„Feuer und Glas“ von Brigitte Riebe – Geschichte trifft Fantasy

Feuer & Wasser - Brigitte Riebe - Elemente

Feuer & Wasser – Brigitte Riebe – Elemente

Was passiert, wenn eine promovierte Historikerin und etablierte Schriftstellerin historischer Romane die Entscheidung trifft, einen fantastischen Roman zu schreiben? Was passiert, wenn eine renommierte Autorin das Genre wechselt und zu all den verbrieften historischen  Fakten die eigene Imaginationskraft hinzufügt?

Die Mischung verspricht explosiv zu sein und im Falle von Brigitte Riebe entsteht ein neues Genre. Vielleicht müssen die Buchhandlungen bald einer neuen literarischen Kategorie ein paar Regalmeter widmen:

„FantOry“ – die Kombination aus Fantasy und History wird wohl künftig untrennbar mit Brigitte Riebe verbunden sein. Und Literatwo hat diesem Genre einen Namen gegeben 😉

Und nun mitten hinein, in ein beginnendes 16. Jahrhundert – auf nach Venedig und lernt mit uns gemeinsam Milla und Luca kennen. Lasst euch von der wahrheitsliebenden Katze Puntino verzaubern. Genießt einen All-Age-Jugendroman ohne einen einzigen Vampir, ohne Dystopie, ohne zaubernde Internatsschüler, aber dafür mit viel Gefühl und Spannung! Betretet mit uns die Brücken von Venedig und passt gut auf euch auf… es wird brenzlig…!

Brigitte Riebe hat uns entführt und zwar nach Venedig. In die Stadt der Liebe und der vielen Gondeln und unzähligen Wasserwege.

Gerade angekommen, setzen wir unsere Füße aufs Land und sehen auch schon Milla. Sie steht auf einer Brücke, in Gedanken versunken und scheinbar doch hellwach, denn ihr Blick ist auf einen jungen Mann gerichtet. Dieser fährt in einer Gondel, welche blau leuchtet, außerdem ist eine Katze bei ihm. Im nächsten Moment rennt Milla aber auch schon los in Richtung Piazza auf der sich hunderte von Menschen tümmeln, denn die Handelsflotten sind da. Die Fähren aus Konstantinopel, welche zwei Mal im Jahr in Venedig ankommen. Millas Blick sucht und sucht, scheinbar möchte sie jemanden abholen.

Feuer und Glas - Brigitte Riebe - AstroLibrium

Feuer und Glas – Brigitte Riebe

Wir erfahren, dass sie nach dem Feuerkopf, ihrem Vater Leandro Ausschau hält. Sie erwartet ihn schon lange zurück, doch nur sie hat noch die Hoffnung, dass er jemals zurückkehrt. Seit 5 Jahren schon ist er verschwunden, in der Stadt wird er als Verräter bezeichnet, der sich nach Konstantinopel abgesetzt hat. Ihr Herz schlägt höher, als sie von weitem schon einen feuerroten Haarschopf sieht, doch sie wird enttäuscht und der Mann stellt sich als Marco Bellino vor.

Milla ist verzweifelt und begibt sich auf den Heimweg, in die Ippocampo, die Taverne, in der sie ihrer Mutter Savinia und ihrer Tante Ysa hilft. Dort findet sie auch Salvatore vor, der um die Gunst ihrer Mutter buhlt und diese kurz davor ist, ihren eigentlich immer noch heiß geliebten Ehemann für tot zu erklären, um ein neues Glück zu beginnen. Milla hasst Salvatore und würde ihn als neuen Vater nie akzeptieren. Im Hinterhof versucht sie sich zu beruhigen und findet wie immer die streunenden Katzen vor. Um ihre Beine streift eine neue Katze, doch Milla stutzt, denn die Katze ist jene von der blauen Gondel. Sie tauft sie Puntino.

Der Kater folgt ihr auf den Markt und führt sie dann aber direkt in das Domizil, in dem sich der Junge aus der Gondel, niedergelassen hat. Milla ist neugierig und gleichzeitig auch geblendet von dem Blau des Jungen und seiner Anziehungskraft, die er auf sie ausübt. Puntino bringt Luca und Milla ein weiteres Mal zusammen, aber auch der Neuankömmling Marco ist ständig in Millas Nähe. Und dann sehen wir, wie Milla förmlich in einen Strudel aus Ereignissen gezogen wird, denn der Stadt Venedig scheint ihr Ende bevor zu sehen.

Der geschlossene Pakt ist zerbrochen und sie steht zwischen den Feuer- und den Wasserleuten. Die Gefahr lauert in den Gassen, auf den Wasserwegen, ihr gesamtes Umfeld verändert sich und sie kann scheinbar niemandem mehr trauen, außer Puntino.

