Die Geburt eines Protagonisten – Simon von Starkenburg

Eine Geburtsstunde - Was zu beachten ist...

Eine Geburtsstunde – Was zu beachten ist…

Ein bekannter Schriftsteller hat einmal gesagt, dass er seine Charaktere als ganz normales Personal betrachtet, um das er sich während des Schreibens so intensiv zu kümmern habe, wie ein Firmen-Inhaber um seine Angestellten. Zu verdienten Mitarbeitern habe er gutmütig zu sein und manchmal müsse er auch einfach hart durchgreifen. Seinen Protagonisten hat er dabei kein einseitiges Kündigungsrecht eingeräumt – so schien es mir, denn ansonsten wären die Bücher dieses Autors wohl menschenleer. Es ist wirklich hart, was einem erfundenen Charakter so alles zugemutet wird im Laufe eines kurzen Roman-Lebens, gleich welcher Stilrichtung.

Man schreibt ihn von einem Riesen-Schlamassel in den nächsten, lässt ihn unliebsame Dinge erledigen und stößt ihn in ein Leben voller Klischees, denen er zu entsprechen hat. Und dabei benötigt man genau diese Figur vielleicht nur für eine kleine Momentaufnahme in seinem Buch. Dabei erschafft man doch eigentlich wesentlich mehr. Es ist ein schöpferischer Akt voller Verantwortung und Kreativität. Ist man da nicht ein wenig wie ein Gott in seinem eigenen Universum? Dieser Frage möchte ich mich widmen.

Stellen wir uns nur vor, wir benötigten für einen historischen Roman zur Zeit der Kreuzzüge einen mürrischen, stets angetrunkenen Schergen im Habit der legendären Tempelritter, der unserer eigentlichen Hauptfigur – sagen wir, einem tapferen Königssohn aus Pisa – an einer bestimmten Stelle des Romans in einer dunklen Spelunke in Askalon einen hinterhältig geführten Schwertstreich verpasst und dieses kleine Gefecht nicht überlebt, damit der Roman einfach weiter erzählt werden kann. Stellen wir uns weiter vor, dies würde am Abend des 23. Septembers im Jahre 1278 geschehen und lassen wir der Einfachheit halber den eigentlichen Hauptdarsteller außer Acht.

Simon von Starkenburg betritt die Lesebühne

Simon von Starkenburg betritt die Lesebühne

Um jenen Schergen, nennen wir ihn Simon von Starkenburg, nun auftreten zu lassen, benötigen wir nicht nur reine Äußerlichkeiten, sondern eine ebenso komplexe individuelle Vita, die in ihrer Plausibilität den Roman nicht zum Stocken bringt. Und über jene Lebenslinie hinaus legen wir uns nun auch noch einen greifbaren Grund für seine grobschlächtige Abtrünnigkeit zurecht. Schon wird es kompliziert. Haben wir ihm nämlich einmal einen Templer-Harnisch übergestreift und verwickeln ihn dann in einen Überfall auf unseren christlichen Helden, dann – ja dann ist mächtig etwas schief gelaufen in Simons Leben.

Um dies zu konstruieren, lassen wir in unseren Gedanken jenen Simon am 12. April anno domini 1215 in einem kleinen Dorf im Badischen als Sohn eines ehrenwerten, aber sinnlos verschuldeten Ritters und seiner stolzen, aber mittellosen Gemahlin das Licht der Welt erblicken. Über seine eisenharte Kindheit mit den traumatischen Erlebnissen eines kleinen Jungen, der in jeder freien Sekunde zum Kampf mit Holzschwert und Lanze gezwungen wird, decken wir den alles umhüllenden Mantel des Schweigens. Auch seine erste und vergebliche Liebe denken wir in uns hinein, da sie seinen Weg zwar beeinflusst, aber in einem Kreuzzugs-Epos eher zu vernachlässigen ist.

Simons Vater bleibt in Ermangelung eigener Geldmittel keine andere Möglichkeit, als seinen Sohn einem ritterlichen Orden anheim zu stellen und schon trägt unser junger Ritter das mystische Gewand der Tempelritter, die nichts besseres im Sinn haben, als ihn im Jahre 1275 ins Heilige Land zu entsenden. Bereits im ersten Gefecht Seite an Seite mit dem oben genannten Prinzen von Pisa, der nichts – aber auch gar nichts – vom Templer-Orden hält, wird Simon von seinen Kameraden getrennt und sieht sich gezwungen zu fliehen. Dabei zu beobachten, wie sich der Prinz nach dem Gefecht einträchtig und unverletzt mit dem Feind berät, verwirrt ihn mehr als die Niederlage.

Das literarische Schicksal ist unbarmherzig...

Das literarische Schicksal ist unbarmherzig…

Feigheit wirft man Simon vor und spricht ihm die Ritterwürde ab. Ankläger und Richter zugleich ist jener Prinz aus dem fernen Italien, den Simon alsbald abgrundtief zu hassen beginnt. Als Eseltreiber und einfacher Handlanger darf er sich fortan in der Festung der Templer im frisch eroberten Askalon verdingen. Sein Leben ist gescheitert und seiner Würde beraubt schleppt er sich in seinem einfachen Templermantel in den Abendstunden von Schänke zu Schänke, wo er nun im Jahr des Herrn 1278 des Prinzen ansichtig wird. Und dieser hat nur einen Satz für Simon übrig: „Zum Trinken reicht der Mut allemal – nur fällt das Weglaufen ziemlich schwer!“

Rache. Nur dieser Gedanke treibt ihn um, als er sich – angetrunken und tobsüchtig – dem Thronfolger in heimtückischer Absicht nähert und ihn von hinten attackiert. Ein Prinz wäre allerdings kein Prinz, wenn er diesen Angriff nicht geahnt hätte. Er pariert ihn mit einer tödlichen Finte und so endet Simons Weg durch die Welt der Kreuzzüge mit dem einzigen Wort, das ihm im Roman gestattet wird: „Verräter…!“ Ein Ruf der nicht ohne Zeugen bleibt.

Dies alles muss der geneigte Leser des Romans natürlich nur in Ansätzen wissen, dient der ruchlose Angriff doch lediglich der Ausgestaltung eines Cliffhangers zwischen zwei etwas träge dahinfließenden Kapiteln. Dafür all der geistige Aufwand und dafür all die Mühen mit Simon von Starkenburg und seinem kurzen Leben sowie dem sinnlosen Sterben in der Hitze des Heiligen Landes. Einzig für das legendäre Wort „Verräter…“ und das Aufklatschen eines Körpers auf dem staubigen Boden einer Spelunke in Askalon wurde er benötigt.

Damit hätte man dann zumindest einen kleinen Charakter auf die Welt gebracht und ihn mit einer ganz eigenen Geschichte ausgestattet, die sich dem Leser des Romans nur in ganz kleinen Teilen erschließt. Und wir stellen sehr schnell fest, dass allein dieser kleine Ritter schon die kreative Energie eines halben Romans verschlingt, um ihn zur richtigen Zeit am richtigen Ort das Richtige tun zu lassen. Zumindest aus Autorensicht.

Was der Leser jedoch niemals erfahren wird ist die Kette der Ereignisse, die sich im sogenannten „off“ vollziehen und im eigentlichen historischen Roman keine wirkliche Rolle mehr spielen. Sie gehören aber zweifelsfrei in den Verantwortungsbereich eines Schriftstellers, der weiterdenken muss, als sein Buch.

