Aschamdon – Das erste Buch der Amizaras Chronik

Amizaras Chronik- Band 1 – Aschamdon

Das Genre Fantasy ist ein weites Feld meiner geistigen Inspiration. Spätestens seit Tolkiens ersten Sätzen vermag man ihre Dimensionen zu erahnen, den schöpferischen Reichtum der Geschichten zu schätzen und die Vielfalt ihrer literarischen Möglichkeiten zu verstehen.

Wenn Tolkien ein neues Tal erschuf, dann füllte er das gerade erst erdachte Bild mit Farben, Formen und Leben. Wenn er einen Baum in jenem Tal beschrieb, dann erfand er mit seinen Worten bereits das Gemälde eines neuen Gipfels, der für den Betrachter erst sichtbar wurde, wenn man an diesem Baum vorbeikam. Unendliche Weiten öffnete er uns. Ausufernd, aber doch immer auf der Suche nach vorstellbarem Neuem. Fantasy sprengte durch ihn den Rahmen unserer Vorstellungskraft.

Nach J.R.R. Tolkien versuchten einige Autoren, dieses Genre wieder in einen viel enger gefassten Maßstab zu rücken. Rahmenbedingungen wurden so gestaltet, dass man sich als Leser schnell einfinden konnte und die Grenzen der neuen Welten schnell erkannte. Je enger, je konturierter und umso besser zu greifen. So schien es. Für mich ist Fantasy nicht greifbar und sie darf es niemals sein.

Amizaras Chronik- Band 1 – Aschamdon

Sie muss einfach über die Ufer des Vorstellbaren treten, muss unsere Fantasie mit unendlichen Bildern fluten und darf sich niemals an Eindimensionalem messen lassen. Fantasy soll völlig neue Welten erschaffen, innerhalb unserer oder weit davon entfernt. Nur so können wir uns über die Grenzen des Denkbaren erheben und dieser Inspiration folgend, zu Wanderern jenseits des Greifbaren werden.

Tad Williams hat mich in vier Shadowmarch-Bänden zu einem ewigen Wanderer in seiner Welt gemacht. Opulent, unendlich und absolut grenzenlos sind seine Wortbilder, die er mit seinen Gedanken erschuf. Unvergessen, weil vorbildlos, befinden sie sich in meiner ganz privaten Fantasie-Galerie des Unvorstellbaren. Ich habe in dieser Galerie erstmals seit Jahren wieder einen neuen Raum geschaffen – den Platz für neue Bilder unter der lichthellen Kuppel meiner Vorstellungskraft.

Amizaras Chronik- Band 1 – Aschamdon

Aschamdon heißt der erste Raum und die „Amizaras Chronik„ ist das Synonym für einen Bildersturm ohne Grenzen. Wenn ihr mögt, dann folgt mir einfach in diese kleine literarische Vernissage des mehr als geheimnisvollen Autors Valerian Caithoque. Aber bitte erschreckt nicht… Es ist grenzenlos und ihr lauft ständig Gefahr, die Dimensionen eures bisherigen Denkens zu verlieren. Es besteht absolute Lesensgefahr….

Bestaunen wir doch die Bilder aus unterschiedlichen Zeiten. Folgen wir der jungen Rafaela, die am Ende aller Trauer um ihren ermordeten Bruder, in tiefer Sorge um die todkranke Mutter und in maßlosem Zorn auf ihren brutalen Vater schließlich in einem Irrenhaus landet. Wir schreiben das Jahr 1944 und für Rafaela besteht keine Hoffnung, die Anstalt je wieder lebend zu verlassen. Unheilbar, verwirrt und gefährlich, rettungslos weggesperrt und die Mutter in aller größter Gefahr wähnend. Verzweiflung umfasst sie in enger Beklemmung. Ein hoffnungsloses Bild.

