Der eiserne Wald – eine ökologische Dystopie von Chris Howard

Der eiserne Wald - Chris Howard

Der eiserne Wald – Chris Howard

Stellt euch eine Zukunft ohne Bäume vor. Ganz einfach… schließt die Augen und stellt euch vor, sie seien nicht mehr da. Und nicht nur die Bäume… auch die meisten Gewächse und Tiere fehlen in dem Bild, das sich für euch entwickelt.

Stellt euch vor, ihr würdet in einer solchen Welt leben. Am Ende einer ökologischen Katastrophe, nach der großen Dunkelheit und ihr könntet euch an Wälder kaum noch erinnern. Nichts wächst mehr auf Erden. Nichts spendet Schatten – nirgendwo hört man das Rascheln von Blättern. Vergangen. Stellt euch vor, dass mit den Bäumen auch die Bücher verschwanden. Kein Papier mehr. Nichts mehr woraus man lernen könnte… nur noch Legenden und Erzählungen.

Nur noch Mais gibt es… fast grenzenlos, aber im Besitz eines einzigen Unternehmens, das ihn genetisch manipuliert hat und nun zum Monopolisten der Welternährung geworden ist. Und Heuschrecken gibt es, für die der Mais jedoch ungenießbar ist. Stellt euch vor, wovon die riesigen Schwärme sich inzwischen ernähren… Oder stellt es euch besser nicht vor…

In dieser Welt lebt Banyan und seine Begabung hilft ihm, die Erinnerung an die Vergangenheit am Leben zu halten. Sein Vater hatte ihm einst alles beigebracht – damals, bevor er spurlos verschwand. Nun zieht Banyan als „Baummeister“ durch die Lande und lässt „Eiserne Wälder“ entstehen. Bäume aus Schrott, Waldboden aus Gummi und Gewächse aller Art aus Abfall.

Der eiserne Wald - Chris Howard

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Seine Kunst spendet Schatten und Trost… zumindest denjenigen, die sich ein solches Kunstwerk leisten können. Nur Banyan selbst empfindet keinen Trost. Er kämpft mit seinen Mitteln gegen die Sehnsucht nach dem Verlorenen an und versucht in der Trostlosigkeit der Welt, seine kleinen Spuren zu hinterlassen. Sein Vater wäre stolz auf ihn.

Der Baummeister ist der Schöpfer der künstlichen Wälder und doch würde er so gerne nur einmal in seinem Leben einen richtigen Baum sehen… aber das ist Illusion, dessen ist er sich sicher. Gerade hat er damit begonnen für seinen Auftraggeber einen Wald entstehen zu lassen. Einen eisernen Wald, der sogar den Wechsel der Jahreszeiten sichtbar macht – einen Wald der in seiner Künstlichkeit wundervoll und erschreckend zugleich ist.

Seine Träume hat Banyan schon lange verloren – an Trugbildern findet er keinen Halt. Die Vergangenheit ist nicht zu ändern. Also hämmert und schmiedet er bis tief in die Nacht, um das entstehen zu lassen, was verloren ist. Die Welt ist trist geworden. Wäre da nicht sein Auftraggeber Frost mit einem seltsamen Wunsch. Einen Baum soll Banyan nach einer Vorlage konstruieren – einer mehr als ungewöhnlichen Skizze.

Das Bild dieses Baumes ist Frosts Frau auf den Körper tätowiert. In allen Einzelheiten, Blatt für Blatt, Ast für Ast. Ein Wunder von einem Baum so detailliert, dass Banyan nur verwundert staunt.

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„So etwas hatte ich noch nie gesehen. Sie war so hübsch, dass ich zweifellos allein damit schon überfordert war. Aber es war der Baum, der mir den Atem raubte. Aus ihrer rechten Hüfte sprossen die Wurzeln, über den Bauch zog sich ein weißer Stamm und die Äste verzweigten sich bis ganz nach oben.“

Dieser Moment teilt sein Denken in ein Davor und das Danach, denn nicht nur die geheimnisvolle Frau mit dem eintätowierten Baum tritt in sein Leben. Ihre Tochter Zee freundet sich mit Banyan an, bewundert sein Talent und verrät ein Geheimnis, das ihn fast aus der Bahn wirft. Es gibt richtige Bäume – es gibt ein Vorbild für das Tattoo – es gibt einen geheimen Platz auf Erden, an dem der größte Traum des Baummeister die Blätter in den Wind wachsen lässt.