Feuer & Glas – Zum höchsten Sonnenstand vereinen sich die Schatten – Der Pakt

In Milla lodert das Feuer und das Leben, sie ist eine junge Protagonistin in der Magie steckt. Selbige Magie welche auch in den Feuer- wie auch Wasserleuten steckt. Ein Roman der magisch anzieht, sehr romantisch ist und gleichzeitig seitenweise Spannung in sich trägt. Ein Roman zum Fühlen und Schmecken, ein Roman zum Wohlfühlen.

Ein Jugendbuch, welches für alle Jugendlichen geeignet ist, ein Jugendbuch, welches fantastisch ist und ohne viel Gewalt und ohne dystopische Elemente auskommt. Brigitte Riebe schafft aus den Elementen Feuer und Wasser die große greifbare Geschichte mit der sie den Leser in die Welt Venedigs abtauchen lässt. Eine Welt voller Geheimnisse, eine Welt voller Licht- und Schattenseiten, eine Welt aus Gut und Böse, verpackt in einer Mischung aus Realität und Fantasie.

Die Autorin lässt die italienische Insel vor den Augen des Lesers emporwachsen, lässt ihn das Gefühl haben, selbst in einer Gondel zu fahren und die Gassen der Stadt zu erkunden. Ihre Leidenschaft für Katzen findet ihren Platz in der Katze Puntino, welche den Roman bereichert und gleichzeitig andersartig macht.

In der Stadt der Liebe angekommen, wollen wir gern verweilen, aber aus der Ferne scheint Konstantinopel zu rufen, denn Milla und Luca haben viel vor. Alle Geheimnisse sind noch nicht gelüftet, das Wasser scheint die Magie zu spiegeln und die Liebe lodert wie das Feuer.

Das Buch ist geschlossen, die Geschichte lebt weiter und Puntino muss uns einen Weg weisen, wie wir die Zeit bis zur Fortsetzung überstehen können.

Denn nun fragen wir uns, was passiert, wenn ebenjene Brigitte Riebe die Geschichte auf zwei Bücher verteilt? Was passiert mit uns, wenn wir am Ende des ersten Teils vor Spannung zu platzen drohen und doch nicht mit leeren Händen in der magischen Lagunenstadt verweilen müssen?

Feuer & Glas – Brigitte Riebe – Eine Lagunenstadt zwischen den Elementen

Wir freuen uns auf die Fortsetzung – wir freuen uns auf das zweite Buch und ein bestimmt emotionales Cover. Im zweiten Teil wird Luca im Mittelpunkt stehen, den Blick zu Milla gewandt und so entsteht mehr als eine literarische Einheit.

Und wir freuen uns auf Konstantinopel… Sehr sogar!

Besucht die Buchseite zu Feuer & Glas auf Facebook und lasst euch überraschen, was dort in den nächsten Wochen passiert. Literatwo ist nicht ganz unbeteiligt und wir danken schon jetzt Theresa Engel für die wundervollen Katzen, die vorerst noch „nur“ unsere Artikelbilder umrahmen! Es wird viele Überraschungen geben und die Wartezeit bis zur Fortsetzung vergeht dann wie im Flug!

Es geht weiter auf AstroLibrium:

Brigitte Riebe 2017 – „Marlenes Geheimnis“ – Der Leseweg geht weiter…
Frauen lieben Schreiben – Ein Kalenderprojekt mit Brigitte Riebe u.v.m

„Die wilden Piroggenpiraten“ an Bord

Kollisionskurs: Die wilden Piroggenpiraten und die MS Literatwo

Kollisionskurs: Die wilden Piroggenpiraten und die MS Literatwo

PIRATEN – angstvolle Schreie hallen seit Jahrhunderten über die Weltmeere, wenn man als friedlicher Handlungsreisender die Ozeane befährt und am Horizont die Schwarze Flagge mit Schädel und gekreuzten Knochen erblickt.

PIRATEN… schreckliche Gestalten gehören zu der dunklen Besatzung der Weltliteratur und ganze Büchermeere machten sie unsicher. Unvergessen ist Robert Louis Stevenson und sein legendärer John Silver (hört ihr das Holzbein an Bord?) mit den übelsten Gesellen in seinem Gefolge… Die Schatzinsel – heute noch Synonym für die Freibeuter der Meere.

PIRATEN… rette sich wer kann… schon wieder dreht ein Schiff bei – richtet seine Kanonen mit voller Breitseite auf das junge Lesevolk und scheint angriffslustig zum Entern anzuheben. PIROGGENPIRATEN – rette sich wer kann…

piroggenpiraten spacer A

Öhm… stopp mal… jetzt ganz langsam!

