[Und immer wieder Du] Esther Schweins im Buchmesse-Interview

Esther Schweins im Interview mit Literatwo

Esther Schweins im Interview mit Literatwo

Es war sehr unruhig auf der Leseinsel der Audioverlage. Die Leipziger Buchmesse 2014 hatte erneut alle Rekorde gebrochen und auch an diesem Samstag durchfluteten zahllose Büchermenschen die Messehallen. Konnte man hier Gedichte von Erich Fried vortragen? Konnte man hier die einzigartige Stimmung der aktuellen Random House Audio Produktion Erich Fried – Wieder und immer wieder, wieder du“ mit musikalischer Untermalung vor mehreren hundert Zuhörern entfalten?

Oh ja.. man konnte – und wie man dies konnte.

Schauspielerin Esther Schweins verzauberte gemeinsam mit Christoph Grube und seinen Musikern vom Projekt Wortschatz nicht nur die direkten Zuhörer, sondern sie sorgten gemeinsam dafür, dass sich eine unsichtbare Glocke aus zarten Liebesworten voller Harmonie über diesen Teil der Messehalle senkte und alle Menschen einschloss.

Wortkunst, geniale Interpretation und wundervolle Musik sorgten für ein Messeerlebnis der emotionalen Art. Ein anschließend mit Esther Schweins geführtes Exklusivinterview vermischt sich für uns noch heute mit der Atmosphäre dieser besonderen Veranstaltung. Wir mögen und können das nicht mehr trennen und so entstand dieser Artikel quasi als Wortspur einer besonderen Begegnung.

Erich Fried - Wieder und immer wieder Du - Esther Schweins

Erich Fried – Wieder und immer wieder Du – Esther Schweins / Christoph Grube

Die Stimme von Esther Schweins verleiht den Worten Erich Frieds wahre Zauberflügel. Sie umhüllt jeden Satz mit einer liebevollen Wärme aus Zuneigung und umschmeichelt die Herzen der Zuhörer. Wie kann man sich in eine solche Rolle fallen lassen, was macht für Sie die Herausforderung aus, Hörbuchsprecherin zu sein…? Das wollten wir gleich fragen… aber zuerst mussten wir gut zuhören.

Wo keine Freiheit ist
Bist du die Freiheit
Wo keine Würde ist
Bist du die Würde
Wo keine Wärme ist
Keine Nähe von Mensch zu Mensch
Bist du die Nähe und die Wärme
Herz der herzlosen Welt

Frau Schweins, in Ihrer besonderen Rolle als Hörbuchsprecherin verzichten Sie, im Gegensatz zu Ihrer schauspielerischen Tätigkeit, auf jegliche optisch-visuelle Präsenz. Weder Gestik noch Mimik unterstreichen das gesprochene Wort und auch Ihr Aussehen spielt eigentlich keine Rolle. Ist dies ein bewusster Verzicht oder eher eine große Chance?

Es ist nicht nur eine Chance, sondern ein absoluter Zugewinn. Ich habe eigentlich erst sehr spät die Liebschaft mit meiner Sprechstimme begonnen und dabei entdeckt, welches Spektrum es gibt, was meine Stimme kann und auf diesem Weg habe ich wirkliche Freude daran entwickelt. Ich sitze irrsinnig gerne im Studio oder auf der Bühne und lese vor.

Die Vorbereitung bei Film oder Theater verläuft sicherlich völlig anders. Wo sehen Sie die größten Unterschiede?

Als Schauspieler verlasse ich den Masken- oder Kostümbus und bin die Figur – die Rolle! Beim Lesen bin ich nicht nur eine Figur, sondern das Ensemble, indem ich die Tonlage, die Stimmlage oder das Tempo verändere. Je mutiger ich mich in diese Klaviatur vortaste, umso großartiger wird es. Dabei bin ich ja auch nicht alleine. Vieles wird mit dem Regisseur und dem Team entwickelt und es ist eine so schöne konzentrierte künstlerische Arbeit, die mich absolut gefangen nimmt.

esther Schweins wieder und immer wieder du erich fried 2

Liebesworte und Gefühle werden plötzlich greifbar und wir sehen im weiten Rund niemanden, der sich der Stimmung entziehen kann. Frieds Gedichte erreichen die Herzen und die Stimmen von Esther Schweins und Christoph Grube dienen als Brücke, die genau bis zu den Toren jedes einzelnen Zuhörers reicht. Wir wollten und mussten mehr erfahren… gleich…

Das Leben
wäre vielleicht
einfacher
wenn ich dich
nicht getroffen hätte
Es wäre nur nicht
mein Leben

Wie sehen Sie Ihre eigene Rolle als Hörbuchsprecherin?

Es gibt unglaublich viele logische Erweiterungen des Betätigungsfeldes der Schauspielerei. Die Stimme zu nutzen ist eine der großartigen Möglichkeiten für einen Künstler, der Kreativität von Schriftstellern Leben einzuhauchen. Das Schönste ist für mich dann erreicht, wenn der Autor oder die Autorin Gefallen am Ergebnis findet. Beim Teufelsgrinsen von Annelie Wendeberg haben wir genau diesen Punkt erreicht. Es ist schön zu hören, dass eine Schriftstellerin das Gefühl hat, Ihr Buch im wahrsten Sinne des Wortes zu erleben!

Die unterschiedlichen Spektren Ihrer Stimme genießen zu dürfen ist faszinierend. Wie würden Sie sich als Vorleserin ganzer Bücher und Interpretin von Gedichten selbst beschreiben?

Ich bin da noch auf einer Entdeckungsreise, die bei „Shrek“ als Prinzessin Fiona beginnt und jetzt bei Erich Fried angekommen ist. Ich bin selbst sehr gespannt, was da noch kommt…

Esther Schweins im Gespräch... Literatwo tief bewegt

Esther Schweins im Gespräch… Literatwo tief bewegt

Esther Schweins scheint sich zu sammeln, sich zu wappnen. Sie verharrt, schließt die Augen, faltet die Hände und beginnt langsam und mit brechender Stimme ein letztes Gedicht. „Das Schwere“ und obwohl es ihr nicht leicht fällt, empfindet man keine Schwere. Wir weinen… und wir haben das Gefühl, dies zu dürfen. Schleusen gehen auf und der Zauber zieht ein. Wie macht sie das? Und was bewegt sie selbst?

Die Landschaft sehen
und die Landschaft hören
und nicht nur hören und sehen
die eigenen Gedanken
die kommen und gehen
beim Denken an die Landschaft
an die Landschaft ohne dich
oder an dich in der Landschaft

Sie eben auf der Bühne zu erleben war mehr als bewegend. Beim letzten Gedicht von Erich Fried „Die Schwere“ befanden Sie sich in einem offensichtlich sehr emotionalen Zustand. Wir hatten das Gefühl, dass Sie der Inhalt extrem bewegt. Wir hatten absolute Gänsehaut, als Ihre Stimme brach… Gibt es dafür einen Grund?

(Lange Pause…) Tatsächlich ist es so, dass auf Mallorca am Montag der Lebenspartner eines meiner sehr engen Freunde freiwillig in den Tod gegangen ist und ich im Studio schon die Bedeutung dieses Gedichtes anders gesehen habe, als es auf den ersten Blick erscheint. Es geht nicht nur um eine endende Liebschaft. Für mich heißt es, nach einer Vielzahl von Lebenserfahrungen zu wissen, was es heißt in einer Landschaft zu stehen und diese durchsetzt von den Bildern und Gefühlen eines Menschen zu begreifen, den man verloren hat.

So sehr wissend, jetzt einen Menschen an meiner Seite zu haben, der nun so sehr darum ringen muss diese Landschaft zu erobern, ohne darin seinen Liebsten zu sehen.

Ich kann das heute. Auf einer Bühne stehen und wissen, dass alle Menschen im Publikum Ihre persönlichen Geschichten und Wunden mit sich bringen. Ich versuche in dem was ich tue, den Rahmen nicht zu verlassen, sondern kann eine Emotion tragen lassen und weiß, dass ich nicht das „Gesetz breche“. Maria Stuart soll nicht auf der Bühne weinen. Das Publikum soll unten weinen!

Und doch ist es legitim, Worte eines Dichters mit den eigenen Erlebnissen und Emotionen zu verbinden und auf den Weg zu schicken.

Wir glauben nicht, dass Sie das Gesetz gebrochen haben, aber wir haben schon gespürt, dass Sie sich vor diesem Gedicht richtig gesammelt haben – haben wir das richtig beobachtet?

Absolut. Mir wurde erst am Donnerstag klar, dass dieses Gedicht heute dabei ist und mir war klar, dass ich mich innerlich „warm anziehen muss“. Ich bin so froh, dass es gelungen ist, weil es… (bricht ab)…. ach ja… weil es eben auch für ihn ist….

esther Schweins wieder und immer wieder du erich fried

Wortschatz, Christoph Grube und Esther Schweins fühlen, was ihnen gelungen ist. Sie erkennen das Erkennen in den Augen der Menschen und es muss ein wundervolles Gefühl sein, diese Gefühle schweben zu lassen. Eine wundervolle Berufung mit vielen Facetten und Herausforderungen. Niemand schämt sich seiner Emotionen… unfassbar und doch fassbar zugleich.

Aber
du bist
wiedergekommen
Du
bist wieder
gekommen
Du

Ist es nicht schön, diese Möglichkeit der Widmung und damit auch der Verarbeitung als Künstler zu haben? Ein wahrer Traumberuf… oder?

Absolut! Für mich ist es ein Segen, das so tun zu können und auch zu dürfen. Der Beruf selbst ist schon ein Segen. Und ich kann sogar nützlich sein damit, weil es andere nicht laut sagen dürfen. Es ist für mich völlig in Ordnung, dass ich meine Erfahrungen mit aufnehme und in ein großes Projekt mitbringe, um anderen Menschen Türen und Tore zu sich selbst zu öffnen.

Und das nicht nur Zuhörern, die dies aus reinem Vergnügen tun, sondern ganz besonders auch Menschen, für die Hörbücher eine ganz besondere Rolle spielen, weil sie noch nicht oder nicht mehr gut lesen können, oder vielleicht sogar blind sind. Ich stelle es mir unglaublich anstrengend vor, ein ganzes Buch mit den Fingerkuppen erfühlen zu müssen – wie viel entspannter muss es da sein, auch mal zuhören zu können.

Dabei ist es echter Luxus, dass ich mir die Geschichten noch nicht mal selbst ausdenken muss. Ich muss sie „nur“ umsetzen… lacht!

Wir empfinden diese Umsetzung durch Sie als eigene großartige Kunstform!

