Ein Abend für Oda Schaefer – München im Oktober 2013

Oda Schaefer ist zurück - Eine Lesung im Lyrik Kabinett

Oda Schaefer ist zurück – Eine Lesung im Lyrik Kabinett

Am 27. Oktober 2013 lautete unsere Schlagzeile „Oda Schaefer – Ein Kreis schließt sich und voller Vorfreude schrieben wir über die anstehende Lesung aus Odas Werken im Münchener Lyrik Kabinett. Vielen Menschen aus Kultur und Gesellschaft ist es zu verdanken, dass wir am heutigen Tag voller Stolz auf neu publizierte Bücher der großen deutschen Lyrikerin blicken dürfen. Fast schon vergessen – nicht mehr verlegt und dann, ausgelöst durch den epischen Film „Poll“, geriet die Welt des Vergessens ins Wanken.

Wir Literatwos hatten uns seit jenem Film mit unseren Mitteln gegen das Vergessen gewehrt und mit vielen treuen Lesern an unserer Seite ist es uns gelungen, ein kleines Mosaiksteinchen in das komplexe Wandbild des Erinnerns einzufügen. Unser Blog war und ist unsere Waffe – Teamwork und Leidenschaft sind unsere Maxime und wir haben uns gerne in den Dienst einer Schriftstellerin gestellt, die wir so gerne kennengelernt hätten. Heute können wir sagen:

Oda ist wieder daund vielleicht sogar strahlender denn je, denn auf Einladung ihres Erben und „Vize-Enkels“ Titus Horst fanden sich weitere Wegbegleiter dieser literarischen Renaissance im gediegenen Ambiente und auf der Bühne des Lyrik Kabinetts ein, um mit einer stimmungsvollen Lesung das Motto der „Unvergessenen“ wahr werden zu lassen:

„Immer war ich – immer werde ich sein! Immer!“

Ein Abend für Oda Schaefer - Die Mitwirkenden

Ein Abend für Oda Schaefer – Die Mitwirkenden

Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt an jenem Montag, den 28. Oktober und 25 Jahre nach dem Tod Oda Schaefers spürten alle Anwesenden sofort, dass ihre lyrische Aura nichts von ihrem ursprünglichen und zeitlosen Zauber eingebüßt hat. Titus Horst präsentierte ein unfassbar tief angelegtes Kaleidoskop ihres Lebens – einen mehr als gelungenen und in sich geschlossenen Zyklus aus Lebenserinnerungen, flankiert durch ausgewählte Gedichte aus dem Lebenswerk der großen Autorin.

Titus Horst hatte sich an diesem Abend in die Rolle des lesenden Chronisten begeben und führte das aufmerksam lauschende Publikum mit unnachahmlicher Erzählstimme (mal Berliner Polizist; mal Oda selbst in all ihrem Hoffen und Bangen; aber dabei immer Titus selbst) in ein schillerndes Kaleidoskop eines Dichterlebens.

Er öffnete eine bisher verborgene Tür zu Oda Schaefer und ließ ihr höflich den Vortritt, wenn es darum ging, das Wort an uns zu richten. Oda war plötzlich mitten unter uns. Oda erzählte selbst, als sei Titus Horst eher Medium, denn Erzähler. Er berlinerte sich durch Haussuchungen im Dritten Reich; kindbettete sich ängstlich durch die unfassbaren Qualen einer werdenden Mutter und wurde ganz leise, als er von den letzten Monaten einer Frau berichtete, die ihm sehr am großen Herzen liegt.

Und mehr als bewegend stand er erschüttert in Horst Langes Worten am Rand einer frisch ausgehobenen Grube unter dem Zeichen des Hakenkreuzes und erschoss kaltblütig jüdische Opfer… bis sich ein zum Tode Verurteilter unerwartet umdrehte und dem Nazi-Täter in die Augen schaute, der dann sein Leben lang nur noch einen Satz zu denken vermochte: „Und da sah ich, dass das ein Mensch war“. Titus Horst hat seinen Bogen weit gespannt, Oda und ihren Ehemann Horst Lange umarmt und ihnen Raum gegeben, uns zu erklären, wie sie dachten. Tiefer geht es nicht…..

Von li. nach re.: Die Schauspieler Evelyn Plan &Titus Horst und Biographin Dr. Monika Bächer

Die Schauspieler Evelyn Plank & Titus Horst und Biographin Dr. Monika Bächer

Den wichtigen Episoden ihres Lebens – den Stationen eines langen und oftmals brutalen, aber nie hoffnungslosen Weges, stellte die Schauspielerin Evelyn Plank die Gedichte von Oda Schaefer zur Seite. Die Auswahl dieser Zeilen war so treffend, dass sie sich oftmals genau in die Momente einfügten, die Titus eben noch als Lebenserinnerungen Oda Schaefers rezitierte. Viele Kreise schlossen sich an diesem Abend – auch derjenige der Einordnung mancher Zeilen aus Odas Feder.

Ich weiß nicht, wie Oda selbst gelesen hätte. Ich weiß nicht, in welchem Rhythmus sie schrieb. Ich weiß nicht, in welcher Melodie sie dachte. Ich weiß nur eines: Evelyn Plank hat mit Ausstrahlung und Stimme gezaubert, denn nur so kann – nur so muss – und sicherlich hat Oda Schafer nur so geschrieben und gefühlt. Kokett; nachdenklich; tief traurig; aufrüttelnd; vehement; laut; leise; zart; verträumt; verliebt; leidend; trauernd… All das hat man im Vortag von Evelyn Plank erfühlen können.

Evelyn Plank hat unserem Gefühl von Oda Schaefer eine Dimension verliehen, die wir bisher nicht kannten. Eine große Persönlichkeit, die in der Eindringlichkeit der eigenen Texte durch die Nuancierung des gesprochenen Wortes eine Ebene erreicht, die man erlebt haben muss. Frau Plank… sie haben ihre Zuhörer und uns an diesem Abend berührt… im wahrsten Sinne des Wortes.

