Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra – Robin Sloan

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra - Robin Sloan

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra – Robin Sloan

Seit vielen Jahren schon sind wir auf der Suche nach den großen Geheimnissen des Lebens. Unzähligen Autoren sind wir auf unseren Lesewegen gefolgt und haben viel auf uns genommen, um die sagenhaften Mysterien der Welt zu enträtseln.

Doch immer wieder beschäftigten uns dabei folgende Fragen: Was wären die Romane „Der Name der Rose“ und das „Foucaultsche Pendel“ ohne Umberto Eco und was wären die „Illuminati“ oder „Inferno“ ohne Dan Brown? Wie würde die Suche nach dem bibliophilen Heiligen Gral der Neuzeit ohne William von Baskerville oder Robert Langdon aussehen?

Sie wäre wohl authentisch und verständlich. Sie wäre geprägt vom akribischen, teilweise staubigen und ernsthaften Erforschen der historischen Geheimnisse ohne wilde Verfolgungsjagden und nicht zu entschlüsselnde Ungereimtheiten – ohne das zwingende Erfordernis, sich mit wissenschaftlicher Sekundärliteratur bewaffnet auf die Lesereise zu begeben. Sie wäre zugänglich und greifbar. Die Suche allein würde zur Lebensaufgabe – sie würde nur einen Namen tragen:

Mr. AJAX PENUMBRA

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra - Rund um die Uhr

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra – Rund um die Uhr

Folgt uns doch einfach und ihr werdet selbst erleben, dass man einen solchen Roman schreiben kann, ohne den Leser durch die Mangel der Kabbala oder in die Fänge explosiver CIA / Mossad / KGB Agenten zu hetzen. Ihr müsst nur durch diese eine Tür… seht ihr sie?

BUCHHANDLUNG PENUMBRA – 24 STUNDEN GEÖFFNET

Zugegeben, diese kleine und besondere Buchhandlung im heutigen San Francisco wirkt ein wenig angestaubt. Auch ist ihr Sortiment nicht sonderlich vielseitig, aber der hintere Teil des Ladens wartet mit einer unfassbaren Überraschung auf.

Das stellt auch der arbeitslose Webdesigner Clay Jannon fest, der sich hier auf eine Stellenanzeige bewirbt und vom Besitzer der Buchhandlung direkt eingestellt wird. Penumbra weist ihm die Nachtschicht zu und Clay hat sich zuerst mit den wichtigsten Regeln seiner Jobbeschreibung vertraut zu machen:

  1. Nicht verspäten – nicht früher gehen
  2. Die Bücher in den Regalen nicht durchblättern
  3. Die Bücher nicht lesen oder inspizieren
  4. Die Bücher den Kunden nur holen – mehr nicht
  5. Jede Transaktion präzise protokollieren
Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra - Das Geheimis

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra – Das Geheimis

Clay wird schnell klar, dass hier etwas absolut nicht in Ordnung ist. Die Kunden kaufen die Bücher nicht, sie leihen sie nur aus und der dreistöckige Turm im hinteren Teil der Buchhandlung beherbergt in seinen meterhohen und nur über riesige Leitern erreichbaren Regalen ausschließlich unlesbare riesige Folianten.

Allen Verboten zum Trotz wirft er einen heimlichen Blick in diese Buchschätze und erkennt nur unzusammenhängende Buchstabenreihen. Und ebenso seltsam wie die Bücher sind auch die Kunden, die Penumbra anzieht. Sie wirken rastlos, getrieben und ungeduldig, wenn sie eins der großen Bücher zurückbringen, um sich gleich mit dem nächsten Folianten auf den Weg zu machen.

Clay analysiert ihr Verhalten und entdeckt nicht nur ein Muster, dem jeder zu folgen scheint. Er entdeckt auch, dass hier eine auserlesene Gesellschaft von Lesern einem uralten Geheimnis auf der Spur zu sein scheint. Und dies mit den traditionellen Mitteln des Lesens, Notierens und Verstehens.

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra - Google im Einsatz

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra – Google im Einsatz

Was wäre, wenn man die moderne Computertechnik auf das ewige Geheimnis ansetzt, das bis in die Anfänge der Buchdruckkunst reicht? Könnte man ein Rätsel lösen, an dem sich Generationen von Gelehrten seit Jahrhunderten verhoben hatten? Da trifft Clay auf die junge Kat und wie der Zufall es will, oder das Schicksal es vorgesehen hat, arbeitet sie bei GOOGLE. Gemeinsam mit ihr, einigen Freunden aus alten Tagen und dem Besitzer der Buchhandlung geht man das Wagnis ein, gegen die oberste Regel der Suche zu verstoßen.

