St. Alban – Lesenacht zum Welttag des Buches 2014

St. Alban im Zeichen des Welttages des Buches

St. Alban im Zeichen des Welttages des Buches

Für mich stand der diesjährige Welttag des Buches, neben einer Bücherverlosung auf Facebook, ganz im Zeichen einer Lesenacht im Kinderheim St. Alban am Ammersee. Am 26. April war es nun endlich soweit und die Vorfreude auf unseren zweiten Abend war auf beiden Seiten wohl sehr groß. Die Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren waren neugierig auf neue Bücher und die Neuigkeiten, die wir von der Buchmesse in Leipzig mitgebracht hatten.

Zwei große Themen hatten wir uns selbst vorgegeben. „SELECTION“ und St. Alban – das ist eine ganz eigene Geschichte, die mich vor wenigen Tagen zum Raily-Experiment veranlasst hatte, denn ich wurde tatsächlich von den Jugendlichen im Kinderheim dazu verführt, die ersten beiden Teile dieser Trilogie zu lesen. Ich wollte auf Augenhöhe sein, wenn wir über die Fortsetzung diskutieren… und ich war es! Und wie ich das war…

Darüber hinaus wollten wir den aktuellen Roman Letztendlich sind wir dem Universum egal vorstellen und herausfinden, wie das besondere Thema und die ungewöhnliche Ausgangssituation der Story bei Jugendlichen ankommen. Täglich in einem neuen Körper erwachen, sich in immer neuen Rollen zurechtfinden und sich dabei auch noch unsterblich verlieben. Wir waren fest davon überzeugt, dass wir mit diesem Buch einen perfekten Roman für Jungs und Mädels in diesem Alter im Gepäck haben.

St. Alban - Lesenacht mit besonderen Themen

St. Alban – Lesenacht mit besonderen Themen

Also nehmt bitte Platz, kuschelt euch aufs große Lesesofa, legt euch in einen gemütlich Lese-Sitz-Sack, sucht euch ein paar weiche Lesekissen aus und folgt uns in eine lustige, emotionale und facettenreiche Lesenacht. Nehmt am großen Casting von Selection teil und drückt euch selbst die Daumen, dass unser Universum es euch erlaubt, morgen in eurem eigenen Körper wach zu werden.

Wer weiß, was nach solchen Lesenächten passiert und ob auch jeder Prinz seine Prinzessin findet, oder O-Ton gestern Abend: „Gibt doch auch Jungs die gerne Prinzen finden würden!“ (Warum nicht…)

Der Einstig in „Selection“ war denkbar einfach. Ich erzählte kurz von meinem Experiment, die Bücher selbst zu lesen und von den sehr lustigen Kommentaren in der S-Bahn, als man mich mit diesen Covern in der Hand beobachtete. Als sich das Gelächter langsam beruhigte, war natürlich die Freude über „Die Elite“ groß, die Fortsetzung hatte dank des Sauerländer Verlages den Weg ins Kinderheim gefunden. Aber nicht nur das. Auch die besonderen Lesezeichen, die Grit Kästing mir für diesen Abend geschickt hatte, ernteten ein bewunderndes „Aaaaahhhh“ und „Oooohhh“ und die Begeisterung war groß.

St. Alban und Selection Spiegel und Lesezeichen

St. Alban und Selection Spiegel und Lesezeichen

Sofort wurden Lesezeichen mit Selection-Taschenspiegeln vereint… denn – unglaublich, aber wahr – einige der jungen Damen hatten sich diese Spieglein auf dunklen Kanälen (auch Buchhandlung genannt) schon besorgt und präsentierten die kleinen Schmuckstücke voller Stolz. Es musste nur eine Frage gestellt werden, um eine lange und wundervolle Diskussion in Gang zu setzen: „Was hat euch an Selection gefallen?“

Acht Selection-Leserinnen waren anwesend und die Aufzählung der positiven Seiten dieser Trilogie nahm kein Ende. Sympathien, wundervolle Zitate, traumhafte Situationen und alle nur denkbaren Gefühle, die das Lesen begleiten wurden ins Feld geführt und endlich konnte ich mitreden. Es ist mehr als nachvollziehbar, warum dieser Roman seine Leserinnen (und mich) fesselt und nicht mehr los lässt. Man nimmt selbst eine der Rollen ein und versucht sich vorzustellen, wie man selbst handeln und denken würde. Und wem man letztlich sein Herz schenkt.

Die Vorfreude auf den letzten Teil ist enorm und als ich das Cover des Schlussbandes „The One“ präsentierte, war die Begeisterung zu fühlen. Das weiße Kleid, der Titel und der Blick von America Singer auf dem Buchcover – all das verleitete uns dazu, über das mögliche Ende zu spekulieren. Und die Information, dass bereits im Herbst ein besonderes Buch erscheint, um die Wartezeit zu verkürzen, rief mehr als Begeisterung hervor.

Selection... Wir haben das Ende erfunden... Und was für ein Cover

Selection… Wir haben das Ende erfunden… Und was für ein Cover

Selection – StoriesKurzgeschichten aus Sicht von Aspen Leger und Prinz Maxon mit viel Hintergrundmaterial werden auch im Sauerländer Verlag erscheinen und ich hatte das englische Original schon dabei, um einen ersten Einblick zu ermöglichen. Die Zukunft der Lesenächte in St. Alban scheint gesichert, denn Selection wird uns noch länger beschäftigen. Wir haben gestern übrigens „unser“ Ende der Trilogie erfunden und wir werden überprüfen, ob die Autorin den Gedanken folgen möchte. So sieht es aus:

  • America Singer heiratet Prinz Maxon Shreave
  • Aspen Leger stirbt
  • Das Kastensystem im Königreich wird abgeschafft
  • König Clarkson Shreave stirbt
  • Die Rebellion bricht in sich zusammen

Und als wir das alle gemeinsam und vielstimmig so beschlossen hatten, meldete sich eine einzelne Stimme zu Wort und sagte nur: „Oder vielleicht doch ganz anders…“ (Wir hoffen inständig, dass der Roman nicht mit diesen magischen Worten endet!)

Es bleibt festzuhalten, dass Selection eine absolut beeindruckende Jugendbuchreihe ist, die ihre Leserinnen (und mich) tief in die Handlung saugt und nicht mehr los lässt. Die sozialkritische Botschaft kommt an und die Charaktere binden emotional. Was will man mehr von einem Buch? Wir werden bald die Kurzgeschichten lesen und dann das weiße Traumkleid zu finalen Showdown anziehen… (ich bevorzuge jedoch Hosen!).

Dem Universum ist St. Alban bestimmt nicht egal

Dem Universum ist St. Alban bestimmt nicht egal

Im zweiten Teil der St. Alban-Lesenacht widmeten wir uns einem Jugendbuch, das seine Leser erst finden sollte. „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan aus dem Hause Fischer FJB hat uns bereits in seinen Bann gezogen und nachhaltig beschäftigt. Auch lange nachdem wir das Buch geschlossen haben, denken wir darüber nach, was es bedeuten würde, täglich in einem neuen Körper zu erwachen, sich täglich in ein neues Leben zu finden und dabei zu wissen, dass man nur einen Tag bleiben kann, bevor die Reise weitergeht.

Nachdem ich einige Passagen vorgelesen und die Rahmenhandlung beschrieben hatte, sprudelten bereits die Fragen und Vermutungen. Allein der Gedanke, dies könnte wirklich passieren, verleitet zu Gedankenspielen und fordert interessante Gespräche heraus. In welchem Körper möchte man gerne erwachen – in welchem auf keinen Fall? Was, wenn man sich dann verliebt und jemanden davon überzeugen muss, dass nur das wahre Innere zählt und Äußerlichkeiten täuschen?

All diese Fragen kamen sofort auf und entfachten eine Diskussion um ein Buch, das nun gerade in St. Alban gelesen wird. Drei Exemplare wurden uns, zusätzlich zu einer großen Bücherkiste fürs Kinderheim, vom Fischer Verlag zur Verfügung gestellt und so ist gewährleistet, dass nicht nur gelesen, sondern auch zeitgleich weiter diskutiert werden kann.

St. Alban - Eine Bücherkiste und entspannte Leser

St. Alban – Eine Bücherkiste und entspannte Leser

Am Ende der Lesenacht heißt es, Danke zu sagen. Danke an Bianca, ohne die dies alles nicht möglich wäre, auch wenn sie die Lesenacht in Dresden begleiten muss. Du warst dabei. Danke an die Verlage Fischer FJB und Sauerländer, ohne die wir nur Salzstangen zum Besprechen gehabt hätten und Danke an Grit Kästing für eine tolle Lesezeichen-Überraschung. Und Danke an unsere Leser, die alle Kids von St. Alban ins Herz geschlossen haben und uns mit Rat und Tat unterstützen..

Und natürlich Danke an Schwester Anna und die Kids von St. Alban für die tollen Gespräche, eure Offenheit und den großen Bücherspaß, den wir in euren heiligen Hallen genießen dürfen. Am 29. Mai machen wir weiter. Gemeinsam mit Peggy Steike geht es dann um ein sehr wichtiges Thema. Der Holocaust in Wort und Bild… ein gemeinsames Projekt.

Bis dann 😉

[Und immer wieder Du] Esther Schweins im Buchmesse-Interview

Esther Schweins im Interview mit Literatwo

Esther Schweins im Interview mit Literatwo

Es war sehr unruhig auf der Leseinsel der Audioverlage. Die Leipziger Buchmesse 2014 hatte erneut alle Rekorde gebrochen und auch an diesem Samstag durchfluteten zahllose Büchermenschen die Messehallen. Konnte man hier Gedichte von Erich Fried vortragen? Konnte man hier die einzigartige Stimmung der aktuellen Random House Audio Produktion Erich Fried – Wieder und immer wieder, wieder du“ mit musikalischer Untermalung vor mehreren hundert Zuhörern entfalten?

Oh ja.. man konnte – und wie man dies konnte.

Schauspielerin Esther Schweins verzauberte gemeinsam mit Christoph Grube und seinen Musikern vom Projekt Wortschatz nicht nur die direkten Zuhörer, sondern sie sorgten gemeinsam dafür, dass sich eine unsichtbare Glocke aus zarten Liebesworten voller Harmonie über diesen Teil der Messehalle senkte und alle Menschen einschloss.

Wortkunst, geniale Interpretation und wundervolle Musik sorgten für ein Messeerlebnis der emotionalen Art. Ein anschließend mit Esther Schweins geführtes Exklusivinterview vermischt sich für uns noch heute mit der Atmosphäre dieser besonderen Veranstaltung. Wir mögen und können das nicht mehr trennen und so entstand dieser Artikel quasi als Wortspur einer besonderen Begegnung.

Erich Fried - Wieder und immer wieder Du - Esther Schweins

Erich Fried – Wieder und immer wieder Du – Esther Schweins / Christoph Grube

Die Stimme von Esther Schweins verleiht den Worten Erich Frieds wahre Zauberflügel. Sie umhüllt jeden Satz mit einer liebevollen Wärme aus Zuneigung und umschmeichelt die Herzen der Zuhörer. Wie kann man sich in eine solche Rolle fallen lassen, was macht für Sie die Herausforderung aus, Hörbuchsprecherin zu sein…? Das wollten wir gleich fragen… aber zuerst mussten wir gut zuhören.

Wo keine Freiheit ist
Bist du die Freiheit
Wo keine Würde ist
Bist du die Würde
Wo keine Wärme ist
Keine Nähe von Mensch zu Mensch
Bist du die Nähe und die Wärme
Herz der herzlosen Welt

Frau Schweins, in Ihrer besonderen Rolle als Hörbuchsprecherin verzichten Sie, im Gegensatz zu Ihrer schauspielerischen Tätigkeit, auf jegliche optisch-visuelle Präsenz. Weder Gestik noch Mimik unterstreichen das gesprochene Wort und auch Ihr Aussehen spielt eigentlich keine Rolle. Ist dies ein bewusster Verzicht oder eher eine große Chance?

