Game of Thrones – Sehen, Lesen oder Hören? Mr. Rail reitet nach Winterfell

Das Lied von Eis und Feuer - Multimedial nach Westeros

Das Lied von Eis und Feuer – Game of Thrones – Viele Wege nach Winterfell

Es ist ein lebensgefährlicher Ritt, den ich in diesen Tagen wage. In Winterfell, jener legendären Festung im eisigen Norden von Westeros, begann meine Reise. Begleitet von Schattenwölfen und edlen Rittern aus dem Hause Stark begab ich mich mit einem großen Gefolge nach Königsmund, dem legendären Sitz des Herrschers über die „Sieben Königslande“.

Sein Eiserner Thron, geschmiedet aus den tausend Schwertern der Besiegten, ist Legende und auch Fluch zugleich. Westeros zu einen und gegen seine Feinde zu verteidigen, das ist eine Aufgabe, die mehr als ein Menschenleben benötigt. Denn der Feinde gibt es viele und Gefahren ziehen auf, denn „Der Winter naht“.

Mein Lesezeichenbanner flattert im eisigen Wind und bevor meine Reise so recht begonnen hat, finde ich mich im größten Thronfolgesstreit wieder, den das alte Land jemals gesehen hat. Seit dem Tod des alten Königs sind alle vererbten und geraubten Machtansprüche wieder aufgebrochen und Robert Baratheon kämpft mit allen Mitteln darum, den gerade eroberten Thron in Königsmund zu verteidigen. An den Lagerfeuern erzählt man mir die alten Geschichten aus Westeros und ich lausche aufmerksam.

Landauf landab singt man das magische „Lied von Eis und Feuer„, die Geschichte des allgegenwärtigen „Game of Thrones„.

Das Lied von Eis und Feuer - Multimediale Wege nach Westeros

Das Lied von Eis und Feuer – Unterhaltung für alle Sinne

Ich ahne bereits, dass meine Reise nicht von kurzer Dauer ist. Zu viel möchte ich mit eigenen Augen sehen: Die große Mauer aus Eis, die das Reich im Norden vor den Wildlingen schützt; das ewig verfluchte und von Drachen niedergebrannte Harrenhall; Hohenehr und Casterlystein; das Tal von Arryn; Dorne und die Insel der Gesichter.

Zu viele der besungenen Helden und Schurken möchte ich hier treffen: Den Königsmörder aus dem Hause Lannister und seinen zwergenhaften Bruder Tyrion; die Familie des charismatischen Lords Eddard Stark und natürlich jene junge Adelige, die als Mutter der letzten Drachen immer mehr von sich Reden macht. Daenerys Targaryen, die als ehrgeizige Khaalesi jenseits des Meeres die Ehe mit dem grobschlächtigen Reiterlord Khal Drogo eingeht. Ihr einziges Ziel: Der Thron von Westeros.

„Ich bin Daenerys Sturmtochter vom Blut des alten Valyria und ich nehme mir was mein ist! Mit Feuer und mit Blut werde ich es mir holen!“

Ich bin mittendrin im Spiel der Throne, ein Spiel ohne Regeln, dessen einziges Ziel der eiserne Herrschersitz in Königsmund ist. Ich bin Teil des „Game of Thrones“.

Das Lied von Eis und Feuer - Game of Thrones - Bildgewaltig

Das Lied von Eis und Feuer – Game of Thrones – Bildgewaltig

Meinen Weg zur epischen Saga habe ich bereits in einem Winterfell-Artikel beschrieben und er ist und bleibt ungewöhnlich für mich. Erstmals brachte mich eine epische Fernsehserie zu einer inzwischen zehn Bände umfassenden Buchreihe. Ich musste mir selbst die Frage nach der Qualität der literarischen Vorlage dringend beantworten, hatte ich doch bei jeder einzelnen Episode der ersten und zweiten Staffel von „Game of Thrones“ das Gefühl, etwas Großes verpasst zu haben. Also hinein in den ersten Band von George R.R. Martin: Die Herren von Winterfell (Blanvalet Verlag)

„Mein Verstand ist meine Waffe. Mein Bruder hat sein Schwert, König Robert hat seinen Streithammer, und ich habe meinen Verstand. Wie ein Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten…!“

Lesend in den Weiten von Westeros unterwegs zu sein, ist mehr als spannend, überraschend und unterhaltsam. Alle meine Vermutungen über die Qualität der Romane werden von Seite zu Seite eindrucksvoll bestätigt. Sie sind literarisch absolut brillant verfasst und in der Charakterzeichnung tief angelegt, voller starker Zitate und kunstvoll ineinander verwobener Handlungsstränge, andererseits wächst die Überzeugung, mit wie viel Liebe zum Detail die filmische Umsetzung realisiert wurde.

