zu schnellen Wachsens und Verstehens. Es wächst der Schmerz der Erkenntnis. Wie kann ich, die nur ein einziges Jahr in der Zeitrechnung der Erde hat – ausgerechnet ich – wie kann ich mich verlieben? Wie kann das nur geschehen und warum tut das so verdammt weh?

Ich – die letzte Hoffnung der Welt – bin hoffnungslos verliebt in den treuesten Gefährten meines Vaters! Ja – ich liebe den bedeutendsten aller Hydden: Bedwyn Stort. Den Mann, der die Steine finden kann und damit die Welt zu retten vermag.

Uns jedoch rettet nichts. Deshalb schweige ich über meine Gefühle – sie sind mein Geheimnis….

„Ihre Sehnsucht war die der ganzen Welt, und ihr Schweigen hunderttausend Liebesworte, die nie laut ausgesprochen werden durften.“

Hyddenworld – Das Erwachen – Die Suche nach den magischen Steinen wird zum großen Epos des Schicksals. Der zweite Teil der Saga hält, was der Frühling versprochen hat. Nahtlos im Übergang, tief in der Anlage der Protagonisten und magisch in der Wortzeichnung.

Ich folge der Schildmaid… und hoffe auf den Herbst. Sehr sogar. So muss Fantasy sein, um Leser von 14 bis 99 Jahre zu begeistern!

OBIAD – Andre Biakowski und die Evolution der Versöhnung

OBIAD - Andre Biakowski öffnet ein Fenster des Verstehens

OBIAD – Andre Biakowski öffnet ein Fenster des Verstehens

„OBIAD“ – Nur ein einziges Wort reicht dem 29jährigen Mann aus, um Türen zu öffnen. Mehr braucht es nicht. Wirklich nicht. Aus der Wechselsprechanlage erklingt lediglich ein gehauchtes „TAK“ als Erwiderung und der Weg ist frei. Anfänglich kennt der Mann die Bedeutung des Wortes nicht, mit dem sich ihm – ausgerechnet ihm – eine verborgene Welt öffnet. Er weiß nicht, was ihn genau erwartet – er weiß nur eines: Er muss diesen Weg gehen! Und dies nicht nur für sich selbst.

Hinter dem kleinen Wort „OBIAD“ verbirgt sich nichts weiter als der Begriff „Mittagessen“… und doch ist dieser geheimnisvolle Code der Schlüssel zur Tür eines besonderen Kapitels deutsch-polnischer Geschichte. „OBIAD“ gewährt Zutritt zu Menschen, die aufgrund ihres Glaubens Opfer der nationalsozialistischen Diktatur waren – jüdische Menschen, für die das Wort Auschwitz mehr ist als nur ein Ort – mehr als ein Begriff und mehr als eine Gedenkstätte.

Sie waren dort. Opfer des Holocaust – Überlebende zwar, aber gezeichnet für ihr Leben. Überlebende! Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur den Holocaust haben sie überlebt – nicht nur den eigenen programmierten Tod haben sie überlebt – auch Freunde, Bekannte und ihre eigenen Familien haben sie überlebt. Und nun öffnen sie ihre Türen – ausgerechnet ihm: einem 29jährigen Deutschen, der sich entschieden hat ein Jahr lang nicht nur mit den Opfern zu leben, sondern auf besondere Weise für sie zu leben.

Andre Biakowski – Absolvent einer Kunstakademie, Werbekaufmann und Marketingspezialist – erzählt in seinem ersten Buch:

OBIAD – Mehr als nur ein Mittagessen – Mein Jahr in Polen mit Überlebenden des Holocaust

von seiner einjährigen beruflichen Auszeit und seinen Erfahrungen als freiwilliger Helfer des Maximilian-Kolbe-Werks. Ein Jahr lang lebte er in Lodz, betreute Überlebende unterschiedlicher Konzentrationslager und Ghettos, brachte ihnen das tägliche Mittagessen nach Hause und leistete seinen ganz eigenen Beitrag auf dem Weg zur Versöhnung mit den Menschen, die ihm auf diesem Weg begegneten.