Sie dürfen das sagen!

Welche zukünftigen Projekte werden uns bald Hören und Sehen vergehen lassen.

Oh, da kommt vieles… ich werde wahrscheinlich das neue Buch von Christiane F. einlesen und bald beginnen die Dreharbeiten zu einem neuen Rosamunde Pilcher Film. Ich freue mich schon sehr auf den Dreh in Cornwall.

Esther Schweins überzeugend und natürlich

Esther Schweins überzeugend und natürlich

Am Ende der Veranstaltung auf Esther Schweins zu treffen war für uns ein ebenso großes Erlebnis. In sich ruhend und entspannt begegneten wir einer Frau, die in aller Ernsthaftigkeit und Liebe einer Berufung zu folgen scheint. Die Atmosphäre des Gesprächs bleibt unvergessen. Witz und Gefühl gehen Hand in Hand bei ihr und Erich Fried hätte keine bessere Botschafterin finden können.

Ich bin zu groß geworden
für die kleine Liebe
ich bin zu klein geworden
für die große Liebe
und zu müde
um die Augen offen zu halten
und zu unruhig
für den Schlaf

Welche Frage würden Sie gerne einmal in einem Interview beantworten, einziges Problem… Ihnen hat noch niemals jemand die entsprechende Frage gestellt?

Haben Sie den Mann eben gesehen, der hier entlang gegangen ist? Den mit dem riesigen Ohrschmuck? Also wenn sie mich fragen würden, ob ich mir so was antun würde….

Frau Schweins, uns fällt da ganz spontan eine letzte Frage ein. Vielleicht haben Sie den Mann eben gesehen, den mit dem auffälligen Ohrschmuck… käme so etwas für Sie in Frage?

(Lacht herzhaft) ABSOLUT nicht!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Literatwo dankt Esther Schweins für das Gespräch

Literatwo dankt Esther Schweins für das Gespräch

Bei der Präsentation von „Erich Fried – Wieder und immer wieder, wieder du“ agierten Esther Schweins und Christoph Grube mehr als brillant und in unglaublicher Harmonie. Dabei trugen Sie nicht nur die Gedichte vor, die Sie auch auf der CD lesen, sondern auch jene, deren prominente Interpreten nicht in Leipzig waren. Hannelore Elsner, Hannes Jaennicke, Wolfgang Niedecken (BAP), Christian Berkel, Katja Riemann und viele andere sind auf der CD zu hören. Ein Genuss, der jedes Herz erreicht.

„Wieder und immer wieder, wieder du“ ist eine Hommage an den großen Liebeslyriker Erich Fried und eine Liebeserklärung an die Liebe selbst! Hört, genießt und weint ein wenig mit uns…

Hier eine exklusive Hörprobe…

(Wir danken unserer guten Freundin und Wegbegleiterin Theresa Engel für die wunderbaren Fotos, die für uns so viel mehr festgehalten haben, als man eigentlich sieht!)

Esther Schweins - Buchmesse Leipzig 2014

Esther Schweins – Buchmesse Leipzig 2014

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Vor dem Fest – Saša Stanišić

Vor dem Fest - Saša Stanišić - Ein perfektes Lesefest

Vor dem Fest – Saša Stanišić – Ein perfektes Lesefest

Nachdenklich stehe ich vor dem Ortsschild eines kleinen Dorfes im Herzen der Uckermark. „Fürstenfelde“ – liest sich gut, fühlt sich auch gut an, doch schon beim ersten vorsichtigen Schritt in Begleitung des Schriftstellers Saša Stanišić bemerke ich, wie mich die Stimmung der kleinen Gemeinde Zug um Zug mehr gefangen nimmt. Vor dem Fest (Luchterhand Literaturverlag), so heißt sein Roman über jenes fiktive Dorf und schon mit dem Titel trennt er die Geschehnisse in ein Davor, Danach und Jetzt fein säuberlich auf.

Fürstenfelde (Einwohnerzahl – ungerade):

  • gefangen im „Früher“
  • eingegrenzt durch ein klares „Unter UNS“
  • charakterisiert durch Traditionen, die nicht mehr der Zeit entsprechen
  • niemals befreit von den uralten Geschichten und Legenden
  • verfangen im „Jetzt“
  • ungläubig gegenüber dem „Morgen“

Begeben wir uns gemeinsam mit ihm nach Fürstenfelde – ins Jetzt und saugen ein klein wenig von der eigentümlichen Atmosphäre der ländlichen Abgeschiedenheit in uns auf. Lassen wir uns auf den Ort und die Menschen ein, um verstehen zu können… und später mitfeiern zu dürfen… beim Fest. Vielleicht sind wir als Leser dazu eingeladen… Vielleicht.

Vor dem Fest - Saša Stanišić - Zeit der Legenden

Vor dem Fest – Saša Stanišić – Zeit der Legenden

Die tiefe Melancholie des Kleinbürgertums ist ständig greifbar. „Ewig Gestrige“, die niemals richtig in der Gegenwart angekommen sind, Perspektivlose, so könnte man die Bewohner von Fürstenfelde vielleicht treffend beschreiben. Wozu auch ankommen? Die Zukunft stirbt seit der Wende beharrlich aus – das Morgen hat keinen Zuwachs.

Demoskopisch klaustrophobisch wird das gesamte Leben durch das „Wir werden immer weniger“ bestimmt. Der Kreis der Dorfgemeinschaft wird kleiner, überschaubarer und die wenigen zugezogenen „Neuen“ gehören nicht dazu… Zu hermetisch hat sich die Glocke über dem Dorf geschlossen.

Die Menschen, denen wir hier begegnen sind einzigartige Charaktere, gezeichnet von der Geschichte des Ortes und gleichzeitig sind sie selbst auch diejenigen, die das Bild selbst unverfälscht gestalten.

Die Kunstmalerin, Frau Kranz, die in den 70 Jahren ihres Schaffens eine Chronik des Dorfes in Öl entstehen ließ. Der tiefe Einblick, den sie gewährt liegt in der Magie ihrer Philosophie begründet. „Sie sieht ihr Dorf nicht, sie weiß es“, so schreibt man über sie. Sie erschafft Gemälde, weil Bilder nichts vergessen und nun, kurz vor dem großen Fest möchte sie, so nachtblind sie auch ist, ein weiteres „Gemälde des Zeitergehens“ erschaffen. Mit Staffelei und Pinsel bewaffnet watet sie nachts in den See, um etwas zu vollenden, das sie als unvollendet betrachtet.

Vor dem Fest - Saša Stanišić - Der Fährmann ist tot

Vor dem Fest – Saša Stanišić – Der Fährmann ist tot

Herr Schramm, der ehemalige Oberstleutnant der NVA, der Ex-Offizier der vor der Wende nur über die Haltung zu definieren war und heute an einem „Haltungsschaden“ leidet. Hin- und hergerissen zwischen erfolgloser Partnervermittlung, Selbstmord sofort oder auf Raten, interessiert er sich im Schwerpunkt nur noch für die Form seines finalen Abgangs. Mit dem Auto gegen einen Baum oder doch lieber den verzweifelten Versuch unternehmen, Zigaretten aufzutreiben? Seine Bemühungen kurz vor dem Fest sind ebenso skurril, wie erfolgreich. Seine Brautwerbung ist einzigartig: „Es ist schön hier bei uns, aber nicht so schön, wie woanders!“

Johann, der junge Glöckner-Lehrling, der versucht die drei Glocken des Dorfes in Harmonie zu versetzen. Glocken, die so viel mit der langen Geschichte von Fürstenfelde gemeinsam haben. Jene alte Glocke, die seit Urzeiten läutet und die beiden neuen, die nicht so recht mit ihr in Einklang zu bringen sind. Die Glocken versinnbildlichen den Zustand des Dorfes so sehr. War der Glockenturm früher in der unbeleuchteten Nacht „ein Leuchtturm aus Klang“, so wird sein Geläut heute nur noch sehr unregelmäßig wahrgenommen. Johann kämpft dagegen an und staunt nicht schlecht, als die Glocken am Morgen vor dem Fest nicht mehr dort sind, wo sie sein sollten.

Viele dieser Menschen sind Archetypen ihres Schlages und doch sind sie so typisch, wie wir sie als Besucher von Fürstenfelde gerne erleben wollen. Es sind nicht die einzigen Exemplare dieser einzigartigen Art. Wir lernen einige von ihnen kennen und werden wohl niemanden mehr vergessen. Den Briefträger, der zu DDR-Zeiten die Post noch lesen konnte bevor er sie verteilte; den Besitzer einer Garage, die heute zum informellen Treff und einzigen Lokal des Ortes mutiert ist; die Läuferin, die kurz vor dem Fest zum Abschied noch einmal ihr Dorf umlaufen möchte, was ihr fast gelingt… und den Fährmann, dessen Tod jeder offen betrauert, weil er der Gemeinschaft Halt und Richtung gab. Der Steuermann scheint von Bord zu sein…

Vor dem Fest - Saša Stanišić - Wortgewaltige Bilder

Vor dem Fest – Saša Stanišić – Wortgewaltige Bilder

Doch über all diesen Menschen steht die Geschichte dieses Dorfes, die sich in Zeitscheiben in Richtung des großen Festes bewegt. Die Zeitlosigkeit erhält eine neue Dimension und verwoben mit den alten Legenden und Urahnen der heutigen Bewohner, bekommt manche Handlung einen neuen Sinn. Das Dorf weiß alles. Das Dorf vergisst nicht und wie das kollektive Gedächtnis über alle Generationen hinweg lebt das Dorf sein eigenes Leben.

Stanišić schrieb definitiv keinen Wenderoman… Er schrieb eine zutiefst deutsche Dorfgeschichte, die sich sanft in das Wellental der eigenen Vergangenheit einbettet. Er konfrontiert uns mit schrullig sympathischen Menschen und ihrer Geschichte, die sie selbst nicht mehr kennen. Wir gehören von Seite zu Seite mehr zu ihnen und versuchen Zusammenhänge zu finden, die uns Verständnis vermitteln.

Die geschickte Konstruktion des Romans, Legenden mit heutigen Bildern im Wechsel auftauchen zu lassen, vermittelt dem Besucher von Fürstenfelde das Gefühl, den Bewohnern immer einen Schritt voraus zu sein. Ob wir sie vor dem großen Fest, das einem Schließen des ewigen Kreises gleichzusetzen ist, einholen werden bleibt fraglich. Ob wir sie einholen wollen, liegt an uns.