Oda Schaefer - Immer war ich - immer werde ich sein...

Oda Schaefer – Immer war ich – immer werde ich sein…

Als dann die Biographin Oda Schaefers das Wort ergriff, begann der schon einzigartige Abend erneut eine sehr bedeutende Wendung zu bekommen. Dr. Monika Bächer verfasste bereits im Jahr 2005 ihre Dissertation Oda Schaefer (1900 – 1988) – Leben und Werk, die 2006 im Aisthesis Verlag veröffentlicht wurde. Eine Biographie, die man mit Fug und Recht als DAS Standardwerk zur Lyrikerin Oda Schaefer bezeichnen muss.

Wir haben uns bisher noch nicht mit den wissenschaftlichen Hintergründen eines Lebens beschäftigt. Wir haben keine Ahnung von der Analyse prosaischer Texte, ihrer Einordnung oder Kategorisierung und heute wissen wir, dass wir es hätten tun sollen. Unfassbar lebendig erzählte Dr. Monika Bächer aus dem Leben Oda Schaefers und ließ ihre Erkenntnisse aus umfangreichen Recherchen derart zart in diese Betrachtung einfließen, dass man niemals geglaubt hätte, dass es hier um eine Dissertation geht. So lebendig und so spannend kann Wissenschaft sein… wir haben viel gelernt.

Dr. Monika Bächer zitierte aus Odas Briefen und zeigte eine völlig neue Seite der Autorin. Sie war im direkten Kontakt unglaublich humorvoll und kokett. Sie liebte die Natur, die sich in einer großen Schaffensphase zum zentralen Element ihres Werkes entwickelte und war eine bedeutende Vertreterin der sogenannten Trostliteratur. Und zu trösten hatte Oda in Anbetracht ihrer eigenen Vita immer wieder. Nicht zuletzt sich selbst. Ein Zitat blieb mir besonders in Erinnerung. Auf die Bitte eines Verehrers, ihm doch ein Bild von sich zu überlassen, antwortete sie:

„Ein Photo schicke ich nicht.
Ich bin zu hübsch – das irritiert sie nur!“

Literatwo & Oda Schaefer - Mehr als Worte

Arndt Stroscher & Gastgeber Titus Horst – Mehr als Worte für Oda

Und natürlich waren auch wir geladen. Einfache Blogger, die in diesem erlesenen Kreis von eloquenten Lyrikern und Dichtern, Prosaliebhabern und Wissenschaftlern über unsere Annäherung an Oda Schaefer berichten sollten. Wir auf der Bühne des Lyrik Kabinetts, na wer hätte das gedacht. Diesmal war es an mir, Literatwo zu repräsentieren, aber Bianca war schon zu Beginn der Lesung telefonisch mit Titus Horst verbunden und so schloss sich auch dieser Kreis an einem besonderen Abend.

WIR haben von unserem Weg mit Oda berichtet, den man in einer eigens verfassten Chronologie sehr gut nachlesen kann. Wir haben von unseren Weggefährten berichtet, von vielen Zufällen und auch ein wenig vom Schicksal und wir haben von unseren Lesern erzählt, ohne deren Interesse eine solche Artikelserie nicht entstanden wäre. Voller Dankbarkeit haben wir über unsere Freude berichtet, wie schön es mit Oda Schaefer auf der Dresdner Schriftgut 2012 war und wir haben über unsere Gefühle erzählt, die uns durchfluten, wenn wir Odas Zeilen lesen.

Und letztlich haben wir darüber berichtet, was für uns die Relevanz von Lyrik in der heutigen Zeit ausmacht. Oda Schaefer war eine zutiefst pazifistische Autorin, die sich selbst in ihrem Leben treu geblieben ist. Die Kontinuität ihres Schaffens steht heute für ihr Lebenswerk. Und wenn wir heute im Angesicht einer Frau, die zeitlebens immer wieder schwer krank war, ihren einzigen Sohn im Krieg verlor und als Ehefrau eines schwer traumatisierten Weltkriegsopfers ihr Schicksal meisterte, die eigenen Probleme im lyrischen Licht betrachten, dann geben uns folgende Zeilen immer wieder Halt, weil Oda gezeigt hat, dass sie mit Leben gefüllt, das Leben retten können:

Immer war ich –
Immer werde ich sein
IMMER

Oda Schaefer- DAS FINALE

Oda Schaefer- DAS FINALE

Oda Schaefer – Ein Kreis schließt sich

Oda Schaefer - Ein Kreis schließt sich

Oda Schaefer – Ein Kreis schließt sich

Es ist ein ganz besonderer Moment im Leben, wenn aus einem kleinen Artikel ein Herzensprojekt wird, das dann im Laufe der Zeit eine Dimension erreicht, die auch in der Rückschau einfach unfassbar erscheint. Am 11.  Februar 2011 schrieben wir unsere ersten Zeilen zu Oda Schaefer nieder. Nachdem wir den Film Poll im Kino gesehen hatten, versuchten wir verzweifelt eines der Bücher jener Deutschen Lyrikerin zu finden, deren Lebenserinnerungen als Grundlage für das epische Meisterwerk  dienten.

Unser Entsetzen war groß, als wir feststellen mussten, dass weder Oda Schaefers Auch wenn Du träumst, gehen die Uhrennoch irgendein anderes ihrer lyrischen Werke in der weiten Welt des Buchmarktes erhältlich waren. Völlig vergessen. Nicht mehr publiziert. Verlegt… im wahrsten Sinne des Wortes. Wir waren tief getroffen. Nach einem solch bewegten Leben aus dem Fokus des verlegerischen Interesses zu geraten, das hatte sie nicht verdient. Wirklich nicht.