Keine technischen Hilfsmittel – nur der Verstand sollte lösen was unlösbar scheint. Und nun bedient man sich via GOOGLE eines Netzwerks aus Computern, das weltumfassend ist. Wird man dem großen Geheimnis auf die Spur kommen und wie reagiert der innerste Zirkel des Suchenden auf diesen gewagten Schritt?

Das müsst ihr nicht googeln… Das könnt ihr lesen. Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra von Robin Sloan (Blessing Verlag) ist kein geheimes oder gar ein okkultes Machwerk. Es besteht nicht nur aus Buchstabenreihen, es ist sogar mehr als greifbar, plausibel und verständlich. Dem Autor gelingt es durch seinen Kunstgriff, den Gegenstand der Geheimnisse rein fiktiv zu halten, dass man als Leser niemals das Gefühl hat, weniger zu wissen als die Protagonisten.

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra - Eile mit Weile

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra – Eile mit Weile

Man ist lesend immer auf der Höhe der Mysterien und wird von Seite zu Seite mehr mit der großen Liebe zur Literatur, zur Buchdruckkunst und einem Lebensrätsel konfrontiert, das typografischer und schöner nicht sein könnte. Ein Roman, der bis zum Ende zu 100 % funktioniert, aufgeht und keine Frage offen lässt.

Wir Literatwos haben lange Nächte bei Penumbra zugebracht und gute Freunde von uns haben nachts draußen vor der Buchhandlung Schmiere gestanden, damit uns nichts passiert. Julia und Heike haben uns immer gewarnt, wenn Gefahren drohten und letztlich haben wir es geschafft. Wir haben nicht nur das Geheimnis gelöst, wir bezeichnen uns seit diesem Buch stolz als Penumbrianer. FESTINA LENTE – Eile mit Weile, so das Mantra der im Geheimen Suchenden ist auch unser Motto geworden.

Wir wollten nichts überstürzen und sind nicht überstürzt worden. Wir haben den langen Atem einer unendlichen Suche tief eingeatmet und so viel gelernt über das Leben und das Lesen.

Ein gemeinsamer Ausflug in die (leider nur als EBook verfügbare) Vorgeschichte Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Eine Zeitreise zurück zu den Anfängen der persönlichen Suche des geheimnisvollen Buchhändlers bringt uns ins San Francisco des Jahres 1969 und lässt uns diesen Mann besser verstehen.

Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra - Robin Sloan

Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra – Robin Sloan

Penumbra bekam zum Beispiel von seinen Eltern nie Geschenke zu seinem Geburtstag, sondern immer Bücher bekannter Schriftsteller, und zwar immer an deren  Geburtstag… Welch schöner Gedanke….

Penumbras erste Suche beginnt mit seiner Recherche nach dem Ursprung der Buchhandlung und führt ihn in die Zeit des legendären Goldrauschs an Bord der William Gray. Mit Goldgräbern beladen und von allen guten Geistern verlassen wurde aus dem Schiff die erste Buchhandlung der aufstrebenden Stadt… bis sie mit all ihren Schätzen versenkt wurde…

Genau an der Stelle, an der man 1969 mit umfangreichen Grabungen beginnt. FESTINA LENTE… Eile mit Weile – so lautet auch hier das Kennwort, um Zugang zum Hafenbecken zu erlangen…. Erlebt selbst, was er dort findet und ob ihr die Kurzgeschichte vor oder nach der Buchhandlung lest – das ist euch überlassen – sie nimmt dem Roman nichts, sie beschenkt ihn mit vielen Bildern.

Wir waren dabei. 1969 und vor kurzer Zeit. Wir fühlen uns als Teil der Geschichte. Wir waren in der Buchhandlung und haben die Nachtschicht dort übernommen. Wir haben dort unsere wahre Profession gefunden und sind nun PENUMBRIANER auf Lebenslesezeit. Ein wundervoller Roman, der euch manche Hektik und manches Kryptische vergleichbarer Bücher vergessen lässt. Im Jugendbuchbereich hat es uns in Gedanken sehr an die Ausgangssituation der „Scanner“ erinnert und hier haben wir für uns ein magisches Bindeglied entdeckt.

Aber Mr. Penumbra und seine Freunde werdet ihr so schnell nicht vergessen. FESTINA LENTE

Mr. Penumbra - Eine Buchhandlung und eine Entdeckung

Mr. Penumbra – Eine Buchhandlung und eine Entdeckung

Editorial: Biancas atmosphärische Fotos der Bibliothek des Trinity Colleges in Dublin zeigen deutlich, dass damals bei Literatwo weder Kosten noch Mühen gescheut wurden, diesen Artikel entsprechend fachgerecht zu untermalen…

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