PATH – Peter Helbig – Projektfotograf

PATH – Peter Helbig – Projektfotograf – Ein Portrait

Im Portrait: PATH – Peter Helbig – Distanz schafft Nähe und Nähe lässt Distanzen verschwinden – Ein Projektfotograf

Ein Blog lebt nicht vom Wort allein und Literatwo ist dafür bekannt, alle Artikel mit bildgewordenen Impressionen eines Leseweges zu untermalen. Es ist immer ein besonderer Moment, wenn das Kopfkino des Buches zu einem richtigen Bild oder einer Collage wird und die Gedankensamen des Autors auf einen Blick zum Erblühen bringt.

Besondere Projekte erfordern jedoch oftmals mehr, als wir selbst fotografisch zu leisten vermögen. Mehr als stolz sind wir darauf, bei solchen ausgewählten Anlässen einen richtigen Profi an unserer Seite zu haben und von „unserem“ Teamfotografen Peter Helbig begleitet zu werden. PATH – der Weg zum individuellen Bild – nichts trifft es besser, nichts erklärt präziser, was er mit seinen Fotografien erzeugen kann und unsere bisherigen gemeinsamen Projekte leben in einer perfekten Symbiose aus Wort und Bild.

Es wird Zeit, euch diesen Künstler mit Kamera ein wenig intensiver vorzustellen, damit auch ihr euch ein Bild von ihm machen könnt und erkennt, wo die wahren Unterschiede zwischen Profi und dem Rest der fotografischen Welt liegen.

Peter Helbig – eine Philosophie

Respekt – Distanz – Sympathie – PATH

Momente zu unvergesslichen Erinnerungen werden zu lassen – Motive mit blühendem Leben zu erfüllen – Projekten ein einzigartiges Gesicht zu geben – ein Bild niemals als perfekt zu betrachten, sondern selbst aus dem besten Ergebnis noch lernen zu wollen – dem Menschen in jeder Situation gerecht zu werden, ohne Weglassung, Beschönigung oder Retusche… einfach die Wahrheit der Aufnahme zu zelebrieren… Diese wenigen Sätze können das Mantra von Peter Helbig kurz, aber in aller Deutlichkeit skizzieren.

Wir wissen, wovon wir reden, da wir ihn in verschiedenen Situationen bei seinem kreativen Schaffen erleben durften:

PATH – Eventfotografie

PATH und seine Intuition… Distanz gewähren… Nähe gewinnen…

Peter Helbig und der rote Teppich wurden während der Corine Preisverleihung 2010 keine guten Freunde. Sich gegenseitig um die besten Plätze beneidende, sich mit Ellenbogen beharkende, laut schreiende und um Aufmerksamkeit heischende Szenefotografen schienen eine deutlich abschreckende Wirkung auf unseren Begleiter bei dieser VIP-Veranstaltung zu erzeugen. Wie von einem inneren Instinkt geleitet, suchte er sich einen Platz weit ab vom Geschiebe und Gedränge – weit ab von der Künstlichkeit der prominenten Posen – weit weg von aufgesetztem Kameralachen und weit ab von jener hochglanzkultivierten Blitzentblößung bekannter Persönlichkeiten.

Er wahrt Distanz und gewährt den portraitierten Menschen die Freiheit, sich seinen Blicken zu nähern und mit seiner Kamera zu flirten. Ein Bild reicht ihm aus – ein freundliches Nicken als Dank und die gesenkte Kamera als Zeichen des „Loslassens“ – selten habe ich erlebt, wie Schauspieler und Autoren es so genossen haben, fotografiert zu werden.

Der Szenefotograf und ein Idol: Herlinde Koelbl und Peter Helbig

Dieser Respekt inmitten dieses fotografischen Dauerbeschusses wirkte auf Prominente wie eine wohltuende Oase, in der sie SEIN durften. Das Ergebnis… sehenswert. So ließ sich die weltberühmte Fotografin Herlinde Koelbl mehr als gerne mit Peter Helbig ablichten! Wohl der einzige Fotograf des Abends auf einem Bild mit ihr! Distanz schafft Nähe… PATH

PATH – Projektfotograf

PATH und das Zoobuch – Eine Projektstudie der besonderen Art

Das Spiel mit der Unschärfe – die Liebe zum Detail – die Fähigkeit, Szenen ins Bild zu setzen und nicht zu gestalten – die Begabung mit der Kamera zu verschwinden, um schier unbemerkt die Natürlichkeit des Moments zu bewahren… all dies waren die Charakteristika seines Wirkens bei unserem legendären Flamingoprojekt. Die Entstehung eines Buches in Form einer modernen Werkstudie war unser Ziel. Ein lebendiges Projekt voller Erinnerungen lebt durch seine Bilder in allen Beteiligten weiter.