Und so schrieben wir schon im Februar 2011 im Aufruhr unserer Emotionen einen Satz, an dessen Realisierung wir niemals glauben wollten. Aufgegeben haben wir jedoch nicht:

„Habent sua fata libelli – Bücher haben Schicksale – wir werden diesem Schicksal auf der Spur bleiben und so lange träumen, wie unsere Uhren gehen und wieder Bücher von Oda Schaefer publiziert werden. Das könnt ihr uns glauben!“

Oda Schaefer - Eine magische Lesung in München

Oda Schaefer – Eine magische Lesung in München

Was dann geschah ist ein Teil unserer Geschichte. Der Artikel erfreute sich großer Resonanz und wir blieben beharrlich am literarischen Ball. Viele Zufälle (oder nennen wir es einfach „Das Schicksal“) halfen uns immer weiter – von Artikel zu Artikel und von Zeile zu Zeile. Oda Schafer wurde im Internet beachtet, man las bei uns über sie und befreundete Antiquare berichteten uns über die steigende Nachfrage an ihren Werken. Ihre Bücher jedoch blieben Mangelware.

Unverhoffte Wegbegleiter schlossen sich uns an. Menschen, die Oda Schaefer persönlich kannten, teilten ihre Erinnerungen mit uns und die Aufmerksamkeit unserer Leser wuchs ständig. Clara Luisa Demar, eine Schweizer Künstlerin die Oda viel zu verdanken hat, schrieb emotionale Beiträge für Literatwo. Unter der Überschrift „Wörterkränze für Oda“ verfassten unsere Leser Gedichte des Erinnerns an Oda und letztlich öffnete sogar Odas Erbe Titus Horst die Tür zu ihrem Nachlass.

Und ebenjener Erbe Titus Horst wagte 2012 gemeinsam mit dem Avicenna Verlag den großen Schritt, zwei Bücher von Oda Schaefer neu zu verlegen. Wir wollten es kaum glauben, bis wir die Werke in Händen halten konnten. “Immer war ich. Immer werde ich sein“ und “Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren” erblickten das Licht der Welt und wir waren wohl nicht ganz unschuldig daran.

Oda Schaefer - Lesen geht nur, wenn es Bücher gibt

Oda Schaefer – Das offizielle Programm für den Abend

Getreu dem Motto „Wenn nicht jetzt – wann denn dann…“ wurde auf der Grundlage der steigenden medialen Aufmerksamkeit gewagt, was sich jahrelang niemand getraut hatte. Oda war wieder da. Und auf der Buchmesse „Schriftgut“ in Dresden trafen sich alle Protagonisten dieses Projektes und brachten Oda Schaefer einem breiten Publikum nahe. Was für ein Erfolg.

Der Kreis schließt sich nun in voller Schönheit. Am 28. Oktober 2013 zieht Oda Schaefer im Lyrik Kabinett München ein und 25 Jahre nach ihrem Tod wird ihrer in einer groß angelegten Lesung gedacht. Und lesen kann man nur, wenn es auch Bücher gibt! Habent sua fata libelli… Bücher haben Schicksale.  Der Beweis für diese These liegt nun auf der Hand und wir werden immer im Gefühl leben, diesem Schicksal ein wenig auf die Sprünge geholfen zu haben.

Oda würde sich sehr über den Besuch vieler Lyrik-Liebhaber bei ihrer Lesung freuen. Das Programm für diesen Abend ist gediegen und man wird viel über ihr Leben und ihr dichterisches Werk erfahren. Auch Literatwo ist eingeladen und wir werden über unsere Annäherung an Oda berichten. Eine besondere Ehre für uns – zweifellos – denn es ist schon außergewöhnlich, dass wir uns vor einem lyrischen Auditorium präsentieren dürfen und auf diesem Wege verdeutlichen können, welch breit gefächertes literarisches Spektrum wir zu bieten haben. Herzensspektren eben…

Oda Schaefer und Literatwo - Eine Wegbeschreibung

Oda Schaefer und Literatwo – Eine Wegbeschreibung

Im Folgenden ist unser langer Weg mit Oda Schaefer in seiner Chronologie zusammengefasst. Wir legen dem geneigten Leser unsere Artikel und ihre Bücher ans Herz. Oda Schaefer und Literatwo – eine mehr als schicksalhafte Begegnung! Der Kreis ist geschlossen!

„Ein Leben mit Oda – Wie alles begann“

Oda Schaefer – Mit Poll zurück aus dem Vergessen

Oda Schaefer – Was Vergessen wirklich bedeutet

Oda Schaefer – Unvergessen – Poll und mehr

Oda Schaefer - Plötzlich so nah

Oda Schaefer – Plötzlich so nah

„Der Weg zurück ans Licht“

Oda Schaefer – Eine Tür öffnet sich bei Titus Horst

Oda Schaefer – Ein Irdisches Geleit – Zuhause bei Oda Schaefer

Neuerscheinung... was für ein tolles Wort für Oda Schaefer 2012

Neuerscheinung… was für ein tolles Wort für Oda Schaefer 2012

„Das Finale“

Eilmeldung – Oda Schaefer wird wieder verlegt

Der Kreis schließt sich in München

Oda Schaefer- DAS FINALE

Oda Schaefer- DAS FINALE

Eilmeldung – Oda Schaefer wird wieder verlegt – Neue Bücher erschienen

Das Oda-Schaefer-Projekt kommt an das nie erwartete Ziel!

Seit 2011 schreibt Literatwo über das Leben und Schaffen der deutschen Lyrikerin Oda Schaefer. Mit einem kleinen Artikel über den Film Poll hat alles angefangen und wir waren damals einfach nur traurig, dass kein einziges Buch von Oda im Handel erhältlich war. Unser sehr hoch gestecktes Ziel war es seit den ersten Artikeln, etwas gegen dieses Vergessen zu unternehmen.