Es ist der einsame Reiter, der am Markttag durch die Tore einer badischen Burg reitet. Im Gepäck einen weißen Mantel der Tempelritter und einen fast unversehrten Helm. Es ist ein alter Mann vor dem wärmenden Kamin seines Gemachs, der die geschnürte Schriftrolle des Templers aus dem fernen Askalon entgegennimmt und verharrt. Es ist der Text einer Nachricht, der vom Verrat eines Prinzen berichtet und von einem aufrechten jungen Templer, dessen Mut es zu verdanken ist, dass sich Askalon noch in der Hand der Kreuzfahrer befindet. Es ist der entsetzte Schrei einer Mutter, die den Mantel des gefallenen Sohnes in dessen kleine Kammer bringt.

Es sind die alten Holzschwerter und Spielzeuglanzen einer Jugend, die nun im Einklang mit dem Waffenrock eines gewissen Simon von Starkenburg von einem Leben zeugen, das nur zur Randnotiz in einer großen Geschichte taugte.

Und es ist eine einsam liebende, nie erwähnte junge Maid, die sich für ebenjenen Simon und sich selbst eine eigene Geschichte gewünscht hätte, die nun allerdings niemals erzählt wird… Literarisches Schicksal…

Alles was bleibt

Alles was bleibt

Autoren sollten sich der Verantwortung stets bewusst sein, die mit der Schöpfung eines Charakters verbunden ist. Leser sollten es zu schätzen wissen, wenn sie genau dies fühlen. Und Simon von Starkenburg sollte mir dieses Gedankenspiel verzeihen.

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket – John Boyne

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket - John Boyne

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket – John Boyne

Für treue Leser von Literatwo ist es kein großes Geheimnis: Ein langer Lebensleseweg verbindet uns mit John Boyne. Nach „Der Junge im gestreiften Pyjama“, „Zu schnell“, „Der Junge mit dem Herz aus Holz“ und „Das späte Geständnis des Tristan Sadler“ ist der irische Erfolgsautor selbst schuld daran, dass unsere literarische Erwartungshaltung  sehr hoch ist.

Die boyne`sche Messlatte hat er selbst auf Rekordhöhe geschraubt. Ob er sie mit seinem neuesten Kinder- und Jugendbuch Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket (KJB) überspringen und einen Literatwo-Höhenrekord aufstellen würde, diese Frage beschäftigt uns seit jenem magischen Tag in Leipzig, als er uns in einem exklusiven Buchmesse-Interview davon erzählte, woran er gerade schrieb:

„Es geht um eine Familie, in der die Eltern es nicht akzeptieren können, wenn jemand in irgendeiner Beziehung „anders“ ist. Zwei ihrer Kinder entsprechen ihren Vorstellungen, aber da gibt es eben noch ihren Sohn „Barnaby“ und er ist alles andere als normal“ – so John Boyne im März 2012.

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket - John Boyne

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket – John Boyne

Das „Anderssein“ ist wohl das zentrale Leitthema im Lebenswerk von John Boyne. All seine Protagonisten kämpfen dagegen an, nicht akzeptiert zu werden, ausgegrenzt zu sein oder aufgrund ihrer Lebenshaltung und -umstände von ihrem unmittelbaren Umfeld in eine Schublade gesteckt und an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden.

Das deutliche autobiographische Element dieses Leitmotivs strahlt über all seinen Büchern wie ein leuchtender Fixstern im boyne`schen Erzähl-Universum. Das haben wir damals im persönlichen Gespräch deutlich gespürt. Auch John Boyne fühlte sich „Anders“ und auch er führte einen langen verzweifelten Kampf gegen die scheinbare Normalität.

Dass er jedoch in seinem neuesten Buch – wohl im Wissen um die Höhe der Messlatte  – einen mehr als genialen Geniestreich seiner Fantasie zu einer Geschichte werden ließ, das hat uns mehr als überwältigt. Auch hier steht das „Anderssein“ im Vordergrund – auch hier wird ein kleiner Junge in einer Welt voller Klischees von seinem „ach so normalen“ Umfeld in eine Ecke gedrückt und im wahrsten Sinne des Wortes  auf dem Boden der Tatsachen gehalten…

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket - John Boyne

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket – John Boyne

Mit dem achtjährigen Barnaby Brocket aus Sydney betritt einer der wohl außergewöhnlichsten Protagonisten der Literaturgeschichte die Bühne der normalen Welt.

Und er wird sie nachhaltig verändern….

Denn Barnaby Brocket trotzt den Gesetzen der Schwerkraft – er schwebt und kann nichts dagegen tun. Gar nichts. Schon seine Geburt wird für seine auf Normalität bedachten Eltern zum reinen Fiasko. Flutsch und weg, könnte man sagen. Nicht in der Hand der Hebamme landet der winzige Neugeborene, sondern an der Decke des Kreißsaals ist er zu finden. Erstaunte Blicke und große Verwunderung auf allen Seiten sind die logischen Folgen dieser Abnormität.

Und Besserung ist nicht in Sicht. Erste Versuche, sich mit der Situation abzufinden münden in einen verzweifeltem Kampf um Normalität. Matratzen werden an die Decken des Elternhauses genagelt, um dem heranwachsenden Barnaby einen Schlafplatz zu ermöglichen. Er wird in den ersten Jahren seines Lebens versteckt und lernt nur seine Eltern, seine beiden Geschwister und den treuen Hund der kleinen Familie kennen. Nach draußen lässt man ihn nicht. Das wäre peinlich und gefährlich, so der einhellige Tenor.

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket - John Boyne

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket – John Boyne

Es kommt jedoch, wie es kommen muss. Man kann auch in der größten Normalität der Gesellschaft ein Kind nicht lebenslang unter Verschluss halten und spätestens die drohende Schulpflicht sorgt dafür, dass Barnaby Brocket das Licht der Welt zum ersten Mal so richtig erblickt. Und dieser Schritt liefert ihn den Blicken einer Welt aus, für die alles Unnormale schier unfassbar scheint. „Das ist doch nicht normal,“ so lautet die einhellige Meinung der Nachbarschaft auf das Kind, das nur an der langen Leine hinter seiner Mutter herschweben kann, wenn man gemeinsam das Haus verlässt.

Ein schwerer, mit Sand gefüllter, Rucksack hält ihn erstmals am Boden und vermittelt dem Umfeld einen leichten Hauch von Normalität, aber Barnaby fühlt sich gefesselt und stellt sich immer häufiger die Frage, wie es ihm wohl jemals gelingen wird, wahre Freunde zu finden… in einer Flughöhe eines Mittelstreckenflugzeugs…. Schwierig. Die Auswahl der Schule macht im dann klar, welche Rolle er im Leben seiner Eltern wirklich einnimmt. Die „Ultimative Akademie für unerwünschte Kinder“ scheint auf Problemfälle ausgerichtet, aber auch hier schwebt Barnaby über den Dingen.

Als die Situation für die Brockets eine Grenze erreicht, die sie für unerträglich halten, treffen sie einen mehr als folgenschweren Entschluss. Ein gemeinsamer Spaziergang zu einem lauschigen Aussichtspunkt in Sidney (Barnaby natürlich mit Sand im Rucksack beschwert) ein kleines „Versehen“ mit einer zufällig mitgeführten Schere und schon beginnt der Sand zu rieseln und Barnaby schwebt davon. Jetzt hatte man seinem Egoismus endgültig einen Riegel vorgeschoben. Um den Preis der Normalität lassen die Brockets ihren kleinen Barnaby im Alter von acht Jahren einfach fliegen.