Sagte ich gerade Piroggen? Habe ich um Hilfe geschrieben, weil eine Horde Teigtaschen auf einem Buchcover den Eindruck erwecken möchte, die größte Gefahr aller Meere zu sein…

Gelächter – geht ja gar nicht… Piroggen…. Gelächter… 😉

Die wilden Piroggenpiraten - Seeräuber im Teigmantel..

Die wilden Piroggenpiraten – Seeräuber im Teigmantel..

Also machen wir mal einen Punkt und schauen uns den Roman doch mal genauer an. Ein Kinderbuch mit schlappen 653 Seiten – auf dem Cover eine muntere Schar, gar nicht so schurkiger Gesellen und erst auf den zweiten Blick: Lebensmittel. Ein tollkühnes Abenteuer um eine entführte Mohnschnecke zu retten und ihre furchtlosen Retter. So steht es dort geschrieben.

Die wilden Piroggenpiraten von Māris Putniņš

Völlig abgedreht, denken wir uns und gehen an Bord. Das wollen wir mit eigenen Augen sehen und kaum über die Planke an Deck des riesigen Piratenschiffes gelangt, finden wir uns in einem aberwitzigen Abenteuer wieder.

Māris Putniņš (sprich: Máhris Púttninsch), der geniale Erzähler lässt die Segel setzen, den Anker lichten und mit ein paar lauten Rufen der Besatzung sind wir auch schon auf dem Weltmeer der guten Geschichten. „Alle für eine, eine für alle… und macht sie zu Semmelbröseln“, schallt es in den Wind…

Einige starke Taue spannt er in die Takelage der Speckkugel, seines Schiffes – unterschiedlich dicke Handlungsstränge, an denen wir nun hängen. Umgeben von Teigtaschen aus aller Herren Länder – und jedes gefüllte Kerlchen ist appetitlicher und witziger als das andere. Piroggen eben..

Die wilden Piroggenpiraten - prall gefüllt auf hoher See...

Die wilden Piroggenpiraten – prall gefüllt auf hoher See…

Die bildschöne Mohnschnecke Eloise aus Murseille, (aus bestem Hause stammende Tochter eines Mohnstrudels und einer Wiener Mohnpotitze) wird von Piroggenpiraten entführt. Wenn diese geahnt hätten, was sie sich da an Bord holen, dann…. (aber das könnt ihr selbst lesen)

Eclair, Puder über Zucker in sie verliebt begibt sich auf die verzweifelte Suche nach seiner Angebeteten und wird dabei von seinem Konkurrenten Hörnchen verfolgt, der jedoch ganz andere Absichten mit Mohnschnecke hat. Hörnchen vermutet Mohnschnecke auf dem Sklavenmarkt von Djadida und plant, sie schlicht und besitzergreifend preiswert zurückzukaufen, um dann Gewinn aus ihr zu schlagen.

Mohnschnecke selbst mutiert an Bord des Piratenschiffes vom verwöhnten Ziergebäck zum Anti-Opfer. Sie übernimmt das Kommando, führt Regeln ein, die vormals ins Reich der Legende verbannt wurden (Hügjene zum Beispiel) und vertreibt den gar nicht arglosen Kapitän aus seiner angestammten Kabine. In Piratenkleidung gewandet wird sie schließlich zur Chefin an Bord.

Eine wilde Jagd durch das Reich der vielfältigen Lebensmittel beginnt und führt die dicken Handlungstaue verzwirbelt zu einem großen Seil zusammen. Daran könnte man mühelos einen Anker befestigen, um irgendwann anzuhalten – aber das mag der Leser gar nicht. Deshalb freut man sich beim Lesen über das ausufernde Format des Romans….

Rette sich wer kann - Die wilden Piroggenpiraten...

Rette sich wer kann – Die wilden Piroggenpiraten…

PIRATEN – rette sich wer kann? Nein – der Ruf gilt nicht mehr – steigt ein, mag man rufen – kommt an Bord und ihr werdet es nicht bereuen… Literatwo bleibt einfach hier und wartet, was noch so passiert und dabei lachen wir uns Piratenschlapp.

Ein magisches Buch für Klein und Groß. Jede Lesergruppe erkennt neue und andere Anspielungen im Roman. Es erinnert mich daran, wie mir Asterix früher und heute gefallen hat. Für Kinder ist die schön illustrierte Geschichte einfach nur ein großes Vergnügen – für Erwachsene beinhaltet jedes Bild jedoch ein weiteres, denn der Autor hat unsere ganze Welt in dieser Erzählung gespiegelt. Es ist nur die Frage, auf wessen Seite wir lieber sind….

Groß- oder Kleingebäck, Naschereien mit Studium an der Bonbonne oder im Zweifel dicke Blutwürste, die schon bei geringster Gefahr die Füllung verlieren…? Egal – jeder findet sich wieder – jeder fühlt sich angesprochen bei diesem Feuerwerk des guten Geschmacks. Und wer vom Roman noch nicht geng hat (und das wird der Fall sein), der kann im kleinen Kochbuch blättern und den Charakteren Leben einhauchen….

