So nah und doch so fern – Eine Liebes-Zeitreise von Ann Brashares

So nah und doch so fern - Ann Brashares

So nah und doch so fern – Ann Brashares

Die innere Bereitschaft des Lesers, sich einem ganz bestimmten Thema zu öffnen bestimmt die Fallhöhe aus der man sich persönlich in die Tiefen einer Geschichte fallen lässt. Sie ist verantwortlich dafür, wie intensiv man glaubt, nachempfindet und fühlt – und letztlich läuft es immer wieder darauf hinaus, dass man lachen und weinen kann, wenn man den tiefen Fall in die wogenden Fantasiewellen wagt.

Ein Roman, der sich dem Leitgedanken einer ewig währenden Seelenwanderung zweier Menschen verschreibt und uns Leser auf diese schier unendliche Reise auf der Suche nach ewiger Liebe einlädt, sollte nur gelesen werden, wenn man als Leser zumindest zu einem kleinen Funken bereit ist, an die Möglichkeit einer solchen Reise zu glauben.

So nah und doch so fern“ von Ann Brashares (carl´s books) ist in sich eine der ungewöhnlichsten Einladungen zum tiefen Eintauchen in eine unfassbar emotionale Geschichte um die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zweier Liebender, die man einfach nicht ausschlagen darf. Schenkt dem Leitgedanken eine Sekunde eurer Zeit und versucht, einen kleinen Moment nicht daran zu zweifeln, dass Liebe nicht nur ewig währt, sondern schon vor langer Zeit entstanden sein kann. In einem Leben, an das ihr euch nicht erinnern könnt… oder glaubt, euch nicht erinnern zu können

So nah und doch so fern - Ann Brashares

So nah und doch so fern – Ann Brashares

Folgt ein Mal in eurem Leben einem Roman, der uns allen zeigt, dass zwei Seelen füreinander bestimmt sein können und öffnet mit Ann Brashares gemeinsam das Tor zu vielen gemeinsamen Vergangenheiten um zu verstehen, was es bedeutet, sich im Hier und Jetzt erneut zu begegnen.

Stellt euch bitte vor, ihr verliebt euch in eine Frau, die nur durch die gesellschaftlichen Umstände in unerreichbarer Ferne ist. Ihr habt das Gefühl, ihr nicht zum ersten Mal zu begegnen und in wilden Träumen seht ihr dieses eine Gesicht, fühlt dieses eine Gefühl und empfindet diese eine Schuld, ihr irgendwann in der Vergangenheit weh getan zu haben.

Ihr erinnert euch an alles – an ihren Geruch, an ihre Augen und doch ist es euch nicht gestattet, diese Frau zu begehren. Sie ist die Ehefrau eures Bruders und im Jahre 776 nach Christus stellt Ehebruch ein unverzeihliches Verbrechen dar. Ihr lebt in dem Wissen, dieser Frau schon mehrmals begegnet zu sein und immer habt ihr euch von neuem verliebt.

Nur sie kann sich an nichts erinnern. Sie empfindet eine magische Anziehungskraft, kann sich aber den Grund dafür nicht erklären. Und doch führen alle Wege zusammen, so wie eine Liebe immer wieder zusammenführt. Mögen die Hindernisse auch noch so groß sein. Eine Liebe, die verboten ist bahnt sich zaghaft und zum Scheitern verurteilt ihre Bahn und die Ehre eines anderen wird verletzt. Nicht in diesem Leben werden sie vereint sein… das wird schnell klar… aber die Zukunft gehört zwei Seelen.

So nah und doch so fern - Ann Brashares

So nah und doch so fern – Ann Brashares

Man muss sich nur finden. Man muss sich nur erkennen und den Gefühlen vertrauen. Letztlich muss SIE ihm glauben, da nur seine Seele die kollektiven Erinnerungen zweier Leben in sich trägt. Wir begleiten zwei Menschen auf der Reise durch die Jahrhunderte. Oftmals in Leben, die recht parallel zueinander verlaufen, oftmals völlig voneinander getrennt.

Manchmal begegnen sie sich durch soziale Schichten getrennt und einige Male ist der Altersunterschied zwischen ihnen gewaltig. Die Gefühle jedoch sind immer gleich. Es ist die aufrichtigste Form der Liebe zu der Daniel seit Jahrhunderten fähig ist und es ist eine besondere Form der ewigen Faszination, die Sophia immer wieder packt. Wenn nur nicht der große Zweifel wäre, der ihre Gefühle beherrscht.

Viele Leben gehen dahin. Viele Leben werden verschenkt, viele Leben verlaufen anders, als man es sich wünscht. Zwei Leben auf See, einige auf den Feldern und den Gärten der Weltgeschichte. Kein einziges Leben ein besonderes. Und doch ist Daniel ein bewusst Reisender, der von seiner Erinnerung profitiert. Er häuft im Laufe der Jahrhunderte Wissen und die Artefakte vieler Leben an – alles nur mit dem Ziel, seiner Geliebten zu beweisen, wer er ist und was vor ihnen liegen kann, wenn sie nur einmal zur rechten Zeit aufeinandertreffen.

So nah und doch so fern - Ann Brashare

So nah und doch so fern – Ann Brashare

Der Erste Weltkrieg führt sie endlich eng zusammen. Daniel ist schwer verwundet und Sophia pflegt ihn als Krankenschwester hingebungsvoll. Seine Erzählungen über die vergangenen Leben erscheinen ihr unglaubwürdig und sie vermutet, dass er lediglich fantasiert. So schwer, wie er verwundet ist.

Erstmals sind sie sich über Tage so nah. Endlich kann er ihr erklären, wer sie sind und langsam beginnen die Zweifel zu bröckeln und die Gefühle von Jahrhunderten brechen aus Sophia heraus. Und dies in einem Moment, in dem sich Daniel trennen muss. Wieder ein Leben, das dahin geht ohne richtig gelebt zu sein.

Es ist kein einsamer Tod. Es ist jedoch der schlimmste, den er je erleiden musste, da sie sich nun gefunden hatten. Und doch ist es kein aussichtsloser Tod, denn Sophia beginnt zu glauben und hat einen Plan. Sie schreibt sich selbst einen Brief. Sie will sich erinnern, wenn sie wiederkehrt. Sie möchte Daniel beweisen, dass auch sie um ihre ewige Liebe zu kämpfen bereit ist.

So nah und doch so fern – Ann Brashares - Ein Meilensteisatz im Roman

So nah und doch so fern – Ann Brashares – Ein Meilensteisatz im Roman

„Du wirst mir doch nicht sterben, oder“… Worte, die Sophia im Jahr 1918 an ihn richtet. Ein schwerer Moment im Buch. Loslassen ist schwer, auch wenn man auf ein Leben danach hofft.

So nah und doch so fern - Ann Brashares

So nah und doch so fern – Ann Brashares

Leben kommen – Leben gehen. Bis zu einem magischen Tag im Jahre 2004 in Hopewood, Virginia, als die junge Lucy einen gewissen Daniel trifft, der ihr aus unerfindlichen Gründen sympathisch ist. Würde er sie nur nicht mit einem falschen Namen anreden. Sophia nennt er sie und aus dem Rest seiner Worte und Andeutungen wird sie auch nicht schlau.