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket - John Boyne

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket – John Boyne

Was dann folgt möchten wir an dieser Stelle nur vage andeuten. Es beginnt eine wundervolle Reise in eine Welt, die sich Barnaby ganz anders vorgestellt hätte. Aufgefangen von zwei älteren Damen in einem Heißluftballon, liebevoll aufgepäppelt mit dem bisher fehlenden Selbstbewusstsein und der tiefen Einsicht, dass seine Fähigkeit nicht unnormal sondern besonders ist, macht sich Barnaby auf den Weg durch die Welt. Er begegnet Menschen, die so viel mit ihm gemeinsam haben, nur dass ihr Schweben ein anderes ist. Sie sind ebenso anders wie er selbst und es gelingt ihm bei jeder dieser emotionalen Begegnungen, seine neuen Weggefährten davon zu überzeugen, dass sie besonders sind.

Und doch will Barnaby wieder nach Hause. Dafür nimmt er alles in Kauf, denn er glaubt nach wie vor an die Liebe seiner Eltern und seiner Geschwister. Er schreibt liebevolle Ansichtskarten von unterwegs und gewinnt von Tag zu Tag mehr Vertrauen in sich selbst und in seine Fähigkeiten. Er beginnt an sich zu glauben. Wird er seinen Weg finden und kann er seine Eltern davon überzeugen, dass er als einzigartiger Mensch eine ganz besondere Normalität in sich trägt? Kann er bewirken, dass man ihn mehr liebt, als auf die Meinung der Anderen zu hören? Wird er jemals wieder einen Platz in seiner Familie finden?

Dies verrät uns John Boyne in „Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket“. Ein Buch für Leser jeden Alters – ein Roman der so leicht ist, dass er selbst zu schweben scheint. PostIts bleiben beim Lesen nicht an ihrem Platz, sondern schweben schwerelos mit dem Auge des Lesers von Seite zu Seite und von einer liebevollen Illustration aus der Feder von Oliver Jeffers zur nächsten . Ungläubig, bewegt und durch keinen Sand der Welt auf den Boden der Realität zu bringen. Wir haben uns in Barnaby verliebt, da dieser kleine Junge zum Sinnbild für die Besonderheit des Unnormalen wurde. Mit ihm gemeinsam schliefen wir unter der Decke, flogen an Hundeleinen befestigt zu kleinen Spaziergängen und trugen seinen bleischweren Rucksack.

Mit einem einzigen Klick beginnt der Flug zu John Boyne auf Literatwo

Mit einem einzigen Klick beginnt der Flug zu John Boyne auf Literatwo

Folgt der unfassbaren Leichtigkeit des Lesens und begegnet dabei einem Jungen, der euer Lesen verändern kann. In unglaublicher Herzlichkeit und angetrieben von großen Gefühlen hat er die hohen Erwartungen an diesen Roman bei Weitem übertroffen und einen neuen Rekord in literarischer Flughöhe aufgestellt. Barnaby Brocket ist ein ganz besonderer kleiner großer Held, der eure Herzen im Sturm erobern wird. Bei uns Literatwos ist ihm das gelungen und wenn wir an dieses bezaubernde Buch denken, dann blicken wir auf… und niemals nach unten.

Denn John Boyne und Barnaby Brocket sind nur dort zu finden: GANZ OBEN….

Mein Herz schlägt für uns beide – Suzi Moore

Mein Herz schlägt für uns beide - Suzi Moore

Mein Herz schlägt für uns beide – Suzi Moore

Nein, nichts für mich… ! Das war meine erste Empfindung, als ich mir Mein Herz schlägt für uns beide von Suzi Moore genauer angeschaut hatte. Das Cover erinnerte mich an Strand- und Freundinnen-Stories, für die ich mich im Moment so überhaupt nicht erwärmen wollte. Und nur by the way… ich bin ein Junge (ein recht alter zugegeben, aber immerhin…) und dieses Titelbild der beiden jungen Mädchen, Arm in Arm, nahm einfach keinen Kontakt mit mir auf.

Allerdings wollte mir nicht ganz in den literarischen Kopf, was dieses Buch dann im Sortiment des „CBJ-Verlages“ zu suchen hatte. Passt gar nicht zu meinen ersten Eindrücken, dachte ich mir und schlug das Buch dann doch auf. Eigentlich war das nicht mein Plan, aber dann stand ich planlos vor den ersten Zeilen einer Geschichte, von der ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, dass sie mein Lesen verändern würde.

„Meine Schwester starb am 1. März, und das war richtig blöd. Immerhin war das mein Geburtstag. Es war unser Geburtstag. Laura war mein eineiiger Zwilling.“

„Es passierte ganz schnell…“

Mein Herz schlägt für uns beide - Suzi Moore

Mein Herz schlägt für uns beide – Suzi Moore

Erst nach dreißig Seiten schaffte ich es, das Buch für einen Moment zur Seite zu legen und wunderte mich über die unzähligen PostIts, die ich bereits zu diesem Zeitpunkt in der Tiefe dieses Romans verloren hatte. Unfassbar! Ich wollte es kaum glauben. Da erzählt eine Autorin in ihrem ersten „Kinderroman“ aus der unverfälschten Sicht eines neunjährigen Mädchens über Tod, Verlust, unbewältigte Trauer und diesen Einen Moment, der ein ganzes Leben verändert.

Kann man eine solche Perspektive stringent beibehalten – kann man einem Kind diese tiefe Erzählstimme schenken, wenn es sich um ein derart traumatisches Ereignis handelt? Kann ich an Emmas Seite bleiben, wenn sie in einem kindlich naiven Gefühls-Chaos versucht, den Tod ihrer Schwester Laura zu begreifen und pausenlos an ihre Grenzen stößt? Und würde es mir gelingen, mich in die Denkwelt eines eineiigen Zwillings hineinzufühlen, der nun zurückbleibt. Ein Herz fehlt… das eineiige Pendant hat aufgehört zu schlagen.

Hier begannen die intensiven Gespräche mit Bianca. Kein Buch hat uns in diesem Jahr so kontrovers diskutieren lassen und kein Autor hat unsere Meinungen teilweise in so verschiedene Richtungen driften lassen. Und kein Autor hat uns in diesem Jahr im Verlaufe einer Geschichte wieder so nah zusammengebracht, wie Suzi Moore.  Folgt uns einfach auf eine besondere Lesereise in die Tiefen einer kindlichen Seele… ihr werdet es nicht bereuen! Dieser Artikel ist das Resultat dieser Gespräche…

Mein Herz schlägt für uns beide - Suzi Moore

Mein Herz schlägt für uns beide – Suzi Moore

Wir lernen Emma einige Monate nach dem plötzlichen Tod ihrer Zwillingsschwester Laura kennen. In ihrer kindlichen Sicht freut sie sich noch darüber, dass es am gemeinsamen neunten Geburtstag geschehen ist. So konnte Laura wenigstens noch ihre Geschenke auspacken. Das ist aber im Moment auch der einzige Trost, denn Emma fühl sich allein. Der Tod hat alles verändert. Ihre Eltern streiten sich pausenlos – dem kleinen Bruder lässt man scheinbar alles durchgehen, während Emma sich irgendwie eingesperrt fühlt. Sie darf kaum etwas unternehmen und jede „normale“ Aktivität bedeutet erneuten Streit.

Emma fühlt sich nicht mehr Wohl in ihrer Haut. Sie belauscht die Gespräche ihrer Eltern und einige Aussagen ihrer eigenen Mutter machen Emma zur Außenseiterin in der verletzten Familie:

„Emma hat solche Ähnlichkeit mit Laura, dass es mir an manchen Tagen schwerfällt, sie auch nur anzusehen. Manchmal kommt es mir so vor, als ob ich ein Gespenst vor mir habe!“

Emma kapselt sich täglich weiter in ihrer eigenen Welt ein und lässt niemanden hinter ihre Kulissen schauen. Sie traut sich nicht, ihren Eltern zu erzählen, dass sie nachts in ihren Träumen mit ihrer Schwester spricht. Sie hat Angst, sich zu blamieren.