Es ist soooooooo lecker 😉

Piroggenpiraten - Auf dem Weg in die Geschichtsbücher der Piraterie

Piroggenpiraten – Auf dem Weg in die Geschichtsbücher der Piraterie

POLAR – Der Titanic Bär

Polar – Der Titanic Bär – Ein trauriges Jubiläum…

Am heutigen Tag, kurz vor dem 100. Jahrestag der Titanic-Katastrophe und im Rahmen unserer Artikelserie zu diesem immer noch aktuellen Thema, möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich in eine Zeit zurückzuversetzen, die längst vergangen ist. Ein Kinderbuch von einst liegt in meinen Händen und ich darf mit Fug und Recht behaupten, dass kein anderes „Bilderbuch“ mein Denken und Fühlen so nachhaltig beeinflusst hat, wie dieses magische Werk.

Es ist schön, endlich darüber zu schreiben – es ist schön, den Gefühlen zu diesem Buch freien Lauf zu lassen und es ist ein Wunder, mich heute wieder von der Geschichte verzaubern lassen zu dürfen. Dies passiert mir nie alleine, denn auch Bianca ist inzwischen im Besitz eines der wenigen noch verfügbaren Exemplare des Buches… ein schönes Gefühl!

Douglas Spedden und sein bester Freund… Polar…

Der Nebel lichtet sich und das Signalhorn der Titanic zerreißt die Stille des anbrechenden Tages. Ein kleiner Junge befindet sich auf dem Promenadendeck – sorglos und ganz in sein kindliches Spiel mit einem Kreisel vertieft. Douglas Spedden ist sieben Jahre alt und ein glückliches Kind. Als Sohn reicher Eltern genießt er den Luxus der Überfahrt als Passagier der Ersten Klasse.

Behütet von seinen liebevollen Eltern und gehegt von seinem Kindermädchen „Muddie Boons“, erfreut sich der kleine Douglas seines Lebens und fühlt sich sicher. In seiner Begleitung befindet sich „Polar“ – der wohl erste „Begleitbär“ der Weltgeschichte. Der originale Steiff-Eisbär ist sein wahrer Lebens- und Weggefährte. Sie feiern gemeinsam Geburtstag, gehen baden und teilen die schönsten Stunden eines noch so jungen Lebens. Keinen Schritt geht Douglas ohne seinen Bären. Polar und Douglas – eine große Freundschaft, die nur nachempfinden kann, wer seine Kindheit in den Armen eines Steiff-Teddys verbringen durfte….

Die scheinbare Ruhe an Bord ist diejenige vor Beginn des Sturms. Es sind die letzen Minuten vor der Kollision – die letzen Minuten im Leben der meisten Passagiere der Titanic.

Das Drama nimmt seinen Lauf, doch die Speddens scheinen in dieser Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 im Glück zu baden. Sie finden Platz in einem Rettungsboot. Die gesamte Familie entkommt und der glücklichen Fügung des Schicksals ist es zu verdanken, dass auch Douglas` Vater einsteigen darf, da sich nicht genügend Frauen und Kinder eingefunden haben. Diese freien Plätze sind ein Privileg und Verpflichtung für das zukünftige Leben. Die Speddens kümmern sich fürsorglich um die anderen Bootsinsassen, bevor sie nach Stunden des bangen Wartens an Bord der Carpathia endgültig in Sicherheit sind.

Und Polar ist mit an Bord… ein unglaublicher Zufall hat auch den Steiff-Eisbären in das Rettungsboot gespült….

Unten: Titanic von James Cameron – Oben: Das Originalbild von Douglas

Soweit die wahre Geschichte von Douglas Spedden.

Sie ist so wahr, wie das Original-Photo des Jungen während seines Spiels mit dem Kreisel. Sie ist so wahr, wie die Filmsequenz im großen Titanic-Film von James Cameron, in der er dem kleinen Jungen ein cineastisches Denkmal setzt. Und die Geschichte ist wahrhaftiger als wahr, weil genau am Tag der Rettung das Schicksal schon zu wissen schien, dass keine Rettung ewig währt.

Daisy Corning Stone Spedden schrieb aus Dankbarkeit für diese Rettung und als lebenslange Erinnerung für ihren Sohn ein Kinderbuch. Nur für ihn. Weihnachten 1913 fand der kleine Douglas ein liebevoll gestaltetes Bändchen mit dem Titel Polar – Der Titanic Bär unter dem Tannenbaum. Aus der Perspektive des Teddys war es Daisy Spedden gelungen, das Drama des vergangenen Jahres niederzuschreiben und damit auch schließlich den großen Schrecken dieser Nacht zu verarbeiten. Liebevoll beschreibt sie den „tapferen“ Bären, der an der Seite ihres Sohnes zu einem mutigen und herzlichen Glücksbringer zu werden scheint.