Es ist nicht nur eine Chance, sondern ein absoluter Zugewinn. Ich habe eigentlich erst sehr spät die Liebschaft mit meiner Sprechstimme begonnen und dabei entdeckt, welches Spektrum es gibt, was meine Stimme kann und auf diesem Weg habe ich wirkliche Freude daran entwickelt. Ich sitze irrsinnig gerne im Studio oder auf der Bühne und lese vor.

Die Vorbereitung bei Film oder Theater verläuft sicherlich völlig anders. Wo sehen Sie die größten Unterschiede?

Als Schauspieler verlasse ich den Masken- oder Kostümbus und bin die Figur – die Rolle! Beim Lesen bin ich nicht nur eine Figur, sondern das Ensemble, indem ich die Tonlage, die Stimmlage oder das Tempo verändere. Je mutiger ich mich in diese Klaviatur vortaste, umso großartiger wird es. Dabei bin ich ja auch nicht alleine. Vieles wird mit dem Regisseur und dem Team entwickelt und es ist eine so schöne konzentrierte künstlerische Arbeit, die mich absolut gefangen nimmt.

esther Schweins wieder und immer wieder du erich fried 2

Liebesworte und Gefühle werden plötzlich greifbar und wir sehen im weiten Rund niemanden, der sich der Stimmung entziehen kann. Frieds Gedichte erreichen die Herzen und die Stimmen von Esther Schweins und Christoph Grube dienen als Brücke, die genau bis zu den Toren jedes einzelnen Zuhörers reicht. Wir wollten und mussten mehr erfahren… gleich…

Das Leben
wäre vielleicht
einfacher
wenn ich dich
nicht getroffen hätte
Es wäre nur nicht
mein Leben

Wie sehen Sie Ihre eigene Rolle als Hörbuchsprecherin?

Es gibt unglaublich viele logische Erweiterungen des Betätigungsfeldes der Schauspielerei. Die Stimme zu nutzen ist eine der großartigen Möglichkeiten für einen Künstler, der Kreativität von Schriftstellern Leben einzuhauchen. Das Schönste ist für mich dann erreicht, wenn der Autor oder die Autorin Gefallen am Ergebnis findet. Beim Teufelsgrinsen von Annelie Wendeberg haben wir genau diesen Punkt erreicht. Es ist schön zu hören, dass eine Schriftstellerin das Gefühl hat, Ihr Buch im wahrsten Sinne des Wortes zu erleben!

Die unterschiedlichen Spektren Ihrer Stimme genießen zu dürfen ist faszinierend. Wie würden Sie sich als Vorleserin ganzer Bücher und Interpretin von Gedichten selbst beschreiben?

Ich bin da noch auf einer Entdeckungsreise, die bei „Shrek“ als Prinzessin Fiona beginnt und jetzt bei Erich Fried angekommen ist. Ich bin selbst sehr gespannt, was da noch kommt…

Esther Schweins im Gespräch... Literatwo tief bewegt

Esther Schweins im Gespräch… Literatwo tief bewegt

Esther Schweins scheint sich zu sammeln, sich zu wappnen. Sie verharrt, schließt die Augen, faltet die Hände und beginnt langsam und mit brechender Stimme ein letztes Gedicht. „Das Schwere“ und obwohl es ihr nicht leicht fällt, empfindet man keine Schwere. Wir weinen… und wir haben das Gefühl, dies zu dürfen. Schleusen gehen auf und der Zauber zieht ein. Wie macht sie das? Und was bewegt sie selbst?

Die Landschaft sehen
und die Landschaft hören
und nicht nur hören und sehen
die eigenen Gedanken
die kommen und gehen
beim Denken an die Landschaft
an die Landschaft ohne dich
oder an dich in der Landschaft

Sie eben auf der Bühne zu erleben war mehr als bewegend. Beim letzten Gedicht von Erich Fried „Die Schwere“ befanden Sie sich in einem offensichtlich sehr emotionalen Zustand. Wir hatten das Gefühl, dass Sie der Inhalt extrem bewegt. Wir hatten absolute Gänsehaut, als Ihre Stimme brach… Gibt es dafür einen Grund?

(Lange Pause…) Tatsächlich ist es so, dass auf Mallorca am Montag der Lebenspartner eines meiner sehr engen Freunde freiwillig in den Tod gegangen ist und ich im Studio schon die Bedeutung dieses Gedichtes anders gesehen habe, als es auf den ersten Blick erscheint. Es geht nicht nur um eine endende Liebschaft. Für mich heißt es, nach einer Vielzahl von Lebenserfahrungen zu wissen, was es heißt in einer Landschaft zu stehen und diese durchsetzt von den Bildern und Gefühlen eines Menschen zu begreifen, den man verloren hat.

So sehr wissend, jetzt einen Menschen an meiner Seite zu haben, der nun so sehr darum ringen muss diese Landschaft zu erobern, ohne darin seinen Liebsten zu sehen.

Ich kann das heute. Auf einer Bühne stehen und wissen, dass alle Menschen im Publikum Ihre persönlichen Geschichten und Wunden mit sich bringen. Ich versuche in dem was ich tue, den Rahmen nicht zu verlassen, sondern kann eine Emotion tragen lassen und weiß, dass ich nicht das „Gesetz breche“. Maria Stuart soll nicht auf der Bühne weinen. Das Publikum soll unten weinen!

Und doch ist es legitim, Worte eines Dichters mit den eigenen Erlebnissen und Emotionen zu verbinden und auf den Weg zu schicken.

Wir glauben nicht, dass Sie das Gesetz gebrochen haben, aber wir haben schon gespürt, dass Sie sich vor diesem Gedicht richtig gesammelt haben – haben wir das richtig beobachtet?

Absolut. Mir wurde erst am Donnerstag klar, dass dieses Gedicht heute dabei ist und mir war klar, dass ich mich innerlich „warm anziehen muss“. Ich bin so froh, dass es gelungen ist, weil es… (bricht ab)…. ach ja… weil es eben auch für ihn ist….

esther Schweins wieder und immer wieder du erich fried

Wortschatz, Christoph Grube und Esther Schweins fühlen, was ihnen gelungen ist. Sie erkennen das Erkennen in den Augen der Menschen und es muss ein wundervolles Gefühl sein, diese Gefühle schweben zu lassen. Eine wundervolle Berufung mit vielen Facetten und Herausforderungen. Niemand schämt sich seiner Emotionen… unfassbar und doch fassbar zugleich.

Aber
du bist
wiedergekommen
Du
bist wieder
gekommen
Du

Ist es nicht schön, diese Möglichkeit der Widmung und damit auch der Verarbeitung als Künstler zu haben? Ein wahrer Traumberuf… oder?

Absolut! Für mich ist es ein Segen, das so tun zu können und auch zu dürfen. Der Beruf selbst ist schon ein Segen. Und ich kann sogar nützlich sein damit, weil es andere nicht laut sagen dürfen. Es ist für mich völlig in Ordnung, dass ich meine Erfahrungen mit aufnehme und in ein großes Projekt mitbringe, um anderen Menschen Türen und Tore zu sich selbst zu öffnen.

Und das nicht nur Zuhörern, die dies aus reinem Vergnügen tun, sondern ganz besonders auch Menschen, für die Hörbücher eine ganz besondere Rolle spielen, weil sie noch nicht oder nicht mehr gut lesen können, oder vielleicht sogar blind sind. Ich stelle es mir unglaublich anstrengend vor, ein ganzes Buch mit den Fingerkuppen erfühlen zu müssen – wie viel entspannter muss es da sein, auch mal zuhören zu können.

Dabei ist es echter Luxus, dass ich mir die Geschichten noch nicht mal selbst ausdenken muss. Ich muss sie „nur“ umsetzen… lacht!

Wir empfinden diese Umsetzung durch Sie als eigene großartige Kunstform!

Sie dürfen das sagen!

Welche zukünftigen Projekte werden uns bald Hören und Sehen vergehen lassen.

Oh, da kommt vieles… ich werde wahrscheinlich das neue Buch von Christiane F. einlesen und bald beginnen die Dreharbeiten zu einem neuen Rosamunde Pilcher Film. Ich freue mich schon sehr auf den Dreh in Cornwall.

Esther Schweins überzeugend und natürlich

Esther Schweins überzeugend und natürlich

Am Ende der Veranstaltung auf Esther Schweins zu treffen war für uns ein ebenso großes Erlebnis. In sich ruhend und entspannt begegneten wir einer Frau, die in aller Ernsthaftigkeit und Liebe einer Berufung zu folgen scheint. Die Atmosphäre des Gesprächs bleibt unvergessen. Witz und Gefühl gehen Hand in Hand bei ihr und Erich Fried hätte keine bessere Botschafterin finden können.

Ich bin zu groß geworden
für die kleine Liebe
ich bin zu klein geworden
für die große Liebe
und zu müde
um die Augen offen zu halten
und zu unruhig
für den Schlaf

Welche Frage würden Sie gerne einmal in einem Interview beantworten, einziges Problem… Ihnen hat noch niemals jemand die entsprechende Frage gestellt?

Haben Sie den Mann eben gesehen, der hier entlang gegangen ist? Den mit dem riesigen Ohrschmuck? Also wenn sie mich fragen würden, ob ich mir so was antun würde….

Frau Schweins, uns fällt da ganz spontan eine letzte Frage ein. Vielleicht haben Sie den Mann eben gesehen, den mit dem auffälligen Ohrschmuck… käme so etwas für Sie in Frage?

(Lacht herzhaft) ABSOLUT nicht!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Literatwo dankt Esther Schweins für das Gespräch

Literatwo dankt Esther Schweins für das Gespräch

Bei der Präsentation von „Erich Fried – Wieder und immer wieder, wieder du“ agierten Esther Schweins und Christoph Grube mehr als brillant und in unglaublicher Harmonie. Dabei trugen Sie nicht nur die Gedichte vor, die Sie auch auf der CD lesen, sondern auch jene, deren prominente Interpreten nicht in Leipzig waren. Hannelore Elsner, Hannes Jaennicke, Wolfgang Niedecken (BAP), Christian Berkel, Katja Riemann und viele andere sind auf der CD zu hören. Ein Genuss, der jedes Herz erreicht.

„Wieder und immer wieder, wieder du“ ist eine Hommage an den großen Liebeslyriker Erich Fried und eine Liebeserklärung an die Liebe selbst! Hört, genießt und weint ein wenig mit uns…

Hier eine exklusive Hörprobe…

(Wir danken unserer guten Freundin und Wegbegleiterin Theresa Engel für die wunderbaren Fotos, die für uns so viel mehr festgehalten haben, als man eigentlich sieht!)

Esther Schweins - Buchmesse Leipzig 2014

Esther Schweins – Buchmesse Leipzig 2014

Abgründig – Arno Strobels Höllentrip für Jugendliche

Abgründig von Arno Strobel

Abgründig von Arno Strobel

Kinderkram… echt jetzt. Da darf man endlich mal weg von der Familie und raus in die freie Natur, endlich nicht bevormundet werden und das richtige Abenteuer genießen… und dann DAS!

Das coole Bergcamp Grainau entpuppt sich für ein zusammengewürfeltes Grüppchen Jugendlicher schon schnell als Lager für „betreutes Klettern“ und genau das hatte man eigentlich nicht vor. Hey.. in dem Alter will man was erleben und nicht auch noch in seiner Freizeit auf Kleinkinder aufpassen. Da hat man die mächtige Zugspitze vor Augen und soll im Camp schön brav ein wenig rumkraxeln. Geht nicht… geht gar nicht! Und als sie auch noch ihre Handys abgeben müssen ist das Maß der Bevormundung übergelaufen.