Mein Herz schlägt für uns beide - Suzi Moore

Mein Herz schlägt für uns beide – Zeichnungen © Mr. Rail

Sie spricht nicht über die Sorgen in der Schule, wo sie nur als der „Rest“ von etwas gesehen wird, das nicht mehr komplett ist. Sie lässt niemanden an ihrer eigenen Trauer teilhaben – weil auch sonst niemand mehr zu trauern scheint. Die Normalität, die man ihr vorspielt ist so künstlich, dass es schmerzt.

Dabei lebt Emma in einer Welt voller Symptome, deren Ursachen sie nicht verstehen kann. Jeder Satz von ihr öffnet dem Leser die Augen, jede ihrer Randbemerkungen lässt aufhorchen. Wenn sie darüber spricht, dass sie täglich Vitaminpillen nehmen muss; dass ihre Mutter lange Zeit nicht arbeiten konnte; dass ihr alles verboten wird, was mit körperlicher Anstrengung verbunden ist – dann ahnen wir mehr, als Emma jemals wissen wird.

Niemand hat ihr bisher die Wahrheit über den Tod ihrer Schwester erzählt. Die Eltern verbergen Trauer und Tränen vor den Augen der Tochter, die ihnen noch blieb und alle „gemeinen“ Verbote liegen im übertriebenen Beschützerinstinkt und der großen Angst, auch Emma zu verlieren, verborgen. Nur Emma selbst kann das aus ihrer Sicht nicht erkennen.

Und wenn sie im gemeinsamen „supergeheimen“ Notizbuch blättert und die Zeichnungen ihrer Schwester betrachtet, dann bricht es einem schier das Herz. Auf und davon… ein gemalter Heißluftballon mit harmloser Botschaft, die nun so viel schwerer wiegt, als damals.

Mein Herz schlägt für uns beide - Suzi Moore

Mein Herz schlägt für uns beide – Suzi Moore

Die Welt scheint sich gegen Emma verschworen zu haben und sie ist nun so völlig anders, als sie es jemals sein wollte. Sie beginnt einen kindlich verzweifelten Kampf um ihr eigenes kleines Leben. Sie wünscht sich so sehr einen neuen Geburtstag und hält es für unerträglich zukünftig alleine feiern zu müssen. Immer nur als Hälfte betrachtet zu werden. Als Rest von etwas.

Sie sehnt sich danach, einfach nur Emma sein zu dürfen  – aber dieser Wunsch stößt auf ignorante Elternohren. Emma wird wohl immer anders bleiben – ihre Hoffnung beginnt zu sinken, wie ihr Mut…

Bis eines Tages ein Mädchen in ihr Leben tritt, das es in Puncto „Anderssein“ gut mit ihr aufnehmen kann. Lexi heißt die neue Schülerin an Emmas Schule. Eine geheimnisvolle Augenklappe macht sie zur wahren Außenseiterin und doch lebt sie diese Rolle mit solcher Eleganz, dass es fast unheimlich wirkt. Das Geheimnis hinter dieser Größe liegt in ihr selbst und ihrem Umfeld verborgen. Lexi und Emma… zwei Wege führen aufeinander zu – zwei Wege, die unterschiedlicher nicht sein können – und doch erkennen wir früh, dass es ein tragfähiger Weg für beide ist. Der Beginn einer wundervollen Freundschaft.

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Suzi Moores ergreifende Geschichte trägt im Original den Titel „LexiLand“ und weist deutlich darauf hin, wem wir es zu verdanken haben, dass sich eine ganze Familie langsam auf den Weg zurück ins normale Leben bahnen kann. Lexis Kampfeswillen und die wundervolle Haltung ihrer Eltern, diesem jungen Mädchen ein Leben zu gestalten, das ihre Andersartigkeit in innere Schönheit wandelt, tragen im Leben der neuen Freundin Emma erste Früchte.

An der Stelle, an der Emmas Eltern ihre Augen vor dem Leben ihrer Tochter verschließen, beginnen wir klar zu sehen. In dem Moment, in dem ihr Umfeld beginnt der kleinen Emma die Augen zuzuhalten, sehen wir die ersten Lücken in der Tiefe der Trauer und an dem Tag, an dem Lexi in ihr Leben tritt, erkennen wir, dass auch hier die Einäugige die Königin unter den Blinden ist.

LexiLand ist ihre Heimat und wird zum Synonym für ein respektvolles Miteinander in guten und in schlechten Tagen. Ein Königreich der Herzen, in dem Laura nie vergessen wird, aber ein neues Leben beginnen kann. Wir freuen uns auf weitere Geschichten aus LexiLand. Wir wissen, dass es sie geben wird und wir ziehen alle buchigen Hüte vor der Autorin Suzi Moore, der es gelungen ist, eine Perspektive beizubehalten, die anfänglich so seltsam anmutet, dann aber mit enormer emotionaler Macht gefangen nimmt.

Mein Herz schlägt für uns beide - Suzi Moore

Mein Herz schlägt für uns beide – Suzi Moore

Zwei kleine Anmerkungen seien uns noch erlaubt:

Erstens hätten wir uns für das Originalcover entschieden, da es so viele Elemente des Romans aufgreift, die für immer mit unserem Lesegefühl verbunden sein werden. Aber selbst Suzi Moore sieht im deutschen Titelbild eine „erwachsenere“ Form des Originals. Unser Artikeldesign versucht hier eine kleine Brücke zu schlagen… nennen wir es einfach „Hybrid-Design“.

Zweitens haben wir wieder einen Plan. Zwillinge… das Thema hatten wir schon bei Literatwo, allerdings vor dem Hintergrund medizinischer Versuche im Konzentrationslager Auschwitz. Eva Mozes Kor hat für sich selbst und ihre Zwillingsschwester Zeugnis des Überlebens und Vergebens abgelegt. Diesen Lebensbericht haben wir damals zu LISI, einer befreundeten Bloggerin in Österreich geschickt. Sie hat ebenfalls eine Zwillingsschwester und nun dürft ihr raten, wohin Mein Herz schlägt für uns beide gerade unterwegs ist.

Nach dem Lesen ist vor dem Lesen… Literatwo

Hier geht es bald weiter.... LexiLand aus Sicht eines Twins

Hier geht es weiter…. LexiLand aus Sicht eines Twins

Jonathan Stroud – The official „Lockwood & Co.“ interview

Jonathan Stroud - The Lockwood & Co. interview

Jonathan Stroud – The Lockwood & Co. Interview

It was more than a privilege for Literatwo to conduct this first exclusive

„Lockwood & Co.“ – interview with Jonathan Stroud

for his German publisher CBJ. The German transcription is available on the official book page of CBJ and we have started our article series with the special „Literatwo meets Jonathan Stroud„. As promised, we now open our secret book with the complete original edition of this impressive interview

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Jonathan, you carry your readers off into a very beautiful/scary ghost-atmosphere in the London of our times. The presence of ghosts has grown to a dangerous dimension all over the country. Ghost-lamps dominate the urban image and a ban on going out is imposed. What inspired you to write about the subject of ghost-hunting in your very unique personal style?

I’ve always loved ghost stories of various kinds – succinct folkloric tales, the classic short stories of the English tradition (especially the work of M R James) and ambiguous studies in psychology (such as the great Turn of the Screw by Henry James). I also grew up watching TV shows with kids investigating creepy stuff (which usually turned out to be fake ghosts created by crooks trying to scare people away from their loot). So it’s a great and familiar tradition. But normally these stories are small-scale: they depend for their effect on everything being intimate and localised. I wondered if it would be possible to keep that small-scale scariness, but combine it with something bigger – a series of adventures taking place across a city, across a country… What if ghosts were a nationwide problem that everyone had to cope with? What would be the implications?