Das Buch heute in Händen zu halten macht nachdenklich und betroffen… Es ist der Ausschnitt einer wahren Geschichte und das Symbol für die Dankbarkeit einer Mutter, die das Überleben ihres einzigen Kindes unsterblich machen wollte. Ihre Tagebücher waren ihr dabei die wohl wichtigste Hilfe.

Die Speddens auf der Liste der Erste-Klasse-Passagiere der Titanic…

Das ist Daisy Spedden nicht gelungen…. Leider nicht… Drei Jahre nach dem Untergang der Titanic rannte der nun neunjährige Douglas auf die Straße, wurde von einem Auto erfasst und getötet. Seine Mutter schrieb keine Zeile mehr in ihre Tagebücher… keine einzige. Sie starb 1950, nur drei Jahre nach ihrem Ehemann Frederic. Douglas blieb ihr einziges Kind. Ihr Weihnachtsgeschenk für ihn, die Geschichte von „Polar, dem Titanic Bären“, dessen Einband sie liebevoll selbst gezeichnet hatte, wurde später in ihrem Nachlass gefunden und 1994 erstmals veröffentlicht.

Das Buch wurde mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet und ist inzwischen in der 15. Auflage in der Originalfassung verfügbar. Es ist ein Schatz, der die Zeit überdauert hat. Es ist die Geschichte die Dankbarkeit, eine der größten Tragödien der Neuzeit überlebt zu haben. Und doch ist es traurig… weil man erkennt, dass Rettung nicht ewig währt….

Polar & Douglas… Eine Freundschaft fürs Leben

PS: Niemand weiß, was aus Polar wurde. Seine Spur verliert sich mit dem Tod des kleinen Douglas. Bis zu diesem Tag war er auf jedem Familienbild zu sehen: unter dem Weihnachtsbaum, im Schnee und bei Geburtstagsfesten. Die Bilder sind Teil des Buches… sie machen es zu einem wichtigen Buch.

Ich denke, Polar hat Douglas auch auf seinem letzten Weg begleitet und ist niemals von seiner Seite gewichen. Beschützerbären verlassen ihre Freunde nicht… Beschützerbären sind eben so.

Polar – Der Titanic Bär… Urvater aller Begleitbären…

Gewidmet:
Bastian Bär
dem einzig legitimen Beschützerbären des 21. Jahrhunderts,
der Polars Erbe mehr als würdig angetreten hat.

Wir werden weiter über unsere Titanic-Bibliothek berichten, Neuerscheinungen unter die Lupe nehmen und längst zur Legende gewordene Werke in der Rückschau betrachten. Unser Titanic-Treffen in Leipzig war ein Startpunkt dieses Projektes, das am 15. April mit euch gemeinsam an Bord der MS Literatwo in einen hoffentlich sicheren Hafen einläuft. Ihr seid herzlich willkommen und könnt noch jederzeit eine Luxuskabine buchen…. Immer nur hier entlang

Ein Klick genügt… und ihr seid an Bord…

John Boyne – Der Junge mit dem Herz aus Holz… und mehr…

John Boyne – Der Junge mit dem Herz aus Holz

„Noah Barleywater runs away“, der Originaltitel des neuesten Werkes von John Boyne, dem Autor des Weltbestsellers „Der Junge im gestreiften Pyjama“, trifft den Kern der märchenhaft anmutenden Parabel mit dem deutschen Verlagstitel „Der Junge mit dem Herz aus Holz“ mehr als auf den Punkt.

Noah Barleywater läuft weg…. Er kann nicht mehr… er mag nicht mehr… er hat Angst, zu lange zu warten. Er hält es zuhause einfach nicht mehr aus. Zu übermächtig ist die Furcht davor, der Erkrankung seiner geliebten Mutter ins Auge zu schauen – zu übermächtig ist der Wunsch, einfach zu fliehen – zu gewaltig ist die Verlustangst, die Noah schlaf- und hoffnungslos werden lässt.

Noah läuft weg. Viel zu jung für eine solche Flucht, viel zu schwer beladen mit tonnenschweren Gefühlen, aber mit jedem Meter, den er sich von seinen Eltern entfernt, mit jedem Zentimeter wachsender Distanz beginnt er klarer zu sehen. Der Albtraum zerfließt im aufziehenden Nebel der selbst gewählten Blindheit.

Noah Barleywater läuft weg.

