Ein Abend für Oda Schaefer – München im Oktober 2013

Oda Schaefer ist zurück - Eine Lesung im Lyrik Kabinett

Oda Schaefer ist zurück – Eine Lesung im Lyrik Kabinett

Am 27. Oktober 2013 lautete unsere Schlagzeile „Oda Schaefer – Ein Kreis schließt sich und voller Vorfreude schrieben wir über die anstehende Lesung aus Odas Werken im Münchener Lyrik Kabinett. Vielen Menschen aus Kultur und Gesellschaft ist es zu verdanken, dass wir am heutigen Tag voller Stolz auf neu publizierte Bücher der großen deutschen Lyrikerin blicken dürfen. Fast schon vergessen – nicht mehr verlegt und dann, ausgelöst durch den epischen Film „Poll“, geriet die Welt des Vergessens ins Wanken.

Wir Literatwos hatten uns seit jenem Film mit unseren Mitteln gegen das Vergessen gewehrt und mit vielen treuen Lesern an unserer Seite ist es uns gelungen, ein kleines Mosaiksteinchen in das komplexe Wandbild des Erinnerns einzufügen. Unser Blog war und ist unsere Waffe – Teamwork und Leidenschaft sind unsere Maxime und wir haben uns gerne in den Dienst einer Schriftstellerin gestellt, die wir so gerne kennengelernt hätten. Heute können wir sagen:

Oda ist wieder daund vielleicht sogar strahlender denn je, denn auf Einladung ihres Erben und „Vize-Enkels“ Titus Horst fanden sich weitere Wegbegleiter dieser literarischen Renaissance im gediegenen Ambiente und auf der Bühne des Lyrik Kabinetts ein, um mit einer stimmungsvollen Lesung das Motto der „Unvergessenen“ wahr werden zu lassen:

„Immer war ich – immer werde ich sein! Immer!“

Ein Abend für Oda Schaefer - Die Mitwirkenden

Ein Abend für Oda Schaefer – Die Mitwirkenden

Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt an jenem Montag, den 28. Oktober und 25 Jahre nach dem Tod Oda Schaefers spürten alle Anwesenden sofort, dass ihre lyrische Aura nichts von ihrem ursprünglichen und zeitlosen Zauber eingebüßt hat. Titus Horst präsentierte ein unfassbar tief angelegtes Kaleidoskop ihres Lebens – einen mehr als gelungenen und in sich geschlossenen Zyklus aus Lebenserinnerungen, flankiert durch ausgewählte Gedichte aus dem Lebenswerk der großen Autorin.

Titus Horst hatte sich an diesem Abend in die Rolle des lesenden Chronisten begeben und führte das aufmerksam lauschende Publikum mit unnachahmlicher Erzählstimme (mal Berliner Polizist; mal Oda selbst in all ihrem Hoffen und Bangen; aber dabei immer Titus selbst) in ein schillerndes Kaleidoskop eines Dichterlebens.

Er öffnete eine bisher verborgene Tür zu Oda Schaefer und ließ ihr höflich den Vortritt, wenn es darum ging, das Wort an uns zu richten. Oda war plötzlich mitten unter uns. Oda erzählte selbst, als sei Titus Horst eher Medium, denn Erzähler. Er berlinerte sich durch Haussuchungen im Dritten Reich; kindbettete sich ängstlich durch die unfassbaren Qualen einer werdenden Mutter und wurde ganz leise, als er von den letzten Monaten einer Frau berichtete, die ihm sehr am großen Herzen liegt.

Und mehr als bewegend stand er erschüttert in Horst Langes Worten am Rand einer frisch ausgehobenen Grube unter dem Zeichen des Hakenkreuzes und erschoss kaltblütig jüdische Opfer… bis sich ein zum Tode Verurteilter unerwartet umdrehte und dem Nazi-Täter in die Augen schaute, der dann sein Leben lang nur noch einen Satz zu denken vermochte: „Und da sah ich, dass das ein Mensch war“. Titus Horst hat seinen Bogen weit gespannt, Oda und ihren Ehemann Horst Lange umarmt und ihnen Raum gegeben, uns zu erklären, wie sie dachten. Tiefer geht es nicht…..

Von li. nach re.: Die Schauspieler Evelyn Plan &Titus Horst und Biographin Dr. Monika Bächer

Die Schauspieler Evelyn Plank & Titus Horst und Biographin Dr. Monika Bächer

Den wichtigen Episoden ihres Lebens – den Stationen eines langen und oftmals brutalen, aber nie hoffnungslosen Weges, stellte die Schauspielerin Evelyn Plank die Gedichte von Oda Schaefer zur Seite. Die Auswahl dieser Zeilen war so treffend, dass sie sich oftmals genau in die Momente einfügten, die Titus eben noch als Lebenserinnerungen Oda Schaefers rezitierte. Viele Kreise schlossen sich an diesem Abend – auch derjenige der Einordnung mancher Zeilen aus Odas Feder.

Ich weiß nicht, wie Oda selbst gelesen hätte. Ich weiß nicht, in welchem Rhythmus sie schrieb. Ich weiß nicht, in welcher Melodie sie dachte. Ich weiß nur eines: Evelyn Plank hat mit Ausstrahlung und Stimme gezaubert, denn nur so kann – nur so muss – und sicherlich hat Oda Schafer nur so geschrieben und gefühlt. Kokett; nachdenklich; tief traurig; aufrüttelnd; vehement; laut; leise; zart; verträumt; verliebt; leidend; trauernd… All das hat man im Vortag von Evelyn Plank erfühlen können.

Evelyn Plank hat unserem Gefühl von Oda Schaefer eine Dimension verliehen, die wir bisher nicht kannten. Eine große Persönlichkeit, die in der Eindringlichkeit der eigenen Texte durch die Nuancierung des gesprochenen Wortes eine Ebene erreicht, die man erlebt haben muss. Frau Plank… sie haben ihre Zuhörer und uns an diesem Abend berührt… im wahrsten Sinne des Wortes.

Oda Schaefer - Immer war ich - immer werde ich sein...

Oda Schaefer – Immer war ich – immer werde ich sein…

Als dann die Biographin Oda Schaefers das Wort ergriff, begann der schon einzigartige Abend erneut eine sehr bedeutende Wendung zu bekommen. Dr. Monika Bächer verfasste bereits im Jahr 2005 ihre Dissertation Oda Schaefer (1900 – 1988) – Leben und Werk, die 2006 im Aisthesis Verlag veröffentlicht wurde. Eine Biographie, die man mit Fug und Recht als DAS Standardwerk zur Lyrikerin Oda Schaefer bezeichnen muss.

Wir haben uns bisher noch nicht mit den wissenschaftlichen Hintergründen eines Lebens beschäftigt. Wir haben keine Ahnung von der Analyse prosaischer Texte, ihrer Einordnung oder Kategorisierung und heute wissen wir, dass wir es hätten tun sollen. Unfassbar lebendig erzählte Dr. Monika Bächer aus dem Leben Oda Schaefers und ließ ihre Erkenntnisse aus umfangreichen Recherchen derart zart in diese Betrachtung einfließen, dass man niemals geglaubt hätte, dass es hier um eine Dissertation geht. So lebendig und so spannend kann Wissenschaft sein… wir haben viel gelernt.

Dr. Monika Bächer zitierte aus Odas Briefen und zeigte eine völlig neue Seite der Autorin. Sie war im direkten Kontakt unglaublich humorvoll und kokett. Sie liebte die Natur, die sich in einer großen Schaffensphase zum zentralen Element ihres Werkes entwickelte und war eine bedeutende Vertreterin der sogenannten Trostliteratur. Und zu trösten hatte Oda in Anbetracht ihrer eigenen Vita immer wieder. Nicht zuletzt sich selbst. Ein Zitat blieb mir besonders in Erinnerung. Auf die Bitte eines Verehrers, ihm doch ein Bild von sich zu überlassen, antwortete sie:

„Ein Photo schicke ich nicht.
Ich bin zu hübsch – das irritiert sie nur!“

Literatwo & Oda Schaefer - Mehr als Worte

Arndt Stroscher & Gastgeber Titus Horst – Mehr als Worte für Oda

Und natürlich waren auch wir geladen. Einfache Blogger, die in diesem erlesenen Kreis von eloquenten Lyrikern und Dichtern, Prosaliebhabern und Wissenschaftlern über unsere Annäherung an Oda Schaefer berichten sollten. Wir auf der Bühne des Lyrik Kabinetts, na wer hätte das gedacht. Diesmal war es an mir, Literatwo zu repräsentieren, aber Bianca war schon zu Beginn der Lesung telefonisch mit Titus Horst verbunden und so schloss sich auch dieser Kreis an einem besonderen Abend.

WIR haben von unserem Weg mit Oda berichtet, den man in einer eigens verfassten Chronologie sehr gut nachlesen kann. Wir haben von unseren Weggefährten berichtet, von vielen Zufällen und auch ein wenig vom Schicksal und wir haben von unseren Lesern erzählt, ohne deren Interesse eine solche Artikelserie nicht entstanden wäre. Voller Dankbarkeit haben wir über unsere Freude berichtet, wie schön es mit Oda Schaefer auf der Dresdner Schriftgut 2012 war und wir haben über unsere Gefühle erzählt, die uns durchfluten, wenn wir Odas Zeilen lesen.

Und letztlich haben wir darüber berichtet, was für uns die Relevanz von Lyrik in der heutigen Zeit ausmacht. Oda Schaefer war eine zutiefst pazifistische Autorin, die sich selbst in ihrem Leben treu geblieben ist. Die Kontinuität ihres Schaffens steht heute für ihr Lebenswerk. Und wenn wir heute im Angesicht einer Frau, die zeitlebens immer wieder schwer krank war, ihren einzigen Sohn im Krieg verlor und als Ehefrau eines schwer traumatisierten Weltkriegsopfers ihr Schicksal meisterte, die eigenen Probleme im lyrischen Licht betrachten, dann geben uns folgende Zeilen immer wieder Halt, weil Oda gezeigt hat, dass sie mit Leben gefüllt, das Leben retten können:

Immer war ich –
Immer werde ich sein
IMMER

Oda Schaefer- DAS FINALE

Oda Schaefer- DAS FINALE

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Kenny und der Drache – Tony DiTerlizzi über wahre Freundschaft

Kenny und der Drache von Tony DiTerlizzi

Kenny und der Drache von Tony DiTerlizzi

Wie kommt man nur dazu, unmittelbar nach Buchvorstellungen zu Ernst Jüngers In Stahlgewittern und Der bleiche König von David Foster Wallace sein schreibendes und lesendes Herz an ein Kinderbuch zu verlieren? Wie kommt es, dass man plötzlich ergriffen vor einem Werk steht, das einen in einer Dimension gefangen nimmt, die man dieser Geschichte nicht zugetraut hätte? Ja, wie kommt es, dass man sich in Kenny und der Drache von Tony DiTerlizzi aus dem Hause CBJ verliebt… und das mit Bloggerhaut und Bloggerhaaren?

Eigentlich ist das schnell erklärt. Wenn man für einen Vorleseabend im Kinderheim St. Alban die geeignete Kinderbuch-Lektüre (6 bis 10 Jahre) sucht und der Empfehlung von Dr. Renate Grubert, der Pressechefin von CBJ folgt, dann kann es passieren, dass man einem völlig unfassbaren Lebensbuch in die weit geöffneten Seiten läuft. Also, es ist eigentlich ganz einfach.