Can you explain your personal attitude towards ghosts? Do you believe in ghost stories and is it imaginable for you, that someone who dies is not willing to leave this earth after his final breath?

I am afraid of ghosts – when it’s a dark night and my imagination runs away with me – but I don’t think I believe in them. (You can see a tiny bit of uncertainty in my answer there!) I’ve never knowingly seen one, although there have been incidents in my family history which seem to confirm psychic connections. One of my great-great uncles walked every day past the same hut at the side of the road. One day he got a horrible feeling as he approached it; he stopped, turned round and took another way home. It later turned out that someone had hung himself in that hut that very morning, and was swinging there in the dark as my uncle approached… That’s the family story, anyway! As to what happens after death, this is the great mystery – and that mystery is at the heart of our love/fear of ghostly things: we’re conflicted. We want something of us to survive death, but we’re frightened about what that might be.

Jonathan Stroud - The Lockwood & Co. interview

Jonathan Stroud – The Lockwood & Co. interview

You classify ghosts into different categories and constitute the reasons and motivations for their presence. In the foreground, the search for justice is one of the most important reasons to stay as a ghost. They find no peace because injustice happened to them in the past. Can you tell us one reason that could be responsible for you, not to leave mother earth and stay as a ghost? And how would your ghost put the cat among the pigeons?

Ha, ha! Why would my ghost return? Hmm… Maybe if my publishers stopped selling my books after I was gone, I’d have to come back and stalk their office, glowering at them from behind their desk, or throwing paperclips into their coffees, until they put nice new editions of Lockwood and Bartimaeus into print. Or if a rival author pushed me under a tram, I’d come back and drive them slowly mad by materialising in their mirror while they were doing their teeth each morning. It would be fun.

Even in the most horrible situations your readers are overrun by a very special kind of „Stroud-humour“. Shivering and laughing are constantly going hand in hand in your story. Is this part of your own character, to find reasons to laugh even in the worst situations?

I hope so, at least in my fiction. One of the things I’m trying to do with Lockwood is to fuse the proper traditional scariness of the ghost story with some real humour. Most ghost stories (not all) depend for their effect on seriousness and on a certain morbid obsession with death and the past. I want to keep that, but lighten it too by combining it with other traditions – the zest of the traditional adventure story, the mysteries of detective fiction, the jokes and character-based joy of humorous tales. If you can get the balance right, it should be a wonderful cocktail. That’s my theory, anyway!

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In your story „Lockwood & Co“, adults have reached the limits of their capabilities. They are blunted and not sensible enough even to find or to catch ghosts. Only children and youths are the real heroes and able to use all senses for this dangerous profession. Is this your very personal bow to a young and sensitive generation, which is still able to dream and feel?

Yes, definitely (though in reality most adults still retain these same qualities too, only rather muffled and subdued by the grinding responsibilities of life). The wonderful thing about children, which I pay tribute to in these books, is a willingness to embrace everything. All doors are open to them: they are willing to explore and experiment, to face up to new challenges; they have extreme sensitivity to everything around them. They’re also very good at doing this all at once, flipping from one thing to another, which is why I have my heroes fighting ghosts one minute, and swapping jokes the next. I think this links in with the last question, and to my attempt to mix together different kinds of genre. Having a flexible palate of genres echoes the flexibility of my heroes – and also of my readers. Anyway, my characters’ sensitivity to ghosts is a great metaphor for this wonderful receptivity in the young.

The Agency „Lockwood & Co“ consists only of young people. Sensitive, analytical, feeling and seeing – they are a perfect combination of abilities and a very impressive ghost hunter-team. Do you characterize yourself more emotional and sensitive or are you an analyst in your real life?

Ooh, good question. I think the honest answer is that I’m somewhere in the middle. Probably most writers would have to say the same. You have to be pretty good at rational analysis if you’re going to put a novel together; at the same time, you have to have access to your emotions too, and also be sensitive to how other people work, otherwise your books will end up pretty barren.

Jonathan Stroud - The Lockwood & Co. interview

Jonathan Stroud – The Lockwood & Co. interview

Are you still able to walk through London or your house without looking out for ghosts or any supernatural phenomenon? What do you think will happen to your readers after finishing the first book of the series?

I do get a little jumpy on a long dark night when the rain’s rattling at the windows…. My hope for my readers is that they get a tiny bit nervous too, but only in a good way. It hasn’t been published yet, but a friend gave the manuscript to her 13-year-old daughter, who then couldn’t get to sleep afterwards. Her quote: “You see, I got carried away reading that Lockwood book, and it’s windy outside and it’s about ghosts and now I need some reassurance.” I confess I was secretly a bit pleased by this. But actually what I want to pass on is a warm combination of excitement, laughter and the creeps. If I manage all three, the job is done.

The cover of „Lockwood & Co – The Screamin Staircase“ is adorned by a padlock. Whom would you like to hand out the key to your new and mysterious world of ghost stories? Is there any ideal-typical Jonathan Stroud-reader whom you are writing for… is it perhaps even the reader of Bartimäus?

When I began writing Bartimaeus I consciously tried to create something which I would have loved to read at the age of 12, and which I would ALSO have loved to have read right then, as I was writing, at the grand old age of 31. The same is true now with Lockwood (except that I’m perhaps a little older…). So I always have a split sensibility – I want it to be accessible and entertaining for both young and old. I don’t think this is too difficult: the basic love of a good story is something that we all share, at any age. The first myths and folktales were told round the campfires to the whole community. This is why fairy tales (and much children’s literature), has a universal currency.

Let`s talk about your world success Bartimäus. These books may be luck or hypothec for your new project. Luck because it may be easier for you to reach a lot of readers with a new story but also hypothec perhaps because the expectations are very high. Is it a problem for you if Lockwood will be compared with Bartimäus?

I’m certainly lucky to have had one series that has achieved such a success, and of course it’s inevitable that this second series is going to be compared with the one that went before… But I’m happy to see what happens. I’ve tried to put many of the Bartimaeus ingredients into the Lockwood recipe – keeping a similar mix of character, jokes and adventure, for example – so I hope that readers who liked Bart will find a few familiar things to enjoy here too.

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Is it possible to write ghost-stories in daylight or do you need the darkness of the night to find the right inspirations?

Daytime is fine. I usually think better when the sun’s out. I don’t have much vampire blood in me.

Is there a real house like Combe Carey Hall in the UK? A lot of ghost generations are present in this setting which was very fascinating for us. (And by the way… the name sounds great in German ears).

Glad you like the name! Well, there used to be a very famous building called Borley Rectory in Essex, which got the title of the ‘most haunted house in England’. About eighty years ago many psychic researchers went there to investigate dozens of different ghost sightings. There were strange footsteps, bells ringing, a ghostly nun wandering in the gardens, messages scratched on walls, a phantom coach-and-horses… you name a spooky event, you could find it at Borley. I suspect that the place’s notoriety reflected the rather neurotic interest in psychic phenomena that was at its height in Britain in the first few decades of that century. Anyway, the house was burned down in 1939, but I think there have been reports of hauntings on the site since then. I should go and track down the site one day.

Your main narrating perspective tells the story out of the sight of the 15 years old girl-agent Lucy. Was it special challenge for you to choose a female point of view for your story?