Die Atmosphäre vom ersten bis zum letzten Tag des Projektes lässt sich in Worte allein nicht fassen. Ohne seine Bilder hätten die Flamingos den Boden niemals verlassen.

Julia Strauss – Autorin des Zoobuches – Ein PATHbild…

Fußnote: Die Buchmesse in Frankfurt konfrontierte die Autorin des Zoo-Buches mit einem eher typischen Pressefotografen. Sie schleppte Flamingos von A nach B, posierte geduldig mit Buch und platzierte sich überall dort, wo der Fotograf der Meinung war, ein Klasse-Bild machen zu können.

Das Ergebnis war ein Pressebild – nicht mehr. Die entspannte, stolze, in sich ruhende Autorin Julia Strauß in der Blüte ihrer Kreativität – die zeigt nur Peter Helbig…. PATH

PATH – Illustrator großer Worte

Tolstoi und PATH – Große Worte – Große Fotografie

Leo Tolstois 100. Todestag war Anlass für uns, eine große Retrospektive über das Schaffen dieser Legende entstehen zu lassen. Eine der Ideen dieses Projektes war es, bekannte Zitate des russischen Autors mit aktuellen Fotografien zu untermalen, sodass die Worte durch die Aussage des Bildes vertieft, aktualisiert und noch greifbarer werden.

Bilder als Symbole… mehr ist über das Ergebnis nicht zu sagen. Jedes Wort wäre genau das eine zuviel. PATH

PATH – journalistischer Interviewpartner

PATH im Interview mit Anja Bohnhof zu „Die Stadt der Bücher“

Anerkannte und prominente Fotografen durch Interviewfragen hinter der Kamera hervorzulocken – ihnen praxistaugliche Aussagen zu traditioneller und moderner Fotografie zu entlocken und auch im Interview eine Atmosphäre der respektvollen Augenhöhe entstehen zu lassen… auch dies eine der wichtigen Seiten eines Fotografen, der sich selbst kritischer betrachtet als jeder Kritiker. Aus der Arbeit von Kollegen zu lernen, ihnen Bewunderung zu zollen und sich selbst Schritt für Schritt weiterzuentwickeln – auch das steht für PATH wie das Interview mit Anja Bohnhof zum Buch Die Stadt der Bücher deutlich zeigt.

PATH – unser Partner auch in der Zukunft

Wieder Leben einhauchen… PATH und der Nachlass von Oda Schaefer im Dialog

Oda Schaefers Nachlass exklusiv für uns und auch für die Öffentlichkeit ins Bild zu setzen – niemandem hätten wir diese Aufgabe anvertraut und ohne ihn hätten wir nie den Schritt gewagt, uns den Schätzen Odas überhaupt anzunähern. Auch hier wird seine Kunst Bestand haben, zeitlos sein und Gegenstände der Vergangenheit mit neuem Leben füllen.

Seine Intuition kann Gegenstände zum Leben erwecken und festhalten, was längst verloren schien. Keine Überraschung also, dass wir gemeinsam weitermachen und uns alle erdenkliche Mühe geben, seinen Bildern den Text zur Seite zu stellen, den sie sich verdienen.

PATH – Ein Bild von einem Fotografen – das menschliche Auge mit analoger Philosophie und digitaler Präzision. Distanz schafft Nähe und genau diese Nähe lässt Distanzen verschwinden.

Gemeinsam in die Zukunft – Literatwo & PATH

Oda Schaefer – Eine Tür öffnet sich

Oda Schaefer – Ein Blick in die Vergangenheit

Niemals hätten wir uns träumen lassen, dass ein Artikel über den Film Poll und unsere Idee, der vergessenen deutschen Lyrikerin Oda Schaefer einen Weg aus dem Vergessen zu ebnen, so weite Kreise ziehen würden. Viele Zufälle waren treue Wegbegleiter des gesamten Projektes und oftmals konnten wir kaum glauben, welche Glücksfälle fast gleichzeitig dieses Vorhaben mit neuem Leben füllten.