Sich auf Anderes und Andere einlassen, verstehen wollen, die Sinne öffnen und unter der Oberfläche nach dem großen Ganzen suchen… diese Fähigkeiten setzt Stanišić in uns frei. Wir verknüpfen seine Bilder zu einem großen Wandteppich, der mehr zeigt, als wir anfänglich gedacht hätten. Bilder in einer Sprachkunst, die in einem deutschen Roman nicht häufig auftaucht.

Vor dem Fest - Saša Stanišić - Buchdetails mit einem Klick

Vor dem Fest – Saša Stanišić – Buchdetails mit einem Klick

Stanišić ist mit seinem Roman „Vor dem Fest“ für den Buchpreis der Leipziger Buchmesse nominiert und jedes Wort, jede Zeile und jeder Absatz rechtfertigen diese Nominierung. Vielleicht wird „Vor dem Fest“ auf dem großen Fest der Literatur ja zum Fest für den genialen Wortschöpfer. Wir würden es diesem Buch wünschen.

Kommt auch ihr zum Fest. Ihr werdet es sicher nicht bereuen und habt die einmalige Chance, euch ein wenig selbst finden. Vielleicht seid ihr dann auch Teil des letzten Gemäldes der Malerin, die sich – knietief im Wasser stehend – „auserinnert“ fühlt, als sie den letzten Pinselstrich auf die Leinwand haucht. Vor dem Fest ist nach dem Fest. Auch für die Fähe auf dem Buchcover. Aber das ist eine Geschichte in der Geschichte für ganz besondere Lesefüchse 😉

Ich erzählte von Saša Stanišić – Lena (14) malte seine Menschen „Vor dem Fest“

Seit Leipzig feiere ich dieses Fest, denn „Vor dem Fest“ ist tatsächlich mit dem Buchpreis der Leipziger Buchmesse 2014 ausgezeichnet worden. Ich gratuliere von ganzem Herzen 😉

Zwei unter einem Dach…

Eine Studie in Scharlachrot - Das perfekte Geschenk

Eine Studie in Scharlachrot – Das perfekte Geschenk

Wer kennt das nicht aus eigener Erfahrung? Man sucht händeringend ein passendes Weihnachtsgeschenk für einen bibliophil veranlagten Menschen, der einfach alles hat, was es auf dem Buchmarkt so gibt. Einen Gutschein schenken? Nein – besser nicht, das wirkt so, als habe man sich noch nicht einmal richtig bemüht. Hier naht Hilfe in der Not. Ein literarisches Gesamtkunstwerk von Zwiebook aus dem Hause Dresdner Buchverlag. Hier finden in der sogenannten „Classic Library“ wichtige Autoren der Weltliteratur einen besonders gediegenen Platz um nicht in Vergessenheit zu geraten.

Die Zwiebook-Ausgabe des Romans „Eine Studie in Scharlachrot“ von Arthur Conan Doyle vereint alles, was ein perfektes Geschenk benötigt:

Es ist streng limitiert.
Es ist ein Buchkunst-Produkt der Extraklasse.
Es ist handgebunden von einer Dresdner Handbuchbinderin.
Es ist ein absoluter Hingucker.
Es ist die Mutter aller Bücher aus dem Sherlock Holmes Zyklus.
Es ist ein zweisprachiges „Wendebuch“.
Es ist höchst individuell.
Ein echter Goldschmied hat das Buch veredelt.
Es verfügt über ein Lesebändchen mit zwei Stirling-Silber-Elementen.

Eine Studie in Scharlachrot - Details

Eine Studie in Scharlachrot – Details

Und es ist ein Jahrhundertbuch – inhaltlich eine absolute Besonderheit auf dem Büchermarkt, da es der erste Roman von Sir Arthur Conan Doyle über Sherlock Holmes ist. Richtig gelesen: Über Sherlock Holmes und nicht nur ein Kriminalfall, in dem der legendäre Detektiv ermittelt. „Eine Studie in Scharlachrot“ erzählt aus der Sicht von Dr. Watson die erste Begegnung mit Sherlock und ist somit die Mutter aller Geschichten, die uns so sehr ans Herz gewachsen sind.

Natürlich spielt auch ein vielschichtiger Mordfall eine bedeutende Rolle, aber ohne diesen ersten Roman über das weltbekannte Ermittler-Duo kann man eigentlich nicht in die Tiefe der folgenden Geschichten eintauchen.

Arthur Conan Doyle suchte im Jahr 1886 händeringend einen Verlag für dieses Buch und verkaufte die Rechte schließlich für lächerliche 25 Pfund, nur um dann zu erleben, dass die Geschichte dann in einer Zeitung veröffentlicht wurde. Beeton’s Christmas Annual brachte sie zumindest als Titel-Story und siehe da – das Magazin war binnen weniger Tage ausverkauft.

sherlock spacer

Dies ist besonders amüsant vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Arthur Conan Doyle 1983 mehrere Versuche startete, sich von Sherlock zu befreien. Er wollte sich historischen Romanen widmen, stellte immer höhere Honorarforderungen und bemerkte überrascht, dass diese bereitwillig erfüllt wurden.

Letztlich ließ er ihn in einem finalen Zweikampf mit seinem Erzfeind Moriarty in eine Schlucht stürzen und verschwinden. Der Aufschrei war riesig, 20000 Leser kündigten ihre Zeitungsabonnements und unzählige Menschen in England trugen Trauerflor. Es sollte also vorerst so enden, wie es einst begonnen hatte. In einer Zeitung!

Eine Studie in Scharlachrot - Ein Zwiebook der Extraklasse

Eine Studie in Scharlachrot – Ein Zwiebook der Extraklasse

Sherlock hatte also 1886 erstmals laufen gelernt und setzte dann seinen Weg in Buchform an der Seite von Dr. Watson durch die Weltliteratur fort. Und natürlich starb er nicht in jener Schlucht, sondern wurde von Conan Doyle nach dem Welterfolg „Der Hund der Baskervilles“ reanimiert, um seinen Erfolgszug bis zum Jahr 1927 fortzusetzen.

Der Dresdner Buchverlag erweist sowohl Conan Doyle, als auch seiner legendären Figur Sherlock Holmes eine doppelte Ehre und veröffentlicht die erste Geschichte „Eine Studie in Scharlachrot“ sowohl in der Originalfassung, als auch in der neuen modernisierten Übersetzung. Und dies in einem Buch! Man muss es nur wenden und kann die Geschichte mit „A Study in Scarlet“ fortsetzen oder Textstellen auf ihre originale Qualität im Vergleich zur Neuübersetzung begutachten! Spannend.

Damit man immer genau weiß, an welcher Stelle im Buch man ist, hat der Verlag ein einzigartiges Lesebändchen erfunden. Es ist in den Bucheinband integriert, kann aber frei nach oben oder unten gezogen werden. So hat man, egal ob man gerade im englischen oder im deutschen Teil des Buches verweilt, ein eigenes Leseband für das entsprechende Kapitel. Damit dieses Leseband immer Teil des Romans bleibt, ist es am jeweiligen Ende durch Stirling-Silber-Lesebandstopper abgeschlossen. Aufwendige Prägungen und die eingestanzte Seriennummer innerhalb der Limitierung machen dieses Leseband gleichsam zum handwerklichen Unikat als auch zum Meilenstein der Buchbindekunst.

Eine Studie in Scharlachrot - Limitiert, aber unbegrenztes Vergnügen

Eine Studie in Scharlachrot – Limitiert, aber unbegrenztes Vergnügen

Eine Studie in Scharlachrot ist auf 999 Exemplare limitiert. Ein Lesebandstopper trägt die per Hand geprägte Nummer des jeweiligen Exemplars. Die ersten Bücher sind bereits im Handel und wer dieses buchige Kleinod sogar noch persönlicher gestalten möchte, der kann sich beim Verlag eine Lieblings- oder Glückszahl aussuchen. Wo gibt es das schon?

Dieses Buch hat der geneigte bibliophile Freund, den es zu beschenken gilt, mit Sicherheit nicht im Bücherregal. Es macht Spaß, in diesem Buch zu lesen. Die Handlung selbst ist ein Meilenstein der Kriminal-Literatur und die Art und Weise, wie sich das Buch präsentiert ist einfach nur als genial zu bezeichnen.

Mit diesem literatwoischen Tipp liegt man zu Weihnachten definitiv nicht falsch, sollte man sich überhaupt von dem Buch trennen können…. Und genau das ist sehr schwer. „Eine Studie in Scharlachrot“ ist inhaltlich, haptisch und optisch eine absolute Zierde für jede Lebensbibliothek und es werden lediglich 999 Exemplare exisiteren…. Also sputet euch!

Ein Gesamtkunstwerk des Buchdruckes mit Goldschmiedearbeiten

Ein Gesamtkunstwerk des Buchdruckes mit Goldschmiedearbeiten

Editorial: All Pictures by PATH (Peter Helbig)

CORINE – ein leiser Todesfall…

Mit Wehmut berichten wir von der Corine 2012

Die „Corine – Internationaler Buchpreis, wie dieser Literaturpreis offiziell hieß, wurde auf Initiative des Landesverbands Bayern im Börsenverein des Deutschen Buchhandels und unter der Schirmherrschaft des bayerischen Ministerpräsidenten seit 2001 verliehen. Mit ihr wurden deutsche und internationale „Autoren für herausragende schriftstellerische Leistungen und deren Anerkennung beim Publikum“ ausgezeichnet.

Durch die öffentlichkeitswirksame Übertragung der Verleihung im Rahmen einer 3sat-Fernsehsendung sollte darüber hinaus für das „Medium Buch ein glanzvoller Auftritt, der breite Leserschichten erreicht“ bewirkt werden.

Corine- Schön war die Zeit

Corine- Schön war die Zeit

Prominente Preisträger seit 2001:

Joanne K. Rowling für Harry Potter und der Feuerkelch (2001)
Paulo Coelho für Der Alchimist (2002)
Cornelia Funke für Herr der Diebe (2003)
Frank Schätzing für Der Schwarm (2004)
Walter Kempowski für sein Lebenswerk (2005 – Ehrenpreis)
Hape Kerkeling für Ein Mann, ein Fjord (2007 )
Richard von Weizsäcker für Der Weg zur Einheit (2009)
Herlinde Koelbl für Mein Blick (2010)
John Burnside für Lügen über meinen Vater (2011)

Insgesamt 95 Preisträger wurden mit der wertvollen Porzellan-Trophäe „Corine“ ausgezeichnet. Die Figur wurde um 1760 von Franz Anton Bustelli geschaffen und ist eine der 16 Figuren der Commedia dell’arte-Gruppe.