Auf diesem Weg schlossen sich viele freundliche Menschen an und motivierten uns, weiter zu schreiben und immer neue Wege zu gehen. Mit Clara Luisa Demar fanden wir sogar eine Künstlerin, die Oda noch persönlich kannte und ihre Erinnerungen in einer bewegenden Ode an Oda bei uns veröffentlichte. Unser Poesie-Projekt, in dem wir dazu aufgerufen hatten, über Oda zu schreiben, hat inzwischen eine verdiente Siegerin und vor kurzem wurde uns das Privileg zuteil, dem Nachlass „unserer“ Oda einen intensiven Besuch abstatten zu dürfen.

Dass wir mit diesem Besuch allerdings auch die letzte Tür gegen das Vergessen aufstoßen würden, hätten wir niemals für möglich gehalten und heute halten wir voller Stolz etwas in Händen, an das wir eigentlich niemals so richtig glauben wollten. Neue Bücher von Oda Schaefer!

Neuerscheinung… was für ein tolles Wort für Oda Schaefer 2012

Ihr „Vize-Enkel“ Titus Horst (Schauspieler, Regisseur und Autor) öffnete uns nicht nur sein Herz, sondern alle Schatztruhen mit Bildern, Manuskripten und Gebrauchsgegenständen der großen Lyrikerin. Auch Titus ist nicht nur ein Mann des Wortes, sondern spricht durch Taten und so ist es für uns eine kleine Sensation, darüber berichten zu dürfen, dass Oda wieder publiziert wird!

Wenn nicht jetzt, wann denn dann? So könnte das Motto gelautet haben, das ihn und den Avicenna Verlag in München dazu bewogen haben, zum genau richtigen Zeitpunkt mit zwei Werken Oda Schaefers dafür zu sorgen, dass sie wieder von breitem Publikum gelesen werden kann.

„Immer war ich. Immer werde ich sein.“ Die Gedichte dieser Ausgabe stammen aus dem gesamten lyrischen Lebenswerk der Dichterin und darüber hinaus finden sich acht bisher unveröffentlichte Gedichte aus ihrem Nachlass in dieser Kollektion. Ein wahrlich großer Wurf für jeden Leser, der bisher vergeblich versuchte auf dem antiquarischen Markt einen Gedichtband von Oda Schaefer zu erstehen.

Erstmals findet sich im Anhang die bewegende Trauerrede des Vaters von Titus Horst, mit der er sich am 8. September 1988 am Grab von der Frau verabschiedete, die ihn als ihren zweiten Sohn betrachtet hatte. Mehr als empfehlens- und lesenswert!

„Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren“ beinhaltet neben den Lebenserinnerungen Oda Schaefers bis 1945, jener literarischen Vorlage für das filmische Meisterwerk „Poll“, nun auch erstmals „Die leuchtenden Feste über der Trauer“ und damit schließt sich der Kreis auch über die Nachkriegserinnerungen der Autorin bis in die Jahre kurz vor ihrem Tod.

In dieser Vollständigkeit hat sich der Blick auf Oda bisher nie erschlossen und die im Buch veröffentlichten Bilder aus ihrem Nachlass zeichnen nun ein komplexes Portrait der großen Künstlerin. Abgeschlossen wird die Edition von einem sehr gelungenen Nachwort von Eberhard Horst mit dem Titel „Gegen die Dunkelheit der Welt“.

Buchrücken und Vorworte machen Literatwo einfach nur stolz!

Wenn man mehr als eineinhalb Jahre beharrlich gegen das Vergessen einer Lyrikerin schreibt, dann darf man beim Lesen der Buchrücken-Texte und der Vorworte von Titus Horst nur ein Gefühl empfinden. Stolz.

Wir danken für diese Widmung und schreiben uns auf die Fahne, dass es ohne diese Artikel und Projekte auf unserem Blog diese Bücher vielleicht niemals gegeben hätte. Die größte Freude empfinden wir jedoch gegenüber einer Frau, die wir selbst leider nie kennen lernen durften.

„Liebe Oda… wir haben Ihre Fahne hochgehalten und auf einem Feld unfassbar vieler literarischer Neuerscheinungen immer wieder sichtbar gemacht. Wir wollten so sehr verhindern, dass Sie in Vergessenheit geraten. Wir wollten so vieles. Oda – hätten Sie gedacht, das wir es gemeinsam mit allen Freunden und Lesern schaffen? Oda – Sie waren immer und Sie werden immer sein!“

Der Weg führt an ein Ziel – Dresden…. Die Buchmesse schriftgut vereint uns alle.

Es dürfte nicht verwundern, dass unser Weg so nicht enden wird. Wir werden die Fahne Oda Schaefers mit nach Dresden nehmen und ihr auf der Buchmesse schriftgut einen besonderen Platz einräumen. Und hier fügt sich alles, wie mit magischen Fäden fest zu einem Wandteppich der Erinnerung verwoben. Alle Wege führen zusammen.

Sternfahrt nach Dresden…. Das Oda Schaefer Projekt…

Clara Luisa Demar wird in Dresden sein und an zwei Tagen in einer jeweils einstündigen multimedialen Präsentation über Odas Leben berichten. Die ewige Verbindung des Dichterpaares Oda Schaefer und Horst Lange wird hier erstmals in dieser Form von einer Künstlerin vorgestellt, die beide zu Lebzeiten gekannt hat.

Titus Horst und der Avicenna Verlag werden in Dresden sein, um die neu erschienen Bücher von Oda Schaefer dem Publikum vorzustellen. Oda Schaefer und ihre bisher unveröffentlichten Gedichte auf einer Buchmesse – wer hätte das gedacht, als wir 2011 den ersten Satz gegen das Vergessen schrieben?

Und Literatwo wird natürlich in Dresden sein und das Internet-Projekt Oda Schaefer präsentieren. Wir denken, dass es wichtig ist zu zeigen, was man gemeinsam mit Ausdauer und gegen den großen Mainstream in der heutigen Zeit erreichen kann, wenn es gelingt ein dauerhaftes Interesse zu wecken. Und für dieses Interesse danken wir unseren Lesern und Wegbegleitern, ohne die wir heute nicht diese Zeilen verfassen würden!

