Die Prinzessin mit den roten Haaren

Die Prinzessin mit den roten Haaren - Paul Biegel

Die Prinzessin mit den roten Haaren – Paul Biegel

Zwölf Jahre lang befand sie sich im goldenen Käfig.
Seit ihrer Geburt sah sie nur ihre Eltern,
die Großmutter, ihre Zofen und die Garde.
Jeder Blick aus dem Fenster zeigte ihr nur eines:
Da wo sie war, war die Hauptstadt.

„Und da draußen, Hoheit, da draußen liegt der Rest der Welt.“

Sie war eine leibhaftige Prinzessin. Und was für eine! Eine junge Frau mit feuerrotem Haar und einem Temperament, das im Königreich wohl seinesgleichen nicht fand. Doch heute würde sich alles ändern. Das Volk sollte sie zum ersten Mal sehen. Sie, die wohl zukünftige Königin, würde mit prächtigem Gefolge erstmals vor den Toren des Palastes erscheinen, um die Huldigungen ihrer Untertanen entgegen zu nehmen.

Die goldene Kutsche mit zwölf edlen Pferden stand schon bereit und die Menschen warteten bereits ungeduldig auf die Prinzessin mit den roten Haaren.

Die Prinzessin mit den roten Haaren - Ab geht die Post - Entführt

Die Prinzessin mit den roten Haaren – Ab geht die Post – Entführt

Doch dann kam alles ganz anders als erwartet. Genau in dem Moment, in dem die Kutsche den Palast verließ, stürzten drei wüste Kerle aus der Menge heraus, zerrten den Kutscher vom Bock und entführten das Gespann der rothaarigen Prinzessin, bevor auch nur ein Mensch sie zu Gesicht bekam.

Lähmender Schrecken legte sich über das ganze Königreich, bis ein Erpresserbrief der Entführer für Klarheit sorgte. Nur mit unermesslich viel Gold uns Silber würde der König seine geliebte Tochter freikaufen können. Die Räuber Holz, Bolz und Schwanenstolz hatten alles perfekt geplant.

Hilflose erste Versuche, die Prinzessin zu retten verpuffen absolut wirkungslos. Weder die stündlich abgefeuerte Kanone als wehmütiges Signal für die Prinzessin, noch die eiligst als Bäume verkleidet ausgesandte Leibgarde führten zu einer brauchbaren Spur. Zu gut war der Raub der jungen Prinzessin ausgetüftelt und die Räuber waren auf alles vorbereitet.

Die Prinzessin mit den roten Haaren - Kein Salut

Die Prinzessin mit den roten Haaren – Kein Salut

Auf alles? Nun… vielleicht hatten sie das gedacht. Womit sie allerdings nicht rechnen konnten war, welch kleiner rothaariger Wildfang ihnen da ins Netz gegangen war. Denn fernab von allem Normalen aufgewachsen, behandelte die Prinzessin nun auch die Räuber wie ihre persönlichen Diener – und dies mit majestätischem Nachdruck.

Kleine Verhaltenskorrekturen bei Niesen und Schnäuzen: „Das wollen WIR nicht dulden. Nehmen sie ihr Taschentuch“ bildeten den Anfang. Sonderwünsche beim spärlichen Abendessen: „Bäh…! Die schmeckt nach Fröschen!“ ergänzten das Bild und klare Anweisungen, wie: „WIR wollen zurück!“ begannen den armen Räubern zunehmen die Nerven zu rauben.

Allein die Sprache… all die „Wirs“, wo doch nur eine sprach und der Befehlston schienen sie sinnlos zu überfordern. Und doch näherten sie sich notgedrungen ein wenig an… aber nur eine Spur… den Hauch einer Spur, bis es der Prinzessin zu dumm wurde und sie in einer gewagten Aktion und den Worten Jetzt reicht es“ auf den Lippen das Räuberversteck verließ – fluchtartig und ohne zu wissen, wie es weitergehen sollte…

Die Prinzessin mit den roten Haaren - Paul Biegel - Flucht

Die Prinzessin mit den roten Haaren – Paul Biegel – Flucht

Nur die Königinmutter hatte einen Plan – mit majestätischer Grazie beobachtete sie das Reich durch ihr geheimes Fernrohr und beschloss zu handeln. Das Lösegeld sollte dem Volk abgepresst werden und danach würde sie demjenigen eine hohe Belohnung zahlen, der ihre Enkelin wohlbehalten nach Hause brachte.

