Das späte Geständnis des Tristan Sadler – John Boyne

Das späte Geständnis des Tristan Sadler - John Boyne

Das späte Geständnis des Tristan Sadler – John Boyne

John Boyne kann vor allem eines: So richtig gut erzählen…

John Boyne verfügt über eine narrative Begabung, die uns in seinen Weltbestsellern „Der Junge im gestreiften Pyjama“ und Der Junge mit dem Herz aus Holz“ bereits mehrfach vom literarischen Hocker gehauen hat. Geschichten, die sich unauslöschlich ins Gedächtnis brennen und buchige Begegnungen, die unvergessen bleiben, prägen seine Werke. Besonders für jugendliche Leser beinhalten seine bisherigen Romane einen wahren Schatz als zentrale Botschaft.

„Anders“ zu sein ist immer ein Problem… aber Du kannst es überleben… – Du kannst damit zurecht kommen, ohne Dich selbst zu leugnen.“

Was kann man einem Menschen mehr mit auf den Weg geben, der sich in einer emotionalen Findungsphase befindet und grundsätzlich das Gefühl vermittelt bekommt, doch so ganz „aus der Art geschlagen“ zu sein? Wer kennt das nicht?

Nun wendet sich John Boyne in „Das späte Geständnis des Tristan Sadler mit einem großen Weltkriegsroman an seine erwachsenen Leser. Er schreibt in aller Härte von der unbegreiflichen Brutalität des Krieges und gibt dabei jedoch seinem Protagonisten Raum genug, in seinen Gefühlswelten zu versinken. Zu leiden, zu lieben, zu verzagen und zu träumen. Der erste Weltkrieg wird zum alles zermalmenden Rahmen – Uniformität und Gehorsam werden zum Programm – ein Abweichen von diesen Normen führt unweigerlich zum individuellen Versagen.

Gleichförmigkeit und gesellschaftliche Restriktionen lassen keinen Platz für das „Ich“.

Da wir John Boyne inzwischen mehr als gut kennen, wissen wir, dass auch dieser Roman vom Unterschied geprägt ist. Seine Botschaft zieht sich durch sein Schaffen, wie jener unsichtbare rote Faden seine Geschichten miteinander verbindet.

Eine Flucht in den Krieg - Das späte Geständnis des Tristan Sadler

Eine Flucht in den Krieg – Das späte Geständnis des Tristan Sadler

Tristan Sadler zieht in den Krieg…. Nicht ganz freiwillig, zugegeben, aber es ist dennoch eine Erlösung für ihn, die Flucht zu ergreifen und sich als vollwertiges Mitglied einer Gesellschaft in Not zu empfinden. Ein Skandal in der Schule hat ihn isoliert… verstoßen von Freunden, Lehrern und letztlich auch dem eigenen Vater meldet er sich freiwillig an die Front…

„Vielleicht haben wir alle Glück und du wirst als einer der Ersten getroffen…“ – diese Worte seines Vaters lasten schwer auf dem Gefühl des jungen Mannes. Flucht in den Krieg und niemand wartet zuhause auf seine Rückkehr. Zu sehr hat er die Konventionen verletzt. Was für ein Skandal.

„Anders sein“ als Ursache für die gesellschaftliche Ächtung… und dies allein wegen eines Kusses… Nur war eben kein Mädchen Ziel seiner zärtlichen Gefühle…

Vor dem ersten Einsatz an der Front lernt Tristan seinen Kameraden Will Bancroft kennen und sie beginnen sich von Tag zu Tag besser zu verstehen. Das gemeinsame Schicksal als Frontsoldat knüpft ein stabiles Band, wäre da nicht ein gewisses „Mehr“, das sich in aller Intensität über ihre Freundschaft legt. Und diese Freundschaft wird der schwersten Belastungsprobe unterzogen, die sich ein Mensch nur vorstellen kann.

"Anders sein" in Zeiten des Krieges... lebensgefährlich..

„Anders sein“ in Zeiten des Krieges… lebensgefährlich..

Gefühle führen zum Denken – Denken führt zu Zweifel und Zweifel führt zur inneren Verweigerung. Feigheit nennen es die Anderen. Man macht es sich sehr einfach mit den Schubladen – besonders in Zeiten des Krieges.

Tristan kehrt alleine aus Frankreich zurück. Im Gepäck trägt er die größte Schuld seines Lebens und die Briefe, die Will an der Front von seiner Schwester erhielt. Tristan droht an dieser Last zu zerbrechen und wagt es trotzdem, die junge Frau zu besuchen, um ihr die Briefe zu übergeben.

Wird er es auch wagen, ihr von seinen wahren Gefühlen gegenüber Will zu berichten? Wird er darüber reden können, welche Schuld er trägt und was Will in Frankreich zugestoßen ist? Wird er reden können?