Am Sonntag mehr von uns… und der schriftgut in Dresden

Was Literatwo allerdings insgesamt und insbesondere in Dresden veranstaltet – das erfahrt ihr am Sonntag! Social-Media zu Anfassen auf der „schriftgut 2012“ – sehen wir uns?

Oda Schaefer - Ein Kreis ist geschlossen - Eine Lesung in München

Oda Schaefer – Ein Kreis ist geschlossen – Eine Lesung in München

Die Magie Oda Schaefers hat sich in voller Strahlkraft auf Literatwo übertragen. Habent sua fata libelli – Bücher haben Schicksale. Nicht anders kann und muss man es bezeichnen, denn am 28. Oktober 2013 schloss sich der Kreis eines großen Projektes in München. Eine Lesung anlässlich des 25. Todestages von Oda Schaefer schloss einen Kreis, der von ihrem Schaffen zeugt und der uns so viel bedeutet.

Ein irdisches Geleit – Zuhause bei Oda Schaefer

Die Jahre verschwimmen – Ein Besuch bei Oda Schaefer… ©AS

Suche du mich!
Finde du mich!
Bis ich dir wiederkehr
so federleicht,
Ist alles still und leer,
Was mir noch gleicht.

Oda Schaefer „Die Verzauberte“

Oda Schaefer – Plötzlich so nah ©AS

Ein sonniger Nachmittag hüllt uns mit wohliger Wärme ein, während wir doch Gänsehaut verspüren, als sich die Tür zu einer längst vergangenen Welt erstmals öffnet. So viele Zeilen von ihr haben wir gelesen, so viele Gedanken in Geheimen geteilt – so viel haben wir geschrieben und doch waren wir Oda Schaefer noch nie so nah wie jetzt.

Wir wollten so viel – wir wollten unmögliches und waren doch immer skeptisch, ob es uns gelänge. Eine Vergessene ins Bewusstsein bringen, eine Verlorene wiederfinden und einer Verstummten eine Stimme verleihen. Den anfänglichen Zweifeln gesellten sich schicksalhafte Fügungen an die Seite.

Wir fanden Menschen, die wussten, wo ihr Grab zu finden ist. Wir fanden Menschen, die sie kannten und ihr viel zu verdanken haben. Wir fanden Menschen, die gerade eine Magisterarbeit über sie schreiben und letztlich fanden wir den Erben und Nachlassverwalter von Oda Schaefer.

Als hätte sie noch eben hier geschrieben… Zeit verflüchtigt sich… ©AS

Und ebenjener Bewahrer Odas irdischer Schätze lässt uns ein und gibt uns Zeit… Zeit zu atmen, zu staunen und die Eindrücke wirken zu lassen, die auf uns einströmen. Unsere Artikel hat er gelesen und er weiß, was dieser Moment bedeutet. Ich muss mich setzen und fühlen. Die Zeit verschwimmt zu einer nicht mehr spürbaren Dimension und ich sitze an einem Schreibtisch, der so wirkt, als hätte Oda vor wenigen Minuten noch an ihren Werken geschrieben.

Manuskriptseiten, Briefe und Notizen, Fotografien und Bücher liegen zum Greifen nah und ich kann nicht anders. Ich muss die Zeilen berühren und ihren zeitlosen Geist ertasten. Oda so nah. So nah wie nie zuvor. Der Nachlass, den wir in dieser schwabinger Wohnung finden ist ein wahrer Schatz – greifbar jedoch unfassbar zugleich. Und während wir staunen und berühren, erzählt uns der Enkel Odas von seinen Erinnerungen an die Frau, deren leiblicher Enkel er nie war.

Seinen Vater hatte sie als ihren Sohn betrachtet – und ihn als ihren Enkel, den sie niemals haben sollte, da ihr eigen Fleisch und Blut im Krieg verschollen war. Bande, die niemals gelöst wurden und bis zum letzten Tag in Odas Leben hielten. Und weit darüber hinaus, wie wir an den liebevoll gehegten Artefakten ihres Lebens erfühlen können.

Eine Widmung… „Meiner lieben Mutter…“ ©AS

So lassen wir uns ein auf eine Oda Schaefer, die wir so bisher nicht kannten. Wir finden eine Tochter, die ihrer Mutter in aufrichtigen und zarten Zeilen ihre Bücher widmet. Wir sehen an den Manuskriptseiten die Akribie und Leidenschaft des Schreibens, spüren die vielen Schritte bis zum fertigen Gedicht. Selbst die abgedruckten Zeilen in ihren Büchern werden von ihr markiert und kommentiert. Nie zufrieden… ruhelos und von lyrischer Perfektion getrieben.. So war sie wohl.

Wir sehen Bilder einer stolzen Frau mit magischer Anziehungskraft und erfahren noch viel mehr von ihr. Die Trostlosigkeit einer Mutter, die ihren einzigen Sohn im Krieg verlor und die unendliche Kraft, die sie benötigte um ihren traumatisierten Ehemann Horst Lange nach dem Krieg nicht alleine zu lassen. Schmerzen, Erinnerungen und eine verletzte Seele veränderten ihn so sehr, dass es manchmal kaum erträglich schien.

Doch Oda blieb. Oda war da… Immer! Und sie schrieb sich die Seele aus dem Leib!

Eine stolze Frau – Ein verlorener Sohn – Ein traumatisierter Mann – Oda ©AS

Der Verlust der Heimat – die tiefen Erinnerungen an das vergangene Landgut Poll in Estland – die tief in ihr ruhende baltische Seele und die Wirrnisse des Schicksal ließen ihre Stimme reifen und veränderten ihre Lyrik. Wenige Dinge konnte sie retten, wenig greifbares blieb aus Poll – ein paar Mokkatassen, eine aus den Flammen gerettete Ikone – nicht viel mehr.