Das Lied von Eis und Feuer - Eine Lesereise

Das Lied von Eis und Feuer – Eine Lesereise

Dialoge aus dem Buch finden sich ungekürzt im Maßstab 1 : 1 in der Serie wieder und sowohl Schauspieler, als auch Szenerie entsprechen der Vorstellung des Lesers. Ich bin mehr als angenehm überrascht. Hintergründe werden im Buch mehr als vertieft und der Blick schärft sich auf intensive Art und Weise. Charaktere erlangen eine noch dynamischere Tiefe und man ist als Leser mehr als gefesselt vom Sog der Geschichte. Überraschend war vielleicht die sehr differenzierte Schilderung des Reiterlords Khal Drogo im Roman – die Annäherung an ihn kann man lesend besser nachvollziehen, da dem Charakter sehr viel verborgene Zärtlichkeit zugestanden wird. Mir hat das sehr gut gefallen.

Und eine meiner Lieblingsfiguren aus der Serie, der Zwerg Tyrion Lannister läuft auch in der Romanvorlage immer mehr zur Hochform auf. Einer der absolut genialsten Protagonisten, den ich jemals erlesen durfte:

„Vergiss eins nicht, Junge. Alle Zwerge können Bastarde sein, doch nicht alle Bastarde müssen Zwerge sein…“

Als er die Tür öffnete, warf das Licht von drinnen seinen Schatten deutlich in den Hof, und nur für einen Augenblick war Tyrion Lannister groß wie ein König!

Ich singe das Hohelied dieser epischen Erzählung. Die Bücher sind ein absolutes MUSS für Liebhaber anspruchsvoller Fantasy und sie stehen in intensivem Dialog mit der Serie. RTL II strahlt ab dem 02. März diesen Jahres die dritte Staffel aus und in den USA ist Staffel 4 bereits auf HBO zu sehen. Buch und Film – Hand in Hand… was kann es eigentlich Schöneres geben?

Das Lied von Eis und Feuer - Gehörig was auf die Ohren

Das Lied von Eis und Feuer – Gehörig was auf die Ohren

Vielleicht die Dimension des Hörens? Dieser Frage gehe ich bald intensiv auf die Spur. Die ungekürzten Hörbücher aus dem Hause Random House Audio könnten dem eigenen Lesegenuss vielleicht sogar die Krone aufsetzen und hörbuchbegeisterte Bücherwürmer langfristig fesseln. Im März erscheint bereits das zehnte Buch in seiner Audiofassung und die Serie liegt dann in „buchiger und höriger“ Form komplett vor…

Ein Special bei AstroLibrium

Ein Special bei AstroLibrium

Diesen gewagten Vergleich habe ich gewagt und darüber hinaus kann man sich im Prachtband „Game of Thrones – Hinter den Kulissen“ satt sehen und lesen. Ein Traum, der auch fortgesetzt wird. Hier geht es zu Teil 2 dieses Prachtbandes.

Und alle Neuigkeiten aus der Welt des gesprochenen Wortes zu dieser Mega-Serie erfährt man im Hörbücherblog von audible im Game-of-Thrones-Special“.

Mit einem Klick zum ersten Ausritt nach Westeros... Der Winter naht

Mit einem Klick zum ersten Ausritt nach Westeros… Der Winter naht

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Holocaust-Gedenktag 2014 – „Hanas Koffer“ von Karen Levine

Hanas Koffer von Karen Levine - Das nie gelebte Leben der Hana Brady

Hanas Koffer von Karen Levine – Das nie gelebte Leben der Hana Brady

„Die Vergangenheit wirft ihren Schlagschatten auf gegenwärtiges und zukünftiges Gelände. Vergegenkunft nannte ich später meinen Zeitbegriff…“

Günter Grass „Schreiben nach Auschwitz“ – 13. Februar 1990

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Seit wir gemeinsam „Gegen das Vergessen“ der Opfer des Holocaust schreiben, werden wir Literatwos ständig mit diesem zeitlosen Zeitbegriff konfrontiert, da wir den historischen Schlagschatten des Erinnerns gerade in Büchern immer wieder spüren. Manchmal sind es Namen, oftmals Orte und immer wieder auch Gegenstände, die uns einholen und den Blick in die Vergangenheit richten lassen. Einer dieser Gegenstände ist ein Ring, über den ich vor kurzem schrieb. Jener Ring eines gefallenen Soldaten, der nun in meinen Händen liegt und damals alles veränderte: Weihnachten 1944…

Schlagschatten… Aus ihnen möchten wir selbst täglich lernen und anderen Menschen immer wieder vor Augen führen, dass sich Automatismen der Vergangenheit nur dann wiederholen können, wenn wir sie bis heute nicht verstehen. Erinnern heißt für uns auch Verhindern! Im Schreiben hier, in Gesprächen mit Freunden und im Dialog mit Jugendlichen an Schulen.