Abenteuerlust und der Wunsch, endlich etwas Richtiges zu erleben bringen zehn Jugendliche auf die Idee, endlich mal aus dem Alltag auszubrechen und das Weite zu suchen. Ralf kennt sich immerhin blind in der Gegend aus, ist schon volljährig, hat den ersten Abend im Camp mit Alkohol aufgelockert und hat einen guten Plan. Warum eigentlich nicht, fragen sich die Anderen und so setzt sich das Grüppchen klammheimlich aus der behüteten Umgebung ab.

Abgründig von Arno Strobel - Kontratsreich

Abgründig von Arno Strobel – Kontrastreich

Ihr Ziel: eine einsame Berghütte oberhalb der geheimnisvollen Höllentalklamm, einer dunklen und feuchten Gebirgsschlucht am Fuße des höchsten Berges Deutschlands… Unwichtige Ausrüstung schleppt man nicht mit. Wenn man Ralf Glauben schenkt, dann ist es ein Kinderspiel, die Hütte zu erreichen. Aber eben eines ohne Aufsicht durch besserwissende Erwachsene.

Und so geht es los in ein unglaubliches Abenteuer, das sie wohl nie vergessen werden.

  • 10 Jugendliche
  • 1 Ziel
  • 1 falsche Fährte
  • Keine Handys
  • Keine Bergausrüstung
  • 1 Schweizer Taschenmesser
  • 1 Taschenlampe
  • 3 Flaschen Wodka

Wäre doch gelacht, wenn das nicht rocken würde, und wenn man dann nicht was zu erzählen hätte vom stinklangweiligen Camp. Und das Wetter spielt auch noch mit. Was will man mehr… Und die Gruppe passt zusammen. Das merkt man doch schnell.

Wie sehr man sich täuschen kann – in jeder Beziehung.

Abgründig - Arno Strobel - Extreme Fallhöhe

Abgründig – Arno Strobel – Extreme Fallhöhe

Das Unglück scheint bereits vorprogrammiert, als das Wetter kippt. Die Höllentalklamm liegt hinter ihnen. Sie sind durchnässt und nun gibt es nur noch einen Weg, sich vor dem aufziehenden Sturm zu schützen… weiter nach oben… das ist kürzer und ungefährlicher als jetzt noch umzukehren. Und Ralf kennt sich aus… blind sogar.

Wie sehr man sich irren kann…

Und so findet sich die Gruppe am Ende ihrer Kräfte fernab ihres eigentlichen Weges in einer einsamen Berghütte wieder, während der Sturm unvermindert an Kraft zunimmt und an eine Flucht ins Tal nicht mehr zu denken ist. Es rächt sich, dass man diese Tour unterschätzt hat. Es rächt sich, dass man bis auf ein paar Flaschen Wodka und ein paar Erdnüsse nichts in den Rucksäcken hat. Es rächt sich, dass man dem Ältesten in der Gruppe vertraut hat.

Letztendlich kippt mit dem Wetter auch die Stimmung in der Gruppe. Angst macht sich breit und Schuldzuweisungen schießen aus dem Boden. Stress bahnt sich seinen Weg, wird zu Gewalt und schon bald beginnen die ersten Handgreiflichkeiten.

Abgründig - Arno Strobel - Naturgewaltig

Abgründig – Arno Strobel – Naturgewaltig

Am Morgen nach der ersten grauenvollen Nacht in der Einsamkeit fehlt ausgerechnet der selbst ernannte Anführer. Keine Spur mehr von ihm, bis auf eine Blutlache in der Hütte und Blutspuren in der nahen Umgebung. Keine Spur von ihm, bis auf die blutverschmierte Hand von Tim, dem Einzigen unter ihnen, der ein dunkles Geheimnis in sich trägt…

Kann es sein, dass er nachts…? Ist es möglich, dass Ralf ermordet wurde? Die Gruppe dreht hohl und es entsteht ein brutales Katz- und Mausspiel um die Suche nach dem Täter. Es wird eng für Tim und der Sturm hält sie fest umklammert in dieser Hütte des Grauens.

Bestseller-Autor Arno Strobel schreibt mit „ABGRÜNDIG“ (Loewe Verlag) zum ersten Mal einen Thriller für Jugendliche. Wer Strobel kennt, der weiß, dass er seine Leser ernst nimmt. Er gestaltet einen Plot, der tragfähig ist und fordert seine Leser zum aktiven Lesen auf. Die Spurensuche an seiner Seite wird von Seite zu Seite spannender und seine Protagonisten lassen ihre Masken im Angesicht drohender Gefahr immer mehr fallen.

Die Ruhigen ziehen sich zurück, die Aufbrausenden agieren mit Gewalt und die Unauffälligen beginnen an Kontur zu gewinnen. Erste zarte Gefühle der Mädchen für einige der Jungs verschärfen die Situation zusätzlich, denn Eifersucht, Todesangst und stürmische Isolation sind wirklich keine guten Rahmenbedingungen für das gemeinsame Überleben.

Abgründig - Literatwo vor Ort in im Höllental

Abgründig – Literatwo vor Ort in im Höllental

Arno Strobel gelingt es mit „Abgründig“ nicht nur jugendliche Leser zu fesseln, auch die Fans seiner Psychothriller kommen auf ihre Kosten. Der Bestseller-Autor überzeugt, weil er sich nicht verbiegt. Er biedert sich der neuen Zielgruppe nicht an, er setzt ihr etwas vor, an dem sie zu knabbern hat. Eine komplexe Gruppenstruktur, die sich in ihrer Dynamik mehrfach über den Haufen wirft; Konflikte die ungezielt aufbrechen und Gefühle, die sich ungefiltert Raum verschaffen. Nichts Neues für Heranwachsende – alles schon selbst erlebt… nur nicht in dieser Dimension und so findet wohl jeder Leser „seine“ Helden im Roman, mit denen er leidet, hungert und die Decke teilt.

Man wird schnell zum Außenseiter im wahren Leben… man wird es schnell in Abgründig… man wird schnell zum Sündenbock, aber eben auch genauso schnell zur Zielscheibe gezielter Beeinflussung durch selbst ernannte Anführer.

Uns hat Arno Strobel erreicht. Wir kennen die Region, in der er seinen Jugend-Thriller angesiedelt hat und wissen aus eigener leidvoller Erfahrung, wie verloren man sich dort fühlen kann, wenn man sich selbst überschätzt. Die Handlung selbst kann überall spielen. Denn das Spiel mit der Angst in Verbindung mit der selbstzerstörerischen Dynamik einer Gruppe in akuter Lebensgefahr beschleunigt das reale Leben zu einem wahrhaftigen Höllentrip.

Abgründig ist tiefgründig… Strobel vom Feinsten.

Arno Strobel und Literatwo - Ein langer gemeinsamer Weg

Arno Strobel – Ein langer gemeinsamer Weg – Ein Klick genügt…

Ach ja, bevor wir es vergessen… Der ABGRÜNDIGe Weg ist damit noch nicht am Ende angelangt.

Die Outdoor-Blogger von erlebnisabenteuerundmehr haben schon oft gemeinsam mit uns alpine Romane auf ihre Plausibilität geprüft und im Gegenzug für die in der Rezension verwendeten Höllental-Bilder ist natürlich eine Ausgabe des Romans in die Hände der Alpenspezialisten geraten.

Mal gespannt, was dabei rauskommt. Bei Marc Ritters neuem Zugspitz-Polit-Thriller „Kreuzzug“ kamen wir auf diese Art und Weise zu überraschenden Übereinstimmungen. Bleibt gespannt 😉

Ein langer, langer Weg – Sebastian Barry bewegend und wortgewaltig

Ein langer, langer Weg - Sebastian Barry

Ein langer, langer Weg – Sebastian Barry

In meinem Leserherzen bin ich schon immer ein Ire gewesen. Ich fühle mich zu Hause auf der ewig grünen Insel und bin fasziniert von der abwechslungsreichen Geschichte des gespaltenen Landes. Melancholisch ist mir zumute, wenn ich irischen Autorenfedern folge. In ihrer Sprache schwingt eine Sehnsucht mit, die ihnen von Generationen irischer Vorfahren in die Wiege gelegt wurde. Mit William Butler Yeats lasse ich mich gerne auf sentimentale Gedichtabende ein, mit Roddy Doyle begegnete ich vier wichtigen Frauen, John Boyne verlieh meinem Lesen grenzenlose Flügel und nun lädt mich Sebastian Barry ein, ihm zu folgen.

Ein langer, langer Weg aus dem Steidl Verlag ist eine ganz besondere Lese-Herausforderung für mich, erwarte ich doch bestimmt nach Ernst Jüngers „In Stahlgewittern“ oder Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ nicht wirklich einen Roman über den Ersten Weltkrieg, der heute in der Lage ist, Maßstäbe zu setzen. Doch schon die Erzählperspektive und der Protagonist des mehr als episch anmutenden Schlachtengemäldes reizten meinen Lesedurst. Erstmals folge ich also – das grüne Kleeblatt im Herzen – einem jungen Iren auf die Schlachtfelder ins belgische Flandern der Jahre 1914 bis 1918.

Willie Dunne zieht in den Krieg – und er hat einen guten Grund, dies zu tun. Er wächst nicht mehr. Nun ist Willie Dunne kein Zwerg mit seinen 1,68 Metern, aber er wird wohl nie das erforderliche Gardemaß erreichen, das man benötigt, um Angehöriger der Polizei von Dublin zu werden. Er würde nie so werden, wie sein Vater. Doch nun bietet sich die große Chance auf Uniform und Ruhm… Willie Dunne zieht in den Krieg… frisch verliebt in seine Gretta und voller Illusionen im Gepäck.

Ein langer, langer Weg - Sebastian Barry

Ein langer, langer Weg – Sebastian Barry

Und nicht nur das. Er trägt die ganze Last der Geschichte Irlands im Tornister, denn für einen Iren ist dieser Krieg ein mehrschneidiges Schwert voller verborgener Feinde und Risiken. Für einen Iren ist eigentlich jeder Krieg ein Gefecht gegen seine eigenen Sehnsüchte. Denn Irland schickt seine Soldaten nicht als Söhne eines geeinten Landes auf die blutigen Schlachtfelder. Unter den königlich britischen Uniformen verbergen sich Soldaten, die zum Instrument innenpolitischer Bestrebungen gemacht werden.

Denn in den Reihen der britischen Streitkräfte sind irische Unionisten und Nationalisten zu finden. Die Einen voller Stolz und königstreu, ergeben mit dem Versprechen von ein wenig Selbstverwaltung im Gepäck und die Anderen, nach völliger Unabhängigkeit strebend und die historische Chance nutzend. Ihr Motto „Englands Probleme sind Irlands Chancen“. Beide Seiten Teil einer großen britischen Armee – beide Seiten in der Hoffnung, ihre Ziele mögen durch Loyalität im Krieg im anschließenden Frieden erfüllt werden. So trügerisch….

Willie Dunne ahnt nichts von alledem. Er wirft sich jugendlich naiv in die Schlacht und erlebt die Schrecken des Ersten Weltkrieges in voller Wucht. Menschenleben haben keinen Wert. Die Vernichtung vollzieht sich industriell und das Überleben wird zum reinen Glücksspiel. Als Willie Dunne zum ersten Mal den geheimnisvollen gelben Nebel auf sich zuströmen sieht, ahnt er zwar, dass die deutschen Gegner teuflisches im Sinn haben. Die unmenschliche Dimension des Gaskrieges verändert sein Denken jedoch für immer.