Und wenn dann noch der Name des selbst illustrierenden Autors mit Wucht ins literarische Kontor schlägt, dann ist es um den geneigten Blogger geschehen. Tony DiTerlizzi ist alles andere als ein Unbekannter. Er lebt als freier Autor, Illustrator und Filmemacher in Massachusetts. Seine fantastischen Bilder zieren unter anderem die Werke J. R. R. Tolkiens und Peter S. Beagles. Zum Kinderbuchbestseller-Autor wurde er durch seine zusammen mit Holly Black verfasste Kinderbuchserie „Die Spiderwick-Geheimnisse“. Und nun erzählt er einem alten Fantasyhasen eine Kaninchengeschichte… und illustriert sie auch noch selbst in seinem unnachahmlichen Stil!

Kenny und der Drache von Tony DiTerlizzi - Ein belesener Hase

Kenny und der Drache von Tony DiTerlizzi – Ein belesenes Kaninchen

„Kenny und der Drache“ – so heißt das kleine Meisterwerk aus der großen Schreib- und Zeichenfeder von Tony DiTerlizzi und es ist fürwahr ein Buch für Menschen jeden Alters, aber eben doch ganz besonders eines für die kleinen und jungen Leser unter uns. Selbst lesen und vorgelesen bekommen, beides führt uns sehr schnell nach Rundbach, jenem kleinen kreisförmig angelegten Städtchen durch dessen Mitte ein kleiner Bach fließt. Idyllisch eben…

Stell dir nun einfach mal vor, du bist ein Kaninchen… Ein sehr junges und belesenes Kaninchen namens Kenny, das sein Leben noch gänzlich vor sich hat. Du wohnst bei deinen Eltern, die dir ein sorgloses und behütetes Heim schenken und dir Spielraum lassen, die eigene Freiheit und das Abenteuer deines Lebens ganz aktiv erleben zu dürfen. Eine gute Mischung… kaninchenmäßig genial, einfach… tolle Eltern!

Aber dann ändert sich alles, als Kenny`s Vater kreidebleich nach Hause kommt und von einem Drachen berichtet, der sich auf den Weiden der kleinen Kaninchen-Familie herumtreibt und das Leben aller in Gefahr bringt. Kenny jedoch, in gebannter Spannung zwischen Angst und Neugierde, macht sich bewaffnet mit Helm-Topf, Brustharnisch-Pfanne und einem wertvollen Tierlexikon auf den Weg zum geheimnisvollen Fabelwesen.

Kenny und der Drache von Tony DiTerlizzi - Ein Drache, der liest...

Kenny und der Drache von Tony DiTerlizzi – Ein Drache, der liest…

Die Überraschung jedoch könnte größer nicht sein. Anstatt eines typischen „Wyrms aus der alten Zeit“ findet Kenny einen Drachen vor, der interessanter, freundlicher, belesener und friedlicher nicht sein könnte. Grahame ist selbst eine Lesedrachenratte, spielt gerne Schach, liebt die gute Küche und schreibt Gedichte und obwohl er Feuer spucken kann und eigentlich auch genauso aussieht, wie man sich einen Drachen vorstellt, entwickelt sich zwischen beiden sehr schnell eine gute Freundschaft. Man vertraut einander und auch Kenny`s Eltern schließen den neuen Freund ins Herz.

Es kommt jedoch, wie es kommen muss. Die Nachricht vom Drachen macht die Runde im kleinen Rundbach. Und ebenso schnell verbreiten sich Gerüchte über seine angeblichen Gräueltaten. Der Ruf nach Drachenblut wird immer lauter und der König des großen Tierreiches sieht sich zum Handeln gezwungen und entsendet den edelsten aller Ritter, den größten Drachenjäger aller Zeiten und damit auch seine gefährlichste Waffe, um dem Lindwurm den Garaus zu machen. Es wird eng für Grahame.

In seiner größten Not wendet sich Kenny an seinen besten Freund. Georg der Buchhändler hat das Herz am rechten Fleck unter seinem Dachsfell und er wird wohl wissen, wie man dem Drachen helfen kann. Die Drachenjagd muss verhindert werden. Es geht um Leben und Tod. Was Kenny dann jedoch herausfindet, bringt sein Weltbild ins Wanken. Ausgerechnet Georg ist der vom König erwählte Drachentöter. Als pensionierter Ritter seiner Majestät gilt er noch heute als Legende im Kampf gegen die wilden  Bestien.

Kenny und der Drache von Tony DiTerlizzi - Ein ritterlicher Freund...

Kenny und der Drache von Tony DiTerlizzi – Ein ritterlicher Freund…

Kenny wäre jedoch nicht unser Kenny, wenn er sich jetzt als Hasenfuß seinem Kaninchenschicksal ergeben würde. Er kann es nicht zulassen, dass seine beiden besten Freunde in ein tödliches Duell gegeneinander getrieben werden. Kenny denkt sich einen brillanten Plan aus und hofft darauf, dass die große Gemeinsamkeit – das große Band, das sie alle miteinander verbindet – die Liebe zu Büchern und guten Geschichten in der Lage ist das Leben seiner Freunde zu retten. Der große Schwindel beginnt!

Tony DiTerlizzi schreibt über die Magie und den Wert der wahren Freundschaft. Sie beweist sich nicht nur im Alltag, sondern ganz besonders in Zeiten der Not. Und oft sind es die Kleinsten, die zu Großem geboren sind, da ihre Herzen mutiger sind, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Liebevoll illustriert und ebenso bildgewaltig erzählt entführt uns der Autor in ein kleines Fantasiereich und die Lehren, die Groß und Klein aus „Kenny und der Drache“ ziehen können, sind tragfähig und wertvoll.

Verurteile niemanden wegen seiner Herkunft, seines Aussehens oder seiner Ansichten. Vertraue nur dir selbst und höre nicht auf die Gerüchte der Anderen. Verschließe dich nicht, sondern öffne dich den Menschen, deren Hilfe du brauchst. Und sei kreativ und erfindungsreich, wenn es darum geht für deine besten Freunde einzustehen. Botschaften, sympathisch in die Handlung eingewoben, die „Kenny und der Drache“ zu einem besonders wertvollen und liebenswerten Buch machen.

Vorlese - Puzzeln in St. Alban - Kenny und der Drache

Vorlese – Puzzeln in St. Alban – Kenny und der Drache

Anlässlich unserer Vorlesenacht im Kinderheim St. Alban konnte ich die ungefilterte Wirkung dieser magischen Geschichte auf Kinder beobachten. Unter der Überschrift Ein Buch ist wie ein Puzzle habe ich nach einigen vorgelesenen Seiten jeweils ein  Puzzle-Steinchen auf den Tisch gelegt und die Kinder zu „Kenny und der Drache“ befragt. Steinchen für Steinchen erst setzte sich ein Bild zusammen und viele der Steinchen passten zu Beginn nicht zusammen. Man muss gut aufpassen, um zu erkennen, wie sich alles fügt und welche Schlüsse man ziehen kann.

Bestechend war, wie schnell die Kinder zu Kenny und dem Drachen Grahame Vertrauen fassten und beide in ihr Herz schlossen. Zu keinem Zeitpunkt spürte ich die Befürchtung, die Geschichte könnte schlecht ausgehen. Zu groß war das Vertrauen zu Kenny und zu klar sind die Charaktere gezeichnet, als dass Missverständnisse aufkommen könnten. Spannung und ungläubiges Staunen begleiteten die Geschichte – völlig gebannt vom Geschehen folgten Groß und Klein den verschlungenen Wegen durch das Reich der Fantasie.

Dieses Buch ist wahrhaft grandios. Es selbst zu entdecken ist auch für den älteren Fantasy-Liebhaber ein Genuss. Es aber gemeinsam mit jungen Lesern zu erleben ist ein wahres Privileg. „Kenny und der Drache“ ist das perfekte Geschenk für Kinder, die als Leser und Zuhörer ernst genommen werden wollen, spannend erzählte Texte lieben und grandiose Illustrationen nicht nur als Beiwerk verstehen. Sie öffnen eine ganz eigene Tür in die Welt der Fantasie! Lesen und Vorlesen! Unbedingt!

Bücher helfen Lachen machen - Lachen Helfen Bären ebenso

Bücher helfen Lachen machen – „Lachen Helfen e.V.“-Bären ebenso

„St. Alban & Mr. Rail“ – Eine Lesenacht im Kinderheim…

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Kinderheim St. Alban – Ein Leseabend mit Literatwo

Friedlich legt sich der Tag zur Ruhe über dem idyllisch gelegenen Ammersee. Tief im Herzen Bayerns suchen bunte Segelschiffe und freundliche Menschen ihre Liegeplätze auf, freuen sich auf ein ruhiges und entspanntes Wochenende und genießen das Gefühl, im stillen Hafen zu liegen. Seelen baumeln lassen… ein friedliches Bild.

Und doch ist es irgendwo am Ufer des Ammersees ein wenig anders heute Abend. Hier wird nicht gebaumelt, hier wird nicht im ruhigen Wasser des Sees gedümpelt… hier findet sie tatsächlich statt. Die erste Literatwo-Lesenacht im Kinderheim der Benediktinerinnen von St. Alban. Und glaubt uns, eine solche Lesenacht hat mehr mit Drachen, wilden Kämpfen, glorreichen Helden, geheimnisvollen Geistern und schwarzen Raben zu tun, als euch lieb sein kann.

Es wird mehr als spannend und gefühlvoll… es wird gruselig und romantisch… es wird genauso, wie unsere Herzensbücher eben sind. Großes Kopfkino für Jung und Alt – ein Abend im Kreise toller Menschen umgeben von ebenso tollen Büchern. Wenn ihr in Richtung Süden schaut, dann könnt ihr ganz bestimmt die Fantasie-Ideen-Wolken erkennen, die sich über dem See zu einem leuchtenden kleinen Zeichen einer Gemeinschaft formen, die nur eins im Sinn hat…:

Den Geist in das Land der Fantasie entführen zu lassen… Könnt ihr uns sehen?

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Literatwo und die Benediktiner… eine schöne Verbindung…

Das Kinderheim St. Alban ist eine sozialpädagogische Einrichtung in Trägerschaft der in Dießen ansässigen Benediktinerinnen. (Ganz nebenbei… unsere Leser wissen, dass unsere Medaillons ebenfalls von jenem Orden stammen und uns sehr viel bedeuten). In mehreren Wohneinheiten leben dort Kinder unterschiedlichen Alters und Geschlechts zusammen, deren soziales Umfeld eine vorübergehende oder dauerhafte Heimerziehung erforderlich macht.

Ich habe die Kids bei einem ersten „Anschnuppern“ kennenlernen dürfen und ich kann nur immer wieder betonen, wie fasziniert ich von dieser literarischen „Heuschreckenplage“ am Ammersee war und bin. Hier wird gelesen, was das Zeug hält und wir Literatwos haben uns schnell dazu entschlossen, eine Vielzahl unserer Leseexemplare aus dem Kinder- und Jugendbuchbereich dort anzusiedeln. Glaubt uns… sie fühlen sich dort wohl… mehr als das.

Peggy Steike, die mit uns befreundete Kunstmalerin (ihr kennt sie von mehreren gemeinsamen Projekten: Spiegelkind und Malerin gegen das Vergessen) hat uns inspiriert und die Tür ins Kinderheim geöffnet. Auch sie engagiert sich dort und nun haben ihre Bilder mit „unseren“ Büchern tiefe Freundschaft geschlossen. Und das Bindeglied ist eine Frau von Herz, Humor und großer Krimileidenschaft. Schwester Anna betreut, erzieht, spielt und ist da – und das mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt. Davor ziehen wir unseren Hut.

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Lachen helfen – kein Problem mit diesen Bären an Bord

So entstand sehr schnell die Idee zu einer kleinen Lesenacht am Seeufer. Heute ist die Premiere und wir denken, dass wir hier mit etwas Zukunftsfähigem beginnen. Es ist ein Anfang… ein erster Tag des Buches… gemeinsam in St. Alban.

