„Das Blaue Pferd“ von Franz Marc… mit anderen Augen…

Das Blaue Pferd - mit anderen Augen

Das Blaue Pferd – mit anderen Augen

Keine Sorge…. Ich schreibe heute bestimmt nicht über Gemälde, Expressionismus, moderne Kunst im weitesten Sinne oder liefere gar neue Interpretationsansätze zum großen Lebenswerk von Wassily Kandinsky oder Franz Marc. Echt keine Sorge.

Ich schreibe nach wie vor über Literatur – ich schreibe über Bücher und was sie manchmal mit ihren Lesern anstellen, was sie verursachen und wie sehr man oftmals an seine Grenzen stoßen kann – besonders, wenn man es sich zur Angewohnheit gemacht hat, vieles nur noch gemeinsam zu lesen. Es dann auch gemeinsam zu fühlen, zu denken, zu träumen und zu erleben.

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts von Florian Illies hat sehr viel Wärme in unsere kleine Villa gebracht. Eine (auch für unsere Verhältnisse) große Artikelwelle hat das gemeinsame Leseerlebnis in uns losgetreten und wir haben euch Postkarten aus einer längst vergangenen Zeit geschickt. Wir waren auf dieser Zeitreise sehr froh, dass ihr bei uns wart.

Verwunschene Bilder haben wir euch gezeigt und auch von den kleinen und großen Begegnungen berichtet, die wir diesem Buch zu verdanken haben. Stundenlang haben wir uns darüber unterhalten und geträumt, was wir in diesem Jahr getan hätten, wo man uns hätte suchen müssen und ob wir uns überhaupt gefunden hätten. Gedankenspiele….

Kein anderes Bild sitzt so tief...

Kein anderes Bild sitzt so tief…

Kein anderes Bild aus diesem Buch hat sich so tief in uns verankert, wie jene Blauen Pferde von Franz Marc, die schon fast zur Metapher für dieses Jahr wurden… zumindest für uns. Seiner lieben Freundin Else Lasker-Schüler malte er den „Turm der blauen Pferde“ auf eine Postkarte… eine mehr als persönliche Widmung. Konnte er da ahnen, dass sein originales Gemälde einst in den Kellern von Hermann Göring hängen würde…? Gestohlen von einer Nazi-Größe – und dies unter dem Vorwand, es sei „entartete“ Kunst. Verschollen und nie wieder aufgetaucht nach dem Krieg und das einzige Zeugnis, das geblieben ist… jene Postkarte… Konnte Franz Marc dies ahnen?

Konnten wir ahnen, dass uns diese kleinen Geschichten zu „Blauen Reitern“ machen würden, da uns ein Bildersturm erreichte, der vom Blättern der Buchseiten entfacht wurde? Wir lernten die Menschen kennen und dadurch lernten wir ihre Bilder lesen. Sie waren offen wie ein Buch. Doch wir kannten sie nur aus Büchern…. Die Originale, soweit nicht verschollen, hatten wir zuvor noch nie gesehen. Wozu auch… blind, wie wir waren!

An einer Litfaßsäule führt mich mein Morgenweg vorbei, wenn ich in München zur Arbeit fahre. Ungelogene 20 Minuten verharrte ich vor ihr, da ich etwas sah, was ich nicht erwartet hatte. Ein Blaues Pferd schaute mich an und der Text auf dem Plakat verwies auf die Neueröffnung des Lenbachhauses. Nach Jahren wieder zugänglich und im Neubau, so hieß es, erstrahlte jenes legendäre Blaue Pferd von Franz Marc im einzigartigen natürlichen Licht der lichtdurchlässigen Dachkonstruktion.

Ungeduld macht sich breit - ich muss dorthin...

Ungeduld macht sich breit – ich muss dorthin…

Ungeduld machte sich breit und Unruhe verschaffte sich Raum… ich musste dorthin… so schnell wie möglich. Als schien dieses Pferd auf mich zu warten blieb mir keine andere Wahl, und am zweiten Tag nach Neueröffnung des Kunsthauses reihte ich mich in eine hunderte Meter lange Schlange ein, um im strömenden Regen auf Einlass zu hoffen.

Und obwohl ich unter vielen Menschen war, so war ich doch allein. Diejenige, mit der ich zum Blauen Reiter wurde und mit der ich das Blaue Pferd lesen lernte, war nicht da. Und doch war genau dieser Mensch in diesen Stunden tief bei mir. Ein ganz eigenartiges RAUM-Zeit-Kontinuum, in dem ich mich bewegte.