Die weiße Feder - Das Symbol für Feigheit im Krieg - Ein Makel?

Die weiße Feder – Das Symbol für Feigheit im Krieg – Ein Makel?

John Boyne bleibt sich selbst treu. Stilistisch ausgereift, spannend und hochemotional ist sein Roman. Er scheut sich hier nicht mehr davor, die Andersartigkeit beim Namen zu nennen und verstrickt seine Protagonisten in eine doppelte Außenseiterrolle. Liebe in Kriegszeiten ist ein Fremdwort – Homosexualität ein Tabu – und wenn Liebe unter Männern auch noch dazu führt, dass der Sinn des Kämpfens in Frage gestellt wird, dann gibt es nur eins….

John Boyne hat uns im exklusiven Interview viel zu diesem Roman erzählt und sich sehr weit geöffnet.

Ein bewegendes Interview - John Boyne und Literatwo - Hier klicken

Ein bewegendes Interview – John Boyne und Literatwo – Hier klicken

Sein Bekenntnis, Tristan Sadler sehr nahe zu stehen ist für uns ein persönliches Bekenntnis der besonderen Art und mehr als ein Vertrauensbeweis gegenüber seinen Lesern. Wir haben den roten Faden aufgenommen – Anders zu sein trägt für uns keinen Makel. Damit zu leben und zu überleben verlangt in jedem gesellschaftlichen Rahmen vielleicht mehr ab, als eine stromlinienförmige Existenz ohne das Bekenntnis zu sich selbst.

Dieses Buch bedeutet uns viel – unser Interview ist ein Meilenstein in unserem Schreiben und vor John Boyne ziehen wir unsere Hüte!

Das späte Bekenntnis des Tristan Sadler - Signiert

Das späte Bekenntnis des Tristan Sadler – Signiert

Wichtige Information für Fans des Romans: Unbedingt lesen – „So fern wie nah“ von John Boyne… ihr werdet euch wundern:

So fern wie nah - John Boyne - Ein Klick und alles wird klar

So fern wie nah – John Boyne – Ein Klick und alles wird klar

John Boyne – Der Junge mit dem Herz aus Holz… und mehr…

John Boyne – Der Junge mit dem Herz aus Holz

„Noah Barleywater runs away“, der Originaltitel des neuesten Werkes von John Boyne, dem Autor des Weltbestsellers „Der Junge im gestreiften Pyjama“, trifft den Kern der märchenhaft anmutenden Parabel mit dem deutschen Verlagstitel „Der Junge mit dem Herz aus Holz“ mehr als auf den Punkt.

Noah Barleywater läuft weg…. Er kann nicht mehr… er mag nicht mehr… er hat Angst, zu lange zu warten. Er hält es zuhause einfach nicht mehr aus. Zu übermächtig ist die Furcht davor, der Erkrankung seiner geliebten Mutter ins Auge zu schauen – zu übermächtig ist der Wunsch, einfach zu fliehen – zu gewaltig ist die Verlustangst, die Noah schlaf- und hoffnungslos werden lässt.

Noah läuft weg. Viel zu jung für eine solche Flucht, viel zu schwer beladen mit tonnenschweren Gefühlen, aber mit jedem Meter, den er sich von seinen Eltern entfernt, mit jedem Zentimeter wachsender Distanz beginnt er klarer zu sehen. Der Albtraum zerfließt im aufziehenden Nebel der selbst gewählten Blindheit.

Noah Barleywater läuft weg.

John Boyne macht uns fortan zum Fluchtbegleiter des achtjährigen Jungen. Wir folgen atemlos dem Weg, der immer märchenhafter zu werden scheint und an mancher Abzweigung sind wir versucht, Noah zu warnen, ihn aufzuhalten – aber das ist uns nicht möglich. Zu aufregend sind die kleinen Geschichten, die er in den Dörfern erlebt, die am Wegesrand auf ihn zu warten scheinen und zu magisch ist seine Begegnung mit einem scheinbar lebenden Baum. Das vorläufige Ziel seiner Reise liegt unmittelbar neben jenem Baum, der seine Äste hinter seinem Stamm versteckt, wenn man sich ihm nähert.

Ein Spielzeugladen der besonderen Art lässt Noahs Augen größer werden und fasziniert von einer bunten Welt aus Holz betritt er das Reich des betagten Holzschnitzers…. Lange schon scheint kein Kunde mehr nach den nostalgisch anmutenden Marionetten, Figuren, Spielen und Formen gefragt zu haben. Einsam und in sich gekehrt wirkt der alte Mann, als habe er nur auf Noahs Ankunft gewartet. Als hätte er ihn kommen sehen… als hätte er ihn geahnt.