Wir haben sehr herzlich zu danken. Denn seitdem wir zaghaft von diesem Kinderheim erzählen erreicht uns eine Welle der Unterstützung, die uns sprachlos macht. Isabell Lehmann von Lachen helfen (auch sie kennt ihr vom Welttag des Buches) ist immer noch der Meinung, dass da wo Drachen sind auch Bären leben müssen und so freuen sich heute Abend einige der Kleinsten über ein Herzensgeschenk, das vor Vergnügen nur so brummen wird 😉 Wir danken aufrichtig!

Das Gleiche gilt für „unsere“ Verlage, die allein für den ersten Leseabend eine so schöne Auswahl an geeigneter Literatur zur Verfügung gestellt haben, dass es wirklich ein Vergnügen sein wird, den Kindern und Jugendlichen diese besonderen Werke vorzustellen und gemeinsam zu lesen.

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Unser Dank an so viele Verlage….

Wie läuft das ab am heutigen Abend? Diese Frage erreicht uns oft in den letzten Tagen. Wir beginnen mit den „Kleinen“ im Lesealter ab sechs Jahren und sie werden Kenny und der Drache von Tony DiTerlizzi in ihr Herz schließen. Ein unheimlich schönes Märchen über den Wert der Freundschaft, das Finden des eigenen Weges und die Tatsache, dass die Kleinsten oftmals auch die Schlausten sind.

Vorlesen ist angesagt und meine Stimme ist bereits gut geölt… drachentauglich und hasenschnell… Wird das ein Spaß…

Die „Großen“ ab zwölf Jahren werden danach das Vergnügen haben, mit Jonathan Strouds Agentur „Lockwood & Co.“ auf Geisterjagd zu gehen und in die Hintergründe zu unserem Interview einzusteigen. Fragen rund ums Buch werden aufgeworfen und wir haben da natürlich einiges zu erzählen. Zum Vorlesen und Diskutieren haben wir uns „Himmelsfern“ von Jennifer Benkau ausgewählt.

Spannend und emotional soll es sein. Gefühlig, romantisch und mit Action. Glaubt uns… dieses Buch bietet alles, was hier auf der Liste steht. Und wir werden Sterne dabeihaben. Sterne, die im Buch die Frage aufwerfen, ob alles vom Schicksal bestimmt ist, oder ob Lebenswege auch anders aussehen können. Sind die Wege von einem Fixstern zum nächsten gerade oder verworren… und haben wir sie selbst im Griff…?

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Lockwood & Co. und Himmelsfern – Eine Lesenacht

Darüber wollen wir reden… uns austauschen und auch unsere Lebenswege in den Raum werfen. Ach ja… apropos Raum werfen! Eine Liveschaltung zu Bianca nach Dresden ist fester Bestandteil des Himmelsfern Themas, denn wenn es um Fixsterne geht, dann darf sie nicht fehlen.

Gemeinsam wollen wir erzählen, wie schön es ist, gleichzeitig im gleichen Buch zu versinken und wahnsinnig tiefe Gespräche darüber führen zu können. Himmelsnah wird Dresden heute an den Ammersee heranrücken. Das Raum-Zeit-Kontinuum bleibt gewahrt und gemeinsam geht es auch in diesen Leseabend.

Und – unfassbar toll für uns – auch Jennifer Benkau hat eine große Überraschung für uns… Sie wird auch dabei sein… live zugeschaltet und im Dialog mit ihren Lesern erleben, wie es so zugehen wird in St. Alban.  Kann das Bücherleben schöner sein?

Jetzt geht es bald los. Wir melden uns aus St. Alban und werden berichten. Aber vorher danken wir auch unseren Lesern. Unzählige Fragen haben uns erreicht und viel Unterstützung wurde uns selbstlos angeboten… Es ist warm bei uns. Wir kennen viele von euch persönlich – einige jedoch nur vom Schreiben, aber das was wir gerade fühlen und zu spüren bekommen ist eine Wärme, die wir im Internet nicht für möglich gehalten hätten.

Und nun los ihr Drachen, Harpyien und ihr wundervollen Mädchen, strahlenden Helden, Hasen und Bären, Geister und Agenten… Vorhang auf… es „literatwot“ in den Hallen von St. Alban.

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„Mein Herz schlägt für uns beide“ von Suzi Moore aus Sicht von Zwillingen

Mein Herz schlägt für uns beide - Ein besonderer Blick auf ein besonderes Buch

Mein Herz schlägt für uns beide – Ein besonderer Blick auf ein besonderes Buch

“Meine Schwester starb am 1. März, und das war richtig blöd. Immerhin war das mein Geburtstag. Es war unser Geburtstag. Laura war mein eineiiger Zwilling.”

“Es passierte ganz schnell…”

Diese ersten Zeilen aus dem Kinderroman „Mein Herz schlägt für uns beide von Suzi Moore (CBJ) haben wir bis heute nicht vergessen. Zu sehr hat uns dieses Buch nachhaltig beschäftigt und zu intensiv war der Meinungsaustausch mit der Autorin vor und nach dem Schreiben unseres Artikels. Die einzigartige Erzählperspektive aus Sicht der neunjährigen Emma, deren Zwillingsschwester am gemeinsamen Geburtstag stirbt, hält uns bis heute gefangen und hat in der Buchvorstellung von Literatwo für tiefe und aufrichtige Worte gesorgt.

Zwillinge bei Literatwo....

Zwillinge bei Literatwo….

Und doch fehlte uns ein ganz besonderer Blick auf das emotionale Geschehen. Wie würden Zwillinge auf den Roman reagieren? Wie plausibel und greifbar würde das Erzählte für Menschen sein, die durch ein ganz besonderes Band miteinander verbunden sind? Wir mussten nicht lange suchen, denn dies ist nicht der erste Roman, bei dem wir uns diese Frage stellten.

Bereits bei Eva Mozes Kors Erlebnisbericht aus dem KZ Auschwitz „Ich habe den Todesengel überlebt drehte sich das gesamte Erlebte um ein Zwillingspaar und deren gemeinsames Leid, ihr Überleben und das einhellige Verzeihen. In Österreich fanden wir mit Elisabeth (Lisi) und ihrer Schwester Chrissie ein Zwillingspaar und so wie damals nimmt auch diesmal Lisi auf ihre ganz eigene und sehr bewegende Art und Weise Stellung zu einem Buch, das für „Twins“ etwas ganz besonderes sein muss:

Mein Herz schlägt für uns beide - Lisi`s erste Reaktion

Mein Herz schlägt für uns beide – Lisi`s erste Reaktion

Neugierde war meine erste Reaktion, als ich von Bianca gefragt wurde, ob es mich interessieren könnte, dieses Buch zu lesen. Neugierig, wie ich war, habe ich dann sofort auch nachgeschaut, ob das Buch bereits erhältlich ist und meine Ungeduld wurde mit jedem Tag, den die Post benötigte, etwas größer.

Und als ich das Buch schließlich aufschlug und den ersten Satz gelesen hatte, blieb mir erst einmal die Luft weg, weil ich sofort daran dachte, wie es mir wohl gehen würde, wenn das mir passieren würde. Vor allem, wenn ich daran denke, dass es mir oder meiner Schwester mit der jeweils anderen so gehen hätte können. Was für ein großes Glück wir haben, dass dies im Endeffekt nicht passiert ist.

Emma verkraftet den Tod ihrer Zwillingsschwester nicht und will deswegen als erstes ihren Geburtstag auf einen anderen Tag und auf einen anderen Monat verlegen. Das kann ich persönlich sehr gut nachvollziehen, weil ihr Geburtstag ja nicht nur ihr Geburtstag ist, sondern weil man automatisch an die Schwester denkt. Mein Geburtstag ist auch der meiner Schwester Chrissie und ich kann mir gar nicht vorstellen, was ich tun würde, wenn sie plötzlich sterben würde. Vermutlich meinen Geburtstag nicht mehr feiern, ohne an ihren Tod zu denken. Emmas Handlungsweise empfinde ich also bisher als sehr logisch und klug. Sie hat auch ein photographisches Gedächtnis, was mich ein bisschen neidisch macht, weil man dann vermutlich weniger für die Klausuren lernen müsste. 😉

Mein Herz schlägt für uns beide - Emma hält sich gut...

Mein Herz schlägt für uns beide – Emma hält sich gut…

Ich persönlich finde, dass Emma sich eigentlich gut hält, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie während sie versucht mit allem fertig zu werden, nicht nur dem Alltagsleben, sondern auch noch weniger erfreulichen Aspekten, wie Mobbing in der Schule, Einsamkeit, und zuhause den Streitereien der Eltern ausgesetzt ist, die ja auch nicht wirklich wissen, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen. Und wenn sie dann endlich am Abend im Bett Zeit findet, um über den Tag zu reflektieren und sich an Laura zu erinnern, wird sie entweder von den Eltern oder vom kleinen Bruder Rory gestört.

Hinzu kommt auch noch, dass sie lange Zeit über die genauen Ursachen im Unklaren gelassen wird. Dieses Verhalten finde ich unverzeihlich von den Eltern. Meine Eltern haben der jeweiligen anderen immer erklärt, wenn einer von uns ins Krankenhaus musste, und warum. Teilweise durften wir auch bei den Untersuchungen der jeweils anderen mit und wurden deswegen nie im Unklaren über die Geschehnisse gelassen. Mein einziger längerer Krankenhausaufenthalt wegen meiner Blinddarmentzündung trennte mich auch nicht lange von meiner Schwester, da sie mich zu Beginn besuchen kam und kurz darauf selber mit Verdacht auf Blinddarmentzündung eingeliefert wurde und mit mir im selben Zimmer gelandet ist.

Man hört ja öfter, dass eineiige Zwillinge eine ganz besondere Bindung haben, wie es sich daher anfühlen muss seine andere Hälfte zu verlieren, kann und will ich mir gar nicht vorstellen. Ich denke, es war ein großer Glücksfall für Emma, dass sie sich mit Lexi angefreundet hat. Diese Freundschaft gibt ihr nicht nur Halt, sondern zeigt ihr auch, dass das Leben weitergehen kann und durchaus, trotz des Schicksalsschlages, der ihre Familie ereilt hat, lebenswert ist.

Mein Herz schlägt für uns beide - Große Nähe...

Mein Herz schlägt für uns beide – Große Nähe…

Mein Herz schlägt für uns beide“ hat in mir eine Saite zum Klingen gebracht und mehrmals habe ich mir gewünscht einfach in das Buch hineingreifen zu können, um Emma eine Umarmung zukommen zu lassen. Suzi Moore beschreibt alles sehr anschaulich, ich habe als Leserin sehr stark mit Emma mitgelitten, und musste das Buch teilweise anfangs zur Seite legen, weil mir beim Lesen wirklich die Tränen in die Augen gestiegen sind.

Ein Buch über Zwillinge, welches mich zum Lachen, zum Weinen und zum Innehalten und Nachdenken gebracht hat. Es hat mir erneut gezeigt, wie privilegiert ich bin, dass ich eine Zwillingsschwester habe, mit der ich jederzeit reden und lachen kann, die mir den Kopf geraderückt, wenn ich es brauche und die mich bedingungslos unterstützt.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Arndt und Bianca, die es mir ermöglicht haben, dieses Buch zu lesen. Es war ein echtes Erlebnis und ich wünsche mir, dass ich meine Empfindungen besser in Worte fassen könnte. Lest dieses Buch und lasst euch von Emma und Lexi, von ihrer Familie und dem tollen Schreibstil von Suzi Moore verzaubern.