Nicht mit meinen Augen wollte ich die Galerie betrachten. Nicht gänzlich alleine wollte ich mich dem Augenblick stellen, dem ich so sehr entgegenfieberte. Nicht allein für mich durchschritt ich die Pforten der alten Künstlervilla. Ich fühlte mich im Dialog mit Bianca vertieft, nach unserem Weg suchend – so wie immer.

Bildersturm - Bilderfluten

Bildersturm – Bilderfluten

Eine von der Decke tropfende magische Lichtkonstruktion hielt uns bereits im Eingangsbereich gefangen und während ich schnell weiter strebte vernahm ich nur ihr „Langsam Arndt… lass es uns genießen…“ – und ich genoss. Und doch – und auch mit anderen Augen gesehen, und gerade weil mit anderen Augen sehend – musste ich weiter.

Eine Treppe nach oben… ein Schriftzug „Der Blaue Reiter“ und ein ganz besonderes Licht – all dies zog mich (zog uns) magisch an.

Bildersturm – Farbenpracht – Formenwahn – all dies rauschte an mir vorüber… im ersten Moment wie ein Film wahrgenommen – Zeitraffer… ich musste weiter… ich war verabredet. Im Gehen versprach ich den Klees, Mackes, von Stucks und Kandinskys meine Rückkehr. Hoch und heilig versprach ich dies… aber mein Weg war programmiert.

Eine Tür noch… eine einzige…

Hallo.... es wurde auch langsam Zeit...

Hallo…. ich habe mehr als hundert Jahre gewartet…

Ich schritt hindurch… ein tageslichtheller Raum… ein schwarzer Holzrahmen… und ein majestätisch wirkendes, in den schillerndsten Blautönen strahlendes, futuristisch verformt gemaltes Blaues Pferd erhob sich mir gegenüber. Den Blick zur Seite gewandt, mich mit einem Auge fixierend schien es zu sagen: „Wird aber auch Zeit – ich habe mehr als hundert Jahre darauf gewartet.“

Ganz nah stand ich ihm gegenüber. Auge in Auge und unfassbar berührt von der Magie des AugenBlicks – im wahrsten Sinne des Wortes. Am Ziel… endlich. In der Nähe… eine Sitzgelegenheit… mit feinem dunklen Leder bezogen… verweilen um zu schauen – genau dafür schien sie wie geschaffen. Ich nahm Platz, öffnete meine Tasche, griff hinein und hielt ein Buch.

„1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“ hatte mich begleitet, hatte uns begleitet und ich begann tief versunken zu lesen. Von Franz Marc und Else Lasker-Schüler – von Reisen und Gemälden – von der Stimmung dieses Jahres – von seinen Menschen. Und immer wieder schaute ich auf und wusste, dass mir jenes Blaue Pferd auf seine eigene Art und Weise erzählte… liebevoll und zart legte es in diesem Moment Zeugnis einer Epoche ab. Und es sprach von Franz Marc, der es in zartem Pinselstrich erschaffen hatte.

Lies bitte weiter...

Lies bitte weiter…

Und immer, wenn ich ins Stocken kam, schien mich eine unsichtbare Hand zu berühren und ich hörte nur die Worte „Lies bitte weiter“… und ich las. Ich genoss und las… und ich bewunderte, betrachtete, saugte auf. Ein Moment für die Ewigkeit, den ich im Angesicht eines Gemäldes niemals erwartet hätte.

Ein letzter Blick und ein noch einzulösendes Versprechen… Ich musste irgendwann weiter. An erstaunten Menschen vorbei, die sich wunderten, warum man ausgerechnet in diesem Bilder-Raum lesen musste. Belächelt… angelächelt… und doch unverstanden fühlte ich mich ein wenig… vielleicht so unverstanden, wie einst Franz Marc.