Und nun stehen wir an einem Punkt, der für uns Literatwos nur als absolut unfassbar zu bezeichnen ist. Bücher von Oda Schaefer werden neu publiziert. Unser Poesie-Projekt in Zusammenarbeit mit dem Piepmatz-Verlag überrascht uns täglich aufs Neue. Berührende Gedichte erreichen uns und in jedem einzelnen Werk fühlt man die intensive Beschäftigung des Verfassers mit dem Leben „unserer“ Oda.

Oda Schaefer – Gegenstände aus dem Nachlass werden lebendig

Clara Luisa Demar, die Verfasserin der Ode für Oda hier auf unserem Blog, plant eine große Retrospektive über jene große Dichterin, die sie selbst noch kennenlernen durfte. Sie fasst nicht nur ihre Gedanken über die gemeinsame Zeit mit Oda zusammen, sondern versucht auch zu zeigen, wie wichtig sich die poetische Lebensbeziehung zwischen Oda und ihrem Ehemann Horst Lange auf beide ausgewirkt hat.

Eine solche Retrospektive lebt natürlich nicht vom Wort allein und uns erreichte die Bitte, uns doch auf die Suche nach Dokumenten oder Bildern zu begeben, die das Leben von Oda Schaefer in die heutige Zeit transportieren könnten. Genau an dieser Stelle wurde der Erbe und Nachlassverwalter von Oda auf unsere Artikel aufmerksam und wir spürten schon beim ersten Telefonat, wie sehr er von unserem Projekt begeistert war.

Das geschulte Auge unseres Fotografen PATH wird alles dokumentieren

Der größte aller Zufälle jedoch ist, dass sich Gegenstände aus Odas Nachlass auch heute noch im Herzen Münchens befinden.

Durchaus kein Zufall ist es, dass Literatwo über einen erfahrenen Projekt-Fotografen verfügt, hat uns doch Peter Helbig (besser bekannt als PATH) schon durch das Flamingoprojekt, die Berichterstattung von der Corine 2010, unsere Tolstoi-Reportage und ein Interview zur Stadt der Bücher begleitet.

Glaubt an dieser Stelle und in Anbetracht der Dynamik dieser Ereignisse noch jemand an Zufall?

So führen alle Wege zusammen: Ein groß angelegtes literatwoisches Projekt; ein Poesiewettbewerb mit einem „ewig währenden“ Hauptgewinn; eine Schweizer Künstlerin auf dem Weg zu einer großen Rückschau auf Oda Schaefer; ein fotografierender Projektbegleiter und nicht zuletzt ein Erbe, der uns die Tür zu Oda Schaefers Nachlass öffnet.

Und genau diese Tür wird sich morgen Abend öffnen. Der Termin wurde gerade bestätigt und Literatwo wird mit viel Gänsehaut und Ehrfurcht den originalen Manuskripten, Gebrauchsgegenständen und Besitztümern Oda Schaefers gegenüberstehen. Ein Blick auf ihren Schreibtisch, das zarte Berühren ihrer Schreibmaschine und das Erahnen, was ihr die Gegenstände bedeutet haben mögen, wird uns beim Durchschreiten dieser Tür begleiten.

PATH wird es gelingen, den Objekten neues Leben einzuhauchen und dem Vorstellungsvermögen unserer Leser und aller lyrikbegeisterten Menschen wird es gelingen, die Worte Odas mit diesen Gegenständen zu verknüpfen und eine neue Geschichte entstehen zu lassen. Ein neues Licht geht auf und wir werden berichten. Doch zunächst gilt es, mit angehaltenem Atem zu versuchen die Stimmung zu erfassen, die morgen von uns Besitz ergreifen wird.

Oda Schaefer – Mit einem Klick zum Poesie-Projekt von Literatwo

Bis in den September hinein habt ihr die Möglichkeit, ein Gedicht für Oda zu schreiben und als Hauptgewinn einen Platz in der Lyrik-Anthologie des Piepmatz Verlages zu gewinnen. Ein Preis für die Ewigkeit.

Die Ausschreibung für dieses Projekt findet ihr hier!