Ein langer, langer Weg - Sebastian Barry

Ein langer, langer Weg – Sebastian Barry

Da wo andere erblinden und ersticken, scheint sich sein Gesichtsfeld zu erweitern und aus Willie Dunne wird ein Mann der schlagartig erwacht. Dass dem gelben Gas des Feindes ein noch viel tödlicheres folgt, erkennt er zum ersten Mal auf einem kurzen Fronturlaub. Plötzlich sieht er sich in seiner Heimatstadt Dublin den Rebellen des Osteraufstandes gegenüber. Landsleuten. Iren.

Abseits vom Grabenkrieg in Flandern zwingt man ihn in der königlich britischen Uniform Flagge zu zeigen. Nach dem Gaskrieg das zweite Erwachen des Willie Dunne. Ein nachhaltiges erneut und völlig verändert kehrt er an die Front in Belgien zurück. Die Begriffe Freund und Feind verlieren ihre Kontur. Das ewige Warten auf die Briefe seiner Geliebten bringt ihn fast um, und sein Verständnis für die Aufständischen führt zu einem tiefen Zerwürfnis mit seinem Vater und entwurzelt ihn vollends. Ein entwurzelter Mensch hat keinen Halt – ein entwurzelter Soldat wird Treibgut.

Und wenn dazu noch der endlose Regen des Kriegsjahres 1917 die Schlachtfelder Belgiens ins Wasserflächen verwandelt, in denen Straßen und Wege nur noch zur Erinnerung werden, dann sind das Abgleiten, das Versinken und das Untergehen vorprogrammiert. Willie Dunne zog in den Krieg. Doch was er fand, war nicht das wonach er suchte. Kein Ruhm, keine Ehre und keine Menschlichkeit. Er fand viel mehr Feinde, als ein einzelner Mensch verkraften kann.

Ein langer, langer Weg - Sebastian Barry

Ein langer, langer Weg – Sebastian Barry

Vor diesem historischen Hintergrund entwickelt Sebastian Barry eine menschliche Tragödie ungeahnten Ausmaßes. Als würde ein Krieg allein nicht reichen, wirft er den jungen Willie Dunne in ein Gefecht, das vielschichtiger und hinterhältiger nicht sein kann. Sebastian Barry hier „nur“ einen Schriftsteller zu nennen, würde in diesem inneren Zusammenhang seinem Roman nicht gerecht. Er malt seine Worte, er meißelt seine Sätze, er formt seine Kapitel zu sprachgewaltigen Wortkunstwerken, die der Dimension des Schreckens eine Ebene verleihen, die ihresgleichen sucht.

Wer Leid und Sehnsucht in der eigenen irischen Melodie voller Melancholie hören, fühlen und schmecken möchte, der kann an diesem Roman nicht vorbei gehen. Wer mit Willie Dunne jemanden kennenlernen möchte, mit dem man leiden, weinen, hoffen und verzweifeln möchte, der darf an diesem Roman nicht vorbei gehen. Wer eine neue Dimension des Schreibens „Gegen den Krieg“ nicht versäumen möchte, der muss sich auf den Weg machen.

„Ein langer, langer Weg“ von Sebastian Barry ist ein wichtiger und bewegender Weg, den man gehen sollte. Die Sprachgewalt des irischen Autors macht sprachlos und doch erkennt man am Schicksal eines jungen Soldaten aus Dublin warum Irland auch heute noch alles andere als ein geeintes Land ist. Das grüne Kleeblatt ist gespalten – voller dunkler Lasten aus der Vergangenheit. Möge es Sebastian Barry gelingen, Verständnis zu wecken und Gefühl zum Bindeglied eines großen Traumes werden zu lassen.

Irland…. Ewig grün…

Der Erste Weltkrieg im Brennpunkt - ein Klick genügt

Der Erste Weltkrieg im Brennpunkt – ein Klick genügt

Der Erste Weltkrieg im Fokus von AstroLibrium: „In Stahlgewittern“ von Ernst Jünger, „Das späte Geständnis des Tristan Sadler“ von John Boyne, „Eins wollt ich dir noch sagen“ von Louisa Young und bald schon Jürgen Seidels „Der Krieg und das Mädchen“, sowie erneut John Boyne mit einem Jugendbuch „So nah wie fern“ . Ein Schwerpunktjahr hat gerade erst begonnen.

Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens – Elisabeth Zöller vergisst nicht

Anton oder die Zeit des unwerten Lebens

Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens

„Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens “ von Elisabeth Zöller
Eine Jugendbuchvorstellung nicht nur für Erwachsene.

anton oder die zeit des unwerten lebens spacer

Das Deutschland des Jahres 1938 war aus heutiger Sicht ein dunkles Land voller menschenverachtender Gedanken. Bürger, die nicht ins System der Machthaber passten, wurden durch sogenannte „Rassegesetze“ einfach zu „Nicht- oder Untermenschen“ erklärt, schrittweise ihrer Rechte beraubt und aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Massenmobbing würde man das heute nennen. Es traf zuerst die Deutschen mit jüdischem Glauben. Die Nationalsozialisten stellten all jene an den Rand der Gemeinschaft, die nicht ins ideologische Bild passten.

Die Verbote griffen immer weiter um sich. Juden durften nicht mehr in Kinos gehen, keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen, bestimmte Straßen nicht mehr betreten, mussten ihre Wohnungen verlassen und durften nur noch in Gegenden wohnen, in denen andere Juden angesiedelt wurden. Die Signalwirkung auf andere Bewohner des Landes war enorm. Man wusste, dass ein einziger Fehler ausreichen würde, um auch alle Rechte zu verlieren. Und wer wollte das schon riskieren?

Also befolgte man die Verbote. Man kaufte nicht in Geschäften jüdischer Kaufleute ein, bediente keine jüdischen Kunden, behandelte keine jüdischen Kranken und wunderte sich nicht, wenn jüdische Mitbürger verschwanden. Man entwickelte sich zu einem Volk der Zuschauer und war doch aktiv an all den Schritten beteiligt, die man für richtig hielt, um das eigene Volk stärker zu machen, als es jemals war. Die Angst ging um und als die Machthaber bemerkten, wie gut ihre Terrorherrschaft funktionierte, nahm man auch andere Menschen ins Visier, die nicht ins Bild vom „starken Deutschen“ – vom „Arier“ – passten.

Man begann, alle behinderten Menschen zu „unwertem Leben“ zu erklären!

Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens - Unfassbare Pläne

Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens – Unfassbare Pläne

1938 ist Anton gerade einmal sechs Jahre alt und lebt mit seiner Familie in Münster. Eine „gute deutsche Familie“, wie man es damals so sagen würde. Der Vater ist Beamter und eigentlich hat man nichts zu fürchten. Wäre da nicht ein Unfall gewesen, der Antons Leben von einer Sekunde auf die andere verändert hatte. Der Kopf war verletzt worden und nun ist Anton anders als vorher. Der rechte Arm ist gelähmt und mit seiner Sprache ist auch nicht alles so wie es sein sollte. Anton stottert und hat jegliches Gefühl für sich und seinen Körper verloren.

„Anton kannte sein Ich nicht mehr!“

Eine typische deutsche Mitläuferfamilie. Keine Nazis, aber auch nicht bereit, etwas gegen das schreiende Unrecht im Land zu tun. Brav lernt Antons Schwester für die Schule die „Rassenlehre“ und so bekommt man sehenden Auges mit, was den Juden geschieht. Und doch wächst die Angst um die eigene Zukunft, da Antons Eltern zu realisieren beginnen, dass nach den Juden nun die Menschen auf die Liste kommen, die durch Krankheiten anders sind. Behinderte werden zunehmend als „Schädlinge für die Volksgemeinschaft“ und „unnütze Esser“ angesehen.

Dabei ist Anton alles andere als unnütz. Mathematisch hochbegabt und als kleines Zeichentalent freut er sich darauf, endlich zur Schule gehen zu dürfen. Auch wenn das mit dem Schreiben noch nicht gut funktioniert und das Stottern bestimmt Probleme machen würde. Da sein Onkel Lehrer ist, wird das schon alles gut gehen – so denkt man sich die Zukunft schön. Wie sehr man sich in dieser dunklen Zeit täuschen konnte!

Anton oder die Zeit des unwerten Lebens - Demütigend

Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens – Demütigende Spiele

Für Anton beginnt schon am allerersten Schultag der Kampf ums Überleben, denn seine Schultüte ist prall gefüllt mit dem Hass von Lehrern und Mitschülern, die schon so tief im Glauben an ihren Führer Adolf Hitler gefangen sind, dass es ihnen als Pflicht erscheint, Anton zu quälen und ihm zu zeigen, dass er nicht dazugehört! Er ist es nicht wert – er ist unwertes Leben!

So wird Anton zum Spielball all jener, die nicht den Mumm haben sich zu wehren und auch zur Zielscheibe derer, die den Vorgaben der Diktatur blind folgen. Anton wird von Lehrern geprügelt, auf dem Schulhof von Mitschülern misshandelt und erlebt, was in den Familien seiner Schulkameraden vor sich geht. Dort sitzt man abends in gemütlicher Runde beisammen und spielt ein Brettspiel, das aus heutiger Sicht mehr als unglaublich ist. „Juden raus“ heißt es und kommt es nur darauf auf, die kleinen jüdischen Spielfiguren aus der Stadt zu vertreiben.

Über allem steht die ganz klar ausgesprochene Drohung, dass wenn man mit den Juden fertig sei, auch die Behinderten an die Reihe kommen. Der Zweite Weltkrieg fordert auch in Münster seinen Tribut. Essen wird rationiert und für Anton bleibt statt der geliebten Buchstabensuppe oft nur ein Teller mit warmer Wasserbrühe. Immer wieder muss er an den Begriff vom „unnützen Esser“ denken und begreift, dass er in Gefahr ist. Endlich beschließen seine Eltern zu handeln… Spät, aber sie lehnen sich auf.

1943 starten sie die Geheimsache Anton….

Anton oder die Zeit des unwerten Lebens - Hunger

Anton – Copyright der beiden Bilder im Rahmen – Frau Bianca Raum

Nach „Vaters Befehl oder Ein deutsches Mädel“ ist dies bereits das zweite Jugendbuch „Gegen das Vergessen“ aus der Feder von Elisabeth Zöller, das uns mehr als betroffen macht. Biancas Artikel zu diesem Buch spricht eine sehr deutliche Sprache!  „Wutlesen“ – anders kann man es nicht nennen, wenn man in die wahre Geschichte von Anton eintaucht und sich vor Augen hält, was im nationalsozialistischen Deutschland möglich und selbstverständlich war.

Der blinde Glaube an eine wahnsinnige Ideologie und die Angst, selbst ins Visier genommen zu werden, sorgten dafür, dass gegenüber dem „unwerten Leben“ jegliches Mitgefühl ausgeschaltet wurde und niemand mehr gewillt war, sich in die Gefühle der Betroffenen hinein zu versetzen. Mitgefühl, Mitleid oder Hilfsbereitschaft wurden systematisch ausgeschaltet und jeder war sich selbst der Nächste. Und für viele muss es einfach toll gewesen sein, sich an den „Sündenböcken“ der Gemeinschaft austoben zu dürfen!

Empathie wurde zum großen Fremdwort dieser Zeit!

Elisabeth Zöllers Bücher leisten einen wichtigen Beitrag, um einer Wiederholung solcher menschenverachtender Ereignisse vorzubeugen. Sie öffnet ihren Lesern die Augen und appelliert mit jedem Wort, jedem Satz und jedem Kapitel, nicht blind zu sein und sich aufzulehnen, wenn es darum geht für andere Menschen einzustehen. Was damals im Großen geschah, kann sich heute im Kleinen vollziehen. In der Klassengemeinschaft, in Gruppen und im Freundeskreis. Lasst dies nicht zu, denn dort wo das kleine Unrecht blüht, kann das große Unrecht Wurzeln schlagen. Haltet die Augen auf… lest… und handelt, dort wo ihr es könnt.