John Boyne macht uns fortan zum Fluchtbegleiter des achtjährigen Jungen. Wir folgen atemlos dem Weg, der immer märchenhafter zu werden scheint und an mancher Abzweigung sind wir versucht, Noah zu warnen, ihn aufzuhalten – aber das ist uns nicht möglich. Zu aufregend sind die kleinen Geschichten, die er in den Dörfern erlebt, die am Wegesrand auf ihn zu warten scheinen und zu magisch ist seine Begegnung mit einem scheinbar lebenden Baum. Das vorläufige Ziel seiner Reise liegt unmittelbar neben jenem Baum, der seine Äste hinter seinem Stamm versteckt, wenn man sich ihm nähert.

Ein Spielzeugladen der besonderen Art lässt Noahs Augen größer werden und fasziniert von einer bunten Welt aus Holz betritt er das Reich des betagten Holzschnitzers…. Lange schon scheint kein Kunde mehr nach den nostalgisch anmutenden Marionetten, Figuren, Spielen und Formen gefragt zu haben. Einsam und in sich gekehrt wirkt der alte Mann, als habe er nur auf Noahs Ankunft gewartet. Als hätte er ihn kommen sehen… als hätte er ihn geahnt.

Das Schnitzen als Metapher …

Ach, wie hat sich dieses Geschäft in meinem Herzen verankert. Leblosem Holz eine neue, bleibende Form zu geben erweckt das Herz jeden Lesers und man fühlt, mit welchem Maß an Liebe der alte Spielzeugmacher zu Werke geht. Ich konnte den Holzleim und die Farben plötzlich riechen, habe den Geschmack von Sägespänen im Mund verspürt und mich herzlich über die skurrilen Gegenstände amüsiert, denen ich in die Arme lief.

Jenen murrenden Wecker, der nur leicht angesäuert dazu bereit war, seine Aufgabe zu erfüllen.
Die vergessliche Türglocke, die in ihren tiefen Erinnerungen kramen musste um dann doch wesentlich zu spät den Besuch eines Kunden zu signalisieren.
Diese einzige Türe im Haus, die an einem vorbeihuscht, wenn man sich auf die Treppe zum Obergeschoss begab. Man musste sie an sich vorbei lassen, damit sie sich rechtzeitig oben befand, um sich zu öffnen.
Die schlecht gelaunte Kuckucksuhr, an deren widerwilligen Klang man ihre Stimmung besser ablesen konnte, als die Zeit.
Und schließlich die Fußbodendielen in der Küche, die durch rasende Bewegungen versuchten, das Fehlen ihrer im Feuer bereits verloderten Gefährten zu ersetzen.

Ach wie warm und wohl war mir ums Herz, als ich mit Noah Barleywater beim alten Holzschnitzer zu Gast war. Und genau dieser magischen Atmosphäre bedurfte es, um Noahs Zunge zu lösen, um die Belastung abfallen zu lassen und seine Geschichte zu erzählen. Im Gegenzug für die Geschichten des alten Mannes, die für den Jungen zu einem Blick in den auf Hochglanz polierten Spiegel des eigenen Lebens werden. Ein Blick zur rechten Zeit – an jener Kreuzung, die ein Umkehren unmöglich macht, wenn man sich einmal für einen Weg entschieden hat.

Mehr darf nicht verraten werden – mehr kann nicht verraten werden – und wer mehr verrät, der beraubt den Leser um eine der sensationellsten Begegnungen der Literaturgeschichte. Jeder lesende, lebende, erzählende, hörende und singende Mensch – jeder, der jemals seinen Kopf der Fantasie der Literatur überlassen hat, wird zu einem individuellen Zeitpunkt in diesem großen Roman das Gefühl bekommen, jemanden sehr gut zu kennen.

Dieses Gefühl wächst mit der Spannung der Geschichten – dieses Gefühl gipfelt in einem Moment des Erkennens und dieser Moment gehört dann dem Leser selbst. Es ist das größte Geschenk der Fantasie, das ich von John Boyne erhalten habe. Dieses Erkennen werde ich niemals vergessen und ich werde niemanden um sein Gefühl betrügen…. Deshalb sei hier nichts weiter verraten.

Nur soviel, dass ihr lesen müsst. Lesen müsst … ansonsten entgeht euch ein großer Moment der Literatur.

Wir werden John Boyne auf der Buchmesse in Leipzig zu einem Interview treffen und freuen uns bereits jetzt schon sehr darauf, diesem kreativen Genie einige Fragen stellen zu können.

Ganz besonders hervorheben muss man das weite Feld seiner Schaffenskraft, legt er doch gleichzeitig zum All-Age-Märchen Der Junge mit dem Herz aus Holz den Erwachsenenroman Das späte Geständnis des Tristan Sadler vor.