Wir wollen nicht vergessen und versuchen anhand ausgewählter Literatur, ganz besonders aus dem Bereich Jugend- und Kinderbuch, konstant dem Erinnern ein Gesicht zu geben. Wenn ihr das Gestern vergesst, werdet ihr das Morgen nicht bewusst erleben!

Hanas Koffer von Karen Levin - Dem Erinnern einen Namen geben

Hanas Koffer von Karen Levin – Dem Erinnern einen Namen geben

So öffnen wir anlässlich des Holocaust Gedenktages 2014 einen ganz besonderen Koffer. Er gehörte einst einem kleinen jüdischen Mädchen und ist augenscheinlich der letzte Gegenstand, der an dessen Existenz erinnert. Ansonsten ist er absolut leer. So wie die Erinnerung. Die Geschichte dieses Koffers beginnt vor langer Zeit mit der Deportation einer gewissen Hana Brady. Aber eigentlich beginnt seine Geschichte vor wenigen Jahren in Tokio….

Hanas Koffer“ von Karen Levine (Ravensburger)

Fumiko Ishioka wurde 1998 Leiterin eines kleinen Museums in Tokio. Die Mitarbeiter des „Tokyo Holocaust Center“ hatten sich zur Aufgabe gesetzt, japanische Schulkinder über die Verfolgung und Vernichtung millionenfachen Lebens in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland zu informieren. Fumiko traf sich mit Überlebenden und war von Anfang an bestrebt, dem Museum mehr Leben zu verleihen und den Kindern das Erinnern näher zu bringen. Erst im Jahr 2000, und nach vielen erfolglosen Versuchen, erhielt sie ein Paket aus dem „Auschwitz-Museum“.

Der Inhalt: Ein Kinderstrumpf und ein Schuh, ein Kinderpullover, ein Behälter mit der Aufschrift ZYKLON B und ein Koffer, der mit den Worten „Hana Brady, 16. Mai 1931 – Waisenkind“ gekennzeichnet war. Hanas Koffer. Und obwohl dieser Koffer unscheinbar aussah, öffnete er mit seiner bloßen Anwesenheit die Tür zu seiner vergessenen Besitzerin. Die japanischen Kinder hatten endlich ein greifbares Zeichen aus der Zeit des Holocaust – sie erkannten, dass jene Hana ebenfalls ein Kind war, als sie mit 13 Jahren in Auschwitz ankam. Und so rückte jenes unbekannte und gesichtslose Mädchen in den Mittelpunkt einer intensiven Spurensuche.

Hanas Koffer von Karen Levine - Mit Hanas Augen

Hanas Koffer von Karen Levine – Mit Hanas Augen

Inspiriert von den Fragen der Kinder und unterstützt durch eine kleine Gruppe von Schülern, die sich selbst „Die kleinen Flügel“ nannten, begann Fumiko Ishioka auf eigene Faust zu recherchieren. Reisen nach Auschwitz und Theresienstadt, Besuche in einigen Museen und Archiven brachten sie dem unbekannten Mädchen Schritt für Schritt näher. Sie entdeckte Zeichnungen mit Hanas Unterschrift, die während des Aufenthaltes in Theresienstadt entstanden sein mussten und jedes neue Detail diente als Triebfeder für weitere Reisen „Gegen das Vergessen“.

Der Koffer war der Auslöser. Die Aufschrift, das einzige greifbare Indiz und doch ließen sich die japanischen Schüler und die Leiterin des kleinen Holocaust-Museums nicht entmutigen. Der Durchbruch gelang, als man eine Liste fand. Eine jener berüchtigten Listen der Nazis, auf denen sie Namen und Zielorte der deportierten Juden dokumentierten und auf der Liste mit Hanas Namen fand sich ein zweiter Name… der ihres Bruders Gerorge. Und das Besondere an diesem Namen: er war nicht abgehakt worden, was vielleicht bedeutete, dass er Auschwitz nie erreicht hatte.

Konnte das bedeuten, dass er den Holocaust überlebt hatte? Konnte es sein, dass er vielleicht noch lebt?

Am Ende aller Recherchen steht ein Brief Fumikos nach Kanada. Der Adressat ein gewisser George Brady und der Inhalt eine aufrührende Bitte, sich mit ihr in Verbindung zu setzen, wenn er tatsächlich der Bruder von Hana wäre. Nun konnte man in Japan nichts weiter tun, als zu warten und zu hoffen, dem Geheimnis des Koffers endlich einen bedeutenden Schritt nähergekommen zu sein.