Mein Herz schlägt für uns beide - Mit einem Klick zum Artikel

Mein Herz schlägt für uns beide – Mit einem Klick zum Artikel

Dem ist bis auf unsere aufrichtige literatwoische Gänsehaut nichts hinzuzufügen. Danke nach Österreich! 

So nah und doch so fern – Eine Liebes-Zeitreise von Ann Brashares

So nah und doch so fern - Ann Brashares

So nah und doch so fern – Ann Brashares

Die innere Bereitschaft des Lesers, sich einem ganz bestimmten Thema zu öffnen bestimmt die Fallhöhe aus der man sich persönlich in die Tiefen einer Geschichte fallen lässt. Sie ist verantwortlich dafür, wie intensiv man glaubt, nachempfindet und fühlt – und letztlich läuft es immer wieder darauf hinaus, dass man lachen und weinen kann, wenn man den tiefen Fall in die wogenden Fantasiewellen wagt.

Ein Roman, der sich dem Leitgedanken einer ewig währenden Seelenwanderung zweier Menschen verschreibt und uns Leser auf diese schier unendliche Reise auf der Suche nach ewiger Liebe einlädt, sollte nur gelesen werden, wenn man als Leser zumindest zu einem kleinen Funken bereit ist, an die Möglichkeit einer solchen Reise zu glauben.

So nah und doch so fern“ von Ann Brashares (carl´s books) ist in sich eine der ungewöhnlichsten Einladungen zum tiefen Eintauchen in eine unfassbar emotionale Geschichte um die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zweier Liebender, die man einfach nicht ausschlagen darf. Schenkt dem Leitgedanken eine Sekunde eurer Zeit und versucht, einen kleinen Moment nicht daran zu zweifeln, dass Liebe nicht nur ewig währt, sondern schon vor langer Zeit entstanden sein kann. In einem Leben, an das ihr euch nicht erinnern könnt… oder glaubt, euch nicht erinnern zu können

So nah und doch so fern - Ann Brashares

So nah und doch so fern – Ann Brashares

Folgt ein Mal in eurem Leben einem Roman, der uns allen zeigt, dass zwei Seelen füreinander bestimmt sein können und öffnet mit Ann Brashares gemeinsam das Tor zu vielen gemeinsamen Vergangenheiten um zu verstehen, was es bedeutet, sich im Hier und Jetzt erneut zu begegnen.

Stellt euch bitte vor, ihr verliebt euch in eine Frau, die nur durch die gesellschaftlichen Umstände in unerreichbarer Ferne ist. Ihr habt das Gefühl, ihr nicht zum ersten Mal zu begegnen und in wilden Träumen seht ihr dieses eine Gesicht, fühlt dieses eine Gefühl und empfindet diese eine Schuld, ihr irgendwann in der Vergangenheit weh getan zu haben.

Ihr erinnert euch an alles – an ihren Geruch, an ihre Augen und doch ist es euch nicht gestattet, diese Frau zu begehren. Sie ist die Ehefrau eures Bruders und im Jahre 776 nach Christus stellt Ehebruch ein unverzeihliches Verbrechen dar. Ihr lebt in dem Wissen, dieser Frau schon mehrmals begegnet zu sein und immer habt ihr euch von neuem verliebt.

Nur sie kann sich an nichts erinnern. Sie empfindet eine magische Anziehungskraft, kann sich aber den Grund dafür nicht erklären. Und doch führen alle Wege zusammen, so wie eine Liebe immer wieder zusammenführt. Mögen die Hindernisse auch noch so groß sein. Eine Liebe, die verboten ist bahnt sich zaghaft und zum Scheitern verurteilt ihre Bahn und die Ehre eines anderen wird verletzt. Nicht in diesem Leben werden sie vereint sein… das wird schnell klar… aber die Zukunft gehört zwei Seelen.

So nah und doch so fern - Ann Brashares

So nah und doch so fern – Ann Brashares

Man muss sich nur finden. Man muss sich nur erkennen und den Gefühlen vertrauen. Letztlich muss SIE ihm glauben, da nur seine Seele die kollektiven Erinnerungen zweier Leben in sich trägt. Wir begleiten zwei Menschen auf der Reise durch die Jahrhunderte. Oftmals in Leben, die recht parallel zueinander verlaufen, oftmals völlig voneinander getrennt.

Manchmal begegnen sie sich durch soziale Schichten getrennt und einige Male ist der Altersunterschied zwischen ihnen gewaltig. Die Gefühle jedoch sind immer gleich. Es ist die aufrichtigste Form der Liebe zu der Daniel seit Jahrhunderten fähig ist und es ist eine besondere Form der ewigen Faszination, die Sophia immer wieder packt. Wenn nur nicht der große Zweifel wäre, der ihre Gefühle beherrscht.

Viele Leben gehen dahin. Viele Leben werden verschenkt, viele Leben verlaufen anders, als man es sich wünscht. Zwei Leben auf See, einige auf den Feldern und den Gärten der Weltgeschichte. Kein einziges Leben ein besonderes. Und doch ist Daniel ein bewusst Reisender, der von seiner Erinnerung profitiert. Er häuft im Laufe der Jahrhunderte Wissen und die Artefakte vieler Leben an – alles nur mit dem Ziel, seiner Geliebten zu beweisen, wer er ist und was vor ihnen liegen kann, wenn sie nur einmal zur rechten Zeit aufeinandertreffen.

So nah und doch so fern - Ann Brashare

So nah und doch so fern – Ann Brashare

Der Erste Weltkrieg führt sie endlich eng zusammen. Daniel ist schwer verwundet und Sophia pflegt ihn als Krankenschwester hingebungsvoll. Seine Erzählungen über die vergangenen Leben erscheinen ihr unglaubwürdig und sie vermutet, dass er lediglich fantasiert. So schwer, wie er verwundet ist.

Erstmals sind sie sich über Tage so nah. Endlich kann er ihr erklären, wer sie sind und langsam beginnen die Zweifel zu bröckeln und die Gefühle von Jahrhunderten brechen aus Sophia heraus. Und dies in einem Moment, in dem sich Daniel trennen muss. Wieder ein Leben, das dahin geht ohne richtig gelebt zu sein.

Es ist kein einsamer Tod. Es ist jedoch der schlimmste, den er je erleiden musste, da sie sich nun gefunden hatten. Und doch ist es kein aussichtsloser Tod, denn Sophia beginnt zu glauben und hat einen Plan. Sie schreibt sich selbst einen Brief. Sie will sich erinnern, wenn sie wiederkehrt. Sie möchte Daniel beweisen, dass auch sie um ihre ewige Liebe zu kämpfen bereit ist.

So nah und doch so fern – Ann Brashares - Ein Meilensteisatz im Roman

So nah und doch so fern – Ann Brashares – Ein Meilensteisatz im Roman

„Du wirst mir doch nicht sterben, oder“… Worte, die Sophia im Jahr 1918 an ihn richtet. Ein schwerer Moment im Buch. Loslassen ist schwer, auch wenn man auf ein Leben danach hofft.

So nah und doch so fern - Ann Brashares

So nah und doch so fern – Ann Brashares

Leben kommen – Leben gehen. Bis zu einem magischen Tag im Jahre 2004 in Hopewood, Virginia, als die junge Lucy einen gewissen Daniel trifft, der ihr aus unerfindlichen Gründen sympathisch ist. Würde er sie nur nicht mit einem falschen Namen anreden. Sophia nennt er sie und aus dem Rest seiner Worte und Andeutungen wird sie auch nicht schlau.

Dieses Leben ist das Leben, in dem sich alles entscheidet. Wird es Daniel gelingen, jener Lucy die Augen zu öffnen und sie daran zu erinnern, was sie 1918 versprach? Kann es dieses Leben sein, in dem beide ihre Erfüllung finden und wie wird Lucy damit zurechtkommen, wenn sie sich an einen Brief erinnert, der ihr vor langer Zeit geschrieben wurde… von ihr selbst?

Und doch sind sie nicht zu zweit. Niemand reist allein und keine Seele vergeht, vor allem wenn vor Jahrhunderten ihre Ehre verletzt wurde. Wer ist der Dritte im Bunde und erkennen Daniel und Lucy die drohende Gefahr rechtzeitig, bevor auch dieses Leben endet?

So nah und doch so fern - Ann Brashares

So nah und doch so fern – Ann Brashares

Ann Brashares entführt uns auf eine meisterlich erzählte Reise durch die Jahrhunderte und macht uns zu Suchenden nach dem Mysterium der ewigen Liebe. Kein Satz zu viel, keiner zu wenig. Nicht verkitscht, sondern berührend schreibt sie über die sich wiederholenden Verluste, Hoffnungen und Träume. Sie macht uns zu heftig Leidenden und unglücklich Liebenden, glücklich Sterbenden und erwartungsvoll Neugeborenen ihres Romans.

So nah und doch so fern – dieses Gefühl wird zum Leitmotiv der Geschichte. So oft vergebens gelebt. So oft nur durch einen Hauch der Weltgeschichte voneinander getrennt und dann an einem magischen Tag in unserer Zeit so nah wie nie zuvor. Ich habe dieses Gefühl der ewigen Liebe so sehr nachempfinden können, als wäre meine eigene Seele Teil dieser Reise gewesen. Und diese Reise endet, genau wie im Roman, nicht mit einem Punkt, sondern mit viel Freiraum für eigene Träume… (und vielleicht schreibt Ann Brashares in ein paar hundert Jahren noch ein Sequel)

Meine persönliche Fallhöhe in die Tiefe dieses Erzählstroms war unfassbar hoch. Ich bin nie gelandet. Ich tauche noch und träume von all dem, was So nah und doch so fern zu erzählen bereit war. Das werde ich diesem Buch nie vergessen… Diesen Traum! Man muss sich nur finden. Nur erkennen. Ich sollte mir einen Brief schreiben… ich glaube ich fange gleich damit an.

Dieses Buch ist ein Geschenk, weil es dem Leser die Vision der unendlichen Hoffnung zu treuen Händen anvertraut.

So nah und doch so fern - Ann Brashares

So nah und doch so fern – Ann Brashares

„Das Blaue Pferd“ von Franz Marc… mit anderen Augen…

Das Blaue Pferd - mit anderen Augen

Das Blaue Pferd – mit anderen Augen

Keine Sorge…. Ich schreibe heute bestimmt nicht über Gemälde, Expressionismus, moderne Kunst im weitesten Sinne oder liefere gar neue Interpretationsansätze zum großen Lebenswerk von Wassily Kandinsky oder Franz Marc. Echt keine Sorge.

Ich schreibe nach wie vor über Literatur – ich schreibe über Bücher und was sie manchmal mit ihren Lesern anstellen, was sie verursachen und wie sehr man oftmals an seine Grenzen stoßen kann – besonders, wenn man es sich zur Angewohnheit gemacht hat, vieles nur noch gemeinsam zu lesen. Es dann auch gemeinsam zu fühlen, zu denken, zu träumen und zu erleben.

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts von Florian Illies hat sehr viel Wärme in unsere kleine Villa gebracht. Eine (auch für unsere Verhältnisse) große Artikelwelle hat das gemeinsame Leseerlebnis in uns losgetreten und wir haben euch Postkarten aus einer längst vergangenen Zeit geschickt. Wir waren auf dieser Zeitreise sehr froh, dass ihr bei uns wart.

Verwunschene Bilder haben wir euch gezeigt und auch von den kleinen und großen Begegnungen berichtet, die wir diesem Buch zu verdanken haben. Stundenlang haben wir uns darüber unterhalten und geträumt, was wir in diesem Jahr getan hätten, wo man uns hätte suchen müssen und ob wir uns überhaupt gefunden hätten. Gedankenspiele….

Kein anderes Bild sitzt so tief...