Die bewusste Blindheit von einst führte zum wohl unglaublichsten Massenmord der Weltgeschichte.

Anton oder die Zeit des unwerten Lebens - Lessons learned

Anton oder die Zeit des unwerten Lebens – Lessons learned

Das Lesen von „Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens(Fischer Schatzinsel) war schwer, es war erhellend, es hat wütend gemacht, Hoffnung vermittelt und die Augen geöffnet. Es ist ein wichtiges Buch für mich. Wenn man lesend seine Tochter im Rollstuhl durch die Weltgeschichte schiebt und realisiert, wie Freunde, Schule und Vereine im Umfeld heute reagieren, dann ist es nicht zuletzt Autoren wie Elisabeth Zöller zu verdanken, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Wir haben heute viel gelernt und vieles ist nicht mehr vorstellbar.

Der Begriff „unwertes Leben“ gehört nicht mehr zu unserem Sprachgebrauch – er darf auch nie wieder einen Platz in unseren Köpfen und Herzen einnehmen.

Holocaust-Gedenktag 2014 – „Hanas Koffer“ von Karen Levine

Hanas Koffer von Karen Levine - Das nie gelebte Leben der Hana Brady

Hanas Koffer von Karen Levine – Das nie gelebte Leben der Hana Brady

„Die Vergangenheit wirft ihren Schlagschatten auf gegenwärtiges und zukünftiges Gelände. Vergegenkunft nannte ich später meinen Zeitbegriff…“

Günter Grass „Schreiben nach Auschwitz“ – 13. Februar 1990

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Seit wir gemeinsam „Gegen das Vergessen“ der Opfer des Holocaust schreiben, werden wir Literatwos ständig mit diesem zeitlosen Zeitbegriff konfrontiert, da wir den historischen Schlagschatten des Erinnerns gerade in Büchern immer wieder spüren. Manchmal sind es Namen, oftmals Orte und immer wieder auch Gegenstände, die uns einholen und den Blick in die Vergangenheit richten lassen. Einer dieser Gegenstände ist ein Ring, über den ich vor kurzem schrieb. Jener Ring eines gefallenen Soldaten, der nun in meinen Händen liegt und damals alles veränderte: Weihnachten 1944…

Schlagschatten… Aus ihnen möchten wir selbst täglich lernen und anderen Menschen immer wieder vor Augen führen, dass sich Automatismen der Vergangenheit nur dann wiederholen können, wenn wir sie bis heute nicht verstehen. Erinnern heißt für uns auch Verhindern! Im Schreiben hier, in Gesprächen mit Freunden und im Dialog mit Jugendlichen an Schulen.

Wir wollen nicht vergessen und versuchen anhand ausgewählter Literatur, ganz besonders aus dem Bereich Jugend- und Kinderbuch, konstant dem Erinnern ein Gesicht zu geben. Wenn ihr das Gestern vergesst, werdet ihr das Morgen nicht bewusst erleben!

Hanas Koffer von Karen Levin - Dem Erinnern einen Namen geben

Hanas Koffer von Karen Levin – Dem Erinnern einen Namen geben

So öffnen wir anlässlich des Holocaust Gedenktages 2014 einen ganz besonderen Koffer. Er gehörte einst einem kleinen jüdischen Mädchen und ist augenscheinlich der letzte Gegenstand, der an dessen Existenz erinnert. Ansonsten ist er absolut leer. So wie die Erinnerung. Die Geschichte dieses Koffers beginnt vor langer Zeit mit der Deportation einer gewissen Hana Brady. Aber eigentlich beginnt seine Geschichte vor wenigen Jahren in Tokio….

Hanas Koffer“ von Karen Levine (Ravensburger)

Fumiko Ishioka wurde 1998 Leiterin eines kleinen Museums in Tokio. Die Mitarbeiter des „Tokyo Holocaust Center“ hatten sich zur Aufgabe gesetzt, japanische Schulkinder über die Verfolgung und Vernichtung millionenfachen Lebens in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland zu informieren. Fumiko traf sich mit Überlebenden und war von Anfang an bestrebt, dem Museum mehr Leben zu verleihen und den Kindern das Erinnern näher zu bringen. Erst im Jahr 2000, und nach vielen erfolglosen Versuchen, erhielt sie ein Paket aus dem „Auschwitz-Museum“.

Der Inhalt: Ein Kinderstrumpf und ein Schuh, ein Kinderpullover, ein Behälter mit der Aufschrift ZYKLON B und ein Koffer, der mit den Worten „Hana Brady, 16. Mai 1931 – Waisenkind“ gekennzeichnet war. Hanas Koffer. Und obwohl dieser Koffer unscheinbar aussah, öffnete er mit seiner bloßen Anwesenheit die Tür zu seiner vergessenen Besitzerin. Die japanischen Kinder hatten endlich ein greifbares Zeichen aus der Zeit des Holocaust – sie erkannten, dass jene Hana ebenfalls ein Kind war, als sie mit 13 Jahren in Auschwitz ankam. Und so rückte jenes unbekannte und gesichtslose Mädchen in den Mittelpunkt einer intensiven Spurensuche.

Hanas Koffer von Karen Levine - Mit Hanas Augen

Hanas Koffer von Karen Levine – Mit Hanas Augen

Inspiriert von den Fragen der Kinder und unterstützt durch eine kleine Gruppe von Schülern, die sich selbst „Die kleinen Flügel“ nannten, begann Fumiko Ishioka auf eigene Faust zu recherchieren. Reisen nach Auschwitz und Theresienstadt, Besuche in einigen Museen und Archiven brachten sie dem unbekannten Mädchen Schritt für Schritt näher. Sie entdeckte Zeichnungen mit Hanas Unterschrift, die während des Aufenthaltes in Theresienstadt entstanden sein mussten und jedes neue Detail diente als Triebfeder für weitere Reisen „Gegen das Vergessen“.

Der Koffer war der Auslöser. Die Aufschrift, das einzige greifbare Indiz und doch ließen sich die japanischen Schüler und die Leiterin des kleinen Holocaust-Museums nicht entmutigen. Der Durchbruch gelang, als man eine Liste fand. Eine jener berüchtigten Listen der Nazis, auf denen sie Namen und Zielorte der deportierten Juden dokumentierten und auf der Liste mit Hanas Namen fand sich ein zweiter Name… der ihres Bruders Gerorge. Und das Besondere an diesem Namen: er war nicht abgehakt worden, was vielleicht bedeutete, dass er Auschwitz nie erreicht hatte.

Konnte das bedeuten, dass er den Holocaust überlebt hatte? Konnte es sein, dass er vielleicht noch lebt?

Am Ende aller Recherchen steht ein Brief Fumikos nach Kanada. Der Adressat ein gewisser George Brady und der Inhalt eine aufrührende Bitte, sich mit ihr in Verbindung zu setzen, wenn er tatsächlich der Bruder von Hana wäre. Nun konnte man in Japan nichts weiter tun, als zu warten und zu hoffen, dem Geheimnis des Koffers endlich einen bedeutenden Schritt nähergekommen zu sein.

Hanas Koffer - Die kleinen Flüge - weltumspannend

Hanas Koffer – Die kleinen Flüge – weltumspannend

Karen Levine beschreibt in ihrem bewegenden Buch „Hanas Koffer“ die Geschichte dieser Spurensuche auf beeindruckende Art und Weise. Sie nähert sich der Neugier der Kinder in Tokio ebenso behutsam an, wie jener kleinen Hana, der die ganze Spurensuche galt. Das Ergebnis ist berührend, verstörend und hoffnungsvoll zugleich. Denn das Wunder trat tatsächlich ein. George Brady antwortete und er schrieb nicht nur einen emotionalen Brief an die Kleinen Flügel, er legte auch die Geschichte seiner Schwester und einzigartige Bilder von Hana bei. Er öffnete sein Herz und seine Geschichte für die Kinder, die seine Schwester nicht vergessen wollten.

Und so öffnet sich auch für uns Leser die Lebensgeschichte einer verfolgten Familie, die zur falschen Zeit am falschen Ort lebte. Einer jüdischen Familie, die in die Fänge der Nazis geriet und dem Holocaust gnadenlos ausgeliefert war. Das Schicksal der beiden Geschwister trifft den Leser auf jeder Seite ins hilflose Herz und doch zeigt das Buch, dass nur das Vergessen das endgültige Todesurteil für ein Menschenleben bedeutet. Die Kleinen Flügel und Fumiko Ishioka haben ihre Schwingen über die Welt ausgebreitet und einem vergessenen Schicksal ein Gesicht gegeben – Karen Levine hat dieser Geschichte in einer für Kinder ab 10 Jahren angemessenen Form einen ewigen Platz in unserer Erinnerung gegeben. Der Ravensburger Verlag hat eigens Unterrichtsmaterial zum Buch veröffentlicht und es ist für uns einer der größten Anwärter auf die Bezeichnung: Pflichtlektüre!

Hana Brady war erst 13, als sie am Ende ihres kurzen Lebens in Auschwitz vergast wurde. Sie gehört zu den vielen Millionen Opfern eines unvorstellbaren Massenmordes und sie hatte noch so viel Leben vor sich, das nicht gelebt werden durfte. Doch sie hatte einen Wunsch: sie wäre so gerne Lehrerin geworden und hätte gerne Kinder unterrichtet. Dieser Wunsch wurde ihr von einer Museumsleiterin, den Kleinen Flügeln, vielen Kindern weltweit und einer vorzüglichen Autorin erfüllt. Hana lehrt die Kinder der Welt, dass sich Auschwitz nicht wiederholen darf. Ihr Koffer reist durch die Welt und erzählt ihre Geschichte.

Die Sinnlosigkeit des Sterbens in Vergessenheit wurde diesem kleinen Mädchen genommen. Es war die vielleicht schwerste Last, die Hana Brady zu tragen hatte.

Hanas Koffer - Gegen das Vergessen

Hanas Koffer – Gegen das Vergessen

„So wird meine Rede zwar ihren Punkt finden müssen, doch dem Schreiben nach Auschwitz kann kein Ende versprochen werden, es sei denn, das Menschengeschecht gäbe sich auf.“

Günter Grass „Schreiben nach Auschwitz“ – 13. Februar 1990

Diesem zeitlos magischen Satz unseres Literatur-Nobelpreisträgers schließen wir uns lebenslänglich an. Dem Erinnern neue Dimensionen, dem Gedenken Farbe und Flügel verleihen, und dies nicht nur im Internet sondern auch im Dialog mit der Jugend von heute, dem haben wir uns verschrieben. Wir danken an dieser Stelle unseren Wegbegleitern und allen Verlagen, die dieses ehrgeizige Projekt bereits seit mehr als drei Jahren mit unfassbarem Engagement unterstützen.

Literatwo schreibt weiter „Gegen das Vergessen“ der Opfer jeglicher Verfolgung aus politischen, religiösen oder ethnischen Gründen. Wir kämpfen mit unseren Waffen für das aufrechte Gedenken an die Opfer des Holocaust und erinnern an jene, deren Auslöschung ideologisches Programm war und ist. Wir gehören keinem Menschengeschlecht an, das sich aufgegeben hat… Wir sind gerade erst aufgestanden!