Das Weltkriegsrama erzählt die Geschichte des 1919 traumatisiert aus dem Grabenkampf in Nordfrankreich zurückkehrenden jungen Soldaten Tristan Sadler. Er reist nach Norwich, um dort die Schwester seines toten Kameraden Will zu treffen. Ein Bündel Briefe trägt er mit sich, aber dies ist nicht die einzige Last, die er zu schultern hat. In seinen Erinnerungen begleiten ihn die Gräuel des Zermürbungsskrieges, die gemeinsamen Erlebnisse an der Front, das menschenunwürdige Dahinsiechen junger Männer, Gefühle der Zuneigung und des Vertrauens – aber auch das unaussprechliche Geheimnis um die wahre Todesursache seines Freundes.

Ein Roman, der nichts beschönigt und in seiner Sogwirkung den Leser immer tiefer in sich aufnimmt, obwohl er ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiß, ob er die ganze Wahrheit des Tristan Sadler überhaupt ertragen kann. Ein großes Buch… Ein Drama in Reinform…

Zwei druckfrische Neuerscheinungen auf der Buchmesse zu präsentieren, zwei so unterschiedliche Genres in dieser Qualität mit seinem Namen zu belegen – das ist ganz großes Kino….

Alles von John Boyne auf AstroLibrium – HIER

Wir sehen uns in Leipzig, Mister Boyne….

Es wird bunt im Haus – der Zyphius ist los…

Über dem Meer kreisen friedlich die Möwen…

So harmlos und ruhig kommt die „Geschichte vom Zyphius“ von Robert Göschl daher. Leicht schmiegt sich die geschwungene Schrift in das großformatige Buch und ein paar lustige Möwen fliegen, spielen und fischen vor sich hin. Welch eine kleine Idylle…

Doch dann, schon beim ersten Blättern wird schnell klar, dass sich unter der Oberflächeso wie unter allen Oberflächen – etwas mehr als  Geheimnis-volles verbergen muss.

„Doch in endlosen Tiefen lauern schreckliche Löwen…“

Die Zeichnungen – allesamt sehr modern, sehr plakativ und sich ständig verändernd – verraten, dass etwas nach uns greift und uns nach unten ziehen möchte. Angst jedoch kommt beim Lesenachwuchs keine auf, weiß doch schon das kleinste Kind, dass es eher in Nachbars Garten Löwen gibt, als unter der Meeresoberfläche…. Die erste Pause während des Lesens, die erste kleine Unterbrechung ist durch leises Prusten und Kichern vorprogrammiert.

Und schon stoßen Lena und ich gemeinsam zum ersten Geheimnis des Buches vor. Es ist nicht zum schnellen Stöbern gedacht, es ist nicht zum flotten Lesen und Vorlesen geschrieben und gemalt. Nein – es ist viel mehr. Und diese Zeit sollte man sich nehmen…

Die Geschichte vom Zyphius – lesen, schauen und basteln…

Je dunkler es wird, je bedrohlicher die Hinweise auf das unterseeische Wesen – den Zyphius – werden, umso mehr sträubt sich die kindliche Phantasie, all das zu glauben, was man diesem Monster so zuschreibt und als Erwachsener muss man schon recht überzeugend und oft „Dohoch – echt wahar“ einwerfen, um das begeisterte Kopfschütteln des Gegenübers in den Griff zu bekommen. Die Legenden um den Zyphius wachsen von Seite zu Seite. Das Lesen und Betrachten werden in einen Strudel der Bilder und Schriften gezogen,, bis man immer wieder kurz verweilt um zu staunen.

All diese Legenden finden sich großzügig und poppig illustriert – selbst die Warzen auf dem Kopf des Zyphius, allerdings „in Form von Palmen, die obendrein auch noch fürchterlich qualmen.“ (Lach…).

Lena ist über das Erstlesealter deutlich hinaus und hat sich trotzdem im Mai auf das Experiment eingelassen – ich selbst bin ebenfalls aus dieser Phase entwachsen, habe mich aber auch dem Zyphius gestellt. Wir haben es beide bis heute nicht bereut.

Den Höhepunkt erreicht die Geschichte im Magen des Monsters, das bis zu dieser Stelle bedrohliche Ausmaße und Farben angenommen hat. Der Zyphius hat uns in seinen Bann gezogen. Im Magen jedoch wird es kunterbunter als zuvor. Von Müll, über ausgewachsene Wale bis hin zu Seepferdchen auf Fahrrädern und einem U-Boot – alles ist dort zu finden – alles hat er vertilgt und verdaut – alles liegt ihm schwer im Magen und sucht nach einem Ausgang.

Unser ZYPHIUS – selbst gefüllt – sozusagen…

Unter seiner Oberfläche sieht es – wie unter jeder Oberfläche – ganz anders aus, als von Außen betrachtet. Und jetzt beginnt es, ein richtig greifbares Abenteuer zu werden. Dem Buch liegen ein Poster des Monsters und zwei Stickerbögen bei, die es uns nun ermöglichen, unserern ganz eigenen Zyphius mit Leben zu füllen. Zu jedem Gegenstand, den wir in seinen Magen kleben wissen wir zu erzählen, wo er ihn gefressen und verschlungen haben könnte und nach viel Gelächter ist er fertig – der „selbstgefüllte“ Monsterfisch.