Erste Verlage beginnen mit der Neuauflage von Odas Büchern und auch das literarische Erbe ihres Ehemanns Horst Lange ist untrennbar mit dieser Entwicklung verbunden. Ein Blick auf die neuen Bücher haben wir in unserem Artikel Eine Ode auf den Juli geworfen. Lest und schreibt, verfolgt unsere Artikel und lasst euch überraschen, wohin dieser Weg führen wird.

Das Ziel steht fest. Es wird eine große Überraschung werden und alle Projekte werden an einem Ort zusammengeführt. Auf diesen großen Tag freuen nicht nur wir Literatwos uns ganz besonders. Wir danken allen Wegbegleitern aufs Herzlichste – ohne euch wären wir nicht da, wo Oda heute wieder steht!

SCHREIBT

„Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren!“

Mit einem Klick durch die offene Tür zu Oda Schaefer

„Stadt der Bücher“ – Anja Bohnhof, eine Fotografin in Kalkutta

Stadt der Bücher – Fotografin Anja Bohnhof im Interview

In unserer Buchvorstellung zur “Stadt der Bücherhaben wir schon unterstrichen, dass es sich hierbei um ein literarisch – fotografisches Gesamtkunstwerk handelt und wir wollten von Anja Bohnhof, dem “Auge” des Projektes wissen, wie es war, all die Bücher in Kalkutta auf die analogen Platten zu bannen.

Die geniale Komposition aus Text (Ilija Trojanow) und Bild (Anja Bohnhof) baut eine Brücke in eine der faszinierendsten Städte unserer Erde. So nah wie Armut und Reichtum zusammenliegen, so nah liegt auch der Wunsch nach Bildung und Wissen im Wesen der Menschen begründet.

„College Street ist keine Straße, es ist kein Viertel und keine Hochschule; College Street ist das Versprechen, jedes Buch zu finden, das man begehrt.” (Ilija Trojanow)

Besonders unser Teamfotograf PATH (Peter Helbig) war natürlich sehr an den Hintergründen dieses Projektes interessiert und wir verdanken ihm eine Reihe mehr als interessanter Fragen von “Auge zu Auge”. Anja Bohnhof hat sie alle beantwortet – und nicht nur das.

Ein Blick hinter die Kulissen dieses Projekts ist nicht nur mit Worten möglich. Anja Bohnhof hat uns exklusives Bildmaterial zur Verfügung gestellt, damit wir einen richtigen Einblick genießen können. Wir danken herzlich dafür!

Stadt der Bücher – Fotografin Anja Bohnhof im Interview von „Auge“ zu „Auge“

Fotografie ist für mich:

Meine Möglichkeit, mir etwas zugänglich zu machen, mich auseinanderzusetzen, ein bisschen Welt zu erobern.

Ein gutes Bild ist für mich:

Roland Barthes hat einmal kritisierend über, wie er es nennt, Schockfotos geschrieben, dass der Fotograf dem Betrachter nichts gelassen habe als das Recht der geistigen Zustimmung.  Allem jenseits dessen ist meiner Meinung nach zumindest das Potential eines guten Bildes zuzusprechen.

Nach welchen Kriterien haben sie ihre Motive ausgewählt? Hatten Sie den Text von Trojanow schon gelesen oder waren Sie hierbei auf sich alleine gestellt… es ist die berühmte Frage, was zuerst da war – das Huhn oder das Ei 😉

Die literarische und die fotografische Arbeit zu diesem Buch sind voneinander losgelöst entstanden und können, denke ich, auch so bewertet werden. Weder illustriert der Text die Bilder, noch die Bilder den Text. Weitere kluge verlegerische Entscheidungen haben dann letztlich zu dem Werk geführt, so wie es jetzt vorliegt.

Waren sie künstlerisch frei in der Wahl Ihrer Methodik?

Ja, ich arbeite nicht oder nur sehr ungern innerhalb enger Vorgaben, denn selten sind mir die Ergebnisse dann wirklich eine Freude.

Stadt der Bücher – Die große Kunst der Anja Bohnhof – Originale

In ihren Interviews kann man sehr oft nachlesen, dass die Fotografie ein elementarer Baustein in der heutigen digitalen Welt ist. Warum haben Sie sich dazu entschieden, in einer traditionellen analogen Form zu fotografieren?

Ich entscheide von Projekt zu Projekt, wie ich arbeite. Architektonische Themen erarbeite ich gerne analog mit einer Großformatkamera. Die technische Umsetzung und notwenige Konzentration bei der Aufnahme kommen den hohen kompositorischen Anteilen innerhalb der Bildschaffung sehr entgegen.