Arndt Stroscher & Bianca Raum Literatwo

Literatwo "Gegen das Vergessen" - Eine Lebensaufgabe

„Gegen das Vergessen“ – Eine Lebensaufgabe

Ein mehr als persönlicher Nachtrag sei nach diesem persönlichen Text noch gestattet. Das Schicksal hat Hana Brady noch mehr als nur durch dieses Buch mit Literatwo verbunden. Ebenso wie bei Bianca fällt Hanas Geburtstag auf einen 16. Mai. Nur eben genau 54 Jahre, bevor auch Bianca das Licht der Welt erblickte. Dieser Geburtsagsverbundenheit wird zukünftig bei uns an jenem magischen Tag dadurch gedacht, dass wir Hanas Wiegenfest bei uns feiern. Leider hat sie nicht viele Geburtstage feiern können, aber wir werden es ihr schön machen.

Versprochen, Hana…

Mit einem Klick zu aktuellen "Holocaust-Projekten auf AstroLibrium

Mit einem Klick zu aktuellen „Holocaust-Projekten auf AstroLibrium

Juni 2014 – „Hanas Koffer“ tritt eine Reise „Gegen das Vergessen“ an! Werdet Teil des Projekts und begrüßt das Buch bei euch zu Hause… und es kommt nicht allein!

Hanas Koffer - Mit einem Klick zu Lesereise - Seid dabei...

Hanas Koffer – Mit einem Klick zu Lesereise – Seid dabei…

„Ich war ein Glückskind“ – Marion Charles auf der Flucht vor den Nazis

Ich war ein Glückskind - Marion Charles - Flucht vor dem Holocaust

Ich war ein Glückskind – Marion Charles – Flucht vor dem Holocaust

Ich war ein Glückskind – was für ein schöner und glücklich anmutender Buchtitel aus dem Hause CBJ! Wer kann schon von sich behaupten, in der Rückschau auf das eigenen Leben genau bei diesem Begriff zu enden, der alles erklärt, alles bezeichnet und keine Frage offen lässt? Und doch wird der Kontext des Titels schnell klar – das Cover spricht eine deutliche Sprache.

Dunkle Gleise ins Nirgendwo, ein unbeschwert dreinblickendes junges Mädchen und dann der grausame Hammerschlag eines dunklen Untertitels „Mein Weg aus Nazideutschland mit dem Kindertransport“. Glück definiert sich für Marion Charles anders. Das war Bianca und mir schon klar, als wir uns das Buch gemeinsam aussuchten.

Gegen das Vergessen des Holocaust lesen wir – gegen dieses Vergessen schreiben wir und so denken wir auch in unsere Tage hinein, wenn wir erkennen, dass sich Vergangenes zu wiederholen scheint. Glück war damals relativ. Es bedeutete manchmal nur das nackte Überleben. Das wissen wir seit Eva Mozes Kors Buch Ich habe den Todesengel überlebt – in den Zeiten der Nazi-Herrschaft schrieb man Glück sehr klein und mit einer gehörigen Portion negativem Beigeschmack. Denn Glück ging Hand in Hand mit Verlust.

Ich war ein Glückskind - Marion Charles - Spurensuche

Ich war ein Glückskind – Marion Charles – Spurensuche

Marion Charles war gerade einmal 11 Jahre alt, als sie ihre Eltern und ihre geliebte Heimatstadt Berlin verlassen musste. Ein Spielzeug durfte sie mitnehmen und nur die allernotwendigste Kleidung. Nicht viel für ein junges Leben. Sie durfte sich nicht verabschieden auf dem Bahnhof. Unauffällig hatte die Abreise erfolgen. Aufsehen sollte man keinesfalls erregen. Nur der Vater durfte seine Tochter zum Abschied begleiten. Ein Abschied für wie lange? Diese Frage schwebte wie ein Damoklesschwert über der kleinen Familie.

Am 4. Juli 1939 verließ die Jüdin Marion Charles Berlin in einem Kindertransport. Unter den aus Nazi-Sicht „normalen“ Fahrgästen befanden sich viele jüdische Kinder und Jugendliche, die im Rahmen einer beispiellosen Rettungsaktion einflussreicher britischer Kreise aus Deutschland evakuiert wurden. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und vor dem unfassbaren Höhepunkt der Judenverfolgung eine der letzten offenen Türen ins Ausland. Marion gehörte zu diesen Glückskindern.

Allerdings, der Preis für dieses Glück war unsäglich hoch. In ihrem Lebenszeugnis beschreibt Marion Charles anhand ihres Tagebuches und ihrer sehr persönlichen Kommentare aus heutiger Sicht ihre Ängste, Sorgen, das Gefühl der Verlorenheit und die ständige Angst um die geliebten Eltern, die in einem Land zurückbleiben mussten, das sich zum tödlichen Amboss für die jüdische Bevölkerung entwickeln sollte.

Ich war ein Glückskind - Marion Charles - Ein Denkmal

Ich war ein Glückskind – Marion Charles – Ein Denkmal

Unvergessen sind die Kindertransporte im Britischen Königreich. Ganze Dörfer hatten gesammelt, um die Kost und Logis für die Flüchtlingskinder aufzubringen. Mehr als 10000 jüdische Mädchen und Jungen fanden eine neue Heimat. Die Nazis hatten einen perfiden Plan. Sie wollten zunächst den Osten (Polen) erobern und streuten den Westmächten durch das Zugeständnis zu diesen Transporten Sand in die ach so blinden Augen!

Glückskinder… sollte man meinen. Und doch kamen sie aus einem Land, in dem sie sich verfolgt fühlten, in dem die täglichen Übergriffe auf Juden dramatischer wurden, in dem jüdische Blinde bald schon keine Blindenbinde mehr tragen durften (wie perfide… wie niederträchtig… wie sollte man auf Blinde aufpassen? Man stelle sich das alleine mal vor!) – aus einem Land, in dem die Vernichtung jüdischen Lebens bald an der Tagesordnung war.

Ebendiese geretteten Kinder kamen in ein Land an der Schwelle zum Krieg. Hier waren sie Deutsche… primär Feinde und erst beim tiefen Blick hinter die Kulissen ihres Lebens erschloss sich der Grund ihrer Anwesenheit. Marion Charles beschreibt dieses England – ihre neue Heimat – ihre neuen Gastfamilien – sehr differenziert. Viele handelten selbstlos und wurden zu Helden der Menschlichkeit, andere versuchten sich der jüdischen Kinder zu bedienen.

Ich war ein Glückskind - Marion Charles  - Hoffen und Bangen

Ich war ein Glückskind – Marion Charles – Hoffen und Bangen

Dieses Buch ist mehr als lesenswert. Es ist auf jeder Seite bewegend und wirft Fragen auf, die wir heute nicht beantworten können. Emotional arbeitet und wühlt man sich durch die Lebensaufzeichnungen eines Mädchens, das sich zwar in Sicherheit wähnt, aber vor Sorge um die eigenen Eltern fast stirbt.

Das Buch bringt Erinnerungen zutage, die auch bei uns noch sehr präsent sind. „The King`s Speech, vielen durch einen grandiosen Film ein Begriff, in der jener stotternde König von England den Krieg gegen Deutschland ausruft, seine Untertanen zusammenschweißt und ihnen den Sieg verspricht. Auf Marion wirkte diese Rede wie ein Desaster. Ihre Eltern waren jetzt nicht nur von den Nazis bedroht, sondern auch mitten im Krieg.

Wir erinnern uns an die Rede der jungen Prinzessin Elisabeth, die allen Kindern, die ihr Heim und ihre Familie verloren haben, eine neue Heimat verspricht. Eine Rede, die sie bereits in jungen Jahren zur Legende werden ließ. Eine unvergessene Rede, die für Marion Charles neue Hoffnung transportierte. Beide Zeitzeugen von einst leben noch. Marion schreibt, Elisabeth regiert.

Ich war ein Glückskind - Marion Charles - Flucht vor dem Holocaust

Ich war ein Glückskind – Marion Charles – Flucht vor dem Holocaust

Wir haben dieses Buch gemeinsam gelesen. Wir Literatwos haben uns mit Tan Ja und Petra zwei Leser ins Boot geholt, die den schweren Weg mit uns gehen wollten. Uns ist vieles gemeinsam widerfahren beim Lesen. Wir wurden wütend auf die Unterdrücker, wir litten mit der jungen Marion und wir verfolgten ihren schweren Weg von Familie zu Familie. Hier kommt ihr mit nur einem Klick zu den Statements unserer Weggefährten dieser Lesereise.

Wir hielten es für unmöglich, mit nur 25 Worten mit unseren Eltern schreiben zu dürfen – das war die Regel, die das Rote Kreuz mit den Machthabern ausgehandelt hatte. Lange vor Twitter galt es sich hier auf das Lebenswichtige zu beschränken. Wir haben geflucht, geheult und gehofft. Bis zuletzt. Für uns war und ist Marion Charles ein Glückskind, das einen hohen Preis für dieses kleine individuelle Glück gezahlt hat. Sie hat viel verloren in diesem Krieg… fast alles und trotzdem ist ihr Buch ein großes Werk der Hoffnung und Größe.

Wer diese Größe hat, sich selbst nach diesem schweren Weg als Glückskind zu bezeichnen, der hat dem Bösen ins Auge geschaut und ist wie Phoenix aus der Asche in unsere moderne Zeit aufgestanden. Wir sollten uns erheben, um Marion Charles in die Augen zu schauen. Ihre Größe ist nicht nur literarischer Natur. Sie macht uns zu Glückskindern, wenn wir ihre Zeilen lesen dürfen… und wir sind die Lernenden von heute.

Ich war ein Glückskind - Mit einem Klick zu den Meinungen

Ich war ein Glückskind – Mit einem Klick zu den Meinungen

„Ich war ein Glückskind“ erschließt sich in seiner erzählerischen Wucht jedem Menschen, dessen Herz ohne Vorurteile und freiheitsliebend schlägt. Ganz besonderes jedoch bewegt es den Leser, wenn er sich auf einen Perspektivwechsel einlässt. Wir haben dies gewagt und in der Betrachtung unserer eigenen Situation losgelöst von jeglicher geschichtlicher Einordnung viel nachgedacht.

Ich als Vater einer jungen Tochter kann mir wohl vorstellen, dass ihr Überleben in solchen Zeiten das höchste aller Ziele darstellen würde. Diese Trennung jedoch ist in ihrer Dimension nicht zu überbieten. Ohne Abschied und ohne die grundlegende Hoffnung eines schnellen Wiedersehens glaube ich nicht, dass ich die Kraft zum Loslassen hätte. Das Bild eines Mädchens am Bahnhof auf dem Weg ins Ungewisse würde eine lebenslange Wunde schlagen… und diese hat Marions Vater auch nicht verkraftet.

Bianca in ihrer besonderen Beziehung zu ihren Eltern würde sich auch nicht abreisend am Bahnsteig sehen. Sie würde um ihr Bleiben kämpfen und dem Schicksal die Stirn bieten. Das Bild des zurückbleibenden Vaters würde eine lebenslange Wunde in ihr hinterlassen, die zum unheilbaren Wegbegleiter aufwachsen würde.  Zu gewaltig und schmerzhaft wäre dieser Einschnitt – zu endgültig diese Trennung.

Wir hoffen bei Gott, niemals eine solche Entscheidung treffen zu müssen. Keine Ahnung, ob wir stark genug wären…

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„Himmelsfern“ von Jennifer Benkau – Eine Lesereise-Reportage (Teil 1)

Himmelsfern - Jennifer Benkau - Eine Reportage

Himmelsfern – Jennifer Benkau – Eine Reportage

Es gibt Geschichten, die eigentlich sehr schnell erzählt sind. Es gibt Erzählungen in der großen Tradition mündlicher Überlieferungen, die man in entspannter Atmosphäre am Lagerfeuer weitergeben möchte. Diese Geschichten zeichnen sich durch eine faszinierende Grundidee und eine Handlungsstruktur aus, die sich im Gedächtnis des Lesers einnistet und ihn auf allen Ebenen fesselt. Es sind dies die wahrhaft großen Geschichten – nicht viele sind dazu geeignet.