Kein anderes Bild sitzt so tief…

Kein anderes Bild aus diesem Buch hat sich so tief in uns verankert, wie jene Blauen Pferde von Franz Marc, die schon fast zur Metapher für dieses Jahr wurden… zumindest für uns. Seiner lieben Freundin Else Lasker-Schüler malte er den „Turm der blauen Pferde“ auf eine Postkarte… eine mehr als persönliche Widmung. Konnte er da ahnen, dass sein originales Gemälde einst in den Kellern von Hermann Göring hängen würde…? Gestohlen von einer Nazi-Größe – und dies unter dem Vorwand, es sei „entartete“ Kunst. Verschollen und nie wieder aufgetaucht nach dem Krieg und das einzige Zeugnis, das geblieben ist… jene Postkarte… Konnte Franz Marc dies ahnen?

Konnten wir ahnen, dass uns diese kleinen Geschichten zu „Blauen Reitern“ machen würden, da uns ein Bildersturm erreichte, der vom Blättern der Buchseiten entfacht wurde? Wir lernten die Menschen kennen und dadurch lernten wir ihre Bilder lesen. Sie waren offen wie ein Buch. Doch wir kannten sie nur aus Büchern…. Die Originale, soweit nicht verschollen, hatten wir zuvor noch nie gesehen. Wozu auch… blind, wie wir waren!

An einer Litfaßsäule führt mich mein Morgenweg vorbei, wenn ich in München zur Arbeit fahre. Ungelogene 20 Minuten verharrte ich vor ihr, da ich etwas sah, was ich nicht erwartet hatte. Ein Blaues Pferd schaute mich an und der Text auf dem Plakat verwies auf die Neueröffnung des Lenbachhauses. Nach Jahren wieder zugänglich und im Neubau, so hieß es, erstrahlte jenes legendäre Blaue Pferd von Franz Marc im einzigartigen natürlichen Licht der lichtdurchlässigen Dachkonstruktion.

Ungeduld macht sich breit - ich muss dorthin...

Ungeduld macht sich breit – ich muss dorthin…

Ungeduld machte sich breit und Unruhe verschaffte sich Raum… ich musste dorthin… so schnell wie möglich. Als schien dieses Pferd auf mich zu warten blieb mir keine andere Wahl, und am zweiten Tag nach Neueröffnung des Kunsthauses reihte ich mich in eine hunderte Meter lange Schlange ein, um im strömenden Regen auf Einlass zu hoffen.

Und obwohl ich unter vielen Menschen war, so war ich doch allein. Diejenige, mit der ich zum Blauen Reiter wurde und mit der ich das Blaue Pferd lesen lernte, war nicht da. Und doch war genau dieser Mensch in diesen Stunden tief bei mir. Ein ganz eigenartiges RAUM-Zeit-Kontinuum, in dem ich mich bewegte.

Nicht mit meinen Augen wollte ich die Galerie betrachten. Nicht gänzlich alleine wollte ich mich dem Augenblick stellen, dem ich so sehr entgegenfieberte. Nicht allein für mich durchschritt ich die Pforten der alten Künstlervilla. Ich fühlte mich im Dialog mit Bianca vertieft, nach unserem Weg suchend – so wie immer.

Bildersturm - Bilderfluten

Bildersturm – Bilderfluten

Eine von der Decke tropfende magische Lichtkonstruktion hielt uns bereits im Eingangsbereich gefangen und während ich schnell weiter strebte vernahm ich nur ihr „Langsam Arndt… lass es uns genießen…“ – und ich genoss. Und doch – und auch mit anderen Augen gesehen, und gerade weil mit anderen Augen sehend – musste ich weiter.

Eine Treppe nach oben… ein Schriftzug „Der Blaue Reiter“ und ein ganz besonderes Licht – all dies zog mich (zog uns) magisch an.

Bildersturm – Farbenpracht – Formenwahn – all dies rauschte an mir vorüber… im ersten Moment wie ein Film wahrgenommen – Zeitraffer… ich musste weiter… ich war verabredet. Im Gehen versprach ich den Klees, Mackes, von Stucks und Kandinskys meine Rückkehr. Hoch und heilig versprach ich dies… aber mein Weg war programmiert.

Eine Tür noch… eine einzige…

Hallo.... es wurde auch langsam Zeit...

Hallo…. ich habe mehr als hundert Jahre gewartet…

Ich schritt hindurch… ein tageslichtheller Raum… ein schwarzer Holzrahmen… und ein majestätisch wirkendes, in den schillerndsten Blautönen strahlendes, futuristisch verformt gemaltes Blaues Pferd erhob sich mir gegenüber. Den Blick zur Seite gewandt, mich mit einem Auge fixierend schien es zu sagen: „Wird aber auch Zeit – ich habe mehr als hundert Jahre darauf gewartet.“

Ganz nah stand ich ihm gegenüber. Auge in Auge und unfassbar berührt von der Magie des AugenBlicks – im wahrsten Sinne des Wortes. Am Ziel… endlich. In der Nähe… eine Sitzgelegenheit… mit feinem dunklen Leder bezogen… verweilen um zu schauen – genau dafür schien sie wie geschaffen. Ich nahm Platz, öffnete meine Tasche, griff hinein und hielt ein Buch.

„1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“ hatte mich begleitet, hatte uns begleitet und ich begann tief versunken zu lesen. Von Franz Marc und Else Lasker-Schüler – von Reisen und Gemälden – von der Stimmung dieses Jahres – von seinen Menschen. Und immer wieder schaute ich auf und wusste, dass mir jenes Blaue Pferd auf seine eigene Art und Weise erzählte… liebevoll und zart legte es in diesem Moment Zeugnis einer Epoche ab. Und es sprach von Franz Marc, der es in zartem Pinselstrich erschaffen hatte.

Lies bitte weiter...

Lies bitte weiter…

Und immer, wenn ich ins Stocken kam, schien mich eine unsichtbare Hand zu berühren und ich hörte nur die Worte „Lies bitte weiter“… und ich las. Ich genoss und las… und ich bewunderte, betrachtete, saugte auf. Ein Moment für die Ewigkeit, den ich im Angesicht eines Gemäldes niemals erwartet hätte.

Ein letzter Blick und ein noch einzulösendes Versprechen… Ich musste irgendwann weiter. An erstaunten Menschen vorbei, die sich wunderten, warum man ausgerechnet in diesem Bilder-Raum lesen musste. Belächelt… angelächelt… und doch unverstanden fühlte ich mich ein wenig… vielleicht so unverstanden, wie einst Franz Marc.

Mit anderen Augen verließ ich den Saal. Ich hatte gesehen – wir hatten gesehen, gefühlt, gelesen, erlebt – gemeinsam – so wie immer. Ich habe mein Versprechen gehalten. Ich begegnete anschließend Kandinsky, Klee, Macke und vielen mehr. Lange verfiel ich der Erotik von Stucks Salome. Selbst Joseph Beuys habe ich einen Besuch abgestattet (aber glaubt mir, das ist eine andere Geschichte)…

Ein letzter magischer Blick zurück... Bilderwucht

Ein letzter magischer Blick zurück… Bilderwucht

Warum ich dies heute schreibe? Ganz einfach… ich wollte es nicht erzählen. Die Eindrücke mussten sich tief verinnerlichen und dann erst kamen die Worte. Mit anderen Augen wollte ich aus meiner Sicht nur für Deine Augen schreiben… und Dir mit diesem gemeinsamen Besuch auch im Namen des Blauen Pferdes alles Liebe zum Geburtstag wünschen. Blaue Reiter – literarische Kavallerie!

Für Bianca… 160513 (und das Pferd müsste inzwischen bei Dir sein)!

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc... Ein Klick reicht...

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc… Ein Klick reicht…

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Verwunschene Bilder

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts - Zeitlose Schönheit

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Zeitlose Schönheit

Bücher kommen und gehen. Einige werden zu ständigen Wegbegleitern eines langen Leselebens, während andere lediglich wie Sternschnuppen am literarischen Firmament aufleuchten (bei ihnen kann man sich zumindest etwas wünschen – und wenn es bessere Bücher sind). Die besondere Nachhaltigkeit eines Buches zeigt sich dann, wenn man als Leser immer wieder an seinen Inhalt oder seine Leitidee erinnert wird.

In diesem Jahr hat sich wohl kein anderes Buch so sehr in unseren Gedankenwelten verankert, wie 1913 – Der Sommer des Jahrhunderts von Florian Illies. Die Bestsellerlisten hat das farbige Kaleidoskop einer längst vergangenen Zeit schon lange erobert und sich dort beharrlich auf dem ersten Platz behauptet. Eine Entwicklung, die wir bereits im Januar erkannten. Dieses Buch ist etwa ganz besonderes – es hat diesen Platz mehr als verdient.

Wir haben keine normale Rezension zu 1913 verfasst. Wir haben uns auf eine Zeitreise eingelassen und unseren Lesern Ansichtskarten von den Orten geschickt, die wir im Buch besuchen durften. Wir haben Grüße hinterlassen und von den Menschen geschrieben, die wir ohne Florian Illies wohl niemals kennen gelernt hätten. Vom „Blauen Reiter“ über Gustav Klimt bis hin zu Rainer Maria Rilke… viele Legenden kreuzten unseren Weg, nicht ohne neue und bisher unbekannte Eindrücke zu hinterlassen.

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts - Mehr als eine Rezension

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Mehr als eine Rezension

Unsere Reise war nach dem Lesen nicht beendet. In memoriam Else Lasker Schüler haben wir auch Wochen später noch Postkarten geschrieben, als uns an bestimmten Tagen das Lesen einholte und wir an den Jahrestagen ihrer Geburt oder ihres Todes erneut und sehr lebhaft an diese Menschen erinnert wurden. Unsere Reise mit Florian Illies scheint auch heute noch nicht beendet.

Neben den Prominenten jenes Sommers kurz vor Ausbruch der Jahrzehnte der Kriege hat er uns mit den kleinen und scheinbar unbedeutenden Menschen bekannt gemacht, die diesem Jahr so sehr ihren eigenen Stempel aufgedrückt haben. Wir mussten recherchieren und lesen, Fachbücher konsultieren und in Archiven versinken, weil Illies uns neugierig gemacht hat auf die Randbemerkungen seines faszinierenden Buches.

Eine unserer ersten Postkarten handelte von jenen „verwunschenen Bildern“ aus den Anfangstagen der Fabfotografie. Florian Illies machte uns zu Zeugen der kleinsten Banalitäten dieses Jahres und verdeutlichte damit, dass es nicht wirklich Banalitäten waren – sondern vielmehr Pionierleistungen, deren Wert erst heute geschätzt werden kann.

1913 - Christina - Es bleiben mehr als Bilder

1913 – Christina – Verwunschene Bilder

Die Fotografien eines britischen Colonels, der seine Tochter in zeitlos schönen Bildern am Strand für die Ewigkeit festhielt, wurden nur in einem Nebensatz erwähnt… Aber genau dieser ließ uns zu einer Suche nach ebenjenen Bildern aufbrechen und wir waren mehr als erstaunt, als wir das Ergebnis unserer Recherche vor Augen hatten. Ein Soldat, der wenig später die von ihm mitentwickelten Flugzeuge in die Schlachten des Ersten Weltkrieges warf, gönnte sich in jenem Sommer des Jahrhunderts ruhige Mußestunden am Strand und experimentierte mit seiner Idealvorstellung von Fotografie.

Die Bilder von Christina am Strand strahlen nicht nur eine geradezu majestätische Zeitlosigkeit aus, sie machen dieses junge Mädchen für alle Epochen dieser Welt unsterblich. Die Wahl ihrer Bekleidung allein ist in den frühen Jahren der Farbfotografie Grundlage für diesen emotionalen Meilenstein. Rot… erst seit kurzer Zeit war man in der Lage, diese Farbe zu reproduzieren, aber genau bis zu diesem Zeitpunkt war es niemandem gelungen, dies auf solch beeindruckende Art und Weise zu realisieren.