Heute diese Gegenstände berühren zu dürfen ist mehr als ein Privileg. Wir überwinden die Zeit und haben oft das Gefühl, mit Oda selbst zu plaudern. Oh ja, ich denke, sie hätte uns so viel erzählt und wir hätten sie so gut verstanden. Und doch wird uns bewusst, dass Oda nur noch in ihren Büchern lebt. Bücher die lange Zeit nicht mehr verlegt wurden und dem Vergessen ausgeliefert waren.

Bücher, die heute langsam wieder erscheinen. Zeitlos, magisch und strahlend sich aus der Asche erheben und die Stimme der Autorin in die Welt hinaus tragen. Lyrik basiert auf Erlebtem. Lyrik reift am Schmerz, sagt man so leichthin. Oda Schaefers Lyrik hat den Schmerz eines Lebens aufgesaugt und ihn, gewürzt mit der unendlichen Kraft einer kreativen Frau, in kraftvolle Poesie verwandelt.

Gerettet vom Landgut Poll… Oda Schaefers Mokkaservice ©AS

Ihr Lebenswerk legt Zeugnis ab – ungeschönt und doch so schön.

Wir wollten so viel. Wir wollten unmögliches. Und heute stehen wir an dieser Stelle und können in aller Bescheidenheit behaupten, dass wir viel erreicht haben. Das Interesse wächst. Bücher werden mutig gedruckt und die Resonanz bei den Lesern von Literatwo ist ungebrochen. Die Aufmerksamkeit, die unserem Projekt gezollt wird, ist der Schlüssel zum Wagemut von Verlegern, die uns deutlich sagen: „Wenn nicht jetzt, wann denn dann“…

Und bald endet auch unser Schreibwettbewerb „Wörterkränze für Oda Schaefer„. Ihr habt nicht nur gelesen… Wahrlich nicht. Viele Einsendungen haben uns gezeigt, wie sehr unsere Leser in die Welt Odas eingetaucht sind und in Form von ergreifenden Gedichten helfen, die Zeitlosigkeit der Poesie zu untermauern.

Bis zum 30. September sind die Tore noch geöffnet – schreibt für Oda und werdet Teil dieses Projektes.

Oda Schaefers Lebenswerk… als wäre sie nur auf Reisen ©AS

So wie wir Oda Schaefer erfühlt haben und so wie Clara Luisa Demar sie uns als ihren Mentor geschildert hat, wissen wir, wie sehr ihr an der Förderung junger Talente gelegen war. Unsere Idee, dem Gewinner unseres Poesie – Wettbewerbs einen Platz in einem Buch zu verschaffen, hätte ihr gefallen. Davon sind wir mehr denn je überzeugt.

Ihre Bücher sprechen eine deutliche Sprache und wir sind sehr stolz darauf, am Ende dieses Weges ein neues Gedicht in die Welt tragen zu dürfen. Teil einer Lyrik-Anthologie des Piepmatz Verlages zu werden heißt für uns, zeitlos zu werden und aktiv teilzuhaben am Prozess einer großen deutschen Lyrikerin den verdienten Tribut zu zollen.

Wir hätten Oda gerne davon erzählt. Wir saßen noch lange an ihrem Tisch, auf ihrem Sessel und hielten magisch anmutende Gegenstände in Händen. Irgendwie jedoch haben wir das Gefühl, dass wir gehört werden. Die Summe der Zufälle, die unser Schreiben über Oda begleitet ist derart ungewöhnlich, dass wir eben nur noch an schicksalhafte Fügung denken können.

Aus dem brennenden Haus gerettet – mehr als nur eine Ikone ©AS

Genau diese Fügung, die uns heute an diesen Ort geführt hat und uns erstmals mit dem Menschen Oda Schaefer konfrontiert. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie sympathisch sie uns auf Anhieb war. Warmherzig, energisch und bescheiden – so erzählt ihr Enkel, sei sie gewesen. Und dabei strahlt die Erinnerung so warm aus seinen Augen.

Die gleiche Fügung, die Ikonen aus brennenden Häusern rettet, Bücher bewahrt und Tassen von Poll nach München führt. Die Fügung, die uns einander wahrnehmen lässt und in der Erkenntnis verbindet, dass wir das Gedächtnis an eine Frau bewahren, die vom Leben oft so bitter geschlagen wurde und die doch immer wieder aufstand und ihr Leid in Kreativität zu wandeln vermochte.

Eine bibliophile Frau, deren größtes Glück nach dem Krieg es war, ein erstes Buch zu besitzen. Marcel Proust – eine wiedergefundene alte Liebe als Zeichen des Aufbruchs in ein neues Leben. Ein erstes Buch, das heute strahlend vor uns liegt und wir verstehen die Botschaft so deutlich, als würde Oda zu uns sprechen. Die Literatur hilft uns zu überleben. Damals wie heute.

Ein Neubeginn nach dem Krieg – Das erste Buch der neuen Bibliothek ©AS

Wir sind natürlich auch der Oda Schaefer in ihren letzten Jahren begegnet, sahen zum ersten Mal ein Foto von ihr, auf dem sie im Alter verschmitzt lächelnd in ihrem Wohnzimmer sitzt und fanden wertvolle Zeitdokumente vor. Das Notizbuch eines langen Lebens, in dem immer mehr Namen gestrichen waren. Die Last des Alters, wenn gute Freunde dahinscheiden und man letztlich fast alleine bleibt.

Wir fanden Zeugnisse ihres Schaffens und der Anerkennung, die ihr gezollt wurde. Die Medaille „München leuchtet“ leuchtet noch heute in ihrem Namen und die letzten Erinnerungen an ihren 1971 verstorbenen Ehemann liegen noch so, als hätte Oda sie gerade noch berührt. Eine Augenklappe, eine Erkennungsmarke und die Kreuze, die seinen Weg begleiteten. Ein großer Schriftsteller auch er – Horst Lange!