Mit anderen Augen verließ ich den Saal. Ich hatte gesehen – wir hatten gesehen, gefühlt, gelesen, erlebt – gemeinsam – so wie immer. Ich habe mein Versprechen gehalten. Ich begegnete anschließend Kandinsky, Klee, Macke und vielen mehr. Lange verfiel ich der Erotik von Stucks Salome. Selbst Joseph Beuys habe ich einen Besuch abgestattet (aber glaubt mir, das ist eine andere Geschichte)…

Ein letzter magischer Blick zurück... Bilderwucht

Ein letzter magischer Blick zurück… Bilderwucht

Warum ich dies heute schreibe? Ganz einfach… ich wollte es nicht erzählen. Die Eindrücke mussten sich tief verinnerlichen und dann erst kamen die Worte. Mit anderen Augen wollte ich aus meiner Sicht nur für Deine Augen schreiben… und Dir mit diesem gemeinsamen Besuch auch im Namen des Blauen Pferdes alles Liebe zum Geburtstag wünschen. Blaue Reiter – literarische Kavallerie!

Für Bianca… 160513 (und das Pferd müsste inzwischen bei Dir sein)!

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc... Ein Klick reicht...

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc… Ein Klick reicht…

Es geht weiter: „1913 – Was ich unbedingt noch erzählen wollte„. Die Vorschau.

To be continued…

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Verwunschene Bilder

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts - Zeitlose Schönheit

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Zeitlose Schönheit

Bücher kommen und gehen. Einige werden zu ständigen Wegbegleitern eines langen Leselebens, während andere lediglich wie Sternschnuppen am literarischen Firmament aufleuchten (bei ihnen kann man sich zumindest etwas wünschen – und wenn es bessere Bücher sind). Die besondere Nachhaltigkeit eines Buches zeigt sich dann, wenn man als Leser immer wieder an seinen Inhalt oder seine Leitidee erinnert wird.

In diesem Jahr hat sich wohl kein anderes Buch so sehr in unseren Gedankenwelten verankert, wie 1913 – Der Sommer des Jahrhunderts von Florian Illies. Die Bestsellerlisten hat das farbige Kaleidoskop einer längst vergangenen Zeit schon lange erobert und sich dort beharrlich auf dem ersten Platz behauptet. Eine Entwicklung, die wir bereits im Januar erkannten. Dieses Buch ist etwa ganz besonderes – es hat diesen Platz mehr als verdient.

Wir haben keine normale Rezension zu 1913 verfasst. Wir haben uns auf eine Zeitreise eingelassen und unseren Lesern Ansichtskarten von den Orten geschickt, die wir im Buch besuchen durften. Wir haben Grüße hinterlassen und von den Menschen geschrieben, die wir ohne Florian Illies wohl niemals kennen gelernt hätten. Vom „Blauen Reiter“ über Gustav Klimt bis hin zu Rainer Maria Rilke… viele Legenden kreuzten unseren Weg, nicht ohne neue und bisher unbekannte Eindrücke zu hinterlassen.

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts - Mehr als eine Rezension

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Mehr als eine Rezension

Unsere Reise war nach dem Lesen nicht beendet. In memoriam Else Lasker Schüler haben wir auch Wochen später noch Postkarten geschrieben, als uns an bestimmten Tagen das Lesen einholte und wir an den Jahrestagen ihrer Geburt oder ihres Todes erneut und sehr lebhaft an diese Menschen erinnert wurden. Unsere Reise mit Florian Illies scheint auch heute noch nicht beendet.

Neben den Prominenten jenes Sommers kurz vor Ausbruch der Jahrzehnte der Kriege hat er uns mit den kleinen und scheinbar unbedeutenden Menschen bekannt gemacht, die diesem Jahr so sehr ihren eigenen Stempel aufgedrückt haben. Wir mussten recherchieren und lesen, Fachbücher konsultieren und in Archiven versinken, weil Illies uns neugierig gemacht hat auf die Randbemerkungen seines faszinierenden Buches.

Eine unserer ersten Postkarten handelte von jenen „verwunschenen Bildern“ aus den Anfangstagen der Fabfotografie. Florian Illies machte uns zu Zeugen der kleinsten Banalitäten dieses Jahres und verdeutlichte damit, dass es nicht wirklich Banalitäten waren – sondern vielmehr Pionierleistungen, deren Wert erst heute geschätzt werden kann.