Dieses Leben ist das Leben, in dem sich alles entscheidet. Wird es Daniel gelingen, jener Lucy die Augen zu öffnen und sie daran zu erinnern, was sie 1918 versprach? Kann es dieses Leben sein, in dem beide ihre Erfüllung finden und wie wird Lucy damit zurechtkommen, wenn sie sich an einen Brief erinnert, der ihr vor langer Zeit geschrieben wurde… von ihr selbst?

Und doch sind sie nicht zu zweit. Niemand reist allein und keine Seele vergeht, vor allem wenn vor Jahrhunderten ihre Ehre verletzt wurde. Wer ist der Dritte im Bunde und erkennen Daniel und Lucy die drohende Gefahr rechtzeitig, bevor auch dieses Leben endet?

So nah und doch so fern - Ann Brashares

So nah und doch so fern – Ann Brashares

Ann Brashares entführt uns auf eine meisterlich erzählte Reise durch die Jahrhunderte und macht uns zu Suchenden nach dem Mysterium der ewigen Liebe. Kein Satz zu viel, keiner zu wenig. Nicht verkitscht, sondern berührend schreibt sie über die sich wiederholenden Verluste, Hoffnungen und Träume. Sie macht uns zu heftig Leidenden und unglücklich Liebenden, glücklich Sterbenden und erwartungsvoll Neugeborenen ihres Romans.

So nah und doch so fern – dieses Gefühl wird zum Leitmotiv der Geschichte. So oft vergebens gelebt. So oft nur durch einen Hauch der Weltgeschichte voneinander getrennt und dann an einem magischen Tag in unserer Zeit so nah wie nie zuvor. Ich habe dieses Gefühl der ewigen Liebe so sehr nachempfinden können, als wäre meine eigene Seele Teil dieser Reise gewesen. Und diese Reise endet, genau wie im Roman, nicht mit einem Punkt, sondern mit viel Freiraum für eigene Träume… (und vielleicht schreibt Ann Brashares in ein paar hundert Jahren noch ein Sequel)

Meine persönliche Fallhöhe in die Tiefe dieses Erzählstroms war unfassbar hoch. Ich bin nie gelandet. Ich tauche noch und träume von all dem, was So nah und doch so fern zu erzählen bereit war. Das werde ich diesem Buch nie vergessen… Diesen Traum! Man muss sich nur finden. Nur erkennen. Ich sollte mir einen Brief schreiben… ich glaube ich fange gleich damit an.

Dieses Buch ist ein Geschenk, weil es dem Leser die Vision der unendlichen Hoffnung zu treuen Händen anvertraut.

So nah und doch so fern - Ann Brashares

So nah und doch so fern – Ann Brashares

Gleis 4 – Franz Hohler – Die Suche nach vergangener Wahrheit

Gleis 4 - Franz Hohler

Gleis 4 – Franz Hohler

Sie musste einfach mal raus. Eine kleine Reise würde ihr gut tun. Eine Operation lag hinter ihr, das Gewicht des Rollkoffers lastete schwer in ihrer Hand. Mit der S-Bahn zum Züricher Flughafen und von dort nach Stromboli. Es würde ihr einfach gut tun.

Gleis 4 - Franz Hohler

Gleis 4 – Franz Hohler

Gleis 4 – Bahnhof Oerlikon. Das würde kein Problem sein, wären da nur nicht die Treppen, die sie beschäftigten. Keine Rolltreppen und sie war in Eile. Da kam ihr das freundliche Angebot des fremden Mannes sehr gelegen. Warum nicht einfach dankend annehmen?

Gleis 4 - Franz Hohler

Gleis 4 – Franz Hohler

Es war nett von dem gut gekleideten graumelierten Herrn mit dem gepflegten Bärtchen. Seine spontane Freundlichkeit war unwiderstehlich. Wie selbstverständlich nahm er den Koffer und wuchtete ihn die steile Treppe zu Gleis 4.

Gleis 4 - Franz Hohler

Gleis 4 – Franz Hohler

Dankbar folgte sie ihm. Isabelle würde den Zug rechtzeitig erreichen und war dem fremden Mann sehr verbunden für seine selbstlose Hilfe. „Danke“ war das Letzte, was sie sagen konnte, bevor…

Gleis 4 - Franz Hohler

Gleis 4 – Franz Hohler

… der Kopf des Mannes leicht nach vorne sank, der Körper in sich zusammenbrach, die Hände ihren Koffer und die eigene Ledermappe entgleiten ließen und der Fremde leblos neben ihr zu Boden ging. Den Mund weit geöffnet, die Augen geschlossen.

Gleis 4 - Franz Hohler

Gleis 4 – Franz Hohler

Ein gehauchtes „Bitte…“ sein letztes Wort. Dann war es vorbei… ein Leben. Polizei, Sanitäter, Durcheinander, Verzweiflung, ein verpasster Zug und Schuldgefühle – der schwere Koffer, wenn sie nicht gewesen wäre. Isabelle erkannte vieles und konnte es kaum glauben. In all dem Chaos, dem Unfassbaren, spielt das Schicksal Isabelle das Vermächtnis des Fremden zu.

Gleis 4 - Franz Hohler

Gleis 4 – Franz Hohler

Seine Mappe liegt auf ihrem Koffer… vergessen von der Polizei nimmt sie alles mit zu sich nach Hause… man kann es ja auch später noch abgeben. Als plötzlich ein Handy klingelt ahnt sie sofort, dass es ein Anruf für einen Toten ist. Ihr Griff in seine Mappe ist zaghaft und die Nachricht die sie vernimmt unglaublich. „Sagen sie Marcel, wir wollen ihn Morgen nicht sehen!“

Gleis 4 - Franz Hohler

Gleis 4 – Franz Hohler

Als sie dann noch in einer Außentasche ihres Koffers einen Zettel findet, beginnt der Aufruhr in ihr. War sein letztes Wort vielleicht mehr als die Antwort auf ihr „Danke“? Brauchte er ihre Hilfe? Konnte sie dies achtlos verdrängen, war er doch wegen ihr gestorben. So dachte sie. Wer war der Mann? Was bedeuteten die Nachrichten? Hatte er Feinde? Konnte sie helfen? Oder musste sie es einfach?

Gleis 4 - Franz Hohler

Gleis 4 – Franz Hohler

Marcel war sein Name… dachte sie… Die Polizei ist anderer Meinung. Sie hat im Hotel sein Handy und Dokumente gefunden. Martin Blancpain. Kanadier. Eindeutig. Seine Frau sei bereits unterwegs. Zwei Handys? Ein Anruf für Marcel? Ein Kanadier der deutsch mit schweizer Dialekt sprach? Nichts passte zusammen.

Isabell beschließt zu handeln. Auf eigene Faust – das ist sie Marcel oder Martin schuldig und gemeinsam mit dessen Frau versucht sie etwas schier Unmögliches. Sie möchte jemandem, der zeitlebens ein großes Geheimnis in sich trug helfen seine Würde zu bewahren. Wird es ihr gelingen? Und was erwartet die Frauen auf ihrer Reise in die Vergangenheit eines Toten.