I did find it something of a challenge, but I quite liked it for that reason. I’ve tried writing from a girl’s perspective before: half of Die Spur ins Schattenland [The Leap] is narrated by a girl called Charlie, and great chunks of the Bartimaeus books followed (though they weren’t narrated by) my female heroes Kitty and Asmira. For Lockwood, I thought that a first person narration might be important, so that the ghost scenes could gain extra power and immediacy, and I also wanted to avoid a male persona that might veer us too close to the voice of Bartimaeus. So I picked on Lucy. Having her as my intermediary allows us to view Lockwood himself from close quarters, but helps retain his air of mystery, which will carry over into future books in the series. Meanwhile, her own psychic sensitivity (she listens to ghosts) is slightly at odds with those of Lockwood and George, and may take the team in interesting directions.

lockwood spacer

Are you determined to write series? And what`s the reason to present the Lockwood & Co books in a construction in which every book self-contained? How many books may we expect in the future?

I’m not wedded to writing series. My first three novels were stand-alones, and Heroes of the Valley, which I think is one of my best books, was always planned as a single, self-contained tale. But there are certain advantages to developing series. It allows you to slowly develop a complex, consistent world, and gradually uncover the personalities of your characters as they explore it. In a way, too, the explorations of the heroes mimic my own writerly explorations as I figure out the implications of the world myself. Having said that, I do want each book to have its own coherent structure, and to work on its own terms. With the Bartimaeus series, I tried to give each novel its own distinct flavour (The Golem’s Eye is quite gothic and political, for instance; The Ring of Solomon is perhaps lighter and more playful), and I’d like to give the books in the Lockwood series their own identities too. I’m not sure how many titles there will be yet: I have plans for several more, but I’m trying to keep it open-ended, so that I can respond to all the new ideas that crop up as I write.

The world of ghosts is wide open now. What can we expect from the future “Lockwood”–stories? Do you think, we will meet ghosts of famous persons and the agency expands with some new characters?

There will be plenty of new characters, that’s for sure. I deliberately kept The Screaming Staircase“ fairly tight and small-scale, because I wanted to focus on the three main characters and the way they operated together. The second book, which I’m writing now, promises to work on a wider canvas, with lots more locations around London, and plenty of new characters from all across the city’s stratified society. There’ll be night-watch kids and black marketers, and powerful agents and businessmen, and many new categories of ghost thrown in. It should keep me busy for a few months! Oh, and I like the idea of famous people turning up in ghost form… We’ll see. The great thing about breaking apart the barrier to the afterlife is that many strange things become possible that wouldn’t work in an ordinary tale. As long as I keep the rules clear in my head (strong rules being the fundamental necessity in all fantasy), I should be able to have a lot of fun…

Jonathan Stroud - The Lockwood & Co. interview

Jonathan Stroud – The Lockwood & Co. interview

The wise tablecloth… more than a normal blanket on a table in your story. It is a kind of mind mapping method because the agents use it as a diary and they communicate with short notices when they don´t want to talk to each other. Have you hidden a secret method of dispute settlement in Lockwood & Co?

Ha ha, yes! And I haven’t explored the real possibilities of that tablecloth yet. The idea was suggested to me by my eight-year-old daughter, and I at once thought it had all kinds of interesting implications. It could be used for humorous reasons (George writes rude notes and pictures on it), but also for some serious figuring out, or for urgent communications. You’re right that it could be a short-cut leading to the inner lives of our heroes, and I’m quite sure it’ll have some very important plot role in a future adventure. This is the kind of little detail that comes to fruition steadily, book by book.

No Literatwo interview without our very special last question: Which question would you like to answer in an interview? The only problem: no one asks you the question!

Where have you been happiest?

And now finally our last and very surprising question: Where have you been happiest? 😉

Three answers:

1. Summit of Crinkle Crags, Lake District, England
2. Walking above the Lauterbrunnen Valley, Bernese Oberland, Switzerland
3. On any outbound journey, with my family at my side.

Thanks a lot, Jonathan for all these interesting answers. We wish you all the luck of your life with your new series „Lockwood & Co„.

Stroud is back... This is the way to a mysterious skull

Stroud is back… This ois the way to a mysterious skull

Die Prinzessin mit den roten Haaren

Die Prinzessin mit den roten Haaren - Paul Biegel

Die Prinzessin mit den roten Haaren – Paul Biegel

Zwölf Jahre lang befand sie sich im goldenen Käfig.
Seit ihrer Geburt sah sie nur ihre Eltern,
die Großmutter, ihre Zofen und die Garde.
Jeder Blick aus dem Fenster zeigte ihr nur eines:
Da wo sie war, war die Hauptstadt.

„Und da draußen, Hoheit, da draußen liegt der Rest der Welt.“

Sie war eine leibhaftige Prinzessin. Und was für eine! Eine junge Frau mit feuerrotem Haar und einem Temperament, das im Königreich wohl seinesgleichen nicht fand. Doch heute würde sich alles ändern. Das Volk sollte sie zum ersten Mal sehen. Sie, die wohl zukünftige Königin, würde mit prächtigem Gefolge erstmals vor den Toren des Palastes erscheinen, um die Huldigungen ihrer Untertanen entgegen zu nehmen.

Die goldene Kutsche mit zwölf edlen Pferden stand schon bereit und die Menschen warteten bereits ungeduldig auf die Prinzessin mit den roten Haaren.

Die Prinzessin mit den roten Haaren - Ab geht die Post - Entführt

Die Prinzessin mit den roten Haaren – Ab geht die Post – Entführt

Doch dann kam alles ganz anders als erwartet. Genau in dem Moment, in dem die Kutsche den Palast verließ, stürzten drei wüste Kerle aus der Menge heraus, zerrten den Kutscher vom Bock und entführten das Gespann der rothaarigen Prinzessin, bevor auch nur ein Mensch sie zu Gesicht bekam.

Lähmender Schrecken legte sich über das ganze Königreich, bis ein Erpresserbrief der Entführer für Klarheit sorgte. Nur mit unermesslich viel Gold uns Silber würde der König seine geliebte Tochter freikaufen können. Die Räuber Holz, Bolz und Schwanenstolz hatten alles perfekt geplant.

Hilflose erste Versuche, die Prinzessin zu retten verpuffen absolut wirkungslos. Weder die stündlich abgefeuerte Kanone als wehmütiges Signal für die Prinzessin, noch die eiligst als Bäume verkleidet ausgesandte Leibgarde führten zu einer brauchbaren Spur. Zu gut war der Raub der jungen Prinzessin ausgetüftelt und die Räuber waren auf alles vorbereitet.

Die Prinzessin mit den roten Haaren - Kein Salut

Die Prinzessin mit den roten Haaren – Kein Salut

Auf alles? Nun… vielleicht hatten sie das gedacht. Womit sie allerdings nicht rechnen konnten war, welch kleiner rothaariger Wildfang ihnen da ins Netz gegangen war. Denn fernab von allem Normalen aufgewachsen, behandelte die Prinzessin nun auch die Räuber wie ihre persönlichen Diener – und dies mit majestätischem Nachdruck.

Kleine Verhaltenskorrekturen bei Niesen und Schnäuzen: „Das wollen WIR nicht dulden. Nehmen sie ihr Taschentuch“ bildeten den Anfang. Sonderwünsche beim spärlichen Abendessen: „Bäh…! Die schmeckt nach Fröschen!“ ergänzten das Bild und klare Anweisungen, wie: „WIR wollen zurück!“ begannen den armen Räubern zunehmen die Nerven zu rauben.

Allein die Sprache… all die „Wirs“, wo doch nur eine sprach und der Befehlston schienen sie sinnlos zu überfordern. Und doch näherten sie sich notgedrungen ein wenig an… aber nur eine Spur… den Hauch einer Spur, bis es der Prinzessin zu dumm wurde und sie in einer gewagten Aktion und den Worten Jetzt reicht es“ auf den Lippen das Räuberversteck verließ – fluchtartig und ohne zu wissen, wie es weitergehen sollte…

Die Prinzessin mit den roten Haaren - Paul Biegel - Flucht

Die Prinzessin mit den roten Haaren – Paul Biegel – Flucht

Nur die Königinmutter hatte einen Plan – mit majestätischer Grazie beobachtete sie das Reich durch ihr geheimes Fernrohr und beschloss zu handeln. Das Lösegeld sollte dem Volk abgepresst werden und danach würde sie demjenigen eine hohe Belohnung zahlen, der ihre Enkelin wohlbehalten nach Hause brachte.

