Für Akkie…

Für Akkie - Jacques Vriens - Ein bewegendes Jugendbuch

Für Akkie – Jacques Vriens – Ein bewegendes Jugendbuch (Fotos li. DFW)

Jacques Vriens hat lange gebraucht, um diese Geschichte zu Papier zu bringen. Sehr lange sogar. Sie ist Teil seines Lebens – sie ist eng mit seiner Vergangenheit als Grundschullehrer verbunden – er hat sie selbst erlebt und so war die zu große Nähe oftmals Grund genug, sich immer weiter vom Erzählen zu entfernen.

Für Akkie“… – Kein normaler Buchtitel, vielmehr eine Widmung. Liebevoll zugeeignet, könnte und müsste man sagen. Jacques Vriens hat über ein besonderes Mädchen geschrieben, das seine Schülerin war, er hat FÜR dieses Mädchen geschrieben – auf beeindruckende Art und Weise! Er fand einen Zugang zum Selbsterlebten… er veränderte Namen und kleine Details und begab sich in die Rolle eines Betrachters… und erst diese Distanz machte es möglich, „Für Akkie“ zu schreiben.

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Akkie ist ein lebenslustiges 12jähriges Mädchen. Sie fiebert mit ihren Klassenkameraden zusammen dem großen Schulausflug entgegen, spielt leidenschaftlich gerne Fußball und ist immer genau da zu finden, wo etwas los ist. Ein echter Wirbelwind. Von den Jungs ihrer Klasse wird sie zwar ein wenig bewundert, andererseits aber auch argwöhnisch beobachtet, da sie Fußball für einen reinen Männersport halten und es kaum verkraften können, dass ausgerechnet Akkie ihnen ebenbürtig ist.

Klassenlehrerin Ina ist in ihrer Rolle als Streitschlichterin mehr als gefordert. Das Jahresabschlussfest gilt es vorzubereiten, ein Fußballturnier gegen andere Schulen steht auf dem Programm und danach warten alle gespannt auf den großen Schritt aus der Grundschule heraus in weiterführende Schulen. Die Trennung der Klasse ist absehbar… aufregende Zeiten.

Was aber dann passiert, war nicht vorherzusehen. Ausgerechnet die quietschfidele Akkie klappt bei einem Fußballspiel zusammen. Ihr ist schwindlig und das nicht zum ersten Mal. Eine harmlose Untersuchung beim Arzt bringt eine erschreckende Wahrheit ans Licht. Leukämie und nicht nur für Akkie ändert diese Diagnose alles. Ihr normaler Alltag wird ersetzt durch die Fachbegriffe Onkologie und Chemotherapie, an regelmäßige Schulbesuche ist nicht zu denken und Fußball… undenkbar.

Für Akkie - Jacques Vriens - Leukämie

Für Akkie – Jacques Vriens – Leukämie (Fotos DFW)

Nicht nur Akkies Eltern taumeln im Strudel der Krankheit immer tiefer in den Abgrund der eigenen Hilflosigkeit, auch für Akkies sechste Klasse brechen Welten zusammen. Gedanken über den möglichen Tod machen die Runde und Klassenlehrerin Ina hat alle Hände voll zu tun, die Emotionen in vernünftige Bahnen zu lenken.

Und doch erkennt sie, welch außergewöhnliche Gemeinschaft da heranreift – nach innen oftmals aus kleinem Anlass völlig zerstritten, nun aber gegenüber dem neuen gemeinsamen Feind Leukämie reagiert die Klasse geschlossen wie eine eingespielte Einheit. Die Klassenfahrt und das Fußballturnier werden nicht abgehakt – kein Plan wird ohne Akkie gemacht und Solidarität und Sympathie bahnen sich eigene Wege. Aus kindlichen Gefühlen werden große Emotionen und aus anfänglicher Hilflosigkeit wird ein wahres Kraftwerk für Akkie…. Und in diesem Kampf entsteht das erste Gefühl einer Jugendliebe… zart und schüchtern… ganz pur!

Akkie hieß im wahren Leben Anke. Sie war drei Jahre lang Schülerin von Jacques Vriens – bevor sie an Leukämie starb. „Für Akkie“ ist gleichsam Ankes Geschichte, eine tiefe Erinnerung an sie, ein kleines Denkmal und der gelungene Versuch die dramatischen Vorgänge von damals in aller Emotionalität und Ernsthaftigkeit zu erzählen ohne das wichtigste zu unterschlagen: Die Lebenslust und die Fröhlichkeit eines jungen Mädchens, das sein Leben nicht leben durfte und doch so viel erlebte.

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„Für Akkie“ ist ein Buch ohne jeglichen Firlefanz – es erzählt von Tod und Verlust. Es zeigt, dass man Kinder und Jugendliche mit einem solchen Thema konfrontieren kann, solange man ihre Gefühle ernst nimmt. Und dies ist die große Leistung von Jacques Vriens. Er beschreibt Akkie in allen Gefühlslagen – lachend – weinend – zickig – schimpfend – fluchend und liebend. Er beschreibt die Krankheit in aller Härte und lässt dabei doch nicht zu, dass die Geschichte in eine rein sentimentale Ecke driftet.