Franz Hohler gelingt mit seinem neuen Roman „Gleis 4“ eine belletristische Meisterleistung. Aus einer schlichten Alltagssituation, die jedem seiner Leser an jedem Ort der Welt passieren kann entwickelt er eine Geschichte, die in ihrer tiefen Individualität überzeugt. Jeder Mensch ist Träger seiner eigenen Geschichte und nicht alles gibt man Preis. Oftmals aus gutem Grund.

Wenn der Kampf um die Unbescholtenheit der eigenen Identität verloren geht, dann geht die Vergangenheit verloren. Und doch ruft sie in stillen Nächten beharrlich und fordert Bewältigung. Der Ruf in Franz Hohlers Roman „Gleis 4“ aus dem Hause Luchterhand ist erst leise, dann schließlich unüberhörbar. Nur gut dass uns der Autor zu Hörenden seiner Botschaft macht.

Gleis 4 - Franz Hohler

Gleis 4 – Franz Hohler

Jeder von uns trägt bei schlechtem Wetter einen Regenschirm mit sich. Alltag – selbstverständlich. Doch wenn wir ihn öffnen wundern wir uns oft, wie groß seine Spannweite ist und wie häufig wir dann die Schirme anderer Menschen berühren, die vorher unnahbar waren. Franz Hohler reicht uns einen unscheinbaren Taschenschirm, doch als er ihn aufspannt erkennen wir ein Zelt, das von uns allen getragen wird.

Wir stehen niemals alleine im Regen… 

Lockwood & Co. – Eine Begegnung mit Jonathan Stroud

Jonathan Stroud - Lockwood & Co. - Der Geist des Lesens

Jonathan Stroud – Lockwood & Co. – Der Geist des Lesens

Manchmal ist es schon trist und langweilig, das Leserleben. Manchmal hat man das Gefühl, keine auch noch so abgedrehte Geschichte könne noch überraschen und fesseln. Alles schon mal da gewesen, denkt man und irgendwie riecht und schmeckt manches nach altem Kaffee.

Vampire, Serienkiller, Engel, Zauberkinder, Elfen, Magier und so weiter und so weiter…. Langweilig.. echt. Manchmal zumindest. Literatwo wird zwar immer wieder auf der Suche nach Buchperlen fündig, aber dann und wann droht man im gebundenen Einheitsbrei zu versinken. Dies ist ein absolut lesensgefährlicher Zustand, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt..

Wäre uns da nicht ein kleines Stellenangebot ins Auge gefallen, das unsere Aufmerksamkeit erregte. Ganz dezent aufgemacht und doch nicht zu übersehen. Riesengroß und doch ganz unscheinbar. Eine Agentur suchte Verstärkung… Und wir stellten mit einem Blick fest: DIE SUCHEN UNS…

Jonathan Stroud - Lockwood & Co. - Wir sind beGEISTert

Jonathan Stroud – Lockwood & Co. – Wir sind beGEISTert

Warum? Na, lest doch selbst:

Lockwood & Co

die bekannte Agentur für übersinnliche Ermittlungen, sucht jungen Außendienst-Mitarbeiter. Zum Aufgabengebiet gehören Untersuchungen gemeldeter Heimsuchungen vor Ort sowie deren Unterbindung. Der Bewerber sollte empfänglich für übernatürliche Phänomene sein, gut gekleidet….

Schwätzer, Betrüger, Vorbestrafte und dergleichen
zwecklos….

Genau das sind wir…! Literatwo: Empfänglich für alles Übernatürliche – Spezialisten für Heimsuchungen sowie absolut un-vorbestraft, gut gestylt und nicht geschwätzig… und im wahrsten Sinne des Wortes beGEISTerungsfähig. Geistlos war gestern… Heimsuchungs-Agenten wollten wir werden.

Jonathan Stroud - Lockwood & Co.

Jonathan Stroud – Lockwood & Co.

Es gab da nur ein ganz kleines Problem… winzig fast:

Der Bewerber sollte idealerweise
weiblich und höchstens 15 Jahre alt sein…

Na egal.. wir wollten wissen, was dahintersteckt und besuchten die Agentur. Lockwood & Co… welch klangvoller Name – genau unsere Kragenweite und vielleicht engagierte man auch in Ermangelung geeigneter junger Kandidatinnen ein (zugegeben) mittelaltes Außendienst-Duo (wobei der weibliche Teil eher mittel… – der männliche Teil dafür zusehends älter… aber lassen wir das)!

Kaum in der neblig stimmungsvollen Londoner Portland Row Nr. 35 angekommen, rannte auch schon die erste abgelehnte Bewerberin laut schreiend an uns vorbei – kreidebleich und schlotternd wie Espenlaub. Nun… zugegeben, plötzlich fanden wir es gar nicht so übel, vielleicht ein wenig zu alt für den Job zu sein! Da war ihr wohl irgendein Schreck in die Glieder gefahren und schon hatten wir eine Konkurrentin weniger. Das lief ja prima.

Jonathan Stroud - Lockwood & Co. - Da geistert ein Problem rum

Jonathan Stroud – Lockwood & Co. – Da geistert ein Problem rum

Aber worum ging es eigentlich in der Annonce? Wer hat hier wen für was gesucht – und vor allem, warum? Das wollten wir herausfinden und stürzten uns kopfüber ins Abenteuer. Natürlich hatten wir inzwischen von dem „PROBLEM“ erfahren, das nicht nur England heimsuchte. Geister waren so präsent, dass man sogar zu nächtlicher Stunde Ausgangssperren verhängte, um ihnen nicht zum Opfer zu fallen. Mehrere verschiedene Kategorien von Geistererscheinungen plagten seit geraumer Zeit das ganze Land und seltsamerweise waren es nur Kinder und Jugendliche, die in der Lage waren, diesem Treiben Einhalt zu gebieten.

Und nun standen wir vor einer dieser geheimnisvollen Agenturen zur Geisterjagd: Lockwood und Co. – der einzigen Agentur in London, die ausschließlich aus Jugendlichen besteht – aus zwei Jungs, um es genau zu sagen und genau die Beiden suchen genau eine weibliche Verstärkung. Uns wurde schnell klar, dass wir nicht über die unverbrauchten Fähigkeiten Jugendlicher verfügen – wir waren für diesen Job nicht zu gebrauchen (so schwer diese Einsicht auch ist).

Aber wir haben uns auf die Fahne geschrieben, mit Lockwood und Co. durch geistreiche Gassen zu ziehen, bösartige Geister zu vertreiben und anderen Gespenstern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen – so dass sie sich endlich lösen können. Bereits ab September sind wir dabei, wenn das erste Abenteuer von Lockwood & Co zeitgleich in England und Deutschland auf dem Buchmarkt erscheint.