Alle sollten suchen – das Lösegeld sollte vielen Zwecken dienen und das Heft des Handelns bliebe immer im Königshaus. So sah es jedenfalls der königliche Plan vor. So war es gedacht, aber irgendwie ging dann einfach alles schief.

Die Prinzessin war nicht mehr da, wo sie sein sollte.
Die Räuber hatten ihre Faustpfand verloren.

Die Untertanen waren suchend ratlos. 
Niemand kannte ihr junges Gesicht.
Und dann hatten sie eine Idee.

Eine aberwitzige Jagd um die Prinzessin mit den roten Haaren begann. Irrungen und Wirrungen verstrickten das ganze Land in ein Spiel um Täuschung, Lug und Trug ohne dem Rotschopf näher zu kommen. Und genau diese Prinzessin erlebte auf der Flucht, was es heißt, plötzlich ganz normal zu sein. Viele überraschende Gefühle machten sich in ihr breit und ihre eigene Geschichte begann genau an diesem Tag.

Denn wo sie war, da war die Hauptstadt. Das hatte sie begriffen. Sie war das Zentrum des Königreichs. Der Rest… das war die Welt da draußen… und genau da war sie jetzt. Allein. Aber eben eine kleine Majestät mit Sturkopf… und mit einem der Räuber im Herzen. Schwanenstolz ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Was alles nicht viel einfacher machte.

Die Prinzessin mit den roten Haaren - Paul Biegel - Fernsicht

Die Prinzessin mit den roten Haaren – Paul Biegel – Fernsicht

Paul Biegel schreibt uns ein royales Energiebündel ins Herz. Er entführt seine Leser in ein zeitloses Königreich und spannt eine meisterlich erzählte Brücke von Alt zu Jung. Jeder läuft mit der Prinzessin um die Wette, jeder ist mit ihr auf der Flucht und jeder Leser lacht, leidet, flucht und fühlt mit ihr.

Ein Buch zum selbst Lesen, Vorlesen, Zuhören, Mitdenken und Fühlen. Und ein Märchen mit traumhaft schönen Illustrationen von Linde Faas. Die Worte lassen uns bereits ein Mädchen mit roten Haaren erahnen, aber Linde Faas öffnet uns eine ganz besondere Tür in die Welt eines Königreichs am Rande eines großen Abenteuers.

„Die Prinzessin mit den roten Haaren“ ist eine Empfehlung wert. Ein perfektes Geschenk für alle Leser mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Und in Anbetracht der Wendungen innerhalb der Geschichte auch etwas für die spannungsverwöhnten Erwachsenen unter uns. Denn die Idee des einfachen Volkes, wie man sich aller Sorgen entledigen kann, hat etwas absolut brillantes.

Doch hatte man die gewagte Rechnung ohne die Königinmutter gemacht! Wie so oft…!

Die Prinzessin mit den roten Haaren - Paul Biegel - Majestätisch

Die Prinzessin mit den roten Haaren – Paul Biegel – Majestätisch

Wenn WIR diesmal schreiben, dass WIR begeistert waren, dann heißt das (vom „pluralis majestatis“ abgesehen) dass WIR wirklich WIR sind, also nicht nur einer von uns… WIR haben tagelang nur noch in der WIR-Form miteinander gesprochen und UNS dabei königlich amüsiert.

WIR legen Euch dieses märchenhafte Buch ans Herz… WIR haben die UNSEREN verloren… an Die Prinzessin mit den roten Haaren aus der Palastdruckerei des „URACHHAUS“-Verlages.

rote haare cover

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