Christina am Strand… unfassbar schön… unfassbar selten ein solcher Moment unvorstellbarer Ruhe im Einklang mit sich und seinem Leben. Man fühlt diese Bilder – man glaubt, die anbrandenen Wellen an der Küste von Dorset hören zu können und man spürt förmlich den Stolz des Vaters, der seiner Tochter ein visuelles Denkmal setzt. Es sind zugleich Traumbilder eines friedlichen Europas, das niemals zu Ende gehen mag. Diese Fotografien sind ein Traum und man findet sie immer wieder, wenn man über die schönsten Fotos in der Geschichte dieser Kunstrichtung spricht.

1913 - Bilder von unglaublicher Schönheit

1913 – Bilder von unglaublicher Schönheit

Im Jahr 2002 hat Christina sogar den Sprung auf ein Buchcover geschafft und damit der Zeitlosigkeit der Bilder das literarische ewige Leben als zusätzliche Dimension hinzugefügt. Zweifach unsterblich – und alles begann an einem schönen Tag des Jahres 1913 in Dorset.

Und doch umgibt diese Bilder und auch die späteren Portraits jenes Mädchens ein großes Geheimnis. Egal wo man sie findet, sie werden als Bilder der Tochter des Lieutenant Colonels Mervyn O’Gorman, jenes begnadeten Fotografen, gekennzeichnet. Auf den zweiten Blick jedoch kommen Zweifel auf, da weder Familienstammbaum noch offizielle Dokumente belegen, dass jener Flug- und Fotopionier überhaupt Kinder hatte. Alle Nachforschungen enden bei ihm und seiner Frau. Von einer Christina ist nirgendwo die Rede. Zumindest nicht als leibliche Tochter.

Wem also hat Mervyn O’Gorman hier wirklich ein Denkmal gesetzt – wer schaut ihn so erfüllt voller Zuneigung und Zärtlichkeit an – wer ist dieses Wesen, das nicht von dieser Welt zu sein scheint? Wir werden dies niemals ergründen können… es bleiben nur die Bilder… es bleibt nur der endlos tiefe Blick in die endlosen Weiten des Firmaments. Es ist eine Hommage an die Schönheit und die Unbeschwertheit der Jugend… es ist Wehklagen in der Vorahnung der aufziehenden Konflikte, in denen die Zukunft dieser Jugend nachhaltig vernichtet wurde.

Christina - Wie ein Bild zum Cover wird...

Christina – Wie ein Bild zum Cover wird…

Wir setzen uns an den Strand von Lulworth Cove und beobachten die Menschen in unserer Nähe beim gemütlichen Picknick, auch wenn wir nicht hören, worüber sie sprechen. Wir wollen auch nicht indiskret sein und alles wissen. Und plötzlich sehen wir den Mann mit dem Mädchen zum Wasser gehen. Sie flüstern einander Geheimnisvolles zu und er hebt die Kamera.

Die Erde bleibt stehen… sie dreht sich nicht mehr… Christina hat sie für einen Moment angehalten und blickt uns an, als wüsste sie, aus welchem Grund wir ihren Spuren gefolgt sind. Liebe Grüße aus dem Sommer des Jahrhunderts. Passt auf euch auf. Wir schreiben euch mal wieder aus dem Jahr 1913, aber jetzt bleiben wir noch ein wenig hier. Dieser Moment will genossen werden… in aller Tiefe.

Eure Literatwos
Dorset 1913

PS: Wenn ihr weitere Postkarten aus dem Jahr 1913 lesen möchtet, dann klickt einfach das letzte Bild an. Es ist voller Erinnerungen.

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc... Ein Klick reicht...

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc… Ein Klick reicht…

Die französische Kunst des Krieges – Lesen im Rausch der Gefühle

Ein Lebensbuch mit einer ganz besonderen Artikelserie bei Literatwo

Wenn man im großen Orbit der literarischen Neuerscheinungen ein Lebensbuch findet, dann ist dies ein außerordentliches Ereignis. Solche Bücher sind rar. Sie definieren einen besonderen Schritt der Erkenntnis und des Gefühls. Es spricht alle Ebenen an und wird in Wort und Fantasiebild zum Maßstab für andere Werke. Wenn dies geschieht, dann bleibt uns keine Wahl – wir müssen ein wenig weiter ausholen, um vermitteln zu können, was Die französische Kunst des Krieges in uns ausgelöst hat.

Zwei Artikel wollen wir dem preisgekrönten Roman widmen. Nennen wir es einfach eine sensitive und eine kognitive Annäherung an einen unserer Meilensteine der letzten Jahre. Gefühl und Erkenntnis gehen zwar Hand in Hand beim Lesen, aber die Dimensionen dieses Buches öffneten sich uns langsam, schrittweise und dann in aller Eindringlichkeit. Unser Lesegefühl in seinen ersten Eindrücken möchten wir in diesem Artikel beschreiben: „Lesen im Rausch der Gefühle“, während wir der inhaltlichen und gesellschaftlichen Bewertung im Artikel „Ein Gemälde aus Blut und Liebe“ Raum geben wollen.

Vom ersten auf Facebook dokumentierten Moment des Lesens bis zum lauten Nachhallen nach dem Schließen der letzten Seite möchten wir euch gerne mitnehmen auf die Reise in ein einzigartiges Werk:

ALEXIS JENNI – in zarten, rosafarbenen Großbuchstaben springt uns der Name des Autors nun endlich vom Buchcover an, das wir freudig in Händen halten. Endlich.

Der Name des Autors war nicht erst seit der Frankfurter Buchmesse in unseren Köpfen verankert. Nein, bereits seit der Messe in Leipzig, war unsere Vorfreude auf dieses große Werk da. Sie steigerte sich immer mehr und nun ist es endlich da.

ALEXIS JENNI – “Die französische Kunst des Krieges”, im Luchterhand Verlag erschienen, kommt anmutig daher. Strahlend weiß das Cover, auf dem von oben schwarze Tusche herunterläuft. Unter dem Cover findet sich ein in helles schwarz gebundenes Buch mit der gleichen verlaufenden schwarzen Tuschespur.

Ein wahrer Wälzer, schwer und über 700 Seiten rief nach uns Literatwos. Lesen, jetzt!

Wälzer machen uns keine Angst. “Unendlicher Spaß” oder auch “Die tausend Herbste des Jacob de Zoet” haben sich uns weit geöffnet und jede Seite beinhaltete ein tiefgründiges Stück Literatur. Sollte es nun anders werden, da der Schwerpunkt des Romans das Thema Krieg ist? Sollte dieser Roman eine Leseherausforderung werden?

Umfangreiche Geschichten ziehen uns seit jeher magisch an. Sie bieten Platz für die Entwicklung der Protagonisten und geben uns Raum, in genauen Beschreibungen Fuß zu fassen. Wir scheuen nicht vor dem Umfang zurück – auch Trilogien haben jeglichen Schrecken verloren. Aber ein Buch in solchen Dimensionen muss fesseln – von der ersten bis zur letzten Seite. Lesezeit ist wertvoll…. Besonders für uns.

Bereits auf den ersten Seiten stellen wir fest, dass wir angekommen sind. Angekommen in dem ruhigen Leben des Erzählers von Jenni.

Er lebt vor sich hin, genießt die tägliche Entspannung, erzählt über das Leben mit seinen unzähligen Freundinnen, den Sex, das vor sich hin Treiben. Der Beginn des Golfkriegs 1991 liegt für uns alle weit in der Vergangenheit zurück, aber auch für den Erzähler selbst liegt das was er in den Nachrichten mitbekommt, weit entfernt, obwohl er sich in genau diesem besagten Jahr befindet.

Er ist distanziert, hält sich aus den Geschehnissen raus und ruht in sich selbst. Auch wenn er vor uns sein Leben öffnet und uns Einblicke gewährt, hält er sich bedeckt, was seinen Namen, sein Alter und seinen früheren Beruf angeht.

Diese Perspektive ermöglicht Jenni den schonungslosen Blick auf eine Gesellschaft im Wandel. Er entführte uns an jener Stelle im Roman in die Findungsphase seines Erzählers. Beruflich gescheitert und passiv vor sich hinlebend, wird er von der Bilderflut über die chirurgisch präzise Kriegführung der Amerikaner im Irak überwältigt und aus seiner Lethargie geweckt.

Einstieg gelungen in das epochale Meisterwerk von Alexis Jenni „Die französische Kunst des Krieges“. Ausgezeichnet mit dem „Prix Concourt“ liest es sich so sprachgewaltig wie Tolstoi und vermittelt ein Lesegefühl, dem man sich einfach nur hingeben kann. 

Wer allerdings denkt, dies sei ein rein französischer politischer Roman, der wird sich schnell wundern, wie nah wir selbst die beschriebenen Gefühle nachempfinden können!

„Der Golfkrieg entstellte die Wirklichkeit, und die Wirklichkeit gab erstaunlicherweise nach.“ Große Worte – genialer Plot…

Jennis Frankreich befindet sich im sozialen Dämmerzustand und erstmals nach langer Zeit beteiligt sich das Land offiziell 1991 an einer militärischen Großoperation – die Stimmung gegenüber den Soldaten ist im Wandel. Der Ruf der Armee galt als beschädigt. Der Zweite Weltkrieg, Indochina, Algerien… Meilensteine des Niedergangs…. Die Legitimation Krieg zu führen bringt Erinnerungen an die Vergangenheit zurück und reißt alte Wunden wieder auf. Besonders bei den Veteranen vergangener und verlorener Kriege.

„Die französische Kunst des Krieges“ von Alexis Jenni entpuppt sich für Literatwo als eine große literarische Falle. Eigentlich liest man das Buch distanziert – es ist ein französisches Buch – es hat nichts mit uns zu tun! So denken wir nicht – so handeln wir nicht – das macht uns zu Betrachtern und so liest es sich entspannt.

Dann aber ist man auch schon in der Falle, denn man stellt fest, dass wir so fühlen, denken und handeln. Wir können nachvollziehen. Wir sehen Bilder aus dem Roman in unseren Städten – wir sehen Menschen aus dem Buch an den einsamen Kreuzungen unserer Straßen… sind das gar wir?

Dieses Buch ist eine große Falle… es ist ein Trick… und der wirkt verflucht gut. Wir lesen und denken tief. Das ist keine Schwarz – Weiß – Zeichnung, die vor uns liegt. Das Buch entfaltet seine Farbe im Leser!“

Die französische Kunst des Krieges – Keine schwarz-weiß Zeichnung

Jenni schildert eine Gesellschaft am Scheideweg. Franzosen mit tiefer innerer Angst vor Überfremdung. Soziale Konflikte, religiöse Unruheherde und die grausame Erkenntnis, dass die Kriege in den Kolonien aus Frankreich ein kolonialisiertes Land gemacht haben, behindern die freie Entfaltung.

Integration als Fremdwort – es gibt nichts zu integrieren und die Brennpunkte explodieren. Sind uns diese Bilder fremd? Führen wir nicht solche Diskussionen? Teilen Menschen in unserem Land nicht diese Ängste? Das Buch rückt im engsten Sinne an jedes Land dieser Welt heran. Es wird spürbar und jeden Tag fühlen wir in den Medien und auf der Straße, wie nah uns das Buch steht. Und jenseits dieser gesellschaftlichen Brisanz packte es uns in seiner schieren romantischen Wucht an den tiefsten nur denkbaren Gefühlen.