Jonathan Stroud - Lockwood & Co. - Wir geistern mit durch die Gassen

Jonathan Stroud – Lockwood & Co. – Wir geistern mit durch die Gassen

Die Seufzende Wendeltreppe wird für Aufsehen sorgen. Nicht nur weil man sich so schön gruseln kann, sondern eben weil es so geschrieben ist, dass man sich in den schlimmsten Momenten vor Lachen kaum noch halten kann. Ja die jugendliche Unbekümmertheit schlägt hier voll zu und wir sind hin- und hergerissen zwischen Gänsehaut und Lachanfall.

Lockwood und Literatwo. Ein gemeinsamer Weg beginnt und nachdem wir das Manuskript des neuen Jugendbuches aus dem Hause CBJ schon sehr früh in Händen hatten, konnten wir der Versuchung nicht widerstehen, schon vor Erscheinen des ersten Romans der Lockwood-Reihe das exklusive Interview in deutscher und englischer Version mit dem weltbekannten Autor zu führen, dessen Geist diese Geister entsprungen sind. Es ist niemand Geringerer als der Vater der Bartimäus Saga… Jonathan Stroud.

Das Buch erscheint Ende September… wir werden es hier ausführlich vorstellen und fühlen uns bereits jetzt der Agentur sehr verbunden… als inoffizielle Beobachter und Weggefährten auf all den spannenden Wegen. Für heute genug. Wir brauchen Eisenketten und mehr. Das soll vor Geistern schützen und wir wollen ja nicht an der plötzlich zunehmenden Geistesgegenwart erkranken. Eisen kleidet uns ein – Eisen liegt um uns herum und wir wünschen euch schon jetzt viel Vergnügen mit unserem ersten Geisterjäger-Interview mit Jonathan Stroud.

Jonathan Stroud - Lockwood & Co. - Ohne EISEN gehen wir nicht mehr raus

Jonathan Stroud im Gespräch mit Literatwo

Und glaubt uns: Wir haben keine normalen Fragen gestellt und er hat so geantwortet wie wir es uns in unseren kühnsten Albträumen erhofft hatten…. Beispiel gefällig?

Jonathan, Sie kategorisieren Geister und begründen damit die unterschiedlichen Motivationen für ihre Präsenz. Die Suche nach Gerechtigkeit steht hierbei bei vielen Geistern im Vordergrund – sie finden keine Ruhe, weil ihnen in ihrer Vergangenheit Ungerechtigkeit widerfahren ist. Was würde Sie daran hindern unsere Erde zu verlassen und wie würde das Gespenst Stroud für Aufsehen sorgen?

Haha – warum mein Geist zurückkehren würde? Hmmm… wenn meine Verleger den Verkauf meiner Bücher nach meinem Ableben einstellen würden, könnte ich mir vorstellen, ihre Büros heimzusuchen, sie von hinten zu erschrecken oder ihnen Papierkügelchen in den Kaffee zu werfen, bis sie wundervolle Neuauflagen von Bartimäus und Lockwood in den Druck geben würden.

Sollte mich ein Autor, der mir nicht sehr gewogen ist, vor einen fahrenden Zug schubsen, würde ich mich jeden Morgen beim Zähneputzen in seinem Spiegel materialisieren und ihn auf diese Weise langsam in den Wahnsinn treiben.

Das wäre sehr lustig.

Traut euch einfach.... buh

Traut euch einfach…. buh

Mr. Rail international.

It was a real privilege for us to conduct the first official „Lockwood & Co“- interview with Jonathan Stroud for his german publisher CBJ. The translation is released on the special Lockwood page since a few weeks.

As promised we offer a special service for fans of Jonathan, who are not common with our languague. The complete interview in the original version is now published and you will find surprising facts and more to the subject of the new book series, which will be available in the UK, the United States an Gemany in mid september….

Stroud is back... This ois the way to a mysterious skull

Stroud is back… This ois the way to a mysterious skull

Zauberworte

Zauberworte aus magischer Feder

Zauberworte aus magischer Feder

Das würde ich dann gerne nehmen. Das ist ein so traumhaft schönes Notizbuch und wie geschaffen für ganz besondere Zauberworte.  Das muss mit!

Nein – unmöglich, das kann ich Ihnen nicht einzeln verkaufen!

Was? Hab` ich mich gerade verhört? Muss ich etwa ein Kilo Notizbücher kaufen oder nur in haushaltsüblichen Mengen? Ich brauche nur eins!

Stimmt nicht – Sie brauchen genau zwei davon. Ansonsten würde das ja bedeuten, dass nur Sie in der Lage sind, Zauberworte zu erfinden – und das ist falsch!

Sorry – aber das wird mir jetzt zu bunt! Ich nehme ganz genau ein Notizbuch und dann wünsche ich ein schönes Wochenende. Das macht?

15 Euro. Geschenkt eigentlich für zwei Notizbücher… oder?

Hallo! Was ist an der Zahl EINS so falsch zu verstehen? 

Nichts… eigentlich, aber Sie sind ja auch mehr als EINS… oder?

Zauberworte - Lass Dich verzaubern

Zauberworte – Lass Dich verzaubern

Schon… aber wie kommen Sie jetzt darauf?

Ihr T-Shirt… steht da nicht in goldenen Lettern LITERATWO? Und heißt das nicht, dass Sie ZWEI sind? Und da schreibt wohl nur EINER zauberhafte Worte? Aufwachen, der Herr…!

Nein… Natürlich schreiben wir schon beide zauberhafte Dinge und in dieses kleine Buch sollen eigentlich besondere Zitate aus einem ganz besonderen Buch und natürlich die eigenen Gedanken, die dadurch das Licht der Welt erblicken.

Und wer hat Ihnen das Buch empfohlen? Wer war`s? Und sagen Sie jetzt nicht „Die Schweizer“!

Bianca… Sie sagt mir immer wieder, ich solle „Der Zauber der ersten Seite“ unbedingt lesen!

Wusst` ich`s doch – und jetzt stehen Sie hier und denken nur an Ihre Zauberworte und nicht an die traumhaften Formulierungen aus der Dresdner Feder… Na? Jetzt wach?

Aber…

Zauberworte von Literatwo

Zauberworte von Literatwo

Hier gibt es jetzt kein ABER. Sie nehmen jetzt die Beiden… sie sind absolut gleich und das passt sehr gut zu Literatwo…

Hm… Sie haben ja fast Recht, aber ich wollte das eigentlich nicht für mich, sondern es nach Dresden schicken, um mich für eine liebevolle Widmung in einem Artikel zu bedanken. Sie können sich nicht vorstellen, wie mich das berührt hat.

Och wie süß… Und was denkt Bianca dann, wenn es das kleine Buch nur einmal gibt bei Literatwo?

Hab` ich gar nicht dran gedacht. Ich wollte ihr eine Freude machen.

Na dann machen sie das doch. Eins für Sie – eins für Bianca. Schreiben Sie Ihre Traumworte nieder und vergleichen Sie die Einträge. Sie werden sich sehr wundern. Das sind besondere Notizbücher… Es gibt genau ZWEI davon… Und viel Vergnügen mit den schönsten Worten der Welt. Tragen Sie bitte ihre Inspiration gemeinsam in die Welt.