Dabei sind sie nicht leicht erzählt. Nicht leichten Herzens verfasst, aber umso mehr spürt man bei jedem Wort die unsichtbare Energie, die einen geschlossenen Kokon um das Erzählte webt, ein Vakuum erzeugt und eine Idee transportiert. In diesem alltagsfreien Raum lässt es sich leben, leiden, fliegen und fühlen… Herzensnah sind uns solche großen Bücher – und selten.

Himmelsfern“ ist uns mehr als herzensnah! Näher als es uns manchmal lieb sein konnte, denn dieser gerade erst erschienene Roman der deutschen Erfolgsautorin Jennifer Benkau bringt alle Saiten zum Schwingen, berührt alle Ebenen und lässt uns alle tief tauchen, atemlos verweilen und gebannt mitfiebern… und lässt uns weinen – vor Schmerz, vor Freude und vor lauter überschäumender emotionaler Spannung.

Himmelsfern - Jennifer Benkau - Ein herzensnahes Buch

Himmelsfern – Jennifer Benkau – Ein herzensnahes Buch

Himmelsfern ist für uns DER große Roman über Hoffnungslosigkeit unmöglich scheinender Liebe. Ein Thema, an dem sich viele Schriftsteller versucht haben. Einige haben sich verhoben, einige sind nie in die wahre Tiefe vorgedrungen. Jennifer Benkau jedoch erweist sich als große Romantikerin, die es versteht ein Buch für jedes Alter und Geschlecht zu schreiben, weil sie diesen Leitgedanken so plausibel transportiert, als wäre ihr das alles selbst geschehen.

Noa`s geregeltes Leben verändert sich schlagartig. Von einer Sekunde auf die andere. Ein schlechtes Gefühl beim Betreten einer S-Bahn, eine seltsam warnende Stimme „Steig nicht ein“ und ein schrecklicher Unfall bringen die Welt des jungen Mädchens aus dem Gleichgewicht. Sie überlebt, aber es scheint ihr nicht auf puren Zufällen zu beruhen. Schicksal? Fügung? Fragen, die sie nicht alleine beantworten kann.

Sie begibt sich auf die Suche ihres Lebens. Jagt dem Mann hinterher, der sich schützend über sie warf, als der Zug entgleiste und hört in sich hinein, wessen Stimme sie vor dem Unfall gewarnt haben könnte. Schritt für Schritt wird sie fündig und Zug um Zug begibt sie sich tiefer hinein in den Strudel von Ereignissen, deren Ursachen für sie eigentlich ins Reich der Fantasie gehören.

Himmelsfern - Jennifer Benkau - Fixsterne im Lebensuniversum

Himmelsfern – Jennifer Benkau – Fixsterne im Lebensuniversum

Als sie ihrem Retter gegenüber steht, beginnt ihre eigentliche Geschichte. Denn bevor sie sich bedanken kann wird sie entführt und in einen Konflikt hineingezogen, der so alt zu sein scheint wie die Menschheit selbst. Marlon heißt ihr Entführer und obwohl Noa sich in der Opferrolle wähnt, empfindet sie doch bald mehr als bloße Sympathie für den mysteriösen jungen Mann, den ein tiefes Geheimnis zu umgeben scheint. Und doch wird er zum Fixstern in ihrem Universum.

Noa und Marlon finden ihren Weg zueinander, indem sie sich öffnen… ihre Ängste und Hoffnungen offenbaren und einander am Leben des anderen teilhaben lassen. Und doch bleiben Zweifel. Kann Marlons Geschichte stimmen? Ist es wahr, was er Noa erzählt? Die Unmöglichkeit der Liebe steht wie eine unsichtbare Wand zwischen ihnen, denn Marlon bleibt nicht mehr viel Zeit.

Tage, vielleicht wenige Wochen trennen ihn von einem Schritt, der eigentlich nur in den alten Legenden möglich scheint. Marlon ist ein Mensch auf Zeit und er wird sich verwandeln. Seine Tage auf Erden sind abgelaufen und es gibt nur eine Möglichkeit für ihn, jemals an eine Rückkehr zu denken. Die wahre Liebe, die ihm etwas schenkt, über das er nach seiner Metamorphose nicht mehr verfügt: Erinnerung.

Himmelsfern - Jennifer Benkau - Träume

Himmelsfern – Jennifer Benkau – Träume

Mystisches und Reales vermischen sich zu einer unfassbar dichten Geschichte, in der Noa zum Rettungsanker selbstloser Gefühle wird und gegen alle Zweifel aus ihrem Umfeld das Bekenntnis für ihre wahre und einzige Liebe abgeben muss. Sie will Marlon nicht verlieren – sie kann sich ein Leben ohne ihn nicht vorstellen… zu nah sind sie sich gekommen… zu groß ist all ihr Gefühl. Sie sind füreinander bestimmt und große Worte verbinden sie gegen jede Vernunft.

Und doch ist Marlons drohende Verwandlung in eine Harpyie, jenes uralte vogelähnliche Fabelwesen, nicht das einzige Hindernis auf ihrem Weg. Jäger sind auf der Suche nach ihm und seinen Freunden. Jäger, die seit jeher diese Verwandlung unterbinden wollen. Jedes Mittel ist ihnen dabei recht – eine generationsübergreifende Verfolgungsjagd setzt sich fort. Ihr Ausgang scheint klar. Die Verlierer stehen von vornherein fest. Denkt man… so war es schon so oft…

Und selbst wenn Marlon nicht gefasst werden sollte, steht ihm eine Metamorphose bevor, die ihm jegliches menschliche Gefühl und Erinnern raubt. Wird es Noa gelingen, ihn vor den Jägern zu retten, um ihn dann zu verlieren und dann, am Ende aller Tage, auf den Ebenen von Liebe, Vertrauen und Erinnerung zurückzugewinnen? Die Chance ist gering. Die Hoffnung allerdings gewaltig!

Himmelsfern - Jennifer Benkau - Wir waren unterwegs

Himmelsfern – Jennifer Benkau – Wir waren unterwegs

Jennifer Benkau fühlt und leidet vor. Sie sprintet uns mit ihren Worten in einen atemlosen Lesezustand und erlöst uns mit den romantischsten Momenten der ungestörten hoffnungsvollen Zweisamkeit. Und doch hütet sie den Zweifel am Ausgang ihrer Erzählung wie ein großes Geheimnis. Sie hütet ihn bis zuletzt… bis an jenem Strand… und unserem Bild von einer wartenden Frau… Es ist ein Bild, das uns noch heute sprachlos macht.

Wir sind Himmelsfern gefolgt, wie ihr den Bildern entnehmen könnt. Wir sind mit mulmigem Gefühl in die S-Bahn gestiegen und haben die letzten Zeilen an einem Strand gelesen. Keine unserer Reisen war derart emotional… kein Weg war zu weit und kein Gefühl zu groß für uns. Jennifer Benkau hat mit „Himmelsfern“ eine schwarze Feder an den literarischen Himmel gezeichnet, die uns für alle Zeiten an eine romantische Geschichte erinnern wird.

Und da wir uns erinnern, trotzdem uns die Geschichte verwandelt hat, sind wir heute wieder hier. Jennifer selbst hat uns aus dem Strudel ihres Romans befreit. Sie war Verheißung und Erfüllung zugleich. An dieses Buch wird man sich lange erinnern. Ein würdiger Nachfolger von Dark Canopy und Dark Destiny… ein Buch der ganz großen Gefühle.

Himmelsfern - Unsere Reise ging in St. Alban weiter

Himmelsfern – Unsere Reise ging in St. Alban weiter

An dieser Stelle darf es nicht überraschen, dass unsere Reise zu „Himmelsfern“ noch lange nicht zu Ende ist. Im zweiten Teil unserer Reportage entführen wir euch zu einem magischen Leseabend vor Jugendlichen des Kinderheims St. Alban am Ammersee, die sich über die live via Telefon zugeschaltete Himmelsfern-Autorin mehr als gefreut haben.

Von dort führt unser Weg fast direkt zur Buchmesse nach Frankfurt und unserem Exklusivinterview mit Jennifer Benkau und wir lüften das Geheimnis, warum man das EBook-Shorty Himmelsnah unbedingt gelesen haben muss. Wenn uns etwas am Herzen liegt, dann dauern unsere Reisen lebenslang… und sie sind federleicht!

Kommt ihr mit?

Himmelsfern und Himmelsnah... hier geht die Reise bald weiter

Himmelsfern und Himmelsnah… hier geht die Reise bald weiter

„St. Alban & Mr. Rail“ – Eine Lesenacht im Kinderheim…

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Kinderheim St. Alban – Ein Leseabend mit Literatwo

Friedlich legt sich der Tag zur Ruhe über dem idyllisch gelegenen Ammersee. Tief im Herzen Bayerns suchen bunte Segelschiffe und freundliche Menschen ihre Liegeplätze auf, freuen sich auf ein ruhiges und entspanntes Wochenende und genießen das Gefühl, im stillen Hafen zu liegen. Seelen baumeln lassen… ein friedliches Bild.

Und doch ist es irgendwo am Ufer des Ammersees ein wenig anders heute Abend. Hier wird nicht gebaumelt, hier wird nicht im ruhigen Wasser des Sees gedümpelt… hier findet sie tatsächlich statt. Die erste Literatwo-Lesenacht im Kinderheim der Benediktinerinnen von St. Alban. Und glaubt uns, eine solche Lesenacht hat mehr mit Drachen, wilden Kämpfen, glorreichen Helden, geheimnisvollen Geistern und schwarzen Raben zu tun, als euch lieb sein kann.

Es wird mehr als spannend und gefühlvoll… es wird gruselig und romantisch… es wird genauso, wie unsere Herzensbücher eben sind. Großes Kopfkino für Jung und Alt – ein Abend im Kreise toller Menschen umgeben von ebenso tollen Büchern. Wenn ihr in Richtung Süden schaut, dann könnt ihr ganz bestimmt die Fantasie-Ideen-Wolken erkennen, die sich über dem See zu einem leuchtenden kleinen Zeichen einer Gemeinschaft formen, die nur eins im Sinn hat…:

Den Geist in das Land der Fantasie entführen zu lassen… Könnt ihr uns sehen?

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Literatwo und die Benediktiner… eine schöne Verbindung…

Das Kinderheim St. Alban ist eine sozialpädagogische Einrichtung in Trägerschaft der in Dießen ansässigen Benediktinerinnen. (Ganz nebenbei… unsere Leser wissen, dass unsere Medaillons ebenfalls von jenem Orden stammen und uns sehr viel bedeuten). In mehreren Wohneinheiten leben dort Kinder unterschiedlichen Alters und Geschlechts zusammen, deren soziales Umfeld eine vorübergehende oder dauerhafte Heimerziehung erforderlich macht.

Ich habe die Kids bei einem ersten „Anschnuppern“ kennenlernen dürfen und ich kann nur immer wieder betonen, wie fasziniert ich von dieser literarischen „Heuschreckenplage“ am Ammersee war und bin. Hier wird gelesen, was das Zeug hält und wir Literatwos haben uns schnell dazu entschlossen, eine Vielzahl unserer Leseexemplare aus dem Kinder- und Jugendbuchbereich dort anzusiedeln. Glaubt uns… sie fühlen sich dort wohl… mehr als das.