Warum jedoch vollziehe ich eine mehr als deutliche zeitliche Einordung des Preises in ein „hieß“„verliehen wurde“ und „sollte bewirkt werden“? Warum schreibe ich im Rückblick und was ist mit den Nominierten 2012?

Wundervolle Corine-Zeiten - Die Rails

Wundervolle Corine-Zeiten – Die Rails

Die Corine existiert nicht mehr. Still und heimlich wurde sie ersatzlos aus dem Kalender der großen internationalen Literaturveranstaltungen gestrichen und möglichst „medienunwirksam“ erfolgte nicht einmal eine offizielle Verlautbarung zu ihrem plötzlichen Verschwinden. Die oben aufgeführten Preisträger sind gleichsam ein Abgesang auf einen nicht mehr existierenden Buchpreis, der es anscheinend nie geschafft hat, sich in einem Meer der Ehrungen langfristig zu etablieren.

Wie wichtig war diese Veranstaltung, wie gediegen ist sie jeweils abgelaufen. Ich habe von der Preisverleihung 2010 berichtet und die Literaturcommunity Lovelybooks hat es sich nicht nehmen lassen, die Gewinner einer großen Leseraktion bei der Corine-Gala als Ehrengäste „einzuschleusen“. 25 Reporter aus 49 Ländern haben ihre Bilder von Prominenten aus Funk und Fernsehen gemacht. Ernsthafte Berichte folgten jedoch niemals. Lovelybooks und Literatwo waren hier wohl rühmliche Ausnahmen.

Deswegen nehmen wir nun mehr als tief bewegt Abschied von unserem Internationalen Buchpreis Corine.

Von Beileidsbekundungen auf dem Roten Teppich bitten wir höflichst Abstand zu nehmen, denn es war ein Abschied auf Raten. Bereits 2010 knarrte es im Gebälk der Preisverleihung und exponierte Spatzen pfiffen es von den Dächern:

„Nicht geschafft haben wir, dass die Corine von der gesamten Branche geliebt und aktiv unterstützt wird“. Man habe so gut wie keine Verlage mehr als Sponsoren. „Die zehnte Corine ist unterfinanziert, es war sehr knapp in diesem Jahr.“ (Chef des Landesverbandes des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Bayern: Wolf Dieter Eggert 2010)

Auch die Neuplatzierung der Corine in der BMW-Welt der Landeshauptstadt im Jahr 2011 hat wohl keine Verbesserung gebracht. Ob unsere kleine Corine nun in Frieden ruhen kann und ob die Preisträger des letzten Jahres nun auch noch den Zusatz  „letztmalige Preisträger“ tragen dürfen, dies darf bezweifelt werden:

Folgende kleine Pressemitteilung hat uns schließlich doch sehr aufhorchen lassen:

„Nach mehr als zehn Jahren möchten wir das Konzept der CORINE an die Veränderungen in der Medienwelt anpassen. Zusammen mit bayerischen Mitgliedsunternehmen werden wir dieses Jahr an der Neupositionierung arbeiten und den Preis 2013 unter neuen Vorzeichen verleihen“, so Dr. Klaus Beckschulte, Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V.

Der Medienwelt anpassen… Floskel oder Vision?

Ist dies ein Lippenbekenntnis auf dem Weg ins Vergessen oder bastelt man in bayerischen Medienlaboren an der harmlosen Porzellanfigur, um eine „Corine Reloaded 2.0“ entstehen zu lassen und diese im Jahr 2013 im Blitzlichtgewitter der Society-Fotografen erneut auf den Laufsteg zu führen? Hat ein nicht etablierter und chronisch unterfinanzierter Medienpreis eine Chance auf Wiederauferstehung, nachdem er in der Versenkung verschwunden ist?

Wir glauben nicht daran und verharren still in der Hoffnung, dass die Rufe aus den medialen Folterkammern „Weg vom Tisch – wir verlieren sie – mehr Strom“ nicht zu einer endlosen Quälerei unserer kleinen Corine führen. Lieber ein Ende in Anstand, als ein internationaler Buchpreis-Frankenstein, der nichts mit dem zu tun hat, was die Corine jemals symbolisierte.

Ein Neustart als Bayerischer Buchpreis 2014 - Hier zur Pressemeldung...

Ein Neustart als Bayerischer Buchpreis 2014 – Hier zur Pressemeldung…

Harry Rowohlt liest Mark Twain „Meine geheime Autobiographie“

Mark Twain – Meine geheime Autobiographie – Gelesen von Harry Rowohlt

Am 21. April 1910 starb in Redding, Connecticut, ein gewisser Samuel Langhorne Clemens im Alter von 74 Jahren. Wie sehr diese Nachricht nicht nur den USA eingeschlagen hat, lässt sich nur ermessen, wenn wir uns vor Augen führen, dass dieser Mann unter dem Pseudonym Mark Twain durch seinem Roman „Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ zu weltweitem Ruhm gelangt war.

Sein Lebenswerk ist mehr als zeitlos geblieben, die romantische Briefsammlung Sommerwogen hat mich mehr als bewegt, zeigt sie doch die Seite eines Mannes, der von sich gerne behauptete: „Jungs wie mich gibt es nicht alle Tage!“ Und eigentlich dürfte man meinen, dass es heute nichts Neues mehr aus seinem bewegten Leben zu berichten geben dürfte. Weit gefehlt.

Nun sitzen wir, kaum sind einhundert Jahre vergangen, vor der sogenannten „Geheimen Autobiographie des großen Schriftstellers. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung des monumentalen Werks ist nicht von Verlagen erdacht, sondern wurde von Mark Twain selbst verfügt. Warum? Ganz einfach, eigentlich:

Mark Twain – Meine geheime Autobiographie – Harry Rowohlt mit Grabesstimme

„In dieser Autobiographie werde ich stets im Hinterkopf behalten, dass ich aus dem Grab spreche. Ich spreche buchstäblich aus dem Grab, denn wenn das Buch aus der Druckerpresse kommt, werde ich tot sein… Aus gutem Grund spreche ich aus dem Grab statt mit lebendiger Zunge: So kann ich frei reden.“

Genau 100 Jahre sollten vergehen, bis die Welt endlich die gesamten Lebenserinnerungen Twains in Händen halten konnte und allein dies zeigt die absolute Weitsichtigkeit und das große Selbstbewusstsein des Schriftstellers, muss er doch zumindest ein wenig geahnt haben, dass sich im Jahre 2012 noch irgendjemand für seine Memoiren interessiert. Wir interessieren uns, blättern vorsichtig in der wertvollen Schuber-Doppelausgabe (immerhin nur Teil 1 von insgesamt 3) und staunen nicht schlecht, wie schnell man in die Welt des Mark Twain einzutauchen vermag!

Gerne folgten wir auch der Einladung des Aufbau Verlages zu einer atmosphärischen Lesung anlässlich der Frankfurter Buchmesse 2012 und konnten es kaum erwarten zu erleben, wie Harry Rowohlt mit Grabesstimme einen längst verstorbenen großen Literaten wiederbeleben wollte. Bereits die ersten Sätze Rowohlts lassen keinen Zweifel aufkommen, dass nur er – ausschließlich er – in der Lage ist, diese Rolle zu übernehmen.

Mark Twain – Meine geheime Autobiographie – Eine besondere Lesung

Im kongenialen Zwiegespräch mit dem Übersetzer des Werks Hans-Christian Oeser wurde diese Veranstaltung im Lesezelt der Buchmesse zu einem wahren Event. In einem ständigen Wechsel aus vordergründig hintergründigen Lebensanekdoten Twains konnten die Zuhörer nun selbst erleben, wie Harry Rowohlt das gesamte Publikum in twain´sche Stimmung versetzte. Er las sorgsam ausgewählte Passagen, die uns träumen, lachen und leiden ließen. Und alles mit dem sonoren Timbre in der Stimme, für das Rowohlt so bekannt ist. Es war, als säße Mark Twain mitten unter uns. Magisch.

Twains Haltung zu seinen eigenen Lesungen ließ die ersten Wogen heiterer Ausgelassenheit durch das Zelt toben:

„Um halb sechs war ein Drittel der Leute eingeschlafen; ein zweites Drittel lag im Sterben; der Rest war tot. Ich nahm den Hinterausgang und ging nach Hause.“ (S. 321)

Endlos erscheinende Aufzählungen seiner Lieblingsspeisen im Kindesalter brachten uns alle zurück in die Kleinstadt Hannibal in Missouri. Rowohlt las und allen Zuhörern floss das Wasser im Munde zusammen:

Mark Twain – Meine geheime Autobiographie – Harry Rowohlt in Hochform

„Im Sommer wurde der Tisch mitten in diesem schattigen und luftigen Gang gedeckt, und die üppigen Mahlzeiten – ach, ich muss weinen, wenn ich nur daran denke. Gebratenes Hähnchen; Schweinebraten; wilde und zahme Truthähne, Enten und Gänse; frisch erlegtes Wild; Eichhörnchen, Kaninchen, Fasane, Rebhühner, Präriehühner; selbstgeräucherter Speck und Schinken; heiße Kekse, heiße Rührkuchen, heiße Buchweizenkuchen, heißes Weizenbrot, heiße Brötchen, heißes Maisbrot; frisch gekochte Maiskolben, Bohnen-Mais-Eintopf, Limabohnen, Stangenbohnen, Tomaten, Erbsen, irische Kartoffeln, Süßkartoffeln; Buttermilch, frische Milch, Sauermilch; Wassermelonen, Zuckermelonen, Cantaloupe-Melonen, Apfelkuchen, Pfirsichkuchen, Kürbiskuchen, Apfelknödel, Pfirsichauflauf – an den Rest kann ich mich nicht mehr erinnern.“ (S. 16)

Als Harry Rowohlt dann bei der Stelle mit den Eichhörnchen unterbrach um einfließen zu lassen, dass auch die Familie von Elvis Presley die kleinen Tierchen als Delikatesse betrachtete und hinzufügte: „Das ist so ein Spezialwissen, das ich sonst nirgendwo anbringen kann…“, wusste man, wie Lesungen auch sein können: Herrlich und göttlich!