Mit einem klick beginnt der Zauber

Mit einem klick beginnt der Zauber

Es ist schwer geworden einfach so einkaufen zu gehen. Und wenn die Buchhandlung auch noch „Das gute Buch“ heißt und die freundliche Dame mehr weiß als sie wissen sollte, dann beginnt es schon beim Notizbuch-Kauf magisch zu werden. So könnte es gewesen sein. Heute Mittag – als ich ein kleines Dankeschön für die schönste Widmung der Welt und natürlich auch für einen magischen Buchtipp gesucht habe.

Flieg, Päckchen flieg…. Und nie vergessen, Bianca… Wir haben ZWEI davon 😉

Ein Update…. Ich liebe es, wenn ein Päckchen heil sein Lebensziel erreicht!

Hach.... schön...

Hach…. schön…

Das Geheimnis der Eulerschen Formel – Yoko Ogawa

Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Das Geheimnis der Eulerschen Formel

„Ich betrachtete erneut den Zettel des Professors. Eine Zahl, die sich in der Unendlichkeit verlor, und eine andere, die niemals ihr wahres Gesicht offenbarte, zogen elegant ihre Bahnen und trafen sich an einem fernen Punkt.“

formel

„Mit dem leuchtenden Schweif einer Sternschnuppe zieht die Eulersche Formel über das nächtliche Firmament. Sie ist wie eine Gedichtzeile, eingeritzt in die Wand einer dunklen Höhle.“

Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Das Geheimnis der Eulerschen Formel

„Wir nannten ihn den Professor“ – mit diesen schlichten Worten beginnt Yoko Ogawas kleines Meisterwerk Das Geheimnis der Eulerschen Formel und macht uns ohne große Umwege mit einem ganz besonderen Menschen bekannt. Jener Professor ist ein alter hilfsbedürftiger Mann. Allein lebt er in seinem kleinen Haus und nur seine Schwägerin wohnt in einem benachbarten Gebäude. Er benötigt Hilfe. Täglich. Eine Haushälterin wird engagiert, die ihm bei den täglichen Verrichtungen zur Hand gehen soll. Wieder eine Neue… die Anderen haben es nicht lange ausgehalten und wurden schnell ersetzt.

Der Professor ist nicht schwierig im Umgang, es mangelt ihm auch nicht an Einfühlungsvermögen. Er ist ein warmherziger und freundlicher Mensch, ein wenig sehr introvertiert vielleicht, und doch ist es nicht einfach, sich um ihn zu kümmern. Auch seine Schwägerin ist dazu nicht mehr in der Lage. Schon lange nicht mehr.

Seit einem Unfall vor 17 Jahren funktioniert das Kurzzeitgedächtnis des Professors nicht mehr so, wie es das eigentlich sollte. Seit 1975 ist dies nun schon so. Alle neuen Informationen werden in seinem Gehirn nur für genau 80 Minuten abgespeichert. Keine Minute länger. Nach diesem Zeitraum ist er wieder auf dem Erinnerungsstand des Jahres 1975 und alles Neue ist rettungslos verloren.

Das Geheimnis der Eulerschen Formel - Gedächtnisstützen

Das Geheimnis der Eulerschen Formel – Gedächtnisstützen

„Es ist wie ein Videoband in seinem Kopf, das sich nur einmal abspielen lässt, und wenn er etwas neu aufzeichnen möchte, dann wird die vorherige Erinnerung gelöscht.“

80 Minuten lang erkennt er die neuen Menschen in seinem Umfeld, danach sind sie Unbekannte für ihn. Und gerade für Haushälterinnen ist es mehr als schwierig sich alle 80 Minuten erneut vorzustellen und beim Professor von vorne zu beginnen. 80 Minuten bleiben ihm in seiner aktuellen Wahrnehmung, sich seinem täglichen Leben zu stellen. Immer und immer wieder. Doch der Professor kämpft seit 17 Jahren mehr als bewusst gegen den Verlust jeglichen neuen Wissens an.

Er gehört wohl zu den klügsten Köpfen seines Landes, gilt als einer der größten Mathematiker seiner Zunft und hat auf der Grundlage von Formeln, Ableitungen und Gleichungen einen Weg gefunden, seinen Verstand innerhalb der 80 Minuten in höchstem Maße zu fordern. Er rechnet, forscht, sucht Lösungen für schwierigste Aufgaben und wenn seine Zeit um ist, dann weiß er sofort wieder, an welcher Stelle des Problems er weiterarbeiten kann.

Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Das Geheimnis der Eulerschen Formel – Zettel der Erinnerung

Die Welt der Zahlen ist seine Welt… Es ist eine logische sich täglich neu erklärende Welt und die Sicherheit der Formeln weist ihm einen Weg durchs Leben. Und wie bei seinen Aufgaben und Gleichungen helfen ihm unzählige Notizzettel, die er mit Klammern an seiner Jacke befestigt hat dabei, sein Erwachen nach 80 Minuten nicht völlig ahnungslos zu gestalten. Tägliche Aufgaben und Memos lassen ihn erkennen, was er geplant hat, bevor sein Gedächtnis versiegte.

Für die neue Haushälterin eine fast nicht zu meisternde Hürde. Sich immer wieder neu vorstellen und sich so vorzukommen, als hätte man den Menschen um den man sich kümmert nie gekannt. Doch ihre feinfühlige Empathie öffnet eine Tür zum alten Mann, die seit Jahren niemand mehr öffnen konnte. Sie lässt sich auf das Spiel der Zahlen ein, nimmt an seinem Leben teil und beginnt sich für Mathematik zu interessieren. Und sie macht dem Professor das größte Geschenk des Lebens.

Sie bringt ihren 10jährigen Sohn mit, um den sich der alte Mann mehr als liebevoll kümmert. Er nennt den Jungen Root (Wurzel) und bringt auch ihm die Welt der Zahlen näher – und dies auf einem Weg, der unfassbar und außergewöhnlich ist. Die Zahlen beginnen zu leben und verbinden die Menschen innerhalb der Klammer einer Gleichung bis zur Unendlichkeit. Die Zuneigung wächst in einem sich wiederholenden 80-Minuten-Rhythmus und an der Jacke des Professors haftet eines Tages ein Freundschaftsbeweis der besonderen Art: Ein neuer Zettel…

Das Geheimnis der Eulerschen Wurzel - Root

Das Geheimnis der Eulerschen Wurzel – Root

„Neue Haushälterin und ihr zehnjähriger Sohn.“

Daneben eine kleine Zeichnung, die seine Haushälterin darstellt. Er will sie nicht vergessen. Das Tor zu ihm ist offen. Es weist dem Jungen den Zugang zu einer erstaunlichen Welt der Zahlen und sie entdecken eine große Gemeinsamkeit: die Liebe zum Baseball. Auch hier alles voller Zahlen und Statistiken… aber alles Zahlen voller Strahlkraft und Magie für beide – lebendige Mathematik.

