Asterix bei den Pikten – Mr. Rail(ix) und das gallische Abenteuer

Asterix bein den Pikten - Band 35 (XXXV) ist da...

Asterix bein den Pikten – Band 35 (XXXV) ist da…

Asterix und Obelix – ein kleines, von dummen Römern umzingeltes gallisches Dorf – die Angst, mir könne der Himmel auf den Kopf fallen – ein kleiner Hund namens Idefix – Majestix und Gutemine – ein magischer Zaubertrank – ein gefesselter Barde – stets sinkende Piraten – geizige Schmiede und niemals frische Fische – verprügelte Römer und ein ratloser Cäsar…

So lassen sich meine Jugenderinnerungen in Worte fassen. Asterix-Erinnerungen, die bei mir 1968 im Alter von sechs Jahren beginnen, als ich zum ersten Mal in meinem Leben von meinem Vater ein Asterix-Heft geschenkt bekam. Niemals hätte ich an diesem Tag gedacht, dass mich der kleine Gallier so viele Jahre durch mein Leben begleiten würde. Und niemals hätte ich vermutet, dass ich auch heute noch – 45 Jahre später – wieder zum Kind werde, wenn ein neuer Asterix-Band erscheint.

Und doch ist diesmal alles anders. Einschneidend, wie der Tod des legendären Texters René Goscinny im Jahr 1977, ist die Veränderung. Damals begann der Zeichner der legendären Comics, Albert Uderzo, den Erzählstil des verstorbenen Partners fortzusetzen. Die riesige Fangemeinde blieb Asterix treu und tolerierte sogar die oftmals wenig durchdachten Geschichten. Asterix war zum Kult geworden und diesen Status hat die Serie bis zum heutigen Tag bewahrt. Doch nun erscheint mit Asterix bei den Pikten der erste Asterix-Band unter der Regie eines völlig neuen Teams. Kann das gut gehen?

Asterix bei den Pikten - Neuer Zeichner - Neuer Texter - geht das gut?

Asterix bei den Pikten – Ein neues Team – geht das gut? (© Marc S.)

Diesen Kultstatus gilt es zu verteidigen, vor allem, weil die bisherigen Bände jeweils in einer Millionenauflage erschienen sind. Die Fans freut es, dass die Reise der unsterblichen Gallier weitergeht. Der Ehapa Verlag jedoch hat viel zu verlieren, wenn der erste Hinkelstein-Wurf des neuen Duos – Texter Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad – das wichtigste Ziel nicht erreicht: Die Herzen der Fans…

Und frei nach dem Motto: „warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“, verschlägt es unsere gallischen Helden diesmal nicht nach Ägypten oder in die neue Welt, sondern in ein zur damaligen Zeit weitgehend unbekanntes und von Legenden überzogenes Land: auf nach Kaledonien… auf ins alte Schottland zu den sagenumwobenen Clans der Pikten.

Der Anlass für diese Reise wird den Galliern quasi vor die Füße gespült. Und das im allerbesten Augenblick, den es für eine schicksalhafte Wendung geben kann. Es herrscht Langeweile im kleinen gallischen Dorf, da die römischen Besatzer alle Hände voll zu tun haben, andere Länder zu erobern und sich in Aremorica fast nichts mehr tut. Obelix befindet sich in der großen Sinnkrise seines Lebens. Die Helme werden rar und Prügeleien mit Römern fallen aus wegen „ist nicht.“

Asterix bei den Pikten - Ein ganzes Leben in Gallien

Asterix bei den Pikten – Ein ganzes Leben in Gallien

Da kommt ein angeschwemmter Pikte, tätowiert und im schottischen Kilt, gerade recht. Aus dem Eisblock aufgetaut vermag er zwar nicht zu sprechen, aber mit Händen und Füßen gelingt es ihm, die faszinierten Gallier davon zu überzeugen, das er dringend Hilfe braucht. Nicht nur den möglichen Thron haben ihm die verfeindeten Clans geraubt, auch die Verlobte wurde ihm unter dem karierten Rock weggezogen. Das ruft nach einer kleinen gemeinsamen Reise.

Ausgestattet mit der handelsüblichen Portion Zaubertrank, einer großen Portion Abenteuerlust, einem ganz speziellen Sprachelixier für den verstummten Pikten und einem kleinen aber feinen gallischen Ruderboot machen sich Asterix und Obelix gemeinsam mit ihrem neuen Freund auf den Weg in ungeahnte Abenteuer, versenken im Vorbeifahren noch geschwind das traditionell zu versenkende Piratenschiff – guter Brauch muss gepflegt werden – und finden in Kaledonien alles vor, was das einsame Gallierherz deutlich höher schlagen lässt.

Römische Eroberer; zerstrittene kleinkarierte Clan-Häuptlinge; beste Dudelsack-Musik; Bäume werfende Pikten; ungeheure Ungeheuer in den Tiefen eines Lochs und völlig unbekannte alkoholische Getränke, die der ohnehin guten gallischen Reiselaune den entscheidenden Kick geben. Es ist angerichtet. Kaledonien hat so etwas noch nicht erlebt und die tätowierten Pikten klammern sich schon bald gegenseitig an die kriegerischen Rockschöße, als sie erkennen, mit wem sie es zu tun haben.

Asterix bei den Pikten - Mehr als ein Piktogramm

Asterix bei den Pikten – Mehr als ein Piktogramm (© Marc S.)