Aber auch dem „anderen“ Mark Twain konnte Harry Rowohlt im Lesezelt Raum verschaffen. Dem aggressiven, impulsiven und aufbrausenden Mark Twain, den schon belanglose Kleinigkeiten an den Rand des persönlichen Vulkanausbruches brachten:

„Im Nu nahm meine Gereiztheit um mehrere Grade zu, und meine Äußerungen nahmen ebenfalls zu, an Lautstärke wie an Ausdruckskraft. Aber ich machte mir keine Sorgen, denn die Badezimmertür war massiv, und ich nahm an, dass sie fest geschlossen war. Ich stieß das Fenster auf und warf das Hemd hinaus. Es landete im Gebüsch, wo die Leute es auf dem Weg zur Kirche bewundern konnten, wenn ihnen danach war; Hemd und Passanten trennte nur ein fünfzehn Meter breiter Rasenstreifen.“ (S. 258)

Mark Twain- Ambiente im Hause Literatwo – Bourbon und Stift

Am Ende der Lesung kannte die Begeisterung kaum eine Grenze und wir beschlossen gemeinsam, uns von diesem mehr als umfangreichen Buch durch den Leseherbst in den hoffentlich stimmungsvollen Winter begleiten zu lassen. Wir werden immer mal wieder von unseren Lesegefühlen schreiben, ab und an einen gediegenen Schluck Mark Twain Bourbon zu uns nehmen und unsere Notizen mit einzigartig literatwoischen (weil zwei) Twain-Stiften dokumentieren.

Wenn ihr selbst mal die Grabesstimme hören möchtet, dann einfach HIER anklicken, zurücklehnen und genießen!

Ein toller Tag auf der Frankfurter Buchmesse 2012

Das große Hobbit-Buch

Das große Hobbit-Buch von J.R.R. Tolkien

Das große Hobbit-Buch von J.R.R. Tolkien

In meinem ersten großen Hobbit-Spezial habe ich euch bereits auf das große Tolkien Jahr eingestimmt. Seitdem wandern wir alle gemeinsam durch die unendlichen Weiten des Auenlands. Die malerische Landschaft aus Tolkiens Phantasie hält uns gefangen und hinter jedem Baum, hinter jedem Hügel und hinter jeder Flussbiegung erwartet uns eine neue Überraschung.

Zwerge, Elben, große Zauberer und gefährliche Drachen machen diese Wanderung zu einem unvergesslichen Erlebnis. Am Ziel unserer Reise wartet dann ein Kinoerlebnis der besonderen Art auf uns. Peter Jackson bringt zum Jahresende den Hobbit auf die Leinwände der Welt.

In enger Anlehnung an die Hobbit-Ausgaben aus dem Hause Klett Cotta werden wir ihnen begegnen, unseren kleinen mutigen Weggefährten, die mit allem Mut gegen die aufziehenden Schatten über ihrer Heimat kämpfen. Ohne diese epische Vorgeschichte hätte es den Herrn der Ringe nie gegeben, hätten die Gefährten nie zusammengefunden und wäre die Suche nach dem „einen Ring“ nicht so dramatisch verlaufen.

Die ist nicht nur ein Buch - Dies ist das große Hobbit-Buch

Die ist nicht nur ein Buch – Dies ist das große Hobbit-Buch

Der Hobbit – der Beginn einer zur Legende gewordenen Geschichte.

Rechtzeitig zur Einstimmung auf das große Ereignis erscheinen bei Hobbit Presse eine Vielzahl von neu übersetzten und überarbeiteten Werken von J.R.R. Tolkien. Für Neueinsteiger und absolute Liebhaber – jede Lesergruppe findet im Verlagsprogramm einen ganz besonderen Schatz.

Das große Hobbit-Buch ist hierbei mehr als ein Standardwerk zum Thema. Es beinhaltet den gesamten Text der Hobbit-Erzählung und veröffentlicht darüber hinaus in mehr als aufwendigem Layout Zeichnungen und Skizzen, die ebenfalls aus der Feder des großen Tolkien stammen. So kann man sich (wenn man das mag) einerseits auf das Lesen des Hobbit beschränken, oder andererseits auf eine besondere Entdeckungsreise begeben.

Anmerkungen und editorische Hintergründe vervollständigen das Gelesene und ordnen es liebevoll und locker geschrieben in den Kontext des Tolkien`schen Schaffens ein, wobei die Zeichnungen des großen Meisters die Tür zu seiner wundervollen Welt öffnen. Seine Worte vermögen ein Gemälde des Auenlandes entstehen zu lassen – seine eigenen Zeichnungen zeigen uns, wie nah er uns mit seinen Beschreibungen an seine Vorstellung heranbringt.

Das große Hobbit-Buch - Wort und Bild erzeugen Wortbilder der Phantasie

Das große Hobbit-Buch – Wort und Bild erzeugen Wortbilder der Phantasie

Dieses große Buch ist ein Muss in jeder gut sortierten Hobbit-Bibliothek und ein tolles Werk zur ersten Annäherung an das umfassende Werk J.R.R. Tolkiens. Auch lange nachdem man Bilbo im Auenland verlassen hat, kann man wieder tief in dieses Buch eintauchen, nach Besonderheiten suchen und in der umfassenden Einleitung viel über das Gesamtwerk Tolkiens neu entdecken oder zum ersten Mal erlesen.

Auch von diesem Schatz werden wir uns trennen, da wir euch nicht nur an unseren Gedanken, sondern auch an unseren Büchern teilhaben lassen wollen.

Der „Hobbit in großer Schrift für kleine Leute“ hat bereits eine gediegene neue Heimat gefunden und nun gilt es, das richtige Bücherregal für das große Hobbit-Buch zu finden. Es muss tragfähig sein und es wäre schön, wenn sich dieses Buch der besonderen Wertschätzung seines neuen Besitzers erfreuen könnte.

Das große Hobbit-Buch ist nicht leicht zu erringen... drei Dinge müsst ihr finden...

Das große Hobbit-Buch ist nicht leicht zu erringen… drei Dinge müsst ihr finden…

Es gilt sich also zu konzentrieren und Teil einer geheimnisvollen Suche zu werden. Wichtige Gegenstände spielen im Hobbit eine große Rolle. Ohne sie wären die Hobbits, Elben und Zwerge verloren und wir suchen drei dieser magischen Dinge.

In drei Zitaten aus dem „Hobbit“ werden sie genannt, allerdings nicht bei ihrem Namen. Und genau diese Namen solltet ihr finden – das kleine Kreuzwortmuster im Bild kann ein wenig helfen… aber nur ein wenig:

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Elrond sagte: „Dies hier, Gandalf, ist _______, der Feindhammer, den der König von Gondolin vor Zeiten trug. Haltet sie gut!“

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„Die Elben hatten es ______ genannt, Orkspalter, aber die Orks nannten es einfach „Beißer“. Sie hassten es, und den, der es trug, hassten sie noch mehr.'“

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Sein Schwert wischte er am Gras ab und steckte es zurück in die Scheide. „Ich will dir einen Namen geben“, sagte Bilbo zu seinem Schwert. „Du sollst ______ heißen.“ Dann machte er einen Erkundungsstreifzug. Der Wald war stumm …

Nicht alles was Gold ist glänzt. Nicht jeder Verirrte verliert sich.

Nicht alles was Gold ist glänzt. Nicht jeder Verirrte verliert sich.

Nun ziehet los in die geheimnisvollen Lande – suchtet nach Zeichen der drei großen und mächtigen Dinge, ohne die das Auenland verloren wäre. Befragt die Wesen am Wegesrand nach Spuren, vergrabt euch in Bücher und Texte oder lauscht den alten Erzählungen  der Weisen von Mittelerde. Eilt alleine oder in Gemeinschaft von Weiler zu Weiler – achtet auf euch und eure Gefährten.

Aber was auch geschehen mag – eilet und suchet… Lasset keinen Stein auf dem nächsten, keinen Verdacht unausgesprochen und schickt uns Kunde zu Eurem Versagen oder dem großen Erfolg. Am Ende des Weges wartet das große Buch auf euch und seid gewiss, nur der Mutigste unter euch vermag es zu erringen.

„Es ist eine gefährliche Sache, aus deiner Tür hinauszugehen. Du betrittst die Straße, und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen.“

Nur einer von euch... der Mutigste.... nur einer....

Nur einer von euch… der Mutigste…. nur einer….

Lasst Euch Zeit – das Auenland ist groß. Kommentiert diesen Artikel, als äußeres Zeichen eurer inneren Suche nach den magischen Dingen (und wir haben dann den Blick darauf, dass ihr nicht verloren geht) und schickt uns bis einschließlich Donnerstag den 3. Mai 2012 eine Mail mit den gesuchten Begriffen an Literatwo@aol.de

Wir wünschen viel Erfolg und seid wachsam – grausame Drachen könnten euren Weg kreuzen. Wir werden auf euch warten. Sollte euch übrigens die Stimme des schlimmsten Drachens bekannt vorkommen – so wäre dies nicht ungewöhnlich, hat doch ausgerechnet unser britischer Lieblings-Sherlock-Schauspieler seine Stimme verliehen. Benedict Cumberbatch spricht Smaug in der Hobbit-Verfilmung von Peter Jackson… Wir freuen uns schon auf die Originalfassung 😉

Dieser Drache ist gut bei Stimme - Smaug ist Benedict Cumberbatch

Dieser Drache ist gut bei Stimme – Smaug ist Benedict Cumberbatch

Aktualisierung: Hier geht es zur Auflösung und dem Gewinner des „Großen Hobbit-Buches“…

1 Welttag des Buches – 3 Projekte – 60 Bücher

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So mitreißend wie nie zuvor: Die Stiftung Lesen, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und deutsche Buchverlage setzen zum UNESCO-Welttag des Buches im Jahr 2012 neue, inspirierende Lesezeichen. Erstmals wird die Einladung zum Lesen nicht nur an Schülerinnen und Schüler gerichtet sondern an alle Lese-Fans und vor allem an jene, die es werden wollen. Bereits ab Januar wurde mit der neu ins Leben gerufenen Aktion „Lesefreunde“ an lesebegeisterte Menschen in ganz Deutschland appelliert, ihre Lesefreude zu teilen.

Literatwo hat sich sofort angemeldet und wird als Partner dieser riesigen Aktion nun mit gleich zwei Projekten an den Start gehen. Eigentlich sogar mit drei, aber das erfahrt ihr am Ende dieses Artikels!

Am 23. April 2012 ist es dann wieder so weit: Deutschlandweit feiern Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken, Schulen und Lesebegeisterte am UNESCO-Welttag des Buches ein großes Lesefest und wir sind mit dabei…

Unser erstes Projekt verbindet zwei Lebenselixiere miteinander, denen so leicht nachgesagt wird, dass man in ihnen mehr als versinken kann. Wolle und Literatur – und beide haben eines gemeinsam – eine riesige Fangemeinde, die immer wieder den Kopf über den Tellerrand streckt und schaut, was es im jeweils anderen Bereich Neues zu entdecken gibt.

Wir vereinen Woll- und Leselust am Welttag des Buches 😉 Und ihr könnt mit dabei sein!