1913 - Christina - Es bleiben mehr als Bilder

1913 – Christina – Verwunschene Bilder

Die Fotografien eines britischen Colonels, der seine Tochter in zeitlos schönen Bildern am Strand für die Ewigkeit festhielt, wurden nur in einem Nebensatz erwähnt… Aber genau dieser ließ uns zu einer Suche nach ebenjenen Bildern aufbrechen und wir waren mehr als erstaunt, als wir das Ergebnis unserer Recherche vor Augen hatten. Ein Soldat, der wenig später die von ihm mitentwickelten Flugzeuge in die Schlachten des Ersten Weltkrieges warf, gönnte sich in jenem Sommer des Jahrhunderts ruhige Mußestunden am Strand und experimentierte mit seiner Idealvorstellung von Fotografie.

Die Bilder von Christina am Strand strahlen nicht nur eine geradezu majestätische Zeitlosigkeit aus, sie machen dieses junge Mädchen für alle Epochen dieser Welt unsterblich. Die Wahl ihrer Bekleidung allein ist in den frühen Jahren der Farbfotografie Grundlage für diesen emotionalen Meilenstein. Rot… erst seit kurzer Zeit war man in der Lage, diese Farbe zu reproduzieren, aber genau bis zu diesem Zeitpunkt war es niemandem gelungen, dies auf solch beeindruckende Art und Weise zu realisieren.

Christina am Strand… unfassbar schön… unfassbar selten ein solcher Moment unvorstellbarer Ruhe im Einklang mit sich und seinem Leben. Man fühlt diese Bilder – man glaubt, die anbrandenen Wellen an der Küste von Dorset hören zu können und man spürt förmlich den Stolz des Vaters, der seiner Tochter ein visuelles Denkmal setzt. Es sind zugleich Traumbilder eines friedlichen Europas, das niemals zu Ende gehen mag. Diese Fotografien sind ein Traum und man findet sie immer wieder, wenn man über die schönsten Fotos in der Geschichte dieser Kunstrichtung spricht.

1913 - Bilder von unglaublicher Schönheit

1913 – Bilder von unglaublicher Schönheit

Im Jahr 2002 hat Christina sogar den Sprung auf ein Buchcover geschafft und damit der Zeitlosigkeit der Bilder das literarische ewige Leben als zusätzliche Dimension hinzugefügt. Zweifach unsterblich – und alles begann an einem schönen Tag des Jahres 1913 in Dorset.

Und doch umgibt diese Bilder und auch die späteren Portraits jenes Mädchens ein großes Geheimnis. Egal wo man sie findet, sie werden als Bilder der Tochter des Lieutenant Colonels Mervyn O’Gorman, jenes begnadeten Fotografen, gekennzeichnet. Auf den zweiten Blick jedoch kommen Zweifel auf, da weder Familienstammbaum noch offizielle Dokumente belegen, dass jener Flug- und Fotopionier überhaupt Kinder hatte. Alle Nachforschungen enden bei ihm und seiner Frau. Von einer Christina ist nirgendwo die Rede. Zumindest nicht als leibliche Tochter.

Wem also hat Mervyn O’Gorman hier wirklich ein Denkmal gesetzt – wer schaut ihn so erfüllt voller Zuneigung und Zärtlichkeit an – wer ist dieses Wesen, das nicht von dieser Welt zu sein scheint? Wir werden dies niemals ergründen können… es bleiben nur die Bilder… es bleibt nur der endlos tiefe Blick in die endlosen Weiten des Firmaments. Es ist eine Hommage an die Schönheit und die Unbeschwertheit der Jugend… es ist Wehklagen in der Vorahnung der aufziehenden Konflikte, in denen die Zukunft dieser Jugend nachhaltig vernichtet wurde.

Christina - Wie ein Bild zum Cover wird...

Christina – Wie ein Bild zum Cover wird…

Wir setzen uns an den Strand von Lulworth Cove und beobachten die Menschen in unserer Nähe beim gemütlichen Picknick, auch wenn wir nicht hören, worüber sie sprechen. Wir wollen auch nicht indiskret sein und alles wissen. Und plötzlich sehen wir den Mann mit dem Mädchen zum Wasser gehen. Sie flüstern einander Geheimnisvolles zu und er hebt die Kamera.

Die Erde bleibt stehen… sie dreht sich nicht mehr… Christina hat sie für einen Moment angehalten und blickt uns an, als wüsste sie, aus welchem Grund wir ihren Spuren gefolgt sind. Liebe Grüße aus dem Sommer des Jahrhunderts. Passt auf euch auf. Wir schreiben euch mal wieder aus dem Jahr 1913, aber jetzt bleiben wir noch ein wenig hier. Dieser Moment will genossen werden… in aller Tiefe.