Ich habe gelacht beim Lesen – ich habe über die lebendige Sprache, die Streiche und Gedanken der Kinder gelacht. Ich habe geweint beim Lesen – ich habe geweint, als Akkie in die Unausweichlichkeit abtauchte – ich habe aber auch vor Rührung geweint, wenn aus verbissenen Gegnern auf dem Fußballplatz nun wahre tiefe Freunde werden. Das Lachenweinen hat sich die Waage gehalten. Das Lachen war herzhaft – das Weinen hemmungslos…. Absolut…

Am Ende steht, dass Akkie / Anke nicht vergessen wird – unabhängig von Ansichten, Glauben und Religion, kann dieses Buch auch jungen Menschen verdeutlichen, wie man für sich selbst mit der Angst vor Verlust und Tod leben kann, welche Bilder und Vorstellungen helfen und woran man wirklich kaputtgehen kann. Dies ist kein Eltern- oder Kinderratgeber. Dies ist einfach nur eine Geschichte. Sie ist emotional und traurig – aber in ihr schwingen Lebensmut und –freude so sehr mit, dass man sich der Zuneigung gegenüber diesem Buch nicht entziehen kann.

Für Akkie - Jacques Vriens - Ein schwerer Weg

Für Akkie – Jacques Vriens – Ein schwerer Weg (Fotos DFW)

„Für Akkie“ wurde mit dem Preis der niederländischen Kinderjury ausgezeichnet, ist inzwischen verfilmt und findet immer mehr Leser. Sehr viele an Leukämie erkrankte Kinder können inzwischen geheilt werden – immer erfolgreicher werden die Therapieansätze und immer normaler wird auch der Umgang mit Patienten. Auf diesem Weg jedoch bleiben einige Opfer zurück… jenseits jeder Statistik einzelne Schicksale – Menschen mit eigenen Leben voller Lachen, Freude und Tränen.

„Ankes Eltern sind immer noch sehr glücklich über dieses Buch, und sie erkennen ihre Tochter nur allzu gut in der Geschichte wieder. Sie denken, dass es ein Denkmal für Anke und all die Kinder geworden ist, die den Kampf gegen die Leukämie verloren haben.“  Jacques Vriens

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Die besondere Ausstrahlung und Nachhaltigkeit dieses Jugendbuches haben wir Literatwos ein wenig zeitversetzt voneinander und dann eben doch gemeinsam erfahren dürfen. „Für Akki“ hat unseren Lebens-Leseplan ziemlich durcheinander gebracht und so ergab es sich, dass diese Rezension bereits verfasst war, als Bianca gerade in die Handlung einsteigen konnte.

In vielen gemeinsamen Gesprächen haben wir den Weg mit Akkie erneut zurückgelegt, haben gemeinsam gelacht und bitterlich geweint. In seiner Wirkung hat Jacques Vriens uns auf der gleichen emotionalen Ebene gepackt und gefesselt. Diese Erkenntnis war nicht überraschend für uns, aber sie ist umso nachhaltiger, da unsere Gefühle gegenüber „Akkie“ einen gemeinsamen Ton zum Klingen brachten, der sich zu einer immerwährenden Melodie entwickelte.

„Für Akkie“ – eine Gefühls- und Gedankensymphonie, die wirklich alle Wellen des Geistes zum Schwingen bringt. Eine traurige Melodie mit einem Schlussakkord in Moll… aber eben eine Melodie, die nur deshalb traurig sein kann, weil sie so intensiv von Lebenslust erzählt.

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Mein eigenes Erleben als Vater einer Tochter, die selbst keinen leichten Weg zu gehen hat, möchte ich nicht in die Waagschale dieser Rezension werfen. Dieses Buch habe ich versucht so zu lesen, wie es geschrieben wurde: FÜR AKKIE…. Und ich bin dankbar für jede Zeile… Ich werde auf den Wegen zwischen Krankenhaus und Fußballplatz oder Eisstadion oft an Akkie denken und mir bewusst machen, wie gut es uns geht!

Quellenangabe Fotos: Wie man am Trailer unschwer erkennen kann, ist „Für Akkie“ in Holland bereits in einer sehr einfühlsamen Adaption verfilmt worden.  Unter dem Titel „Achtste Groepers huilen niet“  (Achtklässler weinen nicht) hat auch der Film bisher für einiges Aufsehen gesorgt. Die im Artikel verwendeten Szenenfotos stammen aus der Dutch Film Works– Produktion (DFW).

Auf der Heyne Buchseite zu „Für Akkie“ findet sich ein Buchtrailer mit Szenen aus dem Film (mit deutschen Untertiteln).

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