Der Welttag des Buches in Dresden

Der Welttag des Buches in Dresden

30 Exemplare von Nick Hornbys Roman „About a Boy“ warten auf euch und wir würden uns sehr über einen persönlichen Eintrag in das literatwoische Weltbuchtag-Gästebuch freuen. Wir wünschen buchig-wollige Gespräche und ein bestrickendes Lesevergnügen… 😉

Binea schrieb zu „About ab Boy“:

Nick Hornby hat einen typischen Roman fürs Jungs geschrieben, könnte man sagen. Das Erwachsenwerden ist oftmals nicht einfach und manche Männer sind eben eigentlich nur große Jungs. Will und Marcus sind eine Extraklasse des männlichen Geschlechts.

Beide Charaktere scheinen vollkommen unterschiedlich zu sein, entdecken aber mit der Zeit, dass sie doch mehr Gemeinsamkeiten haben, als sie je gedacht hätten. Auch wenn viele Geschehnisse einen ernsten Hintergrund haben, muss und soll das laute Loslachen nicht unterbunden werden.

Der Humor im Buch ist stellenweise so trocken, dass man vor Lachtränen kaum aus den Augen schauen kann.

Der Welttag des Buches in Dresden

Der Welttag des Buches in Dresden

Das zweite Projekt wird in München versuchen, die Literatur und Railys Beruf unter der Überschrift „Gegen das Vergessen“ mit einem mehr als guten Zweck zu verbinden. Vor dem Hintergrund eines Romans über das Unrechtsregime des Dritten Reiches bietet sich die Chance, durch das gemeinsame Lesen ins gemeinsame Gespräch zu kommen.

30 Exemplare von Kressman Taylors mehr als legendärem Briefwechsel „Adressat unbekannt“ werden auf diese Weise eine neue Heimat finden und der Welttag des Buches hilft dabei auch noch Kindern in Not!

Literatwo unterstützt „Lachen helfen, die Initiative deutscher Soldaten und Polizisten für Kinder in Einsatzgebieten. Wir werden an diesem Tag auf diese Aktion hinweisen und vielleicht gelingt es  uns sogar, die ein oder andere kleine Spende weitergeben zu können. Hier gehen Literatur, Beruf und soziales Engagement Hand in Hand.

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Mr. Rail schrieb zu „Adressat unbekannt“ von Kressman Taylor:

Ein kleines Buch – aber wohl das größte kleine Buch, das ich in meinem langen Leserleben in Händen halten durfte. Ein Buch über die Macht des geschriebenen Wortes und die Möglichkeiten des menschlichen Geistes, ein diktatorisches System mit seinen eigenen Waffen zu schlagen.

Was kann man als geflohener Jude tun, wenn man 1932 in New York erfährt, dass der ehemals beste Freund in München zum bekennenden NAZI wird? Was kann man tun, wenn man daran verzweifelt, dass dieser Mensch die in Sicherheit geglaubte Tochter der SA ausliefert? Nichts? Das ist falsch…!

Man kann seinem Freund schreiben… viele Briefe kann man ihm schreiben… eine Rache in Worten… tödlich intelligent…

Der Welttag des Buches in München

Der Welttag des Buches in München

Unsere Leser haben wir natürlich nicht vergessen – und so ergibt sich dann doch noch das dritte Projekt am Welttag des Buches. Wir werden einen Artikel veröffentlichen und euch eine Frage zum Thema „Bücher verschenken“ stellen. Beantwortet die Frage hier oder auf unserer Facebookseite und vielleicht gehört auch ihr an diesem Tag zu den Beschenkten.

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Linda Maria Koldau im Interview zu „Titanic – Das Schiff – Der Untergang – Die Legenden“

Linda Maria Koldau - Das Interview

Eine Katastrophe ist keine Sache – ein Traum ist keine Sache – Leid ist keine Sache und Schicksal ist keine Sache. Dieses Buch mag ein Sachbuch sein – aber es ist keine Sache… es lebt…

Unter dieser Überschrift haben wir erst vor wenigen Tagen Linda Maria Koldaus Buch „Titanic – Das Schiff – Der Untergang – Die Legenden“ vorgestellt. Die Vielschichtigkeit und der schwungvolle Stil des inhaltsreichen Werks haben uns überzeugt und wir waren mehr als glücklich, die Autorin während der Buchmesse in Leipzig zu einem exklusiven Interview am Stand des C.H. Beck Verlages treffen zu dürfen.

Wir hatten viele Fragen in unseren Überseekoffern und stießen auf eine mehr als sympathische und aufgeschlossene Schriftstellerin.

Linda Maria Koldau im Interview mit Literatwo - TITANIC

Frau Koldau, was hat Sie dazu veranlasst, das 1000ste Sachbuch zum Untergang der Titanic zu schreiben, den 1000sten Ablaufplan der Katastrophe zu entwerfen und wie ist es Ihnen gelungen, es dann doch so deutlich von der Masse der Publikationen zu diesem Thema abheben zu können?

Der Ursprung ist lustigerweise immer noch in meiner „Erstqualifikation“ verankert. Ich bin ja Professorin für Musikwissenschaft und habe darüber natürlich sehr viel zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Ich bin dann irgendwann über U-Boote zur Filmmusik gekommen und durch diese Filmmusikarbeit habe ich dann für meine Vorlesungen angefangen, nach guten Filmen zu suchen an deren Beispiel man Studenten erklären konnte, wie Filmmusik funktioniert.

Ich habe 1997 den Film „Titanic“ von James Cameron nicht gesehen, sondern kam erst viele Jahre später zur DVD. Die Filmmusik ist gut und ich habe festgestellt, dass es noch viel mehr Titanicfilme gibt. Genau an dieser Stelle begann mein Interesse zu wachsen. Mein im Sommer erscheinendes Ursprungsprojekt über die „Titanic im Film“ und ein geplantes Kapitel über die komplexen Hintergründe der Katastrophe führten dazu, dass ich mir unwahrscheinlich viel über das Schiff angeeignet und sehr viel Material gesammelt hatte. Irgendwann stellte sich im direkten Kontakt zum C.H. Beck Verlag die Frage, ob nicht Interesse an einem eigenständigen kulturhistorischen Buch über die Titanic besteht.

Das Interesse war da und so entstand dieses Buch. Es hat einen riesigen Spaß gemacht, weil es eben nicht im harten wissenschaftlichen Stil mit unendlichen Fußnoten und Quellenangaben versehen werden sollte, sondern, rein journalistisch aufbereitet, mein Wissen in lockerer Art und Weise vermitteln durfte. Und nach Abschluss der Arbeiten an diesem Buch gelang es mir an einem Nachmittag, das historische Kaptiel für das englische Buch zu Papier zu bringen. Insofern ist dieses Kapitel eigentlich ein Buch im Buch, wobei mir die journalistische Aufbereitung in meinem Buch eigentlich viel besser gefällt…

Mit einem Klick zu: "Titanic - Das Schiff - Der Untergang - Die Legenden"

Wir haben in den letzten Jahren viele Bücher zum Thema gesammelt und unsere kleine Bibliothek reicht vom Kinderbuch (Polar – Der Titanic Bär) über die Bildbände zu Filmen bis hin zu reinen Sachbüchern. Wir waren angenehm überrascht, schon im Inhaltsverzeichnis Ihres Buches zu erkennen, dass Sie Themen mit aufgreifen, die in einem solchen Sachbuch eigentlich keinen Raum einnehmen. Legenden, Filmmusik und Mythen findet man selten in anderen Werken… und Sie nähern sich den Passagieren der „Zweiten Klasse“ an, die bisher immer ausgeblendet wurden. Wie kamen Sie auf diesen Schwerpunkt?

Das gehört eigentlich zum Mythos Titanic. Der Untergang dieses Schiffes ist eigentlich nur ein einzelnes Ereignis und trotzdem beschäftigt es die Menschen seit fast genau 100 Jahren. Das hat mich vor dem kulturwissenschaftlichen Hintergrund sehr interessiert. Es gibt sogar ein Pixi-Buch für Kleinkinder über die Katastrophe. Wie gesagt, es ist ein Mythos, der sich das ganze 20. Jahrhundert über erhalten und je nach historischem Kontext verändert, vieles aber auch beibehalten hat.

Wissenschaftlich lässt sich der Mythos am besten in die sogenannten „Kategorien“ der modernen Kulturwissenschaft fassen. Ich persönliche sehe das nicht so gerne in harten Rastern, denn man kann mit Theorien nicht die Welt erklären. Aber es ist eben so, dass einige Themen immer wieder kommen, egal in welcher Kultur, und die Titanic bietet einfach alles, was hier gebraucht wird. Die Geschlechterrollen, die Klassenunterschiede, nationale Eigenarten und Identitäten, Religion und gerade bei den verschiedenen Klassen werden alle Klischees perfekt bedient. Die schillernde Erste Klasse mit all ihrem Reichtum und die Dritte Klasse der armen aber ehrlichen Menschen. Diese Klasse dient im Mythos eigentlich eher zur Vermittlung von Lokalkolorit, und zwar auch bei James Cameron, der ja so gerne „politically correct“ dastehen will: Jack Dawson ist ja nur zufällig in der Dritten Klasse gelandet und bewegt sich in der Ersten mit aller Selbstverständlichkeit. Er steht im Film über allen Klassen, eben der Superheld.

Die langweilige Zweite Klasse hat hier scheinbar nichts zu bieten – daüber kann man keine guten Geschichten schreiben. „SOS Titanic“ bildet hier eine absolute Ausnahme (der Film ist übrigens deutlich besser, als sein Ruf… man kann sich in der Originalfassung auf Youtube davon überzeugen), da der Zweite-Klasse-Passagier Lawrence Beesley eine wichtige Rolle spielt. Aber grundsätzlich ist es so. Die zweite Klasse bietet einfach zu wenig gute Geschichten.

Was halten Sie von Verschwörungstheorien über den Untergang der Titanic? Sind Sie im Rahmen Ihrer Recherchen auf solche Anhaltspunkte gestoßen?

Die Theorien, die gerade in den letzten 20 Jahren aufgekommen sind, versuchen aus meiner Sicht lediglich Aufmerksamkeit zu erregen, und es ist mir immer noch absolut unverständlich, wie nach dem Auffinden des Wracks die Theorie weiter verbreitet werden kann, es sei die Olympic gewesen. Man kann doch überall die Produktionsnummern erkennen.

Verschwörungstheorie klingt mir einfach zu stark, aber es ist etwas Typisches geschehen, das war ein ganz normaler Prozess: Die White Star Line und der Mutterkonzern haben versucht, so weit wie möglich die Verantwortung abzuwälzen und sehr viel unternommen, dass ihre Angestellten daran mitwirken. Hier müsste sich jemand, der sich sowohl juristisch als auch psychologisch gut auskennt, den Untersuchungsprotokollen widmen. Das wäre sehr, sehr spannend.