Eure Literatwos
Dorset 1913

PS: Wenn ihr weitere Postkarten aus dem Jahr 1913 lesen möchtet, dann klickt einfach das letzte Bild an. Es ist voller Erinnerungen.

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc... Ein Klick reicht...

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc… Ein Klick reicht…

Vorfreude: „1913 – Was ich unbedingt noch erzählen wollte„. Die Vorschau.
Die Reise geht weiter: „1913 – Was ich unbedingt noch erzählen wollte

To be continued…

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – In memoriam Else Lasker-Schüler

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts - Else Lasker-Schüler

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Else Lasker-Schüler

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts von Florian Illies schwingt deutlich nach in unseren Herzen. Viele Ansichtskarten haben wir euch von unserer Reise in dieses mehr als faszinierende Jahr geschickt. Und von unseren Erinnerungen zehren wir noch jetzt. Besonders heute.

Eine dieser Karten machte uns zu Blauen Reitern auf Blauen Pferden. Sie war an Else Lasker-Schüler adressiert und stammte von ihrem guten Freund Franz Marc. Else selbst war 1913 fast mittellos und auf die Unterstützung der Menschen angewiesen, die ihr am nächsten standen. Allesamt Künstler – allesamt später weltbekannt. Marc, Kandinsky, Kokoschka, Kirchner und ganz besonders Gottfried Benn.

1913 trafen wir auf eine Frau, die als die bedeutendste Expressionistin ihrer Zeit galt und mehrere große Künstler durch ihre Gedichte inspirierte. Die Kunst des 21. Jahrhunderts wäre ohne sie nicht dort, wo sie heute steht. Franz Marcs Pyramide der blauen Pferde, die er auf die Karte an sie malte, ist das einzige originale Zeugnis für das später verschollene legendäre Gemälde.

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts - Eine Reise in die Zeit

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Eine Reise in die Zeit

Florian Illies vertraute uns in seinem Buch (inzwischen auf Platz 1 der Sachbuch-Bestsellerlisten) ein großes Geheimnis zum Leben von Else Lasker-Schüler an. Wir werden es hier nicht verraten – nur soviel: Wenn wir wirklich durch die Zeit reisen könnten, dann würden wir versuchen, am 17. Februar 1913 im Münchner „Neuen Kunstsalon“ anwesend zu sein. Freunde der großen Dichterin versteigerten an diesem Tag zu ihren Gunsten einige gestiftete Ölgemälde. Wenn man jetzt aber weiß, wer zu ihren Freunden zählte, dann kann man ermessen, dass der Erlös von 1600 Reichsmark schon damals einen kläglichen Betrag darstellte. Die versteigerten Werke würden heute einen Wert von 200 Millionen Euro erzielen…. Aber auch das ist Geschichte… Vergangenheit… Nur noch Gedanken…

1913 spacer u

Heute vor 68 Jahren, am 22. Januar 1945 starb Else Lasker-Schüler in Jerusalem. Als deutsch-jüdische Schriftstellerin für staaten- und schriftenlos erklärt, emigriert – exiliert. Ruhe fand sie nie, da ihr Grab im Zuge des Sechstagekrieges zerstört und verlegt wurde. Ihr Grabstein befindet sich heute wieder dort, wo sie einst die letzte Ruhe finden wollte – auf dem Ölberg zu Jerusalem.

Ihr großer Wunsch erfüllte sich jedoch nie:

„Ich suche allerlanden eine Stadt, 
Die einen Engel vor der Pforte hat. 
Ich trage seinen großen Flügel 
Gebrochen schwer am Schulterblatt 
Und in der Stirne seinen Stern als Siegel!“ 

Literatwo verneigt sich…

Reiseandenken aus dem Sommer des Jahrhunderts - 1913 - Florian Illies

Mit einem Klick zu den verwunschenen Bildern aus dem Jahr 1913

Franz Marc hat uns zu „Blauen Reitern“ gemacht und Florian Illies war hierbei mehr als ein Steigbügelhalter. Uns haben diese Gedanken nachhaltig beschäftigt und der Höhepunkt in der Auseinandersetzung mit diesem grandiosen Buch war unser Besuch im Münchner Lenbachhaus. Wir begegneten dem „Blauen Pferd“ und hatten ein Buch dabei… Welches wohl… 😉

Ein Klick genügt... mit Literatwo zum Blauen Pferd

Ein Klick genügt… mit Literatwo zum Blauen Pferd

Und zum Abschluss dieses besonderen Zyklus` ein letzter Besuch bei Franz Marc:

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc... Ein Klick reicht...