Hanas Koffer - Die kleinen Flüge - weltumspannend

Hanas Koffer – Die kleinen Flüge – weltumspannend

Karen Levine beschreibt in ihrem bewegenden Buch „Hanas Koffer“ die Geschichte dieser Spurensuche auf beeindruckende Art und Weise. Sie nähert sich der Neugier der Kinder in Tokio ebenso behutsam an, wie jener kleinen Hana, der die ganze Spurensuche galt. Das Ergebnis ist berührend, verstörend und hoffnungsvoll zugleich. Denn das Wunder trat tatsächlich ein. George Brady antwortete und er schrieb nicht nur einen emotionalen Brief an die Kleinen Flügel, er legte auch die Geschichte seiner Schwester und einzigartige Bilder von Hana bei. Er öffnete sein Herz und seine Geschichte für die Kinder, die seine Schwester nicht vergessen wollten.

Und so öffnet sich auch für uns Leser die Lebensgeschichte einer verfolgten Familie, die zur falschen Zeit am falschen Ort lebte. Einer jüdischen Familie, die in die Fänge der Nazis geriet und dem Holocaust gnadenlos ausgeliefert war. Das Schicksal der beiden Geschwister trifft den Leser auf jeder Seite ins hilflose Herz und doch zeigt das Buch, dass nur das Vergessen das endgültige Todesurteil für ein Menschenleben bedeutet. Die Kleinen Flügel und Fumiko Ishioka haben ihre Schwingen über die Welt ausgebreitet und einem vergessenen Schicksal ein Gesicht gegeben – Karen Levine hat dieser Geschichte in einer für Kinder ab 10 Jahren angemessenen Form einen ewigen Platz in unserer Erinnerung gegeben. Der Ravensburger Verlag hat eigens Unterrichtsmaterial zum Buch veröffentlicht und es ist für uns einer der größten Anwärter auf die Bezeichnung: Pflichtlektüre!

Hana Brady war erst 13, als sie am Ende ihres kurzen Lebens in Auschwitz vergast wurde. Sie gehört zu den vielen Millionen Opfern eines unvorstellbaren Massenmordes und sie hatte noch so viel Leben vor sich, das nicht gelebt werden durfte. Doch sie hatte einen Wunsch: sie wäre so gerne Lehrerin geworden und hätte gerne Kinder unterrichtet. Dieser Wunsch wurde ihr von einer Museumsleiterin, den Kleinen Flügeln, vielen Kindern weltweit und einer vorzüglichen Autorin erfüllt. Hana lehrt die Kinder der Welt, dass sich Auschwitz nicht wiederholen darf. Ihr Koffer reist durch die Welt und erzählt ihre Geschichte.

Die Sinnlosigkeit des Sterbens in Vergessenheit wurde diesem kleinen Mädchen genommen. Es war die vielleicht schwerste Last, die Hana Brady zu tragen hatte.

Hanas Koffer - Gegen das Vergessen

Hanas Koffer – Gegen das Vergessen

„So wird meine Rede zwar ihren Punkt finden müssen, doch dem Schreiben nach Auschwitz kann kein Ende versprochen werden, es sei denn, das Menschengeschecht gäbe sich auf.“

Günter Grass „Schreiben nach Auschwitz“ – 13. Februar 1990

Diesem zeitlos magischen Satz unseres Literatur-Nobelpreisträgers schließen wir uns lebenslänglich an. Dem Erinnern neue Dimensionen, dem Gedenken Farbe und Flügel verleihen, und dies nicht nur im Internet sondern auch im Dialog mit der Jugend von heute, dem haben wir uns verschrieben. Wir danken an dieser Stelle unseren Wegbegleitern und allen Verlagen, die dieses ehrgeizige Projekt bereits seit mehr als drei Jahren mit unfassbarem Engagement unterstützen.

Literatwo schreibt weiter „Gegen das Vergessen“ der Opfer jeglicher Verfolgung aus politischen, religiösen oder ethnischen Gründen. Wir kämpfen mit unseren Waffen für das aufrechte Gedenken an die Opfer des Holocaust und erinnern an jene, deren Auslöschung ideologisches Programm war und ist. Wir gehören keinem Menschengeschlecht an, das sich aufgegeben hat… Wir sind gerade erst aufgestanden!