„Die französische Kunst des Krieges“ lebt von der poetischen Energie, die alle Zeilen des Romans zu einem großen Gemälde verbindet:

Victorien über seine Geliebte: „Sie ist genauso wie sie sich in meine Seele eingeprägt hat. Sie hat genau die Größe meiner Seele; oder meine Seele ist ihr Kleid, und ich bekleide sie vollkommen. Ihre Schönheit, die ich schon von fern erraten habe, hat auf mich gewirkt wie eine Vorahnung. Euridice, meine Seele, hier bin ich wieder, hier, vor dir. Euridice nahm in Victoriens Herz Platz, das genau auf ihre Maße zugeschnitten war.“

Überraschende Sätze in einem Buch über das Thema Krieg? Nein… es ist voller Zärtlichkeit als Gegengewicht zum Drama!

Eine Seele von einem Buch – Die französische Kunst des Krieges

Die Passivität und Distanz des Erzählers ließ uns den eigentlichen Protagonisten des Romans erfühlen. Victorien Salagnon ist Veteran. Erst Resistance-Kämpfer gegen das Nazi-Regime und später Soldat an allen französischen Fronten. Die Kunst des Krieges hat er gelernt wie kaum ein Zweiter und doch ist er ein künstlerisch geprägter Mensch, der seinen Abstand in der Malerei suchte. Tusche war sein Versteck, aus dem ihn der Erzähler herauszieht um seine Lebensgeschichte zu schreiben. Und in der Tusche liebt er wie kein Zweiter. Seine Zeichnungen werden zu Geschichten und diese Geschichten erzählen die dunkle Seite des Krieges, aber auch von der einen strahlenden Kraft, die ihn überleben ließ: LIEBE.

Jennis Erzähler wird zum Mittler zwischen seinen Lesern und Victorien Salagnon. Und keiner von Beiden wird das Buch unverändert verlassen!

Wäre die Anzahl der PostIts ein Maßstab für literarische Qualität, dann müssten wir hier von einem absoluten Meisterwerk reden. Wären die literatwoischen Gesprächsminuten zu diesem Buch ein Maßstab, dann müssten wir von einem Meisterwerk reden. Wären unsere Träume und täglichen Gedanken zu denen uns der Roman veranlasst hat ein Maßstab, dann müssten wir von einem Meisterwerk reden.

Victorien Salagnon – Die Tusche rettete seinen Geist und seine Liebe

Da jedoch ausschließlich unsere Gänsehaut, unsere Tränen und unsere Wut ein geeigneter subjektiver Maßstab sind, reden wir von einem Meisterwerk! Es ist eines – und im nächsten Artikel

Ein Gemälde aus Blut und Liebe

erzählen wir von der inhaltlichen Substanz, seiner Strahlkraft und der Dimension eines großen Gemäldes in Buchform!

Hier geht es weiter – Die französische Kunst des Krieges – Artikel 2

Ein irdisches Geleit – Zuhause bei Oda Schaefer

Die Jahre verschwimmen – Ein Besuch bei Oda Schaefer… ©AS

Suche du mich!
Finde du mich!
Bis ich dir wiederkehr
so federleicht,
Ist alles still und leer,
Was mir noch gleicht.

Oda Schaefer „Die Verzauberte“

Oda Schaefer – Plötzlich so nah ©AS

Ein sonniger Nachmittag hüllt uns mit wohliger Wärme ein, während wir doch Gänsehaut verspüren, als sich die Tür zu einer längst vergangenen Welt erstmals öffnet. So viele Zeilen von ihr haben wir gelesen, so viele Gedanken in Geheimen geteilt – so viel haben wir geschrieben und doch waren wir Oda Schaefer noch nie so nah wie jetzt.

Wir wollten so viel – wir wollten unmögliches und waren doch immer skeptisch, ob es uns gelänge. Eine Vergessene ins Bewusstsein bringen, eine Verlorene wiederfinden und einer Verstummten eine Stimme verleihen. Den anfänglichen Zweifeln gesellten sich schicksalhafte Fügungen an die Seite.

Wir fanden Menschen, die wussten, wo ihr Grab zu finden ist. Wir fanden Menschen, die sie kannten und ihr viel zu verdanken haben. Wir fanden Menschen, die gerade eine Magisterarbeit über sie schreiben und letztlich fanden wir den Erben und Nachlassverwalter von Oda Schaefer.

Als hätte sie noch eben hier geschrieben… Zeit verflüchtigt sich… ©AS

Und ebenjener Bewahrer Odas irdischer Schätze lässt uns ein und gibt uns Zeit… Zeit zu atmen, zu staunen und die Eindrücke wirken zu lassen, die auf uns einströmen. Unsere Artikel hat er gelesen und er weiß, was dieser Moment bedeutet. Ich muss mich setzen und fühlen. Die Zeit verschwimmt zu einer nicht mehr spürbaren Dimension und ich sitze an einem Schreibtisch, der so wirkt, als hätte Oda vor wenigen Minuten noch an ihren Werken geschrieben.

Manuskriptseiten, Briefe und Notizen, Fotografien und Bücher liegen zum Greifen nah und ich kann nicht anders. Ich muss die Zeilen berühren und ihren zeitlosen Geist ertasten. Oda so nah. So nah wie nie zuvor. Der Nachlass, den wir in dieser schwabinger Wohnung finden ist ein wahrer Schatz – greifbar jedoch unfassbar zugleich. Und während wir staunen und berühren, erzählt uns der Enkel Odas von seinen Erinnerungen an die Frau, deren leiblicher Enkel er nie war.

Seinen Vater hatte sie als ihren Sohn betrachtet – und ihn als ihren Enkel, den sie niemals haben sollte, da ihr eigen Fleisch und Blut im Krieg verschollen war. Bande, die niemals gelöst wurden und bis zum letzten Tag in Odas Leben hielten. Und weit darüber hinaus, wie wir an den liebevoll gehegten Artefakten ihres Lebens erfühlen können.

Eine Widmung… „Meiner lieben Mutter…“ ©AS

So lassen wir uns ein auf eine Oda Schaefer, die wir so bisher nicht kannten. Wir finden eine Tochter, die ihrer Mutter in aufrichtigen und zarten Zeilen ihre Bücher widmet. Wir sehen an den Manuskriptseiten die Akribie und Leidenschaft des Schreibens, spüren die vielen Schritte bis zum fertigen Gedicht. Selbst die abgedruckten Zeilen in ihren Büchern werden von ihr markiert und kommentiert. Nie zufrieden… ruhelos und von lyrischer Perfektion getrieben.. So war sie wohl.

Wir sehen Bilder einer stolzen Frau mit magischer Anziehungskraft und erfahren noch viel mehr von ihr. Die Trostlosigkeit einer Mutter, die ihren einzigen Sohn im Krieg verlor und die unendliche Kraft, die sie benötigte um ihren traumatisierten Ehemann Horst Lange nach dem Krieg nicht alleine zu lassen. Schmerzen, Erinnerungen und eine verletzte Seele veränderten ihn so sehr, dass es manchmal kaum erträglich schien.

Doch Oda blieb. Oda war da… Immer! Und sie schrieb sich die Seele aus dem Leib!

Eine stolze Frau – Ein verlorener Sohn – Ein traumatisierter Mann – Oda ©AS

Der Verlust der Heimat – die tiefen Erinnerungen an das vergangene Landgut Poll in Estland – die tief in ihr ruhende baltische Seele und die Wirrnisse des Schicksal ließen ihre Stimme reifen und veränderten ihre Lyrik. Wenige Dinge konnte sie retten, wenig greifbares blieb aus Poll – ein paar Mokkatassen, eine aus den Flammen gerettete Ikone – nicht viel mehr.

Heute diese Gegenstände berühren zu dürfen ist mehr als ein Privileg. Wir überwinden die Zeit und haben oft das Gefühl, mit Oda selbst zu plaudern. Oh ja, ich denke, sie hätte uns so viel erzählt und wir hätten sie so gut verstanden. Und doch wird uns bewusst, dass Oda nur noch in ihren Büchern lebt. Bücher die lange Zeit nicht mehr verlegt wurden und dem Vergessen ausgeliefert waren.

Bücher, die heute langsam wieder erscheinen. Zeitlos, magisch und strahlend sich aus der Asche erheben und die Stimme der Autorin in die Welt hinaus tragen. Lyrik basiert auf Erlebtem. Lyrik reift am Schmerz, sagt man so leichthin. Oda Schaefers Lyrik hat den Schmerz eines Lebens aufgesaugt und ihn, gewürzt mit der unendlichen Kraft einer kreativen Frau, in kraftvolle Poesie verwandelt.

Gerettet vom Landgut Poll… Oda Schaefers Mokkaservice ©AS

Ihr Lebenswerk legt Zeugnis ab – ungeschönt und doch so schön.

Wir wollten so viel. Wir wollten unmögliches. Und heute stehen wir an dieser Stelle und können in aller Bescheidenheit behaupten, dass wir viel erreicht haben. Das Interesse wächst. Bücher werden mutig gedruckt und die Resonanz bei den Lesern von Literatwo ist ungebrochen. Die Aufmerksamkeit, die unserem Projekt gezollt wird, ist der Schlüssel zum Wagemut von Verlegern, die uns deutlich sagen: „Wenn nicht jetzt, wann denn dann“…

Und bald endet auch unser Schreibwettbewerb „Wörterkränze für Oda Schaefer„. Ihr habt nicht nur gelesen… Wahrlich nicht. Viele Einsendungen haben uns gezeigt, wie sehr unsere Leser in die Welt Odas eingetaucht sind und in Form von ergreifenden Gedichten helfen, die Zeitlosigkeit der Poesie zu untermauern.

Bis zum 30. September sind die Tore noch geöffnet – schreibt für Oda und werdet Teil dieses Projektes.

Oda Schaefers Lebenswerk… als wäre sie nur auf Reisen ©AS

So wie wir Oda Schaefer erfühlt haben und so wie Clara Luisa Demar sie uns als ihren Mentor geschildert hat, wissen wir, wie sehr ihr an der Förderung junger Talente gelegen war. Unsere Idee, dem Gewinner unseres Poesie – Wettbewerbs einen Platz in einem Buch zu verschaffen, hätte ihr gefallen. Davon sind wir mehr denn je überzeugt.

Ihre Bücher sprechen eine deutliche Sprache und wir sind sehr stolz darauf, am Ende dieses Weges ein neues Gedicht in die Welt tragen zu dürfen. Teil einer Lyrik-Anthologie des Piepmatz Verlages zu werden heißt für uns, zeitlos zu werden und aktiv teilzuhaben am Prozess einer großen deutschen Lyrikerin den verdienten Tribut zu zollen.

Wir hätten Oda gerne davon erzählt. Wir saßen noch lange an ihrem Tisch, auf ihrem Sessel und hielten magisch anmutende Gegenstände in Händen. Irgendwie jedoch haben wir das Gefühl, dass wir gehört werden. Die Summe der Zufälle, die unser Schreiben über Oda begleitet ist derart ungewöhnlich, dass wir eben nur noch an schicksalhafte Fügung denken können.

Aus dem brennenden Haus gerettet – mehr als nur eine Ikone ©AS

Genau diese Fügung, die uns heute an diesen Ort geführt hat und uns erstmals mit dem Menschen Oda Schaefer konfrontiert. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie sympathisch sie uns auf Anhieb war. Warmherzig, energisch und bescheiden – so erzählt ihr Enkel, sei sie gewesen. Und dabei strahlt die Erinnerung so warm aus seinen Augen.

Die gleiche Fügung, die Ikonen aus brennenden Häusern rettet, Bücher bewahrt und Tassen von Poll nach München führt. Die Fügung, die uns einander wahrnehmen lässt und in der Erkenntnis verbindet, dass wir das Gedächtnis an eine Frau bewahren, die vom Leben oft so bitter geschlagen wurde und die doch immer wieder aufstand und ihr Leid in Kreativität zu wandeln vermochte.