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc… Ein Klick reicht…

Vorfreude: „1913 – Was ich unbedingt noch erzählen wollte„. Die Vorschau.
Die Reise geht weiter: „1913 – Was ich unbedingt noch erzählen wollte

To be continued…

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Die Reise in ein besonderes Jahr

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts - Reiseandenken

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Reiseandenken

„Wenn Jemand eine Reise thut,
So kann er was verzählen;
Drum nahm ich meinen Stock und Hut
Und thät das Reisen wählen.“

(Matthias Claudius)

1913 spacer u

Auch Literatwo hat sich dem Reisen verschrieben – zumindest einer ganz besonderen Form der gedanklichen Fernreise. Hand in Hand mit Schriftstellern aller Genres reisen wir in und durch die Zeit, erkunden Epochen der Weltgeschichte, Gegenwart oder Zukunft und versuchen unsere Gedanken bei diesen Ausflügen mit Impressionen und Bildern anzureichern. Von jeder dieser Reisen kehren wir ein wenig verändert zurück. Jedes Mal mit Gedanken im Gepäck, die wir zu Beginn der Reise gar nicht eingepackt hatten. Bereichert.

Das war auch unser Ziel, als wir uns entschlossen, genau 100 Jahre zurück in die Vergangenheit zu reisen. Florian Illies hatte uns verheißungsvoll in das Jahr „1913“ und damit in seinen „Sommer des Jahrhunderts“ eingeladen. Was er damit meinte, war uns schon klar, als wir unsere Vorbereitungen trafen – es war wohl das letzte jungfräuliche Jahr des 20. Jahrhunderts.

Ein Jahr an der Schwelle zum Ersten Weltkrieg und damit wohl der letzte wärmende Sonnenstrahl auf dem Leben der Menschen, die dieses Zeitalter erleben durften… oder mussten…

Der Sommer des Jahrhunderts - Literatwo ist tief im Jahr 1912+1

Der Sommer des Jahrhunderts – tief im Jahr 1912+1

Wir wollten dabei sein – wir wollten das Gefühl aufsaugen und die Stimmung atmen. Wir wollten Teil der Aufbruchsstimmung werden, die am Ende dieses magischen Jahres 1913 mit einem kollektiven Bremsmanöver an die Wand der Weltgeschichte gefahren wurde. Unsere Truhe war sehr schnell gepackt. Zeitgenössische Bekleidung und ausreichend viele Schreibutensilien sollten uns begleiten. Wie sollten wir auch sonst von dieser besonderen Zeitreise Zeugnis ablegen?

Wir wollten schreiben – Postkarten an unsere Leser sollten ein Jahrhundert überbrücken und später auch uns dabei helfen, die vielen Erinnerungen chronologisch zu archivieren.

Wir sind noch unterwegs und verweilen nur kurz in unserem kleinen Arbeitszimmer und bestaunen die Ansichtskarten, die auf unserem Sekretär liegen. Nicht nur sie haben ihren Weg zu uns gefunden. Auch Fotos, Karten und Kunstdrucke aus dieser längst vergangenen Zeit zeugen von unseren Erlebnissen. Wir träumen schon jetzt davon, eines Tages ganz gemütlich vor dem Kamin zu sitzen und uns darüber zu unterhalten, wen wir wo und wann kennenlernen durften.

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts - Blaue Pferde, blaue Reiter

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Blaue Pferde, blaue Reiter

Florian Illies hat uns nicht zu viel versprochen. Er ist ein genialer Reiseleiter, weiß von jeder prominenten Persönlichkeit Faktisches und Anekdotisches zu berichten – und von Menschen, die erst in späteren Jahren zur Prominenz gelangen weiß er manchmal Dinge, die sich uns bis zum heutigen Tage gänzlich entzogen haben. Wir werden von Kapitel zu Kapitel reicher – von Monat zu Monat hellsichtiger und am Ende jenes Jahres werden wir wohl vieles verstanden haben, was sich uns bisher niemals so gezeigt hat, wie auf dieser Reise.