Das neue Autoren- und Zeichnerteam lässt keine Klischees der gallisch schottischen Begegnung aus. Wäre auch schade gewesen, denn die kulturellen Unterschiede beinhalten viel Potenzial für eine der gut erzählten, eher traditionellen Geschichten über unsere gallischen Helden. Und schon neigt der erfahrene Asterix-Fan dazu, begeistert zu jubeln, da nach langer Zeit die Zutaten für den miraculösen Zaubertrank mal wieder ein gutes Rezept zu ergeben scheinen.

Die Zeichnungen erreichen im Niveau eine Qualität, die man in den 1980er und 1990er Jahren weitgehend vermisst hatte. Zu modern wirkte alles und oft viel zu angepasst an die technischen Möglichkeiten vergleichbarer Produktionen. Asterix bei den Pikten erinnert in seiner Aufmachung erfreulich an die besten Bände aus der Zeichenfeder von Albert Uderzo. Man fühlt sich wieder in die eigene Jugend zurückversetzt und allein diese Rückbesinnung auf die handwerkliche Präzision von einst zeichnet den neuen Asterix-Band 35 mehr als aus und hebt ihn von den zuletzt erschienenen Werken ab.

Die Handlung hingegen wirkt auch beim zweiten Lesen so, als habe das neue Team mit ganz vorsichtig angezogener Handbremse noch nicht zuviel des Guten wagen wollen. Die gehörige Portion archetypisch gallischen Humors ist im Zaubertrank die wichtigste Ingredienz, aber man darf sich freuen, wenn Asterix in der Zukunft „ungebremst und mutiger“ daher kommt. Der rein inhaltliche rote Faden bringt Leser jeden Alters ans lang erwartete Ziel. Ein großes Bankett – Wildschwein ohne Ende – ein gefesselter Barde und viele gute Geschichten von unterwegs…

Wer jedoch diesmal auf dem Baum sitzt und nicht an der großen gallischen Tafel… nun, das müsst ihr selbst erlesen. Troubadix ist es jedenfalls nicht… Nicht diesmal…

Asterix bei den Pikten - Ein Fazit

Asterix bei den Pikten – Ein Fazit

Unser Fazit ist ganz einfach und dabei so wundervoll zugleich: Asterix bleibt Asterix. Der Kultstatus wird bleiben und keinem Leser fällt bei „Asterix bei den Pikten“ der Himmel auf den Kopf. Die Faszination für Jung und Alt ist ungebrochen. Egal in welchem Alter man Asterix liest, man entdeckt seine eigenen verständlichen Botschaften und die lustigen Geschichten wachsen mit der eigenen Entwicklung. Kaum eine andere Comicserie kann da auch nur in Ansatz und Dimension mithalten.

Die Botschaft ist klar: Wir sind alle anders… und anders sein ist völlig ok, solange man sich gegenseitig respektiert. Und wer dazu nicht in der Lage ist, bekommt eben auf die Mütze, oder eben den Helm… Herrlich einfach. Herrlich unkompliziert und dabei doch so typisch gallisch. Lest, lacht, lest gemeinsam mit Kindern, freut euch auf Asterix, Obelix & Idefix und vergesst die beiden sympathischen Gallier nicht… Es wird weitergehen.

Ich würde mir persönlich etwas wünschen vom Verlag. Nach dem XXX. (sprich 30.) Band „Obelix auf Kreuzfahrt“ wurden die Nummern der nachfolgenden Hefte nicht mehr in römischen Zahlen angegeben. Das ist schade. Denn wenn man als junger Mensch seine Asterix-Sammlung in die richtige Reihenfolge bringen wollte, so musste man des römischen Zählens mächtig sein. Kein Lateinlehrer konnte mir dieses System näher bringen, als dies Asterix gelungen ist. Diese Tradition fehlt mir sehr und es besteht die Gefahr, dass junge Menschen bald nicht mehr wissen, was die XXVIII bedeutet… Schade eigentlich…

Die rollende Bibliothek der Kinderklinik Dritter Orden

Die rollende Bibliothek der Kinderklinik Dritter Orden – Ein Maßstab…

Ein perfekter Gradmesser für die Beliebtheit von Asterix und Obelix ist die absolut perfekt ausgestattete rollende Bibliothek der Kinderklinik „DritterOrden“ in München. „Asterix bei den Pikten“ ist sogar mit zwei Exemplaren  auf dem liebevoll zusammengestellten Wagen vertreten und man muss schon ein wenig Glück haben, oder ihn bei den freundlichen Bibliothekarinnen vorbestellen, wenn man ihn auf Station lesen möchte. „Asterix wird immer gelesen, auch wenn unsere Bücher im Klinikalltag oftmals von Smartphone-Spielen verdrängt werden“, so eine der Damen, die Kinder- und Jugendbücher persönlich ans Bett bringen.

Dies ist übrigens die einzige Bibliothek, in der Bücher nach dem Lesen desinfiziert werden. Literatwo ist ja eher dafür bekannt, dass wir euch mit unseren Leseviren völlig absichtlich anstecken wollen. Da hilft auch keine Quarantäne…

Bleibt gesund und passt auf, dass euch der Himmel nicht auf den Kopf fällt… beim Teutates. 

Wenn sich ein Kulturmagazin an Asterix verhebt...

Wenn sich ein Kulturmagazin an Asterix verhebt…

Kleiner editorischer Nachtrag: Wenn sich das 3sat-Magazin Kulturzeit mit Asterix und Obelix beschäftigt, dann kann man sich bereits in der Anmoderation des Beitrages heftig verheben. Wie das geht? Einfach hier klicken... es lohnt sich 😉

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