Das Schnitzen als Metapher …

Ach, wie hat sich dieses Geschäft in meinem Herzen verankert. Leblosem Holz eine neue, bleibende Form zu geben erweckt das Herz jeden Lesers und man fühlt, mit welchem Maß an Liebe der alte Spielzeugmacher zu Werke geht. Ich konnte den Holzleim und die Farben plötzlich riechen, habe den Geschmack von Sägespänen im Mund verspürt und mich herzlich über die skurrilen Gegenstände amüsiert, denen ich in die Arme lief.

Jenen murrenden Wecker, der nur leicht angesäuert dazu bereit war, seine Aufgabe zu erfüllen.
Die vergessliche Türglocke, die in ihren tiefen Erinnerungen kramen musste um dann doch wesentlich zu spät den Besuch eines Kunden zu signalisieren.
Diese einzige Türe im Haus, die an einem vorbeihuscht, wenn man sich auf die Treppe zum Obergeschoss begab. Man musste sie an sich vorbei lassen, damit sie sich rechtzeitig oben befand, um sich zu öffnen.
Die schlecht gelaunte Kuckucksuhr, an deren widerwilligen Klang man ihre Stimmung besser ablesen konnte, als die Zeit.
Und schließlich die Fußbodendielen in der Küche, die durch rasende Bewegungen versuchten, das Fehlen ihrer im Feuer bereits verloderten Gefährten zu ersetzen.

Ach wie warm und wohl war mir ums Herz, als ich mit Noah Barleywater beim alten Holzschnitzer zu Gast war. Und genau dieser magischen Atmosphäre bedurfte es, um Noahs Zunge zu lösen, um die Belastung abfallen zu lassen und seine Geschichte zu erzählen. Im Gegenzug für die Geschichten des alten Mannes, die für den Jungen zu einem Blick in den auf Hochglanz polierten Spiegel des eigenen Lebens werden. Ein Blick zur rechten Zeit – an jener Kreuzung, die ein Umkehren unmöglich macht, wenn man sich einmal für einen Weg entschieden hat.

Mehr darf nicht verraten werden – mehr kann nicht verraten werden – und wer mehr verrät, der beraubt den Leser um eine der sensationellsten Begegnungen der Literaturgeschichte. Jeder lesende, lebende, erzählende, hörende und singende Mensch – jeder, der jemals seinen Kopf der Fantasie der Literatur überlassen hat, wird zu einem individuellen Zeitpunkt in diesem großen Roman das Gefühl bekommen, jemanden sehr gut zu kennen.

Dieses Gefühl wächst mit der Spannung der Geschichten – dieses Gefühl gipfelt in einem Moment des Erkennens und dieser Moment gehört dann dem Leser selbst. Es ist das größte Geschenk der Fantasie, das ich von John Boyne erhalten habe. Dieses Erkennen werde ich niemals vergessen und ich werde niemanden um sein Gefühl betrügen…. Deshalb sei hier nichts weiter verraten.

Nur soviel, dass ihr lesen müsst. Lesen müsst … ansonsten entgeht euch ein großer Moment der Literatur.

Wir werden John Boyne auf der Buchmesse in Leipzig zu einem Interview treffen und freuen uns bereits jetzt schon sehr darauf, diesem kreativen Genie einige Fragen stellen zu können.

Ganz besonders hervorheben muss man das weite Feld seiner Schaffenskraft, legt er doch gleichzeitig zum All-Age-Märchen Der Junge mit dem Herz aus Holz den Erwachsenenroman Das späte Geständnis des Tristan Sadler vor.

Das Weltkriegsrama erzählt die Geschichte des 1919 traumatisiert aus dem Grabenkampf in Nordfrankreich zurückkehrenden jungen Soldaten Tristan Sadler. Er reist nach Norwich, um dort die Schwester seines toten Kameraden Will zu treffen. Ein Bündel Briefe trägt er mit sich, aber dies ist nicht die einzige Last, die er zu schultern hat. In seinen Erinnerungen begleiten ihn die Gräuel des Zermürbungsskrieges, die gemeinsamen Erlebnisse an der Front, das menschenunwürdige Dahinsiechen junger Männer, Gefühle der Zuneigung und des Vertrauens – aber auch das unaussprechliche Geheimnis um die wahre Todesursache seines Freundes.

Ein Roman, der nichts beschönigt und in seiner Sogwirkung den Leser immer tiefer in sich aufnimmt, obwohl er ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiß, ob er die ganze Wahrheit des Tristan Sadler überhaupt ertragen kann. Ein großes Buch… Ein Drama in Reinform…

Zwei druckfrische Neuerscheinungen auf der Buchmesse zu präsentieren, zwei so unterschiedliche Genres in dieser Qualität mit seinem Namen zu belegen – das ist ganz großes Kino….

Alles von John Boyne auf AstroLibrium – HIER

Wir sehen uns in Leipzig, Mister Boyne….