Alle sollten suchen – das Lösegeld sollte vielen Zwecken dienen und das Heft des Handelns bliebe immer im Königshaus. So sah es jedenfalls der königliche Plan vor. So war es gedacht, aber irgendwie ging dann einfach alles schief.

Die Prinzessin war nicht mehr da, wo sie sein sollte.
Die Räuber hatten ihre Faustpfand verloren.

Die Untertanen waren suchend ratlos. 
Niemand kannte ihr junges Gesicht.
Und dann hatten sie eine Idee.

Eine aberwitzige Jagd um die Prinzessin mit den roten Haaren begann. Irrungen und Wirrungen verstrickten das ganze Land in ein Spiel um Täuschung, Lug und Trug ohne dem Rotschopf näher zu kommen. Und genau diese Prinzessin erlebte auf der Flucht, was es heißt, plötzlich ganz normal zu sein. Viele überraschende Gefühle machten sich in ihr breit und ihre eigene Geschichte begann genau an diesem Tag.

Denn wo sie war, da war die Hauptstadt. Das hatte sie begriffen. Sie war das Zentrum des Königreichs. Der Rest… das war die Welt da draußen… und genau da war sie jetzt. Allein. Aber eben eine kleine Majestät mit Sturkopf… und mit einem der Räuber im Herzen. Schwanenstolz ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Was alles nicht viel einfacher machte.

Die Prinzessin mit den roten Haaren - Paul Biegel - Fernsicht

Die Prinzessin mit den roten Haaren – Paul Biegel – Fernsicht

Paul Biegel schreibt uns ein royales Energiebündel ins Herz. Er entführt seine Leser in ein zeitloses Königreich und spannt eine meisterlich erzählte Brücke von Alt zu Jung. Jeder läuft mit der Prinzessin um die Wette, jeder ist mit ihr auf der Flucht und jeder Leser lacht, leidet, flucht und fühlt mit ihr.

Ein Buch zum selbst Lesen, Vorlesen, Zuhören, Mitdenken und Fühlen. Und ein Märchen mit traumhaft schönen Illustrationen von Linde Faas. Die Worte lassen uns bereits ein Mädchen mit roten Haaren erahnen, aber Linde Faas öffnet uns eine ganz besondere Tür in die Welt eines Königreichs am Rande eines großen Abenteuers.

„Die Prinzessin mit den roten Haaren“ ist eine Empfehlung wert. Ein perfektes Geschenk für alle Leser mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Und in Anbetracht der Wendungen innerhalb der Geschichte auch etwas für die spannungsverwöhnten Erwachsenen unter uns. Denn die Idee des einfachen Volkes, wie man sich aller Sorgen entledigen kann, hat etwas absolut brillantes.

Doch hatte man die gewagte Rechnung ohne die Königinmutter gemacht! Wie so oft…!

Die Prinzessin mit den roten Haaren - Paul Biegel - Majestätisch

Die Prinzessin mit den roten Haaren – Paul Biegel – Majestätisch

Wenn WIR diesmal schreiben, dass WIR begeistert waren, dann heißt das (vom „pluralis majestatis“ abgesehen) dass WIR wirklich WIR sind, also nicht nur einer von uns… WIR haben tagelang nur noch in der WIR-Form miteinander gesprochen und UNS dabei königlich amüsiert.

WIR legen Euch dieses märchenhafte Buch ans Herz… WIR haben die UNSEREN verloren… an Die Prinzessin mit den roten Haaren aus der Palastdruckerei des „URACHHAUS“-Verlages.

rote haare cover

Aschamdon – Das erste Buch der Amizaras Chronik

Amizaras Chronik- Band 1 – Aschamdon

Das Genre Fantasy ist ein weites Feld meiner geistigen Inspiration. Spätestens seit Tolkiens ersten Sätzen vermag man ihre Dimensionen zu erahnen, den schöpferischen Reichtum der Geschichten zu schätzen und die Vielfalt ihrer literarischen Möglichkeiten zu verstehen.

Wenn Tolkien ein neues Tal erschuf, dann füllte er das gerade erst erdachte Bild mit Farben, Formen und Leben. Wenn er einen Baum in jenem Tal beschrieb, dann erfand er mit seinen Worten bereits das Gemälde eines neuen Gipfels, der für den Betrachter erst sichtbar wurde, wenn man an diesem Baum vorbeikam. Unendliche Weiten öffnete er uns. Ausufernd, aber doch immer auf der Suche nach vorstellbarem Neuem. Fantasy sprengte durch ihn den Rahmen unserer Vorstellungskraft.

Nach J.R.R. Tolkien versuchten einige Autoren, dieses Genre wieder in einen viel enger gefassten Maßstab zu rücken. Rahmenbedingungen wurden so gestaltet, dass man sich als Leser schnell einfinden konnte und die Grenzen der neuen Welten schnell erkannte. Je enger, je konturierter und umso besser zu greifen. So schien es. Für mich ist Fantasy nicht greifbar und sie darf es niemals sein.

Amizaras Chronik- Band 1 – Aschamdon

Sie muss einfach über die Ufer des Vorstellbaren treten, muss unsere Fantasie mit unendlichen Bildern fluten und darf sich niemals an Eindimensionalem messen lassen. Fantasy soll völlig neue Welten erschaffen, innerhalb unserer oder weit davon entfernt. Nur so können wir uns über die Grenzen des Denkbaren erheben und dieser Inspiration folgend, zu Wanderern jenseits des Greifbaren werden.

Tad Williams hat mich in vier Shadowmarch-Bänden zu einem ewigen Wanderer in seiner Welt gemacht. Opulent, unendlich und absolut grenzenlos sind seine Wortbilder, die er mit seinen Gedanken erschuf. Unvergessen, weil vorbildlos, befinden sie sich in meiner ganz privaten Fantasie-Galerie des Unvorstellbaren. Ich habe in dieser Galerie erstmals seit Jahren wieder einen neuen Raum geschaffen – den Platz für neue Bilder unter der lichthellen Kuppel meiner Vorstellungskraft.

Amizaras Chronik- Band 1 – Aschamdon

Aschamdon heißt der erste Raum und die „Amizaras Chronik„ ist das Synonym für einen Bildersturm ohne Grenzen. Wenn ihr mögt, dann folgt mir einfach in diese kleine literarische Vernissage des mehr als geheimnisvollen Autors Valerian Caithoque. Aber bitte erschreckt nicht… Es ist grenzenlos und ihr lauft ständig Gefahr, die Dimensionen eures bisherigen Denkens zu verlieren. Es besteht absolute Lesensgefahr….

Bestaunen wir doch die Bilder aus unterschiedlichen Zeiten. Folgen wir der jungen Rafaela, die am Ende aller Trauer um ihren ermordeten Bruder, in tiefer Sorge um die todkranke Mutter und in maßlosem Zorn auf ihren brutalen Vater schließlich in einem Irrenhaus landet. Wir schreiben das Jahr 1944 und für Rafaela besteht keine Hoffnung, die Anstalt je wieder lebend zu verlassen. Unheilbar, verwirrt und gefährlich, rettungslos weggesperrt und die Mutter in aller größter Gefahr wähnend. Verzweiflung umfasst sie in enger Beklemmung. Ein hoffnungsloses Bild.