Dass sie damit weitere Türen in die Vergangenheit aufstoßen bemerken sie spät. Vielleicht sind es die Geheimnisse eines Lebens ohne Kurzzeitgedächtnis, vielleicht ist es aber auch die große Liebe des Professors zu einer Frau, die er vielleicht nie hätte lieben dürfen – die Situation spitzt sich dramatisch zu. Doch auch hier ist es die Mathematik, die den Weg weist. Es ist die Eulersche Formel, niedergeschrieben auf einem Zettel… fast unscheinbar und doch der größte Liebesbeweis im Kampf gegen das Vergessen. Der Professor hat sie nicht vergessen… nicht die Eine Liebe seines Lebens. Bewegend.

Wir haben uns von Yoko Ogawa nicht nur in die Welt der Zahlen entführen lassen. Wir sind ihrer lebendigen und klaren Sprache erlegen. Wir sind der puren Einfachheit ihrer Bilder erlegen, die uns mit wärmsten Tönen menschlichen Respekts verzauberten. Ogawa schreibt so präzise und zart, als hätte sie die Formel des guten Lesens entdeckt. Sie schützt ihre Inspiration unter dem stabilen Dach eines Wurzelzeichens und in dem so entstehenden literarischen Biotop fliegt ihre Fantasie in elliptisch magischen Kreisen bis zur Unendlichkeit.

Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Das Geheimnis der Eulerschen Formel – Lebensstatistik

Wie es sich gehört, verneigen wir uns vor der großen japanischen Autorin. Mathematik, Empathie und Verstand können Hand in Hand gehen und Wege durch tiefste Verzweiflung weisen. Wir tragen auch kleine Zettel mit uns: Das Geheimnis der Eulerschen Formel (Aufbau Verlag) – ein Buch, das wir nie vergessen werden.

Ausreißversuch – Tour de France – DIE EPOchale Dopingbeichte

Ausreißversuch - Eine Dopingbeichte - Ähnlichkeiten beabsichtigt

Ausreißversuch – Eine Dopingbeichte – Ähnlichkeiten beabsichtigt

Es ist ein gewagtes Unterfangen, als Schriftsteller eine Geschichte zu erzählen, die von der geneigten Leserschar zumindest in weiten Teilen sozusagen live und in Farbe erlebt wurde. Es ist ein gewagtes Unterfangen, diese Geschichte mit einen scheinbar fiktiven Protagonisten zu garnieren, bei dem sich allerdings schnell herausstellt, dass bis auf den Namen Max Witt nur geringe und kaum spürbare Abweichungen vom lebenden Vorbild bestehen.

Es ist ein gewagtes Unterfangen, die Geschichte von Jan Ullrich zu erzählen – seine sportlichen Erfolge im Roman einzubauen und dann schließlich, quasi in seinem Namen eine Lebensbeichte zum Thema Doping abzulegen, auf die man  bisher vergeblich warten musste. Dieser Ausreißversuch, um (ebenso wie der Titel des Romans von Johannes Schweikle) im Fachjargon des Radsports zu bleiben, kann brutal scheitern. Ambitioniert und mutig kann er sein und doch werden solche Versuche oftmals vom gesamten Leser-Feld kurz vor der Ziellinie eingeholt und der eben noch Sprintende mutiert zur Roten Laterne.

So wäre es dann lediglich beim Versuch geblieben…! Bei Johannes Schweikle ist dies nicht der Fall. Er verfügt über die seltene Begabung, journalistisches Schreiben mit bester Unterhaltungsliteratur zu kombinieren und dem Leser einen bekannten Stoff so zu vermitteln, als wäre man selbst Teil des Pelotons bei der weltberühmten Tour de France. Schweikle legt mit irrem Tempo vor und doch behält man ihn immer im Auge. Tief über den Autoren-Lenker gebeugt entführt er uns in die erste Erfolgssaison des Radrennprofis Max Witt.

Ausreißversuch von Johannes Schweikle - Klöpfer & Meyer Verlag

Ausreißversuch von Johannes Schweikle – Klöpfer & Meyer Verlag

Seinen ersten Tour de France–Sieg hat Max Witt dem plötzlichen Einbruch seines Team-Kapitäns zu verdanken – als Wasserträger sprintet er am Mont Ventoux dem Feld davon und erreicht mit uneinholbarem Vorsprung das Ziel der letzten Etappe… Paris. Gelb… das Maillot Jaune… Ruhm und Ehre… von einem Tag zum nächsten Radsportlegende. So werden Karrieren gemacht.

Das brutale Erwachen kommt bereits im folgenden Jahr. Der Medienrummel fordert schnell seinen Tribut und der persönliche Erfolgs-Sättigungsgrad hat zur Folge, dass der großen deutsche Hoffnung Witt in der Vorbereitung auf die Verteidigung seines Gelben Trikots die Zeit davonläuft. Er kommt nicht in Form. Und gleichzeitig reibt er sich verwundert die Augen, mit welch absurdem Tempo ehemals schlechtere Rennfahrer ihn bei leichten Rennen abschütteln können.

Das Zauberwort heißt Doping und langsam führen ihn das eigene Team und sein Ehrgeiz zum nächsten Level. Ganz ohne Epo… ohne Manipulation ist er nicht konkurrenzfähig. Und das kann sich der Stern am Radsporthimmel Max Witt nicht leisten. Und doch reicht alle Trickserei nicht aus, um gegen den unwiderstehlichen Nähmaschinen-Rhythmus eines texanischen Profis zu bestehen, der Max zermürbt und besiegt. Ein neuer Stern ist aufgegangen… aber auch er ist nicht sauber. Erst nach der Hodenkrebsdiagnose explodiert die Leistung des Texaners. Erst nach der Diagnose fährt er als wandelndes Lazarett über die Alpen… legale Medikamente… auch ein Weg.

Ausreißversuch - Hoch dosiertes Lesedoping

Ausreißversuch – Hoch dosiertes Lesedoping

Max greift zur letzten Chance… und geht den Weg zu einem spanischen Arzt. Das Versprechen, mit Eigenblut-Doping risikolos in einer ganz anderen Liga fahren zu können… all dies lässt Max Witt der Versuchung erliegen, ganz im Sumpf zu versinken. Bis die erste Dopingprobe ein positives Ergebnis zeigt und die einstige Legende auf einen Schlag von einem ganzen Land vom Thron gestürzt wird. Während der Texaner von Sieg zu Sieg fliegt.

„Ausreißversuch“ ist die Lebens- und Dopingbeichte des ersten deutschen Tour-Siegers Max Witt. Schonungslos geht er mit sich selbst, dem Sport im Besonderen, der Gesellschaft im Allgemeinen und Medien sowie Politikern ins Gericht. Von allen Seiten instrumentalisiert – mit Leistungsdruck konfrontiert und dann zu Boden gegangen, wie eine heiße Kartoffel, die man kollektiv fallen lässt. Max Witt – eine eindrucksvolle Abrechnung – mehr als ein Versuch.

Aber kommt uns das alles nicht bekannt vor? Sind nicht sogar die Beschreibungen des Profis Witt so nah am ehemals leuchtenden Vorbild, dass man nur Jan Ullrich vor Augen hat?