Schauen wir uns den erfolglosen Antiquitätenhändler Atila Fakili an. Artefakte aus vergangenen Zeiten haben für ihn ausschließlich materiellen Wert. Spekulationsobjekte dominieren die Beziehung zu seiner Profession. Berechnend und doch verrechnet, so könnte man sagen. Wir schreiben das Jahr 2002 und finden ihn am Boden der eigenen ausbeuterischen Existenz. Betrug und Geldgier haben ihn an einen Punkt gebracht, der ihn zum bodenlosen Verlierer macht. Er schuldet viel. Geld und seinen Ruf und beides wird ihn sein Leben kosten. Es ist nur noch eine Frage der Zeit und Wunder sind selten in diesen Tagen. Ein abgehalftertes Bild… definitiv…

Zwei Leben. Sechzig Jahre voneinander entfernt und in keiner Weise miteinander verbunden blättern sich vor dem erstaunten Auge des Lesers auf. Zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können in ihren Stärken und Schwächen und doch ist es die pure Verzweiflung, der gemeinsame fahle Farbton, der ihre Bilder kennzeichnet.

Doch dann geschieht in einem Abstand eines Lebens unfassbares in den beiden Leben. Scheinbar aus dem Nichts und doch einer klaren Bestimmung folgend, werden Rafaela und Atila von strahlend geheimnisvollen Wesen aufgesucht, für die wir nur den einfachen Namen „Engel“ haben. Nichts trügt jedoch so sehr wie der Schein, der diese charismatischen Ariach umgibt.

Zu komplex ist ihre Herkunftzu lange dauert ihr Kampf und zu groß scheint der mysteriöse Druck, dem sie hier unterliegen. Ein Wettrennen gegen die Zeit und um die Vorherrschaft des Übersinnlichen gegen die Geheimbünde und Religionen hat schon lange begonnen.

„Apokalypse, Jüngstes Gericht, Endkampf zwischen Gut und Böse, Ragnarok, oder einfach nur Weltenende. Die Menschen haben viele Namen dafür gefunden.“

Amizaras Chronik- Band 1 – Aschamdon

Aschamdon, so lautet der magisch anmutende Name des Besuchers, der Rafaela aus dem Irrenhaus befreit. Seine Verheißung lautet ewiges Leben, ein Geheimnis, das Rafaela so gerne für ihre Mutter ergründen würde. Doch der Preis ist hoch. Aschamdon verlangt viel. Er entführt Rafaela im Auftrag des Ordens des Sarastro in ein geheimes Reich, lässt sie zur Bannzauberin ausbilden und macht sie zu seinem wirkungsvollsten Werkzeug auf der Suche nach dem Schlüssel zur Macht: ein verlorenes Artefakt soll sie finden. In der Zwischenwelt, einer Spalte in der Geschichte der Menschheit, in der jetzt alle gefangen sind, die den mysteriösen Engelswesen, den Ariach, zum Sieg verhelfen können. Rafaela wagt jeden Schritt und begegnet dem Unfassbaren.

Atila wird ebenfalls aus größter Not gerettet. Ein rätselhaftes Trio steht ihm in letzter Sekunde bei und plötzlich befindet sich eines der rätselhaftesten Artefakte in seinem Besitz. Reichtum und Ansehen. Beides ist greifbar nah, aber diejenigen die ihn plötzlich beschützen sind keine gewöhnlichen Menschen. Unbezwingbar, unfassbar schnell und weitsichtig. Anders kann man es nicht sagen. Und doch katapultiert ihn dieses Artefakt in den Jahrhunderte währenden Krieg zwischen Geheimbünden und den Ariach hinein. Auch hier dominieren die Mysterien der Vergangenheit die Zukunft eines Auserwählten.

Aschamdon lässt sich nicht kategorisieren oder in einen engen Rahmen pressen. Dieser Roman verweigert den Maßstab – er setzt ihn!