Arndt Stroscher & Bianca Raum Literatwo

Literatwo "Gegen das Vergessen" - Eine Lebensaufgabe

„Gegen das Vergessen“ – Eine Lebensaufgabe

Ein mehr als persönlicher Nachtrag sei nach diesem persönlichen Text noch gestattet. Das Schicksal hat Hana Brady noch mehr als nur durch dieses Buch mit Literatwo verbunden. Ebenso wie bei Bianca fällt Hanas Geburtstag auf einen 16. Mai. Nur eben genau 54 Jahre, bevor auch Bianca das Licht der Welt erblickte. Dieser Geburtsagsverbundenheit wird zukünftig bei uns an jenem magischen Tag dadurch gedacht, dass wir Hanas Wiegenfest bei uns feiern. Leider hat sie nicht viele Geburtstage feiern können, aber wir werden es ihr schön machen.

Versprochen, Hana…

Mit einem Klick zu aktuellen "Holocaust-Projekten auf AstroLibrium

Mit einem Klick zu aktuellen „Holocaust-Projekten auf AstroLibrium

Juni 2014 – „Hanas Koffer“ tritt eine Reise „Gegen das Vergessen“ an! Werdet Teil des Projekts und begrüßt das Buch bei euch zu Hause… und es kommt nicht allein!

Hanas Koffer - Mit einem Klick zu Lesereise - Seid dabei...

Hanas Koffer – Mit einem Klick zu Lesereise – Seid dabei…

Wie alles begann – Klein Railys erstes Bilderbuch

Märchen der Völker - Der erste Bücherschatz

Märchen der Völker – Der erste Bücherschatz

Es waren magische Tage, die ich als kleiner Junge erleben durfte und es waren magische Momente, die mich im zarten Alter von 5 Jahren meinem ersten großen Bucherlebnis näher brachten. Besuche bei meinen Großeltern waren eigentlich eher langweilig. Nichts in ihrem Haushalt war auf einen Kinderbesuch ausgerichtet und so musste der Garten mit seinen Erdbeerbeeten und eine kleine Schaukel ausreichen, um den Enkel ein wenig zu beschäftigen. Besuche in ihrem Haus in Trier kamen mir dunkel vor, was vor allem an der Farbe der Möbel lag.

Doch alles änderte sich mit einem Schlag, als mein Großvater einen schweren Messingschlüssel zur Hand nahm, mich aufforderte, ihn zu einer wuchtigen dunklen Kommode zu begleiten und einfach nur sagte: „Jetzt wirst du Augen machen, mein Ströppchen!“ Mit lautem Knarzen öffnete sich der Schrank, dessen Inneres sich unter der Last von Dokumenten und Kisten zu biegen schien. Ein gezielter Griff meines Großvaters förderte eine ebenso dunkle Holzkiste zutage. Es roch einfach gut. Nach Holz, Öl und einer Spur Zimt.

Und dann hielt er ihn in der Hand. Den ersten Buchschatz meines Lebens. Mehrfach in ein Leinentuch eingewickelt, zeigte sich nach wenigen Handgriffen das Titelbild eines Märchenbuchs. Ich konnte noch nicht lesen, erkannte aber in jenem sympathischen Gesicht des Mannes mit dem Turban, dass mich hier wohl sehr viele lustige Geheimnisse erwarten würden. Die Goldprägung strahlte geheimnisvoll und ich konnte es kaum erwarten, zu blättern und zu forschen. Aber da hatte ich die Rechnung ohne den alten Herrn gemacht, der nun begann dieses Buch zu zelebrieren.

Mr. Rail und die Bücher - Wie alles begann

Mr. Rail und die Bücher – Wie alles begann – Opa und Mom

Schon der erste Blick ins Innere des großformatigen Bilderbuches zeigte mir, dass es sich deutlich von Kinderbüchern unterschied, die ich bisher gesehen hatte.  Das dicke Papier der Seiten schien vergilbt zu sein, die Schrift war verschnörkelt und kunstvoll geschwungen und die einzelnen Bilder strahlten in einer unheimlichen Farbenfreude aus dem Buch heraus. Und keines dieser Bilder schien abgedruckt zu sein. Sie waren allesamt mühevoll von meinem Opa gesammelt und eingeklebt worden und so erblickte ich mich im Jahr 1967 etwas, das man wohl heute als Märchen-Panini-Album bezeichnen könnte.

Nur war es schon zu dem Zeitpunkt als es sich erstmals für mich öffnete schon 35 Jahre alt. Großvater erklärte mir, dass die Bilder in seinen Zigarettenschachteln zu finden waren und er im Jahr 1932 ganz schön rauchen musste, um dieses Bilderbuch mit allen Illustrationen beleben zu können. Und als er diese Arbeit vollendet hatte, suchte er eine Holzkiste und ein Leinentuch, wickelte das Buch ein, versiegelte die Kiste, nagelte sie zu und versteckte sie im Keller. Nur um sie heute, genau 35 Jahre später für mich zu öffnen. Es war ein Wunder für mich.