Und tauchen da nicht plötzlich all unsere ArmstrongsPantanis und Winokurows der Vergangenheit wieder auf, um in einer vermeintlich erfundenen Geschichte die größte Tour ihres Lebens für uns zu fahren? Genauso ist es. Schweikle hebt uns in den Sattel und schiebt uns an. Bekanntes verknüpft sich mit Fiktion. Da wir das Bekannte allerdings so lebendig vor Augen haben, gewinnt auch die Fiktion zunehmend an Authentizität.

Ausreißversuch - Blutzufuhr und Leistungsexplosion

Ausreißversuch – EPOchale Leistungsexplosion

So muss es gewesen sein… nur so kann es gewesen sein… Endlich blicken wir hinter die Kulissen eines großen Sportlers, der heute vor einem Scherbenhaufen seiner Vergangenheit steht. Max Witt ist Jan Ullrich… und umgekehrt. „Ausreißversuch“ ist die Beichte eines in die Enge getriebenen Vorbilds, das nur einen Weg sah… den nach vorne… koste es was es wolle.

Es sind Worte, die man gerne aus dem Munde von Jan Ullrich gehört hätte. Es ist ein Geständnis und eine Abrechnung mit einem Sportsystem innerhalb einer Leistungsgesellschaft. Jan Ullrich hat diese Worte nie gesagt und er wird sie nie sagen. Ebenso wenig wie der große Texaner oder der schnelle Kasache. Sie schweigen oder lügen gestehend weiter. Scheibchenweise klären sie auf ohne für Aufklärung zu sorgen. Niemals wird man einen Ausreißversuch einer solchen Größe erleben.

Johannes Schweikle kann diesen Roman nur aus Liebe zu diesem Sport geschrieben haben. Jede Etappe der Tour de France und jeder Radklassiker werden mit Tempo und Leidenschaft erzählt, als wäre er selbst im Pulk an der Spitze des Feldes. Schweikles Perspektivwechsel in das Innenleben von Max Witt hinein verschafft ihm die nötige Distanz, über alle Schattenseiten dieses Sports zu berichten. Und aus ebenjener Sicht heraus kann sich Johannes Schweikle etwas erlauben, was man den betrügenden Profis von damals garantiert lebenslang verwehren würde.

Lesedoping auf Rädern - Literatwo fährt im Hauptfeld

Lesedoping auf Rädern

Schweikle greift an. Kurz vor dem Ziel erhebt er sich aus dem Sattel, geht in einen mörderischen Wiegeschritt über und zieht mit fulminantem Spurt am Feld vorbei. Doch auf dem Zielstrich bleibt er stehen, steigt vom Rad und zeigt in die jubelnde Menge. Schweikles Attacke auf eine Gesellschaft, die vor Selbstbetrug und Doppelmoral nur so strotzt bleibt nicht ohne Spuren. Statt den strahlenden Sieger zu geben hält er uns den Spiegel unserer Erwartungshaltung vor. Und ganz nebenbei zeigt er Jan Ullrich, was die Wahrheit bewirken kann. Man muss nur den richtigen Weg finden, sich zu erklären.

Der zweite Platz ist Niederlage. Wir haben nur zugeschaut, weil Ullrich gewinnen sollte. So haben wir jedes Sportlerschicksal zum Phänomen erhoben. Ob Tennis, Schwimmen oder Biathlon. Die Quote hängt am Erfolg… den Hype machen die Medien und wir schließen uns an. Und wenn wir uns enttäuscht oder betrogen fühlen, dann fällt die heiße Kartoffel auf der größten möglichen Fallhöhe in die tiefen Abgründe einer Fremdschäm-Society.

Einer Doppelmoral-Gesellschaft, die aufgeputscht durch Koffein und moderne Drogen, gestylt von Schönheitschirurgen mit aufgespritzten Lippen, ein Bierchen im Glas und die Zigarette in der Hand, die Schlankmacher im Giftschrank und die Schlafmittel in der Tasche nach Betrug schreit, wenn jemand nur sich selbst betrügt. Ein Jan Ullrich hat keine Banken an die Wand gefahren. Sein Doping hatte keine Konsequenzen für uns. Sein Totalschaden ist sein eigener. Er hat sich nur selbst geschadet und muss sich selbst verantworten. Mir gegenüber ist er keine Rechenschaft schuldig.

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Ich sehe ihn noch heute auf Lance Armstrong warten. Nach dessen Sturz. Fairness kommt nicht vom Doping. Doch diese Worte würde man ihm selbst nicht abkaufen. Sie würden ihn dafür in der Luft zerreißen. Johannes Schweikle bricht das Schweigen eines großen Sportlers, er bricht eine Lanze für Jan Ullrich und er bricht nicht ein… nicht kurz vor dem Ziel.

Da teilt er aus. Gebt diesem Autor das Gelbe Trikot für das beste Buch zur Tour de France. Es kann den Sport verändern.

„Wölfe der Nacht“ – Mr. Rail zurück in Oregon mit Benjamin Percy

Wölfe der Nacht - Benjamin Percy - Oregon

Wölfe der Nacht – Benjamin Percy – Oregon

Auf nach Oregon… Wieder einmal hinein in dieses Paradies der Canyons, Wälder und Flüsse… Mitten hinein mit uns in die weitgehend ursprüngliche Landschaft im Westen der Vereinigten Staaten. Literatwo ist gut vorbereitet. Diesmal! Hatte ich mir noch vor wenigen Wochen bei Cheryl Strayds Der große Trip Leseblasen gelaufen und zumindest in der Gegend um den Crater Lake das Gefühl in Lese-Lebensgefahr zu schweben, so sollte ich das beim gemeinsamen Les-ausflug mit Bianca verhindern.

Der Roman „Wölfe der Nacht“ von Benjamin Percy (Luchterhand Verlag) brachte uns nämlich genau an diesen Ort zurück. Bücher sind oftmals durch ein unsichtbares Band miteinander verbunden. Ich erzählte Bianca von der Wildnis Oregons, von den drohenden Gefahren durch Bären und auch ein wenig von dem Menschenschlag, den wir im alten Indianerland antreffen würden. Gut gerüstet waren wir diesmal… dachten wir…

Die Erwartungen an diesen spannenden Roman waren hoch, wird doch Benjamin Percy nicht nur unter der Hand mit dem irischen Autor Gerard Donovan verglichen, der uns in einigen Büchern tief in seinen Bann ziehen konnte. Denken wir nur an Bitterkalter Nachmittag. Nun also auf nach Oregon… tief hinein in die Wildnis… altes Land…

Wölfe der Nacht - Benjamin Percy - Natur pur

Wölfe der Nacht – Benjamin Percy – Natur pur

Ich fand mich sofort zurecht und fühlte mich gleich wieder heimisch. Die Wälder mit ihren Gefahren waren mit ebenso wenig fremd, wie die Menschen, die dort ihr ganz eigenes Leben führen. Im Einklang mit der Natur, aber doch auf dem Sprung, das ökologische Gleichgewicht aus der Balance zu bringen, wenn wirtschaftliche Faktoren eine Rolle spielen.