Man kann viel über die damalige Zeit schreiben, man kann seinen Lebensweg mit Lippenbekenntnissen und großen Gesten pflastern und sich darauf verlassen, dass die große Politik in ihren Bestrebungen um Versöhnung und Verständigung die richtigen Zeichen setzt. Aber letztlich ist es der Königsweg, den Andre Biakowski beschritten hat. Die finale Stufe in der Evolution der Versöhnung mit den Überlebenden von einst. Der Kniefall von Willy Brandt vor dem Denkmal des Warschauer Ghettos; die große Rede von Bundespräsident Roman Herzog anlässlich des 50. Jahrestages des Warschauer Aufstandes oder die Umarmung zwischen Helmut Kohl und dem damaligen polnischen Ministerpräsidenten Mazowiecki – all diese großen diplomatischen Gesten wären inhaltsleer, wenn sie nicht von Menschen mit Leben gefüllt würden.

Andre Biakowski vollendet diese tiefe politische Gestik durch gelebte Zwischenmenschlichkeit. Er ist sich der Tatsache bewusst, dass die große Politik ihm die Türen geöffnet hat – er realisiert aber auch, dass es Menschen geben muss, die sich durch diese offenen Türen wagen. „OBIAD“ – ein kleines Wort zeigt, dass der Samen der Versöhnung inzwischen zu einem weiten Feld geworden ist, denn wie der Autor des Buches selbst, so leisten viele junge Menschen ihren Dienst im Sinne des Verstehens und der Verständigung. Sie tragen alle dazu bei, dass sich Opfer nicht vergessen fühlen und Mut schöpfen in der Hoffnung, dass nicht alles vergebens war.

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OBIAD – Die Evolution der Versöhnung – Große Gesten mit Leben füllen

Andre Biakowski stellt nicht sich in den Mittelpunkt seines Buches. Er gewährt diesen Platz abseits jeglicher Eitelkeit den Menschen, denen er begegnet. Er selbst empfindet den Überlebenden gegenüber keine Schuld – er empfindet eine aus der Geschichte abgeleitete Verantwortung und dieses Selbstbild trägt ihn zu Menschen, die von ihm keine Entschuldigung, sondern nur Verständnis erwarten.

„Sie wissen, ich bin zu jung, um Schuldgefühle zu tragen, und schweigen mit mir in ein gegenseitiges Verstehen hinein.“

Diese Begegnungen sind nicht leicht. Und doch schlagen sie eine Brücke, die bei offenen Wunden beginnt und bei schlecht verheilten Narben endet – aber die Brücke trägt, da man sich mit höchstem menschlichem Respekt begegnet.

Es sind absolut keine elitären Begegnungen auf rein theoretischer DiskussionsbasisNEIN – es sind die Augenblicke des Zuhörens oder Schweigens – es sind die Momente der Handreichung, die hier eine Verbindung schaffen. Das Essen auf Rädern wird zum letzten und wichtigsten Brückenglied in dieser Kette. „OBIAD – mehr als nur ein Mittagessen“ – diesen Titel trägt das Buch mit bestem Recht.

Es lohnt sich, Andre Biakowski lesend zu folgen. Atemlos zu schweigen, wenn er schweigt und zu lauschen, wenn er mit immer besser werdendem Polnisch versucht, auch die größte Sprachbarriere zu meistern. Er führt uns zu den wohl letzten Zeitzeugen eines Massenmordes und hält uns, ebenso wie jene Überlebenden, ohne erhobenen Zeigefinger vor Augen wie wichtig es ist, sich gegenüber zu sitzen und Verständnis zu zeigen. Sich gegenseitig die Hand zu reichen und damit die Narben der Geschichte ein wenig zu glätten.

„Ich trage die Botschaft von vielen Begegnungen und Gesprächen in mir. Diese Menschen dürfen nicht vergessen werden. Sie zu vergessen, bedeutet Geschichte zu relativieren.“

„OBIAD“ ist ein wichtiges Buch. Es vermittelt vielschichtige Gedanken und zeigt, dass Versöhnung nicht auf Vergebung oder Schuld beruht. OBIAD füllt eine Lücke im gegenseitigen Verständnis und ist mehr als ein Fenster in die Vergangenheit. Der Blick zurück ermöglicht den Blick in die Zukunft und es ist nicht schwer, das Fenster auch für sich selbst ein Stück weit zu öffnen.

Wie sehr dieses Jahr in Polen Andre Biakowski selbst verändert hat zeigt sein beeindruckendes Nachwort. Zwei Jahre später kehrt er nach Polen zurück. Er kehrt in ein Stück Heimat zurück, das er sich erlebt hat.

Lesenswert – lebenswert.

OBIAD - mit einem Klick zur Buchseite beim Acabus Verlag

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Ein Artikel aus der Reihe „Gegen das Vergessen“ von Holocaust, Genozid und ideologisch begründeter Verfolgung von Minderheiten aus religiösen, ethnischen und sonstigen Gründen…