Erstmals hörte ich von Don Quijote (den man damals noch „Quixote“ schrieb), dem Mann aus La Mancha und seinem Kampf gegen die Windmühlen. Erstmals reiste ich, getragen von der Stimme meines Opas und mit dem Blick auf die wundervollen Bilder, mit Sindbad und seinen Freunden von Abenteuer zu Abenteuer. Ich entdeckte Städte wie Chicago und fuhr mit knatternden und ratternden Oldtimern durch die Straßen und erlebte die vielfältigen Wunder unzähliger Märchen der Völker. Und nach jeder vorgelesenen Geschichte kam das große Buch gut verpackt an seinen angestammten Platz.

Mit Sindbad am Strand

Mit Sindbad am Strand

Nun kann man sich vorstellen, dass die Besuche bei meinen Großeltern für mich eine ganz eigene und neue Bedeutung bekamen. Die Vorfreude war immer groß und die Dunkelheit begann sich immer weiter aufzuhellen. Jedes Treffen mit Opa war nun mit einem Märchen verbunden und jedes Märchen mit kleinen Geschichten von ihm, wie er dieses Buch durch die Wirren der Zeit gerettet hatte. Ich hatte noch keine Vorstellung von Krieg und Gefahr, aber mir war schnell klar, dass dieses Buch sehr schwere Zeiten völlig unversehrt überstanden hatte.

Wie ein großer Weggefährte begleitete mich dieses gemeinsame Betrachten von Bildern und das gemeinsame Lesen der Märchen aus aller Welt durch die nächsten Jahre und irgendwann war es dann an mir, meinem Opa vorzulesen. Es schien, als folgte dieses Märchenbuch einer alten Bestimmung und einem ganz genauen Plan, denn es wurde zum wichtigsten Band zwischen Großvater und mir. Und selbst als ich ihn dann später alleine besuchte und stolz mit meinem ersten Auto vor dem Haus parkte, war ein Blick in die „Märchen der Völker“ ein festes Ritual zwischen uns.

Ebenso, wie das Einwickeln und Verpacken des Märchenbuchs am Ende jeden Besuchs. Es blieb bis zum Tod meines Großvaters in dieser Kommode. Niemals wagte ich zu fragen, wann ich es mitnehmen dürfte oder ob ich es mir mal ausleihen könnte. Die Magie dieser Momente wollte niemand zerstören. Und so lebten die Bilder und Geschichten auch in jenem heranwachsenden Enkel weiter und ich könnte noch heute die mehr als 15o Bilder den richtigen Seiten zuordnen, wenn sie sich denn plötzlich lösen würden. Aber das haben sie nicht getan… sie sind immer noch an ihren angestammten Plätzen.

Erstmals in Chicago

Erstmals in Chicago

Nun liegt dieses große Märchenbuch also in meinem Sekretär – eingewickelt in ein altes Leinentuch und verpackt in einer dunklen Holzkiste. Noch regelmäßig sitze ich selbst davor und schwelge in Erinnerungen und habe noch heute das Gefühl, dass ich die Märchen und ihre Bilder nicht alleine betrachte. Die Wertschätzung gegenüber Büchern hat mir mein Großvater sozusagen in die Wiege gelegt. Ein Buch über inzwischen 82 Jahre in einem Zustand zu bewahren, der eigentlich als neuwertig zu bezeichnen ist, das ist eine ganz eigene generationsübergreifende Leistung.

Heute kann ich gut ermessen, welchen Weg das Buch auf sich genommen hat, bevor es endgültig bei mir landete. Heute kann ich wertschätzen, wie facettenreich und ohne Vorurteile diese Geschichten 1932 das Licht der Buchwelt erblickten. Araber, die stolz in Allah leben; Indianer in ihren positiven Riten und Bräuchen sowie Afrikaner, die voller Stolz über ihre Geheimnisse erzählen. Das war eigentlich angesichts der Zeit der Publikation so nicht zu erwarten. Kurze Zeit später wurden diese Märchen verboten. Die Kiste hat sie gerettet.

Die „Märchen der Völker“ werden noch lange bei mir bleiben. Gut behütet und ganz vorsichtig betrachtet – und eines Tages werde ich für irgendjemanden dieses Buch ebenso zelebrieren, wie mein Großvater es für mich gemacht hat. Ich werde seine Strahlkraft wiederbeleben und die Goldprägung wird auch bei weiteren Generationen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es ist schön, einen solchen Schatz zu besitzen. Es ist schön, dass er wie ein Zeitfenster wirkt und beim Aufblättern heute mehr als nur seine Märchen zeigt. Mit solchen Familienschätzen kann man heute noch beginnen – irgendwann ist immer der Startpunkt und manchmal erübrigt sich dann auch die Frage: „Was bleibt eigentlich von mir?“

Mein Opa hat diese Frage mit Nachdruck beantwortet.