Schauen wir uns den erfolglosen Antiquitätenhändler Atila Fakili an. Artefakte aus vergangenen Zeiten haben für ihn ausschließlich materiellen Wert. Spekulationsobjekte dominieren die Beziehung zu seiner Profession. Berechnend und doch verrechnet, so könnte man sagen. Wir schreiben das Jahr 2002 und finden ihn am Boden der eigenen ausbeuterischen Existenz. Betrug und Geldgier haben ihn an einen Punkt gebracht, der ihn zum bodenlosen Verlierer macht. Er schuldet viel. Geld und seinen Ruf und beides wird ihn sein Leben kosten. Es ist nur noch eine Frage der Zeit und Wunder sind selten in diesen Tagen. Ein abgehalftertes Bild… definitiv…

Zwei Leben. Sechzig Jahre voneinander entfernt und in keiner Weise miteinander verbunden blättern sich vor dem erstaunten Auge des Lesers auf. Zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können in ihren Stärken und Schwächen und doch ist es die pure Verzweiflung, der gemeinsame fahle Farbton, der ihre Bilder kennzeichnet.

Doch dann geschieht in einem Abstand eines Lebens unfassbares in den beiden Leben. Scheinbar aus dem Nichts und doch einer klaren Bestimmung folgend, werden Rafaela und Atila von strahlend geheimnisvollen Wesen aufgesucht, für die wir nur den einfachen Namen „Engel“ haben. Nichts trügt jedoch so sehr wie der Schein, der diese charismatischen Ariach umgibt.

Zu komplex ist ihre Herkunftzu lange dauert ihr Kampf und zu groß scheint der mysteriöse Druck, dem sie hier unterliegen. Ein Wettrennen gegen die Zeit und um die Vorherrschaft des Übersinnlichen gegen die Geheimbünde und Religionen hat schon lange begonnen.

„Apokalypse, Jüngstes Gericht, Endkampf zwischen Gut und Böse, Ragnarok, oder einfach nur Weltenende. Die Menschen haben viele Namen dafür gefunden.“

Amizaras Chronik- Band 1 – Aschamdon

Aschamdon, so lautet der magisch anmutende Name des Besuchers, der Rafaela aus dem Irrenhaus befreit. Seine Verheißung lautet ewiges Leben, ein Geheimnis, das Rafaela so gerne für ihre Mutter ergründen würde. Doch der Preis ist hoch. Aschamdon verlangt viel. Er entführt Rafaela im Auftrag des Ordens des Sarastro in ein geheimes Reich, lässt sie zur Bannzauberin ausbilden und macht sie zu seinem wirkungsvollsten Werkzeug auf der Suche nach dem Schlüssel zur Macht: ein verlorenes Artefakt soll sie finden. In der Zwischenwelt, einer Spalte in der Geschichte der Menschheit, in der jetzt alle gefangen sind, die den mysteriösen Engelswesen, den Ariach, zum Sieg verhelfen können. Rafaela wagt jeden Schritt und begegnet dem Unfassbaren.

Atila wird ebenfalls aus größter Not gerettet. Ein rätselhaftes Trio steht ihm in letzter Sekunde bei und plötzlich befindet sich eines der rätselhaftesten Artefakte in seinem Besitz. Reichtum und Ansehen. Beides ist greifbar nah, aber diejenigen die ihn plötzlich beschützen sind keine gewöhnlichen Menschen. Unbezwingbar, unfassbar schnell und weitsichtig. Anders kann man es nicht sagen. Und doch katapultiert ihn dieses Artefakt in den Jahrhunderte währenden Krieg zwischen Geheimbünden und den Ariach hinein. Auch hier dominieren die Mysterien der Vergangenheit die Zukunft eines Auserwählten.

Aschamdon lässt sich nicht kategorisieren oder in einen engen Rahmen pressen. Dieser Roman verweigert den Maßstab – er setzt ihn!

Dunkle Geheimgesellschaften, alte Verschwörungstheorien, urbane Fantasy, Mystery und ein absolut gelungener Mix aus sagenumwobenen Wesen mit pseudoreligiösem Hintergrund machen dieses Werk zu einem kochenden Schmelztiegel innerhalb eines Genres. Sprachlich befindet sich der Roman auf außerordentlich filigranem Niveau und inhaltlich ist er so konstruiert, dass sich die abwechselnden Erzählstränge durch brillant konstruierte Cliffhanger immer wieder berühren, ohne wirklich miteinander verbunden zu sein. Vorerst…

Der erste Band der Amizaras Chronik lässt die Leser durch ein Wunderwerk der Wunder-, Unter- und Parallelwelt wandern. Spuren und Fährten pflastern meinen Weg und unzählige Wegbegleiter stellen sich vor. Die Handlungsstränge berühren sich noch nicht, aber wir ahnen die großen Zusammenhänge, die in dieser komplexen Geschichte der Ariach begründet sind. Erwartet von einem ersten Band keine Lösungen. Lasst den Flug durch eine neue Erfahrung zu und vertraut bitte darauf, dass ihr in Sarathoas dort aufgefangen werdet, wo ihr zuletzt gefallen seid.

Ich habe selten ein ähnlich opulentes Buch in Händen gehalten. Dieses aufwendig illustrierte Fantasy-Gesamtkunstwerk, das in Optik und Haptik seinem Inhalt auf einem Niveau entspricht, das für heutige Zeit fast unglaublich ist. Lange Lesenächte mit einem wuchtigen Buchschatz sind vorprogrammiert. Beim Verlassen von Aschamdon liegen Handlungsebenen wie lose Enden einer Kette in meinen Händen. Wenn ich eine Hand bewege, vibriert die Kette in der anderen. Das ist ein mystisches Erlebnis. Lesend habe ich meine Tarot-Karten ausgebreitet, mich mit den eigenen geheimnisvollen Artefakten umgeben und warte hocherfreut darauf, was ich gemeinsam mit Rafaela und Atila noch erleben darf.

Die beiden ägyptischen Worte Tar für Weg und Rot für königlich, also Königsweg, könnten die Namensgeber für dieses Spiel gewesen sein, das so sehr mit Aschamdon verbunden ist. Vielleicht ist dies so, weil die Amizaras Chronik den Königsweg durch die moderne Fantasy beschreitet. Folgt diesem Weg von Aschamdon über Sarathoas bis zu Raphadona und immer weiter darüber hinaus, denn hinter jedem Tal folgt ein neuer Baum, der einen Berg verdeckt, den eine Flussmündung umspült… Bilderfluten….

Amizaras Chronik

Verlasst euch darauf, dass ich auch diese Gedankenbilder in meiner  Galerie des Unfassbaren ausstellen werde. Ihr seid herzlich willkommen. Jederzeit.

Vieles hat sich getan in letzter Zeit. Viel hat sich bewegt. Die Amizaras Chronik ist etabliert und hat in der Welt der Fantasy-Literatur weite Kreise gezogen. Auch das Hörbuch zu Aschamdon hat das Licht der Welt erblickt und erweitert die Saga um eine weitere Dimension des audio-aktiven Erlebens. Sprecher sind Uta Simone und Philipp Oehme. Zusätzlich Romanus Fuhrmann als Valerian. Und es ist nicht nur das Hören, das uns hier fasziniert, auch das Design passt in der ganz besonderen Ausgabe sehr gut zur gesamten Chronik… Schaut mal

Alles in allem Grund genug, die Amizaras Chronik als Ereignis zu feiern.

Mein RadioPodCast für Literatur Radio Bayern ist nun Teil einer groß angelegten BlogTour zum Hörbuch des ersten Teils der Chronik. Hört einfach rein und schaut vorbei, was diese BlogTour zu bieten hat. Hier geht´s lang und ein Gewinnspiel findet man auch… Das würde ich mir nicht entgehen lassen.

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