Seinem Unglauben begegnet sie mit einem unfassbaren Beweis, der Banyan die Tränen der Sehnsucht in die Augen treibt. Zee schenkt ihm ein Foto dieser Bäume. Kein altes Bild… nein es muss aktuell sein, denn auf dem Bild erkennt man einen Mann, der an einen der Bäume gefesselt auf dem Boden sitzt. Das Foto kann nicht alt sein… Banyan erkennt seinen Vater… gefangen an seinem größten Traum.

Der eiserne Wald - Chris Howard

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Hier beginnt Banynas Reise und wir folgen ihm auf seiner wilden Suche nach der Wahrheit und dem Ursprung allen Lebens. Wir sind nicht allein. Die kleine Zee und ihre Mutter begleiten uns. Und es schließen sich ihnen weitere Suchende an. Der Weg führt durch ein verstörtes Land voller Gefahren. Heuschrecken werfen sich ihnen entgegen, Agenten des Mais-Konzerns folgen ihrer Spur und alles scheint verloren, als sie von rebellierenden Piraten gefasst werden.

Wird es Banyan gelingen, den Ort zu erreichen, der für ihn so viel bedeutet? Kann er seinen Vater retten und dabei das große Geheimnis um die wirklichen Wälder lösen. Was steckt wohl dahinter? Was, wenn die Wahrheit schrecklicher ist als jede Vermutung? Uns bleibt keine Wahl. Lesend ziehen wir unsere Staubbrillen an und folgen der kleinen Gruppe auf ihrem gefährlichen Streifzug. Überall lauern Fallen, doch im größten Risiko scheint die Wende zum Guten zu liegen…

Alpha ist ihr Name… Piratin ist sie aus Berufung und der gefangene Baummeister weckt mehr als ihr Interesse… Und dies beruht auf völliger Gegenseitigkeit:

„Der ganze Sinn meines Lebens schien darin zu bestehen, dieses Mädchen zu küssen.“

Der eiserne Wald - Chris Howard

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Chris Howard gelingt mit seinem Trilogie-Auftakt „Der eiserne Wald (Knaur) der fulminante Einstieg in eine ökologische Dystopie der Extraklasse. Das Szenario allein ist schon erschreckend genug, die Erkenntnisse des Lesers passen sich diesem Bild von Seite zu Seite an. Als würde man sich durch die Jahresringe echter Bäume nagen, kommt man langsam zum Kern des Geheimnisses und kann vor Verwunderung kaum eine Pause einlegen.

Der Mensch wird von seinen durchaus plausiblen Schattenseiten gezeigt und es gilt der alte Grundsatz: Wer Mais manipuliert, der vergreift sich auch an anderem Gen-Material. Der Sündenfall der Menschheit hat einen absoluten Tiefpunkt erreicht und am Ende des ersten Teils stellt sich die Frage, ob es Meister Banyan tatsächlich gelingen kann, den gordischen Knoten aller Umweltsünden mit einem Streich zu durchschlagen.

Wir werden zu seinen Gefolgsleuten, verlieren in der Mitte des Romans gänzlich das Vertrauen in fast alle handelnden Akteure und lassen uns von plötzlichen Wendungen und unerwarteten Fügungen hinreißen. Dieser eiserne Wald ist so natürlich in seiner Konstruktion, dass es ängstigt. Lasst uns für die Bäume kämpfen… denn in diesem Roman ist der Kampf um jeden Baum im wahrsten Sinne auch ein Kampf um jedes Menschenleben.

Ihr werdet es sehen…

Hier geht es bald weiter zum zweiten Tel: Der eiserne Wald

Hier geht es bald weiter zum zweiten Teil: Der eiserne Wald

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