Gemeinsam gegen die Windmühlen

Gemeinsam gegen die Windmühlen

„Erzähl es niemandem“ – Eine unmögliche Liebe in Zeiten des Krieges

Erzähl es niemandem - Eine unmögliche Liebe in Zeiten des Krieges

Erzähl es niemandem – Eine unmögliche Liebe in Zeiten des Krieges

Es gibt Geschichten, die sind eigentlich sehr schnell erzählt. Es sind Geschichten, von denen man meint, sie schon so oft gehört oder gelesen zu haben, dass sie den geneigten Leser nicht mehr überraschen können. Es gibt aber auch Geschichten, die unter der Oberfläche des ersten trügerischen Scheins eine Tiefe entwickeln, die sprachlos macht.

Norwegen 1940. Das Dritte Reich tritt erneut über seine Ufer und überschwemmt seine Nachbarn mit einer Welle der Gewalt. Was mit Österreich nahezu friedlich begann, setzt sich gewaltsam wie ein Flächenbrand fort. Und nach einem Jahr intensiven Krieges wendet sich der Blick des Führers bis hinauf ins ferne Skandinavien. Es steht schnell fest, dass man das friedliebende Norwegen auf keinen Fall den Alliierten überlassen kann und so wird auch dieses Land fast im Handstreich eingenommen und besetzt.

Man ist geübt im Besetzen. Es ist NAZI-Routine in diesen Zeiten und die Bewohner der besetzten Gebiete wissen, was sie zu erwarten haben. Sie wissen es nach einem Weltkriegsjahr nur allzu gut. Angst geht um in einem kleinen Land, das nun unter der Wehrmacht aufstöhnt und in dem riesige Adolf-Kanonen weitreichenden Geschosshagel anzudrohen beginnen. Das Dritte Reich ist angekommen mit all seinem Schrecken und mit all seiner Wucht gegen die Menschen, die sich nicht unterwerfen oder die schon in Deutschland aufgrund ihres Glaubens seit Jahren verfolgt werden.

Erzähl es niemandem - Eine Spurensuche von Randi Crott

Erzähl es niemandem – Eine Spurensuche von Randi Crott

Unter diesen Rahmenbedingungen kommt es auch zu Begegnungen zwischen Besatzern und Besetzten. Und manchmal ist es mehr als nur ein Gefühl, dass man in seinem uniformierten Gegenüber mehr als nur den Feind zu sehen hat. 1942 beginnt die 19jährige Norwegerin Lillian sich für den 29jährigen deutschen Wehrmachtssoldaten Helmut Crott zu interessieren. Er war oft bei ihren Eltern zu Gast und scheint so ganz anders zu sein, als man dies zu erwarten hatte. Lillians aufkommende Gefühle werden intensiv erwidert.

Aber sie kämpft gegen ihre Gefühle an. Die Unmöglichkeit einer Liebe zu einem Besatzer lässt keine weitere Hoffnung zu und doch kommen beide nicht voneinander los. Denn es ist ein Geheimnis, das die Welt von Helmut für seine Lillian öffnet und ihn von einer Sekunde auf die andere zu einem anderen Menschen macht. Denn er ist ein anderer Mensch, besonders in den Augen der NAZIS, wenn auch sie sein Geheimnis kennen würden. Helmut Crott ist Halbjude und hat sich hinter und unter der Uniform der Wehrmacht versteckt, um den aufkommenden Repressalien in seinem Vaterland zu entgehen.

Jahrelange Entrechtung und Einschränkungen liegen hinter ihm und seiner Familie. Seine Tante Tetta ist bereits nach Theresienstadt deportiert und nur die Tatsache, dass Helmuts jüdische Mutter mit einem Nichtjuden verheiratet ist, schützt sie im Moment vor dem KZ. Helmut selbst musste sein Studium beenden und ohne Perspektive wurde er in die Wehrmacht eingezogen. Glück und Zufall haben ihm dabei geholfen, nicht als Halbjude erkannt zu werden und nun hofft er, den Weltkrieg und die NAZI-Herrschaft als Soldat überleben zu können.

Erzähl es niemandem - Unglaubliche Anweisungen

Erzähl es niemandem – Unglaubliche Anweisungen

Dass er dabei eine Rolle zu spielen hat, um nicht enttarnt zu werden – das nimmt Helmut in Kauf. Dass seine Beziehung zu Lillian immer weitere Kreise zieht, das kann er nicht verhindern. Ihre Eltern wenden sich von der jungen Fau ab, während sie immer weiter in die Welt der Crotts eintaucht. Eine Welt der Bombennächte – eine Welt der zunehmenden Verbote für Juden und eine Welt der existenziellen Angst vor der Deportation. Beide leben in ihrer eigenen Welt – einer liebevollen Insel im Taumel des Weltgeschehens.