Dunkle Geheimgesellschaften, alte Verschwörungstheorien, urbane Fantasy, Mystery und ein absolut gelungener Mix aus sagenumwobenen Wesen mit pseudoreligiösem Hintergrund machen dieses Werk zu einem kochenden Schmelztiegel innerhalb eines Genres. Sprachlich befindet sich der Roman auf außerordentlich filigranem Niveau und inhaltlich ist er so konstruiert, dass sich die abwechselnden Erzählstränge durch brillant konstruierte Cliffhanger immer wieder berühren, ohne wirklich miteinander verbunden zu sein. Vorerst…

Der erste Band der Amizaras Chronik lässt die Leser durch ein Wunderwerk der Wunder-, Unter- und Parallelwelt wandern. Spuren und Fährten pflastern meinen Weg und unzählige Wegbegleiter stellen sich vor. Die Handlungsstränge berühren sich noch nicht, aber wir ahnen die großen Zusammenhänge, die in dieser komplexen Geschichte der Ariach begründet sind. Erwartet von einem ersten Band keine Lösungen. Lasst den Flug durch eine neue Erfahrung zu und vertraut bitte darauf, dass ihr in Sarathoas dort aufgefangen werdet, wo ihr zuletzt gefallen seid.

Ich habe selten ein ähnlich opulentes Buch in Händen gehalten. Dieses aufwendig illustrierte Fantasy-Gesamtkunstwerk, das in Optik und Haptik seinem Inhalt auf einem Niveau entspricht, das für heutige Zeit fast unglaublich ist. Lange Lesenächte mit einem wuchtigen Buchschatz sind vorprogrammiert. Beim Verlassen von Aschamdon liegen Handlungsebenen wie lose Enden einer Kette in meinen Händen. Wenn ich eine Hand bewege, vibriert die Kette in der anderen. Das ist ein mystisches Erlebnis. Lesend habe ich meine Tarot-Karten ausgebreitet, mich mit den eigenen geheimnisvollen Artefakten umgeben und warte hocherfreut darauf, was ich gemeinsam mit Rafaela und Atila noch erleben darf.

Die beiden ägyptischen Worte Tar für Weg und Rot für königlich, also Königsweg, könnten die Namensgeber für dieses Spiel gewesen sein, das so sehr mit Aschamdon verbunden ist. Vielleicht ist dies so, weil die Amizaras Chronik den Königsweg durch die moderne Fantasy beschreitet. Folgt diesem Weg von Aschamdon über Sarathoas bis zu Raphadona und immer weiter darüber hinaus, denn hinter jedem Tal folgt ein neuer Baum, der einen Berg verdeckt, den eine Flussmündung umspült… Bilderfluten….

Amizaras Chronik

Verlasst euch darauf, dass ich auch diese Gedankenbilder in meiner  Galerie des Unfassbaren ausstellen werde. Ihr seid herzlich willkommen. Jederzeit.

Vieles hat sich getan in letzter Zeit. Viel hat sich bewegt. Die Amizaras Chronik ist etabliert und hat in der Welt der Fantasy-Literatur weite Kreise gezogen. Auch das Hörbuch zu Aschamdon hat das Licht der Welt erblickt und erweitert die Saga um eine weitere Dimension des audio-aktiven Erlebens. Sprecher sind Uta Simone und Philipp Oehme. Zusätzlich Romanus Fuhrmann als Valerian. Und es ist nicht nur das Hören, das uns hier fasziniert, auch das Design passt in der ganz besonderen Ausgabe sehr gut zur gesamten Chronik… Schaut mal

Alles in allem Grund genug, die Amizaras Chronik als Ereignis zu feiern.

Mein RadioPodCast für Literatur Radio Bayern ist nun Teil einer groß angelegten BlogTour zum Hörbuch des ersten Teils der Chronik. Hört einfach rein und schaut vorbei, was diese BlogTour zu bieten hat. Hier geht´s lang und ein Gewinnspiel findet man auch… Das würde ich mir nicht entgehen lassen.

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