Wir nähern uns dem Ende der Geschichte – welches schnell erzählt ist, aber die Geschichte selbst ist nicht schnell beendet. Was die Kinder schon viel früher wussten und wofür sie während des Lesens die Hand ins Feuer legen würden: auch unter der Oberfläche dieser Geschichte sieht es – wie unter jeder Oberfläche – ganz anders aus. Der Zyphius ist nicht der, für den man ihn hält!

Ein klares Fazit…

Lena und ich haben gleich nochmal von Vorne begonnen und im Wissen um das Ende herzhaft gelacht. Das Poster hängt in ihrem Zimmer. Nicht nur als Andenken an die lesens- und sehenswerte Geschichte, sondern auch als Momentaufnahme einer schönen gemeinsamen Lese- und Bastelzeit.

Genau diese wird uns von diesem Buch geschenkt – zeitlos, alterslos und doch mit einer Botschaft, die jeder versteht.

Unter jeder Oberfläche ist manches anders und manchmal stößt man auf Legenden, die bei Licht betrachtet….. nein – das müsst ihr selbst ergründen.

Wir jedenfalls fürchten uns nicht vor dem Zyphius – nein – tun wir nicht… ätsch!

Eine Rail`sche Wortwolke. Alles nur Legenden? Wer weiß, wer weiß…

Die große Wörterfabrik – eine ganz persönliche Empfehlung

Eine Geschichte vom Wert der Wörter

Stell` Dir vor:

Es gibt ein Land, in dem die Menschen kaum reden. Ein Land, in dem die Menschen ihre Wörter erst kaufen müssen, um zu sprechen. Ein Land in dem man die gekauften Wörter zu sich nehmen muss, um sie in Sprache zu verwandeln. Ein Land, in dem besonders schöne Wörter schier unbezahlbar teuer sind. Ein Land, in dem nur die Reichen über die wirklich wichtigen Wörter verfügen.

Stell` Dir vor:

Man lebt in diesem Land und ist arm. Man lebt dort und kann nichts Schönes oder Wichtiges sagen. Man lebt und muss mit preiswerten Wörtern zurecht kommen oder gar in Armut schweigen. Man lebt dort und kann sich seine Sprache nicht leisten. Während die Reichen unbedacht die schönsten Wörter zu Floskeln machen.

Stell` Dir vor:

Man kann es sich nicht leisten, die schönsten Gedanken in die Welt zu schreien. Zu arm zum Sprechen.

Stell` Dir das mal vor.

Vom Wert der Wörter – mehr als ein Buch

Agnès de Lestrade ist es gelungen, mir diese Vorstellung zu vermitteln. In wenigen Worten (wertvollen Worten – unbezahlbaren Worten). Valeria Docampo ist es gelungen, mir diese Vorstellung unauslöschlich in mein so sehr verwöhntes Leserhirn zu brennen. Mit ihren Illustrationen (wertvollen Illustrationen – unbezahlbaren Illustrationen).

Beiden ist es gelungen, mir vor Augen zu führen, wie es wäre, in Armut erstarrt, nicht über die einfachsten Mittel zu verfügen, die bedeutendsten drei Worte auf Erden sagen zu können. Sie mir nicht leisten zu können.

Mit Abfallwörtern einer Wohlstandsgesellschaft auskommen zu müssen und bei jedem gesprochenen Wort zu überlegen, ob es die Bemerkung wirklich wert ist.

Ein in Bild und Text einzigartiges Werk. Ein anrührendes Lehrstück für die Jüngsten unter uns und die ältesten Liebenden auf Erden. Ein bild- und sprachgewaltiges Epos auf diejenigen Menschen, die mit wenig Worten auskommen und diejenigen unter uns, die nicht vieler Worte bedürfen um zu glauben.

Begleitet Paul auf seinem Weg zu Marie. Er möchte ihr sein Herz öffnen. Aber wie soll er das machen? Für all das was er ihr so gerne sagen würde, bräuchte er ein Vermögen!

Meine Empfehlung des Jahres – mir fehlen die Worte!

Buchstabensuppe ohne die man nicht sprechen kann…

Literatwo empfiehlt:

Die große Wörterfabrik Gebunden – 40 Seiten 13,90 € Mixtvision – Verlag

 

 

 

Update November 2013: Die große Wörterfabrik ist jetzt auch als „App“ für Smartphones / Tablet Computer verfügbar. Wir haben sie getestet und Überraschendes erlebt:

Die große Wörterfabrik - Vom Buch zur App - Ein Klick genügt

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