Als Helmuts Mutter deportiert wird brechen die Dämme der Sorge und Lillians Bekenntnis zu ihrem Lebensmann wird zur Nagelprobe für die eigene Sicherheit. Mit der einsetzenden deutschen Niederlage beginnt die Hofnung auf das Überleben zu keimen. Helmut und Lillian – untrennbar miteinander verbunden – rasen nun gemeinsam in den Wirbelsturm des Kriegsendes. Getrennt und ohne Kontakt zueinander gilt es jetzt der Liebe die Chance zu geben, die sie sich in wirren Kriegszeiten erkämpft hat. Und es stellt sich für beide die Frage, wie es weitergehen kann… und wer überlebt hat.

Randi Crott, die Tochter der Beiden, rekonstruiert in ihrem Buch Erzähl es niemandem (Dumont Buchverlag) gemeinsam mit ihrer Mutter Lillian die Liebesgeschichte ihrer Eltern. Ihr gelingt dabei ein unglaubliches journalistisch biografisches Meisterwerk voller Tiefe, Dialogfrische und Glaubwürdigkeit. Sie zeichnet einen Weg nach, der ihr als Kind weitgehend verborgen blieb und als nun auch sie erkennen muss, dass sie jüdische Wurzeln hat verändert sich auch ihr eigenes Leben. Sie kann sich plötzlich in die Rolle der Opfer hinein versetzen. Ihrem verstorbenen Vater Helmut setzt sie unbewusst ein Denkmal. Den Opfern des Nationalsozialismus setzt sie dieses sehr bewusst.

Erzähl es niemandem - Begegnungen werden Wendepunkte

Erzähl es niemandem – Begegnungen werden Wendepunkte

In „Weihnachten 1944 – Ein Ring der alles veränderte schrieb ich viel zu meiner Motivation „Gegen das Vergessen“ zu lesen, zu schreiben und zu handeln. Ich schrieb allerdings auch von meinen ambivalenten Gefühlen gegenüber den gefallenen Brüdern meines Vaters. Ich bin meinem Ring in Erzähl es niemandem mehrmals begegnet. Ich habe ihn immer dort getroffen, wo die beginnende Niederlage der NAZIS den Opfern der Verfolgung Hoffnung gegeben hat. Es sind schmerzhafte Begegnungen, da ich erkenne, wie wichtig manchmal der Tod Einzelner sein kann, wenn sie auf der nachweislich falschen Seite stehen.

Diese wahre Geschichte ist Aufruf und Bekenntnis zugleich. Seinen eigenen Weg zu gehen, sich auf seine Gefühle zu verlassen und für die Liebe seines Lebens einzustehen – diese Botschaft ist zeitlos und schlägt eine Brücke bis in unsere heile Welt. Im Anderen mehr zu sehen, als es der äußere Schein erwarten lässt und Geheimnisse zu bewahren, auch wenn sie mit persönlichen Risiken und Nachteilen verbunden sind – das ist eine Lehre, die man aus diesem bewegenden Buch ziehen kann.

Man kann sich diesem Buch nicht entziehen. Man kann sich der Sprache nicht entziehen und in den Momenten, in denen der Vater seinem Sohn Helmut über die Deportation der Mutter schreibt, fühlt man die gemeinsame hilflose Verzweiflung dieser Zeit. In einem ganz eigenen Familiencode sprechen beide nur von der „halben Portion“ und die Sätze „Die halbe Portion ist nicht mehr in Zeitz. Die halbe Portion hat nicht einen Schritt gehen können. Zwei Mädels haben sie zum Bahnhof getragen“ machen wütend. Das Ziel von Carola Crott war Theresienstadt…

Viele Gemeinsamkeiten - Victor Klemperer

Viele Gemeinsamkeiten – Victor Klemperer

Manche Bücher scheinen miteinander im Dialog zu stehen. Die Tagebücher des Victor Klemperer haben viel mit „Erzähl es niemandem“ gemeinsam. Auch Klemperer wurde für eine gewisse Zeit durch seine Ehe mit einer Nichtjüdin geschützt und seine Rettung ist verbunden mit dem Untergang vieler. Sein Leben wurde in der Bombennacht von Dresden gerettet… Ohne weitere Worte.

Literatwo schreibt weiter… „Gegen das Vergessen“

Der Name ist nicht alles, was bleibt...

Der Name ist nicht alles, was bleibt…