Ich habe die Protokolle durchgearbeitet und mir ist aufgefallen, dass eben sehr viel ausgewichen wird. Es ist auffällig, dass bei besonders heiklen Fragen zu Notsignalen und Leuchtraketen genau an der Stelle, an der es spannend wird, die Richtung geändert wird. Man biegt ab und wechselt das Thema im Kreuzverhör. Das weist darauf hin, dass viel getan wurde, um Probleme auszublenden. Das Ziel kann nur gewesen sein, zu verhindern, dass die Verantwortung der White Star Line deutlich wird.

Linda Maria Koldau - Die Titanic - über Verantwortung und Verdrängung

Hier sind wir in einem ganz aktuellen Themenbereich: Verantwortungskultur. Die Titanic hat in der Bewältigung der Katastrophe im maritimen Bereich sicherlich Maßstäbe gesetzt. Fühlen Sie sich betroffen, wenn Sie heute in den Nachrichten verfolgen, wie die Verantwortlichen mit der Havarie der Costa Concordia umgehen?

Ich würde jetzt gar nicht über die Costa Concordia sprechen, sondern über die Universitätskultur, die ich in Dänemark erlebe und die gerade im Lande sehr diskutiert wird. Das ist Verantwortungsleugnung in ganz großem Stil. Man hat es hier mit einer Leitung zu tun, die alles unternimmt, damit nicht über den Begriff Verantwortung gesprochen wird und alles tut, damit im Konfliktfall die Verantwortung auf den Konfliktgegner abgeschoben wird.

Im Fall der Costa Concordia weiß ich nicht, wie der Stand der Seeuntersuchung steht. Ich werde mich im Sommer intensiv damit auseinandersetzen, weil ich einen Artikel schreiben werde mit dem Titel „Titanic und Costa Concordia“. Hier ist der Vorteil, gegenüber der Universitätskultur, das es ganz klare Regeln und ein großes öffentliches Interesse gibt. Ich denke, hier wird sich die Reederei nicht ganz so leicht aus der Verantwortung ziehen können. Auffällig ist (wenn man der Berichterstattung aufmerksam folgt) dieser „Schurkenkapitän“. Man kann sich eigentlich als normaler Mensch nicht vorstellen, dass sich jemand so dusselig und so unmöglich verhält. Wenn dies den Tatsachen entspricht, dann hat man den idealen Sündenbock. Für mich stellt sich jedoch eher die Frage, ob hier nicht weitaus mehr Verantwortung von anderen mitgetragen werden muss. Es kann nicht sein, dass hier einer alleine die Verantwortung hat!

Es ist für mich sehr interessant zu beobachten, wie in unserer Gesellschaft diejenigen, die in der Verantwortung stehen und dafür auch richtig gut bezahlt werden, damit umgehen, wenn sie gefragt sind. Es scheint zur Norm zu werden, erstmal alles abzuwälzen und das schwächste Glied zu identifizieren. Und das kann man ja dann feuern!

Fahren Sie selbst zu See? Unternehmen Sie Kreuzfahrten?

Nein… (lacht) – ich glaube auch nicht, dass ich mir das antun würde. Im Hotel habe ich gerade einen Bericht über Kreuzfahrten gesehen und ich musste mich fragen, wie man sich sowas freiwillig antun kann. Ich wohne bei Kiel und ich finde es schon sehr beeindruckend, den riesigen Fähren beim Auslaufen zuzusehen. Also das könnte ich mir vorstellen – eine Fährfahrt über die Ostsee nach Oslo. Aber wochenlang auf einem Schiff eingesperrt zu sein, nur im Kreis laufen zu dürfen.. das wäre nichts für mich!

Hören Sie eine bestimmte Musik, wenn Sie an Ihr Buch denken – welche Hintergrundmusik würden Sie Ihren Lesern empfehlen?

Das kann man eigentlich nicht sagen, auch wenn der Verdacht naheliegen könnte, dass es die Filmmusik zu Titanic ist. Diese Filmmusik höre ich gelegentlich, wenn ich arbeite und mich nicht sehr auf die Musik konzentrieren möchte. Aber nicht diesen Popsong, obwohl ich zugeben muss, dass er handwerklich sehr gut gemacht ist. Das Lied ist perfekt und erreicht genau das, was beabsichtigt ist. Mich faszinieren die Filmmusikpassagen zum Untergang des Schiffes, aber ob man dabei konzentriert lesen kann, wage ich zu bezweifeln…

Wenn wir uns 100 Jahre in die Zukunft versetzen und gemeinsam in eine große Bibliothek gehen. Unter „T – wie Titanic“ ist die Weltliteratur aufgereiht und jemand greift zu Ihrem Buch. Was würden Sie sich wünschen, wenn er etwas dazu sagen sollte: „Die Koldau hat damals…“?

„…endlich den Anfang gemacht, dass Leute begonnen haben, diese Legenden aufzudecken und den Mythos genauer unter die Lupe zu nehmen – einen Mythos, der aus einer nicht zu entflechtenden Verquickung von Legende und Wahrheit besteht. Und es macht Spaß, dieses Buch zu lesen, weil es flott geschrieben ist!“. Das wäre toll…

Auf welche, nie gestellte, Interviewfrage würden Sie gerne einmal antworten?

Gefragt wurde ich, obwohl das ja nahe läge, nie: „Warum schreiben Sie eigentlich?“ Das ginge dann wirklich an den Kern!

Wie würde ich darauf antworten? Weil ich das Schreiben brauche, wie die Luft zum Atmen – weil ich es liebe, spannendes Wissen in spannende Sprache zu fassen – weil ich es liebe, mich auf neue Themen einzulassen und so richtig tief zu graben – weil ich meine, dass es noch immer so viel zu sagen gibt – weil ich erzählen und fesseln will – weil ich den Kontakt mit anderen Menschen will, über das Wort…

Nicht nur mit dem Wort hat sie uns begeistert... Linda Maria Koldau

Nach dem Interview ist vor dem Interview, könnte man sagen. Der Kontakt zu Linda Maria Koldau ist bis zum heutigen Tag nicht abgerissen und sie gab uns sogar die Ehre, unser Literatwo-Treffen in Leipzig mit ihrer Anwesenheit zu bereichern.

Der Umstand, dass sie ausgerechnet die „Eisberg-Karte“ für unsere Titanic-Aktion am 15. April gezogen hat, darf keinerlei Rückschlüsse auf ihre Persönlichkeit zulassen. Gewöhnlich gut unterrichtete Quellen wissen zu berichten, dass sie diese Karte seit Leipzig immer bei sich trägt 😉

Wir danken für die Offenheit und freuen uns darauf, Linda Maria Koldau auch am nächsten Sonntag an Bord der MS Literatwo begrüßen zu dürfen!

Alle Mann an Bord... Leinen los am 15. April...

Der Hobbit

Der Hobbit auf dem Weg zum Kinoereignis...

Der Hobbit auf dem Weg zum Kinoereignis…

Als bekennender Anhänger der Werke des britischen Autors J.R.R. Tolkien (03.01.1892 – 02.09.1973), leidenschaftlicher Sammler all seiner Bücher, Bewunderer der filmischen Adaptionen des Regisseurs Peter Jackson und der schauspielerischen Leistung der Akteure in „Der Herr der Ringe“, freue ich mich auf ein ganz besonderes „Tolkien-Jahr 2012“.

In Artikeln über Zurück nach Mittelerde oder Die Briefe vom Weihnachtsmann haben wir Tolkien immer wieder auf Literatwo in den Fokus unserer Betrachtung gestellt und viele Schriftsteller, die in seiner Tradition  schreiben, hier vorgestellt. Es fällt dabei auf, dass mit Tad Williams und William Horwood zwei dieser Größen (wie Tolkien selbst) von Klett-Cotta publiziert werden.

Die „Hobbit Presse“ hat sich einen legendären Namen gemacht, wenn es um die höchste Form der Fantasy geht – jene Geschichten, die in einem Atemzug mit dem „Godfather“ dieses Genres genannt werden können. J.R.R. Tolkien.

Die Hobbit-Presse-Konferenz in Leipzig...

Die Hobbit-Presse-Konferenz in Leipzig…

Gerne sind wir der Einladung des Verlages gefolgt, der „Hobbit-Pressekonferenz“ auf der Leipziger Buchmesse beizuwohnen. Grund genug, die versammelten Medienvertreter über das Verlagsprogramm für das Jahr 2012 zu informieren gab es allemal. Peter Jackson hat sich dazu entschieden, den „Hobbit“ zu verfilmen und spätestens nach dem entstandenen Hype um die „Herr der Ringe – Verfilmung“ weiß Klett-Cotta, was in diesem Jahr passieren wird!

Ein Buch, das mit nur einem harmlosen kleinen Einleitungssatz die Welt der Fantasy so sehr verändert hat, wie kein anderes, wird nun zum bewegten Bild. Es wird in einer neuen Dimension bewegend und uns alle, dreidimensional verzaubernd, im Dezember in die Kinos locken.  Und wie einst bei der Verfilmung der „Herr der Ringe – Saga“ wird auch das Buch „Der Hobbit“ eine wahre zeitgemäße Renaissance erleben. Klett-Cotta scheint gewappnet. Mit dem Satz „Das Papier wird knapp 2012“ zeigt Lektor Stephan Askani, dass der Hobbit als Buch den Hobbit im Film begleiten wird.

Literatwo wird zum Wegbegleiter der literarischen Wieder- und der filmischen Neugeburt!

Der Hobbit - Neue Ausgaben aus dem Hause Klett-Cotta...

Der Hobbit – Neue Ausgaben aus dem Hause Klett-Cotta…

„IN EINEM LOCH IM BODEN, DA LEBTE EIN HOBBIT.“

So schlicht und doch mehr als ergreifend beginnt die größte Erfolgsgeschichte der Fantasy. Und so beginnt das Buch auch heute. Die neuen Auflagen aus dem Hause Klett-Cotta jedoch bringen den Roman, zeitgerecht zu seiner Verfilmung, in liebevoll gestalteten neuen „Kleidern“ heraus.

Vom Jugendbuch „in großer Schrift für kleine Leute“ über das Buch zum Film bis zu wertvollen illustrierten Sammlerausgaben reicht das Spektrum der Neuerscheinungen dieses Jahres! Damit trägt man der publizistischen Geschichte des Romans Rechnung, war doch der Hobbitt seit jeher ein absolutes All-Age-Buch und gerade für viele Jugendliche der erste Berührungspunkt zur Literatur.