Zudem ist die Qualität von analogen Großbildnegativen immer noch äußerst hervorragend und da es sich in der Regel bei meinen Projekten auch um Ausstellungsprojekte handelt, ist hierüber die Erstellung großer Bildformate auch in sehr guter Abbildungsqualität möglich. Auch diese Arbeit aus „Stadt der Bücher“ wird unter dem Titel books for sale“ in Galerien und Museen ausgestellt.

Was hat die digitale Fotografie in Ihrem Beruf verändert. Ein befreundeter Profifotograf sagte mir einmal „Das digitale Bild hat uns die Neugier auf das Ergebnis geraubt, da wir  sofort sehen können, wie die Aufnahme geworden ist…“ Können Sie das bestätigen?

Ich schätze die digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten hinsichtlich der Möglichkeiten von Bildoptimierungen wirklich sehr. Die Dunkelkammer vermisse ich persönlich nicht sonderlich.

Die Bilderstellung mittels digitaler Technik ist aber in der Regel auch nicht meine erste Wahl. Ich denke, das liegt aber auch an einer anderen Konditionierung und ist vielleicht sogar eine Frage der Gewohnheit. Ich werde oft etwas ungenau, wenn ich digital fotografiere, muss mich mehr zwingen, mich auch wirklich zu konzentrieren.

Ich weiß nicht, ob es wirklich die Neugierde ist, die mir dabei fehlt, aber wirklich beglückend finde ich es auch bis heute nicht, obgleich das Arbeiten mit digitaler Technik nun schon Jahre auch zu meinem Arbeitsalltag gehört.

Stadt der Bücher – Anja Bohnhof – Eine großformatige Künstlerin

Zu Kalkutta selbst: Wie sah Ihr Tagesablauf aus?

Ich habe mit drei Assistenten vor Ort gearbeitet. Wir sind meist früh in das Viertel rund um die College Street gefahren. Denn nur so konnten wir nach und nach die einzelnen Buchstände fotografieren, es war immer wichtig, dass die Stände rechts und links möglichst noch geschlossen waren, um eine optimale Konzentration auf das einzelnen Objekt zu erreichen.

Zudem waren die Lichtverhältnisse stets zu berücksichtigen, harte Kontraste über Licht und Schatten galt es zu vermeiden. Mittags haben wir dann meist erschöpft im Indian Coffee House eine Pause eingelegt und dann noch solange weitergemacht, bis das Menschenaufkommen in den Straßen und an den Ständen zu hoch war, um überhaupt noch fotografieren zu können. So haben wir über drei Wochen gearbeitet.

Stadt der Bücher – Fotografin Anja Bohnhof am Set in Kalkutta

Mussten Sie am Set Absperrungen vornehmen, um den hohen Belichtungszeiten zu entsprechen und Menschen aus den Bildern fernzuhalten?

Für einen ausreichenden Betrachtungsabstand zum Objekt war es nicht selten notwendig, mit Kamera und Stativ mitten auf der Straße zu stehen, das ist in einer Metropole wie Kalkutta nicht unbedingt risikofrei. So war es zwingend notwendig, dass das Team stets den Verkehr um mich herum im Auge hatte und ggf. reagieren konnte. Auch, um die Menschen zum Zeitpunkt der Aufnahme aus dem Bild zu halten, waren temporäre, aber dann ja nicht lang dauernde Absperrungen nötig.

Die beiden indischen Assistenten aus meinem Team arbeiten eigentlich im Bereich Security Service und Crowd Controlling, das war sehr dankbar für dieses Projekt. Auch mein aktuelles Projekt Bahak über Lastenträger in Kalkutta habe ich wiederum mit Ihrer Hilfe umsetzen können.

Wie sah das typische Set aus? (Diese Frage wurde in Bildern beantwortet, die wir hier exklusiv veröffentlichen dürfen)

Anja Bohnhof in der College Street von Kalkutta – Stadt der Bücher

Sind Sie selbst mit dem Gesamtergebnis zufrieden – nach der Hochzeit zwischen Wort und Bild ergab sich ja eine neue Dimension in Ihrem Schaffensprozess!

Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, es freut mich wirklich sehr, dass dieses Buch zusammen mit Ilija Trojanow zusammen entstanden ist, denn ich kenne keinen zeitgenössischen Autor, von dem ich lieber etwas über Indien und die Welt erfahren mag, und in manchem war es recht, mich einfach auch auf die verlegerische Kompetenz des Langen Müller Verlages zu verlassen.

Und eine letzte Frage: Auf welche Frage würden Sie gerne einmal in einem Interview antworten… nur: Man hat sie Ihnen leider noch nie gestellt.

So viele Interviewfragen habe ich noch nicht beantwortet, als dass sich mir diese Frage bisher schon einmal aufgedrängt hätte…

Stadt der Bücher – Das perfekte Geschenk für bibliophile Menschen

Wir danken für dieses aufschlussreiche Gespräch und die Möglichkeit, exklusives Bildmaterial aus Kalkutta veröffentlichen zu dürfen. Auch Ilija Trojanow hat uns seine Bereitschaft zu einem Interview signalisiert und so werden wir uns auf die Suche nach der „Stimme“ des Projekts begeben, um auch hier beides miteinander zu einem großen Ganzen zu verbinden!

Hier geht es dann bald zum Interview mit Ilija Trojanow

Stadt der Bücher – ein KunstWerk

Ein kongeniales Team – Weltensammler Trojanow und Anja Bohnhof

„College Street ist keine Straße, es ist kein Viertel und keine Hochschule; College Street ist das Versprechen, jedes Buch zu finden, das man begehrt.“

„Dieses Versprechen durchdringt… jede Nische eines Labyrinths, das von den Hauptstraßen in die Nebenstraßen und Seitengassen führt, ein Labyrinth aus bedrucktem Papier; von den Bürgersteigen zu den Durchgängen, von den Türen über Treppen bis hinauf zu vollgestopften Dachgeschossen stapeln sich Bücher zu Fassaden, Ecken und Erkern.“

Wenn ich jetzt fragen würde, in welcher Stadt diese College Street liegt, erhielte ich wohl nicht allzu viele richtige Antworten. Mir ging es ähnlich, als ich dieses Buch sah, es berührte, aufschlug und so gefangen war, dass mir keine Wahl blieb, als es zum Teil meiner Bücherwelt zu machen.

Stadt der Bücher – ein absoluter Lustkauf. Ein Buch, das mich im Sturm erobert hat und mich auch Tage nach dem Lesen und Betrachten magisch in seinem Bann gefangen hält. Wenn ich erneut fragen würde, in welcher Stadt diese Straße – dieses literarische Versprechen – liegt, dann würden wir noch immer im geographisch trüben Wasser fischen.

Und wenn ich dann die indische Metropole Kalkutta erwähne, dann ernte ich vergleichbare Reaktionen. Sie reichen von „Das hätte ich nicht gedacht“ bis „Ich hätte schwören können, es geht um Paris oder New York.“ So dachte ich auch.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlages (© Anja Bohnhof)

Bis zum ersten Satz – bis zum ersten Bild – bis zum ersten Gedanken – bis zum ersten Gefühl. Kalkutta – Ziel einer buchigen Reise.

Kein gewöhnliches Buch halte ich in Händen – eher ein wertvolles Gesamtkunstwerk mit einer eigenartigen Dynamik. Der Text des mehrfach ausgezeichneten „Weltensammler“-Autors Ilija Trojanow, seine Sprache und die persönlich leichte Art und Weise, mir die letzten und ersten Geheimnisse dieses Bücherparadieses zu verraten, zwingen mich zu lesen – sie beschleunigen meinen Atem, da ich als bekennend bibliophiler Mensch quasi vor einem bisher unentdeckten Schatz stehe und nur dieser Autor im Besitz des Schlüssels zu sein scheint.

Lesen möchte ich – alles erfahren.

Vom Leben des Straßenfegers, der nebenbei Bücher zu den tausenden Buchhändlern Kalkuttas transportiert, um überleben zu können. Von den Möglichkeiten, die dieser Mikrokosmos eines urbanen Literaturwunders bietet, in dem alle Berufsgruppen beheimatet sind, die es ermöglichen ein Manuskript schneller als in jedem anderen Land der Welt zum gebundenen Buch werden zu lassen.

Von den existenziellen Ängsten und Sorgen der Kleinverleger und Papierschneider vor den Großverlagen und ihrer Macht, und letztlich von den Verdiensten dieses, mit einem Ameisenstaat vergleichbaren, Bücherkosmos, der es den Menschen in einem von Armut geprägten Land erst ermöglichte, Bildung und Unterhaltung zu erschwinglichen Preisen zu erwerben.