Wir begegnen Menschen, die uns viel bedeuten. Gustav Klimt, Ernst Jünger und Thomas Mann laden uns freundlich ein und wir erfahren von ihren Ängsten, Neigungen und Leidenschaften. Deshalb haben wir es auch nicht gewagt, uns von Klimt porträtieren zu lassen (das alte Ferkel)! Wir liegen unversehens auf der Couch von Siegmund Freud und ahnen langsam, wer von uns den größeren Knall hat. Wir werden Zeuge von der Abreise Albert Schweitzers nach Afrika und hören das magische Wort Lambarene die Runde machen.

1913 - Der Sommer des Jahrhunderts - Begegnung mit Gustav Klimt

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts – Begegnung mit Gustav Klimt

Wir beginnen zu verstehen, warum es schon damals mehr als schwierig war, mit Franz Kafka zurechtzukommen und machen uns täglich Sorgen um den Gemüts- und Gesundheitszustand von Rainer Maria Rilke. Und wir sehen in der Ferne des Horizonts aus Serbien eine Kriegsgefahr auftauchen, die wohl niemand so richtig ernst nehmen möchte.

Und schließlich treten wir in einen Kreis von Menschen ein, die uns bisher nicht viel gesagt haben. Teils durch Unverständnis, teils durch Ignoranz und teils durch Vorurteile hatten wir diese Tür bisher beharrlich verschlossen. Die Maler der Moderne hatten unsere Sinne niemals so richtig erreicht. Florian Illies gelingt als Reiseleiter, was noch niemandem gelungen ist. Picasso, Kandinsky, Duchamps und Franz Marc lassen uns ein und beginnen ihre Sicht der Welt zu erklären. Sie zeigen uns ihre Werke und gewähren einen tiefen Blick hinter die Staffelei eines Lebens in der wohl bewegtesten Zeit für einen bildenden Künstler.

Sie zähmen ihre blauen Pferde für uns, machen uns zu ihren blauen Reitern und lassen uns verstehen, warum sie die Welt einerseits erschüttern wollten und warum es an der Zeit war, dies zu tun. Und letztlich macht Illies uns zu Zeugen der kleinsten Banalitäten des Jahres 1913. Der erste Looping eines Piloten; verwunschene Fotografien eines britischen Colonels, der seine Tochter in zeitlos schönen Bildern am Strand für die Ewigkeit festhielt und schließlich werden wir gar Zeuge des wirtschaftlichen Aufschwungs eines kleinen Hutladens – er gehört einer gewissen Coco Chanel.

Nur das Bild anklicken und die verwunschenen Bilder öffnen sich...

Nur das Bild anklicken und die verwunschenen Bilder öffnen sich…

Wir sind noch auf Reisen. Wir sind eigentlich noch tief im Buch gefangen, aber diese ersten Aufzeichnungen aus unserem kleinen Reise-Tagebuch mussten zu Papier gebracht werden. Zu facettenreich sind unsere Erlebnisse und zu groß die zu verarbeitenden Eindrücke, die hinter uns liegen und uns wohl auch noch erwarten. Wir schreiben Ansichtskarten… ihr wisst schon, warum!

Kommt ihr nach? „1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“ – Florian Illies (Fischer Verlag)

Mit nur einem kleinen Klick zu weiteren Ansichtskarten...

Mit nur einem kleinen Klick zu Else Lasker Schüler…

Franz Marc hat uns zu „Blauen Reitern“ gemacht und Florian Illies war hierbei mehr als ein Steigbügelhalter. Uns haben diese Gedanken nachhaltig beschäftigt und der Höhepunkt in der Auseinandersetzung mit diesem grandiosen Buch war unser Besuch im Münchner Lenbachhaus. Wir begegneten dem „Blauen Pferd“ und hatten ein Buch dabei… Welches wohl… 😉

Ein Klick genügt... mit Literatwo zum Blauen Pferd

Ein Klick genügt… mit Literatwo zum Blauen Pferd

Und abschließend zu einer bewegenden letzten Begegnung mit Franz Marc:

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc... Ein Klick reicht...

Eine besondere und letzte Begegnung mit Franz Marc… Ein Klick reicht…

Vorfreude: „1913 – Was ich unbedingt noch erzählen wollte„. Die Vorschau.
Die Reise geht weiter: „1913 – Was ich unbedingt noch erzählen wollte

To be continued…