Mit dem letzten Bild dieses Artikels möchten wir euch nicht alleine lassen. Es sind Oda Schaefers letzte Worte – im Pflegeheim auf eine zerrissene Medikamentenschachtel geschrieben. Ein letzter Versuch zu dichten, bevor das Fenster sich schließt. Wir zitieren aus der uns vorliegenden Rede am Grab, die jener Mann hielt, den sie wie ihren Sohn liebte. Worte auf dem Waldfriedhof München am 8. September 1988. Worte voller Liebe und Zuneigung… Wir sind dankbar, dass wir sie an dieser Stelle exklusiv veröffentlichen dürfen!

Ein Notizbuch – München leuchtet – letzte Zeichen eines langen Lebens ©AS

Zwei Wochen vor ihrem Tod sagte sie, sie wolle sanft entschweben in die Ewigkeit, ihre Seele bleibe hier. Am Tag danach hatte sie wieder einen fast euphorischen Auftrieb, erzählte sie mir, dass sie Fontane lese, „Meine Kinderjahre“, erzählte das Gelesene und noch Anekdotisches aus ihrer Berliner Zeit, voll Humor bis zuletzt.

Aber dann ließen ihre Kräfte rasch nach, und am Ende erfüllte sich ihr Wunsch.

Oda Schaefer entschlief, entschwebte am Sonntagnachmittag zwölf Uhr, frei von Schmerzen. Ein milder Tod holte sie, der das Leben keine Milde brachte.

Erst wenn du zweifelst
kommen die Engel

heißt es in einem ihrer Verse. Ihre Seele bleibe hier, sagte sie. Ihre Seele ist gegenwärtig in ihren Gedichten.

Es ist so weit… Letzte Worte… Oda Schaefer ©AS

Immer war ich.
Immer werde ich sein.
In welcher Gestalt auch,
oder gestaltlos, Geist

Auch nach dem Tode:
Immer werde ich sein.
Immer bin ich,
Ich bin immer.

Oda Schaefer

Das Auge für Oda Schaefer- Alle Fotos made by PATH (Peter Helbig) ©AS

Oda Schaefer – Eine Tür öffnet sich

Oda Schaefer – Ein Blick in die Vergangenheit

Niemals hätten wir uns träumen lassen, dass ein Artikel über den Film Poll und unsere Idee, der vergessenen deutschen Lyrikerin Oda Schaefer einen Weg aus dem Vergessen zu ebnen, so weite Kreise ziehen würden. Viele Zufälle waren treue Wegbegleiter des gesamten Projektes und oftmals konnten wir kaum glauben, welche Glücksfälle fast gleichzeitig dieses Vorhaben mit neuem Leben füllten.

Und nun stehen wir an einem Punkt, der für uns Literatwos nur als absolut unfassbar zu bezeichnen ist. Bücher von Oda Schaefer werden neu publiziert. Unser Poesie-Projekt in Zusammenarbeit mit dem Piepmatz-Verlag überrascht uns täglich aufs Neue. Berührende Gedichte erreichen uns und in jedem einzelnen Werk fühlt man die intensive Beschäftigung des Verfassers mit dem Leben „unserer“ Oda.

Oda Schaefer – Gegenstände aus dem Nachlass werden lebendig

Clara Luisa Demar, die Verfasserin der Ode für Oda hier auf unserem Blog, plant eine große Retrospektive über jene große Dichterin, die sie selbst noch kennenlernen durfte. Sie fasst nicht nur ihre Gedanken über die gemeinsame Zeit mit Oda zusammen, sondern versucht auch zu zeigen, wie wichtig sich die poetische Lebensbeziehung zwischen Oda und ihrem Ehemann Horst Lange auf beide ausgewirkt hat.

Eine solche Retrospektive lebt natürlich nicht vom Wort allein und uns erreichte die Bitte, uns doch auf die Suche nach Dokumenten oder Bildern zu begeben, die das Leben von Oda Schaefer in die heutige Zeit transportieren könnten. Genau an dieser Stelle wurde der Erbe und Nachlassverwalter von Oda auf unsere Artikel aufmerksam und wir spürten schon beim ersten Telefonat, wie sehr er von unserem Projekt begeistert war.

Das geschulte Auge unseres Fotografen PATH wird alles dokumentieren

Der größte aller Zufälle jedoch ist, dass sich Gegenstände aus Odas Nachlass auch heute noch im Herzen Münchens befinden.

Durchaus kein Zufall ist es, dass Literatwo über einen erfahrenen Projekt-Fotografen verfügt, hat uns doch Peter Helbig (besser bekannt als PATH) schon durch das Flamingoprojekt, die Berichterstattung von der Corine 2010, unsere Tolstoi-Reportage und ein Interview zur Stadt der Bücher begleitet.

Glaubt an dieser Stelle und in Anbetracht der Dynamik dieser Ereignisse noch jemand an Zufall?

So führen alle Wege zusammen: Ein groß angelegtes literatwoisches Projekt; ein Poesiewettbewerb mit einem „ewig währenden“ Hauptgewinn; eine Schweizer Künstlerin auf dem Weg zu einer großen Rückschau auf Oda Schaefer; ein fotografierender Projektbegleiter und nicht zuletzt ein Erbe, der uns die Tür zu Oda Schaefers Nachlass öffnet.

Und genau diese Tür wird sich morgen Abend öffnen. Der Termin wurde gerade bestätigt und Literatwo wird mit viel Gänsehaut und Ehrfurcht den originalen Manuskripten, Gebrauchsgegenständen und Besitztümern Oda Schaefers gegenüberstehen. Ein Blick auf ihren Schreibtisch, das zarte Berühren ihrer Schreibmaschine und das Erahnen, was ihr die Gegenstände bedeutet haben mögen, wird uns beim Durchschreiten dieser Tür begleiten.