Peggy Steike, die mit uns befreundete Kunstmalerin (ihr kennt sie von mehreren gemeinsamen Projekten: Spiegelkind und Malerin gegen das Vergessen) hat uns inspiriert und die Tür ins Kinderheim geöffnet. Auch sie engagiert sich dort und nun haben ihre Bilder mit „unseren“ Büchern tiefe Freundschaft geschlossen. Und das Bindeglied ist eine Frau von Herz, Humor und großer Krimileidenschaft. Schwester Anna betreut, erzieht, spielt und ist da – und das mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt. Davor ziehen wir unseren Hut.

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Lachen helfen – kein Problem mit diesen Bären an Bord

So entstand sehr schnell die Idee zu einer kleinen Lesenacht am Seeufer. Heute ist die Premiere und wir denken, dass wir hier mit etwas Zukunftsfähigem beginnen. Es ist ein Anfang… ein erster Tag des Buches… gemeinsam in St. Alban.

Wir haben sehr herzlich zu danken. Denn seitdem wir zaghaft von diesem Kinderheim erzählen erreicht uns eine Welle der Unterstützung, die uns sprachlos macht. Isabell Lehmann von Lachen helfen (auch sie kennt ihr vom Welttag des Buches) ist immer noch der Meinung, dass da wo Drachen sind auch Bären leben müssen und so freuen sich heute Abend einige der Kleinsten über ein Herzensgeschenk, das vor Vergnügen nur so brummen wird 😉 Wir danken aufrichtig!

Das Gleiche gilt für „unsere“ Verlage, die allein für den ersten Leseabend eine so schöne Auswahl an geeigneter Literatur zur Verfügung gestellt haben, dass es wirklich ein Vergnügen sein wird, den Kindern und Jugendlichen diese besonderen Werke vorzustellen und gemeinsam zu lesen.

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Unser Dank an so viele Verlage….

Wie läuft das ab am heutigen Abend? Diese Frage erreicht uns oft in den letzten Tagen. Wir beginnen mit den „Kleinen“ im Lesealter ab sechs Jahren und sie werden Kenny und der Drache von Tony DiTerlizzi in ihr Herz schließen. Ein unheimlich schönes Märchen über den Wert der Freundschaft, das Finden des eigenen Weges und die Tatsache, dass die Kleinsten oftmals auch die Schlausten sind.

Vorlesen ist angesagt und meine Stimme ist bereits gut geölt… drachentauglich und hasenschnell… Wird das ein Spaß…

Die „Großen“ ab zwölf Jahren werden danach das Vergnügen haben, mit Jonathan Strouds Agentur „Lockwood & Co.“ auf Geisterjagd zu gehen und in die Hintergründe zu unserem Interview einzusteigen. Fragen rund ums Buch werden aufgeworfen und wir haben da natürlich einiges zu erzählen. Zum Vorlesen und Diskutieren haben wir uns „Himmelsfern“ von Jennifer Benkau ausgewählt.

Spannend und emotional soll es sein. Gefühlig, romantisch und mit Action. Glaubt uns… dieses Buch bietet alles, was hier auf der Liste steht. Und wir werden Sterne dabeihaben. Sterne, die im Buch die Frage aufwerfen, ob alles vom Schicksal bestimmt ist, oder ob Lebenswege auch anders aussehen können. Sind die Wege von einem Fixstern zum nächsten gerade oder verworren… und haben wir sie selbst im Griff…?

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Lockwood & Co. und Himmelsfern – Eine Lesenacht

Darüber wollen wir reden… uns austauschen und auch unsere Lebenswege in den Raum werfen. Ach ja… apropos Raum werfen! Eine Liveschaltung zu Bianca nach Dresden ist fester Bestandteil des Himmelsfern Themas, denn wenn es um Fixsterne geht, dann darf sie nicht fehlen.

Gemeinsam wollen wir erzählen, wie schön es ist, gleichzeitig im gleichen Buch zu versinken und wahnsinnig tiefe Gespräche darüber führen zu können. Himmelsnah wird Dresden heute an den Ammersee heranrücken. Das Raum-Zeit-Kontinuum bleibt gewahrt und gemeinsam geht es auch in diesen Leseabend.

Und – unfassbar toll für uns – auch Jennifer Benkau hat eine große Überraschung für uns… Sie wird auch dabei sein… live zugeschaltet und im Dialog mit ihren Lesern erleben, wie es so zugehen wird in St. Alban.  Kann das Bücherleben schöner sein?

Jetzt geht es bald los. Wir melden uns aus St. Alban und werden berichten. Aber vorher danken wir auch unseren Lesern. Unzählige Fragen haben uns erreicht und viel Unterstützung wurde uns selbstlos angeboten… Es ist warm bei uns. Wir kennen viele von euch persönlich – einige jedoch nur vom Schreiben, aber das was wir gerade fühlen und zu spüren bekommen ist eine Wärme, die wir im Internet nicht für möglich gehalten hätten.

Und nun los ihr Drachen, Harpyien und ihr wundervollen Mädchen, strahlenden Helden, Hasen und Bären, Geister und Agenten… Vorhang auf… es „literatwot“ in den Hallen von St. Alban.

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„Das Gewicht des Himmels“ von Tracy Guzeman

Das Gewicht des Himmels von Tracy Guzeman

Das Gewicht des Himmels von Tracy Guzeman

Ich wache früher auf, jetzt wo die Vögel wieder da sind
und in den unverwüstlichen Bäumen singen.

Auf meinem Feldbett am offenen Fenster liege ich
wie verbrauchtes Land, wenn der Frühling naht.

Mit diesen Gedichtzeilen von Mary Oliver (Ich bleibe – 1963) beginnt der Debütroman der amerikanischen Autorin Tracy Guzeman: Das Gewicht des Himmels (Diana Verlag). Zeilen, die sofort zum Verweilen einladen und den Leser in eine Position bringen, die er während des gesamten Buches nicht mehr aufgeben möchte. So legen auch wir uns auf ein Feldbett am offenen Fenster und blicken auf die Vögel, die wieder da sind, auf das verbrauchte Land, wenn der Frühling naht.

Wir blicken zurück auf eine Geschichte über die Magie der Liebe, die schwere Last lebenslanger Schuld, Momente aufrichtiger leidenschaftlicher Hoffnung und die unermesslichen Folgen einer Lebenslüge. Ein Roman über Kunst und Malerei – für uns ganz einfach ein Bild von einem Buch. Wir werden zum Teil eines Gemäldes, finden uns in den Farben und Schattierungen wieder und lassen unserem Lesepinsel freien Lauf…

Aus vormals weißen Flächen entstehen Leseskizzen und von Seite zu Seite konturiert sich eine Geschichte, die uns in Sprache, Charakterzeichnung und Komplexität an ein epochales Wandgemälde erinnert.

Das Gewicht des Himmels von Tracy Guzeman

Das Gewicht des Himmels von Tracy Guzeman

Thomas Bayber gilt als einer der wohl bekanntesten Maler seiner Zeit. Unermesslich wertvoll sind seine Gemälde und Museen, Sammler und Galerien können sich glücklich schätzen, wenn sie einen echten Baybers in ihrem Besitz haben. All seine Bilder sind katalogisiert und erforscht… lückenlos. Und doch wartet auf den engen Vertrauten, Förderer und Kenner des großen Malers eine riesige Überraschung.

Am Ende seines Lebens angekommen bittet Bayber seinen Freund Dennis Finch darum, ein bis zu diesem Zeitpunkt völlig unbekanntes Gemälde zu verkaufen. Schnell erkennt Dennis, dass es keineswegs um den Verkauf des Gemäldes gehen kann. Er kennt alle Werke des Künstlers und das Auftauchen dieses Bildes ist mehr als eine Sensation in der Kunstszene. Gemeinsam mit einem unabhängigen Kunstexperten (auch dies ein Wunsch Baybers) beginnt er sich dem Geheimnis des Bildes zu nähern.

Das Gemälde zeigt den Maler auf einem Sofa sitzend, flankiert von zwei unbekannten Frauen. Junge Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und denen er nach eigenen Aussagen im Jahr 1963 zum ersten Mal begegnete. Eine Begegnung, die für niemanden auf dem Bild ohne Folgen bleiben würde. Während eine der Frauen besitzergreifend wirkt, erinnert die jüngere Frau in ihrer naiven Schüchternheit jeder Vorstellung unschuldiger Liebe.

Das Gewicht des Himmels von Tracy Guzeman

Das Gewicht des Himmels von Tracy Guzeman

Wir folgen den Blicken der Experten gebannt, erleben, wie es ihnen gelingt, den Zeitpunkt der Entstehung des Bildes zu bestimmen und folgen ihnen auf der Suche nach einem unermesslich größeren Geheimnis.

„Da war etwas Ungewöhnliches an den Armen der Mädchen…“

Es handelt sich nicht nur um ein Bild. Ein Triptychon ist damals aus der Hand des Malers entstanden und erzählt eine große und bisher verborgene Geschichte. Doch er selbst kann dazu nichts mehr sagen. Ein Schlaganfall lässt ihn verstummen und in der Suche nach den beiden jungen Frauen von einst liegt für die beiden Experten der einzige Schlüssel zur Lösung. Schwestern sind es. Alice und Natalie Kessler sind dem jungen Maler nicht nur 1963 begegnet. Mehrmals kreuzten sich ihre Wege und eine tragische Lüge verbindet das Schicksal dieser drei Menschen für immer miteinander.

Je mehr sich unser Bild von diesem Roman mit Farbe füllt, umso tiefer tauchen wir in die Vergangenheit ein. Wir sehen Barber einem jungen und sehr kranken Mädchen die Hand führen; erleben, wie er sie, durch einen Schal miteinander verbunden, malend schwerelos macht. Wir erleben wilde Romantik, sinnlose Enttäuschung und die purste Form des Schmerzes, den nur unglücklich Verliebte und Belogene empfinden können. Von Pinselstrich zu Pinselstrich erkennen wir mehr Details und doch ist die Lösung des Rätsels ein solch gewaltiger Schlag für den Leser, dass er fassungslos und mit Tränen in den Augen vor einem gänzlich neuen Gemälde steht.

Das Gewicht des Himmels von Tracy Guzeman

Das Gewicht des Himmels von Tracy Guzeman

Die Schattierungen mehrerer Leben haben ihre Spuren hinterlassen und ein Bild gezeichnet, das eine ganze Lebensgalerie zu füllen vermag. Für uns war dieses Buch wie der Besuch in einer literarischen Vernissage und gleichzeitig auch eine offene Tür in das Atelier der Vergangenheit eines großen Künstlers.

Tracy Guzeman ist es gelungen, auch unsere Hände mit dem Schal ihrer liebevoll tragischen Erzählung miteinander zu verbinden. Schwerelos gelang es uns, die gleichen Farben zu erkennen, an den gleichen Stellen vergleichbare Tränen zu vergießen und die besonderen Charaktere in unsere Herzen zu schließen. Und immer, wenn einer von uns beiden den Halt zu verlieren drohte, war immer die Hand des Anderen da, um ihn aufzufangen und Halt zu geben.

Diese Rezension ist ein eigenes Bild geworden. Sie verrät nicht zu viel vom großen Lebensgemälde des Thomas Bayber… aber wenn ihr ganz genau hinschaut, dann seht ihr auffällige Anzeichen davon, dass unter der sichtbaren Schicht an Worten eine Tiefe verborgen ist, die es durch das Lesen dieses Romans für sich selbst zu erschließen gilt.

Macht euch doch selbst ein Bild von diesem Buch… (selten haben wir das so wörtlich gemeint)….

Das Gewicht des Himmels von Tracy Guzeman

Das Gewicht des Himmels von Tracy Guzeman

Ach, ich sehe die großen Schiffe auslaufen,
meine Wunden zucken vor Ungeduld.
Und doch kehre ich um,
ordne die weinenden Trümmer meines Hauses.
Hier oder nirgends
Mache ich meinen Frieden mit der Welt.