All dies möchte ich lesen – in einem Zug – es ist packend und neu – es liest sich unverbraucht, inspirierend und zieht im Unbewussten Vergleiche zu unserer Welt der Bücher…

Eine textlich / visuelle Hommage an die Macht des Buches…

Ich könnte lesen… nur: Dieses Buch lässt genau das nicht zu. Anja Bohnhof, Fotografin und kongeniale „Stadt der Bücher“-Partnerin von Trojanow hält mich fest.

Ihre einzigartigen Bilder fesseln meinen Blick von Seite zu Seite mehr – sie lassen mich zurückblättern und genießen, machen nachdenklich und fröhlich, lassen mich schmunzeln und grübeln. Sie korrespondieren mit dem Text, als würden sie die Botschaft Trojanows mit einer eigenen Harmonie in die Welt tragen. Sie zeigen, was wir Leser erträumen, was Trojanow beschreibt und was doch unvorstellbar ist.

In hochauflösender Großformattechnik entstanden Bilder (analoges „High End-Material“) von vielen dieser typischen Buchgeschäfte und den sich stapelnden Werken aus allen Genres der Welt- und Fachliteratur in einer Detailtreue, die nur dem menschlichen Auge zu entsprechen scheint.

Keine Unschärfen – alles ist gestochen klar zu erkennen – bis zu den liebevoll platzierten und scheinbar wertvolleren Büchern im Hintergrund. Scharf bewacht vom Händler – bibliophiles Bücherbummeln scheint unmöglich – man muss nach einem Werk fragen – ganz gezielt und dann setzt sich dieser Kosmos in Bewegung, bis nach kurzer Zeit auch die seltensten Bücher den Weg zum Kunden finden. Bücher selbst in Augenschein zu nehmen – dies zeigen die Bilder – ist unmöglich.

Text und Bild gehen Hand in Hand und dort, wo sie gemeinsam eine Straße zu überqueren scheinen, genau dort sehen wir Bilder des Lebens in der literarischsten Straße des Erdballs. Hier zaubert Anja Bohnhof „bewegte Bilder“ in dieses Kunstwerk.

„College Street fehlt jedes Maß,
Bescheidenheit oder Beschränkung sind Fremdworte,
die in keinem der örtlichen Dialekte auftauchen.
Wer sich hier verirren sollte,
wird einer Überdosis Wissen erliegen.“

Mit einem Klick zum Set in Kalkutta – Das Interview mit Anja Bohnhof

Editorische Notiz:

Über Ilija Trojanows Zeilen zu schreiben war ein pures Vergnügen. Der Text transportiert Emotion und Wissen, schweift nicht ab und beschränkt sich auf die Magie des unbestechlichen Wortes. Die Rezension zum Textteil des KunstWerks ließ sich nicht bremsen – sie ging ihren eigenen Weg.

Über Anja Bohnhofs Bilder zu schreiben war eine Ehre. Warum? Literatwo ist ein stark visuell ausgerichtetes Blog-Konzept. Ohne die Bilder aus dem Buch zeigen zu können, wäre es mir nicht möglich gewesen, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, da sie an die Grenzen der publizierbaren Möglichkeiten gestoßen wären.

Eine Ehre ist es, weil ein Anruf bei Anja Bohnhof ausreichte, um diese Lücke zu schließen. Zwei Bilder zur exklusiven Veröffentlichung und die Verabredung zu einem Interview über die Entstehung und den Ablauf dieses Prokjektes aus Sicht der Fotografin waren Ergebnisse dieses Telefonates. Und schon waren sie da – meine Worte, auch zu den Bildern – vielleicht besonders zu den Bildern.

Hier geht es zum Interview mit exklusiven Fotos vom Set in Kalkutta!

The PATH continues… Literatwo & PATH….

Es liegt nahe, dieses Projekt gemeinsam mit unserem Teamfotografen PATH ( in der Literaturszene bekannt durch unsere gemeinsamen Projekte, wie Leo Tolstoi, Das Flamingobuch und Corine 2010) anzugehen, da auch er von den Bildern Anja Bohnhofs begeistert ist und (wie wir) mehr erfahren möchte über ein großes Projekt in Indien.