PATH wird es gelingen, den Objekten neues Leben einzuhauchen und dem Vorstellungsvermögen unserer Leser und aller lyrikbegeisterten Menschen wird es gelingen, die Worte Odas mit diesen Gegenständen zu verknüpfen und eine neue Geschichte entstehen zu lassen. Ein neues Licht geht auf und wir werden berichten. Doch zunächst gilt es, mit angehaltenem Atem zu versuchen die Stimmung zu erfassen, die morgen von uns Besitz ergreifen wird.

Oda Schaefer – Mit einem Klick zum Poesie-Projekt von Literatwo

Bis in den September hinein habt ihr die Möglichkeit, ein Gedicht für Oda zu schreiben und als Hauptgewinn einen Platz in der Lyrik-Anthologie des Piepmatz Verlages zu gewinnen. Ein Preis für die Ewigkeit.

Die Ausschreibung für dieses Projekt findet ihr hier!

Erste Verlage beginnen mit der Neuauflage von Odas Büchern und auch das literarische Erbe ihres Ehemanns Horst Lange ist untrennbar mit dieser Entwicklung verbunden. Ein Blick auf die neuen Bücher haben wir in unserem Artikel Eine Ode auf den Juli geworfen. Lest und schreibt, verfolgt unsere Artikel und lasst euch überraschen, wohin dieser Weg führen wird.

Das Ziel steht fest. Es wird eine große Überraschung werden und alle Projekte werden an einem Ort zusammengeführt. Auf diesen großen Tag freuen nicht nur wir Literatwos uns ganz besonders. Wir danken allen Wegbegleitern aufs Herzlichste – ohne euch wären wir nicht da, wo Oda heute wieder steht!

SCHREIBT

„Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren!“

Mit einem Klick durch die offene Tür zu Oda Schaefer

Oda Schaefer – was Vergessen wirklich bedeutet…

Eigentlich schrieb ich einen Artikel über den Film „POLL“ des bekannten Regisseurs Chris Kraus. Eigentlich schrieb ich über die Leistung dieses Films, die Erinnerung an eine inzwischen vergessene deutsche Lyrikerin wiederbelebt  zu haben. Eigentlich schrieb ich über die Suche nach einem Buch von Oda Schaefer und meine Freude, endlich

„Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren“

in Händen zu halten. Und eigentlich schrieb ich über meine Gefühle, in ihren Zeilen ein ganzes Leben wiederenteckt zu haben.

Über all dies schrieb ich eigentlich….

Und eigentlich hatte sich damit für mich ein bewegendes literarisches Kapitel einerseits lesend geöffnet und andererseits schreibend geschlossen.

Eigentlich…

Bis ein sehr freundlicher Leser einen Kommentar auf Literatwo verfasste, der mich wieder aufrüttelte und mich zum Nachdenken brachte.

Eigentlich wäre ihr literarisches Schaffen ein Zeichen des Dankes wert. Eigentlich.

Es folgten private Mails mit dem Verfasser des Kommentars und ich lernte in und zwischen den Zeilen einen Menschen kennen, mit dem ich gerne gemeinsam das Grab von Oda Schaefer besucht hätte, um ebendieses Zeichen des Dankes zu hinterlassen. Ich erhielt einen genauen Lageplan der einzelnen Gräber und eine präzise Wegeskizze zur letzten Ruhestätte der deutschen Dichterin. Und eigentlich wäre ich bereits gerne schon dort gewesen.

Nur… alleine wollte ich nicht gehen… Vielleicht schaffen wir es doch noch gemeinsam. Dafür brauchen wir einen guten Tag – einen ganz besonders guten Tag, wie Herr Seidl mir versicherte. Auf diesen Tag hoffe ich…

Zu Ostern schickte er mir ein Photo der Ruhestätte und ich wollte kaum glauben, was ich auf dem Grabstein lesen musste. Nicht nur der Zustand des Grabes, auch die Tatsache, dass kein Hinweis auf die Berufung und das Schaffen von Oda Schaefer Erwähnung findet, ließen mich sehr nachdenklich werden.

Kann Vergessen so umfassend sein? Kann Vergessen so endgültig sein? Helfen Filme, Bücher und Artikel, die Erinnerung nachhaltig am Leben zu halten?

Ich kann es nur hoffen und das Grab besuchen – an einem besonders guten Tag… nicht allein…

Oda Schaefer – eine Lyrikerin im Grab eines Dichters…

„Launisch bewahrt die Erinnerung Eindrücke und Bilder auf, fragwürdige Daten, die an sich nichts bedeuten. Auf dem Meeresboden der Vergangenheit ruhen sie, wie eingesargt in den Schatullen dunkler Schiffe.

Man muss sie heben, um die Einheit des Lebens herzustellen, dem großen Bogen zu folgen von Anfang an, wenn er sich zum Alter hin bereits zu senken beginnt.

Schmerz und Sehnsucht, Lust und Glück vermag solch ein winziger Ausschnitt wiederzubringen…“

Aus Oda Schaefer: „Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren“

Hier geht es zur vollständigen Literatwo-Artikelserie zu Oda Schaefer..

Editorische Notiz: Im April 2011 konnten wir nicht ahnen, wer uns auf dem gemeinsamen Weg mit Oda Schaefer noch alles begegnen sollte. Eine künstlerische Freundin und ihr „Enkel“ gesellten sich zu uns und ermöglichten uns nicht nur tiefe Innenansichten sondern viel mehr. Wir konnten sogar ihren Nachlass besichtigen und darüber schreiben.

Wenn heute nach Werken von Oda Schaefer gesucht wird, dann hat man wieder Erfolg. Auch dank unserer Artikelserie sind ihre Bücher – und ganz speziell die literarische Vorlage für den Film „Poll“ – in neuer Auflage erschienen. Wir können sie nur ans Herz legen. Wir können Oda Schaefer nur ans Herz legen – unsere Herzen hat sie im Sturm erobert.