Man lebt mit dem Land und man lebt von ihm. Man lebt mit den Tieren und von ihnen. Koste es was es wolle. Schnell tauchen wir im Kleinstädtchen Bend in das Privatleben von Justin und Karen ein. Ihre Ehe ist vom Schicksal gebeutelt – das zweite Kind kurz nach der Geburt verstorben und der gemeinsame elfjährige Sohn Graham wird seitdem unter der elterlichen Käseglocke aus Schutz und Angst verborgen. Noch ein Kind zu verlieren – unmöglich, allein der Gedanke. Graham ist kein Kind des Landes oder des Waldes. Weich… könnte man sagen… zu behütet… muss man sagen.

Ein schwelender Konflikt zwischen Grahams Vater Justin und dessen Vater Paul. Die Naturburschen von einst verwässern von Generation zu Genration und so kommt Paul auf die Idee, mit Sohn und Enkel das wahre Oregon zu erleben. Noch einmal durch die Canyons zu streifen.

Wölfe der Nacht - Benjamin Percy - Die Zeit eilt

Wölfe der Nacht – Benjamin Percy – Die Zeit eilt

Noch einmal die Natur fühlen. Eine Männerwelt – gleichsam eine Initiation für den jungen Graham. Schießen, zelten, grillen und Jungs-Gespräche. Gegen den Willen der Mutter, aber Justin schwört alle Eide, auf seinen Sohn aufzupassen…

Und dies, kurz bevor das ökologische Gleichgewicht des Echo Canyons endgültig von Menschenhand zerstört wird. Abholzung. Rodung. Golfplatz statt Indianerland. Ressort statt Reservat. Die Moderne kämpft dem Land den Rang ab. Nicht jedoch den Naturgewalten.

Drei Männer im Wald, der schon in wenigen Tagen keiner mehr sein wird und eine Frau allein in einem Haus, das sie schon lange nicht mehr als Heim empfindet. Das Gleichgewicht des Lebens gerät erheblich ins Wanken, denn die bisher abstrakt existierenden Gefahren schlagen unerbittlich zu.

Die Männer geraten an einen monströsen Bären, der gleichsam für die gesamte Wildnis ein letztes Gefecht zu kämpfen scheint. Das Überleben der Drei wird zu einem Ritt auf einer Rasierklinge aus Fell und gefletschten Zähnen. Und mittendrin ein hilfloser Junge, der in dieser Wildnis nichts zu suchen hat. Kann Justin sein Versprechen halten?

Und während die Männer um ihr Leben kämpfen, gerät auch Karens Welt ins Wanken. Der Grund dafür: Der Irak-Veteran Brian, der endlich seine Chance gekommen sieht. Die Männer sind außer Haus und Karens Hausschlüssel durch einen Wink des Schicksals in seinem Besitz.

Wölfe der Nacht - Benjamin Percy - Die Tür ist offen

Wölfe der Nacht – Benjamin Percy – Die Tür ist offen

Zwei Lebens-Gefahren, die eine Familie an getrennten Schauplätzen existenziell bedrohen. Ein wildes Tier in Gestalt eines Bären und ein wildes Tier in Gestalt eines fast normal wirkenden, vom Krieg gezeichneten, Mannes. Es war eine Bombe, die Brian zu dem machte, was er heute ist.

„Wut war ein Wort mit zu viel Oktan darin. Er spürte einfach nur den Impuls zuzuschlagen. Das war die bessere Art, über sein Hirn und seine Neuverdrahtung nachzudenken, es als etwas zu betrachten, das auf Impulse reagierte.“

Auch er wird zur Bedrohung – auch er, wie ein großes Gleichnis für den immerwährenden Kampf in Fell gekleidet. Seiner Obsession folgend verwandelt er sich in ein Raubtier… und ihm stehen die Türen zu Karen offen… im wahrsten Sinne des Wortes.

„Seine Haut, die so lange in Fell eingehüllt war, fühlt sich klebrig und wund an… Er atmet einmal tief durch und wartet, bis der schmerz nachlässt, bevor er seine Augen an einen Schlitz zwischen zwei Türlamellen presst und ins Zimmer späht.“

Wölfe der Nacht - Benjamin Percy - In Fell gekleidet

Wölfe der Nacht – Benjamin Percy – In Fell gekleidet

Benjamin Percy entwirft ein Szenario das mit den menschlichen Urängsten Katz und Maus spielt. Dort wo es an Balance fehlt ist der Mensch seinen Ängsten hilflos ausgeliefert, so scheint es. Und doch scheinen seine Protagonisten von Seite zu Seite zu wachsen. Keine einfache Schwarz-Weiß-Zeichnung. Kein simples Gut und Böse. An vielen Schlüsselstellen im Roman finden wir uns auf der Seite derjenigen wieder, die unter dem Schutz ihres Fells einen Kampf gegen sich und die Umwelt führen.

Und doch sind wir nach atemlosem Lesen bis zur letzten Seite ein wenig zwiegespalten in unserer Sichtweise zum Roman. Da wo ich die Beschreibung der Natur aufgrund meiner Lesereise mit Cheryl Strayed als absolut faszinierend empfand, war es aus Sicht von Bianca oftmals ein wenig zu grün, zu waldig, zu steinig mit zu vielen Wiederholungen. Ihren Argumenten musste ich zustimmen, denn wer hat schon vorher ein Buch mit Schauplatz Oregon gelesen?

Letztlich waren wir gemeinsam fasziniert davon, dass Benjamin Percy seine literarische Flinte von Seite zu Seite mit mehr Zündstoff großkalibrig aufmunitionierte. Eine explosive Mischung in zwei Welten hielten wir mit dieser buchigen doppelläufigen Präzisionswaffe in Händen. Als der Moment des Abdrückens kam waren wir auf das Schlimmste gefasst. Mit zweifach lautem Knall – mit großem Finale und mit dem Geruch nach Schwarzpulver sollte er unser Leserherz treffen.

Wir haben jedoch nur einen Schuss gehört. Der Lauf, in dem die Geschichte von Brian zur Zündung gebracht werden sollte… zündete nicht für uns. An Stelle des Knalls erschien ein kleines Fähnchen mit der Aufschrift PENG. Die Wirkung verpuffte schon ein wenig im Kontext des Ganzen.

Lesenswert war unser Ausflug nach Oregon auf jeden Fall. Der eine Schuss hatte es ganz schön in sich und wenn ihr mögt, dann packt doch eure Zelte und die Outdoor-Lesesachen ein und folgt uns in die Wildnis… Auf nach Oregon… es ist spannend…

Wölfe Der Nacht - Luchterhand - 19,99 €

Wölfe Der Nacht – Luchterhand – 19,99 €

Ein letzter Tipp sei noch gestattet. Wer sich nicht selbst nach Oregon lesen möchte, der kann der interessanten Stimme von Bernd Hölscher in der ungekürzten Hörbuchfassung von Radioropa folgen und schauen, ob er sich in der Wildnis sicherer fühlt. Nachdem wir die Hörprobe genossen haben, müssen wir jedoch auch hier vor zunehmender Gänsehaut-Gefahr dringend warnen. Über 10 spannende Stunden in der Tiefe der Natur sind garantiert!

Mit einem Klick zu Radioropa und der stimmungsvollen Hörprobe aus der Wildnis

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