Wundervoll gestaltete Ausgaben in neuer Übersetzung werden uns also ins Kino begleiten und spätestens dort wird deutlich, wie wichtig diese Neuauflage für den Film ist. Dialoge und Szenerie sind mehr als eng an diese neue Fassung angelegt und so wird aus Buch und Film eine meisterliche Symbiose.

Das große Hobbit-Buch - Von den Anfängen bis heute...

Das große Hobbit-Buch – Von den Anfängen bis heute…

Aber das ist natürlich längst nicht alles, was das „Hobbit-Jahr“ zu bieten hat. Das große Hobbit Buch ist ein wahrer Schatz für alle Liebhaber des großen kleinen Auenländers.

Das gesamte Hintergrundwissen zu diesem Klassiker in einem Buch. Was wünscht sich der wahre Fan noch mehr? Die Entstehung des Romans, die literarischen Vorbilder, Textavarianten, Dokumente und Bilder rund ums Buch. Einfach eine gelungene Vernissage, die man sich nicht entgehen lassen darf.

Wir werden das Buch (erscheint am 23.04.) in einem eigenen Artikel vorstellen und freuen uns bereits jetzt darauf, dieses optisch ansprechende und inhaltlich vielschichtige Werk einer genauen Betrachtung zu unterziehen.

Damit die Zeit nicht zu lang wird - Die Hobbit-Online-Quest...

Damit die Zeit nicht zu lang wird – Die Hobbit-Online-Quest…

Um die Wartezeit zu überbrücken und die Vorfreude zu einem wahren Genuss zu machen, hat sich der Verlag darüber hinaus ein mehr als opulentes Online-Gewinnspiel einfallen lassen.

Es ist nicht nur für Tolkien-Kenner geeignet und wird in neun einmonatigen Etappen im Wechsel zwischen realer und virtueller Welt eine Tür zu Tolkien öffnen. Man kann jederzeit ins Spiel einsteigen und es besteht keine Suchtgefahr, da man pro Monat nur eine Etappe bewältigen kann. Für Jugendliche und Erwachsene absolut genial. Tolkien Fans, Neueinsteiger und Geo-Cacher arbeiten seit März an der Lösung eines großen Rätsels!

„Eine Steinplatte mit einer geheimen Botschaft ist zerbrochen, als Smaug die Seestadt in Schutt und Asche legte. Diese Botschaft weist den Weg zu einem Schatz: Das Juwel von Calamir. Sein Licht wendet die Dinge zum Besseren. Bring der Welt das Licht zurück!“

Welch gediegenes Motto und welch atmosphärisch gelungene Umsetzung der Tolkien`schen Phantasie. Riskiert einen Blick – es lohnt sich und man kann tolle Bücher gewinnen!

Hier geht es weiter zu den nächsten Artikeln zum Hobbit...

Hier geht es weiter zu den nächsten Artikeln zum Hobbit…

Wir werden weiter berichten und versuchen, die Wartezeit bis zum Film so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Nicht nur bei Klett-Cotta, sondern auch bei Literatwo gilt der Leitspruch für das multimediale Tolkien Jahr 2012:

HIER IST DER HOBBIT ZU HAUSE!

John Boyne – Der Junge mit dem Herz aus Holz… und mehr…

John Boyne – Der Junge mit dem Herz aus Holz

„Noah Barleywater runs away“, der Originaltitel des neuesten Werkes von John Boyne, dem Autor des Weltbestsellers „Der Junge im gestreiften Pyjama“, trifft den Kern der märchenhaft anmutenden Parabel mit dem deutschen Verlagstitel „Der Junge mit dem Herz aus Holz“ mehr als auf den Punkt.

Noah Barleywater läuft weg…. Er kann nicht mehr… er mag nicht mehr… er hat Angst, zu lange zu warten. Er hält es zuhause einfach nicht mehr aus. Zu übermächtig ist die Furcht davor, der Erkrankung seiner geliebten Mutter ins Auge zu schauen – zu übermächtig ist der Wunsch, einfach zu fliehen – zu gewaltig ist die Verlustangst, die Noah schlaf- und hoffnungslos werden lässt.

Noah läuft weg. Viel zu jung für eine solche Flucht, viel zu schwer beladen mit tonnenschweren Gefühlen, aber mit jedem Meter, den er sich von seinen Eltern entfernt, mit jedem Zentimeter wachsender Distanz beginnt er klarer zu sehen. Der Albtraum zerfließt im aufziehenden Nebel der selbst gewählten Blindheit.

Noah Barleywater läuft weg.

John Boyne macht uns fortan zum Fluchtbegleiter des achtjährigen Jungen. Wir folgen atemlos dem Weg, der immer märchenhafter zu werden scheint und an mancher Abzweigung sind wir versucht, Noah zu warnen, ihn aufzuhalten – aber das ist uns nicht möglich. Zu aufregend sind die kleinen Geschichten, die er in den Dörfern erlebt, die am Wegesrand auf ihn zu warten scheinen und zu magisch ist seine Begegnung mit einem scheinbar lebenden Baum. Das vorläufige Ziel seiner Reise liegt unmittelbar neben jenem Baum, der seine Äste hinter seinem Stamm versteckt, wenn man sich ihm nähert.

Ein Spielzeugladen der besonderen Art lässt Noahs Augen größer werden und fasziniert von einer bunten Welt aus Holz betritt er das Reich des betagten Holzschnitzers…. Lange schon scheint kein Kunde mehr nach den nostalgisch anmutenden Marionetten, Figuren, Spielen und Formen gefragt zu haben. Einsam und in sich gekehrt wirkt der alte Mann, als habe er nur auf Noahs Ankunft gewartet. Als hätte er ihn kommen sehen… als hätte er ihn geahnt.

Das Schnitzen als Metapher …

Ach, wie hat sich dieses Geschäft in meinem Herzen verankert. Leblosem Holz eine neue, bleibende Form zu geben erweckt das Herz jeden Lesers und man fühlt, mit welchem Maß an Liebe der alte Spielzeugmacher zu Werke geht. Ich konnte den Holzleim und die Farben plötzlich riechen, habe den Geschmack von Sägespänen im Mund verspürt und mich herzlich über die skurrilen Gegenstände amüsiert, denen ich in die Arme lief.

Jenen murrenden Wecker, der nur leicht angesäuert dazu bereit war, seine Aufgabe zu erfüllen.
Die vergessliche Türglocke, die in ihren tiefen Erinnerungen kramen musste um dann doch wesentlich zu spät den Besuch eines Kunden zu signalisieren.
Diese einzige Türe im Haus, die an einem vorbeihuscht, wenn man sich auf die Treppe zum Obergeschoss begab. Man musste sie an sich vorbei lassen, damit sie sich rechtzeitig oben befand, um sich zu öffnen.
Die schlecht gelaunte Kuckucksuhr, an deren widerwilligen Klang man ihre Stimmung besser ablesen konnte, als die Zeit.
Und schließlich die Fußbodendielen in der Küche, die durch rasende Bewegungen versuchten, das Fehlen ihrer im Feuer bereits verloderten Gefährten zu ersetzen.

Ach wie warm und wohl war mir ums Herz, als ich mit Noah Barleywater beim alten Holzschnitzer zu Gast war. Und genau dieser magischen Atmosphäre bedurfte es, um Noahs Zunge zu lösen, um die Belastung abfallen zu lassen und seine Geschichte zu erzählen. Im Gegenzug für die Geschichten des alten Mannes, die für den Jungen zu einem Blick in den auf Hochglanz polierten Spiegel des eigenen Lebens werden. Ein Blick zur rechten Zeit – an jener Kreuzung, die ein Umkehren unmöglich macht, wenn man sich einmal für einen Weg entschieden hat.

Mehr darf nicht verraten werden – mehr kann nicht verraten werden – und wer mehr verrät, der beraubt den Leser um eine der sensationellsten Begegnungen der Literaturgeschichte. Jeder lesende, lebende, erzählende, hörende und singende Mensch – jeder, der jemals seinen Kopf der Fantasie der Literatur überlassen hat, wird zu einem individuellen Zeitpunkt in diesem großen Roman das Gefühl bekommen, jemanden sehr gut zu kennen.

Dieses Gefühl wächst mit der Spannung der Geschichten – dieses Gefühl gipfelt in einem Moment des Erkennens und dieser Moment gehört dann dem Leser selbst. Es ist das größte Geschenk der Fantasie, das ich von John Boyne erhalten habe. Dieses Erkennen werde ich niemals vergessen und ich werde niemanden um sein Gefühl betrügen…. Deshalb sei hier nichts weiter verraten.

Nur soviel, dass ihr lesen müsst. Lesen müsst … ansonsten entgeht euch ein großer Moment der Literatur.

Wir werden John Boyne auf der Buchmesse in Leipzig zu einem Interview treffen und freuen uns bereits jetzt schon sehr darauf, diesem kreativen Genie einige Fragen stellen zu können.

Ganz besonders hervorheben muss man das weite Feld seiner Schaffenskraft, legt er doch gleichzeitig zum All-Age-Märchen Der Junge mit dem Herz aus Holz den Erwachsenenroman Das späte Geständnis des Tristan Sadler vor.

Das Weltkriegsrama erzählt die Geschichte des 1919 traumatisiert aus dem Grabenkampf in Nordfrankreich zurückkehrenden jungen Soldaten Tristan Sadler. Er reist nach Norwich, um dort die Schwester seines toten Kameraden Will zu treffen. Ein Bündel Briefe trägt er mit sich, aber dies ist nicht die einzige Last, die er zu schultern hat. In seinen Erinnerungen begleiten ihn die Gräuel des Zermürbungsskrieges, die gemeinsamen Erlebnisse an der Front, das menschenunwürdige Dahinsiechen junger Männer, Gefühle der Zuneigung und des Vertrauens – aber auch das unaussprechliche Geheimnis um die wahre Todesursache seines Freundes.

Ein Roman, der nichts beschönigt und in seiner Sogwirkung den Leser immer tiefer in sich aufnimmt, obwohl er ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiß, ob er die ganze Wahrheit des Tristan Sadler überhaupt ertragen kann. Ein großes Buch… Ein Drama in Reinform…

Zwei druckfrische Neuerscheinungen auf der Buchmesse zu präsentieren, zwei so unterschiedliche Genres in dieser Qualität mit seinem Namen zu belegen – das ist ganz großes Kino….

Alles von John Boyne auf AstroLibrium – HIER

Wir sehen uns in Leipzig, Mister Boyne….