Eine bibliophile Frau, deren größtes Glück nach dem Krieg es war, ein erstes Buch zu besitzen. Marcel Proust – eine wiedergefundene alte Liebe als Zeichen des Aufbruchs in ein neues Leben. Ein erstes Buch, das heute strahlend vor uns liegt und wir verstehen die Botschaft so deutlich, als würde Oda zu uns sprechen. Die Literatur hilft uns zu überleben. Damals wie heute.

Ein Neubeginn nach dem Krieg – Das erste Buch der neuen Bibliothek ©AS

Wir sind natürlich auch der Oda Schaefer in ihren letzten Jahren begegnet, sahen zum ersten Mal ein Foto von ihr, auf dem sie im Alter verschmitzt lächelnd in ihrem Wohnzimmer sitzt und fanden wertvolle Zeitdokumente vor. Das Notizbuch eines langen Lebens, in dem immer mehr Namen gestrichen waren. Die Last des Alters, wenn gute Freunde dahinscheiden und man letztlich fast alleine bleibt.

Wir fanden Zeugnisse ihres Schaffens und der Anerkennung, die ihr gezollt wurde. Die Medaille „München leuchtet“ leuchtet noch heute in ihrem Namen und die letzten Erinnerungen an ihren 1971 verstorbenen Ehemann liegen noch so, als hätte Oda sie gerade noch berührt. Eine Augenklappe, eine Erkennungsmarke und die Kreuze, die seinen Weg begleiteten. Ein großer Schriftsteller auch er – Horst Lange!

Mit dem letzten Bild dieses Artikels möchten wir euch nicht alleine lassen. Es sind Oda Schaefers letzte Worte – im Pflegeheim auf eine zerrissene Medikamentenschachtel geschrieben. Ein letzter Versuch zu dichten, bevor das Fenster sich schließt. Wir zitieren aus der uns vorliegenden Rede am Grab, die jener Mann hielt, den sie wie ihren Sohn liebte. Worte auf dem Waldfriedhof München am 8. September 1988. Worte voller Liebe und Zuneigung… Wir sind dankbar, dass wir sie an dieser Stelle exklusiv veröffentlichen dürfen!

Ein Notizbuch – München leuchtet – letzte Zeichen eines langen Lebens ©AS

Zwei Wochen vor ihrem Tod sagte sie, sie wolle sanft entschweben in die Ewigkeit, ihre Seele bleibe hier. Am Tag danach hatte sie wieder einen fast euphorischen Auftrieb, erzählte sie mir, dass sie Fontane lese, „Meine Kinderjahre“, erzählte das Gelesene und noch Anekdotisches aus ihrer Berliner Zeit, voll Humor bis zuletzt.

Aber dann ließen ihre Kräfte rasch nach, und am Ende erfüllte sich ihr Wunsch.

Oda Schaefer entschlief, entschwebte am Sonntagnachmittag zwölf Uhr, frei von Schmerzen. Ein milder Tod holte sie, der das Leben keine Milde brachte.

Erst wenn du zweifelst
kommen die Engel

heißt es in einem ihrer Verse. Ihre Seele bleibe hier, sagte sie. Ihre Seele ist gegenwärtig in ihren Gedichten.

Es ist so weit… Letzte Worte… Oda Schaefer ©AS

Immer war ich.
Immer werde ich sein.
In welcher Gestalt auch,
oder gestaltlos, Geist

Auch nach dem Tode:
Immer werde ich sein.
Immer bin ich,
Ich bin immer.

Oda Schaefer

Das Auge für Oda Schaefer- Alle Fotos made by PATH (Peter Helbig) ©AS

PATH – Peter Helbig – Projektfotograf

PATH – Peter Helbig – Projektfotograf – Ein Portrait

Im Portrait: PATH – Peter Helbig – Distanz schafft Nähe und Nähe lässt Distanzen verschwinden – Ein Projektfotograf

Ein Blog lebt nicht vom Wort allein und Literatwo ist dafür bekannt, alle Artikel mit bildgewordenen Impressionen eines Leseweges zu untermalen. Es ist immer ein besonderer Moment, wenn das Kopfkino des Buches zu einem richtigen Bild oder einer Collage wird und die Gedankensamen des Autors auf einen Blick zum Erblühen bringt.

Besondere Projekte erfordern jedoch oftmals mehr, als wir selbst fotografisch zu leisten vermögen. Mehr als stolz sind wir darauf, bei solchen ausgewählten Anlässen einen richtigen Profi an unserer Seite zu haben und von „unserem“ Teamfotografen Peter Helbig begleitet zu werden. PATH – der Weg zum individuellen Bild – nichts trifft es besser, nichts erklärt präziser, was er mit seinen Fotografien erzeugen kann und unsere bisherigen gemeinsamen Projekte leben in einer perfekten Symbiose aus Wort und Bild.

Es wird Zeit, euch diesen Künstler mit Kamera ein wenig intensiver vorzustellen, damit auch ihr euch ein Bild von ihm machen könnt und erkennt, wo die wahren Unterschiede zwischen Profi und dem Rest der fotografischen Welt liegen.

Peter Helbig – eine Philosophie

Respekt – Distanz – Sympathie – PATH

Momente zu unvergesslichen Erinnerungen werden zu lassen – Motive mit blühendem Leben zu erfüllen – Projekten ein einzigartiges Gesicht zu geben – ein Bild niemals als perfekt zu betrachten, sondern selbst aus dem besten Ergebnis noch lernen zu wollen – dem Menschen in jeder Situation gerecht zu werden, ohne Weglassung, Beschönigung oder Retusche… einfach die Wahrheit der Aufnahme zu zelebrieren… Diese wenigen Sätze können das Mantra von Peter Helbig kurz, aber in aller Deutlichkeit skizzieren.

Wir wissen, wovon wir reden, da wir ihn in verschiedenen Situationen bei seinem kreativen Schaffen erleben durften:

PATH – Eventfotografie

PATH und seine Intuition… Distanz gewähren… Nähe gewinnen…

Peter Helbig und der rote Teppich wurden während der Corine Preisverleihung 2010 keine guten Freunde. Sich gegenseitig um die besten Plätze beneidende, sich mit Ellenbogen beharkende, laut schreiende und um Aufmerksamkeit heischende Szenefotografen schienen eine deutlich abschreckende Wirkung auf unseren Begleiter bei dieser VIP-Veranstaltung zu erzeugen. Wie von einem inneren Instinkt geleitet, suchte er sich einen Platz weit ab vom Geschiebe und Gedränge – weit ab von der Künstlichkeit der prominenten Posen – weit weg von aufgesetztem Kameralachen und weit ab von jener hochglanzkultivierten Blitzentblößung bekannter Persönlichkeiten.

Er wahrt Distanz und gewährt den portraitierten Menschen die Freiheit, sich seinen Blicken zu nähern und mit seiner Kamera zu flirten. Ein Bild reicht ihm aus – ein freundliches Nicken als Dank und die gesenkte Kamera als Zeichen des „Loslassens“ – selten habe ich erlebt, wie Schauspieler und Autoren es so genossen haben, fotografiert zu werden.

Der Szenefotograf und ein Idol: Herlinde Koelbl und Peter Helbig

Dieser Respekt inmitten dieses fotografischen Dauerbeschusses wirkte auf Prominente wie eine wohltuende Oase, in der sie SEIN durften. Das Ergebnis… sehenswert. So ließ sich die weltberühmte Fotografin Herlinde Koelbl mehr als gerne mit Peter Helbig ablichten! Wohl der einzige Fotograf des Abends auf einem Bild mit ihr! Distanz schafft Nähe… PATH

PATH – Projektfotograf

PATH und das Zoobuch – Eine Projektstudie der besonderen Art

Das Spiel mit der Unschärfe – die Liebe zum Detail – die Fähigkeit, Szenen ins Bild zu setzen und nicht zu gestalten – die Begabung mit der Kamera zu verschwinden, um schier unbemerkt die Natürlichkeit des Moments zu bewahren… all dies waren die Charakteristika seines Wirkens bei unserem legendären Flamingoprojekt. Die Entstehung eines Buches in Form einer modernen Werkstudie war unser Ziel. Ein lebendiges Projekt voller Erinnerungen lebt durch seine Bilder in allen Beteiligten weiter.

Die Atmosphäre vom ersten bis zum letzten Tag des Projektes lässt sich in Worte allein nicht fassen. Ohne seine Bilder hätten die Flamingos den Boden niemals verlassen.

Julia Strauss – Autorin des Zoobuches – Ein PATHbild…

Fußnote: Die Buchmesse in Frankfurt konfrontierte die Autorin des Zoo-Buches mit einem eher typischen Pressefotografen. Sie schleppte Flamingos von A nach B, posierte geduldig mit Buch und platzierte sich überall dort, wo der Fotograf der Meinung war, ein Klasse-Bild machen zu können.

Das Ergebnis war ein Pressebild – nicht mehr. Die entspannte, stolze, in sich ruhende Autorin Julia Strauß in der Blüte ihrer Kreativität – die zeigt nur Peter Helbig…. PATH

PATH – Illustrator großer Worte

Tolstoi und PATH – Große Worte – Große Fotografie

Leo Tolstois 100. Todestag war Anlass für uns, eine große Retrospektive über das Schaffen dieser Legende entstehen zu lassen. Eine der Ideen dieses Projektes war es, bekannte Zitate des russischen Autors mit aktuellen Fotografien zu untermalen, sodass die Worte durch die Aussage des Bildes vertieft, aktualisiert und noch greifbarer werden.

Bilder als Symbole… mehr ist über das Ergebnis nicht zu sagen. Jedes Wort wäre genau das eine zuviel. PATH

PATH – journalistischer Interviewpartner

PATH im Interview mit Anja Bohnhof zu „Die Stadt der Bücher“

Anerkannte und prominente Fotografen durch Interviewfragen hinter der Kamera hervorzulocken – ihnen praxistaugliche Aussagen zu traditioneller und moderner Fotografie zu entlocken und auch im Interview eine Atmosphäre der respektvollen Augenhöhe entstehen zu lassen… auch dies eine der wichtigen Seiten eines Fotografen, der sich selbst kritischer betrachtet als jeder Kritiker. Aus der Arbeit von Kollegen zu lernen, ihnen Bewunderung zu zollen und sich selbst Schritt für Schritt weiterzuentwickeln – auch das steht für PATH wie das Interview mit Anja Bohnhof zum Buch Die Stadt der Bücher deutlich zeigt.

PATH – unser Partner auch in der Zukunft

Wieder Leben einhauchen… PATH und der Nachlass von Oda Schaefer im Dialog

Oda Schaefers Nachlass exklusiv für uns und auch für die Öffentlichkeit ins Bild zu setzen – niemandem hätten wir diese Aufgabe anvertraut und ohne ihn hätten wir nie den Schritt gewagt, uns den Schätzen Odas überhaupt anzunähern. Auch hier wird seine Kunst Bestand haben, zeitlos sein und Gegenstände der Vergangenheit mit neuem Leben füllen.

Seine Intuition kann Gegenstände zum Leben erwecken und festhalten, was längst verloren schien. Keine Überraschung also, dass wir gemeinsam weitermachen und uns alle erdenkliche Mühe geben, seinen Bildern den Text zur Seite zu stellen, den sie sich verdienen.

PATH – Ein Bild von einem Fotografen – das menschliche Auge mit analoger Philosophie und digitaler Präzision. Distanz schafft Nähe und genau diese Nähe lässt Distanzen verschwinden.

Gemeinsam in die Zukunft – Literatwo & PATH